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13. September 06

Ich bin schuld!

von Gunda

Ich geb's ja zu! Ich bin bestimmt am schlechten Wetter schuld. Gestern haben wir noch geschwitzt, heute bei max. 20 Grad richtig gefroren. Ausserdem regnet es. Wie ich das gemacht habe? Also... erstens hab ich alle meine Sandalen in Umzugskisten verteilt und zweitens habe ich alle unsere Decken fein saeuberlich vakuumverpackt (wegen dem Volumen) und ebenfalls in Umzugskisten verstaut. Jetzt muss ich nachts ganz viel anziehen... Aber interessant ist auch, dass wir bei 20 Grad ueberhaupt schon anfangen zu frieren. Wir haben uns wohl doch schneller als gedacht an die 30-Grad-Marke gewoehnt...

01. September 06

Tsunami im Aquarium

von Gunda

Gestern gab es ein kleines Erdbeben, das ich interessanterweise im neunten Stock eines Hochhauses erleben durfte.
Gerade als ich die Familie meiner Schülerin verlassen wollte. Interessant war es deshalb, weil der neunte Stock einfach länger nachschwingt und es mehr schaukelt als bebt. Das Aquarium schwappte fast über, weil sich die Wellen beim gleichmäßigen Schaukeln addierten, der fünfjährige Bruder meiner Schülerin lag schreiend auf dem Sofa, weil er Aufmerksamkeit wollte, meine Schülerin lief zum Türrahmen und hielt das Klavier fest (warum auch immer...), und ich unterhielt mich mit der Mutter über Erdbeben in Hochhäusern.

Und noch ein kurzer Wetterbericht:
Heute sind bei Regen 26-28°C, und ich friere schon fast. Wir scheinen uns doch ziemlich an die Temperaturen gewöhnt zu haben. Wenn wir Ende September aus einem sommerlich-heißen Japan ins herbstliche Deutschland kommen, wird uns das wahrscheinlich wie Winter vorkommen...

25. August 06

いただきました!

von Gunda

Alle haben gesagt, es ist verrueckt, im Sommer nach Kyoto zu fahren, weil Hitze und schlechte Luft in den Talkessel absacken, in dem die Stadt liegt. Das kann ich nur bestaetigen. Ich hangle mich tagsueber von klimatisiertem Raum zu klimatisiertem Raum, komme immer verschwitzt ins Kalte und habe schon ein verdaechtiges Kratzen im Hals. Die Hitze macht auch unglaublich muede und appetitlos. Und dann die Muecken! Die fressen mich hier echt auf. Nach den ersten 10 Stichen in zwei Tagen habe ich aufgehoert zu zaehlen. Dass mich japanische Insekten (mushi) besonders anziehend finden, wusste ich ja schon. Aber jetzt hilft noch nichtmal mehr "Mushi bye bye" der Firma "Omi"... Wenigstens hab ich "Mushi patchisu", Wirkstoffpflaster, die den Juckreiz etwas stillen und das Aufkratzen (mein Lieblingshobby) verhindern. Mal sehen, wie diese "Mueckenspeisung" fuer mich enden wird...

19. Juli 06

Wo kommt nur all das Wasser her...

von Thomas

...fragt man sich ja schon, nachdem es jetzt drei Tage an einem Stück geregnet hat! Und dabei sollte die Regenzeit ja eigentlich langsam vorbei sein und hat Gunda nicht erst letzte Woche über Hitze und schwüles Wetter gestöhnt? Im Moment ist es eher kalt. Zumindest kommen einen Temperaturen von 20 Grad so vor, wenn man in den letzten Tagen schon 30-40 Grad ertragen musste. Ohne Scherz, aber die letzten Nächte haben wir echt gefroren und uns erstmal wieder mehr eingemummelt...

Irgendwie ist das Wetter dieses Jahr etwas durcheinander. Erst war es zu kalt, die Baumbluete hatte gut einen Monat Verspätung, als dann die eigentliche Regenzeit kommen sollte, war's doch eher trocken, unterbrochen nur von einzelnen, allerdings heftigen, Schauern. Der eigentlich zu erwartende Dauerregen kommt anscheinend erst jetzt, denn wenn auch vorhin der Regen etwas nachgelassen hatte, so soll sich laut Wetterbericht in den naechsten Tagen erstmal nichts ändern, Wolken und Regen lautet die Prognose :(

16. Juli 06

Alles wie in Deutschland?

von Gunda

Wenn man im Moment Kontakt zu Deutschland aufnimmt und erzählt, es wäre so heiß und feucht, kommt ein "Ja, bei uns auch." zurück. Natürlich können wir immer schwer etwas erklären, was unser Gegenüber nicht kennt. Eines sei hier aber gesagt: ES IST SCHLIMMER!

Für jeden, der das nachempfinden will, empfehle ich einen Tag im Tropenhaus eines botanischen Gartens. - Ein Schüler von mir meinte: "In den Jahren in Deutschland hatte ich nur einmal japanischen Sommer: Im Gewächshaus im Botanischen Garten Berlin." Sein Sohn, der in Berlin geboren wurde, erlebte erst im Alter von zwei Jahren seinen ersten japanischen Sommer, in dem er so stark geschwitzt hat, daß er am ganzen Körper Hitzepickel bekam.

Unser Tag beginnt mit einer Dusche, die gleich nach dem Abtrocknen schon überflüssig war, weil man schonwieder naßgeschwitzt ist. Make-up und irgendeine Art Frisur verlaufen gleich beim Zurechtmachen in alle möglichen Richtungen. (Japanische Frauen hingegen steigen hübsch und unverschwitzt aus ihrem klimatisierten Auto und gehen sofort rein ins Kühle, zur Arbeit oder zu einer Veranstaltung...) Tagsüber kommt dann das Wechselbad: Draußen heiß und feucht zum Umfallen, drin wie im Kühlschrank. Also immer schön eine Jacke mitnehmen und gleich den Schweiß abwischen, wenn man irgendwo rein kommt. - Die Erkältung wartet trotzdem auf ihre Chance. Zwischendurch kann man Schweißausbrüche kaum vermeiden, bei denen einem das Wasser nur so runterläuft. (Deo braucht man da nur pro forma, oder um den schlimmsten Gestank zu verhindern.) Abends fallen wir verschwitzt (natürlich nach dem Duschen) in unsere Betten, die nach dem Fensteröffnen sofort feucht sind. Bis zum Morgen kann man noch viel Flüssigkeit verlieren. (Manchmal muß ich ins etwas kühlere Wohnzimmer "auswandern".)

Neulich hatten wir 89% Luftfeuchtigkeit, zeitweise Regen, der auf den heißen Oberflächen sofort verdampft ist und Temperaturen um die 40°C. Da habe ich die 31°C am Abend schon als deutliche Abkühlung empfunden... Das nur so als Erklärung nebenbei.

So bleibt das (vielleicht mit etwas trockenerer Luft) bis wir nach Deutschland gehen. Da werden wir uns dann zu Abwechslung mal übergangslos Anfang Oktober den A...llerwertesten abfrieren. Juchhu!  ;-)

06. Juli 06

Rums und aus

von Gunda

Komisches Erdbeben war das grad. Als wenn einer kurz gegen das Haus getreten hätte. Kein Schwingen und Schwanken. Ein kräftiger Rums und das war's.

Alles heil, Mami! (Meine Familie liest das hier sowieso nicht...)

01. Juni 06

Wie riecht der Sommer?

von Gunda

In deutscher Werbung wird der Geruch des Sommers oder Frühlings immer als angenehm, frisch und leicht dargestellt. - So habe ich das auch immer empfunden.

Und in Japan? - Da fängt schon seit geraumer Zeit in der Werbung die Saison für Lufterfrischer, Ionisierer und Geruchsneutralisatoren an. Vorwiegend Damen sitzen schnüffelnd in ihrem wohlriechenden Heim, was die Bewunderung von Nachbarn und Verwandten auf sich zieht. Als "Neuentdeckung" wird jetzt verstärkt Werbung für "Lenor" ("lenoa") gemacht, das einem den ganzen Tag lang wohlriechende Kleidung bescheren soll. Wirklich ein Fortschritt für ein Land, in dem Waschmittel und Kosmetika nur notfalls kaum wahrnehmbar dezent riechen und der Geruch sofort wieder verfliegt.

Braucht man in Japan Düfte? - Erst dachte ich, das sei alles Quatsch und unnötig. Wenn es sauber ist, riecht es von alleine frisch. Spätestens letzten Sommer bin ich eines Besseren belehrt worden: Die hohe Luftfeuchtigkeit fördert sämtliche mögliche Ausdünstungen zutage. Bei Gegenständen und bei Menschen. Direkter gesagt kann so einiges während der Regenzeit anfangen zu stinken und bis zum Herbst nicht wieder aufhören. Deshalb sind auch wir og. Produkten durchaus aufgeschlossen. (Außer dem Weichspüler; der hinterläßt Flecken in der Wäsche.)

Menschliche Gerüche sind dann nochmal ein extra Kapitel: Die Deos hier funktionieren nicht so gut, wie ich es gerne (bei anderen und bei mir) hätte. (Ich weiß von Ausländern, die sich regelmäßig welches aus ihrem Heimatland schicken lassen. Ortrun hatte mir damals auch welches mitgebracht.) Das führt nicht nur zu unangenehmen Situationen in vollen Bussen und Bahnen (Dabei sind die Japaner nun wirklich sehr reinlich, was die Körperpflege angeht!), sondern auch zu interessanten Erfindungen. Z.B. gibt es Aufkleber, die man sich unter die Achseln ins T-shirt kleben kann und die den Schweiß aufsaugen. (Ich hätte lieber ein gutes Deo als ein feuchtes Pflaster unterm Arm...) Besonders begeistert bin ich bei hohen Temperaturen aber von den "Cooling Powder Sheets". - Das sind taschentuchgroße feuchte Tücher, die Menthol oder Pfefferminz enthalten und dazu mit Deo-Puder bestückt sind. Damit kann man sich im Sommer prima erfrischen. Eins unter den Achseln angewendet und eins an Stirn und Schläfen, und schon fühlt man sich ein bischen lebendiger in der drückenden Hitze (und ist dazu noch den Schweißglanz im Gesicht los). Kühlende Duschgels und Badezusätze gibt es auch.

Wahrscheinlich gibt es hier schon alles Nötige. Vielleicht finde ich auch noch in diesem Sommer ein besseres Deo...   ;-)   Jedenfalls freue ich mich zwar auf den Sommer, nicht aber auf dessen schwüle Hitze.

02. Mai 06

Kurzer Wetterbericht

von Gunda

Heute ist es wieder ziemlich kühl. War wohl erstmal nichts mit Sommer. Obwohl... die nächsten Tage soll es kontinuierlich wärmer werden.
Ach ja, und gestern gab es ein kleines Erdbeben, das mal nicht so sehr geruckelt hat, sondern eher so einen schwingenden Charakter hatte.

01. Mai 06

Wonnemonat

von Gunda

"Jetzt ist Sommer, egal, ob man schwitzt oder friert.
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert."

So haben das die "Wise Guys" formuliert. Da aber niemand wirklich unabhängig von den Geschehnissen vor Tür und Fenster ist, kann ich heute ganz objektiv sagen: Heute ist Sommer! So fängt der Wonnemonat Mai an. Und das habe ich Gabriele dazu geschrieben, nachem sie mir von 9°C und wiederangemachter Heizung in Deutschland berichtet hat:

"Der erste Mai präsentiert hier bei uns schon einen ganz guten Wonne-Einstieg: 26°C haben sie für heute angesagt! Ich habe bis eben auf dem Balkon gesessen und gelesen. Wärmer müßte es meinetwegen nicht werden; aber das interessiert das japanische Wetter wohl eher nicht. Dafür hat mein Kopf etwas rumgezickt, weil wir vor zwei Tagen noch Jacken-Wetter hatten. Diese plötzlichen Wetterwechsel sind einfach nicht gut für mich. Naja, das ist dann jetzt wahrscheinlich auch überstanden. Obwohl...es könnte auch nochmal kälter werden. Jedenfalls fängt im Juni die Regenzeit an."

Liebes Deutschland: Haltet durch! Irgendwann seid auch Ihr dran!  ;-)

15. November 05

Seebeben

von Thomas

Heute morgen gab es zusätzlich zum Wecker noch ein Erdbeben, dass unseren Schlaf beendete. Passiert ist nichts, das Epizentrum des Bebens lag weit draußen im Pazifik vor der Ostküste Japans. Bei uns kam es dann nur noch als leichtes, aber recht lange andauerndes Beben an. Alles steht noch, nix passiert, auch kein Tsunami.

Das nur zur Info, falls mal wieder irgendein deutscher Sender etwas zuviel Seemansgarn über ein "schweres Erdbeben in der Nähe von Tokyo" erzählt....

07. November 05

Hilfe, ein Erdbeben!

von Thomas

200511071336Genau um 13:30 Uhr ist es passiert! Ein Erdbeben der Stärke 6! Sofort erschallte eine Lautsprecherdurchsage, die Mitarbeiter setzten ihre Notfallhelme auf und stürzten aus dem Gebäude... Sammelpunkt für Notfälle ist ein Sportplatz ganz in der Nähe unseres Gebäudes. Die Notfallteams hatten in Windeseile einige Zelte aufgebaut, die Feuerwehr war auch schon da und eine Team von NHK filmte das Geschehen...200511071337

Nein, keine Angst... Natürlich ist nix passiert ;) Das ganze war nur eine Katastrophenuebung. Wir sind auch nicht aus dem Gebäude geeilt, sondern gemütlich zum Sportplatz geschlendert. Dort versammelten sich alle nach Gebäuden sortiert und wurden von den Sekretärinnen gezählt.200511071339 Und als dann einige Leute eine große blaue Plane ausbreiteten und sich einige dort drauf setzten, erinnerte alles endgültig eher an ein Hanami-Picknick, als an eine Katastrophenuebung.200511071359 Insgesamt standen wir etwa eine Stunde bei strahlendem Sonnenschein dort rum, bis dann eine paar Reden geschwungen wurden, die jeweils mit großem Applaus bedacht wurden. Dann war alles vorbei und wir sind wieder zurück an die Arbeit gegangen. Irgendwo stand noch ein mobiler Erdbebensimulator herum, aber das hatte ich mir jetzt geschenkt, dass mach ich noch mal mit Gunda zusammen in Tokyo...

31. Oktober 05

Alles klar!

von Gunda

Wer weiß, was irgendwelche Nachrichten in Deutschland oder sonstwo wieder bringen...
Hier ist alles o.k. Hätte ich nicht zufällig vorher auf die Toilette gemußt, hätte ich dieses Mini-Erdbeben wohl gar nicht mitbekommen und getrost verschlafen.
Und das mach ich jetzt auch: Weiterschlafen.
Gute Nacht!

19. Oktober 05

Immernoch alles in Ordnung

von Gunda

Schonwieder nix passiert!
Eben gab's mal wieder ein nettes kleines Erdbeben. Toll, daß wir Ortrun das noch "bieten" konnten, wo der Taifun schonwieder unverrichteter Dinge an uns vorbeigezogen ist. Aber immerhin hatten wir ja schon neulich im Tokyoter Katastrophenschutzzentrum geübt...

Also: Uns geht's prima. Und das, obwohl Ortrun kurz danach noch etwas verdattert auf dem Sofa rumsaß. Thomas hat gar nichts gemerkt. Der war grad auf dem Weg zur Bushaltestelle.

17. Oktober 05

Nix passiert

von Thomas

Es ist wie verhext, immer wenn wir in Kyoto sind, dann gibt es um Tsukuba rum ein Erdbeben und zu Hause haben unseren Leute zu Hause Sorgen, weil sie im Fernsehen (übertriebene) Berichte vom "großen" Beben sehen und uns, weil wir eben unterwegs sind, nicht erreichen können und wir selber bekommen nix mit und melden uns also auch nicht...

Passiert ist natürlich nichts, ein Beben der Stärke 5 oder so, verursacht in Japan keine Schäden. In anderen Weltgegenden bricht dann ja oft gleich der Notstand aus. Den Medien daheim ist das aber oft egal, gerade jetzt, nach dem großen Beben in Pakistan, macht auch der kleinste Wackler eine gute Meldung aus und entsprechend "informiert" macht man sich daheim dann Sorgen.

Also nochmal für alle: Nix passiert, wie immer bisher :)

12. Oktober 05

Ortrun goes Tokyo

von GundaCimg9181_small

Cimg9190_smallDer Nezu-Schrein mit seinem kleinen Gang aus Torii (roten Toren) und das Tokyoter Katastrophenschutzzentrum Ikebukuro mit seinem Erdbebensimulationsraum standen auf dem Programm.

In letzterem waren wir mit Yukie und haben gleich noch eine Rauch- und eine Feuerlösch-Übung zusammen mit einigen japanischen Angestellten durchgemacht. War natürlich alles ziemlich gestellt. (Der Rauch war Wasserdampf, "gelöscht" haben wir ein Video von einem brennenden Papierkorb.) Ortrun stellte zusammenfassend fest, daß man vor Erdbeben zusammen an einem Tisch sitzt, vor sich auf dem Tisch Sitzkissen zu liegen hat, die man sich dann unter dem Tisch über den Kopf hält und auch sonst natürlich immer gut vorbereitet ist... (Die Brillen sind von dem Erdbeben-3D-Film, den wir vorher gesehen haben.)
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16. August 05

Erdbeben in Sendai

von Thomas

Heute Mittag gab es ein recht schweres Erdbeben in Sendai, einige hundert Kilometer noerdlich von uns. Bei uns war davon allerdings nicht mehr viel zu spueren. Ich war gerade im Buero und Gunda war unterwegs in der Naehe unserer Wohnung.

Angeblich hatte das Beben eine Staerke von 6,8 auf der Richterskala, genaueres gibt es wohl erst spaeter. Ein paar Menschen wurden verletzt, als ein Hallendach einstuerzte, ansonsten hat man bis jetzt von keinen groesseren Schaeden gehoert. Zuege wurden wie immer angehalten, eine Tsunami-Wahrnung gab es, die aber schon wieder aufgehoben worden ist.

Ein paar unserer Professoren arbeiten an der Uni in Sendai, soweit sie es bisher geschrieben haben, sind bei ihnen ein paar Geraete kaputt gegangen, sonst ist aber niemandem etwas passiert. Da Morgen die ueblichen Besprechungen stattfinden, wollten sie heute eigentlich wie immer mit dem Zug nach Tsukuba kommen. Das faellt eventuell erstmal flach. Man wird sehen...

Infos zum Beben im Internet gibt es in Deutsch und Englisch:

Spiegel-Online
Japan-Times

26. Juli 05

Wieder zurück...

von Thomas

Jetzt sind wir wieder zu Hause und sind dabei gerade noch dem letztem Taifun entkommen. Allerdings wussten wir davon gar nichts, wir hatten uns nur geärgert, dass es heute Morgen zu regnen anfing und auch jetzt bei unserer Ankunft regnete es dummerweise immer noch. Als wir dann den Computer angeworfen hatten, sind wir dann auf Hinweise gestossen, dass das nicht nur einfach Regen war, sondern eben der neueste Taifun, der wohl mit Schwung auf Tokyo zurast und heute noch bei uns ankommen soll. Mal sehen, wie das wird, mit Taifunen hatten wir ja letzten Oktober direkt nach unserer Ankunft einige Erfahrungen gemacht...

Dann gab's in unserer Abwesenheit, am Samstag wohl,  ja auch noch ein Erdbeben in der Nähe von Tokyo, von dem wir erst durch einen besorgten Anruf von Gundas Eltern erfahren hatten. Zum Glück ist in unserer Wohnung so gut wie nichts passiert, ein paar Sachen sind aus den Regalen gefallen, aber nix ist kaputt gegangen.

Was sonst noch? Eine Ameise hatte unsere Wohnung erforscht, zum glueck war sie alleine, jedenfalls haben wir noch keinen Ameisenhaufen in irgendeinem Zimmer entdecken können... Unten im Treppenhaus lief noch eine große Kakerlake rum, aber von denen hat sich bisher noch keine in unsere Wohnung verirrt.

Und der Urlaub? Schön war's. Alles war viel gemütlicher als beim letzten mal im Frühjahr, wir haben uns ganz andere Dinge angeschaut, das Gion Matsuri war sehr beeindruckend. Und da wir uns heute noch ein Buch über Schintoismus gekauft haben, verstehen wir vielleicht demnächst auch besser, was wir da eigentlich genau erlebt haben :)

Was Urlaubsphotos angeht, war die Tour auch wieder recht ergiebig, aber ich habe ja jetzt noch ein paar Tage Zeit und es dauert diesmal vielleicht nicht ganz solange, bis wir sie ins Netz stellen.

30. Juni 05

Trübe Aussichten

von Thomas

Ein Blick nach draußen offenbart und die aktuelle Wettervorhersage verheißt Übles: Wolken, Regen, schwüle Luft... Sieht so aus, als wenn die Regenzeit jetzt doch langsam zu halten beginnt, was sie eigentlich verspricht.

Wahrlich trübe Aussichten...

23. Juni 05

Alle Wetter!

von Gunda

Komisch, daß für mich die Regenzeit so ganz anders wirkt, als für Thomas... Das liegt aber vielleicht auch daran, daß Thomas den halben Tag in einem klimatisierten Großraumbüro verbringt und kaum aus dem Fenster gucken kann. Außerdem ist er meist morgens und abends unterwegs, wo das Klima etwas besser ist.

Jedenfalls konnte ich mir damals im Erdkundeunterricht unter "Monsun" noch nichts wirklich Greifbares vorstellen. - Das war was, das es in tropischen Ländern und ganz weit weg gab. Das betraf andere. Tja, und jetzt betrifft es mich doch.

Regenzeit, die ist nicht überall in Japan gleich, denn die Insel(n) ist (sind) ja ziemlich in ihrer Nord-Süd-Ausdehnung gestreckt. Deshalb merkt man ganz im Norden kaum etwas davon, während im Süden schon eher tropische Zustände mit täglichem Platzregen herrschen können. Wir sind in der Mitte von all dem.

Was ist also bei uns los?
Die Unterschiede zu einem deutschen verregneten Sommer sind doch recht groß: Wenn es regnet, kühlt es kaum ab. Auch nachts nicht. Es ist wirklich sehr heiß (meist um die 30°C). Die Luft ist feucht, man kommt schnell außer Atem und hat nur in klimatisierten Räumen das Gefühl, richtig tief durchatmen zu können. Fast täglich ist der Himmel bedeckt. Und wenn die Sonne rauskommt, wird die Hitze nur umso größer. Die Feuchtigkeit bleibt. Ja, sie wird sogar noch stärker, weil durch die Sonne das Wasser verdunstet und in der Luft hängenbleibt. Durch diese Feuchtigkeit erscheinen selbst Temperaturen wie 25°C unglaublich warm, und ich bin oft schon auf halbem Wege zum Bus naßgeschwitzt. Überhaupt wirkt oft alles feucht, was man draußen anfaßt. Als ich neulich auf der Straße in meinem Kalender geblättert habe, habe ich richtig einen Schreck bekommen, wie feucht der sich anfühlt.
Regnen tut es auch fast täglich. Manchmal sind es nur kurze Schauer, manchmal regnet es einen ganzen Tag lang. Aber Abkühlung bringt das nicht.

Wie ich schon im Winter erwähnt habe, gibt es in unserer Wohnung eine Hälfte, die man klimatisieren kann und eine Hälfte, in der wir keine Klimaanlage haben. Das Wohn-Tatami-Eß-Küchen-Zimmer ist mit einer Klimaanlage mit Lufttrockner ausgestattet, was bei diesem Wetter ein wahrer Segen und fast die einzige Möglichkeit ist, Wäsche zu trocknen. Die andere Hälfte könnte glatt als Sauna durchgehen. Manchmal sind wir schon wieder verschwitzt, wenn wir gerade aus der Dusche kommen.
Das Schlafzimmer ist auch wahnsinnig warm, aber zum Glück haben wir da einen Lufttrockner. Nachts schlafen wir bei offenem Fenster, was aber nur manchmal die gewünschte Erleichterung bringt. Ein voller Erfolg war das allerdings anfangs bei den Mücken, die trotz Mückengitter unser Schlafzimmer überfallen und sich fast ausschließlich auf MICH gestürzt haben. Inzwischen haben wir ein Elektro-Teil, das irgendwelches (bestimmt ungesundes) Zeug verdampft. (Die Frau in der Drogerie meinte aber, das sei für's Schlafzimmer gut.) Wenn meine vergangenen 30 Stiche abgeheilt sind, sehe ich auch hoffentlich nicht mehr aus, wie ein Streuselkuchen...

Öffentliche Verkehrsmittel und Geschäfte sind hier größtenteils klimatisiert. Offensichtlich gilt dabei der Grundsatz: Je kälter, desto luxuriöser. Das führt dazu, daß man verschwitzt von draußen reinkommt, es erstmal ganz angenehm findet und dann anfängt zu frieren. So paradox es ist: Je wärmer es draußen ist, umso eher muß man eine Jacke mitnehmen. Sonst kann man sich ganz schnell eine Erkältung holen, und das ist zumindest für mich, das letzte, was ich bei diesem Klima gebrauchen kann.

Auch mein Körper braucht erstmal einige Zeit, um sich an das Wetter, vorallem aber auch die vielen starken Temperaturwechsel zu gewöhnen. Natürlich muß ich viel trinken, aber auch die feuchten "Powder Sheets" mit Deo, Puder und Menthol helfen schon gut weiter, wenn man unterwegs total verschwitzt ist. Kopfschmerzen hatte ich wegen dem Wetter viel in letzter Zeit, und ich bin auch unverhältnismäßig oft müde, wenn ich viel draußen unterwegs war. Wahrscheinlich habe ich mich dann am Ende der Regenzeit daran gewöhnt.
Wann die zuende ist?
Das ist hier in Japan genau festgelegt. Ich glaube, sie geht offiziell bis Ende Juli. Jedenfalls ist es immer eine Schlagzeile wert, wenn sich die Regenzeit mal um einige Tage verschieben sollte. Und man kann in den Nachrichten z.B. folgende interessante Konstruktionen finden: "Nächste Woche regnet es. Das ist aber nicht der Regen der Regenzeit. Wenn dieser Regen aufhört, beginnt der Regen der Regenzeit." Na denn...

02. Mai 05

Wetterfest

von Gunda

Cimg5943_smallHeute haben wir unsere Wintersachen zusammen mit Trockensäckchen in Plastik vakuumverpackt. Wir wollen ja nicht, dass unsere saugfähigste Kleidung im kommenden feuchten Sommer verschimmelt. Demnächst müssen wir noch unseren Vorratsschrank entsprechend auf die Feuchtigkeit einstellen. Langsam bekommt man wirklich eine Ahnung, wie das sein wird. Der Regen kühlt kaum noch und es wird schwüler. Gut, dass wir ne Klimaanlage mit Lufttrockner haben...

25. April 05

Erdbeben und Medikamente

von Gunda

Nachdem es heute morgen hier das kleinste Erdbeben gegeben hat, was ich überhaupt mitbekommen habe, kam danach gleich der Briefträger mit meinen Medikamenten. (Juchhu!) Die erste Sendung war vom Zoll zur Firma zurückgeschickt worden, was wir uns schon gedacht hatten, nachdem ich ewig darauf gewartet habe. Die zweite Bestellung hatten wir uns als "Geschenk" verzollen lassen. Netterweise haben die gleich die erste Bestellung noch mit ins Päckchen getan, sodaß für uns kein Verlust entstanden ist. Fazit: Als "Geschenk" darf man fast alles nach Japan einführen.

20. April 05

Erdbeben?

von Gunda

Schon wieder nix gemerkt... Nichts umgefallen, nichts gerappelt...

http://portale.web.de/Schlagzeilen/Erdbeben/

11. April 05

Wieder ein Erdbeben

von Thomas

Heute war es wieder soweit, die Erde bebte. Wir waren gerade wach geworden, als es für einige Sekunden anfing zu wackeln. Passiert ist uns nichts, wie aus der Webseite der Japan Times jedoch hervorgeht, lag das Epizentrum gar nicht soweit von uns weg in der Provinz Chiba, die südlich von Ibaraki liegt. Das Beben hatte eine Stärke von 6,1 und dürfte damit in unserer Gegend das heftigste nach dem Beben vom Februar gewesen sein.

Langsam wird man wirklich ziemlich abgeklärt, was diese kleineren Beben angeht, man nimmt es natürlich noch bewusst wahr, aber man erschrickt nicht mehr so wie noch am Anfang, als es immer so schien, als wären wir die Einzigen, die überhaupt was gemerkt hätten, während die Japaner einfach das weitermachten, was sie vorher auch taten.

Aber natürlich kann irgendwann doch mal was passieren, man weiß es halt nicht, aber man darf sich eben nicht davon verrückt machen lassen.

04. April 05

Und noch'n Erdbeben...

von Thomas

Heute in den frühen Morgenstunden war es mal wieder so weit: Ein Erdbeben. Irgendwie waren wir beide in dem Moment wach geworden und Gunda meinte "Hey, ein Erdbeben". Ich meinte daraufhin nur "Ja, ja" und drehte mich um. Gunda murmelte noch "Ist nur ein kleines" und dann war ich auch schon wieder eingeschlafen.

Irgendwie gewöhnt man sich daran, dass es recht zuverlässig mindestens einmal im Monat wackelt. Man erschreckt nicht mehr, wundert sich nicht mehr und versteht die Japaner in diesem Punkt endlich auch besser, die sich dadurch nie aus der Ruhe bringen lassen. Das es auch mal ganz schlimm werden kann, verdrängt man. Aber das tut  man ja mit allen Dingen, seien es die Gefahren des Überquerens der Straße oder sonst was, man würde ja auch sonst verrückt. Irgendwann werden wir dann vielleicht auch gar nicht mehr wach, wenn es mitten in der Nacht anfängt zu wackeln.

20. März 05

Erdbeben in Nagasaki?

von Gunda

Erdbeben in Nagasaki? Davon haben wir erst durch die besorgten Anrufe unserer Eltern erfahren.

17. Februar 05

Bilanz

von Thomas

Es hatte uns tatsächlich voll erwischt. Das Erdbeben von Gestern war am stärksten hier in Tsukuba zu spüren und mit einem Wert von 5.4 auf der Richterskala war es nicht eines der schwächsten. Trotzdem sieht die Bilanz gut aus, keine größeren Sachschäden, nur 27 Personen mit leichten Verletzungen. Die schwerste erlitt eine Frau, die durch das Erdbeben aus dem Bett geworfen wurde, sie brach sich einen Arm. Der Zugverkehr wurde vorübergehend gestoppt, aber auch dort gab es keine Schäden. Weitere Details gibt es hier bei der Japan-Times zu lesen.

Unsere private Bilanz hatte Gunda ja schon Gestern geliefert. Bleibt mir noch ein kurzer Bericht von der Arbeit: Ein Laser ist wohl beschädigt und in meinem Laboraufbau hatte sich ein Spiegel verdreht, den ich nicht festgeschraubt hatte :)

Alles in allem haben wir also noch mal Glück gehabt. Puh!

16. Februar 05

Wachgerüttelt

von Gunda

Tja, Glück muß man haben. Z.B. wenn man wegen Dauer-Sonnenschein beschließt, die Wäsche über Nacht draußen zu lassen und es dann in genau dieser (nämlich letzter) Nacht anfängt zu regnen.
Aber das war längst nicht alles, denn um 4.45 h wurden wir wieder mal durchgeschüttelt, und es war diesmal das heftigste Erdbeben, das wir bisher hier erlebt haben. Abgesehen davon vielleicht, daß wir das Haupt-Beben offenbar verpaßt haben und erst vom Nachbeben (um 5.30 h) wach geworden sind. Zudem haben wir ja jetzt auch einen eigenen Haushalt, und der Verbleib unserer Sachen ist uns nicht mehr „Gästezimmer-wurscht“.
Wenn man so im Bett liegt, kommt einem das alles gar nicht so schlimm vor, und meist ist es auch schon vorbei, bevor man irgendwelche „Maßnahmen“ ergreifen kann. Laut der Broschüre „Daily living in Japan“, die wir gleich zu Anfang bekommen hatten, hätten wir (innerhalb der einen Minute Erdbeben) aus dem Bett springen müssen, alle Fenster und Türen öffnen müssen, unseren „Notfall-Rucksack“ (haben wir gar nicht) schnappen, den Fernseher für weitere Informationen anmachen müssen und uns dann frierend in den Türrahmen stellen, bzw. unter den Tisch kriechen und die Tischbeine festhalten sollen. Oder wir hätten statt Tisch oder Türrahmen den nächsten öffentlichen Versammlungsplatz (wo auch immer der ist) aufsuchen können, hätten dann aber keinen Fernseher gehabt, jeder hätte durch die offene Tür in unsere Wohnung gekonnt und wir hätten uns dort alleine im Schlafanzug den A…llerwertesten abfrieren können. – Wer die Qual hat, hat die Wahl…
Weil uns das in der einen Minute etwas zu stressig war, sind wir einfach im warmen Bettchen geblieben, haben ein bischen gewartet, und ich habe hinterher eine „Ortsbegehung“ gemacht. Fazit: Ein vom Fernseher gefallener Daruma, eine übergeschwappte Blumenvase, Unordnung der Ü-Ei-Figuren im Setzkasten, ein umgekippter Schoko-Weihnachtsmann, ein runtergefallener (und leicht angedetschter) „Sehnsuchts-Kalender Berlin“ und im Bad eine Sammlung runtergefallener Kleinigkeiten im Waschbecken. – Die Parfumflaschen werde ich doch wohl woanders lagern müssen. (Eine ist ins Waschbecken geknallt und offenbar gleich wieder rausgehüpft; das dabei abgeplatzte Glasstückchen habe ich noch nicht gefunden.)
Alles in allem ist also eigentlich kein Schaden entstanden.
Kurz vor dem Frühstück konnten wir dann noch in den Fernseh-Regionalnachrichten Cimg3711_smallsehen, daß wir ca. 4 km vom Epizentrum entfernt waren, das sich ab Tsukuba nord-östlich ausgebreitet hat und auf der japanischen (nicht-linearen) Skala eine 5 bedeutete. (Die Skala geht bis 7.) Außerdem gab es tolle Bilder von aus dem Regal des Convinience-Stores gefallenen Nudelsuppen und in einer Videothek vertstreuten Videos und DVDs. Ein Mann ist in Tsukuba aus einem Internet-Café gekommen und die Treppe runtergefallen. (Sieht man den Blutfleck ganz rechts auf dem Foto?) – Viel mehr Schaden gab es wohl, neben umgekippten Regalen, auch sonst nicht zu beklagen. Obwohl es, wie Thomas später bei der Arbeit erfahren hat, das bisher stärkste Beben hier in der Gegend war und sie gesagt bekommen haben, sie sollten die Labore überprüfen, ob kein Riß in der Wand sei.
Glück muß man haben…

23. Oktober 04

Fahrrad, Sofa, Erdbeben 2 (3?)

von Gunda

Sonne! Und warm!

Nachdem wir mal so richtig ausgeschlafen hatten, ging’s mit Fahrrädern vom Gästehaus los. (Für manche Dinge muß man erst ins Ausland: Thomas und ich sind noch nie zusammen Fahrrad gefahren, weil wir immer nur zu zweit ein Fahrrad hatten.) Klasse! Das ging mit dem Fuß! Und überhaupt brauche ich nur noch manchmal den Verband…

Wir wollten Schwimmbäder für Thomas in der Nähe seiner Arbeit suchen und gucken, ob es im Secondhand-Möbelladen neue Sachen gibt.

Ein Schwimmbad hatten wir schnell gefunden.

Dann aber haben wir uns beide in dem Möbelladen sofort in ein niedriges natur-weißes Designer-Schlaf-Sofa verguckt, das dazu noch nur umgerechnet 12 Euro kostete. (Naja, ein bischen saubermachen muß man es schon…) Also: Sofort zuschlagen! Paradoxerweise kostet das Liefern fast dreimal so viel, wie das Sofa selber. Aber nächsten Samstag, wenn Thomas’ Gehalt da ist, versuchen wir, in die Bestellung gleich noch die Waschmaschine, den Kühlschrank, einen Tisch und Stühle einzubauen. Dann lohnt es sich wenigstens. Ich bin den ganzen restlichen Tag total froh über dieses Sofa gewesen, weil das auch bedeutet, daß wir uns mit dem Bettenkauf nicht beeilen müssen und nur eine Nacht auf einem improvisierten Lager im Tatami-Zimmer schlafen müssen.

Als wir nach dem Essen beim Chinesen im zweiten Secondhand-Laden waren, wackelte alles ein bischen. Irgendwie konnte ich das Ganze nicht so ernst nehmen, bis uns die Verkäuferin doch tatsächlich sagte, das sei ein Erdbeben. Naja, war ja auch schnell vorbei. Dann sind wir zu Thomas ins Büro gefahren, um nach Mails zu gucken, und gerade, als er „Spiegel online“ anklickte und wir bei den Schlagzeilen lasen, daß es in Tokyo ein sehr starkes Erdbeben gegeben haben soll, fing das Büro an, zu wackeln. Das beeindruckte Thomas’ japanische Kollegen natürlich nicht im Geringsten, weshalb sie einfach ganz normal weiterarbeiteten, ohne eine Miene zu verziehen. Natürlich haben wir dann gleich den Artikel zum Erdbeben gelesen und waren doch sehr erstaunt, als wir etwas vom „heftigsten Erdbeben seit Jahren“ (Stärke 6-7) lasen. Da konnte doch was nicht stimmen. Wir waren auch nur 40 km von Tokyo weg. Da hätte man doch was merken müssen! Hatten wir schon wieder was verpaßt?

Als wir dann zu Hause den Fernseher anmachten, klärten sich unsere Fragen nach und nach. – Anscheinend war das Epizentrum im Nordwesten der Hauptinsel gewesen, während wir uns im Nordosten befunden haben. Deshalb haben wir nur ein bischen was abbekommen. Eigentlich nicht beängstigender als beim ersten Mal. (So ein Erdbeben fühlt sich im Prinzip an, als wenn man bei Sturm auf einem Schiff ist. Alles wackelt, aber nicht doll. Nur schaukelt es nicht so, sondern rumst mehr. – Anders kann ich das einfach nicht erklären!) Während wir fern sahen gab es noch kleinere Nachbeben, und ich habe angefangen, darüber zu philosophieren, was es denn wohl für ein Gefühl wäre, ein Erdbeben auf der Toilette zu erleben. Als ich dann wirklich mußte, witzelte ich noch, Thomas solle doch mal ein bischen rumwackeln, damit ich das erleben könne. Einige Sekunden später fing es tatsächlich nochmal an, ein bischen zu beben…

Während ich die Handtücher beobachtet habe, wie sie da so vor sich hin schaukelten, bekam ich das eigenartige Gefühl, gar nicht mehr richtig zu wissen, ob es nun bebt, oder nicht. Ich war so sehr auf das Beben eingestellt, daß ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, ein bischen den festen Boden unter den Füßen verloren zu haben. – Ich mußte die Handtücher beobachten, um sicher zu sein, daß das Erdbeben wirklich vorbei war.

22. Oktober 04

Tokage!

von Thomas

"Tokage" heißt auf Deutsch "Eidechse", in diesem Fall jedoch steht es für den Taifun vom Mittwoch, der der schlimmste seit 25 Jahren war. Bisher wurden schon über 60 Todesopfer geborgen. Zum Glück bekamen wir von diesem Sturm nichts mit. Tsukuba liegt etwas weiter von der Küste entfehrnt, es ist flach und es gibt keine größeren Flüsse hier, so daß uns, abgesehen von Regen uns Wind, die Naturgewalten hier nicht so treffen, wie es in anderen Gegenden Japans der Fall ist. Vor allem der Süden ist immer stark betroffen und die östlichen Küstenstädte, denn die Taifune kommen immer von Süden vom Pazifik herauf und toben sich dort dann aus. Zum Glück für uns!

20. Oktober 04

Taifun 2

von Gunda

Natürlich Regen; aber das hatte ich vor dem Taifun auch irgendwie nicht anders erwartet.

Während ich meine Erkältung pflegte wurde es draußen immer stürmischer. In Erwartung einiger Katastrophenbilder bin ich dann irgendwann vor dem Fernseher gelandet und habe mitangesehen, wie riesige Wellen schon am Morgen in Okinawa alles mitgerissen haben, was rumstand. Erdrütsche, überschwemmte Brücken, … im Prinzip alles, was man beim letzten Mal schon sehen konnte. Nur irgendwie klang der Reporter diesmal aufgeregter, und es wurden nicht so oft die gleichen Bilder gezeigt, weil es so schnell immerwieder Neues gab. Sollte es doch schlimmer werden als beim letzten Mal? Zu allem Überfluß zeigte die Vorausschau auf der Wetterkarte an, daß diesmal der Taifun (Nr. 23 dieses Jahr mit dem Namen „Eidechse“) direkt über uns hinwegfegen würde. Deshalb war ich dann doch froh, daß Thomas früher von der Arbeit kam und wir das Ganze drinnen erleben konnten. Erst haben wir gewartet, daß sich draußen was tut und dabei die Wetterkarte im Fernsehen verfolgt. (Es war der schwerste Taifun hier seit 25 Jahren.) Es stürmte auch ziemlich; aber irgendwann mußten wir dann doch schlafen, und so haben wir auch von diesem Taifun nicht ganz so viel mitbekommen. Abgesehen davon erfuhren wir auch am nächsten Tag, daß der Sturm, kurz bevor er uns erreicht hatte, plötzlich ganz schwach wurde; wir konnten also kaum etwas merken.

Nächsten Dienstag oder Mittwoch kriegen wir eine neue Chance, uns den Naturgewalten zu stellen; da ist der nächste Taifun vorhergesagt. Darüber sind die Japaner hier allerdings doch sehr erstaunt. So viele seien es sonst nie gewesen, sagten sie.

09. Oktober 04

Taifun

von Gunda

Ja, es hat geregnet… (Manchmal sogar weniger…)

Überhaupt wurde der Tag ausschließlich vom Wetter bestimmt. Ein Taifun also. („You know, there is tropical storm tomorrow?”) Naja, aber erst am Nachmittag. Also sind wir erst noch schnell einkaufen gegangen und haben es uns dann mit den Leckereien vor dem Fernseher gemütlich gemacht. Dort haben wir dann gesehen, wie Häuser eingestürzt sind, hohe Wellen an die Küste klatschten, Autos im Wasser versunken sind, Menschen Sandsäcke geschleppt haben und die Leute in Tokyo mit zerknickten Regenschirmen dürch tiefe Pfützen gewatet sind. Der staatliche Sender (NHK) hat den ganzen Tag nichts weiter als diese Bilder und meteorologische Karten gezeigt. Von der Küste aus mußte der Taifun noch etwas über Land und Hügel, sodaß er bei uns schon in abgeschwächter Version ankam und eher so, wie ein starker Nordsee-Sturm war. Das wird auch in unserer neuen Wohngegend so sein, worüber wir natürlich sehr erfreut sind.

Schlimme Sache des Tages: Thomas hat seinen Ring verloren, und wir haben das gesamte Appartment auf den Kopf gestellt. (Ziemlich traurig, das Ganze…)

06. Oktober 04

Wie lange dauert Urlaub?

von Gunda

Lieber Manfred! Es hat schon wieder wie aus Eimern geregnet!

Als Thomas am Mittwoch Grundrisse von Wohnungen in der Nähe des Bahnhofes von Arakawaoki (s.Fotos) mitgebracht hat, ist meine Urlaubslaune schlagartig verschwunden. Das war nicht schlimm, denn sie wurde durch den Wunsch ersetzt, uns eine zweite Heimat zu schaffen, uns zusammen hier länger wohlzufühlen. Urlaub ist bestimmt schön. – Aber „Einnisten“ eben auch. Also haben wir zum ersten Mal zusammen über Wohnungsangeboten gegrübelt, diskutiert und abgewogen. (Für Thomas war das Ganze wohl noch spannender als für mich. Ich hatte ja schonmal in Deutschland eine Wohnung gesucht.) Nachdem wir beide von unterschiedlichen Leuten sehr unterschiedliche Geschichten über japanische Wohnungen gehört hatten, waren wir natürlich entsprechend gespannt, was uns am nächsten Tag bei den Besichtigungen erwarten würde. (Hätten wir doch ins „Wissenschaftler-Ghetto“ ziehen sollen?)

Und dann, so gegen Mitternacht, als wir schon längst im Bett waren, haben wir noch unser erstes kurzes Erdbeben erlebt. Thomas war schon vorher wach geworden; aber ich habe mich, so aus dem Schlaf gerissen, doch gehörig erschrocken. Im Nachhinein bin ich froh, daß unser erstes Erdbeben so ein kleines war. (Zum Eingewöhnen…)

05. Oktober 04

schweizer Japaner, über’s Wetter lernen, endlich Ruhe

von Gunda

Regen! (Naja, aber Manfred hat ja gesagt…) Inzwischen lernen wir auch zu unterscheiden zwischen mehr oder weniger Regen, Regen mit Wind und ohne, zwischen großen Pfützen und ganz großen und daß man eh nichts dagegen machen kann, nasse Füße und ruinierte Schuhe zu bekommen. Dienstag war weniger Regen. – Erstmal. Also besseres Wetter.

Als ich dann zum Bäcker gegangen bin, war das allerdings nicht mehr so. Dabei ist mir dann gleich aufgefallen, daß japanische Autofahrer wirklich viel sozialer als die meisten deutschen Autofahrer sind. Denn sie lassen einen nicht so naß werden, weil sie um die Pfützen herumfahren. Leider war dann einer bei einer besonders großen Pfütze doch asozial und ich bin komplett bis auf die Haut naß geworden…

Der schweizer Bäcker bestand zu meiner Enttäuschung leider auch nur aus Weißbrot, einem Graubrot und einer Menge japanischer Verkäufer. (Kein einziger Schweizer…)

Der Abend war für mich doch sehr ruhig, und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein.

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