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03. Mai 06

Golden Week

von Thomas

Heute begann für uns die "Golden Week", eine Woche mit 4 Feiertagen (der erste ist der "Grüne Tag", der "Midori no hi" am 29. April), mit dem "Verfassungstag", dem "Kenpo kinenbi". Morgen geht es dann mit dem "Pseudofeiertag" oder "Kokumin no kyûjitsu" (eingefuehrt, um die Lücke zum nächsten Tag zu schließen...) weiter und am Freitag kommt dann "Jungentag" bzw. "Kindertag", der "Kodomo no hi". Wie schon im letzten Jahr haben wir uns keine großen Reiseaktionen vorgenommen, sondern wollen eher ein bischen ausruhen und nur kleinere Ausflüge machen.

Cimg3156_medium Heute wollten wir dann zum Tsukuba-san, das Wetter machte einen prima Eindruck, kein Wölkchen am Himmel und schon ganz ordentlich warm. Ob's daran lag oder an der Tatsache, dass Feiertag war, wie auch immer, jedenfalls wollte scheinbar halb Tsukuba auch zum Tsukuba-san... Damit hatten wir nun nicht gerechnet, denn die bisherigen Male, die wir dorthin gefahren sind, saßen wir immer nur mit einer handvoll Leuten im Bus, das war's. Und heute? Am Busbahnhof eine Schlange, die IKEA vor Neid erblassen lassen würde und eine prognostizierte Wartezeit von einer Stunde!

Cimg3153_medium_1 Das war auch so ein Ding: Um die Leute zu beruhigen, waren von der Busgesellschaft zwei Leute abgestellt worden, die die Wartenden informieren und beruhigen sollten. Der eine Mann sah uns, dachte wohl "Scheiße, Gaijins!" und griff (ohne was zu sagen) zum Handy, fragte dann "Do you speak English?" und drückte mir das Telefon in die Hand! Eine nette Dame erklärte mir dann, dass wir eben eine Stunde warten müssten und dann in zwei Stunden inklusive Fahrzeit am Berg wären. Okay, das war sehr nett, aber soviel Japanisch hätten wir dann auch noch verstanden. Eine Weile später hatte der Mann das dann auch gemerkt (ob's an dem japanischen Infoblättchen in meiner Hand lag?) und quatschte mich dann nochmal auf Japanisch an, und nachdem ich ein paar mal "hai" gesagt hatte, verlor er ganz glücklich alle Hemmungen und deckte mich mit zahlreichen Infos auf Japanisch ein :)

Cimg3152_medium Die Wartezeit war dann letztlich aber doch kürzer, da einige Sonderbusse eingesetzt wurden. Überhaupt wurde die Anreise zum Tsukuba-san deutlich verbessert. Es gibt jetzt reguläre Busse, die direkt zum Tsukuba-san-jinja und zur noch etwas höher gelegenen Seilbahnstation fahren. Kein lästiges Umsteigen mehr am Fuße des Berges, keine Bummelbusse mehr, die in jedem Kuhdorf halten. Früher hat die Fahrt dorthin von Arakawaoki aus deutlich mehr als 2 Stunden, eher 3 Stunden gedauert, jetzt kann man es in etwa der halben Zeit schaffen (es sei denn das System bricht unter zu großem Menschenandrang zusammen...).

Cimg3193_mediumAm Berg angekommen sind wir dann gleich zum Schrein gegangen und dann mit der Bergbahn rauf zum Gipfel. Dort gibt es ein ganz witziges Restaurant: Wie man es oft bei Fernsehtürmen hat, dreht es sich nämlich ständig, so dass man beim Essen eine ständig sich wechselnde Aussicht geboten bekommt. Und die ist gar nicht so schlecht. Südlich vom Tsukuba-san beginnt die Kanto-Ebene und bei klarem Wetter kann man bis nach Tokyo sehen und manchmal sogar den Fuji-san. Heute war es nicht ganz so klar, aber immerhin konnte man bis zum Kasumigaura und Tsutchiura sehen, Tsukuba natürlich und eine unendliche Anzahl von Reisfeldern, die sich in über die Ebene erstrecken. Das Drehrestaurant hat aber auch so seine Tücken: Als wir an der Kasse standen, wurde ein Stapel Tabletts und Geschirr auf dem inneren, feststehenden Teil des Lokals fast zerquetscht, als er einem Pfeiler auf dem sich drehenden äusseren Teil zu nahe kam. Da half dann nur noch der Notausknopf.

Cimg3247_medium Nach dem Essen (leider gab's nur noch Nudelsuppen, wir waren wohl doch etwas spät dran...) sind wir dann zum "weiblichen Gipfel" des Berges gelaufen. Der Tsukuba-san besitzt nämlich eine Doppelspitze, die männlicher und weiblicher Gipfel genannt werden, wobei der männliche 6 Meter niedriger ist als der 877 Meter hohe weibliche Gipfel, der auch der wesentlich attraktivere ist, denn er bietet nicht nur die bessere Aussicht, sondern auch noch einen hübschen kleinen Schrein. Auf dem Weg dorthin liegt dann noch eine Besonderheit des Berges, der "Gama-Felsen" bzw. "Frosch(Kröten?)-Felsen". Eigentlich nur ein kleiner Felsen, der ein bischen an ein offenes Froschmaul erinnert, aber für die Japaner ein großes Heiligtum ist, das zu einem regelrechten Froschkult führt, wie man an den überall zu kaufenden Froschfiguren ablesen kann (eigentlich sind es immer zwei Frösche, ein großer und auf dessen Rücken ein etwas kleinerer). Anscheinend bringt es Glück, wenn man es schafft dem Gama einen Stein ins Maul zu werfen, jedenfalls waren Kinder eifrig damit beschäftigt. Dummerweise aber mit so großen Steinen, dass es schon recht gefährlich war dort vorbei zugehen. Die unberechenbar abprallenden Steine waren nicht ohne...

Cimg3291_medium Wir sind dann aber doch heil am Gipfel angekommen und ich bin dann noch bis ganz oben raufgekraxelt und hab die grandiose Aussicht genossen. Bischen gefährlich ist das schon, denn es gibt keinerlei Absperrung oder sonstige Sicherheitsmaßnahmen und bei dem Gedränge dort, ist es schon ein kleines Wunder, dass nie was passiert. Gunda ist dann auch lieber etwas auf Abstand geblieben. Als wir das erstemal dort waren (das war ganz am Anfang, eigentlich unser erster größerer Ausflug), konnte sie gar nicht bis dorthin gehen, da sie damals noch ihren lädierten Knöchel schonen musste.

Cimg3305_medium Vom Gipfel sind wir dann runter zur Seilbahnstation und... mussten wieder in einer endlosen Schlange stehen. Aber das waren wir ja jetzt schon gewohnt und nach gut einer Stunde standen wir dann auch schon in der Seilbahn. Unten haben wir dann den nächsten Bus genommen und durften die ganze Fahrt stehen, was leider nicht so hübsch war. Aber gut, wir haben's überstanden und da der Rest des Tages sehr schön war, war das letztlich auch egal...

Was gibt's sonst noch zu berichten? Vielleicht noch die ein oder anderen typisch japanischen Eigenheiten, die man wiedermal gut beobachten konnte. Zu allererst natürlich die äußerliche Ruhe und  Gelassenheit  sowie Selbstdisziplin der Japaner. Da kann die Wartezeit  noch so lang sein, man stellt sich (bis auf wirklich ganz, ganz wenige Ausnahmen) schön in einer Schlange hin, drängelt nicht, schimpft nicht. Alles geht ganz ruhig und entspannt vonstatten, kein Stress kommt auf, es ist einfach total entspannend. Warum geht das woanders nicht auch so...

Cimg3163_medium Und dann das Thema Kleidung. Da gibt es eigentlich nur zwei Extreme: Entweder in stilechter Wanderkleidung oder im typisch japanischen fancy Straßenlook. So mischten sich also Leute mit Wanderschuhen mit Damen in Stöckelschuhen, und Jack Wolfskin traf auf Miniröcke... Dazu noch die Leute mit Sonnenphobie, die mit Sonnenschirmen oder riesigen Schirmmuetzen, Schals und Handschuhen versuchten, möglichst jeden Quadratzentimeter ihrer Haut der Sonne zu entziehen. Immer wieder das gleiche Schauspiel :)

28. April 06

Nummer 3!

 

von Thomas

Da radel ich nichts ahnend zur Arbeit und schau ein bischen links und rechts, da fällt mir auf, dass eines der Reisfelder am Wegesrand schon mit Wasser aufgefüllt wurde. Ich schau interessiert hin und dann fall ich plötzlich fast vom Fahrrad als mein Blick auf die große Werbetafel neben dem Acker fällt: Ein riesen Starbucks-Logo!

Ein neue Filiale hat aufgemacht und dem Text und dem Hinweisschild nach, muss es ganz in der Nähe vom AIST sein! Und tatsächlich, ein Blick in den Store-Locator von Starbucks-Japan offenbart es sofort: Die dritte Starbucks-Filiale in Tsukuba hat aufgemacht und sie liegt fast auf meinem  Weg zur Arbeit! Da kann ich ja jetzt mal nach der Arbeit oder in der Mittagspause einen Frappuccino trinken gehen. Es gibt übrigens gerade einen neuen: Banane. Muss ich doch bald mal ausprobieren ;)

09. April 05

Auf der Suche nach Sakura!

von Thomas

Cimg5313In Tsukuba sind die Kirschbäume voll erblüht, Sakura allüberall  und so wollten wir uns auch aufmachen, um unser "hanami" zu erleben. "Hanami" heißt soviel wie "Blüten betrachten" und meint das typisch japanische Picknick unter voll erblühten Obstbäumen, insbesondere den Kirschbäumen. In Massen pilgern die Menschen dorthin, um sich dann auf blauen Plastikplanen nieder zulassen und zu essen und vor allem reichlich zu trinken...

Gestern hatten ich ja schon mein "hanami" am AIST, heute wollte Gunda da auch ihres erleben. Außerdem waren noch Linda und Peter mit, unsere chinesisch-kanadischen Bekannten aus Tsukuba. Als Ziel hatten wir uns den Mt. Tsukuba ausgesucht, das beste Ausflugsziel in der näheren Umgebung. Dort gibt es einen schönen Schrein und mit einer Bahn kann man rauf zum Gipfel fahren. Na ja, dort wird es sicher auch viele Kirschbäume geben und die dazugehörigen Japaner mit ihren Cimg5280blauen Planen. Aber Pustekuchen... Klar, es gab dort einige Kirschbäume und auch viele Japaner, aber es waren immer nur einzelnen Bäume  und zum Picknicken boten sie nicht den richtigen Untergrund. Die größte Ansammlung von Kirschbäumen gab es noch auf einem Friedhof in der Nähe des Schreins, aber das war nun auch nicht gerade der richtige Ort, um dort zu picknicken...

Aber trotzdem war es ein schöner Ausflug, das Wetter war wundervoll, blauer Himmel und Sonnenschein und es gab ja auch Kirschblüten... Ein paar Stunden sind wir dort spazieren gegangen, haben viele Photos gemacht, Gunda hat Sakura-Eiscreme gegessen und schließlich haben wir auch noch unser Picknick gemacht. Allerdings nicht unter Kirschbäumen, sondern unter einem Sonnenschirm auf einer Terrasse, die Teil der Bergbahnstation war :)

Leider mussten wir schon recht früh wieder los, die Fahrt mit dem Bus zum Mt. Tsukuba ist ziemlich umständlich und langwierig und der letzte Bus fährt auch noch recht früh.   

Zurück in Tsukuba angekommen, sind wir dann noch mit zu Linda und Peter. Dort gab es dann Barbecue im koreanischen Stil, bei dem Fleisch und Gemüse gegrillt werden und dann mit einer scharfen Soße beträufelt werde und in ein Salatblatt gewickelt werden. Das war sehr lecker, wenn ich das mit dem Einwickeln auch nicht richtig hin bekommen habe.

So war es am Ende noch ein schöner lustiger Tag und unser "hanami" werden wir versuchen am naechsten Wochenende in Tokyo nachzuholen (wenn es dann noch Kirschblüten dort gibt...)

02. April 05

Neues aus Tsukuba!

von Thomas

Tsukuba, die Stadt in der mein Institut, das AIST liegt, ist größtenteils eine Schöpfung der letzten 30 oder 40 Jahre. Das ursprüngliche Tsukuba war wohl ein recht kleines Nest am Fuße des gleichnamigen Berges. Ziel des Stadtausbaus war eine Entlastung von Tokyo auf dem Gebiet Wissenschaft und Forschung zu erreichen. SO wurden hier zahlreiche Institute angesiedelt, unter anderem z.B. auch die japanische Raumfahrtbehörde JAXA. Einen Aufschwung gab es dann nochmal, als Mitte der 80er Jahre ein Teil der Expo hier stattfand. Heute ist die 'Science City Tsukuba' recht gut entwickelt, die Stadt hat unter anderem etwa 200000 Einwohner und eine Uni, mit einem recht guten Ruf im Lande.

Leider merkt man der Stadt an vielen Stellen noch an, dass sie künstlich aus dem Boden gestampft wurde, zu gradlinig ist alles, zu wenig gewachsen. Die Ausfallstraßen wirken wie Kopien ihrer amerikanischen Geschwister mit ihren Restaurants und Shopping-Centren. Vor allem fehlt Tsukuba aber noch ein ansprechendes Stadtzentrum und ein Bahnhof! Dieser soll jedoch diesen Herbst fertig werden und dann kann man mit dem 'Tsukuba Express" innerhalb von 45 Minuten nach Tokyo fahren, was Tsukuba sicher einen weiteren Aufschwung geben wird, werden doch nun die Leute nicht mehr mit der etwas trägen Joban-Line nach Tokyo tukkern oder die Busse benutzen.

Der Bau des Bahnhofs und die Erwartung neuer Menschenstroeme werfen jedenfalls ihre Schatten schon vor raus: Neue Parkhäuser entstehen, der Busbahnhof wird modernisiert und man kann schon erahnen, wo einmal der zukünftige Express-Bahnhof stehen wird. Der letzte Streich war die Neueröffnung des "Q't" Kaufhauses während wir auf Urlaubsreise waren.

Cimg5211_smallHeute hatten wir dann endlich mal Zeit, uns das neue Shopping-Areal anzusehen. Und wir müssen sagen, es ist recht schön geworden. Kein hässlicher Klotz, sondern ein mit vielen Innenhoefen aufgelockertes Gebäude, dass viele kleine, aber nette Geschäfte enthält, meist Klamottenlaeden, aber auch vieles andere (unter anderem auch der Laden auf dem Foto rechts, aber das ist mehr ein Insider...). Besonders ein Laden mit recht modernen Einrichtungssachen und Kleidung hatte es uns angetan. Wir hatten eine Filiale dieser Kette in Osaka gesehen und wollten schon in Tokyo auf die Suche gehen, was jetzt nicht mehr nötig ist.

Nein, Tsukuba macht sich, auch wenn es für viele Leute aus Tokyo immer ein bedeutungsloses Nest bleiben wird, für uns ist eine Kleinstadt, die alles bietet, was man erstmal so braucht, Tokyo nicht ersetzten kann, aber es einem auch nicht zu schwer macht, dass man dort nicht wohnt.

200504021701Ach ja, ganz wichtig: Die japanische Starbucks-Filiale Nr. 602 findet sich jetzt im neuen Tsukuba-Kaufhaus. Wir haben natürlich gleich mal vorbei geschaut :)

04. Februar 05

Jetzt auch in Tsukuba!

von Thomas

200502042055_1 Mein Kollege Roland lästert ja immer gerne darüber, was Tsukuba doch für ein verschlafenes Nest wäre, aber nun haben wir den endgültigen Beweis, dass dem nicht so ist! Durch Zufall habe ich entdeckt, dass die Zivilisation und die große, weite Welt auch in Tsukuba angekommen sind, und zwar in Form einer Filiale von Starbucks! Etwas außerhalb der Stadtmitte von Tsukuba  befinden sich die Lala-Gardens, eine Einkaufscenter ganz im westlichen Stil, mit Restaurants, Geschäfte und eben auch Starbucks. Natürlich sind wir am selben Abend noch hin und haben uns dort niedergelassen. Leider hatten wir nicht soviel Zeit, denn die Busse fahren in Tsukuba nicht sonderlich lang und man muss sich daher schon immer recht früh auf den Heimweg machen. Na ja, das wichtigste konnten wir noch erledigen und am Sonntag kommen wir nochmal her und schauen uns auch den Rest noch an...

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