von Thomas
Samstag waren wir beide nicht so ganz fit, Erkältung und Gunda hatte dazu noch Migräne, also blieben wir zu Hause und ich konnte mich endlich mal in Ruhe meinem Weihnachtsgeschenk von Gunda widmen. Eine "Karakuri ningyo", eine mechanische Puppe, die Tee serviert, hatte sie mir geschenkt. Allerdings nicht die fertige Puppe, sondern einen Bausatz, mit dutzenden von Einzelteilen und einer wunderbaren japanischen Anleitung. Da diese aber auch gut bebildert ist, kam ich recht schnell voran und nach ein paar Stunden war der "antike" Roboter, der vielleicht die Grundlage für die Roboter-Begeisterung der heutigen Japaner ist, fertig. D.h. nicht ganz fertig, nur das Skelett. Da noch ein bisschen Feintuning nötig ist, muss ich ihn demnächst noch ankleiden, was sicher auch nochmal nicht so einfach wird...
Danach gabs noch eine Bastelei ganz andere Art, nämlich die Premiere für das Waffeleisen, dass wir von Roland letzte Woche bekommen haben. Der erste versuch ging prompt schief. Die Waffeln klebten dermaßen fest am Eisen, dass man sei nur noch abkratzen konnte. beim zweiten Versuch hab ich das Eisen dann erstmal in Öl getränkt. Das half, allerdings waren die Waffeln dann doch etwas fettig... Nun gut, die erste Ladung Öl reichte, danach gings dann auch so und die letzten Waffeln waren dann auch ok. Beim naechstenmal muss ich nur die Butter für den Teig vorher schmelzen, denn unser nur mit halber Kraft laufender deutscher Kuechemixer wurde mit der Butter nicht fertig und der Teig war am Ende voller Butterkluempchen. Wie auch immer, beim zweiten mal wird bestimmt alles besser...
Am Sonntag stand dann ein Trip nach Tokyo auf dem Programm. Wir wollten uns mit Takuya, meinem Kollegen aus Berlin, der seit Anfang des Jahres wieder in Tokyo ist, treffen. Gunda hat dann noch unsere Freundin Akapu eingeladen und wir sind dann zu viert in ein Okinawa-Restaurant, das Takuya ausgesucht hatte gegangen. Die beiden haben dann für uns was ausgesucht. Eine möglichst breite Palette an typischen Okinawa-Gerichten. Es war schon sehr typisch... Am harmlosesten waren noch die Algen, die mit kleinen, mit Meerwasser gefüllten Bläschen übersät waren und ein typisches Okinawa-Gemüse, das in etwa wie grüne Paprika schmeckte. Aber der absolute Höhepunkt waren dann die in dünne Scheiben geschnittenen Schweineohren und die Nudelsuppe mit der gekochten Schweinenase als Fleischeinlage! Und da fragen die beiden uns doch glatt, ob wir etwa kein Schweinefleisch mögen würden... Mal abgesehen davon, dass ich das ziemlich eklig fand, sah man schon so, dass die Fleishbeilage mehr Knorpel, als aus Fleisch bestand. Was hätte man da auch essen sollen...
Aber ansonsten war das Essen sehr gut, es gab noch einige andere Sachen mit Fisch, Gemüse und "richtigem" Fleisch und das schmeckte uns alles. Die Ankündigung von Takuya, dass das Essen ganz anders als typisch japanisches Essen sein würde, traf jedenfalls zu, keine Frage.
Eine ganz andere Frage, die mich seit Ortruns Besuch im letzten Herbst umtreibt, hat sich gestern dann auch noch für mich gelöst, das Sudoko-Rätsel. Bevor Ortrun davon erzählte, hatte ich von diesem "typisch japanischen Rätsel" noch nie was gehört. Ich hab dann immer schön die Augen aufgehalten, um was zu finden, aber nix, Fehlanzeige, Sudoku schien es in Japan nicht zu geben. Dagegen ist es ja in den USA und in Deutschland ein richtiger Boom. In beiden Ländern sieht man überall Sudoku-Bücher, Brett- oder Computerspiele, Internetseiten, Kalender und viele Zeitungen und Zeitschriften schmuecken sich mit einem Sudoku. Und in Japan nix...
Nein, das ist nun nicht ganz richtig, es gibt Sudokus auch in Japan, man muss nur suchen. Mit Takuya waren wir im Yaesu-Book-Center, einem der größten Buchlaeden in Tokyo, mit 9 Verkaufsetagen, davon eine für fremdsprachige Bücher und Zeitschriften. Ich hab dann Takuya mal gebeten, nach (japanischen) Sudoku-Büchern zu fragen. Bei der Bitte stutzte er nicht, was mir als ein gutes Zeichen erschien, aber vielleicht hatte er ja auch von Sudokus in Deutschland gehört... Jedenfalls zeigte uns der Verkäufer sofort ein paar Sudoku-Bücher. Importware aus den USA... Ha, ich wusste es doch, es gibt kein Sudoku in Japan! Nein, nein, es gibt doch japanische Sudokus. Nochmaliges nachhacken beim Verkäufern und ein Blick in das Bestandsregister ergab, dass es auch japanische Sudoku-Bücher gibt. Es gab sie, ein paar dünne Büchlein, die irgendwo zwischen hundertern von anderen Rätsel- und Spielebuechern standen, in keinsterweise besonders hervorgehoben, einfach so, wie alles andere auch.
Eines habe ich mir dann auch gekauft, als Andenken sozusagen. Takuya meinte dann noch, dass Sudokus vor etwa 10 Jahren mal ganz aktuell waren...
Und weil wir gerade da waren, haben wir uns noch einen Falk-Plan von Bonn gekauft (wenn es uns dort tatsächlich hinverschlaegt, wollen wir schon mal etwas vorsondieren). So ist das, es gab in dem Laden weit mehr Falkplaene von deutschen Städten, als japanische Sudoku-Bücher ;)