von Thomas
Gestern fuhr Gunda nach Tokyo, weil sie sich gerne in der dortigen katholischen Gemeinde einen Abendvortrag anhören wollte und ich nutzte die Zeit, um mal ins Kino hier um die Ecke zu gehen. Cineplex nennt sich das Ding und ist ein ganz modernes Multiplexkino mit acht oder zehn Sälen. Die meisten Filme dort stammen aus Japan, aber auch Hollywood ist dort vertreten, allerdings laufen die Filme hier oft etwas später, als in Amerika oder auch in Europa, so auch 'Alexander', den ich mir ansehen wollte.
Da die Kinopreise in Tokyo ziemlich gesalzen sind (mehr als 2000 Yen), war ich überrascht, dass ich mir diesen Film für 1200 Yen ansehen konnte, was nicht einmal ganz 9 Euro sind. Für einen Film von 3 Stunden Länge hätte man bei uns in Deutschland mindestens genauso viel gezahlt.
Blieb nur noch die Frage, in welcher Sprache er denn gezeigt würde, Englisch oder Japanisch? Manfred hatte uns zwar versichert, alle ausländischen Filme im Kino liefen im Original und würden nur fürs Fernsehen synchronisiert, aber weiß man ob das auch in der Provinz so ist. Es war aber zum Glück tatsächlich so, lediglich mit japanischen Untertiteln war der Film versehen worden, was aber nicht weiter störte.
Und der Film war gut, wirklich gut, was ich angesichts der Kritiken gar nicht unbedingt gedacht hätte, die ziemlich schlecht waren. Aber es war ein richtig schönes Heldenepos, ohne übertriebene Action oder unpassenden Humor, wie man es bei 'Troja' etwa finden konnte. Nein, hier kommt Alexander so rueber, wie man es sich vorstellt, als großer, visionaerer Held, mit doch tragischem Ende.
Nachdem Film kam ich mir dann aber auch wie ein tragischer Held vor *lach* Schon vor Beginn des Films hatte ich bemerkt, dass ein paar Schneeflocken sich unter den Regen gemischt hatten, jetzt tobte draußen ein mittelschweres Schneegestöber, mit dicken Flocken und viel Wind. Auf dem Boden lagen schon einige Zentimeter Schnee bzw. Schneematsch und ich mit meinem kleinen Fahrrad dadurch. Damit ich wenigstens ein bisschen was sehen konnte, bin ich dann in typische japanischer Manier mit dem Schirm in einer Hand gefahren. Toll war das nicht und als ich zu Hause war, sah ich aus wie ein Schneemann und war total durchnässt. Na ja, bin dann in die Badewanne und danach gleich ins Bett, eine Erkältung wird es wohl nicht geben.
Die Nacht über hatte es noch weiter geschneit und ganz Arakawaoki war mit einer Schneeschicht bedeckt, die allerdings schon mit vielen Pfützen durchsetzt war. Aber trotzdem, es ist doch mal ganz schön, etwas Schnee zu haben :)
Ach ja, die Tattoos aus dem Titel... Gunda hatte mir schön öfter eine Geschichte erzählt, dass sie damals während ihrer Japanreise auch in einer heißen Quelle waren und eines der Mädchen aus der Delegation großen Ärger hatte, da sie von den japanischen Frauen dort ziemlich angefeindet wurde. Der Grund war wohl, dass sei irgendwo ein Tattoo hatte. Dazu muss man wissen, dass die japanischen Mafiosi, die Yakuza in der Regel tätowiert sind, es ist sozusagen ihr Erkennungszeichen. Nun ja, Träger von Tattoos machen sich dadurch dann natürlich nicht sehr beliebt, schon gar nicht, wenn das Tattoo in der Badeanstalt dann für alle gut sichtbar ist.
Aber nicht zu sehr abschweifen... In dem Kinogebäude ist auch ein Schwimmbad und als ich vor Beginn des Films dort noch etwas herumgeschlendert bin, fiel mir ein Schild auf, auf dem neben vielem Japanischem nur einen englischen Satz stand: "Tattoo's are Not Allowed inside". Hm, vielleicht sollten einige Leute, die sich gerne Kanjis eintätowieren lassen, lieber nicht nach Japan fahren... ;)
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