von Gunda
Nur, weil gerade mal wieder die Waschmaschine vor sich hin rödelt und ich schonwieder meinen ganzen arbeitsfreien Vormittag mit Waschen verbracht habe, kommt jetzt hier der aktuelle Haushaltsbericht.
Ein Jahr Haushalt in Japan; da ist es Zeit für einen Abschluß- (bzw. Zwischen-) Bericht.
Setzt man mal deutsche Maßstäbe an die Haushaltsführung in Japan, wird man schnell feststellen, daß das ein viel aufwendigeres Unterfangen ist, als im Heimatland. Erstmal muß man sich natürlich daran gewöhnen, daß alles anders ist, muß erprobte Dinge neu ausprobieren, Wasch- und Putzmittel erforschen und probieren, sich an neue Gegenstände gewöhnen und sie mit alten kombinieren... Alles am Anfang nicht so einfach.
Da wäre erstmal die Waschmaschine: Japanische Beschriftung, Waschen mit kaltem Wasser, kein Waschmittelfach, Waschmittel mit Bleiche bis zum Abwinken.
Unsere Lösung: Das Nötigste übersetzen lassen, längeren Schlauch kaufen und an den Badewasserhahn anschließen (nach jedem Waschen natürlich abschrauben, weil man sonst nicht richtig duschen kann), Waschmittel (mit altem Handtuch dazwischen) direkt auf die Wäsche. (Weichspüler macht Flecken, haben wir festgestellt.) Japanisches Waschmittel für Weißes, deutsches Waschmittel für Buntes. Das deutsche (Import von uns, später von Ortrun) muß man aber erst vorher mit warmem Wasser auflösen. D
as, was die deutsche Waschmaschine macht, mache ich hier mit Hilfe eines großen ausgedienten Marmeladenglases.
Wäsche trocknen: Ist in ner kleineren Wohnung auch schwierig, weil dann alles voller Wäsche ist. Helles wird, wenn es nicht regnet, auf dem Balkon getrocknet. (So, wie das unsere Nachbarn auch alle machen.)
Bett: Unsere Nachbarn hängen ihre Futons (wenn es nicht regnet) den ganzen Vormittag zum Lüften und Trocknen übers Balkongeländer. Vorher werden sie mit einem Teppichklopfer ausgeklopft. Das Trocknen ist nötig, weil hier die Luft viel feuchter ist als in Deutschland und der Futon sonst schimmeln würde. Liegt ja direkt auf dem Boden oder den Tatamis. Wir haben zum Glück einen Lufttrockner im Schlafzimmer. Die Futons sind nämlich echt schwer und sperrig. Also: Wir hängen unsere Futons nur manchmal raus.
Lebensmittel: Zum Glück hatten wir bisher keine einzige Kakerlake. Dafür habe ich aber auch viel getan. Wir haben alle offenen Lebensmittel entweder im Kühlschrank, in Tupperdosen oder Vorratsgläsern verstaut und aufgepaßt, daß Krümel und Kleckse nicht allzu lange unseren Boden zieren (Immerhin ist direkt vor der Wohnungstür gleich "draußen"...) und unseren...
Müll: ... jeden zweiten Tag runtergebracht. Die Tage dazwischen werden Plastikflaschen, Glas, Papier usw. abgeholt. (Für den Restmüll müssen wir seit einiger Zeit extra Müllbeutel der Stadt benutzen.) So kommt es, daß Thomas jeden Morgen mit einem Müllbeutel das Haus verläßt. Im Müllhäuschen neben dem Haus gibt es sie dann: Kakerlaken usw.
Staubsaugen: Ist mein Haß-Thema Nr. 1 zur Zeit. Unser Staubsauger war gebraucht und gar nicht mal so billig. Er braucht keine Beutel, sondern man muß den Staubbehälter gelegentlich so entleeren und dabei die Reste mit den Fingern rausfischen. Das ist aber nicht das Schlimmste. Die Bütstchen vorne transportieren den Dreck nicht nach innen, sondern sammeln ihn an glatten Stellen auf, um ihn dann auf Teppichen wieder zu verteilen. Also muß ich erst die Teppiche und dann die glatten Stellen saugen und nach jedem Zimmer alle Fusseln aus den Bürstchen sammeln. (Auf Tatamis muß man zum Glück einfach nur vorsichtig staubsaugen. Manchmal wische ich sie feucht ab.) Nach zwei Zimmern ist der Staubsauger überhitzt und geht aus. Für ungefähr ne halbe Stunde...
Fenster: Ich habe mich immer gefragt, warum die meisten Fenster, die ich hier bisher gesehen habe, so dreckig sind. Erstens ist es den Japanern wohl nicht so wichtig, saubere Fenster zu haben, weil die eh immer von innen (oft auch von außen) verhängt und verrammelt sind. Aber zweitens kommt hier bei Regen eine derartige Menge Dreck runter, daß ich das Fensterputzen schon fast aufgegeben habe. Das liegt eben auch daran, daß da, wo Häuser stehen, wenig Bäume sind, die Staub filtern könnten.
Hygiene: Leider sind die Putzmittel hier nicht ganz so stark, wie in Deutschland, was dann beim Putzen auch ziemlich viel Energie kostet (und manchmal nicht richtig sauber macht). Es entsteht wegen der hohen Luftfeuchtigkeit auch oft Schimmel. Trotz Lufttrockner muß ich z.B. in Schlafzimmer und Dusche alle zwei Monate den Schimmel entfernen. Das Klo schimmelt auch innerhalb einer Woche schwarz an. Desinfektionsmittel war länger nicht aufzutreiben. Meine Lösung: Deutsches Putzmittel (teuer!) und Ethanol. Staub gibt es hier übermäßig viel. Grund: s.o.
Zum Glück gibt es am Eingang unserer Wohnung (wie in jeder japanischen Wohnung) eine "Schuhzone", in der die Straßenschuhe abgestellt und gegen Hausschuhe getauscht werden, die eine Stufe höher (also auf der normalen Wohnungsebene) stehen.
Kochen: Leider gibt es hier keinen Backofen, also auch keinen Kuchen, Plätzchen, Aufläufe usw. Der Herd ist ein Gasherd (mit offen rumliegenden Schläuchen). Das Gas stellen wir nach jedem Kochen ab, falls ein Erdbeben kommt.
Heizen: Mit Klimaanlage. Die kann auch kühlen und Luft trocknen. (Das ist im Sommer gut.) Die Fenster sind einfach, isolieren also nicht gut (und schließen nicht perfekt gegen Luft). Wir können aber noch froh sein, denn wir haben massive Betonwände und rundrum Nachbarn, die heizen und isolieren. Schlafzimmer, Klo, Bad und Dusche kann man nicht heizen. Im Schlafzimmer haben wir deshalb einen kleinen Heizlüfter. Trotzdem fanden wir es in unserer Wohnung auch im Winter gemütlich. (Ich habe dann auf einer Heizdecke geschlafen.)
So, das waren meine Hausfrauengeschichten.
Ich finde jedenfalls, daß es hier viel anstrengender ist, einen Haushalt zu führen als in Deutschland. (Vorallem, wenn man auch noch arbeitet. Aber dann teilen wir uns ja alles.) Aber gerade, weil wir viel für unser Wohlgefühl tun, geht es uns in unserem Deutsch-Japanischen Mischreich ziemlich gut. Und unsere Besucher waren bisher auch immer angetan davon, was wir aus der Wohnung gemacht haben.