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24. September 06

Fernseher statt Zeitschrift

von Gunda

Grad waren wir das letzte Mal in Japan beim Friseur. Nachdem unser Stammfriseur einfach zugemacht hatte, haben wir uns fuer Tokyo entschieden. Wir mussten sowieso n noch Besorgungen machen. Bei diesem Friseur konnte man als Beschaeftigung waehrend des Schneidens zwischen Zeitschriften und Mini-Bildschirmen waehlen, die "24" im Dauermodus von sich gaben. In Japan gibt es wirklich ueberall Fernseher. Aber DAS hatte ich noch nicht gesehen... p.s.: Ich werde die Kopfmassagen vermissen.

Ein letztes mal Tokyo

von Thomas

200609241303_1 Der Wettergott meint es gut und so fahren wir bei strahlend blauen Himmel noch einmal nach Tokyo, um die letzten Besorgungen zu erledigen...

21. September 06

Erwischt!

von Thomas

Da hat mich doch glatt jemand letzten Sonntag in Harajuku fotographiert und das Bild bei flickr reingestellt... Sowas ;)

Ist aber gar nicht so schlecht geworden, muss ich sagen :)

17. September 06

Ein letztes mal Harajuku?

von Thomas

Keine zwei Wochen bleiben uns nun noch in Japan, die Wohnung ist voller Umzugskisten, die Flugtickets hab ich gestern im Reisebuero abgeholt, die meisten Treffen sind inzwischen Abschiedstreffen.

Das gilt nicht nur fuer die Freunde und Bekannten hier, sondern auch fuer Ereignisse und Orte. Gestern waren wir nochmal auf einem Matsuri, in Ishioka. Der Chef von Gundas Sprachenschule hatte uns dorthin eingeladen. Es war ein schoenes Fest, das nochmal all das bot, was ich an den Matsuris so mag, den bunten Trubel, die ausgelassenen Leute, das wirre Durcheinander von Musik und lauten Rufen, halt einfach eine prima Sache :)

Heute war ich dann nochmal in Harajuku, auf der Eisenbahnbrueke neben dem Bahnhof, direkt gegenueber dem grossen Torii am Yoyogi-Park, in dem der Meiji-Schrein liegt. Ein Schnittpunkt der beiden japanischen Welten, der Tradition und der Moderne, ein wenig ganz Japan im Kleinen...

Leider hat es dann bald angefangen zu regnen, aber fuer ein paar schoene Bilder hat es noch gereicht ;)

Vielleicht, war's ja die letzte Gelegenheit, wer weiss...

11. September 06

Visumse 2

von Gunda

Zuerst möchte ich einen Dank an die Deutsche Botschaft in Tokyo aussprechen, die in keiner Weise auf meinen Beratungsbedarf bzgl. meines Visums reagiert hat. Na klar. Parties für Deutsche in Tokyo auszurichten und sauteure Gartenfeste zu feiern ist ja auch publicityträchtiger als Deutschen bei Visumsfragen zu helfen...

Ich muß auch noch dazu sagen, daß diese Visumsdifferenz nicht durch mein Verschulden entstanden ist. Ich hatte damals ein Visum bis zum 30. beantragt, aber aus irgendwelchen Gründen nur eins bis zum 27. bekommen. Wir waren nur damals so froh, daß ich überhaupt eine Verlängerung bekommen habe, daß ich gar nicht mehr nach den drei Tagen gefragt habe.

Wir waren also heute mal im Immigration Office in Tokyo, um das auch mal kennenzulernen. Auch hier war es, wie in Mito, alles sauber und auf Englisch ausgeschildert, also das genaue Gegenteil von der Ausländerbehörde in Berlin. Um die Gegenteiligkeit noch zu verstärken sprachen die Angestellten gut Englisch und machten keine Probleme bei der Änderung meines Status'. Ab heute bin ich für max. 30 Tage Touristin. ;-) Nur hätten wir uns den gesamten Vormittag Wartezeit sparen können, hätte ich gleich am richtigen Schalter eine Wartenummer gezogen. (Wer konnte schon ahnen, daß ich zu "Entertainer only!" muß?) Dafür konnte ich heute nicht unterrichten (mach nächste Woche einfach doppelt) und hab mit Thomas einen schönen (zu seinem Bedauern nicht roten) Sonnenuntergang an der Waterfront erlebt.

12. August 06

Alles nur Spaß!

von Gunda

Weil meine Schülerin ihren letzten Unterricht vor Deutschland abgesagt hat, habe ich Thomas bei seinem Ausflug nach Tokyo begleitet.

Erst sind wir in ein Gewitter, dann in Harajuku in die "Tokyo Lesbian & Gay Parade" geraten. Letzteres mutete etwas eigenartig an. Ich hatte weniger das Gefühl, daß es um eine "Botschaft" ging, als viel mehr den Eindruck, daß es um Spaß und Ausgeflipptsein ging. Hobby-Transvestiten, Aufgedonnerte und Verkleidete aller Art mischten sich fröhlich mit händchenhaltenden hetero-Paaren. Die meisten Homosexuellen verstecken sich hier doch noch eher. (Tokyo bildet da wohl noch eine Nische.)

Im Moment sind wir auf dem angeblich drittgrößten Matsuri der Edo-Zeit und wohnen einer Vorführung eines Kampfsports bei, der eine Mischung aus Judo und Karate ist. (Ich gebe zu, daß ich den Namen schonwieder vergessen habe.) Ansonsten ist hier am Schrein aber total tote Hose. Vielleicht liegt's am Wetter mit eingebauter Regenwahrscheinlichkeit... Au! Und hier

(Video kommt noch)

kann man sehen, wie einer dem anderen aus Versehen die Nase blutig gehauen hat. Danach wurde dieser Kampf abgebrochen und die Bühne gewischt. Dann ging's (mit anderen Leuten) weiter.

(Nachtrag:)

Spontan sind wir noch über Nacht in Tokyo geblieben und haben diesmal in einem etwas billigeren Love Hotel geschlafen. Was haben wir daraus gelernt? - 2000-3000 Yen mehr auszugeben kann sich durchaus lohnen. Sauberkeit und Design (kitschiges Jugendstil-Imitat mit nachgemachter Urwald-Szenerie, wobei die Fototapete auch schon weniger gelbe Tage gesehen hat) waren nicht so ganz das, was wir nach dem Besuch der teureren Varianten erwartet hatten. Nach einem Frühstück im Café ging es zurück nach Hause. Wir bekommen Besuch.

29. Juli 06

Hanabi Taikai

 

von Thomas

"Taikai" meint soviel wie "großes Treffen" und besser könnte man das Feuerwerk (="Hanabi", wörtl. "Feuerblumen") in Asakusa, bei dem ich heute war, auch nicht beschreiben...

Ich weiß nicht, wieviele zehntausend oder hundertausend Menschen dort waren, aber es waren definitiv zuviele. Damit aber wenigsten jeder einmal eine kleine Chance bekam, etwas zu sehen, wurde das gesamte Gebiet an beiden Ufern des Sumida Flusses, incl. Bruecken zunaechst abgesperrt und dann nur kontrlliert wieder freigegeben, wobei die Leute staendig ermahnt wurden, nicht stehenzubleiben. Natürlich liess sich das nicht ganz vermeiden und die Strassenraender, Wiesen und Mauern waren voll mit Menschen, die keine Anstallten machten, weiter zu gehen. Ich irgendwann auch nicht, nachdem ich endlich einen Stehplatz mit guter Aussicht gefunden hatte. Zwar wurde ich alle paar Minuten von Polizisten ermahnt weiterzugehen, aber da auch sonst niemand dem folge leistete und ich ploetzlich gar kein Japanisch mehr verstand, bin ich dann bis zum Ende dort geblieben :)

100%  optimal war der Platz natuerlich nicht. Keine Chance, ein Stativ aufzustellen, immer wieder Leute, die einen angestossen haben. Aber besser als nichts...

Bevor das Feuerwerk schliesslich los ging, hatte ich mir den ganzen Trouble drumherum angeschaut. Als ich in Asakusa angekommen war, wurde ich erstmal von 2 Polizisten, einer konnte sehr gut Englisch, aufgeklaert, was genau los war, wo, wann, warum abgesperrt wurde und was ich machen sollte. Das war schonmal gut, denn das was ich vorfand, hatte ich nicht erwartet. Das es voll werden wuerde war klar, aber so voll... Und dann die Absperrungen und die viele Polizei. Es kann unmoeglich einen tokyoter Polizisten gegeben haben, der um diese Zeit nicht hier in Asakusa war... Selbst an kleinen Nebenstrassen und Gassen standen meist 3-4 Polizisten, um die Absperrung zu ueberwachen...

Interessant fand ich es, wie renitent vor allem die aelteren Japaner gegenueber der Polize waren. Ich hatte mich auch eine der grossen Bruecken verzogen, weil ich hoffte, dort irgenwie bleiben zu koennen. Ging aber nicht, in mehrern Durchlaeufen wurde der zugaengliche Bereich immer mehr reduziert und schliesslich musste ich als einer der letzten auch die Bruecke  raeumen.  Manch aeltere Japaner war da ziemlich hartnaeckig. Die haben sich oft einfach hingesetzt und die Polizisten reden lassen. Und da diese sehr zureuckhaltend sind, waren sie oft kurz vorm verzweifeln. Ein aeltere Mann hat so gut eine halbe Stunde ausgehalten und etwas 10 Polizisten dabei 'verschliessen'...

Als dann alles dicht war, gings auch schon mit dem Feuerwerk los und als es vorbei war, brach dann das Chaos an den Eingaengen zu den U-Bahnstationen aus... Schliesslich wurde der Zugang reguliert und die Leute nur grueppchenweise reingelassen. Aber das funktionierte dann auch. Japaner sind halt letztlich doch folgsam und vorallem immer ruhig und gelassen. Den ganzen Abend habe ich niemanden ausrasten sehen, keine Anzeichen eines Tumultes. Es war einfach nur ein ausgelassen, froehliches Happening :)


22. Juli 06

Wieder einmal Tokyo

 

von Thomas

Auch diesen Samstag musste Gunda wieder arbeiten und ich bin, bei ganz passablem Wetter, wieder nach Tokyo gefahren. Diesmal nach Shibuya, um dort ein paar Bilder von Tokyos Paradiesvögeln zu machen, die dort besonders gerne rumlaufen. Die auffälligste Variante ist extrem gebräunt und hat grau gefärbte Haare und, soweit es die Damen betrifft, mit weißer Farbe verzierte Gesichter, meist um die Augen herum oder auch mal ein dicker Strich mitten auf der Nase. Dazu knallbunte, möglichst teure und dafür umso stoffärmere Kleidung.

Kogals, Gyarus, Ganguros oder Yamanbas nennen sich die Damen und unterscheiden sich im Wesentlichen lediglich im Braeunungsgrad, Menge der Schminke, Farbe der Haare und der Kleidung und dem Geld, das sie sich das alles kosten lassen, wobei manche bei der Wahl ihrer Geldquelle nicht wählerisch sind...

Die unangenehme Seite von Shibuya konnte ich auch beobachten. Junge Männer, die auf hübsche Mädchen lauern und sie dann teilweise sehr hartnäckig oder auch durchaus aggressiv zu überreden versuchen, doch mal einen der vielen Clubs oder ähnliche Räumlichkeiten zu besuchen und vielleicht einen Job dort anzunehmen. Dabei waren da nicht nur Japaner aktiv, sondern offensichtlich auch Ausländer. Wie sowas aussieht, hatte ich vor kurzem erst bei flickr gefunden:


http://www.flickr.com/photos/lost-moments/177728351/

 

Was im nachhinein lustiges ist dann auch noch passiert: Irgendwann bemerkte ich einen anderen Gaijin mit Kamera, der mich immer wieder etwas merkwürdig ansah, mich aber nicht ansprach. Na ja, und ich ihn auch nicht... Die Antwort wartete dann zu Hause bei den neuen emails: Ein deutsches flickr-Mitglied war das, mit dem ich mich schonmal ausgetauscht hatte, weil wir entdeckt hatten, dass wir mal am gleichen Tag, an der gleichen Stelle kurz hintereinander Bilder von der gleichen Person gemacht hatten. Tja, Zufälle gibt es :)

Und sonst? Ich bin noch von Shibuya nach Harajuku gelaufen dort war aber, bis auf einen J-Pop-Fanartikel-Flohmarkt, nicht viel los, also bin ich weiter durch den Meiji-Park bis nach Shinjuku gelaufen. Dort hab ich mir dann bei Yodobashi-Kamera noch eine Nahlinse gekauft, weil ich gerne mal ein bischen was Richtung Makro machen würde, mir aber erstmal noch kein richtiges Makroobjektiv leisten kann :(

Zurück in Arakawaoki bin ich dann noch mit Gunda zum Matsuri gegangen. Nachdem wir letzte Woche beim Fest auf unserer Seite der Bahn waren, war heute die andere Seite dran. Allerdings war dort alles etwas kleiner, aber dafür kaum weniger enthusiastisch... Nach der Party sind wir dann noch in ein kleines Yakiniku-Lokal gegangen, beim dem man sein Fleisch über echter Holzkohle direkt am Tisch grillen konnte. Das war dann noch ein netter Ausklang des Tages...

08. Juli 06

Wieder einmal in Tokyo

 

von Thomas

Gunda war ziemlich geschafft von der letzten Woche und brauchte einen Tag Pause, da bin ich wieder nach Tokyo gefahren, um ein paar Bilder zu machen. Angefangen hab ich in und um den Ueno-Park herum, dann gings nach Ginza und zum Schluss noch kurz nach Shibuya.

Am längsten war ich Ginza. Wie meist am Wochenende war die große Hauptstraße für Autofahrer gesperrt und dafür voll mit Menschen. Unter anderem der Bettelmönch auf dem Photo. Der hat mir erstmal einen US Cent geschenkt, als ich ihn fotografiert hatte. Ich hab ihm dann 100 Yen gegeben, dafür gab's dann noch einen Zettel mit einem Liedtext. Witziger weise kam dann noch ein Deutscher (bzw. jemand, der ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft trug...) und machte auch Bilder. Er hat dann noch was zu mir gesagt, aber natürlich auf Englisch, während der Mönche schneller reagiert hat als ich und den anderen mit "guten Tag" begrüßte ;)

Später wurde ich dann nochmal angequatscht, allerdings von einem Ami. Auf der Straße gabs nämlich auch die unvermeidlichen Musiker aus Peru, die dort ihre Liedchen trillerten. Der gute Ami war so davon fasziniert, etwas ihm aus Amerika vertrautes zu finden, dass er sich kaum beruhigen konnte und immer wieder sagte "sie sind überall, überall". Stimmt, hab ich ihm dann auch bestätigt, sogar in Deutschland sind sie überall. Wobei ich mich immer noch frage, wie die das schaffen, dass sie überall gleichzeitig sind...

Von der Fotoausbeute her war der Tag ansonsten recht ergiebig, ein buntes Durcheinander von Leuten auf der Straße, von schwer aufgetakelten Tussis in Ginza und Obdachlosen im Ueno-Park, von Kindern und alten Leuten, von modern und fancy bis zu traditionell. Viel zu viel, um das alles schnell online zu bringen, aber nach und nach wird das was. Fast 700 Bilder sind jetzt in unserer neuen Fotogalerie und wir haben jetzt schon noch so viele, dass die Galerie noch lange wachsen wird, wenn wir schon längst wieder zurück in Deutschland sind ;)

24. Juni 06

3 Tage in Tokyo

von Thomas

Modern Tokyo

An den letzten drei Tagen war ich jeweils in Tokyo, zweimal dienstlich, einmal privat. Am Donnerstag und Freitag gab's einen Workshop an der Todai, den unsere Gruppe organisiert hatte. Also musste jeder einmal ran und einen Vortrag halten. War ganz ok, wie das halt so ist. Als Gäste waren Leute vom MPI für Festkoerperforschung aus Stuttgart da, allerdings nicht alles Deutsche, sondern auch Russen. Das war natürlich mal ganz nett, um ein bischen auf Deutsch zu fachsimpeln.
Am zweiten Tag ging der Workshop nur bis mittags, das hab ich dann genutzt, um noch ein paar Bilder in Tokyo auf zunehmen, an der Todai und dann auf dem Weg zum Bahnhof in Ueno.

Tokyo perspectives

Ja und heute war ich dann schon wieder in Tokyo... Gunda war arbeiten und ich wollte nicht zu Hause hocken, also hab ich mir wieder meine Kamera geschnappt und bin auf Entdeckungsreise gegangen an Plätze, an denen ich zuvor noch nicht war. Angefangen in Toranomon, was in der Nähe von Roppongi ist. Da bin ich erstmal über einen Schrein "gestolpert", der mitten zwischen mehrere Hochhäuser eingepfercht war. Aber irgendwie haben die Architekten es geschafft, dass ganze harmonisch zu verbinden und eine Brücke zwischen alt und neu zu schaffen.

For the dead children

Weiter gings dann durch die Straßen der Umgebung an kleinen und großen Tempeln vorbei und noch zu einem Schrein, der wunderbar auf einem Hügel gelegen war. Irgendwas war da los, aber ich hab nicht ganz herausbekommen können, was genau das nun war :(

Jedenfalls war's bis dahin schonmal ein schöner Tag. Von Toranomon bin ich dann weiter nach Aoyama, in der Nähe von Omottesando.

She's looking at you...

Dort gabs ein traditionelles Tanzfestival.  Allerdings war ich zu früh und bin dann erstmal nach Omottesando gelaufen und von da mit der U-Bahn nach Harajuku gefahren, um mal ein paar Bilder von den Cosplayern (also den Teenagern, die sich wie ihre Lieblingsmanga und -anime Figuren verkleiden) zu machen. Außer Leuten in verrückten Kostümen, gabs da noch ein paar J-Pop Sternchen, die da ihre Sangeskuenste darboten. Irgendwann wurds dann ganz skurril, als eine der Cosplayerinnen ihre Geige rausholte und als Kontrastprogramm anfing klassische Musik zu spielen.

Is she the new star of j-pop?

Die meisten Touries blieben da natürlich erstmal verdutzt stehen. Man vergisst halt immer wieder, dass all die schräg und teilweise ziemlich krass kostümierten und geschminkten Leute, eigentlich ganz brav sind und unter der Woche wahrscheinlich ganz normal rumlaufen, zur Schule gehen oder studieren...

Es macht jedenfalls Spaß dort Photos zu machen, weil sie sich einfach wunderbar in Pose schwingen können. Ist halt teil des Spiel, sich fotografieren zu lassen. Übrigens auch untereinander, vor allem die jüngeren die älteren.

The party is over...

Nach gut einer Stunde in Harajuku ging's dann wieder zurück nach Aoyama. Dort war das Tanzfest inzwischen im vollen Gange. Im Prinzip konnte jeder mitmachen und einige hundert Leute machten das auch. Die meisten in Yukatas und mit Getas (eine Art japanischer Holz-Flipflops) an den Fuesse gings immer rund um ein zentrales Podest, auf dem die Musiker platziert waren. Leider konnte ich hier nur Photos machen, ein paar Videoaufnahmen wäre da besser gewesen...

Davon abgesehen bin ich mit dem photographieren im Moment vollauf zufrieden. Es macht richtig Spaß mit der neuen Kamera herumprobieren und Bilder zu machen. Ohne dauernd die sich laeppernden Entwicklungskosten im Hinterkopf zu haben, kann man recht hemmungslos drauflos knipsen und experimentieren.

On a Saturday afternoon in Tokyo

Und langsam nutze ich die Funktionen der Kamera auch bewusster und gezielter, wenn mir auch noch viele Fehler passieren. Am meisten Spaß macht es mir im Moment Bewegungen festzuhalten, quasi ein zufrieren oder zu "pannen", wie das im Englischen heißt. Erst hab ich es mit Fußgängern versucht, dann mit Radfahren und jetzt hab ich endlich auch mal ein paar gute Bilder von Motoradfahrern hin bekommen. Je schneller das Objekt, um so schwieriger fällt es mit. Meist ist dann alles verwischt, nicht nur der Hintergrund. Das Paar auf dem Motorrad hier, ist bisher der beste Versuch :)

Drama

Ansonsten konzentrieren ich mich im Moment darauf Personen abzulichten, denn da haben wir noch viel Nachholbedarf. Tempel, Schreine, usw. haben wir inzwischen zu hundertern aufgenommen, aber der Japaner an sich ist noch etwas unterrepraesentiert. Aber auch das wird noch werden...

Der Tag heute war jedenfalls mit über 300 Bildern ziemlich erfolgreich... Einiges mehr davon als hier in dem Beitrag zu finden ist, gibt es uebrigens in unserem Photalbum zu sehen ;)

21. Mai 06

Der Tag danach...

von Thomas

Nach der viel zu kurzen Nacht (wir waren einfach zu spät im Hotel und man muss da schon immer viel zu früh wieder raus), haben wir uns erstmal in Shibuya was zum frühstücken gesucht. Unsere Wahl viel auf ein kleines Café, in dem wir dann mit Toast, Marmelade, Kaffee bzw. heißer Schokolade versorgt wurden. Versorgt werden mussten auch Gundas Fuesse, da die Gute sich nicht davon hat abbringen lassen, ihre neue Vollplastik Strandsandalen für diesen Stadtausflug anzuziehen. Die Fuesse waren wund und neue Schuhe mussten her. Gekauft hat sie sich dann ein paar dieser luftigen und wasserfesten Turnschuhe, die in den letzten Jahren so modern geworden sind. Passend zu Shibuya natürlich in pinky ;)
Und wo wir schon mal da waren, hab ich mir auch noch welche gekauft, aber in einer farblich wesentlich dezenteren rot-schwarz-silber Kombination... Naja, vielleicht nicht so richtig dezent :)

Shibuya so früh am Morgen ist wirklich eine faszinierende Sache, noch nicht so überlaufen, man hat noch etwas Muße sich um zuschauen und die Leute zu beobachten. Neben dem Schuhladen z.B. machte sich eine Rentnertruppe in Matsuri-Outfitt mit gruppendynamischen Gymnastikuebungen warm, einige der krass braunen und grell geschminkten Kogals, Gyarus oder wie immer sie genau heißen, liefen herum. Teilweise auch in dazu passender männlicher Begleitung. Irgendwie sehen diese Typen noch krasser aus, als die dazugehörigen Mädels. Ich glaube, das liegt an dem Kontrast zwischen den edlen Anzügen und diesem billig Look aus blondierter Sturmfrisur und stark Hautkrebs verdächtiger Sonnenbraeune...
Ansonsten gab's noch Schlangen vor den bald sich öffnenden Pachinko-Hallen und einen Sit-in vor einem Topless-Tabletop-Lokal. Irgendwie war uns nicht ganz klar, ob die da schon wieder rein wollten, oder nach dem Rausgehen erstmal etwas frische Luft schnappen wollten...

Einen sehr speziellen Event erlebten wir, als das Schuhgeschäft aufgemacht hat. Erst war alles totenstill, dann stürmten auf einmal ein gutes Dutzend Verkäufer aus irgendwelchen Ecke in den Laden und fingen an zu schreien. Besonders laut wurde es, so war jedenfalls mein Eindruck, wenn sie uns, als einzige Kunden entdeckten. Sollte wohl eine Art Begruessungsritual sein. Zum Glück ebbte die Schreierei nach etwa 5 Minuten langsam ab, dafür wurde die Musik voll aufgedreht. Faszinierend, wie sich in Sekunden ein gerade noch ganz ruhiger, leerer, dunkler Laden in ein wuselndes und lärmendes Tollhaus verwandeln kann.

Von Shibuya gings dann nach Ikebukero, mit einem kurzen Zwischenstopp in Shinjuko, um unser unnötiges Gepäck in einem Schließfach zu verstauen. Da gab es auch ein nettes Erlebnis (das ich natürlich prompt auf ein noch leeres Schließfach zusteuerte, war es nicht): Vor den ansonsten komplett belegten Schließfächern stand eine etwas unschlüssig aussehende Ausländerin und fragte uns erstmal, ob wir Englisch sprechen. Das war uns auch noch nicht passiert. Das jemand fragt, ob wir Japanisch können, verstehe ich ja noch, aber das wir Englisch können, davon gehen eigentlich alle Leute aus. Aber egal, wissen wollte sie jedenfalls, wie das mit den Schließfächern funktioniere, sie könnte die nämlich nicht öffnen... Naja, kein wunder, wenn die Türen zu sind und keine Schlüssel drin stecken! Ob's wohl doch ein Land gibt, in dem Schließfächer grundsätzlich anders funktionieren?

Wie auch immer, in Ikebukero angekommen, sind wir dann in die Sunshine City. Eigentlich ein merkwürdiger Name, für ein Einkaufszentrum, dass quasi komplett vor der Sonne geschützt ist, sprich innenliegend ist. Aber wer weiß, was sich da jemand bei gedacht hat. Groß ist es jedenfalls, mit netten Geschäften und Lokalen. Wenn man rumbummeln will, kann man in dem weitläufigen Komplex gut einige Stunden verbringen. Wir waren nicht so ewig lange da, denn mich zog es magisch nach Shinjuku zurück, wo bei Yodobashi meine Kamera auf mich wartete. Doch dazu gibt es ja einen eigenen Beitrag...

20. Mai 06

Happy Birthday, Liebster!

von GundaCimg3548_medium

Thomas hat Geburtstag!!!

Morgens gings schon richtig mit Ausschlafen und Bescherung los. (Irgendwie scheinen alle Leute -inklusive ich- gedacht zu haben, daß Thomas T-shirts braucht. Jedenfalls muß er sich diesen Sommer keine Gedanken mehr um Klamotten machen...)

Dann haben wir uns auf den Weg ins LaQua Spa in Tokyo gemacht. Entspannung auf mehreren Etagen. Alles hoch modern. Man bekommt am Eingang ein Armband mit Chip, der sowohl als Schlüssel für's Schließfach als auch als Zahlungsspeicher in gesamten Bereich gilt. Ein Eis kaufen? - Einfach das Armband an die Kasse halten und zum Schluß mitbezahlen. Man bekommt auch für den Aufenthalt einen bequemen Anzug und Handtücher. Die Frauen konnten unter drei verschiedenen Oberteilen wählen, die Männer nicht.

Cimg3549_mediumDa Tokyo doch ziemlich laut und wuselig sein kann, steht gerade dort Entspannung hoch im Kurs. Wir haben uns auch prima entspannt. Nur ein paar Sachen fanden wir doch ziemlich, sagen wir "gewöhnungsbedürftig":

Daß in einem Land, in dem geschlechtergemischte Onsen mit der Lupe zu suchen sind, die Paare oft getrennte Schlafzimmer haben, man nicht nackt in der Wohnung rumläuft und in die gemischte Sauna mit Badeanzug geht, also, daß in so einem Land in einem Spa eine gemischte Abteilung (mit Zuzahlung) existiert ist ja schon ziemlich progressiv. Aber: Ausziehen tut sich da keiner. Ausschließlich junge Leute halten da verschmitzt kichernd Händchen oder kuscheln sich in der Ruhezone aneinander. Da merkt man, daß das für japanische Paare schon was Besonderes ist, so halb in der Öffentlichkeit Körperkontakt zueinander aufzunehmen. In der Sauna sitzt dann aber alles in besagten Anzügen da. Und die zwei Pools sind nur zur Deko da, bzw. werden benutzt, wenn "Frauenzeit" ist. - Dann sind die Frauen unter sich.

Der Rest des Bades ist dann geschlechtergetrennt (bis auf den Ruhebereich), wobei auch dort die Leute mit einem kleinen Handtuch möglichst viel zu verdecken versuchen. Und: Liebe Finnen, ich sage es ungern, aber was die Japaner manchmal aus Eurer Sauna machen, bricht mir das Herz: Ein großer Flachbildschirm mit irgendeiner Live-Spielshow, der Ton richtig gut aufgedreht, damit man auch in den oberen Rängen was mitbekommt. - Ich bin eine Minute dringeblieben und dann geflohen...

Toll war das Außenbad (auch getrennt), für das aus ziemlicher Tiefe bräunliches heilendes Wasser (angeblich gegen Rücken- und Gelenkschmerzen), vom Vulkan beheizt,  auf das Hochhaus gepumpt wurde.

Man konnte auch noch alle möglichen Anwendungen buchen. Massagen aller Art, Aromabehandlungen, Körperpeeling, es gab einen Friseur (mit Maniküre-Abteilung), mehrere Kosmetiklädchen, einen Unterwäschestand für Frauen, und man konnte sich in der Frauenumkleidekabine mit dort kostenlos zur Verfügung gestellten Kosmetika schminken, die Nägel lackieren usw. Überhaupt standen überall Cremes und alles mögliche andere zur freien Benutzung rum. Da blieben keine Wünsche offen. Essen und Trinken Cimg3577_mediumkonnte man drinnen auch kaufen (natürlich etwas teurer als draußen), und es gab sogar zwei Restaurants.

Wir sind bis 21h geblieben und haben uns dann auf die Suche nach einem Love Hotel begeben. Leider haben wir wieder nichts sonderlich Originelles gefunden und waren dann auch schon zu müde, um noch weiter zu suchen. Während der Suche bildeten sich immer automatisch kleine Grüppchen, die von Hotel zu Hotel zogen. Wir trafen also immer mal wieder die gleichen Paare, was dann auch für LacherCimg3569_medium sorgte. Das Hotel, in dem man verschiedene Uniformen mieten konnte, haben wir nicht genommen. - Das "Zero" wirkte etwas langweilig, aber o.k. Auf dem Zimmer gab es auch eine Menge Cremes usw. und einen Automaten, in dem man folgende Dinge kaufen konnte: Kondome, Damenunterhosen, Vibratoren (mit Batterien), eine Damenstrumpfhose und einen Mundschutz. - Illustre Mischung...

11. Mai 06

Dienstreise

von Thomas

Heute war ich mal in Tokyo, nicht zum Spaß, sondern dienstlich! Naja, ist etwas übertrieben... Für die Arbeit brauchte ich ein altes Nikon-Objektiv, die guten alten, bei denen man noch alles per Hand einstellen kann. Gibt's für wenig Geld (ich hab jetzt gerade einmal 7000 Yen bezahlt) in vielen kleinen Photlaeden in Tokyo zu kaufen.

Da wir naechstes Wochenende sowieso nach Tokyo wollen, hatte ich angeboten, dass ich das Ding ja dann kaufen kann. Aber nein, die Blicke die ich da bekam waren doch zu enttäuscht. Wenn ich am Wochenende fahre, dann kann mir das Fahrgeld nicht zurückerstattet werden, ich sollte doch lieber unter der Woche fahren. Na gut, wenn's sein muss, fahr ich halt nach Tokyo :)

Leider war das Wetter ziemlich mistig. Einerseits Regen, andererseits recht warm. Ziemlich unangenehm. Aber wenigstens erfolgreich. Das Objektiv habe ich bekommen und nebenbei auch noch etwas in eigener Sache nach Kameras geschaut...

24. April 06

Sonntagstee

von Gunda

Wir waren, wie Thomas schon erwähnt hat, also wieder mal auf Akapus Tip hin beim Azaleenfest am Nezu-Schrein in Tokyo.Cimg2865_medium

Das Wetter sollte es nicht so gut mit uns meinen: Regen hatten sie angesagt. Also ging es per Handy-Mail am Samstagabend zwischen Akapu und mir hoch her. Was machen wir, wenn es regnet? Findet das Ganze trotzdem statt? Oder nur die Lunch-Zeremonie bei der Lehrerin? - Letztlich einigten wir uns auf ein gemeinsames Abendessen beim Inder, damit wir wenigstens einen festen Termin hätten, falls es regnen sollte.Cimg2831_medium

Sonntag war es dann zwar bedeckt, aber es regnete den ganzen Tag fast gar nicht. Wir sind also kurz vor Mittag bei dem Platz angekommen, wo die Teezeremonien stattfanden, aber Akapu war nicht da. Irgendwie hatte sie uns einfach nicht erwartet und selber mit Regen gerechnet, weshalb sie dann einfach ohne uns zum Mittagessen gegangen war. Eine kurze Mail klärte alles; sie war unterwegs zu uns, und in der Zwischenzeit konnten wir uns die traditionelle Trommelgruppe ansehen, die einen mitreißenden Lärm veranstaltete.

(Hier angucken und -hören: Download CIMG2825.AVI)

Cimg2852_medium

So kamen wir dann doch noch zu unserer Teezeremonie und haben noch gleich Akapus nagelneuen Obi bewundern dürfen. Eine ihrer neuen Arbeitskolleginnen mit indischer Begleitung haben wir dann auch noch getroffen.Cimg2873_medium
Da Akapu noch zu tun hatte, guckten wir uns ein bischen Azaleen an, bestaunten eine Kinder-Tanzgruppe und erledigten unsere Einkäufe, um uns abends wieder beim Inder zu versammeln, dessen Essen skurrilerweise am Abend um einiges schärfer (und die Bedienung um einiges unfreundlicher) war, als mittags.

Schön war's, und langsam gewöhnen wir uns dran, daß sowas zu unserem Leben jetzt dazugehört. - Das werden wir in Deutschland sicher vermissen...

16. April 06

Fröhliche Ostern!

von Gunda

Cimg2661_medium ... konnte man sich in der deutschen Kirche in TokyoCimg2660_medium wünschen, die wir am Morgen besucht haben. Leider brauchte man zum Ostereiersuchen im Pfarrgarten ein Kind als Begleitung. Katharina traute sich aber nicht mit, weil Michael Eiersuchen doof fand. (In sechs Jahren sieht das bestimmt anders aus.  ;-)  ) Also mußte ich verzichten. Hmpf!

Als wir schon fast weg waren, sprach uns eine nette junge Dame an: "Gunda und Cimg2670_mediumThomas, stimmt's?" Wir fingen natürlich sofort an zu grübeln, woher wir sie kennen, bis sie lachend das Rätsel löste: Sie liest in unserem Tagebuch.  ;-)  Danke nochmal für Dein Interesse! Leider haben wir keine Mailadresse von Dir. Könnten wir das ändern?

Dann ging es zum Katastrophenschutzzentrum nachCimg2668_medium Ikebukuro. Dort haben wir uns als Rauchflüchtlinge, Erdbebenexperten und Feuerlöscher betätigt. Auf dem Weg zum Bahnhof sind wir in ein tolles buntes südasiatisches Fest geraten.

Nach dem Mittagessen sind wir dann noch nach Harajuku gefahren, um die Manga-Jugendlichen zu bestaunen. D.h., die von unserer Gruppe, die nicht mit gelangweilten Blicken daran vorbeigehechtet sind...

Der Meiji-Schrein wurdeCimg2701_medium ähnlich bedacht. Wir anderen wurden interessiert Zeugen von gleich zwei japanischen Hochzeiten, haben den Schrein unter die Lupe genommen und für Katharina ein Omamori erstanden. ("Das fliegt doch eh blos rum.")

Der Vorschlag, sich noch die verrückte Einkaufsstraße mit den ganzen Manga-Klamottenläden anzugucken wurde abgeschmettert, und so sind wir eben nach Hause gefahren.

Cimg2706_mediumMontag bis Mittwoch sind unsere Gäste alleine in Kyoto.

12. April 06

Singin' in the rain

von Gunda

Cimg2528_mediumAufgrund der Wetterlage gab es gestern die Stubenhocker-Version: Waterfront mit Riesenrad, Autopark und Panasonic-Center.Cimg2514_medium
Im Autopark konnte man viel ausprobieren. Ich bin mit Katharina Auto gefahren (Ging alles ganz von selbst.), es gab einen Reaktionstest, Fahrsimulatoren und ein Erlebniskino, in dem das Gefühl beim Rennfahren durch besondere Sitze nachempfunden werden konnte. Im Panasonic-Center konnte man viele Computerspiele, aber auch andere zukunftsweisende Elektronik ausprobieren.Cimg2518_medium Alles Prototypen und ja auch irgendwie ein Teil von Japan. Kam alles prima an. Zwischendurch hab ich noch mit Katharina Aufkleberfotos am Automaten gemacht, was uns beide sehr begeistert hat. (Besonders das Verzieren der Bilder...)
Heute regnet es auch, da gucken sie sich das Science Museun in Ueno an. Naturwissenschaft von Anfang an bis heute. Und natürlich Dino-Skelette...  ;-)

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01. April 06

Hanami im Ueno-Park

von Thomas

200604011412_1 Jetzt sind wir doch noch zu unserem Hanami unter Kirschblüten gekommen. Letztes Jahr hatten wir das ja "dank" unseres Urlaubs verpasst. Aber dieses Jahr hat es nun so richtig gut funktioniert, zusammen mit tausenden von Japanern waren wir im Ueno-koen und haben unter voll erblühten Kirschbäumen unser Obento gegessen. Eine blaue Platikplane hatten wir zwar nicht mit, aber zum Glück haben wir noch ein freies Plätzchen etwas abseits vom ganz großen Getümmel gefunden. Die Foto-Ausbeute war natürlich enorm.  Wenn alles klappt , gibt's die ersten Bilder noch im Laufe der Woche in unserer Fotogalerie zu sehen (die inzwischen schon fast 300 Bilder umfasst...).

Es ist wirklich interessant, die ja doch sonst eher zurückhaltenden Japaner beim Kirschblüten-Picknick zu beobachten. Was literweise Sake so alles anrichten kann. Einer meinte es besonders gut mit seinen Mitmenschen und posierte unter dem Gejohle seiner Freunde nur mit einer Unterhose bekleidet auf seiner blauen Plastikplane und steckte sich, bzw. lies sich dann ganz professionell auch noch ein paar Geldscheine ins knappe Höschen stecken. Allerdings war das dann auch schon wieder ein extremer Fall. Viele saßen einfach auch nur rum, futterten und tranken vor allem viel. Manche machten auch selber etwas Musik, andere spielten Sachen wie z.B. Twister oder einfach nur ein Kartenspiel. Was besonders angenehm ist (wenn man denn nun Fotos machen will), ist das Japaner sich oft einfach gerne fotografieren lassen. Wenn jemand merkte, dass wir ein Foto machen wollten, dann wurde erstmal alle auf der Plane angestoßen, sich doch um zudrehen und in die Kamera zu schauen, zu lachen und das in Japan unbedingt notwendige V-Zeichen mit den Fingern zu machen. Manche Leute wollten uns dann auch noch zu sich auf die Plane einladen, was wir dann aber dankend abgelehnt hatten...

Was ich mich allerdings die ganze Zeit gefragt habe, war, ob nun letztlich mehr Menschen nun wirklich Hanami machten, oder einfach nur durch den Park liefen. Angesichts des Geschiebes und Gedränges hatte ich nämlich den Eindruck, dass mehr Leute auf den Beinen, als auf irgendeiner Plane waren :)

Aber wie auch immer, dieses urtypische Ereignis haben wir jetzt jedenfalls ausgiebig studieren können. War ja auch unsere letzte Chance... In wenigen Tagen ist der ganze Sakura-Zauber dann nämlich verschwunden :(

28. März 06

Deborah und Tim in Tokyo

von GundaCimg2228_medium

Heute sind sie alleine in Hakone, gestern waren wir (ohne Thomas) in Tokyo unterwegs.

Cimg2262_medium Erst haben wir ein bischen unechtes Hanami (mit Gebäckteilchen auf einer Bordsteinkante) im Ueno-Park gemacht, der trotz des Werktages brechend voll war.

Dann ging es weiter nach Asakusa, wo ich mich wieder mal als Kinderschreck betätigt habe und sich das erschreckte Kind an Deborahs Hosenbein geflüchtet hat. (Zum Glück hat es nicht hochgeguckt.)
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Anschließend waren wir am Kaiserpalast und wollten dann in den Erdbebensimulationsraum in Ikebukuro, der aber leider schon zu hatte.
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Den krönenden Abschluß des Ausflugs bildete ein Besuch in Akihabara. Da haben wir uns dann noch mit einem Fotoautomaten vergnügt und ein paar Aufkleberbilder gemacht. Interessanterweise war zwar die ganze Etage mit Automaten voll, aber nur einer durfte auch von Männern benutzt werden. Das ist wohl das skurrilste Ereignis des ganzen Tages gewesen. Fotoautomaten sind für mich so ziemlich die geschlechtsneutralsten Geräte, die ich mir vorstellen kann. - Da fragt man sich ja dann schon, was die Mädels da drin normalerweise so machen...   ;-)

14. März 06

Ikebana in Tokyo

von Gunda

Vor ein paar Wochen hatte mir meine Ikebanalehrerin Karten für eine Aussellung in Tokyo angeboten. Also waren wir am Sonntag da.
Neben traditionelleren Gestecken konnte man auch viel Modernes bewundern. Jedenfalls fanden wir es sehr schön, und Thomas konnte endlich mal was Richtiges sehen, und nicht nur mein Anfänger-Rumgekrebse. Abgesehen davon hat er auch mal gesehen, daß unsere Wohnung eigentlich zu klein für ein "echtes" Ikebanagesteck ist.

Hier sind einige Eindrücke:Cimg1659_medium

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30. Januar 06

Karakuri ningyo, Sudoku und Schweinenasen

von Thomas

200601301629Samstag waren wir beide nicht so ganz fit, Erkältung und Gunda hatte dazu noch Migräne, also blieben wir zu Hause und ich konnte mich endlich mal in Ruhe meinem Weihnachtsgeschenk von Gunda widmen. Eine "Karakuri ningyo", eine mechanische Puppe, die Tee serviert, hatte sie mir geschenkt. Allerdings nicht die fertige Puppe, sondern einen Bausatz, mit dutzenden von Einzelteilen und einer wunderbaren japanischen Anleitung. Da diese aber auch gut bebildert ist, kam ich recht schnell voran und nach ein paar Stunden war der "antike" Roboter, der vielleicht die Grundlage für die Roboter-Begeisterung der heutigen Japaner ist, fertig. D.h. nicht ganz fertig, nur das Skelett. Da noch ein bisschen Feintuning nötig ist, muss ich ihn  demnächst  noch ankleiden, was sicher auch nochmal nicht so einfach wird...

Danach gabs noch eine Bastelei ganz andere Art, nämlich die Premiere für das Waffeleisen, dass wir von Roland letzte Woche bekommen haben. Der erste versuch ging prompt schief. Die Waffeln klebten dermaßen fest am Eisen, dass man sei nur noch abkratzen konnte. beim zweiten Versuch hab ich das Eisen dann erstmal in Öl getränkt. Das half, allerdings waren die Waffeln dann doch etwas fettig... Nun gut, die erste Ladung Öl reichte, danach gings dann auch so und die letzten Waffeln waren dann auch ok. Beim naechstenmal muss ich nur die Butter für den Teig vorher schmelzen, denn unser nur mit halber Kraft laufender deutscher Kuechemixer wurde mit der Butter nicht fertig und der Teig war am Ende voller Butterkluempchen. Wie auch immer, beim zweiten mal wird bestimmt alles besser...

Am Sonntag stand dann ein Trip nach Tokyo auf dem Programm. Wir wollten uns mit Takuya, meinem Kollegen aus Berlin, der seit Anfang des Jahres wieder in Tokyo ist, treffen. Gunda hat dann noch unsere Freundin Akapu eingeladen und wir sind dann zu viert in ein Okinawa-Restaurant, das Takuya ausgesucht hatte gegangen. Die beiden haben dann für uns was ausgesucht. Eine möglichst breite Palette an typischen Okinawa-Gerichten. Es war schon sehr typisch... Am harmlosesten waren noch die Algen, die mit kleinen, mit Meerwasser gefüllten Bläschen übersät waren und ein typisches Okinawa-Gemüse, das in etwa wie grüne Paprika schmeckte. Aber der absolute Höhepunkt waren dann die in dünne Scheiben geschnittenen Schweineohren und die Nudelsuppe mit der gekochten Schweinenase als Fleischeinlage! Und da fragen die beiden uns doch glatt, ob wir etwa kein Schweinefleisch mögen würden... Mal abgesehen davon, dass ich das ziemlich eklig fand, sah man schon so, dass die Fleishbeilage mehr Knorpel, als aus Fleisch bestand. Was hätte man da auch essen sollen...

Aber ansonsten war das Essen sehr gut, es gab noch einige andere Sachen mit Fisch, Gemüse und "richtigem" Fleisch und das schmeckte uns alles. Die Ankündigung von Takuya, dass das Essen ganz anders als typisch japanisches Essen sein würde, traf jedenfalls zu, keine Frage.

Eine ganz andere Frage, die mich seit Ortruns Besuch im letzten Herbst umtreibt, hat sich gestern dann auch noch für mich gelöst, das Sudoko-Rätsel. Bevor Ortrun davon erzählte, hatte ich von diesem "typisch japanischen Rätsel" noch nie was gehört. Ich hab dann immer schön die Augen aufgehalten, um was zu finden, aber nix, Fehlanzeige, Sudoku schien es in Japan nicht zu geben. Dagegen ist es ja in den USA und in Deutschland ein richtiger Boom. In beiden Ländern sieht man überall Sudoku-Bücher, Brett- oder Computerspiele, Internetseiten, Kalender und viele Zeitungen und Zeitschriften schmuecken sich mit einem Sudoku. Und in Japan nix...

Nein, das ist nun nicht ganz richtig, es gibt Sudokus auch in Japan, man muss nur suchen. Mit Takuya waren wir im Yaesu-Book-Center, einem der größten Buchlaeden in Tokyo, mit 9 Verkaufsetagen, davon eine für fremdsprachige Bücher und Zeitschriften. Ich hab dann Takuya mal gebeten, nach (japanischen) Sudoku-Büchern zu fragen. Bei der Bitte stutzte er nicht, was mir als ein gutes Zeichen erschien, aber vielleicht hatte er ja auch von Sudokus in Deutschland gehört... Jedenfalls zeigte uns der Verkäufer sofort ein paar Sudoku-Bücher. Importware aus den USA... Ha, ich wusste es doch, es gibt kein Sudoku in Japan! Nein, nein, es gibt doch japanische Sudokus. Nochmaliges nachhacken beim Verkäufern und ein Blick in das Bestandsregister ergab, dass es auch japanische Sudoku-Bücher gibt. Es gab sie, ein paar dünne Büchlein, die irgendwo zwischen hundertern von anderen Rätsel- und Spielebuechern standen, in keinsterweise besonders hervorgehoben, einfach so, wie alles andere auch.

Eines habe ich mir dann auch gekauft, als Andenken sozusagen. Takuya meinte dann noch, dass Sudokus vor etwa 10 Jahren mal ganz aktuell waren...

Und weil wir gerade da waren, haben wir uns noch einen Falk-Plan von Bonn gekauft (wenn es uns dort tatsächlich hinverschlaegt, wollen wir schon mal etwas vorsondieren). So ist das, es gab in dem Laden weit mehr Falkplaene von deutschen Städten, als japanische Sudoku-Bücher ;)

13. November 05

Yodobashi Akiba

von Thomas

200511131601_1Schon die Yodobashi Camera Filialen in Shinjuku übertrafen alles, was man aus Deutschland im Bereich Elektronik-Kaufhaus kennt kennt. Aber das, was da jetzt in Akihabara steht, sprengt jeden Rahmen... Über 15 Etagen (davon 6 unter der Erde) mit über 25000qm Gesamtflaeche erstreckt sich das nunmehr größte Elektronik-Kaufhaus Tokyos (Man muss dabei bedenken, dass alle anderen Geschäfte in Akihabara zusammen eine Verkaufsfläche von etwas mehr als 60000qm haben und das reichte schon für ein beeindruckendes Warenangebot). Und das Angebot erschlägt einen förmlich. Dutzende Modelle an Flachbildschirmen, Laptops aller Art und Größe, eine schier unendliche Unmenge an Zubehör. Was es dort allein an Druckerzubehoer gibt, übertrifft das Gesamtangebot mancher Mediamarkt-Filiale... Natürlich reichte es erstmal nur für einen kurzen Schnupperbesuch, bis man da durch ist, dauert es noch eine Weile und braucht noch einige Fahrten nach Tokyo...

Bevor wir übrigens in dem Elektronikmekka waren, waren wir an einem gänzlich anderen Ort. Wir haben es endlich mal wieder geschafft, in die Kirche zu gehen. Und haben gleich einen ganz besonderen Gottesdienst erwischt. In der deutschen-katholischen Gemeinde wurde des Todestages einer polnischen Ordensgründerin gedacht und aus dem Grunde nahm ein japanischer Bischof an dem Gottesdienst teil, der teilweise in japanisch, teilweise in Deutsch gehalten wurde, was eine interessante Erfahrung war.

Interessant fand ich es auch, als ich nach der Kirche ein Gespräch mitbekam, in dem sich zwei Leute darüber wunderten, dass der Gottesdienst Zweisprachig war! Ja Leute, wo lebt ihr denn hier? Ist euch schon mal aufgefallen, dass ihr nicht mehr in Deutschland, sondern in Japan seid?

12. Oktober 05

Ortrun goes Tokyo

von GundaCimg9181_small

Cimg9190_smallDer Nezu-Schrein mit seinem kleinen Gang aus Torii (roten Toren) und das Tokyoter Katastrophenschutzzentrum Ikebukuro mit seinem Erdbebensimulationsraum standen auf dem Programm.

In letzterem waren wir mit Yukie und haben gleich noch eine Rauch- und eine Feuerlösch-Übung zusammen mit einigen japanischen Angestellten durchgemacht. War natürlich alles ziemlich gestellt. (Der Rauch war Wasserdampf, "gelöscht" haben wir ein Video von einem brennenden Papierkorb.) Ortrun stellte zusammenfassend fest, daß man vor Erdbeben zusammen an einem Tisch sitzt, vor sich auf dem Tisch Sitzkissen zu liegen hat, die man sich dann unter dem Tisch über den Kopf hält und auch sonst natürlich immer gut vorbereitet ist... (Die Brillen sind von dem Erdbeben-3D-Film, den wir vorher gesehen haben.)
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10. Oktober 05

Fremdenführer

von Thomas

Eigentlich sind wir ja selber noch Dauertouris hier in Japan und immer auf der Suche, noch was neues zu entdecken, aber für Ortrun müssen wir jetzt die Fremdenführer spielen :)

Und damit es nicht zu viel auf einmal wird, versuchen wir ihr alles im Schongang näher zu bringen. Am Samstag war erstmal Ausruhen angesagt und nur zum Essen gehen und Einkaufen sind wir kurz raus gegangen. Nicht weit weg und erstmal ein Westernstyle-Restaurant, damit es nicht gleich zu fremd ist. Der Supermarkt war dann vielleicht schon spannender, mit all den fremden Sachen und vor allem der Geraeuschkulisse aus Musik und Werbegeschrei.

Am Sonntag haben wir dann die nähere Umgebung etwas erkundet und sind nach Tsukuba gefahren, Countryside, alles ziemlich verwestlicht, Japan-lite sozusagen. Bummeln im Baumarkt, damit sie mal sieht, wo wir unsere Wohnungseinrichtung her haben, Bus fahren in Japan, Essen gehen im Kaufhaus, ein bisschen herumbummlen, irgendwo war ein Kinderfest der örtlichen Forschungsinstitute usw.

Heute dann der erste Härtetest: Tokyo. Wir hatten uns viel vorgenommen, einen möglichst guten Querschnitt wollten wir ihr bieten: Erstmal Shinjuku mit seinem Megabahnhof und den Wolkenkratzern, den Menschenmassen, den riesigen Videoleinwaenden, der allgegenwärtigen Neonreklame, die großen Kaufhäuser und dazwischen immer wieder auch kleine, enge Straßen mit Geschäften und Lokalen. Vielleicht am ehesten das Bild, dass man von Tokyo hat, wenn man es nur aus dem Fernsehen oder Kino kennt.

Dann gings weiter nach Omotesando, alles schön edel und nobel, ein Designergeschaeft nach dem anderen und mittendrin der Oriental Basar, mit allem was der Japan-Touri den Daheimgebliebenen mitbringen möchte.

Dann die naechste Touri-Falle: Asakusa mit dem Senso-ji und den vielen Verkaufsstaenden, wo man nur Ausländer und Japaner trifft, die selber Touris sind...

Und dann war der Tag auch schon vorbei... Eigentlich wollten wir noch mehr machen, ihr zeigen, dass es auch in Tokyo ruhige Ecken, ohne Touris gibt, Tempel und Schreine, ohne Menschenauflauf, die man sich in aller Ruhe ansehen kann. Dann wollten wir mal nach Ginza fahren, aber daraus wurde alles nichts, der Tag war um und wir sind wieder zurück aufs platte Land gefahren.

Ob sie jetzt einen guten Eindruck von Tokyo bekommen hat? Wer weiß, wenn wir Pech haben, wird sie Tokyo als laute, graue Stadt in Erinnerung behalten, aber vielleicht können wir in den naechsten Tag ihr Bild noch etwas erweitern und wenn es dann auch mal nicht so regnet wie heute, sieht es vielleicht auch schon wieder ganz anders aus...

18. September 05

Shinjuku Matsuri

von Thomas

Cimg8742_smallDa sind wir eigentlich schon von all den bisherigen Matsuris reichlich übersättigt und dann stolpern wir heute ganz unvorhergesehen über ein ein Matsuri in Shinjuku...

Eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einem bestimmten Schuhladen, mit Schuhen, die auch mir passen und der irgendwo in Shinjuku sein sollte (d.h. eigentlich wollten wir noch in die Kirche gehen, aber da waren wir zu spät dran, weil ich Trottel mich mit der Zeit verhauen habe...). Cimg8762_smallDarum sind wir heute Morgen auf der von uns bisher sträflich vernachlässigten Ostseite des Shinjuku-Bahnhofs herumgelaufen und auf zahlreiche laut schreiende und einen Schrein tragende Leute in bunten echt japanischen Kostümen gestossen und mussten uns das Ganze natürlich gleich mal anschauen und ein paar Photos machen :)

Und unserem neuen Hobby "Kurzvideo" haben wir dann auch gleich noch gefrönt. Das erste zeigt den Aufmarsch der Schreinträgergruppen, das zweite eine kurze Ansprache an die Schreinträger und etwas aufmunternden Gesang und das dritte schlieslich den Auftritt zweier Mädels bei einer kleinen Nachmatsuriparty:

Aufmarsch der Schreinträger

Aufmunterung

Singsang

Cimg8769_smallInsgesammt fand ich dieses Matsuri ganz interessant. Ich hatte noch keines in Tokyo erlebt und dieser Mix aus Tradition und Moderne, den Schreinen und den kostümierten Leuten vor der Supermodernen Neonkullisse von Shinjuko hatte schon was. Insgesamt, bleibt es aber dabei, dass wir die eher kleinen Matsuris einfach stimmungsvoller und intensiver fanden.

Cimg8737_smallUnd sonst? Schuhe habe ich keine gekauft, dafür ein echt schickes Langanshirt. Gunda hat eine gebrauchte Kinderyukata auf einem Schreinflohmarkt erstanden und am Schrein selbst noch ein Omamori fürs Beziehungsglück gekauft, Mittags haben wir in einem chinesischen Suppenimbis was gegessen, dann haben wir uns auf die vergebliche Suche nach einem guten, aber billigen Staubsauger begeben und stattdessen einen billigen Toaster gekauft und sind dann schon recht fußlahm noch zur Tokyo-Station gepilgert und haben im Yaesu-Bookstore zwei Grammatikbücher für unseren neuen Sprachkurs gekauft und Gunda hat sich noch eine Zeitschrift gekauft, in der ihr erklärt wird, wie simpel ihr Leben sein könnte, wenn sie nur wollte...

Und jetzt sitzen wir müde zu Hause und warten auf die erste Hochrechnung ;)

27. Juli 05

Thomas allein in Tokyo

von Thomas

Es ist schon verrueckt, da leben wir schon seit fast 10 Monaten in Japan, ganz in der Nähe von Tokyo und heute war ich, seit wir hier sind, das erstema allein, ohne Gunda, in Tokyo...  Ich muss halt unter der Woche immer arbeiten und meine freien Tage verbringen wir halt möglichst gemeinsam, da ich ja immer spät von der Arbeit nach Hause komme und wir sonst gar nicht soviel von einander hätte. Aber diese Woche ist bei uns ein wenig verkehrte Welt, ich habe frei und Gunda muss arbeiten. Daher war ich dann heute mal allein in Tokyo.

Und was macht man so in Tokyo, wenn man dort eigentlich gar nichts Besonderes zu tun und nur bummel will? Man geht dahin, wo alle hingehen. Ich weiss, einfallsloser geht es nicht mehr ;) Aber war halt so... Mit dem Zug bin ich in Ueno angekommen und dann mal Asakusa gefahren, da dort sehr viel typisch japanische Sachen verkauft werden und es recht schwer ist, typisch japanische Kleidung in meiner Größe zu bekommen. Aber in Asaksa gibt es derartig viel Touristen, dass es auch ein entsprechendes Angebot an "Sondergrößen" gibt. Einiges von dem, was ich suchte, habe ich auch gefunden, aber gekauft habe ich noch nix. Hat aber auch keine Eile, herumlaufen würde ich hier damit sowieso nicht...

Da in Asakusa viele Touristen rumlaufen, kann man dort ganz hübsche Beobachtungen machen. Z.B. lief eine Gruppe englischsprachiger Touristen herum, von denen einer ziemlich laut herausposaunte, dass er hier bestimmt keinen Tee trinken wird, denn Tee trinkt er nur, wenn er krank ist. Wie das wohl bei den Japanern ankommt? Als ich zum Essen war, quälte sich neben mir ein Pärchen mit einer Nudelsuppe ab. Schliesslich lösten sie ihr Problem, die Nudeln ohne Gabel in den Mund zu bekommen dadurch, dass sie die Stäbchen in die Suppe steckten, ein paar Nudeln einklemmten und dann mit beiden Hände um die Stäbchen wickelten... Wenn ich damit so wenig klarkommen, hätte ich vielleicht doch nach einer Gabel verlangt ;)

Von Asakusa bin ich dann kurz nach Ginza gefahren und habe mir die teuren Sachen angeschaut, die ich mir eh nicht leisten kann. So toll war das jetzt nicht und ich bin dann weiter Richtung Roppongi Hills gefahren. Auch dort gibt es viele Ausländer, aber eine ganz andere Sorte, nämlich die Dauergäste, also Leute, die dort wohnen und arbeiten. Und denen wird dort aucheiniges geboten: Edle Supermaerkte mit vielen westlichen Produkten, Buchlaeden mit deutlich mehr englischsprachigen Werken usw. Im Vergleich zu unserer japanischen "Country side" in Arakawaoki ist das dort schon eine andere Welt.

Aber eben nicht unbedingt meine. Richtig interessant ist es dort nicht (jedenfalls für mich), lediglich die Filliale von "Seattles Best Coffee" ist einen Besuch wert. Als ich nämlich vor ein paar Jahren in der Heimatstast der amerikanischen Coffe-Shops war, gefiel mit vor allem die Heißeschokolade bei "Seattles Best Coffee" besonders gut (sogar besser, als bei Starbucks...).

Na ja, habe also meinen Kakao dort getrunken und bin dann weiter nach Shinjuku, noch ein bischen Kaufhausbummel machen. Und dann gings mitten im Feierabendverkehr wieder zurueck nach Hause. Das war also kurz zusammengefasst mein erster Tag, alleine in Tokyo...

17. April 05

Kirchgang

von Thomas

200504171158_1Heute sind wir Richtung Tokyo gefahren, um mal wieder in die Kirche zu gehen. Die Protestanten waren heute dran. Wir waren allerdings zu spaet da und sind mitten in deren 120 Jahrfeier geplatzt...

19. Februar 05

Todai

von Thomas

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13. Februar 05

Neulich in New York...

von Thomas200502130935_1

...nein, dort waren wir nicht wirklich, sondern am Strand von Tokyo, wo diese Kopie der Freiheitsstatue steht. Die Statue ist genauso ein Kunstprodukt, wie der der Strand selber, der an einer der künstlichen Inseln in der Bucht von Tokyo liegt. Diese Inseln waren unser Ziel am heutigen Tag.

Erreichen tut man dieses Areal, das Tokyo-Waterfront genannt wird, am besten mit der Yurikamone-Line (der Seemöwen-Linie) von der Station Shimbashi aus. Das ist eine Hochbahn, die jedoch nicht auf Schienen fährt, sondern eher wie ein großer Bus mit normalen Reifen  in einer Betonrinne fährt. Und das alles ohne Fahrer! Zum super modernen Waterfront-Image gehört natürlich auch eine Hightech-Bahn, die voll computergesteuert ist...

Höhepunkt der Fahrt ist die Überquerung der 798m langen Rainbow Bridge, der Regenbogen-Brücke). Und weil es so schön ist, macht die Bahn vor der Brücke noch eine große Schleife, so dass man sich die ganzen Gegend einmal in Ruhe betrachten kann :)

Bei der ersten Station sind wir dann gleich ausgestiegen und zum Strand gelaufen. Da es noch sehr früh war, hatten wir den Strand fast für Cimg3648uns alleine, sieht man von zahlreichen Möwen und den wenigen anderen Spaziergängern ab. Es war halt noch sehr früh, keine 10 Uhr, alle Geschaefte noch zu... Den ersten Menschenauflauf gab's dann auf einem Platz neben der Freiheitsstatue. Angesichts des nahenden Valentinstages, hatte jemand dort ein großes Blumenherz mit einer Bank davor aufgebaut, die Statue und die Rainbow Bridge natürlich im Hintergrund. Dort konnte man sich dann fotografieren lassen, was wir dann auch taten, jedoch war unser Photograph etwas ungeschickt und so sieht man die Statue (fast) nicht :(

Von dort ging es dann weiter mit der "Seemöwe". Gunda hatte etwas vom "Venus Fort", dem Einkaufsparadies für Frauen gelesen und wollte dort unbedingt hin. Aber wir waren zu früh da und haben Zeit genutzt, uns weiter um zuschauen. Lohnenswert war eine Ausstellung von Toyota. Hier gab es nicht nur etwas über neue Autos zu erfahren, sondern auch ganz allgemein etwas über neues Design, was nicht nur Gunda sehr interessierte. Außerdem steht hier noch das angeblich größte Riesenrad der Welt (komisch, in Yokohama behaupten sie von ihrem Riesenrad dasselbe...). Über 100 m misst es im Durchmesser und wir ließen uns von einer Fahrt nicht abhalten. Schön war's, mit guter Sicht auf die Bucht mit dem Hafen und die Stadt, ganz in der Ferne konnte man sogar noch das höchste Gebäude Japans, den Landmark Tower sehen.

Dann war es endlich soweit, das "Venus Fort" öffnete seine Pforten! Es ist unglaublich, wie viel Kitsch man auf so engen Raum unterbringen kann. Unter einem künstlichen Himmel, stehen künstliche alten südeuropäischen Häusern nachempfundene Fassaden, beleuchtet in diversen Bonbon-Farben. Dahinter Geschäfte, die alles bieten, was die Frau von heute so braucht, vom Barbie Outfit bis hin zu Nobelklamotten...

Nach dem Farbschock musste ich mich dann erstmal bei der örtlichen Starbucks-Filiale etwas erholen :)

Auf dem Weg zur naechsten Station gab es dann noch was typisch japanisches: "The Wedding Village", ein künstliches europäisches Dorf mit Kirche und allem Drumherum. Offensichtlich dazu gedacht, es auch Japanern zu ermöglichen im echten "Western Style" zu heiraten...

Danach haben wir uns noch ein bisschen ein Kaufhaus angeschaut (einen prima "Edel-"100-Yen Shop gab es dort) und sind zuletzt noch in eine Ausstellung von Panasonic gegangen. Dort gab es dann einen Ausblick auf alles, was dem Technik-Freak das Herz höher schlagen lässt: Riesige Fernseher mit gestochen scharfen Bild, die neusten Digitalkameras und Handys und als besonderes Schmankerl eine interaktive Computerwand, auf der man virtuell Mit einem Basketball spielen konnte, mit der Hand Fenster vergrößern und verschieben konnte und vieles, vieles mehr.

Auf den ersten Blick fast etwas unspektakulärer war ein Tisch, in dem vier Computermonitore eingelassen waren, die nichts anderes zeigten als eine animierte Wasseroberfläche. Tippte man aber mit dem Finger auf den Bildschirm, sah man zunächst ein paar Wellen und dann viele kleine Fische, die auf die Stelle zu schwammen. Tippte man dann einen der Fische an, öffnete sich ein Programm. Zusätzlich waren die Monitore untereinander gekoppelt: Tippte man auf seine eigenen Monitor besonders heftig, konnte man die Fische von einem anderen Monitor auf seinen eigenen locken, wollte man jemanden anderes sein Programm zeigen, konnte man es mit einer schwungvollen Handbewegung einfach zum Nachbarn rueber schleudern.

Tolle Sache, aber sieht so wirklich die Zukunft aus?

Als wir wieder draußen waren, war es schon Dunkel und wir sind dann wieder nach Hause gefahren, den Rest der "Waterfront" werden wir uns ein anderes mal ansehen, vielleicht wenn es etwas wärmer ist, dann hat man auch mehr von dem Strand :)

23. Dezember 04

Kaiserwetter

von Gunda

Bei strahlendem Sonnenschein und wenigen Plusgraden machten wir uns frühmorgens an diesem Feiertag auf nach Tokyo, um mit vielen anderen (meist Japanern) dem japanischen Kaiser (Tenno) zum 71. Geburtstag zu gratulieren.
Als wir an der Tokyo-Station ankamen, mußten wir nur den anderen Leuten zum Palast folgen. Auf dem Weg dorthin bekamen wir Japan-Fahnen aus Papier zum Winken in die Hand gedrückt. Dann folgte eine Taschen-, später eine Körperkontrolle, und bald darauf gingen wir auch schon durch das Tor, das nur zweimal im Jahr für das Volk geöffnet wird. In Kaisers Garten waren die Bäume noch grün, und etliche Pflanzen blühten. Wir mußten uns etwas beeilen, denn der Weg zum Palast war noch etwas länger, und der Kaiser sollte in zehn Minuten erscheinen, wie wir aus der Anzeige am Eingang erkennen konnten. Der Palast an sich sah eher unscheinbar aus. (s. Fotos) Zwar war es ein großes Gebäude, jedoch überhaupt nicht alt und sehr schlicht. Überall stand Wachpersonal herum. Teils in Uniform, teils in Zivil. Sie beobachteten jeden Menschen genau und führten, soweit es ging, eine Art „Gesichtskontrolle“ durch. (Warum sie uns dann doch ohne Widerstand reingelassen haben, wissen wir immernoch nicht…)
Die Menschen versammelten sich vor dem mit kugelsicherem Glas geschützten Balkon an der Seite des Palastes, und es gab niemanden, der keine Fahne in der Hand hatte, genauso, wie es niemanden gab, der drängelte oder laut war. Das Sicherheitspersonal versuchte sogar, älteren Leuten bessere Plätze zu verschaffen und kümmerte sich auch sonst weniger um Verbote als um das Wohlergehen der Leute und den reibungslosen Ablauf. (s. Fotos)
Dann kam eine Ansage, die das Erscheinen des Kaisers mit seinem vollen Titel ankündigte. Und schon war der Kaiser mit seiner Familie auf den Balkon. (s. Fotos) Alle winkten mit ihren Fähnchen, machten Fotos und Videos (obwohl uns angesichts von Thomas’ großer Kamera am Eingang gesagt wurde, wir dürften keine Fotos machen), einige Vereine trugen Banner, und ein paar Leute rissen die Arme hoch und riefen „Banzai!“ („langes Leben!“), was dann wiederum andere nachmachten. Dann erschallte wieder eine Ansage, der Kaiser würde etwas sagen wollen. Sofort wurde es ruhig, und die Leute ließen die Fähnchen sinken. Der Kaiser sprach nur wenige Sätze. Er faßte die Naturkatastrophen des vergangenen Jahres zusammen und sagte, jeder habe aber sicherlich persönlich auch Gutes erlebt und er würde hoffen, daß alle gut auf sich aufpassen. Zum Schluß wünschte er dem Volk, daß das kommende Jahr ein glückliches sein sollte.
Hätte man unseren Bundeskanzler an die Stelle des Kaisers gestellt und ihm die Möglichkeit gegeben, etwas zu sagen, hätten wir uns wohl nicht unter zwei Stunden frierend die Beine in den Bauch gestanden…
Dann riefen die Leute noch ein bischen „Banzai!“, winkten und der Kaiser verschwand mit seiner Familie winkend wieder hinter der großen Schiebetür.
Da wir etwas weiter hinten gestanden hatten, beschlossen wir, den nächsten (und letzten) Auftritt abzuwarten und ließen die Leute an uns vorbei das Gelände verlassen, um uns nach vorne zu stellen. Dann mußten wir eine halbe Stunde im Kalten warten, die wir mit der Beobachtung der Leibgarde bei ihrer ständigen Wachablösung verbrachten. (Vermutlich haben die sich deshalb so oft abgewechselt, weil die sich auch mal aufwärmen mußten.)
Auch beim zweiten Mal verlief alles wie schon beschrieben. Nur, daß wir eben besser sehen konnten. Auf den Boden geschmissen hat sich in unserer Gegenwart keiner. Wie auch; es war viel zu eng dazu. Aber wir haben gehört, daß das gelegentlich mal vorkommen soll.
Dann haben auch wir das Gelände verlassen und mit Interesse festgestellt, daß die Leute ihre Fähnchen am Ausgang einfach in den Müll geworfen haben. (s. Fotos)
Leider hat Thomas später gemerkt, daß seine tollen Fotos mit Teleobjektiv nichts geworden sind, weil die Kamera den Film nicht richtig eingezogen hat. Aber wir hatten ja zum Glück noch die Digitalkamera.

Anschließend sind wir wieder mal ins Tokyo National Museum gegangen. Diesmal natürlich in einen anderen Teil. (s. Fotos) Auch diesmal waren wir beschäftigt, bis das Museum geschlossen hat. Als wir nach draußen kamen, war es schon dunkel, und im Ueno-Park hielten ein paar Missionare einen christlichen Gottesdienst mit auf dem Boden sitzenden Obdachlosen ab. Kerzen und Lieder einen Tag vor Heiligabend im dunklen Park… Da rückte Weihnachten schon wieder näher.
Ein paar Meter weiter wurde diese stimmungsvolle Situation aber auch schon durch eine skurrile Zutat ins Groteske verzerrt: Im Hintergrund der Gottesdienst, und im Vordergrund joggte ein Mann mittleren Alters ziemlich lange rückwärts um einen dicken Baum. Dann ging er zu seinem Fahrrad und verschwand im Dunkeln…

19. Dezember 04

Japan pur

von Gunda

Na gut, ganz so pur hatte der Tag nicht angefangen, denn wir sind erstmal in aller Frühe nach Tokyo gefahren, um zum deutschen evangelischen Gottesdienst zu gehen.
Die Kirche, die wir schon vom Adventsbasar kannten, war noch nichtmal halbvoll; aber es tat gut, seit langem mal wieder an einem deutschsprachigen Gottesdienst teilzunehmen. Das hat den Advent und damit auch Weihnachten ein Stückchen näher gebracht.
Leider hatten wir kaum Zeit für anschließende Gespräche, denn wir hatten uns noch das riesige Tokyo National Museum am Ueno-Park vorgenommen, das aus vielen Museen unterschiedlicher Inhalte besteht. Wir haben erstmal mit dem Teil angefangen, der die Geschichte Japans zeigt. (s. Fotos) Damit waren wir auch bis zum Schließen des Museums vollauf beschäftigt und beschlossen, uns den Rest nach und nach anzusehen.