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27. März 07

Nix mit Nichi-Doku

von Gunda

Nachdem unser Reiskocher mutig in der Anleitung völlig unjapanische Rezepte für Gerichte direkt aus dem Reiskocher in der Anleitung präsentierte, packte mich gestern der Mut: Ich wollte Milchreis machen.

Dazu wäre noch zu sagen, daß das für viele Japaner das Ekligste ist, was man so mit Reis anstellen kann. Am liebsten essen ihn die meisten sowieso pur zu irgendwas dazu.

Eigentlich hätte ich mir das schon denken können, daß es mit Milch Probleme geben könnte. Und während ich mich oben ganz entspannt mit der Beantwortung meiner e-Mails beschäftigt habe, ist unten der Reiskocher übergekocht und hat eine wahnsinnige Schweinerei in der Küche veranstaltet.

Ich habe hinterher eine Stunde gebraucht, um das Gerät wieder sauber zu bekommen, und zum Schluß mußte mir Thomas sogar noch beim Wiederzusammenbauen helfen.

SO weit geht die Internationalität dieses Gerätes dann nun wohl doch nicht…  ;-)

26. März 07

In the Ghetto

von Gunda

Nachdem ich neulich den Probe-Arbeitstag erfolgreich absolviert habe und Poolia mich als Praktikantin (im Gegensatz zu der ominösen Firma in Bonn) haben will, konnten wir die ganze Sucherei durch einen schönen Nachmittag mit Yoshi abschließen. Und wirklich war ich viel entspannter als ich es noch in der Bewerbungsphase gewesen wäre.

Zu diesem Zweck haben wir uns in Düsseldorf getroffen, um eine lang vermißte Nudelsuppe (Ramen) und chinesische “Maultaschen” (Gyoza) zu essen. Gekocht von Japanern im japanischen Viertel in Düsseldorf und mit weit über 50% Japanern als Gäste. Wir waren also im NaNiWa, einem Stück Japan, wie es echter in Deutschland nicht sein konnte. Während wir da saßen kam mir der Gedanke auch ganz komisch vor, wieder in Deutschland zu sein, wenn wir das Lokal verlassen. Ich war sogar SO begeistert, daß ich den Rest der Suppe, den ich nicht mehr geschafft hatte, einpacken lassen habe und den ganzen Tag mit mir herumgeschleppt habe bis wir zu Hause waren.

Leider war es Sonntag und die Geschäfte waren geschlossen. Die werden wir bestimmt nochmal genauer unter die Lupe nehmen. Es gibt sogar ein Mitsukoshi-Kaufhaus, was ich wirklich nicht für möglich gehalten hätte. (Das ist in Japan sehr berühmt.)

Alles in Allem war das ein wirklich schöner Tag, und wir waren Yoshi sehr dankbar, daß sie uns alles gezeigt hat. Natürlich wäre es auch woanders nett gewesen. Aber jetzt wissen wir, wo wir uns hinflüchten können, wenn uns mal das Japan-Heimweh packt.

Außerdem haben wir uns zum Stammtisch für junge Leute am 2.4. bei der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Bonn angemeldet und sind schon ganz gespannt.

Und noch was Neues gibt es in Richtung Japan: Samstag hat mich mein Chef von der Sprachenschule in Tsuchiura (TIA) angerufen. Nach einigen Plaudereien hat er mir eröffnet, daß er mich gerne als Online-Lehrerin für Deutsch hätte.  (Darüber hatten wir noch in Japan mal kurz gesprochen.) Zwar wird das bestimmt nicht einfach mit den acht Stunden Zeitverschiebung und den 40 Std./Woche Praktikum; aber einen Versuch ist es wert. Und schließlich ist es auch eine tolle Chance. Und natürlich DIE Gelegenheit, auch beruflich in Kontakt mit Japan zu bleiben.

Komisch fand mein Chef vorallem, daß wir Japan nach unserer Rückkehr nicht völlig abgehakt haben, sondern uns im Gegenteil immer mehr Anknüpfungspunkte in Deutschland suchen. Erstaunt war er auch darüber, daß man Ramen in Deutschland essen kann und vermutete dann gleich, daß die bestimmt nicht echt wären. Als ich dann erklärte, daß alles aus Japan importiert wäre und von Japanern gekocht werden würde, die in Deutschland leben, fand er es wohl NOCH skurriler, daß es Japaner gibt, die dauerhaft in Deutschland leben wollen. Aber das kenne ich auch schon von anderen Japanern. Und Yoshi meinte dazu ganz passend, daß es bestimmt auch viele Deutsche gibt, die sich nicht vorstellen können, daß ihre Landsleute dauerhaft im Ausland leben wollen.

Letztlich haben wir eben doch alle unsere Tellerränder…

26. Dezember 06

Badekultur international

von Gunda

Wir haben das Baden in Japan immer sehr genossen und beneiden die Japaner auch immernoch um Onsen & Co. Aber schließlich gibt es ja auch europäische Bade- und Entspannungskultur, und die wollten wir dann nach langer Zeit mal wieder genießen, um den Umzugsstreß von uns abfallen zu lassen. Also sind wir im Copa Ca Backum in Herten (bei Thomas' Eltern) in die Saunalandschaft gegangen.

In Japan ist das öffentliche Bad sozusagen die Erweiterung des Zuhauses. (Im ländlichen Bereich sieht man auch schonmal jemanden in Yukata oder Schlafanzug abends vor dem Schlafengehen zum Bad pilgern.) Dort wird intensive Körperpflege schon fast rituell betrieben. Und wer sich nicht mindestens mit einem Peelingschwamm und ordentlich viel Seife vor dem Baden abgeschrubbt hat, gilt als dreckig. Aber auch Rasieren, Nagelpflege und Zähneputzen gehören für viele zum Programm. Wenn Ausländer das Bad betreten, lösen sie sofort Angst aus, daß das Badewasser verschmutzt werden könnte, weil sie sich nicht genug waschen. Gerade bei den Frauen scheint das der Fall zu sein. Ich bin oft genau beobachtet worden, wie sehr ich mich wasche und habe dann auch genau das getan, was die Japanerinnen gemacht haben. Auch, um zu beweisen, daß auch Ausländer die Regeln kennen.

Umso geschockter waren wir natürlich über die Regeln in der deutschen Sauna: Keine Körperpflege außer das Waschen mit Seife war erlaubt. Noch nichtmal Schwämme. Das sei unhygienisch. Sowas solle man doch lieber zu Hause benutzen. Auch Zähneputzen und Fußpflege war verboten (was ich widerum nachvollziehen konnte).

Da haben die Japaner wohl Recht: Ausländer sind dreckig.  ;-)

06. Dezember 06

Noch mehr da

von Gunda

Telefonmenschen, Anmeldungen, schlampige Handwerker... Erst jetzt merken wir in voller Bandbreite, wie viel schwerer und umständlicher das Leben in Deutschland ist... Und wie viel weniger als in Japan Dinge sofort und mit Service so funktionieren, wie sie sollten...

Jetzt sind auch unsere Sachen aus Berlin da. Zeit, einen neuen deutschen Haushalt einzurichten. Meine aktuellste Rundmail dazu:

"Liebe Freunde!

Es ist geschafft! Wir wohnen in der neuen Wohnung!
Im Moment ist alles noch sehr provisorisch, und es gibt mehr Kisten als Möbel; aber wir fühlen uns ein großes Stück mehr "angekommen" in Bonn.
Und dies ist unser erster Tag mit Internet zu Hause!

Hier die Details:

Vergangenen Donnerstag sind wir von der möblierten Wohnung in die neue, noch leere Wohnung gezogen. Dabei hat uns der Vermieter der möblierten Wohnung geholfen. Wir haben sein Auto bis zum Rand gefüllt ("Das wird aber ein enges Höschen."), und er ist damit (und mit Thomas) nach Bonn gefahren.

Dann haben wir in den Japan-Kisten nach der Luftmatratze, Decken und Kissen gesucht. (Dank Zollerklärung war das fast einfach.) Die Pumpe fiel nach und nach aus, sodaß Thomas die ganze doppelte Luftmatratze mit dem Mund aufgepustet hat.
Freitag kamen dann erstmal noch alle möglichen Handwerker. Anschließend sind wir nach Berlin gefahren, wo wir mitten in der Nacht ankamen.

Samstag haben wir das Zimmer in Rudow ausgeräumt, in dem alle unsere Sachen die letzten zwei Jahre gelagert waren. Da wir erst davon ausgegangen waren, wieder nach Berlin zurückzugehen, waren die Sachen mehr schlecht als recht auf einen Transport vorbereitet. Ortrun und meine Eltern haben uns tatkräftig unterstützt. Zum Schluß hat Philine, bei der meine Wellensittiche in den letzten zwei Jahren waren, die Vögel noch netterweise vorbeigebracht. Ein paar Kleinigkeiten mußten wir in Berlin lassen, weil der LKW voll war.
Dann ging es los. Thomas fuhr mit dem Zug, meine Eltern und ich im LKW. Den hatten wir gnadenlos zu schwer gemacht, sodaß er laut Aussage meines Vaters "wie ein nasser Schwamm" zu fahren war. Mit einem LKW darf man nur 80 km/std fahren, was aber kein anderer LKW-Fahrer tun wollte. Deshalb gab es ein ständiges Gedränge und Geschiebe, was unsere Sicherheit nicht gerade erhöhte. Gegen Ende haben meine Mutter und ich meinen Vater durch Fragen zu unserer Familiengeschichte wachhalten müssen. Und dann fing es auch noch an zu regnen... Aber da kam auch schon Bonn und damit das Parkplatzproblem. Mein Vater fand dann einen Platz ziemlich weit weg von unserer Wohnung. Um 3h waren wir im Bett. Dabei wollten wir Sonntag früh gleich mit dem Ausräumen anfangen, weil der LKW Montag um 8h abgegeben werden mußte.

Sonntag haben wir also ausgeladen. (Ich bin gleich am Morgen mit Migräne und ersten Anzeichen einer Erkältung aufgewacht...) Zweiter Stock Altbau, kein Fahrstuhl. Juchhu!
Mein Vater hielt erst in der Einfahrt neben unserem Haus und fuhr später einmal um den Block auf einen "richtigen" Parkplatz vor unserer Tür. Bei dieser Aktion kippte ein Reagal im LKW um, und ein Bein brach ab.
Die Wohnungstür wurde ausgehängt, und etwas schleppend ging es los. Dann tauchte plötzlich ein Mann auf der Straße auf, der uns anbot, uns für ein Päckchen Tabak zu helfen. Da er sehr schnell und kräftig war, nahmen wir das Angebot gerne an. Im Prinzip gibt es bei uns eigentlich kaum was zu klauen; aber ein bischen aufgepaßt haben wir dann schon... Plötzlich ging alles viel schneller. (Auch, wenn die Türrahmen jetzt so einige Macken haben...) Später hat uns noch der Nachbar von einer Etage tiefer geholfen, der sich noch lebhaft daran erinnern konnte, wie das bei ihm und seiner Freundin vor einem Jahr war. (Die kannten auch niemanden in Bonn, der hätte helfen können.)
Dem Herren von der Straße, der sich als Junky auf Entzug rausstellte (Etwas Ähnliches hatte ich mir schon gedacht.), mußten wir dann doch Geld geben. Daraufhin kam er später nochmal wieder und meinte, das sei zu viel Geld gewesen; da müßte er noch mehr helfen. Darüber waren wir natürlich nicht böse...
Meine Eltern sind dann längst nach Einbruch der Dunkelheit wieder zurück nach Berlin gefahren und waren um 5.30h zu Hause. Gerade richtig, um den LKW abzugeben... Sie haben uns aber schon vorher gesagt, das sei nun wirklich der letzte Umzug gewesen, bei dem sie geholfen hätten. (Man wird halt auch nicht jünger... ;-) )

Tja, und jetzt sitzen wir hier inmitten von Kisten. Unser Problem ist, daß wir noch kaum Möbel haben, in die wir die Sachen aus den Kisten füllen könnten. Die müßten erst noch aufgebaut werden. Dafür aber braucht man Platz, den wir nicht haben, weil alles voller Kisten steht... Deshalb habe ich die letzten Tage damit verbracht, erstmal besser zu stapeln. (Ich eigne mich wohl ganz gut als Hochstaplerin...)
Ach ja, und dann würden wir ja liebend gerne vom Gästebett auf unser Bett umziehen. Beim Auseinanderbauen habe ich auch schön alle Schrauben usw. in einer Dose gesammelt und beschriftet. Die Dose habe ich beim Einräumen immer extra gehalten. Und plötzlich war sie weg. Da hatte sie einer unserer netten Helfer einfach in irgendeiner Kiste verschwinden lassen, und wir wissen nicht, in welcher...

Alles in allem macht sich hier bei uns neben dem Muskelkater und anderen Blessuren (Thomas hat einen handgroßen blauen Fleck plus Schramme am Schienbein, weil er beim Einladen zwischen LKW und Rampe abgerutscht ist.) eine positive Stimmung breitgemacht, die ein bischen nach Aufbruch riecht. Einige Sachen sind schon da, wo sie hingehören, und das Bad ist schon fast fertig eingerichtet. Ab und zu kommen noch Handwerker oder Telefonmenschen vorbei; aber das ist jetzt eher das "Feintuning". ...und die Vögel waren direkt nach dem Transport total fit. Jetzt thronen sie auf einem Kistenberg und zwitschern vor sich hin. Beim Räumen mache ich mir jetzt Musik an, und so haben alle ihren Spaß.

Ab und zu entfliehen wir dem Ganzen, um uns etwas zum Essen zu holen, denn wir haben noch keine Küche (und keine Waschmachine). - Das kommt nächste Woche.

Samstag kommen Thomas' Eltern zum Gucken und für den Weihnachtsmarkt. Am Abend habe ich ein Konzert mit dem Chor der Münsterbasilika Bonn, der zwar musikalisch noch nicht mein Traumziel ist, aber für den Einstieg nach zwei Jahren Untätigkeit erstmal ganz schön ist.

Ach ja, und was sagen die anderen? Bisher fast immer, daß die Wohnung toll ist, und im zweiten Atemzug, daß sie aber nicht darin wohnen wollen würden. Und plötzlich ist mir mal wieder klar geworden, was für ein Glück Thomas und ich haben, daß wir uns auch in verrückten Wohnungsdingen so einig sind...

(...) 

Wir freuen uns auf Besuch. Habt eine schöne Adventszeit und freut Euch Eurer gemütlichen Wohnungen!

Gunda"

30. Oktober 06

Neubürger

von Gunda

Seit heute sind wir sogenannte "Bonner Neubürger". Wir haben uns angemeldet, nachdem Yamato Transport für die Auslieferung unserer Sachen aus Japan eine Meldebescheinigung gefordert hat. ("We need a document. The document is Anmeldung. You know?")

Wie auch immer... Wir haben eine dicke Infomappe über Bonn bekommen und ein Gutscheinheft für viele Theater, Museen und andere Veranstaltungsorte. Das Heft ist ein halbes Jahr gültig. Da werden wir noch einiges kostenlos an Kultur abgreifen können. - Ein toller Service der Stadt!

Einziger Wehrmutstropfen: Beethoven war leider gerade nicht abkömmlich, um uns persönlich per Handschlag zu begrüßen.

Jedenfalls gefällt uns Bonn (bis auf die Leute, die immer am unumgänglichen Bahnhof rumlungern) sehr gut. Und gerade die Gegend, in der wir wohnen werden und die Innenstadt sehen aus, wie im Museum. - Unsere japanischen Gäste werden begeistert sein...

23. Oktober 06

Was dem Japaner sein Reiskocher...

von Gunda

Wir haben jetzt einen Brotbackautomaten! Immer frisches Brot mit wenig Aufwand und billiger ist's auch! Ich bin immernoch ganz begeistert...

Der Reiskocher von Yodobashi Camera für 220 V kommt dann Anfang Dezember per Seekiste noch hinterher. Dann sind wir komplett "nichidoku".  ;-)

16. Oktober 06

"Wo seid Ihr denn jetzt?"

von Gunda

In einer möblierten Wohnung in eim Vorort von Bonn. - Bornheim / Uedorf. Nette Eigenheim-Gegend. Nur leider fährt der letzte Zug aus Bonn etwas früh...
Ende November ziehen wir in die Stadt. Dann können wir alles Wichtige maximal mit dem Fahrrad erreichen.

Und bis dahin?
Thomas kann bei der Arbeit alles Mögliche von Grund auf mitgestalten, was ihm sichtlich gut tut. Auch das eigene Büro nach der japanischen Schuhkarton-Großraumbüro-Zeit.
Ich suche derzeit einen Job, der hoffentlich etwas mit Japan zu tun haben wird.

In unserer Freizeit erkunden wir unsere neue Umgebung.
Alles noch neu, alles spannend.
Wir werden sehen...

10. Oktober 06

Montagnachmittag in Uedorf

von Gunda

Ich ziehe meinen schweren Rollkoffer von der Bahn zum Haus. Plötzlich kommt mir eine Gruppe Kinder (zwischen 3 und 6 Jahren) entgegen. Spielen die mir Streiche? (Warum denke ich eigentlich in Deutschland immer gleich das Schlimmste?)

"Hallo! Wollen Sie ein schönes Lied hören?" Klar will ich. "Wir sammeln Süßigkeiten," sagt ein dicker Junge und hält mir eine Dose mit einem Stück Schokolade unter die Nase. Das Mädchen, das mich zuerst gefragt hat, holt ein paar Klanghölzer aus einem Körbchen, die Gruppe stellt sich auf wie die Orgelpfeifen und los geht's mit "Alle meine Entchen". Sehr schön, bestimmt geübt und wirklich nett.

Ich muß natürlich die ganze Zeit über meinen potentiellen Süßigkeitenvorrat in sämtlichen Taschen nachdenken. Als sie fertig sind, fange ich an zu kramen. "Ihr wißt ja, daß Erwachsene nicht immerzu Süßigkeiten dabeihaben." "Ja, leider," grinst der dicke Junge. "Also, hier sind ziemlich scharfe Pfefferminzkaugummis. Das findet Ihr wahrscheinlich nicht so toll." "Nee." Grimassen. "Ah ja, hier habe ich noch zwei Bonbons aus Japan." "Wow! Cool!" sagt der dicke Junge und streckt mir freudestrahlend die Dose entgegen. Ich werde nett verabschiedet, und die Kinder bedanken sich alle nochmal.

Japan in Deutschland und nette deutsche Kinder. Das Land hat mehr Zukunft (und ich plötzlich mehr Zuversicht) als viele glauben...

29. September 06

Dankeschön

von Thomas

Das ist nun der allerletzte Eintrag in diesem Blog aus Japan!

Ein herzliches Dankeschön an alle, die in den letzten 2 Jahren immer wieder unsere Beiträge gelesen und oft auch kommentiert haben. Man hätte sicher noch viel mehr schreiben können, aber oft fehlte dazu die Zeit, vor allem in den letzten paar Wochen. Und trotzdem,  rückblickend gibt der Blog doch einen ganz guten Überblick darueber, was uns hier passiert ist, was uns beeindruckt, überrascht und oft auch verwirrt hat, was wir schön oder kurios, seltsam oder aufregend fanden, und wir so auch für uns selbst immer eine Erinnerungshilfe an die Zeit hier in Japan bleiben.

In den nächsten Tagen/Wochen werden sicher noch so manche rückschauende Beiträge hier erscheinen, aber dann irgendwann wird das Projekt wohl endgültig beendet sein. Was dann kommt, wer weiss...

Also nochmal vielen Dank an all die uns meist (leider) unbekannten Leser!  Dieser Blog hat uns und hoffentlich  auch euch viel Spass  und Freude gemacht :)

Noch mehr Abschiede

von Gunda

Gestern hatte ich meine letzten Unterrichtsstunden.

Der Abschied von der "Deutschfamilie" (Ich habe die Tochter unterrichtet.) ist mir besonders schwergefallen. Die waren alle immer so herzlich und lustig... Die Mutter hat mir erzaehlt, dass der Tochter die Zeit mit mir sehr viel bedeutet haette. Und das Maedchen hat mir zum Schluss ganz stolz erzaehlt, sie wuerde jetzt auch eine Brille bekommen; so, wie ich. (Dabei sind Brillen bei japanischen Damen SOWAS von out...)

Dann kam der Abschied von meinem inzwischen stark dezimierten Konversationskurs. Da kamen nochmal alle Fragen der Kategorie "Was sie schon immer von Deutschen wissen wollten, aber sich nie getraut haben zu fragen." aufs Tapet. Kuchen hatte ich auch besorgt, und der Abschied war schwermuetiger als gedacht.

Am Abend hatte ich das Gefuehl, dass mir einfach alles entgleitet und ich nichts festhalten kann...

Dieser Eintrag ist auch ein Abschied von Notizen vom Handy im Blog. Gleich melden wir unser Handy mit sofortiger Wirkung ab. Dann sind die Zeiten mit grossen Farbdisplays und Mails (auch mit Fotos) per Handy zum Spottpreis fuer uns erstmal vorbei und wir steigen wieder auf unsere deutschen Steinzeitmodelle um.

Sayonarah Luxus!

28. September 06

Götterdämmerung bei der Post

von Gunda

Gerade haben wir unsere Omamori-Sammlung komplett mit dazugehörigem Erntekorb, an dem sie hängen, per Post verschickt. Das Kunstwerk war so groß, dass es in keine Kiste gepasst hat. Würden wir richtig dran glauben, sind jetzt ca. 60 Schutzgötter unterwegs nach Deutschland. Da kann ja nichts mehr schiefgehen...

27. September 06

Nur noch drei Tage...

von Thomas

...und wir sind wieder in Deutschland. Gestern haben wir uns endgueltig von unserer Wohnung in Arakawaoki verabschiedet und nicht nur der Himmel fing da an zu weinen...

Am Morgen sind wir erstmal mit Matsuura-san dorthin gefahren, um den Makler zu treffen, der die Wohnung abnehmen sollte. Offensichtlich war alles ganz zufriedenstellend und wir koennen mit ein paar zehntausend Yen Kautionsrueckzahlung rechnen. Danach hiess es dann warten auf den J-Com-Mann, der unseren Fernseh- und Internetzugang kappen und die enstprechenden Geraete  einsammeln sollte. Der Mann hatte allerdings Verspaetung, was er uns auch wohl telefonisch mitteilen wollte, wir abe rnicht verstanden haben. Bevor wir das dann mit Rueckruf beim Service   und telefonischer Hilfe von Matsuura-san klaeren konnten, stand der Mann dann auch schon vor der Tuer ;)

Danach gings dann erstmal zum Mittagessen und dann auf eine letzte Einkaufstour, ein Geschenk fuer die Nachbarn und fuer die Hausbesitzerin musste noch her. Dann hiess es warten auf den Mann vom Offhouse Recycleshop, der um 4 Uhr kommen sollte, dann aber erst nach 5 Uhr kam :(

Die Zeit bis dahin haben wir dann mit letzten Aufraeumarbeiten, der Verabschiedung von der Hausbesitzerin, die uns noch auf  einen Kaffee hereinbat und der weiteren Verteilung von Haushaltsgegenstaenden auf die Nachbarn verbrachten.

Als dann endlich der Mann vom Offhouse kam, mussten wir erstmal mit ansehen, fuer wie wenig Geld wir die Sachen, Waschmaschine, Kuehlschrank, usw. loswerden wuerden. Am Ende gabs dann gerade einmal 11000 Yen fuer alles, noch nicht mal 20% vom Einkaufswert...

Uebrig blieben dann nur noch zwei Teppiche, der Staubsauger, drei Muelleimer und dutzende von Kleiderbuegeln. Da musste dann schon wieder die Nachbarin ran, die die Sachen nun fuer uns entweder entsorgen oder weiterverteilen wird. Und als wir dann in der leeren, dunklen Wohnung hockten, klingelte es nochmal und die Hausbesitzerin stand mit selbst gebratenen, noch warmen Mochis vor der Tuer. Allein das war schon ruehrend und dann erzaehlte sie uns noch, wie begeistert sie davon ist, dass wir die Wohnung in einem viel besseren Zustand zureucklassen wuerden, als viele japanische Mieter!

Tja, und dann sassen wir ein letztes Mal in unserem Tatami-Zimmer, assen die Motchis und nahmen endgueltig Abschied von unserer Wohnung...

Durch stroemenden Regen sind wir dann Richtung Bahnhof gegangen, um den Bus nach Tsukuba zu nehmen. Vorher noch ein letztes Mal einkaufen im Kaufhaus und dann ab ins Sakuara-kan. Ganz wie vor zwei Jahren haben wir dann jeder eine Nudelsuppe ausgeloeffelt, bevor wir dann totmuede ins Bett gefallen sind.

Und heute war ein erstes Abschied nehmen am Institut angesagt. Zum letzten Mal eine morgendliche Besprechung aller Gruppenmitglieder mit Tokura-sensei an der Spitze. Alle, die jetzt zum Monatsende gehen (insgesamt 5 Personen), mussten noch eine kleine Dankesrede halten. Danach dann meine letzte Roundtable-Diskussion, mit der Praesentation meiner letzten Ergebnisse. Und dann das Abschiedsessen in einem Restaurant ganz in der Naehe vom AIST. Das ist zwar eigentlich eine sehr nette Sitte hier, aber die Durchfuehrung laesst immer etwa zu wuenschen uebrig, man leaesst sich zu wenig Zeit, so dass das ganze leider immer etwas nach Pflichtuebung aussieht. Aber was soll's, in Deutschland ist noch nicht  mal das ueblich (jedenfalls dort, woe ich bisher war).

Jetzt bleibt nicht mehr viel. Das meiste liegt hinter uns. Ein paar Dinge sind bei der Arbeit noch zu erledigen, mein Fahrrad muss ich noch verkaufen, eine paar Dinge muessen wir noch per Post nach Deutschland schicken, Gunda muss noch etwas unterrichten, heute Abend treffen wir noch einmal Mari und ansonsten mal schauen, was wir noch machen werden. Viel wird es nicht mehr sein...

25. September 06

Alles auf Anfang

von Thomas

Nun hocken wir also wieder im Sakura-kan, dem Gaestehaus des AIST in Tsukuba, genauso, wie vor nun fast 24 Monaten, als wir nach Japan gekommen sind. Wir haben sogar quasi das gleiche Zimmer, nur genau eine Etage hoeher. Und unsere schoene Wohnung, ist nun fast ganz leer, nur noch der Kuehlschrank, die Waschmaschine und ein paar Regale sowie unser Esstisch, den Gunda so gerne mitgenomen haette, stehen noch drin und werden, wenn alles gut geht, morgen von einem Recycle-Shop abgeholt. Das war's dann also, sayonara Arakawaoki, willkommen in Bonn. Vor ein paar Minuten habe ich den Mietsvertrag fuer unsere provisorische Unterkunft im Oktober unterschrieben an den Vermieter gefaxt. Am Sonntag werden wir dort dann einziehen.

Der gestrige Sonntag war nochmal eine ziemliche Achterbahnfahrt. Erst sind wir ja nach Tokyo gefahren, haben uns als kleines Abschlussabenteuer nochmal in Shibuya die Haare schneiden lassen, sind voher noc in ene kleines Matsuri geraten, ich hab noch einige Bilder gemacht, waehrend Gunda in Asakusa noch letzte Geschenke gekauft hat. Dann gings nach Akihabara, zum letzten mal zu Yodobashi Camera. Einen schicken Reiskocher und ein paar Trafos fuer die Geraete, die wir aus Japan mitnehmen, haben wir uns noch gekauft. Vielleicht ist das mit dem Reiskocher eine bloede Idee, aber wir haben uns so an die Dinger gewoehnt, dass wir das ganz unbeding noch machen wollten.

Dann war unser letzer Tag in Tokyo auch schon zu Ende und ab ging es, nach Hause. Da stand dann bald Mari vor der Tuer, die usn ganz viele Sachen noch abgenommen hat. Unsern Fernseher, die Topfpflanzen (meinen Weihnachtsstern und Gundas Alohe Pflanze), unsere restlichen Lebensmittelvorraete (darunter noch vieles aus Deutschland, was wir einfach nicht mehr haben verbrauchen konnten...), das Waffeleisen von Roland und Petra incl. Rezept von meiner Mutter und noch ganz viel sonstigen Kleinkram sowie unseren kaum benutzten Gaeste-Futton.

Und dann ging es weiter mit der Packerei. Kiste um Kiste wurde gefuellt, immer die Sorge im Nacken, dass es doch mehr als 5 m^3 werden, und wir das uebrzaehlige Volumen selber zahlen muessen... Als dann die Sonne schon wieder aufging, hat sich Gunda doch noch etwas hingelegt. Aber auch wenn es knapp wurde, um 9 waren wir dann doch mit der letzten Kiste fertig :)

Kurz danach stand dann der Freund vom Mai-Ling, unserer taiwanesischen Bekannten aus dem letzten Sprachkurs auf der Matte. Die beiden mussten sich eine neue Wohnugn suchen und brauchten noch ein bischen Einrichtungzeugs. Da gingen dann ein paar Regale, der Wasserkocher, ein kleiner Tisch, die Couch, ein Teppich und unser Futton dahin...

Wir waren dann gerade mit dem Runtertragen der Sachen fertig, da kamen der Trupp von Yamato-Transport und natuerlich auch der unverzichtbare Matsuura-san. Drei Mann stuerzten sich auf unser Kisten, eine vierter (wie sich spaeter herausstellte war das der lokale Yamato-Chef persoenlich...) auf den Tanzu, der wirklich hoechst professionel verpackt wurde. Allerdings gabs dann auch gleich einen grossen Schreck: 62 Kilo statt 50 Kilo Luftfracht. Was tun? Eine Kiste als Seekiste umdecklarieren. Bracht aber auch nur 10 Kilo. Aber zum Glueck wurden dann mehrere Augen zugedrueckt und wir sind ohne Zuzahlung zur Luftfracht davon gekommen (das ist richtig teuer, 50 Kilo 100000 Yen!).

Bei der Seefracht sahs dagegen uebel auf. Obwohl alle meine eigenen Messungen und Rechnungen immer bei Werten klar unter den erlaubten 5 m^3  landeten, wurde uns klar gemacht, dass wir mit 6.5 m^3 rechnen muessten und daher gut 80000 Yen aus eigener Tasche draufzahlen muessten... Das waere natuerlich uebel gewesen und da dieses Volumen fuer mich nicht recht nachvollziehbar war, und es auch keine weitere Erklaerung dazu gab, war ich schon etwas angenervt und auch etwas enttaeuscht von meinem Lieblingsserviceland. Aber, was soll ich sagen, umsonst aufgeregt, vorhin rief mich Matsuura-san an und teilte mir feudig mit, die Yamato-Leute haben nochmal genau nachgerechnet und wir bleiben unter 5 m^3 :) Mal wieder Glueck gehabt...

Nachdem dann die Jungs von Yamato mit unseren Sachen wegwaren, sind wir dann erstmal mit Matsuura-san zum AIST gefahren, um unser Gepaeck schonmal ins Gaestehaus zu bringen. Dann gings schnell zum Mittagessen und dann wieder zurueck in die Wohnung, um schonmal aufzuraeumen, denn gleich morgenfrueh kommt der Makler, um die Wohnung abzunehemen. Allerdings muss Gunda heute noch arbeiten und konnte nicht lange bleiben. Hatte aber noch eine super Idee, um viel Kleinkram, vor allem unzaehlige Kistchen und Plastikboxen loszuwerden: Die Nachbarn! Die direkten waren nicht da, also ein Eingang weiter, zu den naechsten. Die gute Frau ist immer etwas ueberdreht, und war entsprechend begeistert, von all den Sachen. Ein paar Rollos und unser Buegeleisen haben wir ihr auch noch gegeben und fuer die Kinder gabs noch Spielzeugautos :)

Und dann musste Gunda weg zur Arbeit und ich hab weiter Muell entsorgt und noch die Wohnung gesaugt und bin dann zum letzten mal von Arakawoki zum AIST geradelt, auf dem Ruecken noch einen Rucksack mit etwas Kleinkram. Und in ein paar Minuten gehts dann wieder zurueck, Gunda kommt direkt von der Arbeit und spaeter kommt dann auch noch Mari, und nimmt noch ein paar Dinge mit. Vielleicht gehen wir dann noch kurz Essen (ich hab jetzt schon Hunger...) und dann wieder ab zum Sakura-kan und endlich schlafen!

Aber die Nacht wird wieder relativ kurz. Gund will schon frueh wieder nach Arakawaoki, um noch einmal durch die Wohnung zu putzen und ich komm dann mit Matsuura-san nach, weil ja der makler kommt. Aber das war's dann immer nochnicht ganz. Am Nachmittag muessen wir wieder hin, weil dann die Leute vom Recycle-Shop kommen.

Aber dann, dann geben wir endgueltig den Schluessel ab und fast 23 Monate Arakawaoki liegen hinter uns. Es war eine wunderbare Zeit, in einer schoenen Wohnung, mit der wir ganz viel Gleuck und bei der Auswahl den richtigen Riecher hatten. Unser Zuhause, fuer eine lange Zeit, die mir aber oft so kurz, viel zu kurz, vorkommt...

Mail an Ortrun

von Gunda

Hab Deine Mails noch schnell gelesen, bevor d.Computer eingepackt wird. Da antworte ich spaeter drauf. Haben d.Nacht durchgepackt. D.h., ich durfte wg.Migraene 45 Min.schlafen. Warten auf d.Taiwanesen, die einige Moebel abholen wollen. Die sind total unzuverlaessig u.natuerlich zu spaet. Hoffentl.ueberschneiden sie sich nicht mit Yamato Transport, d.eine Std.spaeter kommen sollen. Ich sterbe vor Stress! :-( Unser Volumen ist etw.ungewiss. Daumendruecken dringendst erwuenscht!!!

22. September 06

Nervenauseinanderbruch

von Gunda

Ich sitze in einem Wust von Kisten an einem Computer, auf dem neben privaten Mails 14 (!) e-mails von Wohnungsanbietern (in Bonn) auf Beantwortung warten. So geht das jetzt jeden Tag. Ich weiß wirklich schon nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Dazu kommen noch Abschiedstreffen in allen Varianten und ein bischen Unterrichten. Freizeit haben wir im Prinzip gar nicht mehr. Vor der Arbeit und nach der Arbeit wird gepackt, was das Zeug hält. Uns rennt die Zeit davon, und das Volumen auch. Vieles, was ich lieb gewonnen und gehofft hatte, es mitnehmen zu können, muß verkauft oder verschenkt werden, und mir blutet jedesmal das Herz...

Überhaupt habe ich beim Einpacken die ganze Zeit das Gefühl, mir nichts Gutes zu tun. Ich reiße hier etwas auseinander, ein Gefüge, das ich ein halbes Jahr lang mit viel Energie aufgebaut habe. Das kostet auch nochmal viel Nerven.

Heute haben wir dann auch noch festgestellt, daß Yamato Transport das Volumen unserer Kisten wahrscheinlich anders berechnet als wir. Ich dachte ja auch immer, Volumen sei eine objektive Sache. Wenn ich im Supermarkt einen Liter Milch kaufe, ist da ja auch bei jeder Firma gleich viel drin. Aber nein, so einfach ist das nicht. Es könnte sein, daß wir ganz plötzlich ein Drittel mehr haben, als wir ausgerechnet haben. Und frag mich keiner, wie das gehen kann! Wenn's hier Festgelegtes und Regeln gibt, kann man in Japan ordentlich gegen eine Wand laufen, wenn man das hinterfragt. (Wir machen das natürlich trotzdem...)

Gestern waren wir im Recyclingladen, wo wir wahrscheinlich den Großteil unserer Einrichtung (samt Kühlschrank und Waschmaschine) loswerden. Allerdings zahlen die echt Spottpreise, und ich bin da auch jetzt schon von angenervt.

Am 25. ziehen wir endgültig aus. Dann gibt es noch viel zu organisieren. Aber das Packen fällt weg. Damit wird es dann wenigstens etwas ruhiger...

Man wünscht sich ja immer einen ruhigen Ausklang einer schönen Zeit. Aber das hier fühlt sich eher an, wie Rausgerissenwerden.

21. September 06

Unter Beobachtung

von Gunda

Natuerlich haben die Nachbarn ein bischen mitbekommen, dass bei uns irgendwas im Gange ist. Eine Nachbarin wusste ja auch schon, dass wir wegziehen. Also wurde ich heute vor dem Haus ausgefragt so gut es ging. Ich glaube, einige der Nachbarn finden es richtig schade, wenn wir weg sind... ;-)

15. September 06

Abschied, Hand- und Kopfarbeit

von GundaCimg4937_medium

Natürlich häufen sich jetzt die Abschiede immer mehr, und manche habe ich schon gar nicht mehr aufgeschrieben vor lauter Streß. (Z.B. den von meinem Konversationskurs gestern...)

Heute war meine letzte Kalligraphiestunde.

Die Lehrerin hat mich zu Hause abgeholt, und wir sind zusammen zu Jutta gefahren. (Bis dahin nichts Ungewöhnliches.) Edith hatte Besuch von zwei jungen Damen aus Deutschland, die bemerkenswert viel gemeinsam hatten: Sie heißen beide Amelie, sind Linkshänderinnen und blond, dazu noch beste FreundinnenCimg4945_medium und ziemlich gut drauf. Alles in allem eine prima Mischung, um den Unterricht zu beleben. (Nicht, daß er sonst langweilig gewesen wäre...)

Der Start der Stunde war erstmal ganz normal; bis ich mir ein Kanji zum Abschied aussuchen durfte. Tja, so überraschend schnell was ausdenken? Ich habe nach einigem Überlegen 故郷 (furusato / Heimat) ausgesucht, weil Heimat für mich im Moment das ist, was ich mir am meisten wünsche. Ich möchte ein Zentrum haben, einen Platz, bei dem ich nicht von Anfang an im Hinterkopf haben muß, daß ich bald wieder weg muß. (Das heißt nicht, daß ich demnächst zum Stubenhocker werde...)

Dann kam die übliche abschließende Kafferunde, zu der die Lehrerin (extra wegen meines Abschieds) etwas aus ihrer Heimatregion Hokkaido (mit Zutatan daher) beisteuerte: Heiße Kartoffeln in Milchsuppe mit Zimt und Zucker. - Im Prinzip das Gleiche wie Milchnudeln...Cimg4946_medium

Die Deutschen waren zum Abschied zum Glück nicht besonders rührselig. Auf dem Rückweg fragte mich dann die Lehrerin, wie mir die Gegend hier gefallen hatte. Ich war sehr vorsichtig, habe aber auch gesagt, daß sie halt wenig japanisch, sondern mehr amerikanisch wirkt, was für "Westler" etwas weniger interessant ist. (Antwort: "Yes, modern style." ...)

Weil ich ihr auch was geschenkt hatte, schenkte mir die Lehrerin den Rest unseres Übungspapiers ;-) und nahm mich ganz unjapanisch mit Tränen in den Augen in den Arm. "I will miss you", sagte sie immerwieder und versprach mir, nach Deutschland zu kommen, wenn wir unser erstes Kind bekommen.

Das alles konnte ich eine halbe Stunde lang verarbeiten, dann stand auch schon Thomas auf der Matte.

Später kam Mari zum Essen. Wir wollten mit ihrer Hilfe (weil wir nicht die Titel, sondern nur die Melodien kannten und vieles nicht lesen konnten) die Top 10, die uns die letzten zwei Jahre in Kaufhäusern, Restaurants und beim Sport begleitet hatten, bei iTunes kaufen. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus, denn Thomas konnte mit seiner deutschen Kreditkarte nur in der deutschen Version einkaufen, die wenig bis keinen J-Pop zu bieten hatte. Mari hat dann einen Account für sich eröffnet und uns den Preis mit ihrer Kreditkarte vorgestreckt. - Letztlich hat sie damit den Fernseher bezahlt, den sie von uns bekommt, wenn wir aus der Wohnung ausziehen.

Alles in allem war das natürlch etwas schwierig, weil Mari ja auch nicht alle Lieder kannte. Schon gar nicht alle mit Titel. Und iTunes hat einfach auch nicht alles. Aber Mari hat sich wirklich tapfer geschlagen und sich unsere Sammlung zur Aufgabe gemacht. Das war wirklich toll. Ich glaube, wenn ich das mit deutschem Pop hätte machen sollen; ich wäre heillos verzweifelt.

Anschließend habe ich dann noch (inzwischen schon mitten in der Nacht) Mari spontan bei der Produktion ihres ersten Ringes angeleitet. Der ist wirklich gut geworden. (Wenn ich da an meinen ersten Versuch denke...) Leider gibt es kein Foto von dem Ergebnis.

Um 2 h war dann dieser lange, lustige, aber auch ein bischen traurige Tag vorbei. Fünf Stunden Schlaf, dann geht es weiter...

13. September 06

Ich bin schuld!

von Gunda

Ich geb's ja zu! Ich bin bestimmt am schlechten Wetter schuld. Gestern haben wir noch geschwitzt, heute bei max. 20 Grad richtig gefroren. Ausserdem regnet es. Wie ich das gemacht habe? Also... erstens hab ich alle meine Sandalen in Umzugskisten verteilt und zweitens habe ich alle unsere Decken fein saeuberlich vakuumverpackt (wegen dem Volumen) und ebenfalls in Umzugskisten verstaut. Jetzt muss ich nachts ganz viel anziehen... Aber interessant ist auch, dass wir bei 20 Grad ueberhaupt schon anfangen zu frieren. Wir haben uns wohl doch schneller als gedacht an die 30-Grad-Marke gewoehnt...

06. September 06

Visumse

von Gunda

Es gibt da noch ein winziges Problem, das mich, sollte es ungelöst bleiben, sogar in einen japanischen Knast bringen könnte: Mein Visum endet am 27., unser Flug geht am 30. Drei Tage ohne Visum könnte am Flughafen die Polizei auf den Plan rufen. Zum Glück gibt es den sympathischen Herrn von der Ausländerberatung in Tsukuba, dem sowas auch schonmal passiert ist (also, die gelöste Variante ohne Knast!) und der mir versicherte, daß alles ganz einfach ist. Ich muss für drei Tage ein Touristenvisum beantragen. Fertig. Nur bedeutet das, daß ich jetzt mindestens noch einmal zum Immigration Office muß, das ca. 1 1/2 Stunden von uns entfernt ist. Tja, und dann müssen wir noch ins Rathaus von Ami, unsere Alien Registration Card abgeben.

Abgesch...anot

von Gunda

Herr Schano hat 20 möblierte Wohnungen in Bonn. In einer davon wohnt ein Kollege von Thomas, dessen Arbeit er ab Oktober übernehmen soll. Also übernehmen wir erstmal auch die Wohnung. Dachten wir. Ein Anruf im August bescherte uns genuschelte unverständliche Unfreundlichkeit der besonderen Art. "Ja, rufen sie im September nochmal an." Klick. Aufgelegt. Gestern haben wir nochmal angerufen. "Nee, der Makler hat die Wohnung schon vermietet. Da kann man nichts machen." Häh???

Dabei klang das für uns im August doch eher nach Zusage, und Thomas' Kollege war auch in dem Glauben gelassen worden. Ich sehe schon, wir werden richtig gut Freund mit den Bonnern werden...

04. September 06

Die Umzugskisten sind schon da...

von Thomas

Die Rueckfluege sind schon gebucht, die meisten Sachen schon gekündigt, der Auszugstermin steht schon fest und heute kamen dann auch schon die Transportkisten für unsere Sachen. Alles mal wieder gar nicht so einfach. Das fing schon damit an, dass der Typ von Yamato-Transport erstmal nach Matsuura-san fragte und uns erklärte, dass er keine Englisch spricht. Konnte er auch wirklich nicht, alleine schon für die Uebersetzung von Eigo (= Englisch) brauchte er gut 20 Sekunden...

Zum Glück kam Matsuura-san dann nach wenigen Minuten und die Tour durch unsere Wohnung, um das benötigte Kistenvolumen abzuschätzen, begann. Natürlich ist dabei ein Wahnsinns Wert herausgekommen. Angeblich haben wir 13 m^3 zu nach Deutschland zu transportieren. Das ist aber Quatsch. Wir sind mit 2.5 - 3 m^3 hier angekommen, und wenn man mal von unserem Tanzu absieht, der etwas mehr als einen halben Kubikmeter ausfüllt, sind niemals 10 m^3 an Sachen dazugekommen... Aber was solls, lass sie schätzen, was sie wollen, wir werdens einfach einpacken und dann sehen wir weiter...

In jedem Fall ist das schon eine recht traurige Angelegenheit. Ab jetzt wird unsere Wohnung nicht mehr so sein, wie sie es in den ganzen letzten 2 Jahren war. Und wenn wir auch erst die nicht so sichtbaren Sachen aus den Schränken verpacken wollen, so sind es jetzt doch die Umzugskisten, die den Eindruck prägen, den man momentan von der Wohnung bekommt. Na ja, wir versuchen in jedem Fall uns soviel Wohnlichkeit so lange wie nur irgend möglich zu bewahren. Vielleicht kriegen wir das ja irgendwie hin. Hoffentlich...

07. Juli 06

Langsam geht es dem Ende zu...

von Thomas

Ja, langsam wird es ernst. Gestern hat unser Projektleiter mich nochmal gefragt, ob ich wirklich Ende September gehen will und hat dann auf meine Bestätigung hin, den Startschuss für die Abreisevorbereitungen gegeben. Da ist noch eine Menge zu tun und wie schon bei unserer Ankunft, hilft man uns auch bei der Abreise von der Arbeit aus sehr viel. Das reicht dann von so Dingen wie Wohnungsaufloesung, Bankangelegenheiten bis hin zur Organisation des Ruecktransports unserer Sachen. Das ist halt die schöne Seite an der Arbeit hier, dass sich auch um vieles gekümmert wird, was über das reine Arbeitsverhältnis hinausgeht. Unsere Ankunft in Deutschland wird da wohl ganz anders ablaufen.

Keine 3 Monate mehr und immer noch soviel zu tun, soviel zu sehen und neu zu entdecken. Aber was soll man machen, einmal muss es eh ein Ende haben...

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