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28. September 06

Putzrisiko

von Gunda

Vorhin, waehrend der Putzzeit im Sakura-kan (das Gaestehaus, in dem wir jetzt wohnen), wollte ich noch schnell was aus dem Zimmer holen und fand unseren Flur zwar mit Putzutensilien vollgestellt, aber voellig menschenleer vor. Alle Tueren standen offen. Ich bin einfach in unser Zimmer spaziert und hab mir genommen, was ich brauchte. Und weil mir das unheimlich war, habe ich auch gleich noch ein paar Wertsachen mitgenommen, woran mich niemand gehindert hat. Theoretisch haette ich das in den anderen Raeumen gleich genauso machen koennen. Dafuer, dass im Sakura-kan beim Putzen immer der Zustand rauskommt, bei dem ich zu Hause eine Grundreinigung anfangen wuerde, steht das Risiko hier in keinem Verhaeltnis zum Erfolg...

24. September 06

Fernseher statt Zeitschrift

von Gunda

Grad waren wir das letzte Mal in Japan beim Friseur. Nachdem unser Stammfriseur einfach zugemacht hatte, haben wir uns fuer Tokyo entschieden. Wir mussten sowieso n noch Besorgungen machen. Bei diesem Friseur konnte man als Beschaeftigung waehrend des Schneidens zwischen Zeitschriften und Mini-Bildschirmen waehlen, die "24" im Dauermodus von sich gaben. In Japan gibt es wirklich ueberall Fernseher. Aber DAS hatte ich noch nicht gesehen... p.s.: Ich werde die Kopfmassagen vermissen.

18. Juli 06

Sooo special

von Gunda

Wie kürzlich beschrieben, glauben viele Japaner von alltäglichen Dingen ganz besondere "japanische Varianten" zu haben. Dieser Wahn befällt nicht nur Auslandsunerfahrene. So behauptete z.B. eine Schülerin von mir, die länger in Europa und den USA gelebt hat, doch tatsächlich, nur Japaner hätten Probleme mit Muskelverspannungen. (Schön waer's...) Wahrscheinlich wird hier einfach nur mehr drüber geredet. Jedenfalls werden hier Unmengen an Mittelchen und Geräten dagegen propagiert.

16. Juni 06

So was...

von Thomas

...gibt's vielleicht auch nur in Japan: Als ich gestern Morgen zum Bus ging, war ich etwas früh dran und setzte mich dann schon mal in den wartenden Bus. Kurz darauf hörte ich ein mich etwas irritierendes Geräusch, ein Knipsen, als wenn jemand mit einer Zange oder so was durchtrennt. Außer dem Fahrer und mir war aber niemand im Bus, also hab ich etwas genauer hingeschaut. Was ich da dann sehen konnte, lies nur einen Schluss zu, der Fahrer schnitt sich seine Fussnaegel! Und um noch eins drauf zusetzen, war er die abgeschnittenen Nägel aus dem Fenster... Gut, dass gerade kein Fahrradfahrer vorbei kam :)

Während das eher skurril ist, ist vorgestern dann etwas passiert, was mich doch erstmal ziemlich aufgeregt hat. Ich kam mit dem Bus zur Arbeit und bin dann durch den Haupteingang auf's AIST-Gelände gegangen. Ich war der letzte, der ausgestiegen war, vor mir ein knappes Dutzend Japaner. Am Eingangstor stehen wie immer die Wachmaenner, die vor jedem hereinkommenden Auto salutieren (bei Fußgängern machen sie das nur, wenn gerade kein Auto kommt, denn Autofahrer sind wichtiger, als Fußgänger. Oder so...) und ansonsten meist nur gelangweilt herumstehen. So auch an dem Morgen. Alle Leute vor mir wurden schön gegrüßt, ich auch. Doch dann fing der Wachmann (noch ein ziemlich junger) an zu stottern und versuchte noch irgendwas zu sagen. Nach ein paar Versuchen, kam ich dann dahinter, dass er meinen Dienstausweis sehen wollte!

Jetzt arbeite ich hier schon fast 2 Jahre und auf einmal will einer meinen Ausweis sehen. Das war nun noch nie passiert. Und vor allem, keiner der Japaner vor mir trug seinen Ausweis irgendwie sichtbar am Körper und wurde trotzdem nicht angehalten! Das fand ich ja nun schon sehr merkwürdig und schon auch ärgerlich, vor allem da das Gelände ja im Prinzip frei zugänglich ist, es gibt dort ein öffentliches Museum und Gäste können sich dort frei bewegen oder in dem Gästehaus wohnen, ohne das sie dafür einen speziellen Ausweis brauchen. Und auch Gunda hat noch nie Schwierigkeiten gehabt, wenn sie mal zum Mittagessen gekommen ist.

Aber irgendwie scheint sich was geaendert zu haben. Heute ist mir nämlich das gleiche passiert und, zu meiner Beruhigung, auch Japaner wurden gebeten, ihren Ausweis vorzuzeigen. Also doch keine Auslaenderschikane... Jetzt bin ich mal gespannt, ob das wirklich jetzt so üblich wird, oder ich nur zufällig zweimal an einen übereifrigen Wachmann geraten bin. Mal sehen...

09. Juni 06

Internationale Vergleiche

von Gunda

Nachem ich das jetzt schon zweinmal gehört habe, muß ich einfach was dazu schreiben:

Irgendwie scheinen Deutsche, die schon lange in Japan leben, dazu zu neigen, die zahnmedizinische Versorgung ihres Gastlandes zu idealisieren. Anders kann ich mir die Bemerkungen, in Deutschland seien Zahnärzte zum Fürchten und Zahnbehandlungen immer schmerzhaft, nicht vorstellen. Oder war das vielleicht noch so, als besagte Erzähler aus Deutschland weggegangen sind? Und jetzt erfahren sie hier die weltweit fortgeschrittene Technik als "toll japanisch sanft"? Ich habe hier jedenfalls letztes Jahr genau die umgekehrte Erfahrung gemacht...

Eigentlich ist mir total egal, was irgendwelche Leute über deutsche oder japanische Zahnärzte denken und dann auch noch verbreiten. Aber einem Schüler, der demnächst zwei Jahre in Deutschland leben soll, zu sagen, dort wäre ein Zahnarztbesuch total schmerzhaft, finde ich einfach ... um ehrlich zu sein ... total bescheuert. Der läßt sich glatt zwei Jahre lang das Gebiß wegfaulen, bevor er sich nem "deutschen Schlächter" anvertraut.

Vielen Dank für ein weiteres Kapitel im Sammelband "Mutmachen für Deutschlandaufenthalte"!

07. Juni 06

Kulturtraining für Anfänger

von Gunda

Da gibt man sich tagtäglich redliche Mühe, um Japanern ein anständiges Bild von Deutschland jenseits von Neuschwanstein und Sauerkraut zu vermitteln und dann das:

Eine meiner Schülerinnen berichtete mir heute, daß am Morgen im Fernsehen ein Kulturtraining aus Deutschland zu bewundern war.
Belehrt wurden Busfahrer aus Bonn, wo die japanische Fußballmannschaft im Moment untergebracht ist. Es werden wohl Anstürme von japanischen Fans erwartet, und darauf will man vorbereitet sein. Also müssen die Busfahrer wissen: Japaner entschuldigen sich andauernd; auch, wenn es nichts zu entschuldigen gibt. "Sumimasen!" sagen sie dann. (Was die erklärende Frau wohl nicht wußte: Das wird im Sinne von "Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie mir Ihre Aufmerksamkeit schenken?" benutzt und findet sonst auch noch eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten, die nichts mit einer Entschuldigung zu tun haben.)
Desweiteren ist es natürlich für so einen transportierenden Busfahrer auch ungemein wichtig, sich noch weiter in die Kultur seines Fahrgastes einfühlen zu können und z.B. zu wissen, was der so normalerweise ißt. Also wurde Sushi verteilt, was wohl geschmacklich wenig Begeisterung unter den Busfahrern auslöste. (Aber klar, Berliner Busfahrer essen ja auch z.B. Döner oder Pizza, Spaghetti ...)
Ach ja, und die Taxifahrer sollten in der Aufgeklärtheit ihren Kollegen auch um nichts nachstehen. Sie bekamen einige japanische Vokabeln zum Lernen auf und gesagt, sie sollten, wenn ein Japaner bei ihnen mitfahren will, aussteigen, um das Auto herumgehen, dem Fahrgast die Tür aufmachen, ihn einsteigen lassen und dann die Tür wieder zumachen, ums Auto herumgehen, selber einsteigen und losfahren. Weil, in Japan gehen ja die Türen für den Fahrgast hinten automatisch auf, da könnte der verunsichert sein, wenn sich in Deutschland da nichts regt. Interessant wäre jetzt, zu erfahren, wie viele in Bonn lebende Asiaten in Zukunft irritiert werden, wenn sie in ein Taxi steigen wollen...

Ja, was die Deutschen machen, das wollen sie dann auch gleich ganz gründlich machen. Besonders, wenn es um Völkerverständigung geht. Man will sich ja nicht nachsagen lassen, man sei nicht gastfreundlich...

Und dann bitte noch einmal nach Neuschwanstein und Sauerkraut essen, wie das die Deutschen immerzu machen.

24. März 06

Begleiterscheinung

von Gunda

Na klasse! Eben hat eine Mutter ihr ca. sechsjähriges Kind auf den einzigen freien Platz im Bus, neben mir, manövriert. Der Junge guckte mich mit großen erschreckten Augen an, sprang auf, fing an zu weinen und stellte sich dann möglichst weit weg von mir hin.

25. Februar 06

Japanische Schaufensterpuppen

von Thomas

200602251644_2 Als ich vor zwei Jahren zum erstenmal nach Japan kam, bin ich mit dem "Friendly Airport Limousine Bus" (heißt wirklich so...) vom Flughafen in Narita nach Tokyo gefahren und dort in Shinjuku ausgestiegen, wo ich abgeholt werden sollte. Da stand ich dann vor einem der riesigen Kaufhäuser und wartete. Natürlich hab ich mich neugierig umgeschaut, konnte aber leider nicht viel rumlaufen, da ich ja dort warten musste. Also hab ich mir die Schaufenster vom Kaufhaus angesehen. Und da ist mir gleich aufgefallen, dass die Schaufensterpuppen überhaupt nicht japanisch aussahen, sondern die Damen hatte alle europäische Gesichtszüge, manche hatten wallende blonde Haare usw. Damals dachte ich noch, vielleicht ist das nur hier in dem Kaufhaus so oder es ist eine besondere Aktion oder sonst irgendwas. Inzwischen ist mir natürlich klar, dass das hier die Regel ist, die Puppen haben fast immer ein europäisches Aussehen. Das gleiche beobachtet man in der Werbung, gerade wenn es um Mode oder z.B. Kosmetik geht, nimmt man oft keine japanischen Modells. Ok, macht vielleicht auch Sinn, die Mode, die sie verkaufen sollen ist ja auch westlich, wenn sie auch anders geschnitten ist, da die Japanerinnen ganz andere Koerperproportionen haben, wie Gunda oft leidvoll feststellen muss. Aber egal, das ist halt so und inzwischen wundern wir uns auch gar nicht mehr darüber.
Nur als wir heute in Mito vor einem Kimono-Laden standen, da ist mir diese Sache doch nochmal bewusst geworden, weil nun die Gruppe Schaufensterpuppen mit Kimonos vor dem Laden nun auch eindeutig keine Japanerinnen darstellten. Und da fragte ich mich dann doch wieder, ob das wirklich Sinn macht...

20. Februar 06

Love and tea

von Gunda

Ich glaube, dieses Wochenende was das skurrilste, was wir je unternommen und kombiniert haben:
Samstag Stadtbummel und Love Hotel, Sonntag Teezeremonie.
Aber fangen wir von vorne an:

Japanische Wohnungen sind ja tendenziell eher kleiner und nicht so sehr auf Intimsphäre ausgerichtet. Zudem wohnen junge Leute in Japan meist noch lange lange bei ihren Eltern und ziehen oft erst zusammen, wenn sie heiraten, also zwischen 25 und 30, manchmal bis 40 oder länger. Also nutzen junge Paare oder deren Eltern gelegentlich die sogenannten "Love Hotels", in denen man sich stundenweise, oder ab 22h über Nacht einquartieren kann. Das sind also keine gewöhnlichen Stundenhotels, sondern Zufluchtsorte für ganz normale Paare. (Prostitution ist in Japan illegal. - Was natürlich kein Hinderungsgrund ist...) Über Nacht bleiben dann auch gerne Reisende in den günstigen Hotels, denn ab 22h ist es billiger, die ganze Nacht zu bleiben. Unser Reiseführer (und japanische Bekannte) versprach auf dem "Love Hotel Hill" nahe der Tokyoter Station Shibuya Erlebnisse der besonderen (Übernachtungs-)Art: Verrückte Häuser mit noch verrückteren Zimmereinrichtungen, über Enterprise, Tarzan und Jane bis hin zu Mickey Mouse alles, was man sich so vorstellen kann. Und da wir immer schonmal ein ganzes Wochenende in Tokyo verbringen wollten, wollten wir uns diesen kitschigen Spaß natürlich nicht entgehen lassen.

Also schlossen wir unseren kleinen Koffer am Bahnhof ein, bummelten ein bischen durch die Stadt, holten unseren Koffer wieder ab und zogen los, um uns auf die Suche nach dem witzigsten Zimmer zu machen. Ich sah uns schon den ganzen Hügel bis nachts um 2h abklappern und dann todmüde ins Bett fallen, ohne das Zimmer richtig bewundert zu haben, weil wir unsere Neugier kaum würden zügeln können, bis wir alles gesehen hatten. Das ging dann aber doch zumindest schneller als ich erwartet hatte, war aber trotzdem langwieriger als geplant.

Weil alles so diskret ist, sieht man in der Eingangshalle auf einer Leuchttafel, wie die Zimmer aussehen, die noch frei sind. Wenn man eins haben will, drückt man auf den roten Knopf daneben und bezahlt einem meist unsichtbaren Angestellten durch eine kleine Öffnung den entsprechenden Betrag, woraufhin das Zimmer automatisch geöffnet wird oder man einen Schlüssel bekommt. (Die Eingänge sind meist von draußen nicht direkt einzusehen, und auch die Parkplätze sind oft durch Vorhänge diskret gehalten.) Die Zimmer sind alle mit Fernseher, Kabelfernsehen, Video, DVD und meistens mit Karaoke ausgestattet. (Falls man sich dann doch mal zu zweit langweilen sollte...) Manche haben Videokameras, damit man sich selber filmen kann.  ;-)

Cimg1185_smallUnser Problem war letztlich ganz anderer Art: Kaum eines der Gebäude sah wirklich von außen originell aus, und die Zimmerbilder versprachen alle biedere langweilige Hotelzimmer. - Das hatten wir uns echt anders vorgestellt, zumal solche Namen, wie "Caribean" oder "South Asia" ja doch etwas Gestaltungsmöglichkeiten der Räume hätten ahnen lassen. Selbst das außen knallbunte Hotel, in dem man sich hätte Videos, Lack, Leder und ein Peitschenset mieten können, hatte nur ganz stinknormale Räume. Cimg1187_smallUnd: Samstags ist es erst ab 24h billiger! Also konnten wir kaum anders, als wirklich fast alles abzuklappern und standen dann trotzdem noch eine halbe Stunde im Halbkalten rum. Bei dieser Tour haben wir wirklich meist nur ganz normale Paare (verschiedenen Alters) gesehen, die, wie wir, auf der Suche nach einem Zimmer waren. (Allerdings ohne Koffer.)

Cimg1189_smallSchließlich haben wir uns für das "Hotel 03" und das "Titanic-Zimmer" entschieden. (In der Hoffnung, daß das kein Sinnbild für unsere Beziehung darstellt.) Das Zimmer war mit Farbe bemalt, die unter Schwarzlicht leuchtet und mit zwei Sorten Tapete mit fluoreszierenden Motiven beklebt. - Mehr Kitsch konnte man wirklich nicht verlangen. Es kam aber noch besser: Cimg1190_smallDie Badewanne war unter Wasser mit einer eingelassenen Lampe mit wechselnden Farben zu beleuchten, es gab einen Wirlpool und Pfirsich-Badezusatz. (Klasse in Verbindung mit dem Wirlpool.) - Unser Badeschwein hat also auch seinen Spaß gehabt.  ;-)

Cimg1200_smallAlles in allem waren wir etwas ernüchtert, und letztlich haben wir wegen des Wochenendes auch noch ganz normale Hotelkosten gehabt. (Nur, daß man in ein normales Hotel schon früher hätte einchecken dürfen.) Aber immerhin ist uns der Streit "Enterprise oder Tarzan und Jane?" erspart geblieben...

Cimg1201_smallAm Sonntag mußten wir bis 10h raus sein, schlossen unseren Koffer wieder ein, frühstückten in einem Café und verbummelten die Zeit bis zur Teezeremonie noch etwas in der Stadt.

Takuya, Thomas' japanischer Kollege aus Berliner Zeiten, begleitete uns. (Natürlich nur zur Teezeremonie!) Dieses Mal war alles etwas lockerer als letztes Jahr. Trotzdem fand Takuya das ganze eher belustigend reglementiert und war sehr erstaunt, als wir ihm gesagt haben, daß letztes Jahr alles noch viel weniger locker war. Cimg1236_smallMit Staunen waren wir dann dran, als er uns sagte, das sei die erste Teezeremonie in seinem Leben gewesen. Wir haben also schon an mehr Teezeremonien teilgenommen, als zumindest ein uns bekannter Japaner. - Klasse!

Cimg1237_small Inhaltlich war natürlich alles wie letztes Jahr.

Danach sind wir noch mit Akapu, die uns eingeladen hatte, und Takuya zu einem Schrein gegangen, der für seine Pflaumenblüten berühmt ist: Dem Yushima-Schrein. Und dort haben wir endlich unsere ersten richtigen Pflaumenblüten des Jahres gesehen. (Ich persönlich mag Pflaumenblüten ja lieber als Kirschblüten, weil die wirklich nach Pflaume riechen und nicht schonwieder nach einem Regen hin sind.)

Später haben wir dann unseren Koffer abgeholt und sind nach Hause gefahren. Auf der Rückfahrt waren wir uns einig: Was für ein merkwürdiges Wochenende!

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30. November 05

Fit wie der Weihnachtsmann

von Thomas

Leider ohne Bild, aber einen kurzen Kommentar muss ich doch schreiben: Als ich heute ins Fitness-Studio kam, bin ich ja fast die Treppe runtergefallen, als ich die quer durch den Eingang gespannten silbernen Weihnachtsgirlanden gesehen habe, dazu an jeder erdenkliche Stelle irgendwas weihnachtliches, Tannenzapfen, goldene Schleifen, Tanne, Kugeln usw. usw.... Das nicht noch die Angestellten eine Nikolausmuetze auf dem Kopf hatten, war alles :)

Hey, Leute, ist das denn nicht doch ein bischen zu viel des Guten?

25. Oktober 05

Klogeschichten, Teil 2

von Gunda

Da denkt man, man hätte alles aufgeschrieben, und dann kommt immer noch mehr nach, wenn man sich erstmal mit dem Thema beschäftigt...

Cimg9260_smallInzwischen hat Ortrun auch die Gelegenheit gehabt, die Duschtoiletten selber auszuprobieren und war meist enttäuscht davon, daß es bei den öffentlichen Toiletten keinen Fön für ihren Allerwertesten gab.  ;-)
Und das, nachdem sie doch tatsächlich eine Klobrillenabdeckung für eine Freundin erstanden hatte und uns somit, was die japanische Art, Toiletten zu benutzen angeht, glatt überholt hat.

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Dafür hat das Katastrophenschutzzentrum toilettentechnisch gleich zwei nette Dinge für uns bereitgehalten: Einen Hinweis beim Klo ("If you lost balance you gonna fall down on shit!") und eine "Instant Toilette" mit Reservoir und kleinen Klosteinen für den Notfall. (Eigentlich nur ein besserer Plastikbeutel...)Cimg9714_small_1Cimg9713_small
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05. September 05

Schlafende Männer in Autos auf einem Parkplatz

von Thomas

Heute Morgen ging einiges nicht so richtig glatt, erst ging der Wecker nicht (oder wir haben ihn einfach nicht gehört...) und dann ist mir der Bus, es sah ziemlich nach Regen aus, da wollte ich nicht mit dem Rad fahren, vor der Nase weggefahren und dann dauerte es ein dreiviertel Stunde, bis der Naechste fuhr. Nach dem Start des Tsukuba Express wurde leider der Busfahrplan umgestellt und ausgeduennt, so dass es für mich doch spürbar unbequemer geworden ist. Na ja, herumstehen und warten wollte ich nicht also bin ich zu Fuss Richtung Tsukuba losgegangen.

200509051019Irgendwo auf halben Weg zwischen Arakawaoki und Tsukuba gibt es einen kleinen Park mit einem Autoparkplatz zwischen Hauptstraße und Park. Der Parkplatz ist immer recht gut gefüllt, was wegen des Parks vielleicht nicht verwunderlich ist, aber was schon sehr merkwürdig ist, ist das in vielen der Autos dort Männer sitzen oder liegen und schlafen, manchmal auch einfach nur herumdoesen oder etwas lesen. Und das quasi zu jeder Tageszeit (jedenfalls soweit wir das bisher beobachten konnten...). Was machen die da? Sind es Pendler, die auf den Bus warten? Fahrn die Leute zu früh zur Arbeit und schlafen dort noch ein bisschen? Oder verbringen sie dort ihre Fruehstueckspause? Sind es Männer, die am Abend vorher von ihrer Frau nicht wieder in ihre Wohnung gelassen wurden? Oder ist das dort ein beliebter Treffpunkt für einen Seitensprung?

Irgendwie macht das alles keinen Sinn... Es sind auch ganz unterschiedliche Wagen und Leute, mal ein großer Schlitten, dann wieder eine kleine Klitsche, dann ein kleiner Lieferwagen oder einer diesen Mini-LKW. Keine Ahnung, aber ich muss doch immer wieder drüber nachdenken, wenn ich, wie eben heute, dort vorbei komme :)

25. Oktober 04

Ein Alien im japanischen Schwimmbad

von Thomas

Endlich ist es soweit! Ich schwinge mich auf ein geliehenes Rad und radle nach Sakura-chousha, der für uns zuständigen Zweigstelle der Statdverwaltung von Tsokuba, um meine Alien-Registration Card, mein offizieller "Paß" hier in Japan, abzuholen. Nun bin ich endlich ein ganz reguläres Alien!

Da das Amt merkwürdigerweise sehr weit am Stadtrand, mitten in einer Erholungsanlage mit Sportplätzen und Hotel liegt, nutze ich die Rückfahrt, um ein wenig die Außenbezirke von Tsukuba zu erkunden. Und hier zeigt sich ein ganz anderes Japan, als das der geplanten Science City von Tsukuba. Kleine Häuser mit Gärten, Reisfelder, schmale Straßen. Richtig dörflich ist es hier, keine 2 km vom Stadtzentrum mit seinen großen Wohnblocks, Supermärkten, Kaufhäusern und Bürohochhäusern entfernt. Man sieht ab und zu mal jemanden die Straße langgehen. Geschäfte gibt es kaum, dafür sehr viel Grün. Schön ist es hier!

Nach der Arbeit hatte ich mir vorgenommen, in das am Samstag entdeckte Schwimmbad zugehen. Also wieder ein Fahrad geliehen und los geht es. Das Bad ist keinen Kilometer vom Gästehaus entfehrnt und liegt in einem Sportpark. Jogging-Wege mit gepolsterten Untergrund, Fußball- und Baseballplatz, Tennisplätze und eine Basketballhalle finden sich hier im Doho-Park. Und eben auch ein Hallenbad.

Da ich wiedermal etwas unbeholfen dreinschaue, eilt die junge Dame an der Rezeption gleich herbei, um mir beim Ticketautomaten zu helfen. 350 Yen ist nicht viel Geld für 2 Stunden schwimmen. Das ist o.k.! Dann geht es durch die Sperre. WIe in Japan üblich muss man sich erstmal die Schuhe ausziehen. Dann geht es in dei Umkleide. Tatsächlich: WIe es in dem englischsprachigen Infoblatt angekündigt war, darf man in der Dusche keine Seife und ähnliches benutzen... Na ja, das Schließfach für die Sachen kostet nochmal 100 Yen extra (Nein, man bekommt die Münze nicht zurück...) . Ab ins Bad! Die Halle ist ganz nett, im Hintergrund tönt japanische Popmusik und trotz der späten Stunde sind noch einige Leute im Becken, das wohl gut 40 m lang, aber recht flach ist.

Wie nicht anders zu erwarten, ist das Schwimmen eine Wohltat. Keine Leute die kreuz und quer herumschwimmen oder einfach nur dumm rumstehen. Man kann in Ruhe seine Bahnen ziehen. Wenn nicht... Erstmal bemerkt nach meiner fünften Bahn einer der Bademeister, daß ich keine Badekappe habe und drückt mir, als ich am Beckenrand ankomme erstmal eine Kappe in die Hand (Keine Seife in der Dusche, aber eine Badekappe...). Und dann das merkwürdigste: Ein Signal ertönt, eine Ansage erfolgt, die Musik verstummt und alle verlassen das Wasser. Hmm, ich nutze die Gelegenheit, um mich in der Halle etwas um zu schauen, die andern sitzen auf Stühlen, die um das Becken verteilt sind. Nach 5 Minuten erneut ein Signal und eine Ansage und alles kehrt ins Becken zurück...

Laut Info-Blatt wiederholt sich dieses Ritual alle Halbestunde. Andere Länder ander Schwimm-Sitten. Aber egal, hier werde ich wohl Stammkunde werden!

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