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04. August 06

Auf Patrouille

von GundaCimg3668_medium

Eine interessante Form der Bürgerwehr hat sich bei uns in der Gegend vor ca. einem halben Jahr gebildet: "Patorolu" (パトロ-ル) nennt sich die Gruppe aus Senioren und Hausfrauen-Müttern, die morgens und abends mit knallgrünen Bauarbeiterwesten und Taschenlampen zu zweit durch die Straßen gehen.

Warum denn das??? Japan ist schließlich das sicherste Land der Welt! Also hab ich rumgefragt und folgende Antwort bekommen: Japans Straßen sind gefährlich. Besonders für Kinder. Aber nicht etwa wegen der Autos, sondern weil es böse Männer gibt, die vorwiegend kleine Mädchen ansprechen. Abgesehen davon, daß die im Convinience-Store frei verkäuflichen Mangas dieses Verhalten noch fördern, tritt dieses "Phänomen" in Japan so selten auf, daß JEDER Fall sofort ausführlich durch die ganze Presse geht. Ich habe dann noch gefragt, was denn die Patrouille dann in einer gefährlichen Situation machen würde und bin auf ratloses Schweigen gestoßen. "Sind die bewaffnet?" hab ich gefragt. Große Augen und ein erstauntes "Nein!" gab es da. "Rufen sie die Polizei?" Achselzucken. "Hm, vielleicht..." Tja...

Vielleicht fühlen sich die Leute dann einfach besser und die Patrouille wichtig. Ist ja auch schon was. ;-)

03. August 06

Asian Beauty

von Gunda

Da waren meine Schülerinnen und ich doch hochgradig amüsiert, als wir in einer im Frühling mitgebrachten "Brigitte" den Schminktip "Mandelaugen", passend zum Film "Die Geisha", fanden. Denn was in Deutschland exotisch und deshalb (?) schön wirkt, ist hier in Japan ein Grund, etwas dagegen zu tun.

Da gibt es Fernsehgymnastik fürs Gesicht, Klebstoff für die Augenlider, um ein doppeltes Augenlid zu erzeugen, und auch Operationen sind keine Seltenheit. In den Cartoons werden Japaner auch immer mit unnatürlich runden Augen dargestellt. - Hauptsache "westlich".

Aber es bleibt nicht bei den Augen. Wo sich in Deutschland die Leute hautkrebsverdächtig durch den Sommer braten, haben hier Körperbedeckungen und Sonnenschirme aller Art Hochkonjunktur. Vernünftig, könnte man denken, wären da nicht alle nur erdenklichen "Hautpflege"-Produkte mit Weißmacher (Sogar in Tablettenform!) ... Auch Haarebleichen, blaue Kontaktlinsen, Kissen zum Ausstopfen an Busen und Po usw. sind keine Seltenheit.

Oft wird für Mode und Kosmetik mit blonden langbeinigen Models geworben. (Manchmal sogar für Kimonos.) Wäre ich Japanerin, ich würde glauben, die Kosmetik sei auf "westliche" Haut und Haare ausgerichtet. Und die sind sehr anders, wie ich schon ganz am Anfang unseres Aufenthaltes gemerkt habe.Cimg3589_medium

Ach ja, und dann gibt es die seit diesem Sommer wachsende Zahl der unnatürlich über-braunen Tussis mit gebleichten Haaren und kaum Stoff am Körper. (Und das, wo die meisten Japaner in dieser Hinsicht so prüde auf Europäer wirken!) Ob das Japan zu seinen "Beauty-Wurzeln" zurückführen wird?

Dabei hat die japanische Tradition so viel für natürliche Schönheit und Entspannung parat! Man denke nur an Baden in heißen Vulkanquellen, Schwitzbäder im heißen Sand, Shiatsu, Fußreflexzonenmassage...

21. Juni 06

Heiliger Sozialbimbam!

von Gunda

Gerade erlebe ich ein typisches Beispiel japanischer Sozialkultur:

Ich habe einen Schüler, der bald mit seiner Familie für ein halbes Jahr nach Deutschland geht. Er kann fast kein Englisch und genauso viel Deutsch, geht aber mit dem kindlichen Glauben an die Sache, daß ihm in Deutschland schon wer helfen wird. Ich habe einen anderen Schüler, der mit seiner Frau schon zwei Jahre in Deutschland gelebt hat. Beide Ehefrauen lernen in der gleichen Gruppe zusammen Leier.

So weit, so gut. Da dachte ich mir in meiner westlichen Naivität, die beiden Paare könnten sich doch mal treffen und die Deutschlanderfahrenen könnten was über Land und Leute erzählen, was anders, was schwierig ist. Also habe ich den Erfahrenen angesprochen, er könne den anderen doch mal einladen. Aber ach! Ich hatte die japanischen Etikette vergessen! Der andere ist älter und außerdem Professor! Den darf man nicht einfach von sich aus einladen und dann auch noch belehren. Da muß man ihn dann auch notfalls sehenden Auges ins offene Messer rennen lassen, damit die Form gewahrt bleibt. Aber noch ist nicht alles verloren. Dann versuche ich es eben umgekehrt und sag dem anderen, er könne sich ja mal bei dem Erfahrenen ein paar Tips holen. Mal sehen, ob das dann vielleicht auch gegen das oben-unten-Prinzip verstößt oder diesmal klappt. (Das kommt wohl auf den Grad der Konventionalität von dem "oben" an...)

02. Juni 06

Pinky girls oder "Gunda hat Geburtstag"

von Thomas

_dsc0662_medium Heute war's dann auch bei Gunda soweit: Sie hat heute Geburtstag! Leider ist es für uns beide ein ganz normaler Arbeitstag und Gunda wahrscheinlich erst um 22 Uhr wieder zu hause. Aber da kann man leider nix machen. Aber wenigsten einen schönen Morgen mit tollen Geschenken sollte es geben :)

_dsc0673 Ein neues Portemonnaie hat Gunda sich schon lange kaufen wollen und da dachte ich mir,  das wäre doch eigentlich ein gutes Geschenk. Also hab ich sie mit Mueh und Not davon abgehalten, selber  eines zu kaufen. War gar nicht so einfach... ;)  Jetzt macht so ein Portemonnaie aber nicht wirklich viel her, selbst wenn man's schön einpackt, ist es nicht so der Bringer. Was also tun, um der Sache mehr Pepp zu geben? "Think pink!" dachte ich mir da, denn Japan ist pinky, und mit viel Pink erzeugt man das richtige Japan-Feeling :)

_dsc0677 Das Japaner auf pinky stehen, dass kann man kaum uebersehen (deutet sich ja schon bei der Nationalflagge an: Wenn man Rot und Weiß mischt, wird's eben rosa...). Es gibt nichts, was es nicht auch in Pink gibt. Und das nicht nur von "Hello Kitty" und Konsorten. Kleidung (auch für Männer), diverse Alltagsgegenstaende, Spielzeug, Bürobedarf, Wäsche, alles, wirklich alles gibt es hier auch in Pink. Sogar eine Frauenzeitschrift namens "Pinky"... Und auch die Natur spielt dieses Spiel ja mit: Wenn in Spaetwinter die Pflaumen anfangen zu bluehen, dann leuchtet es rot-rosa über reinem Pink bis hin zu einem Weiß mit noch einem leichten Anflug von  Rosa.  Das gleiche Spiel, nur noch viel prächtiger, wiederholt sich dann im Frühling, wenn Sakura, die Kirsche erblüht. Und jetzt, kurz vor Sommeranfang, tauchen die Azaleen Sträucher und -hecken mit ihrem Bluetenmeer das Land in einen Regenbogen verschiedenster Pinkfarbtoene. Bei solchen Rahmenbedingungen, ist es ja kein Wunder, dass die Menschen da mitspielen.

_dsc0705_bearbeitet Und ich hab jetzt also auch mitgespielt. Ein Taschentuch von "Pinky Girls" als Geschenkpapier und dazu rosa Söckchen, Nagellack, Süßigkeiten, ein Stift und Notizblock, ein Radiergummi, pinky Glitzeranstecker fürs Handy und ein Kettchen fürs Fußgelenk sowie ein rosa Stoffschweinchen und einen pinky Alarmgeber, falls man mal überfallen wird und obendrauf noch ein rosa Plastikportemonnaie von "Hello Kitty"... Es hätte noch viel mehr gegeben, aber das reichte schon, um einen völlig verdatterten Gesichtsausdruck bei meiner armen Gunda auszulösen :)

Aber nach dem Farbschock, gab's dann ja doch noch das Wunschgeschenk und da war die Welt wieder mehr als in Ordnung... Nicht wahr, meine Allerliebste ;)

28. Mai 06

Chado

von Gunda

Es war mal wieder nötig, um unsere Dosis an Teein (Oder wie schreibt man das?) auf dem für Japan normalen Stand zu halten: Eine Teezeremonie.

Diesmal fand sie auf dem Gelände des Tokyo Metropolitan Teien Art Museum statt. Akapu hatte uns vorher die Tickets besorgt und sie uns per Post zuschicken lassen. - Ein Ticket für den Eingang des Geländes, eins für das kleine Teehaus, das malerisch in einem fast tropischen Park lag. Das war der romantische Aspekt. Der unromantische war: Es hatte den ganzen Vormittag geregnet und alles war schwül, glischig und schlammig, das Haus feucht und etwas angeschimmelt und der Raum zu dunkel, um gute Fotos zu machen. Doch zum Glück hat uns das in keiner Weise die Laune verdorben, weshalb eigentlich nur die positiven Aspekte übriggeblieben sind. Schwüles Wetter bringt immer die Gerüche besonders stark hervor. In der Stadt ist das manchmal unangenehm; in diesem Park waren wir umgeben von Blütenduft. - Alleine das war schon wie Urlaub.

Bei der Zeremonie sind wir natürlich auf die immerwieder altbekannten Gesichter getroffen, wurden erkannt und begrüßt. Und wer nicht wußte, daß die Ausländer sich schon richtig benehmen können, war zumindest hinterher beeindruckt. Wie immer sind uns natürlich die Füße schmerzhaft eingeschlafen. Aber zum Glück bekommen wir sie inzwischen immer wieder hin, bis wir richtig aufstehen müssen. (Akapu hat uns dann auch noch gleich gesagt, wir könnten ja in einem Nebenraum an einer Zeremonie auf Stühlen teilnehmen. Aber das wollten wir nun wirklich nicht.)

Diesmal hat auch Akapu selbst den Tee für die Gruppe an Leuten gemacht, die dichtgedrängt in dem Häuschen kniete. Das war für uns natürlich etwas besonders Tolles, sie dabei in diesem offiziellen Rahmen zu sehen und zu beobachten.

Mehr über die Teezeremonie an sich, haben wir schon im letzten Jahr geschrieben...

Zwar hätten wir an drei Teezeremonien teilnehmen können; wir beließen es jedoch bei einer, sind noch etwas im Park rumgelaufen (soweit der Matsch das erlaubte) und anschließend wieder mal zu Yodobashi Camera gefahren, um nach einer englischen Version der Software für Thomas' neue Kamera zu fragen. War aber Fehlanzeige. Es gibt nur diese japanische Version in Japan. Thomas könnte sich ja die Software sogar auf Deutsch im Internet runterladen. Dazu muß er seine Kamera aber bei Nikon Deutschland registrieren lassen, was nicht geht, weil er die Kamera in Japan gekauft hat. So will man wohl sog. "Grauimporte" verhindern. In den USA könnte Thomas die Kamera wohl registrieren lassen. Aber wenn dann ein Garantiefall oder sonst irgendein Problem auftritt, muß er das Ding in die USA schicken. - Auch nicht so praktisch.

Naja, jedenfalls haben wir am Abend wieder eine Menge Eindrücke mit nach Hause genommen.

19. Mai 06

Der Schilderhalter

von Thomas

Wenn Manfred mal etwas deprimiert war, weil es mit der Professur wieder nichts werden wollte, dann sagte er immer, dass er ja noch Schilderhalter werden kann. Wenn man das in Deutschland hört, dann denkt man vielleicht nicht gerade, dass das ein gute Idee ist, denn wie soll man damit Geld machen? Ich jedenfalls dachte damals bei Schilderhalter eher an diese Leute, die mit einem "Jesus lebt"-Schild durch deutsche Fußgängerzonen ziehen, als an eine bezahlte Tätigkeit.

Cimg3147_medium In Japan wurde mir dann recht schnell klar, dass man als Schilderhalter sich wohl schon durchs Leben schlagen kann. Der Schilderhalter gehört zu den unzähligen Arbeitsplatzbeschaffungsmasnahmen, mit denen zu einem sicher nicht geringen Teil Japan es erreicht, eine Arbeitslosenquote von nur wenigen Prozent zu haben, 3% oder so sind es wohl im Moment. Neben dem Schilderhalter gibt es dann noch die Leute, die in diversen Kostümen Werbung für Geschäfte oder Pachinko-Hallen machen, die Werbe-Taschentuchverteiler und natürlich meine persönlichen Favoriten, die Leuchtstabwinker. Letztere stehen meist mindestens zu zweit an quasi jeder noch so kleinen Baustelle, tragen eine Uniform und halten einen Leuchtstab in der Hand, der etwas an eine Spielzeug-Star-Wars-Lichtschwert erinnert, mit dem sie Passanten, Fahrradfahren oder Autofahrern signalisieren ob und wo sie die Baustelle passieren können. Einen ähnlichen Job (aber meist ohne Leuchtstab) haben die Parkhauseinfahrts- und Ausfahrtswinker. Die finden sich meist an den Parkhäusern großer und teurer Kaufhäuser und tragen ebenfalls schicke Uniformen, die immer etwas an alte Pagen- oder Portiersuniformen alter europäischer Hotels erinnern. Während diese Jobs alle boomen, scheinen die "Elevator Girls" allerdings langsam auszusterben. Diese jungen Damen, die die Fahrstühle bedienen, stehen während der Fahrt immer mit dem Gesicht in eine Fahrstuhlecke gewand herum und erzählen den Leuten, was sich in der jeweils aktuellen Etage befindet. Sehr süß, aber eher nur noch selten anzutreffen.

Natürlich tragen auch die "Elevator Girls" immer eine schicke Uniform. Genauso wie an meinem Arbeitsplatz die unzähligen Empfangsdamen in den jeweiligen Gebäuden und Begruesungsonkels an den Eingangstoren zum Gelände. Das eine Uniform das Selbstwertgefühl heben kann, wenn man eine Job hat, der vielleicht nicht so toll ist, dass wusste man schon immer (Da empfiehlt sich z.B. der grandiose Stummfilmklassiker "Der letzte Mann" mit Emil Jannings, über einen Hotelportier, dem, als er seinen Job verliert, nichts mehr bleibt, um seine Selbstachtung aufrechtzuerhalten, als seine Uniform) und funktioniert hier auch perfekt. Jeder Leuchtstabwinker nimmt seinen Job sehr ernst und Cimg3150_mediumniemand würde auf die Idee kommen, ihn nicht ernst zu nehmen und seine Hinweise zu missachten. Und, um auf die Schilderhalter zurückzukommen, es wird hier auch niemanden verwundern, wenn so ein Schilderhalter eine schicken schwarzen Anzug trägt, so wie die Exemplare, die wir während der "Golden Week" in Tsukuba gesehen haben. Außer uns natürlich, und deshalb machen wir da auch gleich ein Photo und setzen es ins Blog.

Aber eigentlich haben wir uns doch auch schon ganz schön an all dies gewöhnt. Und es ist ja auch oft praktisch, wenn man sich z.B. einer Ausfahrt nähert und man sich darauf verlassen kann, dass jemand da ist, der aufpasst, dass man nicht vom naechsten Auto, das plötzlich aus der Ausfahrt schießt umgefahren wird. Und wenn ich mit den Fahrrad unterwegs bin, freue ich mich auch, dass mich jemand durch die Baustelle lotst und ich auch weiß, dass dieser Weg dann frei und gut passierbar ist.

Und so ist das auch meist mit all den anderen Jobs, die es hier gibt, und von denen man erstmal vielleicht denkt, muss das denn sein? Aber Japan ist eben ein Service-Land und das merkt man immer wieder. Wenn ich z.B. nach Starbucks gehe, dann arbeiten da gut doppelt so viele Leute in einer Filiale, als in Deutschland und entsprechend schnell bekomme ich, was ich haben will. Im Supermarkt sind immer soviele Kassen auf, dass ich hier noch nie in einer Schlange stand, die aus mehr als 3 Personen inklusive mir bestand. Kein Wunder wenn's auch 10 Kassen gibt, wo es in Deutschland vielleicht 3 gibt (nicht zu vergessen, dass die Kassiererinnen einem oft auch noch die Einkaufstueten packen oder einem zumindest den Einkaufskorb, zumindest wenn er sehr voll(!) ist zum Einpackplatz tragen, während man das Geld zum bezahlen zusammensucht...). Das gleiche in der Bank, bei der Post, bei Behörden usw. Einzig die Zahl der Ärzte im Krankenhaus könnte manchmal etwas größer sein. Aber ich denke, dass kommt uns auch nur so vor, weil man ansonsten fast nie irgendwo warten muss, bis sich jemand um einen kümmert. Und wenn ich an Deutschland zurückdenke, dann habe ich dort auch schon mal 2 Stunden in manch einem Wartezimmer zugebracht...

Und sonst? Man könnte die Liste noch ganz lange fortsetzen, z.B. mit den alten Frauen, die tief eingemummelt immer die Gruenstreifen an den Straßen in Handarbeit vom Unkraut befreien, mit der durchschnittlichen Anzahl von Arbeitern auf Baustellen, die in der Regel einfach schneller verschwinden als in Deutschland, den Tankstellen, bei denen  einem das Benzin noch in den Tank gefüllt wird und jemand anders einen dabei die Scheiben reinigt, oder, oder, oder... An ganz vielen Stellen wird hier einfach Leuten Arbeit gegeben, die es in Deutschland entweder gar nicht gibt oder irgendwann weg rationalisiert wurde. Klar, das sind oft keine Traumjobs, wahrscheinlich oft auch schlecht bezahlt, aber es ist Arbeit und wenn man bedenkt, dass es oftmals gerade diese Jobs sind, die einem diese Gefühl geben, dass Japan eben ein Serviceland ist und einem das Leben in vielen Details oft einfacher und angenehmer machen, dann sind es eigentlich oft wirklich auch keine sinnlosen Jobs, wie man eigentlich im ersten Moment meinen könnte.

Und wenn ich morgens bei der Arbeit ankomme und mir erstmal ein kräftiges "ohayo gozaimasu" entgegen schalt, dann ist das halt schon mal ein guter Start in den Arbeitstag. That's it...

01. April 06

Hanami im Ueno-Park

von Thomas

200604011412_1 Jetzt sind wir doch noch zu unserem Hanami unter Kirschblüten gekommen. Letztes Jahr hatten wir das ja "dank" unseres Urlaubs verpasst. Aber dieses Jahr hat es nun so richtig gut funktioniert, zusammen mit tausenden von Japanern waren wir im Ueno-koen und haben unter voll erblühten Kirschbäumen unser Obento gegessen. Eine blaue Platikplane hatten wir zwar nicht mit, aber zum Glück haben wir noch ein freies Plätzchen etwas abseits vom ganz großen Getümmel gefunden. Die Foto-Ausbeute war natürlich enorm.  Wenn alles klappt , gibt's die ersten Bilder noch im Laufe der Woche in unserer Fotogalerie zu sehen (die inzwischen schon fast 300 Bilder umfasst...).

Es ist wirklich interessant, die ja doch sonst eher zurückhaltenden Japaner beim Kirschblüten-Picknick zu beobachten. Was literweise Sake so alles anrichten kann. Einer meinte es besonders gut mit seinen Mitmenschen und posierte unter dem Gejohle seiner Freunde nur mit einer Unterhose bekleidet auf seiner blauen Plastikplane und steckte sich, bzw. lies sich dann ganz professionell auch noch ein paar Geldscheine ins knappe Höschen stecken. Allerdings war das dann auch schon wieder ein extremer Fall. Viele saßen einfach auch nur rum, futterten und tranken vor allem viel. Manche machten auch selber etwas Musik, andere spielten Sachen wie z.B. Twister oder einfach nur ein Kartenspiel. Was besonders angenehm ist (wenn man denn nun Fotos machen will), ist das Japaner sich oft einfach gerne fotografieren lassen. Wenn jemand merkte, dass wir ein Foto machen wollten, dann wurde erstmal alle auf der Plane angestoßen, sich doch um zudrehen und in die Kamera zu schauen, zu lachen und das in Japan unbedingt notwendige V-Zeichen mit den Fingern zu machen. Manche Leute wollten uns dann auch noch zu sich auf die Plane einladen, was wir dann aber dankend abgelehnt hatten...

Was ich mich allerdings die ganze Zeit gefragt habe, war, ob nun letztlich mehr Menschen nun wirklich Hanami machten, oder einfach nur durch den Park liefen. Angesichts des Geschiebes und Gedränges hatte ich nämlich den Eindruck, dass mehr Leute auf den Beinen, als auf irgendeiner Plane waren :)

Aber wie auch immer, dieses urtypische Ereignis haben wir jetzt jedenfalls ausgiebig studieren können. War ja auch unsere letzte Chance... In wenigen Tagen ist der ganze Sakura-Zauber dann nämlich verschwunden :(

31. März 06

Kirschblüten-Photosafari

von Thomas

200603311245_1 Die Kirschblüten-Saison ist im vollen Gange und heute habe ich mit der ersten Etappe meiner dreitägigen Kirschblüten-Photosafari begonnen und bin in der Mittagspause mit meiner Kamera bewaffnet durchs AIST-Gelände gestreift und habe ein paar Bilder geschossen. Morgen fahren wir dann nach Tokyo und versuchen noch ein paar blühende Sakuras im Ueno-Park zu finden  (und natürlich wollen wie auch noch ein bischen Hanami machen). Am Sonntag gibt's dann den dritten Teil der Safari beim Sakura-Matsuri in Arakawaoki.

Ich hoffe auf eine insgesamt reiche Ausbeute für unsere Photogalerie :)

16. März 06

Kirschblüten - jetzt auch am AIST!

 

von Thomas

Der Frühling naht mit immer größeren Schritten. Heute Mittag haben wir die ersten Kirschblüten hier am AIST-Gelände entdeckt :)

14. März 06

Immernoch nicht genug?

von Gunda

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Noch mehr Ikebana-Fotos

von Gunda

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Ikebana in Tokyo

von Gunda

Vor ein paar Wochen hatte mir meine Ikebanalehrerin Karten für eine Aussellung in Tokyo angeboten. Also waren wir am Sonntag da.
Neben traditionelleren Gestecken konnte man auch viel Modernes bewundern. Jedenfalls fanden wir es sehr schön, und Thomas konnte endlich mal was Richtiges sehen, und nicht nur mein Anfänger-Rumgekrebse. Abgesehen davon hat er auch mal gesehen, daß unsere Wohnung eigentlich zu klein für ein "echtes" Ikebanagesteck ist.

Hier sind einige Eindrücke:Cimg1659_medium

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06. März 06

Sakura no hana

von Thomas

200603061419_1 Unsere ersten Kirschblüten in diesem Jahr! Gerade gefunden in Kamakura.

04. März 06

Total spezial

von Gunda

Man muß sich schon in Japan oft anhören, daß vieles "very special" ist. Manches davon ist es auch, anderes widerum überhaupt nicht.

Z.B. wurde vor langer Zeit das Einfuhrverbot für ausländischen Reis nach Japan mit der wissenschaftlichen (!) Erkenntnis begründet, daß die Verdauung von Japanern so speziell wäre, daß sie nur japanischen Reis vertragen würden.

Ein anderes Beispiel ist das Trinkwasser: Ich habe noch nirgendwo so schlecht schmeckendes Trinkwasser aus der Leitung gezapft, wie hier. Chlor und erdiger Geschmack in vielen Variationen. Aber die Japaner bekommen allen ernstes eingeredet, daß man außer in Japan nirgendwo auf der Welt das Wasser direkt aus dem Hahn trinken könnte. Dementsprechend waren meine Schüler erstaunt, als ich ihnen sagte, daß das deutsche Trinkwasser aber besser als das japanische sei.

Ach ja, und dann noch der Schnee: Der ist in Japan auch ganz anders. Viel schwerer und auch sonst irgendwie. Jedenfalls rechtfertigt auch das wieder eine Empfehlung, japanische Skiausrüstungen zu benutzen. Vorallem Profis sollen sich daran halten.

Zu guter Letzt sei noch das ganz besondere Plastik in Japan erwähnt, das angeblich völlig schadstoffrei verbrennt, weshalb das hier auch getan wird und Plastik unter "brennbarer Müll" einsortiert wird. (Linda: "They are burning plastic. They should be burnt for that!") Ich würde das ja gern glauben. Aber was wäre dann z.B. mit Importware?

Wie "special" und bindend Japan ist, merkt man auch der Reaktion vieler Japaner an, die sich nicht vorstellen können, daß andere Japaner Ausländer heiraten ("They will become very bored.") oder sogar bis an ihr Lebensende im Ausland wohnen wollen (Lachkrampf).

01. März 06

Japanische Messer

von Gunda

Da war es gestern wieder: Ein deutscher Koch will ein japanisches Messer mitgebracht bekommen.
Wer in Deutschland für's Kochen schwärmt, findet japanische Messer toll.

Irgendwann hatte ich das mal einer japanischen Freundin erzählt, die mich daraufhin überrascht anguckte und anfing zu lachen. "Tatsächlich? Und ich mußte immer Messer aus Deutschland mitbringen. Solingen, Du weißt schon."

Endgültig überzeugt von diesem grandiosen kulturellen Mißverständnis hat mich dann der Shopping-Fernsehsender, in dem am laufenden Band japanische Köche glücklich mit deutschen Messern hantieren.

Und welche Messer sind nun wirklich besser? Im Zweifelsfalle wohl immer das fremde...

17. Februar 06

Die tierlieben Japaner

von Gunda

... gibt es sogar manchmal. Mari z.B. hat einen Hund und Wellensittiche und findet, genau wie ich, die Situation in unserem gemeinsamen nächsten Tiergeschäft eine Katastrophe. Kranke Tiere in Käfigen, in denen sie sich manchmal nichtmal umdrehen können, Vögel, die sich selbst die Federn ausrupfen... Mir hat es fast das Herz gebrochen, als ich in diesem Laden war. Dazu gibt es noch Zubehör, das zwar nicht artgerecht, dafür aber originell ist. Man kann Spielzeugstädte oder -wohnungen im Käfig oder Aquarium errichten, die viel Platz wegnehmen, aber für die Tiere kaum brauchbar sind.

Aber das ist nur der Anfang meiner Geschichte.
Ich habe noch nie in meinem Leben so viele ungesund aussehende und schlecht gehaltene Tiere gesehen, wie in Japan. Angefangen dabei, daß außerhalb von großen Städten fast jedes dritte Haus einen Kettenhund hat, der in Regen und Hitze vor sich hinvegetiert und teilweise zwischen Gerümpel oder Müll "wohnen" muß bis hin zu besseren Vogelvolieren, in denen Katzen den ganzen Tag über schutzlos dem Wetter ausgesetzt sind. Auch Vögel werden in teils verdreckten Volieren und ohne Schutz vor dem Wetter gehalten. Und eine Freundin warnte mich davor, in Japan in den Zoo zu gehen; das sei grausig. Nun, wir waren mal in einem kleinen Stadtteilzoo. - Es war grausig...

Hunde gelten in der Großstadt Tokyo als Statussymbol. Je größer der Hund, desto größerCimg8036_small die Wohnung. Wohl dem, der sich von zwei riesigen Hunden durch sein Wohnviertel schleifen lassen kann. A propos "Hunde": Die werden auch sehr gerne mit T-shirts und ähnlichem "bekleidet". Wenn man es sich leisten kann, natürlich gleich vom teuren Designer. Und natürlich laufen die Hunde auch nie ohne Leine rum. (Was gut ist, ist, daß die Hundebesitzer immer brav alle Häufchen aufsammeln, die ihr Hund macht.)

Ich kann mich auch noch lebhaft an die geschockten Diskussionen erinnern, die der Aquariumsbesuch in Osaka bei einer deutschen Delegation ausgelöst hatte. (Die wollten dann gleich mit der japanischen Delegation über Walfang diskutieren, was die Dolmetscherin gerade noch verhindern konnte.)

Ach ja, und dann gibt es da noch jeden zweiten Grundschüler, der mit Begeisterung eklige Riesenhirschkäfer in einem winzigen Terrarium als Haustier hält und eigentlich gar nicht weiß, was die so fressen. Und im Sommer werden mit dem Fangnetz Insekten gefangen und in kleine tragbare durchsichtige Kästen gesperrt, bis sie irgendwann eingehen.

Kommen wir zum Essen. Das ist nämlich nur so richtig frisch, wenn es zumindest beim Kochen noch zuckt. Thomas hatte ja neulich schon beschrieben, daß wir mit Grausen im Fernsehen gesehen haben, wie Aale lebendig auf ein Grillrost geworfen und geröstet wurden. Auch Sashimi (rohe Fischscheiben) ist besonders angesehen und teuer, wenn die Fische erst beim In-Scheiben-Schneiden getötet werden. Als Beweis für die Frische bekommt man im Nobelrestaurant einen Teil des Fisches (meist den Schwanz) als Deko mit auf die Servierplatte, der noch zuckt.

Das erinnert mich an diese gräßliche Fernsehshow, wo eine Frau vom Fischerboot aus mit einer riesigen Harpune einen Tintenfisch "angelte", um ihn dann bei lebendigem Leibe verspeisen zu wollen. Natürlich umschloß das Tier ihren Kopf mit seinen Fangarmen und saugte sich daran fest, sodaß sie fast erstickt wäre. Und alle standen drumrum und fanden das irre komisch.

Während man in Europa lieber nicht sehen will, wo das Stück Fisch oder Fleisch auf demCimg4236_small Teller denn herkommt, kann man hier auch gerne mal im Restaurant einfach nur einen Fischkopf bestellen oder bekommt Schweineohren oder -nasen präsentiert. Und auf Straßenfesten gibt es rot gefärbte gegrillte kleine Tintenfische zu kaufen.Cimg4237_small

Und dann gibt es ja auch noch die tierlieben Leute auf Miyajima, die ihren Reisabfall zu Keksen für die Rehe verbacken, damit die Touristen ihren Spaß haben und die gefräßigen Tiere die unzähligen Souvenirläden in Ruhe lassen. (So viel zum Thema "natürliche Auslese"...) Aus dem gleichen Grund werden ihnen auch die Geweihe abgesägt. Aber sie sind trotzdem so aggressiv, wenn sie Futter wittern, daß viele Touristen vor ihnen fliehen. Nähert sich doch mal ein Reh einem der Läden, wird es mit einem Besen rausgejagt. Das ist schon auch sehr bildhaft für das Verhältnis vieler Japaner zu Tieren: Sie sind willkommen, wenn sie süß oder nützlich sind und werden umgebracht oder verjagt, wenn sie stören.Cimg4476_small

Nützlich sind sie z.B. bei der "Dolphin Wedding", bei der man vor einem Delphin heiraten kann. Dafür ist das Becken dann bestimmt sehr eng, um zu garantieren, daß man auch wirklich das Tier zum richtigen Zeitpunkt an Ort und Stelle hat.

Klar gibt es hier auch Vegetarier. Vorwiegend welche, die das aus religiösen (Buddhismus) oder gesundheitlichen (Magen- oder Hautkrankheiten) Gründen sind. Einige sehr radikale buddhistische Kaiser haben sogar in der Vergangenheit (Und das ist wirklich sehr sehr lange her...) den Verzehr von Tieren gesetzlich verboten. Aber schon alleine der Bedarf eines kaiserlich ausgesprochenen Verbotes beweist ja schon, daß der Verzehr von Tieren in Japan genauso zum Alltag dazugehört hat, wie in anderen Ländern. Japan ist in seinem Ursprung ein Fischervolk, das auf einer Insel im Pazifik lebt, auf der man aufgrund des feuchten Wetters nicht allzuviel an Obst und Gemüse wirklich erfolgversprechend anbauen kann. So kommt auch das meiste Obst und Gemüse eher aus anderen Ländern. Eines stimmt jedoch: Die Idee des Verzehres von Fleisch kam erst später nach Japan.

Ich möchte auch nicht wissen, was wir hier schon alles an Pflanzenschutzmitteln ehrgeiziger japanischer Bauern verputzt haben. Immerhin gibt es hier viel mehr (und größeres!) Ungeziefer...

Wenn man hier in einem Restaurant etwas "Vegetarisches" bestellt, dann bekommt man oft Fisch oder Geflügel. - Ist ja kein Fleisch. Das hat Thomas' indischen Kollegen schier zur Verzweiflung gebracht und ihn letztendlich zum "Huhnesser" gemacht. Überhaupt scheint die Definition von "vegetarisch" in Japan sehr anders zu sein, als in Europa oder Amerika. Das habe ich gemerkt, als eine japanische Freundin, die von sich sagte, sie sei Vegetarierin, zu Ortrun sagte "Ach, Fleisch ißt du auch nicht?"

Vegetarier werden in Japan irgendwie nur belächelt. Vorallem, wenn sie es nicht aus religiösen oder gesundheitlichen Gründen sind. Japaner essen halt meist anstandslos, was auf den Tisch kommt.

30. Januar 06

Karakuri ningyo, Sudoku und Schweinenasen

von Thomas

200601301629Samstag waren wir beide nicht so ganz fit, Erkältung und Gunda hatte dazu noch Migräne, also blieben wir zu Hause und ich konnte mich endlich mal in Ruhe meinem Weihnachtsgeschenk von Gunda widmen. Eine "Karakuri ningyo", eine mechanische Puppe, die Tee serviert, hatte sie mir geschenkt. Allerdings nicht die fertige Puppe, sondern einen Bausatz, mit dutzenden von Einzelteilen und einer wunderbaren japanischen Anleitung. Da diese aber auch gut bebildert ist, kam ich recht schnell voran und nach ein paar Stunden war der "antike" Roboter, der vielleicht die Grundlage für die Roboter-Begeisterung der heutigen Japaner ist, fertig. D.h. nicht ganz fertig, nur das Skelett. Da noch ein bisschen Feintuning nötig ist, muss ich ihn  demnächst  noch ankleiden, was sicher auch nochmal nicht so einfach wird...

Danach gabs noch eine Bastelei ganz andere Art, nämlich die Premiere für das Waffeleisen, dass wir von Roland letzte Woche bekommen haben. Der erste versuch ging prompt schief. Die Waffeln klebten dermaßen fest am Eisen, dass man sei nur noch abkratzen konnte. beim zweiten Versuch hab ich das Eisen dann erstmal in Öl getränkt. Das half, allerdings waren die Waffeln dann doch etwas fettig... Nun gut, die erste Ladung Öl reichte, danach gings dann auch so und die letzten Waffeln waren dann auch ok. Beim naechstenmal muss ich nur die Butter für den Teig vorher schmelzen, denn unser nur mit halber Kraft laufender deutscher Kuechemixer wurde mit der Butter nicht fertig und der Teig war am Ende voller Butterkluempchen. Wie auch immer, beim zweiten mal wird bestimmt alles besser...

Am Sonntag stand dann ein Trip nach Tokyo auf dem Programm. Wir wollten uns mit Takuya, meinem Kollegen aus Berlin, der seit Anfang des Jahres wieder in Tokyo ist, treffen. Gunda hat dann noch unsere Freundin Akapu eingeladen und wir sind dann zu viert in ein Okinawa-Restaurant, das Takuya ausgesucht hatte gegangen. Die beiden haben dann für uns was ausgesucht. Eine möglichst breite Palette an typischen Okinawa-Gerichten. Es war schon sehr typisch... Am harmlosesten waren noch die Algen, die mit kleinen, mit Meerwasser gefüllten Bläschen übersät waren und ein typisches Okinawa-Gemüse, das in etwa wie grüne Paprika schmeckte. Aber der absolute Höhepunkt waren dann die in dünne Scheiben geschnittenen Schweineohren und die Nudelsuppe mit der gekochten Schweinenase als Fleischeinlage! Und da fragen die beiden uns doch glatt, ob wir etwa kein Schweinefleisch mögen würden... Mal abgesehen davon, dass ich das ziemlich eklig fand, sah man schon so, dass die Fleishbeilage mehr Knorpel, als aus Fleisch bestand. Was hätte man da auch essen sollen...

Aber ansonsten war das Essen sehr gut, es gab noch einige andere Sachen mit Fisch, Gemüse und "richtigem" Fleisch und das schmeckte uns alles. Die Ankündigung von Takuya, dass das Essen ganz anders als typisch japanisches Essen sein würde, traf jedenfalls zu, keine Frage.

Eine ganz andere Frage, die mich seit Ortruns Besuch im letzten Herbst umtreibt, hat sich gestern dann auch noch für mich gelöst, das Sudoko-Rätsel. Bevor Ortrun davon erzählte, hatte ich von diesem "typisch japanischen Rätsel" noch nie was gehört. Ich hab dann immer schön die Augen aufgehalten, um was zu finden, aber nix, Fehlanzeige, Sudoku schien es in Japan nicht zu geben. Dagegen ist es ja in den USA und in Deutschland ein richtiger Boom. In beiden Ländern sieht man überall Sudoku-Bücher, Brett- oder Computerspiele, Internetseiten, Kalender und viele Zeitungen und Zeitschriften schmuecken sich mit einem Sudoku. Und in Japan nix...

Nein, das ist nun nicht ganz richtig, es gibt Sudokus auch in Japan, man muss nur suchen. Mit Takuya waren wir im Yaesu-Book-Center, einem der größten Buchlaeden in Tokyo, mit 9 Verkaufsetagen, davon eine für fremdsprachige Bücher und Zeitschriften. Ich hab dann Takuya mal gebeten, nach (japanischen) Sudoku-Büchern zu fragen. Bei der Bitte stutzte er nicht, was mir als ein gutes Zeichen erschien, aber vielleicht hatte er ja auch von Sudokus in Deutschland gehört... Jedenfalls zeigte uns der Verkäufer sofort ein paar Sudoku-Bücher. Importware aus den USA... Ha, ich wusste es doch, es gibt kein Sudoku in Japan! Nein, nein, es gibt doch japanische Sudokus. Nochmaliges nachhacken beim Verkäufern und ein Blick in das Bestandsregister ergab, dass es auch japanische Sudoku-Bücher gibt. Es gab sie, ein paar dünne Büchlein, die irgendwo zwischen hundertern von anderen Rätsel- und Spielebuechern standen, in keinsterweise besonders hervorgehoben, einfach so, wie alles andere auch.

Eines habe ich mir dann auch gekauft, als Andenken sozusagen. Takuya meinte dann noch, dass Sudokus vor etwa 10 Jahren mal ganz aktuell waren...

Und weil wir gerade da waren, haben wir uns noch einen Falk-Plan von Bonn gekauft (wenn es uns dort tatsächlich hinverschlaegt, wollen wir schon mal etwas vorsondieren). So ist das, es gab in dem Laden weit mehr Falkplaene von deutschen Städten, als japanische Sudoku-Bücher ;)

29. Januar 06

Mundschutz

von Gunda

Jetzt, in der Erkaeltungszeit, aber auch, wenn alles grünt und blüht, sieht man ihn wieder verstärkt im Stadtbild. Ich kann mich an mehrfache Äußerungen deutscher Mediziner erinnern, die das Tragen eines Mundschutzes als Stigmatisierung von Kranken verteufelt haben. Auch, wenn die Maske freiwillig getragen würde, so geschehe das doch nur unter gesellschaftlichem Druck. Für viele Japaner gehört der Mundschutz ("masuku"= Maske) aber einfach zum Leben dazu. - Er schützt die Schleimhaeute von Mund und Nase vor Einflüssen aus der Umgebung. Er wird in Situationen getragen, in denen man sich angreifbar fuehlt und schützen möchte. Z.B., wenn man ohnehin erkältet ist, um es nicht noch durch fremde Viren schlimmer zu machen, wenn einem kalt ist oder die Luft einem zu trocken vorkommt, weil dann die Schleimhaeute angreifbarer sind und um sich z.B. vor Pollen zu schützen. So sehr man an dem medizinischen Nutzen dieses Schutzes auch zweifeln mag; für mich gehört das Bedürfnis danach und die Erscheinung im Stadtbild einfach zur (sicherlich eher neuzeitigen) japanischen Kultur dazu. Und so manchem geräuschvoll in der Bahn rotzendem Deutschen würde ich einen Mundschutz wünschen, um MICH zu schützen...

27. Januar 06

Hightech in Japan

von Gunda

Wie wir ja schon öfter angemerkt haben, ist es in Japan mit den technischen Errungenschaften längst nicht so weit her, wie man sich das in Europa immer so vorstellt. Klar, es gibt hier Unmengen an Technik zu kaufen. Aber letztlich läuft das doch alles eher unter der Kategorie "Spielzeug". - In kaum einer Institution werden diese Geräte ernsthaft zur Arbeitserleichterung eingesetzt. Dort sind die Leute meist, wie Kilian schonmal in einem seiner Podcasts angemerkt hatte, auf dem Stand des Faxgeraetes als maximal nützliches technisches Gerät stehengeblieben. Warum ich darüber gerade jetzt schreibe? - Ich sitze im Krankenhaus, um mir ein Rezept abzuholen. Das mache ich seit einem Jahr einmal im Monat. Ich habe eine Kundenkarte mit Magnetstreifen, die jedesmal in den Computer im Empfangsbereich geschoben wird. Ich habe keine Ahnung, womit meine Datei bestückt ist. Folgendes enthält sie jedoch offenbar nicht: Was ich für eine Versicherung habe, dass ich regelmäßig komme und nur ein Rezept abholen will, wie meine Krankheit heißt und wie meine Medikamente heißen. Das werde ich nämlich JEDES MAL auf die umstaendlichste aller möglichen Arten gefragt. Manchmal unter Zuhilfenahme eines "englischsprechenden" Verwaltungsmenschen, der extra geholt wird. Heute hat es mir dann gereicht, und ich habe gefragt, ob man die Antwort auf diese Fragen nicht für die kommenden Male im Computer speichern könnte. Kurze Zeit später bekam ich einen Zettel in die Hand gedrückt, auf dem meine ganzen Daten in Japanisch stehen. Den sollte ich bitte beim naechsten mal vorzeigen, wenn die Fragen kommen. Es lebe die Technik!!!

13. Dezember 05

Bonenkai

von Thomas

Heute war Bonenkai, die typisch japanische Jahresabschlussfeier innerhalb einer Firma, Abteilung oder Arbeitsgruppe, an der alle Mitglieder und meist noch ein paar wichtige Leute, mit denen man beruflich zu tun hat, teilnehmen. So mancher Chef kommt so in den Genus eines wahren Bonenkai-Marathons, wobei die Anzahl der Bonenkais, an denen jemand teilnimmt, auch als Gradmesser für die Wichtigkeit dieser Person gilt. Ich bin also ziemlich unwichtig, komme ich doch gerade mal auf einen Bonenkai und der fand eben heute Abend statt...

Wie im letzten Jahr wurde ein französisch-chinesisches Edel-Restaurant für die Feier genommen und ähnlich merkwürdig wie das klingt, war das Essen dann auch wieder. Vor allem mein französischer Kollege Roland litt mal wieder Höllenqualen angesichts der dargereichten Erzeugnisse "französischer" Kochkunst :)

Aber auch als Nichtfranzose war ich nicht so begeistert von dem geschmacklichen Mix aus Ost und West. Vor allem aber war's mal wieder viel zu wenig. Hier in Japan habe ich noch kein Buffet erlebt, bei dem man sich mal so richtig satt essen konnte. Irgendeiner der Organisatoren ist da immer zu knauserig (und das bei dem Haufen Kohle, den man für die Teilnahme hinlegen muss...). Mehr Essen bei gleicher Qualität hätte man woanders locker für den halben Preis bekommen.

Ansonsten war die Party noch skurriler als die letzte. Eigentlich gehören zum Bonenkai viele Reden, Rückblicke auf das vergangene Jahr, eine Vorschau in das Neue, man spricht über berufliches und privates, Glückwünsche werden nachgereicht und Glück für Kommendes gewünscht. Im letzten Jahr war das auch noch ansatzweise so. Aber diesmal Fehlanzeige. Zwei kurze Eroffnungsreden am Anfang, die Profs kamen viel zu spät, Tokura-sensei erst eine halbe Stunde vor Schluss und sprach dann nur ganz kurz bevor dann Kawasaki-sensei mit seinem typisch japanischen "Kriegstanz" die Party schon nach sage und schreibe 2 Stunden beendete. Ok, länger hätte ich auch nicht stehen können, gab es doch keine rechte Sitzgelegenheit.

Dazwischen ein bischen Smalltalk unter Kollegen, der Kampf ums Essen am Buffet. Irgendwie nicht so ganz das, was ich mir immer unter einem echt japanischem Bonenkai vorgestellt habe und von anderen auch erzählt bekommen habe. Das es auch hier eigentlich anders gehen kann, zeigt eine von Rolands Erzählungen: Vor zwei Jahren fand das Bonenkai in einem noblen Onsen am Mt. Tsukuba statt und zog sich über den ganzen Abend hin... Na ja, Pech gehabt :(

"O-Miyage"

von Gunda

... benutzen die Japaner für Geschenke, Mitbringsel und Souvenirs.

Und das sagt schon einiges. Souvenirs bringt man z.B. selten für sich mit, sondern eher für andere. Innerhalb Japans bestehen diese zumeist aus regionalen Speisen. Ein besonders eingelegter Fisch, weiße Garnelen, ein besonderes Gebäck, Früchte usw. Auch aus anderen Ländern bringen die meisten Japaner gerne Landestypisches mit.
Wenn es eine Dienstreise war, bringt man den Kollegen eine regionale Süßigkeit mit, wenn es ein privater Urlaub war, bedenkt und beschenkt man einige Familienmitglieder. Wichtig: Es muß immer irgenwo draufstehen, daß es original und typisch ist und wo es herkommt. ;-)  (Und die Beschenkten sollten am besten auch wissen, daß man das da kaufen kann.) So kommen unter Umständen so interessante Situationen zustande wie z.B., daß Leute einfach an einem bestimmten Bahnhof aussteigen, da eine Landesspezialität (als Beweis sozusagen) kaufen und dann gleich wieder weiter oder nach Hause fahren. Deshalb gibt es in fast jedem Bahnhof noch vor dem Ausgang alles zu kaufen, was das Mitbringerherz begehren könnte. ... oder auf jedem Berg, an jedem berühmten Wasserfall usw.

Antrittsbesuche bei Chefs, zukünftigen Schwiegereltern und ähnlich zukunftsbeeinträchtigenden Persönlichkeiten werden natürlich auch immer von etwas wertvolleren Geschenken begleitet, die reihenweise von Kaufhäusern gleich für diese Verwendung vorgeschlagen werden.

Weil Obst nicht gerade billig ist, werden auch z.B. gerne Melonen o.ä. verschenkt. Manchmal werden Geschenke einfach ungeöffnet weiterverschenkt, weshalb immernoch die Geschichte von der "wandernden Melone" im Umlauf ist, die zum Schluß völlig vergammelt war und weggeschmissen wurde.
A propos "ungeöffnet": Geschenke werden nie in Anwesenheit des Schenkenden geöffnet. - Das schützt beide Seiten vor Enttäuschung, falls das Geschenk nicht gefallen sollte. (Beim Schenken muß man immer noch dazu sagen, daß es nur eine Kleinigkeit, häßlich und nichts wert ist. Und natürlich, was drin ist in der Verpackung.)

Aber im Prinzip muß man sich beim Schenken in Japan selten Sorgen machen. Es gibt überall Geschenkboxen nett verpackt mit vorallem Süßigkeiten zu kaufen. Normalerweise macht man sich in Japan bei einem Standard-Geschenk relativ selten Gedanken über die Individualtiät. Manchmal zählt, daß man überhaupt etwas mitgebracht hat, manchmal zählt der Preis oder die Marke der Geschenke.

Zum Valentinstag gibt es Schokolade für die Männer, am White Day Süßes für die Frauen.

Als ich einigen meiner Schüler erzählt habe, daß man in Deutschland normalerweise für jede zu beschenkende Person ein Geschenk individuell auswählt, das einen Bezug zum Beschenkten und / oder Schenkenden hat, waren sie ganz erstaunt. Ob das nicht sehr anstrengend sei, fragten sie mich. Ja, natürlich. Aber man bekommt im Laufe der Jahre ja auch irgendwie Übung darin.Cimg0656_small

Freitag fahren wir nach Deutschland und werden unseren größten Koffer mit Geschenken gefüllt durch das Land transportieren. Ein bischen komme ich mir vor, wie der Weihnachtsmann. Aber mir macht Schenken Spaß. Auch, wenn ich mir schon selber ein Paket zu meinen Eltern schicken mußte, weil nicht alles in den Koffer gepaßt hat.

Das originellste Geschenk, das ich hier in Japan bisher bekommen habe, waren zwei riesige Süßkartoffeln mit viel Erde dran. - Die hatte das Mädchen, dem ich Deutschunterricht gebe, selber zusammen mit ihrer Lehrerin auf deren Feld geerntet.

26. November 05

All überall...

von Thomas

200511261730_1...auf den Tannenspitzen seh ich goldene Lichtlein blitzen.

Bilde ich es mir nur ein, oder ist die japanische X-mas mania wirklich noch schlimmer in diesem Jahr als im letzten?

15. November 05

7-5-3 (Shichi-go-san)

von Gunda

Cimg0123_smallNein, ich habe nicht verlernt zu zählen.

Heute war das 7-5-3-Fest, bei dem alle 7- und 3-jährigen Mädchen und alle 5-jährigen Jungen zum Schrein gebracht werden, um für ihr gesundes und glückliches Aufwachsen zu beten. (Thomas meinte dazu: "Die Mädchen werden zweimal gesegnet; die haben's wohl nötig...")Cimg0121_small

Schon im Vorfeld konnte man Werbung für prächtige (und sauteure) Kinder-Kimonos überall sehen. Da muß dann ja was los sein, an so 'nem Tag. Auch, wenn es ein Wochentag ist? - Ich war mir nicht sicher.

Cimg0122_smallIch bin also nach Tokyo zum Meiji-Schrein gefahren (einer der größten und bekanntesten Schreine Tokyos), um Kinder zu fotografieren. Leider war der Andrang nicht so groß wie erhofft. Ich habe innerhalb von zwei Stunden ca. 10 Kinder entsprechenden Alters gesehen, wovon die Hälfte zwar schick gemacht, aber in westlicher Kleidung auftauchte. Rausgekommen sind also ein paar Fotos im Vorbeigehen. Das wollte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und habe zum Schluß ganz mutig eine Mutter mit dreijährigem Kimono-Mädchen angequatscht, ob ich ein Foto machen darf. Trotzdem meine Frage auf Japanisch war, bekam ich natürlich eine englische Cimg0126_smallAntwort. - Ich durfte. Und plötzlich wurde aus dem süßen Kind mit Stofftier auf dem Arm ein Püppchen, das genau wußte, wie sie sich hinstellen mußte, damit der Kimono auch gut zur Geltung kommt. (Vorher habe ich noch ein Kind gesehen, das beim Anblick der elterlichen Kamera immer in ein statisches Grinsen verfiel.)Cimg0138_small

Ich vermute einfach mal, daß an einem Wochentag Kinder in Schule und Kindergarten sind und Eltern (zumindest Väter) arbeiten müssen. Ich glaube, die holen das am Wochenende nach. Vergangenes Wochenende habe ich zumindest schon eine Familie an einem Schrein Fotos machen sehen.Cimg0106_small

Mal sehen, ob uns dann was über den Weg läuft. Jedenfalls haben wir etwas andere Pläne: Ab nach Hakone, in die Berge, ein bischen spazieren und in eine heiße Vulkanquelle.

25. Oktober 05

Langsam wird es bunt...

von Thomas

200510251306_1 Langsam beginnt Japans zweites weltberühmtes Naturschauspiel neben der Baumbluete: Die Laubfaerbung! Die Ginkos werden gelb, der Ahorn rot... Immer wieder wunderschön!

26. September 05

Müll

von Thomas

Im Prinzip wird in Japan Müll getrennt, dass es jedem Deutschen Oeko warm ums Herz werden müsste. Wenn es mal irgendwo einen Mülleimer gibt, dann ist für Mülltrennung gleich mit gesorgt, Papier, Dosen und Flaschen und Restmuell kommt feinsaeuberlich in ein extra Eimerchen (wenn das auch manchmal nur so aussieht...). Und was in der Öffentlichkeit gemacht wird, wird natürlich zu Hause erst recht gemacht. Und so haben wir zu Hause einen Plan, dem man genau entnehmen kann, was wie einsortiert werden muss und wann von der Müllabfuhr abgeholt wird. Und natürlich spielen wir da auch brav mit und haben unsere Küche mit Eimern, Tüten und Körben voll gestellt, um ja alles richtig zu machen.

Aber nichts ist perfekt, wie wir heute gemerkt haben. Aus welchen Gründen auch immer, hat jede Stadt hier ihre eigenen Mülltueten, die allerdings alle gleich aus sehen (wie normale Muelltueten eben aussehen...), nur dass jeweils ein anderer Staedtename drauf gedruckt ist. Daneben gibt es auch neutrale Muelltüten, ohne Aufdruck und weil die billiger sind, sich sonst aber nicht von den Stadttüten unterscheiden, haben wir immer die gekauft. Ein schwerer Fehler! Als ich heute eine solche Tüte ins Müllhaeuschen brachte, musste ich an unserer Hausbesitzerin vorbei, die mir dann gleich einen Vortrag gehalten hat, dass wir doch in Zukunft lieber die original Ami-machi-Stadttueten nehmen sollten. Okay, okay, ist ja kein Problem, nehmen wir also in Zukunft diese Tüten, warum auch immer.

Unserer Hausbesitzerin ist die Sache aber jedenfalls so wichtig, dass sie danach erstmal mit einer Ami-Tüte in das Häuschen eilte und unseren Müll umpackte... Was soll man dazu sagen? Vielleicht folgendes: Soweit wir es mitbekommen haben, wird der meiste Müll hier trotz pingeliger Mülltrennung, einfach auf einen großen Haufen geworfen und verbrannt :)

13. September 05

Libellen

von Thomas

200509130822_1Libellen sieht man hier so oft, wie bei uns Bienen oder Wespen, nur das die großen Libellen viel harmloser sind und dazu meist noch sehr schön aussehen. Wenn man an einer großen Wiese oder einem Teich vorbeikommt, dann schwirren diese Tierchen in vielen schillernden Farben, in blau, in gelb oder in grün, herum.

Das Exemplar, dass ich mit der Kamera erwischt habe, war leider einfach nur dunkel, aber egal, dafür setzte es sich gut in Pose ;)

03. August 05

Schmetterlinge

von Thomas

200508031455Da wir hier doch um einiges suedlicher als in Deutschland leben und das Klima schon ein wenig tropisch ist, sind die Insekten hier oft um einiges groesser als in unseren Breiten. Das gilt zum Glueck nicht nur fuer so unangenehme Tierchen wie Kakerlaken, Ameisen und diverse Riesenhirschkaefer, sondern auch fuer so etwas huebsches, wie den gut Handteller grossen Schmetterling auf dem Photo, der sich gar nicht davon stoeren liess, dass ich ihn photographiert habe :)

14. Juli 05

Der gemeine japanische Schirmdieb...

von Thomas

... ist kein durch Gier oder andere niedere Instinkte gepraegtes Wesen, sondern zeichnet sich eher durch eine gewisse Ignoranz und Gedankenlosigkeit aus, ausserdem hat er wenig Zeit und eigentlich kein besonderes Interesse an dem Objekt, das ihm seinen Namen gibt. Das alles fuehrt dazu, dass er einfach gar nicht anders kann, als irgendwo nicht seinen, sondern einfach irgendeinen Schirm mitzunehmen.

Leider ist er ein sehr verbreitetes Wesen, Gunda wurde schon mehrmals sein Opfer, waehrend ich bisher von ihm verschont worden bin. Bisher... Heute hat er auch bei mir zuschlagen ;)

09. Juli 05

Cans & bottles

von Thomas

200507091530_1Es gibt so manche Dinge hier, die kann man nur schwer verstehen. So gibt es hier z.B. Mülleimer, auf denen "cans & bottles" steht, die also für Getraenkedosen und -flaschen gedacht sind. Dementsprechend besitzen sie zwei Öffnungen, die mit "kan" (= can) und "pin" (= bottles) beschriftet sind. Oh, super Mülltrennung denkt man da (passt ja auch prima zum Gesamtbild, denn es gibt hier noch diverse andere Arten von Mülleimern). Schaut man aber genauer hin, sieht man, dass sich im Innern des Mülleimers nur ein einziger Behälter befindet. Hmm, war wohl doch nix mit Mülltrennung...

22. Juni 05

Regenzeit

von Thomas

Eigentlich haben wir ja wohl schon seit ein paar Wochen Regenzeit, aber bisher war es eigentlich die meiste Zeit schön warm und sonnig. Klar, es gab auch einige Regentage, aber wo gibt es die Juni nicht?

Heute regnet es einmal (nach 4 Sonnentagen in Folge), aber mit dem, was uns von verschiedenen Leuten angekündigt wurde, hat das nicht viel zu tun, scheint mir. Keine Regenstuerme, bei denen einem ein Schirm auch nicht mehr hilft, keine knoecheltiefes Wasser auf den Straßen, so dass man nur noch mit Gummistiefeln herumlaufen kann, usw.

Als wir letzten Oktober hier ankamen, war es schlimmer, denn damals gab es auch noch jede Woche mindestens einen Taifun.

Aber abwarten, vielleicht wird es ja noch schlimmer, ab Morgen und fürs Wochenende ist aber erstmal wieder Sonnenschein bei 30 Grad angesagt :)

13. Mai 05

Abschneiden, was stört. Oder: Ikebana.

von Gunda

Darf man eine Kultur an seinen traditionellen Künsten messen? - Hm, ich würde mich ungerne an Schuhplattler, Armdrücken und Sticken messen lassen. Also nicht? Cimg6045_smallOder doch?

Jedenfalls habe ich heute beim Ikebana einiges wiedergefunden, was mir in einem anderen Kontext nur hier in Japan schon einmal aufgefallen ist.

Aber ich fange lieber von vorne an. Nämlich mit der interessanten Entstehung meines Beiseins an diesem Treffen:
Ich hatte den Konversationskurs des Deutschen Sprachvereins Tsukuba von einem deutschen Ehepaar übernommen, das eine Deutsche kannte, die sich meinen Namen gemerkt hat und daraufhin unsere Webseite gefunden hat. Dann hat sie mich angerufen und mich zu eben diesem Ikebana-Nachmittag in Tsukuba eingeladen, an dem noch eine andere deutsche Frau teilnehmen sollte. Bei 58 Deutschen in Tsukuba, von denen ich nur eine kurz vom Sehen aus dem Sprachkurs kannte, war ich nicht davon ausgegangen, daß ich diejenige kennen würde. Tja, und dann war es doch die Frau aus dem Sprachkurs...

Interessant und lustig war der Nachmittag. Zwei deutsche, zwei japanische Frauen und ich. Eine der japanischen Frauen war natürlich die Ikebana-Lehrerin, die andere eine Deutschlehrerin. Mit einem Japanisch-Englisch-Deutsch-Sprachgemisch ging es dann auch gleich recht laut und munter zur Sache.
Ich muß gestehen, daß ich den Namen der Ikebana-Schule (Es gibt da verschiedene Richtungen.) vergessen habe; aber es war eine der ältesten Varianten. Natürlich habe ich mich erstmal mit dCimg6026_smaller Anfänger-Version begnügt, was auch schon lehrreich genug war.
Es gibt also den "main branch", das "Subjekt", der doppelt so hoch sein soll, wie die Schale, in der die Blumen arrangiert werden, breit ist. Den steckt man hinten senkrecht auf ein Hamster-Fakir-Bett (kleines Nagelbrett). Dann kommt das "Objekt", das so lang sein soll, wie der Abstand zum Schalenrand. Das wird in 45° Neigung nach vorne ("wie eine Verbeugung") gesteckt. Der Rest der Blumen sollte dann in einer Reihe hintereinander auf verschiedenen Höhen in ungerader Anzahl der gleichen Sorte und möglichst asymmetrisch angeordnet werden. Ach ja, aber nicht irgendwie, sondern so, daß eine Art "Kuppel" entsteht, die so weit über den Rand der Schale hinausragt, wie der Abstand des Schalenrandes zur Mitte ist. Ja, und damit keine Mißverständnisse aufkommen: Jeder hatte dazu zweimal drei Blumen der gleichen Sorte zur Verfügung und drei große Blätter mit dickem Stengel.
Wer mich kennt, weiß, daß ich bei der Längen-Zahlenspielerei mit Vierteln und halben, ganzen und ungeraden Längen, Anzahlen usw. komplett ausgestiegen bin und versucht habe, mich auf eine Art ästhetisches Gefühl zu konzentrieren. Diese Menschen wissen auch, daß meine Kreativität zu einem großen Teil aus unkonventionellen Abwandlungen der Konvention besteht. Sollte ich ...? Oh nein, ich war ganz artig. - Dachte ich...
Natürlich wußte ich, daß in Japan anders mit Naturmaterialien umgegangen wird, als in Deutschland: Unpassendes wird passend gemacht, Vorstehendes abgeschnitten, bis für unsereins eher ein Artefakt aus Naturmaterialien als das Arrangement der Natur selber entstanden ist. Gut, dachte ich, das kann ja auch sehr reizvoll sein. Ich verfremde ja auch gerne Dinge. Aber es war noch ganz anders:
Cimg6044_small"Der hat seinen Kopf abgewandt. Aber er gehört zum Master. Wie die Frau zum Ehemann. Also muß er aufschauen und mit ihm reden." Aha, zu westlich gedacht. Weiter. "Das ist von dieser Seite nicht schön. Das muß man umdrehen." Häh? Bisher dachte ich, "schön" wäre eine subjektive Wahrnehmung... Scheint es aber irgendwie nicht zu sein. Und in kurzer Zeit war mein Arrangement nicht mehr mein Arrangement, sondern eben Ikebana. Tja...
Bedeutet das, ich weiß nicht, was schön ist?
Ich glaube, es immernoch für mich ganz persönlich zu wissen und habe beschlossen, Ikebana dafür als Anregung benutzen zu können. Das ist ganz bestimmt eine sehr "westliche" und in gewisser Weise auch "unerwünschte" Sicht auf eine hohe traditionelle Kunst. Ich werde trotzdem auch in den folgenden Stunden versuchen, alle Regeln einzuhalten.
Vielleicht erschließt sich mir ja dann eines Tages doch noch ein bestimmtes Gefühl hinter den Regeln, das es mir erlaubt, nicht einfach nur Sachen nachzumachen, sondern zu verstehen.

Eines ist jedenfalls jetzt schon klar: Ich werde nie wieder einfach unbekümmert ein paar Blumen in eine Vase stecken können...

11. Mai 05

Blutiger Bloedsinn

von Thomas

Man ist ja schnell daran gewoehnt, dass Japaner vieles machen, was einem wie Aberglaube vorkommt, aber eben Teil der shintoistischen/buddhistischen Religion ist. Da gibt es natuerlich Horoskope, das Schicksal bestimmende Sprueche, die man kaufen kann, Glueckssymbole alle Art und wenn man im Schrein oder Tempel eine Muenze in das entsprechende Behaeltnis wirft und in die Haende klatscht, dann hat man gute Chancen, dass das daraufhin gesprochene Gebet erhoerrt wird. Und rein aus Neugierde und weil all diese Gluecksbringer, Amulette usw. so schoen japanisch aussehen, haben wir uns natuerlich auch schon welche gekauft.

Aber einen Aberglauben gibt es, der hat seine Wurzeln nicht in der Religion, sondern in etwas ganz unreligioesem, naemlich in einer Theorie, die vorallem 'Forscher' waehrend der Nazizeit entwickelten, dass naemlich die Blutgruppe den Charakter und die guten/schlechten Eigenschaften eines