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11. September 06

Visumse 2

von Gunda

Zuerst möchte ich einen Dank an die Deutsche Botschaft in Tokyo aussprechen, die in keiner Weise auf meinen Beratungsbedarf bzgl. meines Visums reagiert hat. Na klar. Parties für Deutsche in Tokyo auszurichten und sauteure Gartenfeste zu feiern ist ja auch publicityträchtiger als Deutschen bei Visumsfragen zu helfen...

Ich muß auch noch dazu sagen, daß diese Visumsdifferenz nicht durch mein Verschulden entstanden ist. Ich hatte damals ein Visum bis zum 30. beantragt, aber aus irgendwelchen Gründen nur eins bis zum 27. bekommen. Wir waren nur damals so froh, daß ich überhaupt eine Verlängerung bekommen habe, daß ich gar nicht mehr nach den drei Tagen gefragt habe.

Wir waren also heute mal im Immigration Office in Tokyo, um das auch mal kennenzulernen. Auch hier war es, wie in Mito, alles sauber und auf Englisch ausgeschildert, also das genaue Gegenteil von der Ausländerbehörde in Berlin. Um die Gegenteiligkeit noch zu verstärken sprachen die Angestellten gut Englisch und machten keine Probleme bei der Änderung meines Status'. Ab heute bin ich für max. 30 Tage Touristin. ;-) Nur hätten wir uns den gesamten Vormittag Wartezeit sparen können, hätte ich gleich am richtigen Schalter eine Wartenummer gezogen. (Wer konnte schon ahnen, daß ich zu "Entertainer only!" muß?) Dafür konnte ich heute nicht unterrichten (mach nächste Woche einfach doppelt) und hab mit Thomas einen schönen (zu seinem Bedauern nicht roten) Sonnenuntergang an der Waterfront erlebt.

07. Juli 06

Langsam geht es dem Ende zu...

von Thomas

Ja, langsam wird es ernst. Gestern hat unser Projektleiter mich nochmal gefragt, ob ich wirklich Ende September gehen will und hat dann auf meine Bestätigung hin, den Startschuss für die Abreisevorbereitungen gegeben. Da ist noch eine Menge zu tun und wie schon bei unserer Ankunft, hilft man uns auch bei der Abreise von der Arbeit aus sehr viel. Das reicht dann von so Dingen wie Wohnungsaufloesung, Bankangelegenheiten bis hin zur Organisation des Ruecktransports unserer Sachen. Das ist halt die schöne Seite an der Arbeit hier, dass sich auch um vieles gekümmert wird, was über das reine Arbeitsverhältnis hinausgeht. Unsere Ankunft in Deutschland wird da wohl ganz anders ablaufen.

Keine 3 Monate mehr und immer noch soviel zu tun, soviel zu sehen und neu zu entdecken. Aber was soll man machen, einmal muss es eh ein Ende haben...

06. Juni 06

Agressive Zeuginnen

von Gunda

Eben waren zwei ältere Damen von den Zeugen Jehovas vor der Tür, die es ernsthaft gebracht haben, unsere Wohnungstür einfach festzuhalten, sodaß ich sie nicht zumachen konnte, nachdem ich erklärt habe, daß ich nicht interessiert bin. Ganz alttestamentarisch habe ich Gleiches mit Gleichem vergolten und ihnen die Tür mit Gewalt aus der Hand befreit, während sie absurderweise immernoch sanft vor sich hin säuselten...

17. März 06

Wenn der Gasmann keinmal klingelt

von Gunda

Vor ein paar Tagen hatten wir wieder so einen für uns unverständlichen Zettel im Briefkasten. Thomas zeigt sowas, soweit es keine Werbung ist, immer dem Sekretär bei der Arbeit. Der ruft dann jedesmal sofort bei der Firma an und fragt nach Details. So auch diesmal. Herr Umezawa sollte um 9h kommen, und wir sollten ihn fragen, ob er auch wirklich Herr Umezawa ist. (Hab ich nicht gemacht; das war mir irgendwie komisch. Aber für Deutschland finde ich das eine gute Idee.)
Klingeln mußte der Herr dann heute morgen gar nicht, denn er kam mit seinem Moped gerade angeknattert, als Thomas das Haus verließ und ich zum Winken auf dem Balkon stand. Da wir die einzigen Ausländer weit und breit sind, konnte er mich gar nicht verfehlen und grüßte mich schon von unten.
Erst hat er draußen am Gaszähler was geguckt und gemessen, ob alles dicht ist, dann kam er rein. (Ich finde es immernoch toll, daß alle Handwerker hier automatisch beim Betreten der Wohnung die Schuhe ausziehen.) Bestimmt bekommt der nicht oft Wohnungen von Ausländern von innen zu sehen; jedenfalls hat er sich (natürlich versteckt und sehr dezent) interessiert umgeguckt. In der Hand hatte er etwas, das ich zuerst für ein Funkgerät hielt. Es knackte und summte auch. Aber als er mit der "Antenne" an unserem Gasanschluß am Herd entlangfuhr, machte diese Vermutung keinen Sinn mehr. Also war es wohl doch ein Meßgerät... Mit dem ist er sörgfältig alles abgegangen. Dann mußte ich einen Zettel unterschreiben. (Thomas hatte mir sein Hanko, seinen Unterschriftstempel, dummerweise nicht dagelassen.) Ich bekam noch eine Art Auftragsbestätigung und ein (siebensprachiges!) Heft mit Sicherheitshinweisen. Jetzt bin ich voll im Bilde, und mit unserem Gas ist auch alles in Ordnung.
"Everything o.k.," versicherte mir der Gasmann sehr sympathisch, wobei er eine Reihe grauer Zähne entblößte.

15. März 06

White Day

von GundaCimg1784_small

... war gestern, und Thomas hatte in diesem Jahr den Ehrgeiz, mir etwas "Typisches" zu schenken, also etwas, wo im Kaufhaus auch "White Day" dranstand. Abends kam er dann bepackt nach Hause. Die "Sakura"-Kekse und Tante Stellas Cookies sind schon anprobiert worden, der Teddy hat es sich neben dem anderen Teddy gemütlich gemacht und das Erdbeer-Badezeug wird heute abend ausprobiert.

Dankeschön nochmal, mein Liebster!!!

11. März 06

Narnia

von Thomas

200603111714_1
Narnia ist mal wieder so ein Fall gewesen, bei dem man in Japan erst zum Zuge kommt, wenn der Rest der Welt den Film schon wieder vergessen hat... Na wenigstens kann ich es diesmal etwas verstehen: Im Gegensatz zu den sonst üblichen Gepflogenheiten wurde Narnia synchronisiert. Das dauert dann wohl eine Weile (obwohl sich das in Deutschland zumindest bei den Blockbustern sehr verändert hat und die Filme nur noch selten mit Verzögerung ins Kino kommen.

Der Film selbst war ganz nett, nicht so spektakulär wie 'Herr der Ringe', ein bischen kindgerechter (Walt Disney halt). Wir wurden ganz gut unterhalten.

Hinterher wollten wir eigentlich sofort los sprinten, um noch den letzten Bus Richtung Arakawaoki zu erwischen, als Gunda den Shuttle-Bus vom Kino Richtung Arakawoki/Tsukuba entdeckt hat. Wir dachten bisher, dass der nur zwei- oder dreimal am Tag fährt und wir ihn daher meist sowieso nicht nehmen können, so dass wir uns nicht näher dafür interessiert haben. Aber zumindest für die Rückfahrt nach Arakawaoki können wir ihn wohl doch öfter mal nehmen.

Ein bischen skurril war die Sache dann aber auch. Der Bus stand einsam und verlassen am Straßenrand, kein Busfahrer in der Nähe. Gunda hat dann den Parkplatz-Winke-Onkel gefragt, ob das der Bus nach Arakawaoki ist. Der hat dann irgendwas zustimmendes gemurmelt, die Tür vom Bus aufgemacht und uns einsteigen lassen. Die Tür hat er dann wieder zu gemacht und ist wieder Winken gegangen. Da saßen wir dann eine gute Viertelstunde alleine, in einem dunklen Kleinbus und warteten. Dann kamen kurz hintereinander noch zwei ältere Damen, machten einfach die Tür auf und stiegen ein. 10 Minuten vor Abfahrt kam dann auch mal der Busfahrer vorbei, startete erstmal den Motor und verschwand dann wieder. Wenn der Sprit halt wenig kostet, kann man den Motor halt auch mal 10 Minuten für nix und wieder nix laufen lassen, wie man hier jeden Tag immer wieder beobachten kann (dafür darf man jetzt privat nichts mehr verbrennen, wegen der CO2-Werte...). Die Fahrt selber war dann recht 'rasant', der Fahrstil recht 'rustikal', aber wir sind heil angekommen und das war in dem Fall das wichtigste :)

07. März 06

Für andere gar nicht neu

von Gunda

... ist offenbar meine Erkenntnis von neulich gewesen.
Die Japanologin Irmela Hijiya-Kirschnereit nennt das in ihrem Buch ("Das Ende der Exotik") die "Japanische Selbstexotisierung". Wer etwas kompliziertere Sprache nicht scheut, sollte das unbedingt lesen. Ich glaube und hoffe, daß das Buch dann die Sicht auf Japan verändert.

05. März 06

Kairakuen

von Thomas

Heute war Akapu zum Mittagessen bei uns und Gunda hat ein "typisch deutsches " Gericht gekocht, Linsensuppe! Allerdings nicht als schweren deutschen Eintopf, sondern die italienische Variante mit Tomaten, Zwiebeln und Ingwer. Als Nachtisch gab's dann noch Erdbeeren (nicht vergessen, in Japan ist im Winter Erdbeerzeit...) mit Vanielliesosse und ein japanische Spezialität, die Akapu mitgebracht hat: Mit Asche versetzter Klebreis, der in Bambusblaetetern gekocht wurde. Dazu Sojapulver mit Zucker. Nun ja, es schmeckte besser als es aussah ;)

200603051645_1Danach hat Akapu noch eine kleine improvisierte Teezeremonie im sehr freien Stil für uns gemacht und dann sind wir kurzentschlossen mit ihr zusammen nach Mito gefahren, zum Kairakuen, Japans berühmtesten Pflaumenpark. Da waren wir schon im letzten Jahr mit ihr. Damals waren die Pflaumenbäume allerdings schon voll erblüht, während in dieses Jahr lediglich eine handvoll Baeume mit Blueten bedeckt war. Für ein paar schöne Bilder reichte es allerdings allemal, das Wetter war gut, der Park nicht zu überlaufen und so war's letztlich ein schöner Abschluss des Tages.

Jetzt auch noch Fußmatten!

von Thomas

200603051111_1 Ein Teil der Straße von unserem Haus Richtung Bahnhof ist nicht asphaltiert und besteht  quasi nur aus einer Ansammlung von Schlaglöchern, die sich nach den hier üblichen heftigen Regengüssen immer in kleine Seen verwandeln, um die wir dann mühsam herum navigieren müssen. Ein Teil der Schlaglöcher ist mit Asphaltklecksen ausgefüllt (auch Stolperfallen genannt), ein anderer Teil mit alten Teppichen! Um den Schlaglöchern nun besser Herr zu werden, wurden zu den Teppichen jetzt auch noch alte Fußmatten in die Löcher gelegt! Ob man nicht doch mal die Straße einfach richtig asphaltieren sollte???

03. März 06

Jetzt schneit's auch noch...

von Thomas

Erst fiel heute Nachmittag im Institut mit einem lauten Knall der Strom aus, was bei mir fast einen Herzstillstand verursachte, und jetzt schneit es auch noch...
Dabei wurde es in den letzten Tagen doch eigentlich immer wärmer. Zwar hat es ein paar mal geregnet in dieser Woche, aber heute Mittag war es warm und sonnig, man konnte fast ohne Jacke in die Cafeteria gehen. Und jetzt Schnee! Allerdings hatte Matsuura-san mir erst letztens erzählt, dass die Zeit jetzt, vor allem aber der Februar für plötzliche Wetterwechsel berüchtigt ist, in etwa wohl wie bei uns der April. Scheint  zu stimmen...

01. März 06

Was vom Jahre übrigblieb

von Gunda

Das habe ich neulich Yoshi geschrieben:

"(...) Ansonsten habe ich den Gedanken an ein Praktikum oder einen richtigen Job aufgegeben. Lohnt sich wahrscheinlich kaum noch. Vielleicht kann ich noch mehr Privatschüler an Land ziehen. Ein bischen rumreisen wollten wir noch. Wenns geht auch mal nach Korea und / oder China. Im September packen wir zusammen und verlassen Ende des Monats Japan. Dann fängt wieder ein neuer Abschnitt an.
Eigentlich alles nichts Besonderes. Vielleicht entwickelt sich ja noch was.
Im Moment habe ich einen ziemlichen Sammeltrieb entwickelt, weil ich so vieles gerne aus Japan mitnehmen möchte. - Der Antiquitätenladen in der Umgebung hat auch was davon..."
Und eine Mail später:
"Ein bischen bekomme ich jetzt Panik, wenn ich an unsere Rückkehr denke. Ich ärgere mich, daß ich so vieles nicht geschafft habe, was ich mir für Japan vorgenommen habe: Kein Praktikum, kein anständiges Japanisch, für meine Begriffe nicht genug neue Kontakte, wir waren noch nicht in China und auch nicht in Korea, ich kann zu wenig Kalligraphie und habe immernoch kein bischen Teezeremonie gelernt... Außerdem habe ich das Gefühl, Japan "einsammeln" zu müssen, um möglichst viel davon mit nach Deutschland nehmen zu können. Abgesehen davon fange ich gerade erst an, mich auch wirklich an Japan zu gewöhnen und diese Daueranspannung zu verlieren. Aber für vieles ist es jetzt einfach zu spät, und das frustriert mich. Andererseits freue ich mich auch auf Deutschland, obwohl die Anfangszeit bestimmt ziemlich hart werden wird. Als wir aus Deutschland hierhergekommen sind, war der Abschied nicht ganz so schlimm, weil wir ja zurückkommen würden; aber von einem Leben in Japan werden wir uns hier wohl endgültig verabschieden, und das ist schon auch schmerzhaft."

Ja, Japan wird für uns immer zum Leben dazugehören, und letztlich werde ich wohl immer Sehnsucht nach dem Land entwickeln, in dem ich gerade nicht bin. Aber damit werde ich leben können. Es erwartet uns ja auch viel Spannendes in Deutschland.
Manchmal denke ich, ich wollte vielleicht einfach zu viel in die zwei Jahre reinpacken und habe deshalb zum Schluß weniger geschafft, als möglich gewesen wäre. Aber Thomas hat schon Recht: Das schönste Geschenk, das wir uns hier gemacht haben, ist, daß wir einen guten Alltag hinbekommen haben. So ein Auslandsaufenthalt stellt auch die Beziehung sehr auf den Prüfstand, was wir allerdings gar nicht so sehr gemerkt haben. Ich kann nur im Vergleich mit anderen sagen, daß wir alles unglaublich gut hinbekommen haben. Jetzt erschüttert uns so schnell nichts mehr.

25. Februar 06

Japanische Handys

von Thomas

Japanische Handys sind schon toll, Kameras sind seit Jahren Standard, Internetzugang kein Problem, große, hochauflösende und schön bunte Bildschirmen und neuerdings auch noch Geräte mit 1 Gigabyte und mehr Speicherplatz, die man dann auch locker als mp3-Spieler benutzen kann. Und das Ganze ist auch noch im Vergleich zu Deutschland spottbillig zu haben. Einziger Wermutstropfen ist eigentlich nur das schwache Sendenetz. Oft haben wir keinen Empfang, in unsere Wohnung gibt es z.B. nur sehr wenige Stellen, in denen wir vernünftig telefonieren können. Aber ok, damit kann man leben und bekommt dafür etwas, was in Deutschland noch total nobel ist, hier als AuslaufmodellCimg1317_small hinterhergeworfen (Für unsere Handys hatten wir damals nur symbolisch einen Yen bezahlt...). Entsprechend oft und billig wechselt man hier wohl das Modell, um immer schön auf dem neuesten Stand zu sein.

Aber das hat auch einen Hacken, die Dinger scheinen nicht für eine längere Benutzung ausgelegt zu sein... Meines machte im letzten Oktober schlapp, das Mikro verabschiedete sich langsam, bis es schließlich gar nicht mehr funktionierte. Cimg1318_small Und nun passierte mit Gundas Handy genau dasselbe. Erst sporadische Aussetzer und inzwischen fast ein Totalausfall. Heute sind wir dann in Mito in einen DoCoMo-Shop gegangen, um ein neues Handy für Gunda zu kaufen, denn die Garantie ist ja inzwischen abgelaufen. Aber Japan ist halt ein Serviceland: Nach der üblichen Dreiecksverhandlung mit der Verkäufern im Laden und einer Englisch sprechenden Dame am Telefon bekamen wirCimg1319_small kostenlos ein neues Gerät! Da kann man nicht meckern, oder? Einzig das Gunda etwas traurig ist, ihr altes Handy abgeben zu müssen, was hier leider üblich zu sein scheint. 

Gundas neue Schuhe

von Thomas

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24. Februar 06

Hina Matsuri

von GundaCimg1309_small

Cimg1295_smallHeute stand bei Kalligraphie alles im Zeichen des Hina Matsuri, des Mädchenfestes, das jährlich am 3.3. stattfindet und gefühlsmäßig auch ein bischen für die Japaner den Frühling einläutet. Dazu werden für die Mädchen Puppen nach einem bestimmten Schema aufgestellt. Die Mädchen dürfen an diesem Tag ein Schlückchen süßen Sake trinken und bekommen Süßigkeiten. Auch für die Mütter ist es ein Tag zum Treffen. Man trinkt Sake und wünscht sich für das Heranwachsen der Mädchen alles Gute.
Da man ja immer gerne Dinge mit etwas Bekanntem vergleicht, beeilten wir uns, derCimg1306_smallCimg1297_small Schon alleine, weil die deutschen Saufgelage doch um einiges härter sind, als das nette Beisammensein mit einem Cimg1303_smallSchlückchen Sake... Kalligraphielehrerin den Vergleich zur fast zeitgleichen Weiberfastnacht auszureden. -

Später habe ich mich dann noch mit meiner Bekannten aus dem Fitnesstudio getroffen, die vor ewigen Zeiten mal gleichzeitig mit mir auf dem selben internationalen Zeltlager in Österreich war. Es hat von 1991 bis 2005 gebraucht, bis wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Ich hatte nur ihr T-shirt als zu dem Zeltlager gehörig erkannt.

Es war ein lustiger Abend in einem netten Café. Fortsetzung wird bestimmt folgen...

20. Februar 06

Jetzt auch wieder "Ume no hana"

von Thomas

200602200931Mit reichlich Verspätung fangen jetzt die Pflaumenbäume langsam an zu blühen. Gestern hatten wir in Tokyo schon einige gesehen, heute hab ich auch in Tsukuba welche entdeckt. An gleicher Stelle hatte ich allerdings im letzten Jahr ein entsprechendes Bild schon Anfang Januar aufgenommen. Dieses Jahr meldet sich der Frühling nur sehr zögerlich zurück.

18. Februar 06

Heute mal Tsukuba Express

von Thomas

200602181532_1 Der Tsukuba Express (oder kurz TX) ist Tsukubas ganzer Stolz, der Hoffnungstraeger für das weitere erfolgreiche Wachstum der Stadt. Und wir zwei Trödel brauchen ein halbes Jahr, um ihn mal auszuprobieren...

Aber jetzt haben wir es ja doch mal hingekriegt. Und es ist schon eine feine Sache, der Zug fährt viel ruhiger und schneller als die Joban-Line, die wir normalerweise benutzten. Praktisch nützt uns das aber gar nichts. Wir wohnen in Arakawaoki fast am Bahnhof, haben die Joban-Line also quasi vor unsere Haustür. Wollen wir den TX nutzten, müssen wir ebenfalls erst zum Arakawaoki-eki, dort den Bus nehmen, der etwa 25 Minuten bis Tsukuba Center braucht und nehmen dann dort den TX, der etwa 15 Minuten schneller in Tokyo ist, als die Joban-Line. Nicht gerade effizient. Außerdem teurer... Das Bus-Ticket nach Tsukuba kostet pro Person 440 Yen Ein Ticket für eine Fahrt mit dem TX nach Tokyo kostet 1150 Yen. Macht zusammen ueber 3000 Yen  für Hin- und Rückfahrt. Und dann sind wir erst in Tokyo und müssen mit S- oder U-Bahn weiter. Nehmen wir die Joban-Line, können wir ein Tagesticket nehmen. Das kostet etwa 2300 Yen und wir können es auch noch auf der Yamanote-Line in Tokyo benutzen, was meistens völlig ausreichend ist.

200602181633Für uns ist die Fahrt mit dem TX also nur ein Spaß, den wir uns jetzt mal erlaubt haben, für Tsukuba ist der Zug allerdings ein Schritt nach vorne. Das sieht man sofort, wenn man während der Fahrt aus dem Fenster schaut. Es gibt innerhalb des Stadtgebiets von Tsukuba noch weitere Bahnhöfe, die momentan noch mehr oder weniger im Nichts stehen. Aber das wird sich bald ändern. Große Flächen rund um die Bahnhöfe sind schon planiert und in Parzellen eingeteilt, Straßen sind oder werden noch gebaut. Ein großes neues Einkaufscenter ist im Entstehen, usw.

Tsukuba ist eine künstliche Stadt, vor 40 Jahren erdacht als Entlastung für Tokyo auf dem Gebiet Wissenschaft und Technologie. Von der Einwohnerzahl her ist noch eine sehr kleine Stadt, gerade mal über 200000 Einwohner zaehtl Tsukuba, aber von der Fläche her ist es riesig, fast so groß wie München. Entsprechend viel Platz gibt, der noch ungenutzt ist. Aber das wird sich immer schneller ändern, mehr Wohnraum wird geschaffen, die Innenstadt wird attraktiver gemacht, neue Institute kommen in die Stadt und dann gibts da noch den TX, der fuer die nötige schnelle Anbindung nach Tokyo sorgt und so machen den Schritt hin nach Tsukuba vielleicht etwas erleichtert. Denn der typische Tokyoter schaut immer etwas abfaellig auf Tsukuba herab. Klar, wenn man aus einer der groessten Staedte der Welt kommt, ist alles andere natuerlich ein Nest... Aber wenn dieses Nest nun etwas naeher an die Weltstadt rueckt, kann man ja vielleicht doch hinziehen und die Vorteile nutzten. Und die gibt es, allen voran merklich sauberere Luft und weniger Hektik, und das ist gar nicht so wenig...

14. Februar 06

St. Valentin in Japan

von Thomas

Wieder mal jährte sich heute einer der typisch japanischen Festtage, der Valentinstag. Ja, der heilige Valentin schien auch in Japan gewirkt zu haben, jedenfalls benehmen sich die Japaner so. Genauer gesagt, die weibliche Hälfte Japans beglückt die männliche Hälfte mit Schokolade und damit auch ganz sicher der Japaner was bekommt, der noch keine Allerliebste hat, verteilen für alle die Sekretärinnen bei der Arbeit Schokolade...

Kikuchi-san hat für ihre männlichen Kollegen leckere Schokotaefelchen mit Knusperwaffelfuellung gekauft und so waren die männlichen ERATO-Mitglieder gut versorgt. Und damit auch noch der allerletzte Typ was kriegt, verteilten die Kassiererinnen in der Cafeteria noch kleine Stückchen schweizer Schokolade.

Ich bin zum Glück auf solche Notgeschenke nicht angewiesen, hab ich doch meine Gunda, die mich heute wieder, wie schon im letzten Jahr, mit leckeren Schokoladengeschenken bedacht hat :) Knusperschokoeier, Luftschokolade, Nussschokoladenherzen und oben drauf noch "Double Chocolate Pudding"! Was dazu wohl die Waage sagen wird :( Naja, zum Ausgleich gabs ja dann noch ein Kettenpuzzel fürs Hirn :)

Wie auch immer, der Valentinstag ist auf jeden Fall eine der japanischen Traditionen, die wir unbedingt nach Deutschland importieren müssen. Das ist ganz in meinem Sinne!

13. Februar 06

Fotos, Rehe & Vegetarier

von Thomas

Letztes Jahr hatten wir nicht schlecht gestaunt, als uns jemand per e-mail fragte, ob er für einen Artikel in einer Zeitschrift ein paar von unseren Fotos haben könnte. Dabei ging es um die Bilder, die wir in Nara und auf Miyajima von den dort lebenden zahmen Rehen gemacht hatten und die Anfrage kam vom Herausgeber einer Zeitschrift für Vegetarier, der angeregt durch Berichte über die zahmen Rehe einen Artikel über Vegetarismus in Japan schreiben wollte. Wie wir nach Ortruns Besuch im letzten Oktober lebhaft  feststellen konnten, passt Vegetarismus und Japan eigentlich nicht so recht zusammen, aber das hat uns nicht weiter irritiert und wir haben zugesagt, ein paar Bilder zur Verfügung zu stellen. Bedingung war, dass unsere Namen und unsere Webseite erwähnt werden und das wir das fertige Produkt dann auch zugeschickt bekommen.

Cimg1178_medium Heute war es dann soweit, zwei aktuelle Ausgaben der Zeitschrift "Vegetarisch genießen" lagen im Briefkasten und darin unsere Reh-Fotos! Ich muss sagen, dass sieht schon toll aus, wenn man die Bilder so im Großformat auf Hochglanzpapier sieht. Hätte ich mir nie träumen lassen, sowas mal zu sehen... Vielen Dank dafür an den Herausgeber German Murer!

Cimg1179_medium Die Artikel zu den Bildern sind schon sehr interessant, dass Japan eigentlich ein traditionelles Land von tierliebenden Vegetariern ist, kann man sich offen gesagt nicht wirklich vorstellen. So wie Japaner oft mit Tieren umgehen, wird einem selbst als nicht im Tierschutz engagierten Menschen, oft ganz anders. Ein krasses Beispiel haben wir heute im Fernsehen gesehen: Lebende Aale oder Schlangen, die auf einem Rost über einem offenen Feuer gegrillt werden, bis sie von außen ganz verkohlt sind. Das Innere schien dann essbar zu sein. Na guten Appetit...

Nein, die Idee, Japan mit Vegetarismus in Verbindung zu bringen, käme mir wirklich nie in den Sinn und das Japaner auf einmal anfangen, nur noch vegetarisches Sushi zu essen, kann ich mir auch nicht vorstellen. Aber gut, wer weiß... Über die Veröffentlichung der Bilder freue ich mich jedenfalls schon sehr, wenn auch die Umstände schon etwas kurios sind. Na ja, vielleicht kommt ja nochmal jemand auf so eine Idee ;)

12. Februar 06

Live in concert

von Thomas

Endlich haben wir es heute mal hin bekommen, dass wir in ein Konzert gehen. Dabei wäre das so einfach, gibt es doch eine Konzerthalle in Tsukuba. Ok, Tsukuba ist nicht Tokyo, aber was solls, ich bin eh recht genügsam, da ich letztlich viel zu wenig Ahnung von Musik habe, um große Ansprüche zu stellen. Also warum nicht Tsukuba? Ich weiß auch nicht so recht, wir wollten schon oft, haben es dann aber immer wieder vertrödelt. Aber diesmal hat Gunda rechtzeitig Karten besorgt und nun waren wir heute da.

Das Konzerthaus, die "Nova Hall", ist eher zweckmäßig, denn schön, aber für eine Stadt wie Tsukuba eben ganz ok. Das Orchester stammte aus Litauen, der Dirigent auch, die Solistin stammte wohl aus China und spielte Cello. Das Programm bestand aus Kammermusik von Mozart, Boccherini, Rossini und Tschaikowsky, dann gabs noch einige Zugaben von Orchester und Cellistin. Ich zumindest war zufrieden, vor allem nach dem wir jetzt solange nicht mehr in einem Konzert waren.

Ein richtiger Renner war das Konzert aber nicht, nur etwa halb waren die Raenge besetzt. Dafür waren einige Bekannte da, die Eltern des Mädchens, das Gunda unterrichtet, sowie die Mutter von Mari, bei der wir erst letzte Woche zu Gast waren. Irgendwie ist das ganz schön, wenn so in der Fremde dann doch auf Bekannte trifft. Vor allem Gunda sorgt ja durch ihren Unterricht dafür, dass man doch mehr und mehr Leute kennenlernt. Fühlt an sich doch gleich wieder etwas mehr hier zu Hause.

Insgesamt wars also ein netter Nachmittag und ich hoffe, wir kriegen das hin, nochmal ins Konzert zu gehen. Einmal möchte ich auch noch nach Tokyo ins Konzert. Wann kann man das dann später noch einmal einfach so machen...


11. Februar 06

Spielerei

von Gunda
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Heute haben wir ihn spontan und für ca. 30 EUR erworben: Unseren neuen DVD-Player. (Der am Laptop zeigte einige Ausfallerscheinungen. Außerdem ist es deutlich besser, Filme bequem auf dem Fernseher zu gucken.)
Und was das Tollste ist: Man kann ihn von NTSC (japanisches Systen) auf PAL (europäisches System) umstellen. Wir brauchen also nur einen kleinen Trafo, und schon kann das schnucklig kleine Gerät mit nach Deutschland. (Japan und Deutschland gehören auch zu der gleichen Code-Zone, sodaß deutsch codierte DVDs auch kein Problem sein werden.)
Thomas hat es sogar geschafft, mit Hilfe der japanischen Bedienungsanleitung schon alles auszutüfteln und das Menü auf Englisch umzustellen.
Ein paar billig-DVDs sind uns auch gleich noch "zugeflogen".
Jetzt können wir auch endlich die selbstgemachten DVDs von Niedermeyers aus Greifswald bestaunen. Ortruns Japan-Fotos haben wir auch schon auf dem Fernseher bewundert.

Wir sind gespannt, was da noch kommt...
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06. Februar 06

Es ist zu kalt!

von Thomas

Es ist eindeutig zu kalt im Moment, jedenfalls im Vergleich zum Vorjahr. Und wir bilden uns das nicht nur ein. Ich hatte gerade nochmal nachgeschaut, letztes Jahr hab ich in dem kleinen Park in der Nähe vom AIST schon am 7. Januar ein Bild von Pflaumenblueten gemacht und hier geschrieben, der Frühling naht. Und was ist jetzt? Es ist der 6. Februar und außer geschlossenen Knospen nix.

Heute hat es sogar schon wieder etwas geschneit, wenn's auch nicht liegen blieb. Morgen soll es allerdings wenigstens am Tage dann deutlich wärmer werden, jedenfalls laut Wetterbericht in der 'Japan Times'.

Was allerdings im letzten Jahr anders war, war der Zeitpunkt, als wir hier Schnee hatten. Das war nämlich damals erst Ende Februar bzw. Anfang März gewesen. Vielleicht ist es dieses Jahr ja wieder der Fall. Es wäre jedenfalls sehr schön, denn Anfang März wollten wir nochmal ein Wochenende im Schnee verbringen. Eventuell in Nagano. Hoffentlich wird das was...

04. Februar 06

Bei Mari

von Thomas

Cimg1166_mediumHeute Abend waren wir bei Mari, einer von Gundas Deutschschülerinnen, eigeladen. Sie lebt noch bei ihren Eltern in Ushiku und so war die Bude ziemlich voll: Maris Freund, ihr Bruder und ihre Schwester sowie ihre Eltern. Ein richtig netter Abend mit japanischer Hausmannskost und lustiger Unterhaltung, denn Mari spricht sehr gut Deutsch und der Rest der Familie prima Englisch, nur Maris Freund sprach einzig Japanisch, was aber angesichts der vielen potentiellen Dolmetscher kein Problem war und ab und zu konnten wir sogar ein paar Brocken Japanisch anbringen und Gunda die Leutchen damit verblüffen, dass sie mitbekam, was den da auf Japanisch "hinter unserem Rücken" erzählt wurde.

Nochmal Sudoku

von Thomas

Cimg1167_mediumEs ist ja ein bekanntes Phänomen, dass man, wenn man erstmal auf eine Sache aufmerksam wurde, sie plötzlich überall zu sehen glaubt und sich gleichzeitig ganz sicher ist, dass es vorher nicht so war. So geht's mir gerade mit Sudoku...

Hat ich noch letztens gelästert, wie wenig Sudoku Sachen es hier gibt und man quasi mit der Lupe suchen muss, um was zu finden, haben wir dann bei Toys'r'us heute ein ganzes Regal mit Sudoku Spielzeug gesehen Und zwar alles mögliche, vom Brettspiel bis zum elektronischen Sudoko-Spiel für unterwegs, inkl. Wettbewerb mit 10000 Euro Hauptgewinn.

So kann's gehen :(

03. Februar 06

Durchgeschüttelt

von Thomas

Rekord verdächtige siebenmal hat, nach Auskunft des japanischen Wetteramtes jedenfalls, heute kurz nach dem Mittagessen innerhalb von anderthalb Stunden die Erde heute gebebt. Davon waren drei Erdstöße im Vergleich zu bisherigen Beben sehr deutlich zu spüren. Für mich war es zumindest so, Gunda dagegen, die gerade unterwegs war, hat dagegen fast gar nichts gespürt. Anscheinend schwingt unser Institutsgebäude gut mit...

Die Epizentren lagen jeweils vor der Küste Ibarakis (zur gleichen Zeit gab es zufällig(?) noch ein weiteres Beben auf Okinawa) und die Stärke erreichte nirgendwo einen Wert von mehr als 3 auf der japanischen Skala, es war also nicht so schlimm, wenn man nur diesen Wert betrachtet. Als es aber fast im Viertelstundentakt immer wieder an fing zu wackeln, war mir doch ein wenig mulmig, was schon lange nicht mehr vorgekommen ist, da man sich ja doch an die ständigen Beben gewöhnt hat.  Und immer hin war es so stark, dass wir aufgefordert wurden ins Labor zu gehen, um nach dem Rechten zu sehen. Ist bisher eigentlich nur einmal vorgekommen, als einmal das Epizentrum in der direkten Umgebung von Tsukuba lag.

Fast könnte man ja sagen, es wird auch mal wieder Zeit für was größeres. Bisher gab es etwa jedes halbe Jahr ein starkes Beben mit größeren Schäden irgendwo, jedoch in letzter Zeit war es schon fast auffallend ruhig. Hoffentlich bleibt es dabei, Beben wie heute reichen mir eigentlich...

02. Februar 06

Affected by angels

von Gunda

"Hello, my name is ... I like speaking to foreigners." Na klasse! Aber das passiert halt hier manchmal. Ein routinierter Blick in ihre offene Tasche und ich weiß bescheid: Eine Zeugin Jehovas. Wundert mich auch nicht mehr. Da bin ich schon zweimal von jungen Japanerinnen angesprochen worden. "Many people are affected by angels," erklärt sie mir im Laufen und zeigt mir die englische Ausgabe des altvertrauten "Wachtturm". Genauso kitschig aufgemacht, wie in Deutschland. Ich überlege kurz, ob ich das Magazin der netten Frau oder der Engel willen nehmen soll, lehne dann aber dankend ab. In Japan geht das irgendwie besser. Die sitzen dann nicht drei Sekunden später bei einem im Wohnzimmer oder laufen einem seine Einkaufstour lang hinterher.

30. Januar 06

Karakuri ningyo, Sudoku und Schweinenasen

von Thomas

200601301629Samstag waren wir beide nicht so ganz fit, Erkältung und Gunda hatte dazu noch Migräne, also blieben wir zu Hause und ich konnte mich endlich mal in Ruhe meinem Weihnachtsgeschenk von Gunda widmen. Eine "Karakuri ningyo", eine mechanische Puppe, die Tee serviert, hatte sie mir geschenkt. Allerdings nicht die fertige Puppe, sondern einen Bausatz, mit dutzenden von Einzelteilen und einer wunderbaren japanischen Anleitung. Da diese aber auch gut bebildert ist, kam ich recht schnell voran und nach ein paar Stunden war der "antike" Roboter, der vielleicht die Grundlage für die Roboter-Begeisterung der heutigen Japaner ist, fertig. D.h. nicht ganz fertig, nur das Skelett. Da noch ein bisschen Feintuning nötig ist, muss ich ihn  demnächst  noch ankleiden, was sicher auch nochmal nicht so einfach wird...

Danach gabs noch eine Bastelei ganz andere Art, nämlich die Premiere für das Waffeleisen, dass wir von Roland letzte Woche bekommen haben. Der erste versuch ging prompt schief. Die Waffeln klebten dermaßen fest am Eisen, dass man sei nur noch abkratzen konnte. beim zweiten Versuch hab ich das Eisen dann erstmal in Öl getränkt. Das half, allerdings waren die Waffeln dann doch etwas fettig... Nun gut, die erste Ladung Öl reichte, danach gings dann auch so und die letzten Waffeln waren dann auch ok. Beim naechstenmal muss ich nur die Butter für den Teig vorher schmelzen, denn unser nur mit halber Kraft laufender deutscher Kuechemixer wurde mit der Butter nicht fertig und der Teig war am Ende voller Butterkluempchen. Wie auch immer, beim zweiten mal wird bestimmt alles besser...

Am Sonntag stand dann ein Trip nach Tokyo auf dem Programm. Wir wollten uns mit Takuya, meinem Kollegen aus Berlin, der seit Anfang des Jahres wieder in Tokyo ist, treffen. Gunda hat dann noch unsere Freundin Akapu eingeladen und wir sind dann zu viert in ein Okinawa-Restaurant, das Takuya ausgesucht hatte gegangen. Die beiden haben dann für uns was ausgesucht. Eine möglichst breite Palette an typischen Okinawa-Gerichten. Es war schon sehr typisch... Am harmlosesten waren noch die Algen, die mit kleinen, mit Meerwasser gefüllten Bläschen übersät waren und ein typisches Okinawa-Gemüse, das in etwa wie grüne Paprika schmeckte. Aber der absolute Höhepunkt waren dann die in dünne Scheiben geschnittenen Schweineohren und die Nudelsuppe mit der gekochten Schweinenase als Fleischeinlage! Und da fragen die beiden uns doch glatt, ob wir etwa kein Schweinefleisch mögen würden... Mal abgesehen davon, dass ich das ziemlich eklig fand, sah man schon so, dass die Fleishbeilage mehr Knorpel, als aus Fleisch bestand. Was hätte man da auch essen sollen...

Aber ansonsten war das Essen sehr gut, es gab noch einige andere Sachen mit Fisch, Gemüse und "richtigem" Fleisch und das schmeckte uns alles. Die Ankündigung von Takuya, dass das Essen ganz anders als typisch japanisches Essen sein würde, traf jedenfalls zu, keine Frage.

Eine ganz andere Frage, die mich seit Ortruns Besuch im letzten Herbst umtreibt, hat sich gestern dann auch noch für mich gelöst, das Sudoko-Rätsel. Bevor Ortrun davon erzählte, hatte ich von diesem "typisch japanischen Rätsel" noch nie was gehört. Ich hab dann immer schön die Augen aufgehalten, um was zu finden, aber nix, Fehlanzeige, Sudoku schien es in Japan nicht zu geben. Dagegen ist es ja in den USA und in Deutschland ein richtiger Boom. In beiden Ländern sieht man überall Sudoku-Bücher, Brett- oder Computerspiele, Internetseiten, Kalender und viele Zeitungen und Zeitschriften schmuecken sich mit einem Sudoku. Und in Japan nix...

Nein, das ist nun nicht ganz richtig, es gibt Sudokus auch in Japan, man muss nur suchen. Mit Takuya waren wir im Yaesu-Book-Center, einem der größten Buchlaeden in Tokyo, mit 9 Verkaufsetagen, davon eine für fremdsprachige Bücher und Zeitschriften. Ich hab dann Takuya mal gebeten, nach (japanischen) Sudoku-Büchern zu fragen. Bei der Bitte stutzte er nicht, was mir als ein gutes Zeichen erschien, aber vielleicht hatte er ja auch von Sudokus in Deutschland gehört... Jedenfalls zeigte uns der Verkäufer sofort ein paar Sudoku-Bücher. Importware aus den USA... Ha, ich wusste es doch, es gibt kein Sudoku in Japan! Nein, nein, es gibt doch japanische Sudokus. Nochmaliges nachhacken beim Verkäufern und ein Blick in das Bestandsregister ergab, dass es auch japanische Sudoku-Bücher gibt. Es gab sie, ein paar dünne Büchlein, die irgendwo zwischen hundertern von anderen Rätsel- und Spielebuechern standen, in keinsterweise besonders hervorgehoben, einfach so, wie alles andere auch.

Eines habe ich mir dann auch gekauft, als Andenken sozusagen. Takuya meinte dann noch, dass Sudokus vor etwa 10 Jahren mal ganz aktuell waren...

Und weil wir gerade da waren, haben wir uns noch einen Falk-Plan von Bonn gekauft (wenn es uns dort tatsächlich hinverschlaegt, wollen wir schon mal etwas vorsondieren). So ist das, es gab in dem Laden weit mehr Falkplaene von deutschen Städten, als japanische Sudoku-Bücher ;)

24. Januar 06

Dies und das und auch jenes...

von Thomas

So einen richtigen Knüller gab es nicht in den letzten Tagen (mal abgesehen davon, dass Gunda endlich wieder da ist...) und trotzdem sind ein paar vielleicht berichtenswerte Dinge passiert.

Als ich letzte Woche z.B. alleine beim Sport war, da fragte mich jemand, während ich mir die Schuhe anzog, ob ich wirklich jedesmal die Schnürsenkel beim ausziehen auf- und beim Anziehen wieder zumache. Ja klar, sag ich. Für Japaner ist das dagegen gar nicht so klar. Da man hier dauernd die Schuhe an- und ausziehen muss, schenken sich die Japaner die Sachen mit den Schnuersenkeln, sie bleiben einfach immer zu. Das geht natürlich nur, wenn die Schuhe entweder locker geschnürt, zu groß oder schon ziemlich ausgelatscht sind. Und genauso sehen japanische Schnuerschuhe auch aus. Manche machen es sich aber noch einfacher und treten einfach hinten die Hacke der Schuhe herunter, so dass sei direkt hineinschluepfen können. Es gibt zu diesem Zweck sogar vorgeknickte Schuhe zu kaufen! Auch bei Sandalen und eleganten Damenschuhen, die hinten nur ein Riemchen haben, macht man es sich möglichst einfach und macht diesen entweder gar nicht erst zu oder läuft auf ihm herum. Ich stell mir das unheimlich bequem vor :)

Samstag hatte Gunda dann wieder Unterricht bei ihrer japanischen Schülerin und ich bin mit nach Tsukuba gefahren. Mitten durchs beschriebene Schneegestöber. Es hatte noch bis weit in die Nacht geschneit und am anderen Morgen hatten wir dann mehr als 10 cm Schnee. Und selbst heute liegt an vielen Stellen noch Schnee bzw. Eis herum, denn zwar ist es tagsüber sehr sonnig, nachts dagegen sehr frostig. Und da in Japan die Straßen und Bürgersteige nur nach dem Zufallsprinzip geräumt werden (gestreut wird gar nichts, weder Salz, noch Kies oder Sand), haben sich viele Stellen in spiegelglatte Eisbahnen verwandelt.

Wie auch immer, am Samstagabend waren wir dann noch im Kino und haben uns "Flightplan" mit Jodie Foster angesehen. Der Film ist ganz ordentlich, ein moderner Thriller nach Hitchcock-Art. Meine Pointo-Cado vom Tsukuba-Kino macht sich durchaus bezahlt. Statt 1800 Yen, nur 1500 Yen pro Person. Das sind immerhin fast 17% Ersparnis, das lohnt sich doch, vor allem da man ja keine Gegenleistung zu erbringen hat.

Sonntag waren wir dann in Kashiwa bei Strohwitwer Roland, der nur noch die Tage zählt, bis auch er nach Schweden kann, nachdem Petra ja schon fast 2 Monate wieder dort ist. Ende Februar geht dann auch Roland zurück. Und Kollege Lee geht einige Tage eher, wie sich letzte Woche herausgestellt hat. Ab März bin ich dann der letzte verbliebene Ausländer bei ERATO hier in Tsukuba. Schon ein blödes Gefühl...

Roland jedenfalls muss nun zusehen, dass er allen überflüssigen Krempel los wird und da haben wir ihm geholfen und einen Wasserkocher und eine Waffeleisen abgestaubt. Ersteres ist eher was für Gunda, letzteres eher etwas für mich :)

Als wir in Kashiwa unterwegs waren, passierte etwas ganz merkwürdiges. Wir wurden von 3 Polizisten angehalten. Erst wussten wir gar nicht, was sie wollten. Hatten wir was falsch gemacht? Wir waren zuvor noch nie angehalten worden... Nach etwas hin und her, stellte sich heraus, dass die Polizisten uns warnen wollten, in eine bestimmte Straße zu gehen, wohl weil es dort gefährlich sei. Jedenfalls machte der eine Polizist immer reine Geste, die so aussah, als wenn man jemandem ein Messer in den Bauch rammt... Gangster in Kashiwa? Mord und Totschlag im Tokyoter Hinterland? Ich weiß nicht recht, wenn uns das im Amerika passiert wäre, hätte ich es sofort ernst genommen, aber in Japan? Aber wie auch immer, den Abend haben wir soviele Polizisten wie noch nie zuvor irgendwo in Japan gesehen. Teilweise standen sie nur rum, manchmal hielten sie Leute an, einmal rannte eine Gruppe an uns vorbei. Es war eines der merkwürdigsten Ereignisse hier in Japan, die wir bisher erlebt haben, da so völlig untypisch und daher unerwartet.

Was sonst noch? Vielleicht noch das: Heute Mittag habe ich Udon mit Mochis gegessen. War lecker! Das Ganze nennt sich dann "chikara udon", was soviel wie "Kraft-Nudeln" heißt. Nur zur Erklärung: Udon sind typisch japanische, dicke weiße Nudeln. Und Mochis bestehen aus Reis, der gekocht und zu einer klebrig-zähen Masse gestampft wird, die dann gekocht oder gegrillt wird. Meist ist man es zu Neujahr, was zu einer erhöhten Erstickungsrate bei älteren Japanern führt.

Ach ja, und auch die Süßkartoffel ist auch ein typisch japanisches Produkt, jedenfalls laut Matsuura-san, der mich heute fragte ob ich "japanese potato" kennen würde. Was laut Auskunft von Japanern so alles urjapanisch ist... :)

21. Januar 06

Schneegestoeber

von Thomas

Eigentlich war nur Schneeregen angesagt, doch in der Nacht begann es dann doch richtig an zu scheien. Seit Stunden fällt der Schnee in dicken Flocken vom Himmel und auf dem Boden liegt der Schnee schon mehr als 10cm hoch. Aber es ist zu warm, wenn es aufhört zu schneien, wird der Spuk bald verschwunden sein. Leider...

12. Januar 06

Ersatzlehrer die Zweite

von Thomas

Als Gunda im September schon einmal in Oyama war, durfte ich ja schon einmal den Ersatzlehrer in ihrem Konversationskurs spielen. Mir hatte das damals viel Spaß gemacht und deshalb freute ich mich durchaus darauf, sie heute wieder zu vertreten.

Weihnachten und Jahreswechsel in Deutschland und Japan standen auf dem Stundenplan. Ich habe dann erstmal von unseren diesjährigen Feiertagserlebnissen erzählt, dann kamen die Schüler dran. Die Antworten waren sehr interessant, einer verbrachte die Feiertage genauso, wie man es sich vorstellt, ein anderer dagegen stellte sich als totaler Feiertagsverweigerer heraus.

Für mich war das letztlich eine gute Gelegenheit, um an einige Insiderinfos zu bekommen. Was für Arten von Mochis gibt es, was unterscheidet sie von Dangos, was ist der Japaner sonst noch zum Jahreswechsel, was trinkt man, was zieht man an usw.

Einige Fragen blieben auch unbeantwortet, z.B. interessiert mich immer noch brennend, wie die Japaner darauf kommen, dass man zu Weihnachten eine Weihnachtstorte isst...

Überhaupt Weihnachten und Japaner... Ich fand es total süß, als der eine Vater erzählte, dass seine Kinder ja eigentlich nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben, aber sowohl die Kinder als auch die Eltern sich gegenseitig vorspielen, als glaubten sie noch daran. Die Absurdität der Tatsache, dass japanische Kinder überhaupt an den Weihnachtsmann glauben, ist dabei allerdings niemandem aufgefallen.

Etwas dumm stand ich da, als ich den Leuten immer wieder klarmachen musste, dass Silvester eigentlich nur eine große Party in Deutschland ist und der Neujahrstag eigentlich nur der Regeneration dient. Man sah ihnen förmlich an, wie bedauerlich und unglaublich sie es fanden, dass ihr großer Feiertag, in Deutschland nur eine so profane Rolle spielt...

Tja, ein positiver Abend, jedenfalls für mich. Allerdings dachte ich das beim erstenmal auch. Am Ende hätte Gunda aber fast ihren Job verloren, weil ich nicht ganz den Vorstellungen der Kursteilnehmer entsprochen hatte. Ich hoffe, ich habe aus meinen Fehlern gelernt und die Schüler waren diesmal zufriedener mit mir... Angemerkt habe ich ihnen jedenfalls weder damals noch heute irgendwas. Weder positiv, noch negativ. Aber das ist hier in Japan ja eigentlich normal...

09. Januar 06

Seijin no hi

von Thomas

Heute war mal wieder Feiertag in Japan. "Seijin no hi" oder auf Englisch "Coming of Age", der Tag, an dem die jungen Japaner das Erwachsenwerden feiern. Mit 20 Jahren ist in Japan offiziell erwachsen oder volljährig, wie man bei uns sagt. Entsprechend nehmen alle Jugendlichen, die in dem jeweiligen Jahr 20 Jahre alt werden, an der Zeremonie teil, die Mädchen im Kimonos, Jungs im Anzug, alles schön feierlich und ansehnlich...

So haben wir uns das jedenfalls gedacht und wollten es uns anschauen. Da Gunda am Nachmittag noch nach Oyama musste, konnten wir allerdings nicht nach Tokyo und wollten also irgendwo bei uns in der Nähe zuschauen. Matsuura-san empfahl uns nach Ami zu fahren. Zwischen 10 und 12 Uhr sollte dort im Rathaus alles über die Bühne gehen. Wir waren um halb elf da und außer uns nur noch ein alter Opa mit Moped. War ein toller Tipp!

Wir sind dann noch eine Weile mit dem Rad durch Ami geirrt, ohne Erfolg jedoch. Nicht einen Kimono haben wir gesehen... Erst als ich Gunda zum Bahnhof brachte, sahen wir ein paar Mädchen, die wohl von der Feier kamen. Tja, für uns war's nun zu spät. "Seijin no hi" fand ohne uns statt :(

04. Januar 06

Nachwehen

von Gunda

Schön, wieder in Japan zu sein.

Irgendwie kann ich unseren Urlaub nicht besser zusammenfassen, als ich das schon in der Rundmail an meine Freunde getan habe:

"Liebe Leute!

Wir haben das Merkwürdige vollbracht und sind von unserem Heimaturlaub in unsere Heimat zurückgekehrt. Zwölf Stunden Flug sind einfach zu kurz, um die Seele so schnell hinterherkommen zu lassen. So haben wir die ersten zwei Tage in Japan mit Gammeln verbracht, Thomas hat sich erstmal eine Erkältung erlaubt, und jetzt strecken wir so langsam wieder unsere Fühler aus.

In Deutschland zu sein war wie eine Kombination aus Vor- und Rückschritt. Eine Reise in eine Vergangenheit, die sich verändert hat. - Eine interessante Erfahrung, die ich nicht missen möchte.
Ich habe gemerkt, was mir in Japan fehlt, aber auch, was mir in Deutschland fehlt. Thomas hätte immer gerne eine Mischkultur, in der er leben kann. Vielleicht hat er mit diesem Bedürfnis ein bischen auch meines ausgesprochen. Ich bin froh, trotzdem gemerkt zu haben, daß ich wieder nach Deutschland zurück kann, daß es mir (im Gegensatz zu vielen "Auswanderern") nicht allzu fremd geworden ist.

Ein komisches Gefühl war es nur, manchmal wie ein exotischer Vogel aus einem anderen Land betrachtet zu werden. - Vertraut und trotzdem fremd... Da habe ich gemerkt, daß ich es wohl nicht immer geschafft habe, rüberzubringen, was an Japan liebens- und lebenswert ist.

Ein bischen war die Reise nach Deutschland aber auch ein Rückschritt, was meine Bindung an Japan angeht. Zu schnell war ich in der vertrauten Rolle, war ich einfach wieder Deutsche. Und wo ich vor der Fahrt das Gefühl hatte, jetzt geht unser Japanverständnis in die nächste Stufe über, habe ich jetzt den Eindruck, wieder ein
bischen weiter hinten anfangen zu müssen.
Aber für mich ist das nicht schlimm. Ich habe Deutschland, vorallem aber die Familie und die Freunde genossen und konnte etwas auftanken. Ich sehe unseren Heimaturlaub als Zäsur in unserem Japanaufenthalt, um nicht die Bodenhaftung zu verlieren und einiges hier neu anzupacken. Jetzt kann ich in Japan mit neuer Energie starten.
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Danke an alle, die uns unseren Aufenthalt so schön gemacht haben!!!

Ich wünsche Euch ein gesundes und glückliches neues Jahr!


Gunda   ;o)"

13. Dezember 05

"O-Miyage"

von Gunda

... benutzen die Japaner für Geschenke, Mitbringsel und Souvenirs.

Und das sagt schon einiges. Souvenirs bringt man z.B. selten für sich mit, sondern eher für andere. Innerhalb Japans bestehen diese zumeist aus regionalen Speisen. Ein besonders eingelegter Fisch, weiße Garnelen, ein besonderes Gebäck, Früchte usw. Auch aus anderen Ländern bringen die meisten Japaner gerne Landestypisches mit.
Wenn es eine Dienstreise war, bringt man den Kollegen eine regionale Süßigkeit mit, wenn es ein privater Urlaub war, bedenkt und beschenkt man einige Familienmitglieder. Wichtig: Es muß immer irgenwo draufstehen, daß es original und typisch ist und wo es herkommt. ;-)  (Und die Beschenkten sollten am besten auch wissen, daß man das da kaufen kann.) So kommen unter Umständen so interessante Situationen zustande wie z.B., daß Leute einfach an einem bestimmten Bahnhof aussteigen, da eine Landesspezialität (als Beweis sozusagen) kaufen und dann gleich wieder weiter oder nach Hause fahren. Deshalb gibt es in fast jedem Bahnhof noch vor dem Ausgang alles zu kaufen, was das Mitbringerherz begehren könnte. ... oder auf jedem Berg, an jedem berühmten Wasserfall usw.

Antrittsbesuche bei Chefs, zukünftigen Schwiegereltern und ähnlich zukunftsbeeinträchtigenden Persönlichkeiten werden natürlich auch immer von etwas wertvolleren Geschenken begleitet, die reihenweise von Kaufhäusern gleich für diese Verwendung vorgeschlagen werden.

Weil Obst nicht gerade billig ist, werden auch z.B. gerne Melonen o.ä. verschenkt. Manchmal werden Geschenke einfach ungeöffnet weiterverschenkt, weshalb immernoch die Geschichte von der "wandernden Melone" im Umlauf ist, die zum Schluß völlig vergammelt war und weggeschmissen wurde.
A propos "ungeöffnet": Geschenke werden nie in Anwesenheit des Schenkenden geöffnet. - Das schützt beide Seiten vor Enttäuschung, falls das Geschenk nicht gefallen sollte. (Beim Schenken muß man immer noch dazu sagen, daß es nur eine Kleinigkeit, häßlich und nichts wert ist. Und natürlich, was drin ist in der Verpackung.)

Aber im Prinzip muß man sich beim Schenken in Japan selten Sorgen machen. Es gibt überall Geschenkboxen nett verpackt mit vorallem Süßigkeiten zu kaufen. Normalerweise macht man sich in Japan bei einem Standard-Geschenk relativ selten Gedanken über die Individualtiät. Manchmal zählt, daß man überhaupt etwas mitgebracht hat, manchmal zählt der Preis oder die Marke der Geschenke.

Zum Valentinstag gibt es Schokolade für die Männer, am White Day Süßes für die Frauen.

Als ich einigen meiner Schüler erzählt habe, daß man in Deutschland normalerweise für jede zu beschenkende Person ein Geschenk individuell auswählt, das einen Bezug zum Beschenkten und / oder Schenkenden hat, waren sie ganz erstaunt. Ob das nicht sehr anstrengend sei, fragten sie mich. Ja, natürlich. Aber man bekommt im Laufe der Jahre ja auch irgendwie Übung darin.Cimg0656_small

Freitag fahren wir nach Deutschland und werden unseren größten Koffer mit Geschenken gefüllt durch das Land transportieren. Ein bischen komme ich mir vor, wie der Weihnachtsmann. Aber mir macht Schenken Spaß. Auch, wenn ich mir schon selber ein Paket zu meinen Eltern schicken mußte, weil nicht alles in den Koffer gepaßt hat.

Das originellste Geschenk, das ich hier in Japan bisher bekommen habe, waren zwei riesige Süßkartoffeln mit viel Erde dran. - Die hatte das Mädchen, dem ich Deutschunterricht gebe, selber zusammen mit ihrer Lehrerin auf deren Feld geerntet.

08. Dezember 05

Unser neuer Mitbewohner

von GundaCimg0635_small

... heisst "PEACE 851", hat die Größe einer Mikrowelle und wird uns hoffentlich, Mari sei Dank, in Zukunft leckere Kuchen, Plätzchen und Aufläufe bescheren. Man stellt das gute Stück auf die Flamme des Gasherdes. Der Innenraum kann dann bis 300°C heiß werden. D.h., wenn ich das Teil so sauber kriege, daß wir dabei nicht an einer Rauchvergiftung sterben. Aber auch damit würden wir unseren Frieden machen.
Peace, ey!
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06. Dezember 05

Nikolaus

von Thomas

Wenn's dieses Jahr schon sonst nicht besonders weihnachtlich zu geht, wenigstens der Nikolaus hat bei uns vorbei geschaut und uns ein paar Dinge gebracht...

Für Gunda gab's ein Buch mit dem vielsagenden Titel "The Big Bento Box of Unuseless Japanese Inventions" von Kenji Kawakami, den Begründer des Chindogu und der Chindogu-Society. Was ist denn das? Nun, wie der Name des Buches schon sagt, geht es bei Chindogu um Erfindungen, die nützlich-unnützlich sind, d.h. sie funktionieren und man könnte sie auch benutzen, aber sie sind nicht wirklich praktisch und man sieht selten dämlich aus, wenn man sie benutzt. Beispiele: Regenschirme für teure Stöckelschuhe, eine Brille mit Trichtern auf den Gläsern, um Augentropfen gezielt ins Auge zu befördern, oder Ohrenschützer mit eingebauten Zeitschaltuhren...

Und was gab's für mich: Ein Feuerwehrautomodell, das Geräusche macht, wenn man draufdrückt und eine stylische kleine Küchenwaage aus Kyoto :)

P.S.: Zu den Geräuschen des Autos: Zum einen imitiert es die typisch japanische Sirene, aber zum anderen, und das ist noch viel typischer, hört man die Ansagen, die Feuerwehr-, Kranken- oder Polizeiwagen während sie zum Einsatzort fahren von sich geben, wenn sie sich im japanischen Straßenverkehr den Weg frei kämpfen, denn ohne direkte Aufforderung denkt der typische japanische Autofahrer gar nicht daran, an die Seite zu fahren...

05. Dezember 05

Kein roter Faden...

von Gunda

...sondern ein schwarzer wurde mir dann heute aus dem Zahnfleisch geholt.
Interessanterweise mußte ich im Verlauf des Ziehens um eine Betäubung bitten. - War wohl nicht vorgesehen. Als ich dann die Fäden in ihrem rauhen Material da so liegen sah, konnte ich mir auch richtig gut vorstellen, warum das weh getan hat.
Na, jedenfalls scheint für den Arzt jetzt alles gegessen zu sein.
Bei mir meldet sich jetzt immer nachmittags die Stelle sehr stark. Aber alles in allem ist es schon um einiges besser als noch vor einer Woche.

Jetzt muß ich wohl nur noch durchhalten...

10. November 05

Weihnachten kommt!

von Gunda

200511101625_1...und Tsukuba rüstet sich jetzt schon an allen Ecken und Enden. Offenbar ist dieses Jahr ein Weihnachtsmarkt (oder so) geplant.

Geschichten aus dem Haushalt

von Gunda

Nur, weil gerade mal wieder die Waschmaschine vor sich hin rödelt und ich schonwieder meinen ganzen arbeitsfreien Vormittag mit Waschen verbracht habe, kommt jetzt hier der aktuelle Haushaltsbericht.

Ein Jahr Haushalt in Japan; da ist es Zeit für einen Abschluß- (bzw. Zwischen-) Bericht.

Setzt man mal deutsche Maßstäbe an die Haushaltsführung in Japan, wird man schnell feststellen, daß das ein viel aufwendigeres Unterfangen ist, als im Heimatland. Erstmal muß man sich natürlich daran gewöhnen, daß alles anders ist, muß erprobte Dinge neu ausprobieren, Wasch- und Putzmittel erforschen und probieren, sich an neue Gegenstände gewöhnen und sie mit alten kombinieren... Alles am Anfang nicht so einfach.

Da wäre erstmal die Waschmaschine: Japanische Beschriftung, Waschen mit kaltem Wasser, kein Waschmittelfach, Waschmittel mit Bleiche bis zum Abwinken.

Cimg0061_smallUnsere Lösung: Das Nötigste übersetzen lassen, längeren Schlauch kaufen und an den Badewasserhahn anschließen (nach jedem Waschen natürlich abschrauben, weil man sonst nicht richtig duschen kann), Waschmittel (mit altem Handtuch dazwischen) direkt auf die Wäsche. (Weichspüler macht Flecken, haben wir festgestellt.) Japanisches Waschmittel für Weißes, deutsches Waschmittel für Buntes. Das deutsche (Import von uns, später von Ortrun) muß man aber erst vorher mit warmem Wasser auflösen. DCimg0059_smallas, was die deutsche Waschmaschine macht, mache ich hier mit Hilfe eines großen ausgedienten Marmeladenglases.

Wäsche trocknen: Ist in ner kleineren Wohnung auch schwierig, weil dann alles voller Wäsche ist. Helles wird, wenn es nicht regnet, auf dem Balkon getrocknet. (So, wie das unsere Nachbarn auch alle machen.)

Bett: Unsere Nachbarn hängen ihre Futons (wenn es nicht regnet) den ganzen Vormittag zum Lüften und Trocknen übers Balkongeländer. Vorher werden sie mit einem Teppichklopfer ausgeklopft. Das Trocknen ist nötig, weil hier die Luft viel feuchter ist als in Deutschland und der Futon sonst schimmeln würde. Liegt ja direkt auf dem Boden oder den Tatamis. Wir haben zum Glück einen Lufttrockner im Schlafzimmer. Die Futons sind nämlich echt schwer und sperrig. Also: Wir hängen unsere Futons nur manchmal raus.

Lebensmittel: Zum Glück hatten wir bisher keine einzige Kakerlake. Dafür habe ich aber auch viel getan. Wir haben alle offenen Lebensmittel entweder im Kühlschrank, in Tupperdosen oder Vorratsgläsern verstaut und aufgepaßt, daß Krümel und Kleckse nicht allzu lange unseren Boden zieren (Immerhin ist direkt vor der Wohnungstür gleich "draußen"...) und unseren...

Müll: ... jeden zweiten Tag runtergebracht. Die Tage dazwischen werden  Plastikflaschen, Glas, Papier usw. abgeholt. (Für den Restmüll müssen wir seit einiger Zeit extra Müllbeutel der Stadt benutzen.) So kommt es, daß Thomas jeden Morgen mit einem Müllbeutel das Haus verläßt. Im Müllhäuschen neben dem Haus gibt es sie dann: Kakerlaken usw.Cimg0062_small

Staubsaugen: Ist mein Haß-Thema Nr. 1 zur Zeit. Unser Staubsauger war gebraucht und gar nicht mal so billig. Er braucht keine Beutel, sondern man muß den Staubbehälter gelegentlich so entleeren und dabei die Reste mit den Fingern rausfischen. Das ist aber nicht das Schlimmste. Die Bütstchen vorne transportieren den Dreck nicht nach innen, sondern sammeln ihn an glatten Stellen auf, um ihn dann auf Teppichen wieder zu verteilen. Also muß ich erst die Teppiche und dann die glatten Stellen saugen und nach jedem Zimmer alle Fusseln aus den Bürstchen sammeln. (Auf Tatamis muß man zum Glück einfach nur vorsichtig staubsaugen. Manchmal wische ich sie feucht ab.) Nach zwei Zimmern ist der Staubsauger überhitzt und geht aus. Für ungefähr ne halbe Stunde...

Fenster: Ich habe mich immer gefragt, warum die meisten Fenster, die ich hier bisher gesehen habe, so dreckig sind. Erstens ist es den Japanern wohl nicht so wichtig, saubere Fenster zu haben, weil die eh immer von innen (oft auch von außen) verhängt und verrammelt sind. Aber zweitens kommt hier bei Regen eine derartige Menge Dreck runter, daß ich das Fensterputzen schon fast aufgegeben habe. Das liegt eben auch daran, daß da, wo Häuser stehen, wenig Bäume sind, die Staub filtern könnten.

Cimg0065_smallHygiene: Leider sind die Putzmittel hier nicht ganz so stark, wie in Deutschland, was dann beim Putzen auch ziemlich viel Energie kostet (und manchmal nicht richtig sauber macht). Es entsteht wegen der hohen Luftfeuchtigkeit auch oft Schimmel. Trotz Lufttrockner muß ich z.B. in Schlafzimmer und Dusche alle zwei Monate den Schimmel entfernen. Das Klo schimmelt auch innerhalb einer Woche schwarz an. Desinfektionsmittel war länger nicht aufzutreiben. Meine Lösung: Deutsches Putzmittel (teuer!) und Ethanol. Staub gibt es hier übermäßig viel. Grund: s.o.
Zum Glück gibt es am Eingang unserer Wohnung (wie in jeder japanischen Wohnung) eine "Schuhzone", in der die Straßenschuhe abgestellt und gegen Hausschuhe getauscht werden, die eine Stufe höher (also auf der normalen Wohnungsebene) stehen.Cimg0064_small

Kochen: Leider gibt es hier keinen Backofen, also auch keinen Kuchen, Plätzchen, Aufläufe usw. Der Herd ist ein Gasherd (mit offen rumliegenden Schläuchen). Das Gas stellen wir nach jedem Kochen ab, falls ein Erdbeben kommt.

Cimg0063_smallHeizen: Mit Klimaanlage. Die kann auch kühlen und Luft trocknen. (Das ist im Sommer gut.) Die Fenster sind einfach, isolieren also nicht gut (und schließen nicht perfekt gegen Luft). Wir können aber noch froh sein, denn wir haben massive Betonwände und rundrum Nachbarn, die heizen und isolieren. Schlafzimmer, Klo, Bad und Dusche kann man nicht heizen. Im Schlafzimmer haben wir deshalb einen kleinen Heizlüfter. Trotzdem fanden wir es in unserer Wohnung auch im Winter gemütlich. (Ich habe dann auf einer Heizdecke geschlafen.)

So, das waren meine Hausfrauengeschichten.
Ich finde jedenfalls, daß es hier viel anstrengender ist, einen Haushalt zu führen als in Deutschland. (Vorallem, wenn man auch noch arbeitet. Aber dann teilen wir uns ja alles.) Aber gerade, weil wir viel für unser Wohlgefühl tun, geht es uns in unserem Deutsch-Japanischen Mischreich ziemlich gut. Und unsere Besucher waren bisher auch immer angetan davon, was wir aus der Wohnung gemacht haben.

03. November 05

Cüberleben

von Gunda

Wenn man ins Ausland geht, dann hinterläßt man eine Menge neugieriger und fragender Leute aus Familie, Freundes- und Bekanntenkreis. Aber nicht nur das; man möchte auch  erzählen. Am liebsten alles, was einem über den Weg läuft, was einem kurios oder einfach nur bemerkenswert erscheint.

Damit wir nicht zwanzigmal von vorne anfangen müssen, nicht immer das gleiche erzählen sollen und die Leute nicht mit unerwünschten Rundmails zustopfen, aber auch damit wir uns hinterher besser erinnern und jetzt ein bischen besser verarbeiten können, haben wir diesen Blog eingerichtet.

Am Anfang gab es noch sehr viel zu tun. Die Leute haben uns riesige Löcher in den Bauch gefragt, wir hatten noch keinen direkten Alltag; alles war neu, spannend und berichtenswert, und wir hatten viel Zeit, darüber zu berichten.
Schreiben ist schön, wenn man um nette gewogene Leser weiß, die man größtenteils kennt...
Mit der Zeit hat sich vieles geändert.
Vorallem auch in meinem Alltag. Unsere Entdeckungsreisen sind immer größer und tiefer geworden, wir haben Freundschaften geschlossen, die erhalten werden wollen, Japanischunterricht und Freizeitaktivitäten, und letztlich haben wir auch inzwischen einen Alltag, der sich gar nicht mehr so sehr von dem in Deutschland unterscheidet. Sprich: Ich betrete oft den ganzen Tag lang nur ausgetretene Wege und tue, was ich schon oft getan habe. Das hört sich zwar langweilig an; aber auf Dauer ist dieser übermäßige Input vom Anfang auch nicht gut. Ich brauche manchmal Zeit, um zu mir zu kommen, nachzudenken, zu entspannen. Am Wochenende geht es dann ja auch oft wieder los in die große weite Welt. Aber vieles ist hier jetzt normaler und selbstverständlicher für uns geworden. Wir verstehen Dinge besser und sind von ihnen nicht mehr so irritiert. Deshalb bleiben bei meinen Beiträgen vielleicht manchmal lustige Geschichten aus. - Ich sehe viele Dinge gar nicht mehr als merkwürdig an...

Bin ich jetzt schon total "tatamisiert" (ver-japanischt) oder einfach nur abgestumpft?
Ich glaube, daß das nur ein bischen zutrifft. Vielmehr ist es wohl so, daß sich bei mir das Cyber-Leben etwas überlebt hat und das an seine Stelle getreten ist, was ich oft als viel "echter" für mich empfinde: Das reale Leben.

(Was natürlich nicht heißt, daß ich nicht trotzdem mit viel Spaß weiterhin Dinge in diesen Blog schreiben werde, die mir gerade durch den Kopf gehen...)