Google
Web Blog

Aktuelle Fotos

Leute in Japan

Links

Aktuelle Weblogs

09. Juni 06

Internationale Vergleiche

von Gunda

Nachem ich das jetzt schon zweinmal gehört habe, muß ich einfach was dazu schreiben:

Irgendwie scheinen Deutsche, die schon lange in Japan leben, dazu zu neigen, die zahnmedizinische Versorgung ihres Gastlandes zu idealisieren. Anders kann ich mir die Bemerkungen, in Deutschland seien Zahnärzte zum Fürchten und Zahnbehandlungen immer schmerzhaft, nicht vorstellen. Oder war das vielleicht noch so, als besagte Erzähler aus Deutschland weggegangen sind? Und jetzt erfahren sie hier die weltweit fortgeschrittene Technik als "toll japanisch sanft"? Ich habe hier jedenfalls letztes Jahr genau die umgekehrte Erfahrung gemacht...

Eigentlich ist mir total egal, was irgendwelche Leute über deutsche oder japanische Zahnärzte denken und dann auch noch verbreiten. Aber einem Schüler, der demnächst zwei Jahre in Deutschland leben soll, zu sagen, dort wäre ein Zahnarztbesuch total schmerzhaft, finde ich einfach ... um ehrlich zu sein ... total bescheuert. Der läßt sich glatt zwei Jahre lang das Gebiß wegfaulen, bevor er sich nem "deutschen Schlächter" anvertraut.

Vielen Dank für ein weiteres Kapitel im Sammelband "Mutmachen für Deutschlandaufenthalte"!

02. Mai 06

Alles neu macht der Mai!

von Gunda

Für diese tolle Nachricht mußte ich erstmal Arbeitsstellen sammeln. Aber jetzt habe ich endlich genug zu tun. Hinzugekommen sind:

- Zwei Privatschülerinnen (Eine davon ist mit einem Schweizer verheiratet.)Cimg3497_medium

- Die "European School", ein kleiner Container in Tsukuba, in dem europäische Sprachen Privatpersonen unterrichtet werden. Ich habe eine "Gruppe", die aus zwei Damen besteht. Mein Chef ist Franzose und sieht (abgesehen von der Haartracht) aus, wie Richard Depardieu. Ich hatte da vor über einem Jahr schonmal was abgelehnt; aber für die verbleibende Zeit ist es schon o.k.

- Die "Tsukuba International Academy" in Tsuchiura. Da bin ich heute angenommen worden. Wieder mal Deutschunterricht für Bosch. Das Gebäude ist in der Nähe vom Bahnhof, nur eine Station von uns entfernt, rechtsCimg3146_medium ein Convinience Store (gut für die Mittagspause), links ein kleiner Hafen mit Segelyachten und einem schicken Hotel. Drinnen ist es auch super. Alles sauber und neu, geschmackvoll eingerichtet und superbequeme Stühle. (Ob ich mir am Ende heimlich einen...?) Und inhaltlich sind sie auch sehr professionell. Mein Chef spricht sehr gut Englisch, man bekommt gesagt, was von einem erwartet wird, in welcher Zeit welcher Schüler welches Level erreichen soll und woraus dieses Level besteht. (Alles Dinge, die ich in der Vergangenheit noch nichtmal durch Fragen herausfinden konnte, obwohl sie selbstverständlich sind.)

Tja, jetzt kombiniere ich das alles fröhlich und hoffe, daß ich nicht durcheinanderkomme.

Nicht so, wie neulich, als ich mich total kaputt ins Bett gelegt hatte und plötzlich die eine neue Schülerin zu ihrer ersten Stunde vor der Tür stand. Ich habe ihr peinlicherweise im Schlafanzug die Tür geöffnet und mich dann schnell angezogen. - Sowas passiert einem nur einmal!  ;-)

16. Dezember 05

Ein Satz mit X ...

von Gunda

... Das war wohl nix. Gestern hab ich dann die Absage von NHK bekommen. Sie haben sich bei der festen Stelle fuer jemand anders entschieden, waeren aber an einer unregelmaessigen Zusammenarbeit interessiert. - Ob sie das wnhl jedem schreiben? Schade eigentlich. Mal sehen, was kommt...

11. Dezember 05

Moviestar ?

von Gunda

Nein, ich habe noch nicht die Bodenhaftung verloren. (Ich denke da eher an die bissigen Zeilen des Liedes: "It´s so bizarre, you think you are a new kind of James Dean but the only thing I´ve ever seen of you was the commercial spot on the screen.") Auch, wenn ich gestern zu einem Vorstellungsgespräch der besonderen Art beim staatlichen Fernsehsender NHK (Homepage gibt's auch z.T. auf Deutsch.) eingeladen wurde. Die haben nämlich für ihre Deutsch-Radio- und Fernsehkurse (oder der andere?) Muttersprachler gesucht, und ich habe mich beworben.

Cimg0637_smallEine Interessante Erfahrung: Erst habe ich einen Fragebogen zu meiner Person ausgefüllt, meinen Namen auf einen großen Zettel schreiben müssen und ein Blatt bekommen, auf dem ein kurzer Text stand. - Ich sollte als Kostprobe meines "schauspielerischen Talentes" eine kleine Szene vorspielen. Alles natürlich vor vier Kameras und mit Mikrofon zum Anklemmen. Dann habe ich noch einige Fragen gestellt bekommen, die ich vor Aufregung nicht so toll beantwortet habe, wie ich es hätte tun können. Aber das wäre mir in jedem anderen Vorstellungsgespräch wohl auch passiert. (Die Stimmung war aber viel lockerer als bei einem normalen Vorstellungsgespräch.) Beeindruckend fand ich vorallem, daß ich nach ein paar Minuten die Kameras ignorieren konnte und es mir auch gar nicht viel ausmachte, ganz alleine auf einer riesigen Fläche auf einem Stuhl zu sitzen und ausgefragt zu werden. (Die aus vier Leuten bestehende "Jury" saß ungefähr 3-4 Meter von mir entfernt.)

Na, jedenfalls habe ich mein Bestes gegeben. Die Leute waren sehr nett, und ich wäre froh, diese neue Erfahrung machen zu können. Ich bin gespannt, was dabei rauskommt. (Immerhin habe ich noch 19 KonkurrentInnen...)
Wenn alles gut geht, arbeite ich ab Februar bis zum Ende unseres Japan-Aufenthaltes und habe damit endlich einen sicheren Job.
Dann bin ich vielleicht bald "bekannt aus Funk und Fernsehen". (Wenn man einmal davon absieht, daß das zu recht "interessanten" Tageszeiten läuft...)  ;-)))

p.s.: Vielen Dank an Thomas für die mentale Unterstützung und daß er mich nach Tokyo begleitet hat!

22. September 05

Konversation?

von Gunda

Ich habe lange genug schon in Deutschland mit Japanern zusammengearbeitet, und wir sind ja auch schon eine ganze Weile hier, um zu wissen, daß nicht immer alles offen ausgesprochen oder direkt geäußert wird.

Gut, die Japaner in Deutschland "zählen" irgendwie nicht richtig, weil sie sich natürlich in gewisser Weise angepaßt und an die "deutsche" Art der Kommunikation gewöhnt haben. Aber hier wird mir doch immerwieder bewußt, wie sehr sich Deutsche und Japaner in ihrer Kommunikation unterscheiden.
Natürlich bin ich genau deshalb hierhergekommen; um darüber zu lernen. Und da der Inhalt "meines Faches" eher mit meinen Gefühlen verknüpft sein kann, kommt es schon auch zu Blessuren durch "learning by doing". Hier zeigt sich überdeutlich, daß sämtliche in der westlichen Welt gängigen Kommunikationsmodelle auch nur für diese gültig sind. Nichts davon greift in der Kommunikation mit (nicht-"verwestlichten") Japanern wirklich.
Mein Ärger zeigt mir, wie sehr ich trotz allem in meiner "Westlichkeit" gefangen, aber natürlich auch zu Hause bin. Es wird ein langer Weg sein, bis ich "die andere Seite" verstehen kann. Denn das will ich, wenn es geht. Es reicht mir nicht, zu registrieren, daß bestimmte Dinge hier nicht funktionieren und sie einfach zu vermeiden. Ich frage nach dem "Warum", nach der Ursache und nach einem "östlichen Kommunikationsmodell". (Schließlich gibt es hier auch Psychologen...)

Doch das Ganze passiert gerade hier nicht nur auf der Meta-Ebene. Schließlich muß ich hier auch immerwieder auf's Neue kommunizieren.
Ich habe es oft als Belastung empfunden, wenn ich mich mit Japanern angefreundet hatte, die Freundschaft eine intensivere Ebene erreicht hatte und dann der Punkt kam, an dem ich mich mit europäischen Freunden eben auch intensiver auseinandergesetzt hätte. Natürlich kommen gerade beim Verlassen der "ausschließlich-Spaß-Phase" auch Unstimmigkeiten auf, und man stellt Unterschiede fest, die man vorher nicht so gesehen hatte. Mit Europäern wäre "Beziehungsarbeit" angesagt gewesen. Einen gemeinsamen Weg finden. Viele Japaner hingegen ziehen sich oft bei der ersten Unstimmigkeit zurück. Da macht es das Angebot eines offenen Gespräches oder gar ein offener Brief eigentlich noch schlimmer. Ich habe sie selten "zurückbekommen", die Freunde. - Aus ist aus. Durch alles andere verliert man sein Gesicht. Gedanken und Gefühle zu teilen ist ab einer ziemlich niedrigen Grenze schon nicht mehr das Ding der meisten Japaner.
Also bleibe auch ich an der Oberfläche hängen, was ich oft sehr schade finde.

Aber auch beruflich kann das seine Konsequenzen haben. Wie z.B. heute in dem von mir geleiteten Konversationskurs. In einer Mail habe ich darüber folgendes geschrieben:

"Erstmal mußte ich ne halbe Stunde warten, bis überhaupt wer kam (Ich dachte schon, ich hätte mich im Tag geirrt.), das war dann die, die das alles organisiert. Sie hat mir nach ner Weile erzählt, daß von vielen Seiten Kritik über den Unterricht gekommen ist (zu schwer, zu schnell, zu wenig Grammatik...) und sich was ändern sollte. Ich war erstmal total perplex über die Vorschläge, die die anderen Teilnehmer ihr wohl gemacht haben. Denn erstens hatte mir das Paar, das den Kurs vorher gemacht hat, gesagt, die wollen einfach nur reden, und zweitens habe ich ja am Anfang Fragebögen ausgeteilt, auf denen die Teilnehmer u.a. notieren sollten, was sie sich an Themen wünschen. Da hätte man ganz anonym alle möglichen Wünsche frei gehabt, und ich war da ganz offen. Aber das, was da jetzt an Vorschlägen kam, hat wirklich absolut niemand auf diesen Bogen geschrieben. Ich war echt total platt. Daß mir die Teilnehmer das nicht direkt sagen würden, war klar. Schließlich sind es ja Japaner. Aber daß sich niemand das gewünscht hat, was jetzt plötzlich alle zu wollen scheinen, finde ich echt nen ziemlichen Hammer.
Das was ich jetzt machen soll, verspricht, ziemlich stumpfsinnig zu werden. - Stur nach einem Buch und ne Vokabelliste abarbeiten. Aber bitte; wenn die das wollen... Für mich ist es auf jeden Fall weniger Arbeit, als mir jedes Mal Material für zwei spannende Stunden aus den Fingern zu saugen.
Toll fand ich auch die Bemerkung, daß sich die Leute die Wörter von der Vokabelliste einfach nicht merken könnten. Ich habe dann nachgefragt, ob ich Lernhilfen für Zuhause anbieten soll. Nee, meinte die Frau dann, zu Hause würden die Leute sowieso nichts machen. Da konnte ich mir dann doch nicht verkneifen zu bemerken, daß man sich Vokabeln natürlich nur merken kann, wenn man sie auch (zu Hause) lernt.

Tja, und nach einer Stunde oder so kam dann noch eine zweite Frau. Wir haben ein bischen geplaudert und sind dann gegangen."

Da die Kursteilnehmer alle private oder geschäftliche Kontakte nach Deutschland haben, hatte ich so etwas wirklich nicht erwartet. Ich muß wohl in Zukunft etwas mehr "Kulturunterricht" einschieben...

02. August 05

Immernoch Sprachprobleme

von Gunda

Inzwischen habe ich erstmal dem Schüler die Fehler im Notizbuch verbessert, damit er nicht was Falsches lernt. Der war natürlich sichtlich irritiert. ("Perhaps because he comes from Holland?") Aber ich fand, das ging erstmal vor.
Dann habe ich dem Kollegen eine Mail geschrieben, ihn gebeten, sich besser vorzubereiten und ihm mein Dilemma geschildert. Nach seiner Antwort bin ich mir aber nicht so sicher, ob er überhaupt weiß, wie falsch sein Deutsch eigentlich wirklich ist. Jedenfalls war schon die Mail schlimm, und die Antwort war eher in dem Tenor: "O.k. Ich mache manchmal ein paar kleine Fehler. Ich werde mir einfach mehr Mühe geben." Mittlerweile habe ich aber den Eindruck, daß das ganz und gar nicht reicht.
Und ich finde, unsere Vermittlung sollte das wissen. Schon alleine deshalb, weil der Schüler da öfter mal anruft. Wenn er der Vermittlung das vor mir sagt, dann hänge ich da noch mehr ungünstig drin als jetzt. Denn wie sollte ich mein Schweigen begründen? Und würde mir dann noch jemand glauben, daß ich ja später was sagen wollte?

27. Juli 05

Sprachprobleme der anderen Art

von Gunda

Eine Woche habe ich jetzt schon in dem neuen Job unterrichtet. Bei zweimal in der Woche nicht viel, bei sechs Stunden am Tag aber durchaus intensiv.
Da fällt der Blick dann schonmal ins Notizbuch des Schülers, aus dem er ja auch lernt. So nebenbei wollte ich sehen, was der andere Lehrer denn so mit ihm gemacht hat. Zum einen um nichts doppelt zu machen, zum anderen, um das Können des Schülers besser einschätzen zu können.
Klar, da waren ein paar Fehler drin. Macht so ein Schüler ja manchmal. Schade, daß sie nicht verbessert wurden; das lernt der ja dann falsch... Beim Weiterblättern konnte ich die Fehler, von denen ich dachte, sie kämen vom Schüler, dann aber nicht mehr übersehen. - Das war falsches Deutsch. Wörter wie "Buchkasten", "Stechdose", "Ladenschrank" und "Bettzimmer" konnte sich der Schüler unmöglich einfach so selber ausgedacht haben. Auch Formulierungen wie "Ich mag kein Kaffe. Ich mag dem nicht." riefen ein riesiges Fragezeichen hervor.
Ich mache ja Deutschkenntnisse wirklich nicht ausschließlich an der Nationalität fest. Immerhin war der Lehrer vor mir Rumäne und hat dem Schüler sehr gutes Deutsch beigebracht. Konnte es wirklich sein, daß da jemand als Deutschlehrer arbeitet, der schlecht Deutsch kann? Die von der Lehrervermittlung hatten ja kaum eine Kontrollmöglichkeit. Die konnten kein Deutsch.
Natürlich habe ich meinen Schock erstmal vor dem Schüler verborgen. In der Mittagspause habe ich nachgedacht:
Wenn ich dem Schüler etwas sage, wird er unsicher und verliert den Respekt. Wenn ich der Vermittlung was sage, denken die vielleicht, ich will seinen Job auch noch, weil ich mehr Geld will. Außerdem würde er dann möglicherweise seinen Job verlieren. Wenn der Schüler aber in Deutschland mit solchen Wörtern nicht verstanden oder gar ausgelacht wird und das weitergibt, hänge ich auch mit drin.
Natürlich weiß ich aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, als Ausländer in Japan Arbeit zu finden. Aber deshalb gleich Schaden anrichten?

Was für ein gräßliches Dilemma!

20. Juli 05

Endlich Arbeit!

von Gunda

Heute war also mein erster Arbeitstag bei Rexroth / Bosch Group, wo ich einen Techniker unterrichten sollte, der im September (für zwei oder drei Jahre) nach Deutschland geht.
Er hat seit April Unterricht und konnte vorher kein Deutsch. Sein Englisch ist auch eher noch in der Optimierungsphase, weshalb der Unterricht ein lustiges Kauderwelsch aus Deutsch, Englisch, Japanisch, Übersetzungscomputer und Körpersprache war. Nach sechs Stunden dieses Unterrichts ging mein Hirn auf dem Zahnfleisch... Spaß gemacht hat es trotzdem. Immerhin ist das ja schon eher die Richtung, die ich einschlagen wollte, wenn ich zurück in Deutschland bin. Nein, nicht Deutsch als Fremdsprache, sondern Kulturvermittlung. Und das ist fast das Meiste, was ich in diesem Unterricht mache. Da der Schüler (außer auf Bali) noch nie außerhalb von Japan war, mußte ich wirklich quasi von vorne anfangen. Z.B. daß man sich in westlichen Ländern zur Begrüßung die Hand gibt, daß die Häuser meist aus Stein gebaut sind, daß es in den meisten Privathäusern keine Klimaanlage gibt, man aber trotzdem im Winter heizen kann und wie das geht. (Nein, es gibt keine Fernbedienung für Zentralheizungen...)
Den Intensiv-Unterricht teile ich mir mit einem Holländer. Er unterrichtet Dienstag und Donnerstag, ich Mittwoch und Freitag. (Jeweils sechs Stunden, eine Stunde Mittagspause.)

Bosch ist ja nun wirklich nicht unbedingt eine typisch japanische Firma. Aber da sie eben in Japan ist, bekommt man hier eine interessante kulturelle Mischung zu sehen. Manches mischt sich aber wohl eher weniger. So habe ich z.B. den Eindruck, daß die vielen Deutschen, die auf dem Gelände rumlaufen, doch lieber unter sich bleiben. Aber das sind alles nur Männer. Frauen sind dann meist Japanerinnen. Ich falle also auf, wie ein bunter Hund und werde regelmäßig interessiert beobachtet, wenn ich mich auf dem Gelände aufhalte.
Was noch japanisch ist, ist die große Zahl an "Office Ladies" (Sekretärinnen und Organisatorinnen in Uniform) und natürlich die verschiedenen Gongs und Melodie-Signale zu unterschiedlichen Zeiten am Tag. Mehrere gibt es für kurze Teepausen, dann ein Signal fürs Mittagessen (wahlweise Kantine oder Convinience Store; für mich nur Convinience Store) und nachmittags noch ein ganz lustiges: Zur Entspannung. Da soll man aufhören zu arbeiten und sich zu der landesweit bekannten eingespielten Entspannungsmelodie entspannen.
Wir haben das alles ignoriert. Das Entspannungssignal löste dann aber bei uns eine eingeschobene Lektion über Arbeitszeiteinteilung in Deutschland aus. - Auch wichtig.

Alles in allem ist dieses sicherlich ein Job, bei dem mir das Aufstehen am Morgen nicht besonders schwerfällt.
Bei Rexroth bleibe ich nur noch bis Mitte August. Ich hoffe, mein Arbeitgeber (CULEX - Cultural Exchange) hat dann was Neues für mich.

Natürlich habe ich meine ganzen Privatunterrichte behalten, weshalb ich jetzt wirklich viel unterwegs bin.

13. Juli 05

Bosch auf den Zahn fühlen

von Gunda

Ich bin jetzt also dabei, mir meine Arbeit zusammenzustoppeln, was bedeutet, daß ich in Zukunft einen großen Teil meiner Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln verbringen werde, weil ich in der Gegend rumfahre. Zum Glück bin ich mit einigem logistischem Geschick gesegnet, was das Ganze wohl erträglicher machen wird. (Also nix mit morgens zur Arbeit, abends nach Hause...)

Zunächst einmal habe ich heute eine Zusage von Bosch bekommen, die mich als Sprachenlehrerin haben wollen. Erstmal habe ich einen Stundenplan für zwei Tage in der Woche bis Ende August bekommen. Ich bin noch dabei, herauszufinden. ob die mich überhaupt länger als nur für die Sommerferien haben wollen.

Leider müssen wir dann auf eine längere Reise in Thomas' Sommerurlaub verzichten. Aber vier Tage; das geht.

Dann habe ich heute noch meine zukünftigen "Schüler" kennengelernt, die ich bei ihnen zu Hause einmal in der Woche unterrichten werde (Naja, eigentlich ist es mehr Konversation.): Ein Zahnarzt und seine Frau. - Sehr nette und aufgeschlossene Leute.
Wie ich an diesen Job gekommen bin ist allerdings eine etwas unschöne Geschichte (von der die beiden zum Glück nichts wissen):
Eine Deutsche, die mit Thomas zusammen im Sprachkurs war, hatte in Tsukuba dieses Mädchen, das ich jetzt unterrichte und eben dieses Ehepaar als Schüler. Als sie nach Tokyo gezogen ist, wollte sie mir beide abgeben. Ich mußte ihr dafür allerdings wochenlang hinterhertelefonieren. Das mit dem Mädchen klappte dann reibungslos, wobei sie mir gesagt hatte, daß sie da nicht viel gemacht hat. "Nur ein bischen malen, spielen und reden." Als ich dann da zum ersten mal auftauchte, zeigte mir die Kleine stolz einen Ordner voller Arbeitsblätter, die sie mit meiner Vorgängerin bearbeitet hatte. Da war ich doch etwas irritiert.
Dann wollte ich das Paar übernehmen. Ich bekam von der Deutschen die Information, daß die gerade einen Todesfall in der Familie gehabt hätten und sich nicht sicher wären, ob sie überhaupt weitermachen wollten. Sie hätten aber meine Telefonnummer von ihr bekommen.
Ein paar Monate später fragte mich eine andere Deutsche, die einen anderen Job bekommen hatte, ob ich nicht ein Ehepaar übernehmen wollte, das sie unterrichtet hätte. Es stellte sich heraus, daß es sich um genau das Paar handelte, auf dessen Anruf ich lange gewartet hatte und es schon aufgegeben hatte.
Etwas vera...lbert kam ich mir da schon vor...

08. Juli 05

Vor- und wieder wegstellen

von Gunda

Da ich mich immernoch aufmerksam überall nach geeigneten Jobs umsehe, fand ich eine mehr als kleine Notiz, die lediglich besagte, daß ein Deutschlehrer gesucht würde. Naja, dachte ich, noch ein Privatschüler kann nicht schaden, und rief die angegebene Telefonnummer an. Die entpuppte sich als Nummer einer Sekretärin, die für eine Firma arbeitete, die mit Bosch kooperiert und Lehrer für Einzelunterricht der Mitarbeiter sucht, die nach Deutschland geschickt werden. - Eigentlich mehr oder weniger das, was ich hier auch gerne machen wollte.
Heute fand dann das eilig anberaumte Vorstellungsgespräch statt. ("Wir hatten die Suche schon fast aufgegeben.")
Die Sekretärin holte mich am Busbahnhof in Tsukuba mit dem Auto ab, weil sie mir 15 Minuten Fußweg nicht zumuten wollten.
Dann wurde ich in einen fensterlosen Raum mit ionisierenden Plastikblumen (Stand zumindest drauf.) und einer grau-grünen Leder-Sitzgruppe gesetzt und mußte eine Viertelstunde warten.
Später kam der "Boss", der erstaunlich gut Englisch sprach und erstmal mit mir darüber philosophieren wollte, daß die Japaner Angst vor Ausländern hätten, weil sie nicht genug Fremdsprachen sprechen würden und früher zu wenig Kontakt nach außen gehabt haben. Dann hat er mit einer winzigen Digitalkamera meine Alien-Registration-Card fotografiert ("It's a Sony!") und mir auf meine Fragen nach Arbeitszeit und Gehalt immerzu mit "It's not decided yet." geantwortet. (Immerhin konnte er mir sagen, daß mein Einsatzort nur zwei Bahnstationen von unserem Zuhause entfernt wäre.)
Aber er fragte dann noch interessiert, ob ich auch Englisch unterrichten würde. Nachdem ich erfahren hatte, daß den Job vorher ein Pole und dann eine Rumänin gemacht haben, hatte ich da auch keine Hemmungen mehr, mit "Ja." zu antworten, zumal ich immerhin besser Englisch kann, als jemand, der gar nichts kann.
Dann hat mich natürlich noch die Sekretärin zurückgefahren. ("Ich fahre immer nicht gerne an der Polizeizentrale vorbei. Wer weiß, ob die gerade aus dem Fenster gucken und sehen, ob ich falsch fahre...")
Tja, und jetzt warte ich auf die Entscheidung...

An der Bus-Haltestelle hat mich dann noch eine alte Frau zugetextet. Erst hat sie meinen Oberarm dauernd gestreichelt und mir gesagt, was ich für ne tolle Haut habe, dann wollte sie wissen, wo ich herkomme und zum Schluss wollte sie noch mit mir diskutieren, welchen Bus sie am besten irgendwohin nehmen soll. Da hat sie mir zum Glück eine andere alte Dame abgenommen.  ;-)

26. Mai 05

Swizerdütsch?

von Gunda

Heute habe ich mich mit einer Familie getroffen, die kürzlich ein Jahr in der Schweiz verbracht hat. Das ältere der beiden Kinder, ein 10-jähriges Mädchen, ist dort zur Schule gegangen, und ihre Eltern möchten, daß sie das dort gelernte Deutsch nicht vergißt, bzw. noch mehr lernt. Deutsch??? Ja, zum Glück war es wirklich einfach nur Deutsch.  :-) Das Mädchen war sehr nett, und die kommenden wöchendlichen Treffen werden uns bestimmt nicht langweilig werden. Notfalls gewinnt sie mal wieder im Memory, wie sie es heute gemacht hat...

23. Mai 05

Arbeitssuche, oder wie alles anfing.

von Gunda

Ich bin von mehreren Leuten schon über meine Arbeitssuche hier ausgefragt worden. Deshalb gibt es jetzt, anläßlich des einjährigen Jubiläums, die Kategorie (rechts im Bild) "Gundas Arbeitssuche", in der alles zusammengefaßt ist (oder noch wird).

Angefangen hat alles schon im Juni 2004 in Deutschland. Da habe ich begonnen, die ersten 20 Bewerbungen von einer inzwischen unzählbaren Menge abzuschicken. (Die Stellenangebote hatte ich von KOPRA, einer ihres Zeichens "Koordinationsstelle für Praktika", deren Angebote aber manchmal schon veraltet und deshalb schon besetzt sind.)
Ich hatte gehofft, in einem japanischen oder internationalen Betrieb ein bezahltes Praktikum oder einen Job zu bekommen, um meinen Horizont zu erweitern und mein theoretisches Wissen über internationale Zusammenarbeit, bzw. Betriebsklima in japanischen Betrieben um Praxiserfahrung erweitern zu können. Dabei wäre mir so ziemlich jede Art von Büroarbeit recht gewesen, was aber meine Lage auf dem Stellenmarkt nur unwesentlich verbessert hat. (Natürlich wußte ich auch, daß es in japanischen Betrieben in Prinzip sowas wie Praktika nicht gibt.)
Stattdessen mußte ich feststellen, daß es offensichtlich üblich ist, sein Desinteresse an einer Bewerbung durch komplette Ignoranz zu bekunden. Sprich: Ich habe ganze zwei direkte Absagen erhalten. - Und eine Einladung zu einem Vostellungsgespräch.

Hier meine Mails aus der Zeit:

27.7. 2004

"Das Vorstellungsgespräch für ein Praktikum bei "..." in Tokyo war gestern um 14.30h in Düsseldorf.

Ich hatte einen irrsinnig arroganten, gelangweilten Typen vor mir, der mich, wenn's hoch kommt, fünfmal direkt angeguckt hat. Ich hatte nicht das Gefühl, daß er auch nur einen Satz meiner Bewerbung gelesen hatte. Abgesehen davon hat er immerzu aus dem Fenster geguckt und mich mit Zigarillos eingequalmt. Er hat mein "Wirtschaftswissen" abgefragt, das ich nunmal einfach nicht habe. Als er meine Antworten als unzureichend bemängelt hat, habe ich ihn dezent darauf aufmerksam gemacht, daß ich aus einem anderen Bereich komme, aber gerne bereit bin, meinen Horizont zu erweitern. (Was ich mit dem Praktikum ja auch vorhatte.) Danach kam das zweite Gespräch mit einer erheblich netteren Frau, die mich behandelt hat, als hätte ich den Job schon. - Viel unterschiedlicher geht es wohl kaum...

Es ist also noch alles drin. Im Laufe dieser Woche höre ich von denen. Wenn das alles klappt, muß ich im November zu einer einwöchigen Schulung nach Düsseldorf und darf mich dann in Tokyo für ein Taschengeld 10 Stunden am Tag in Anzug oder Kostüm abrackern, um dann hinterher vielleicht noch einen Job bei "..." angeboten zu bekommen.

Naja, aber ich wollte es ja nicht anders; sonst hätte ich mich ja nicht beworben..."
Bild_small

Ich hätte also Thomas im Oktober alleine nach Japan fliegen lassen müssen.

2.8.2004
"Vom Praktikum habe ich bisher nur noch eine Anfrage nach noch mehr Zeugnissen bekommen. Tja..."

Zwei Monate nach dem Vorstellungsgespräch kam dann die Absage. Die dazugehörige Rundmail:

15.9.2004

"Liebe Leute! Unten könnt Ihr Euch davon überzeugen, was dabei herauskommt, wenn man zwei Monate auf Antwort bzgl. eines Praktikumsplatzes warten muß. Zum Schluß war ich wirklich eher sauer auf die Leute, weil sie mich so hängen lassen haben, was meine Planung wirklich sehr erschwert hat. Deshalb bin ich jetzt sogar erleichtert und lasse mich durch die Absage nicht unterkriegen. - Immerhin fliege ich mit einem Visum nach Japan, zu dem es in Tokyo eine extra Arbeitsvermittlung für Ausländer gibt. Wäre doch gelacht, wenn sich da nichts finden ließe!"

Mittlerweile weiß ich, daß sie dort nur Englisch Muttersprachler wollen und daß fast alle anderen Jobs erfordern, daß man fließend Japanisch spricht.

16. Mai 05

Hausfrau???

von Gunda

"Was machst du eigentlich so den ganzen Tag?"
Die Frage habe ich mittlerweile SO oft gehört, daß ich sie hier jetzt mal für alle beantworten will, die sich noch nicht getraut haben, zu fragen.

Also, im Prinzip suche ich immernoch einen Job.
Am Anfang hatte ich wenig anderes im Kopf und habe mir tierisch viel Streß damit gemacht, daß ich unbedingt Arbeit brauche. Damit dieser Streß aufhört habe ich irgendwann beschlossen, meine Habachtstellung zu verlassen und mir vorgenommen, meine Zeit so zu verbringen, daß ich das Gefühl habe, es geht mir gut und meine Tage sind ausgefüllt. Trotzdem habe ich meine Zeit nicht so vollgepackt, daß ich vor lauter Freizeitstreß nicht mehr arbeiten könnte. Ich bin also noch jederzeit bereit. Ich habe mir die Arbeitssuche in zwei Phasen eingeteilt: Die Phase, in der ich suche und die Regenerationsphase. - Sonst geht mir die Energie aus.

Bin ich jetzt "arbeitssuchend"? Oder "Hausfrau"?
Keine Ahnung. Mit Letzterem kann ich mich zwar nicht identifizieren; aber meine Hauptaufgabe, mein "Job", wenn man so will, besteht tatsächlich im Moment zu einem großen Teil aus Hausarbeit. In Berlin hatten wir uns das geteilt; jetzt habe ich es übernommen. Erstens natürlich, weil ich mehr Zeit habe und zweitens, weil Thomas hier viel länger arbeiten muß als in Berlin. Trotzdem fühlt sich Thomas immernoch für unseren Haushalt mitverantwortlich. Donnerstag und am Wochenende kocht er meistens. Außerdem macht er auch noch alles, was ich nicht kann.

Mein Tag fängt meist damit an, daß wir zusammen abwaschen. Nach dem Frühstück geht Thomas zur Arbeit und ich setze mich an den Computer, um den Vormittag über Mails zu schreiben und zu beantworten, Fotos zu verwalten, Sachen für die Homepage zu schreiben, Infos im Internet zu suchen usw.
Mittags hole ich mir oft etwas zum Essen aus dem Supermarkt, was da frisch zubereitet wird.
Dann geht's an die Hausarbeit. Im Moment ist da viel zu tun, weil wir ein kleines bischen Schimmel in dem Teil der Wohnung haben, den man im Winter nicht heizen kann (Das ist hier völlig normal.), die Kleidung gegen die Sommerschwüle und die Vorräte gegen Ungeziefer gewappnet werden müssen. Ich mache jeden Tag ein bischen was, sodaß ich noch Freizeit danach habe. Am Anfang der Woche putze ich meist. (Manchmal wird es auch Ende der Woche.) Einmal in der Woche wasche ich Wäsche, was fast den ganzen Tag dauert, da man diese Waschmaschine immer nur halb voll machen kann, weil sie sonst beim Schleudern umkippt.
Tja, und am Nachmittag mache ich ganz viele verschiedene Sachen: Lesen (auch für die Uni und natürlich über Japan), Ausflüge in die Umgebung oder nach Tokyo, Schmuck produzieren, Fotografieren (natürlich auch das Schwein
so oft wie möglich), mich mit Leuten treffen, zweimal im Monat den Konversationskurs Deutsch leiten (und das natürlich vorbereiten), versuchen, in Bewegung zu bleiben, seit Neuestem einmal im Monat Ikebana, demnächst wahrscheinlich Kaligraphie ... Eigentlich fällt mir dann auch immer spontan was ein, was ich nochmal unbedingt machen will. Z.B. bummle ich sehr gerne durch die 100-Yen-Shops, die überhaupt nicht so ramschig sind, wie die 99-cent-Läden in Deutschland, sondern viele Sachen von richtig guter Qualität haben. Das regt meine Kreativität sehr an. In Tsukuba oder den anderen Städten um uns herum zu bummeln macht natürlich auch Spaß.
Dienstags habe ich ja dann immer vormittags mit Thomas zusammen Japanisch, was wir Montagabend meist vorbereiten, bzw. von vergangener Stunde nachbereiten. Und einmal im Monat muß ich ins Krankenhaus, um mir ein neues Rezept zu holen. - Das dauert mit Anfahrt und Warten immer fast den ganzen Tag.
Zwischen 17 und 18 h gehe ich meist einkaufen und lasse mich im Supermarkt ein bischen treiben, um herauszufinden, was ich kochen will, wenn Thomas kommt. Eigentlich hat mir Kochen früher nie Spaß gemacht, und in Berlin hat Thomas fast immer gekocht. Aber seit ich hier öfter mal rumprobiere, geht es eigentlich. Und wenn ich absolut keine Idee oder Lust habe, kocht Thomas eben. - Dem macht das einfach mehr Spaß.
Zwischen 20 und 21 h kommt Thomas dann nach Hause. Wir essen, und hinterher spielen wir was, basteln am Computer rum oder jeder läßt den Tag für sich ausklingen.
Manchmal ist es so, manchmal aber auch ganz anders und alles wird über den Haufen geworfen.

Am Wochenende machen wir, wie man unserem Tagebuch entnehmen kann, oft zusammen Ausflüge oder Kurzreisen, treffen Leute, ruhen uns aus oder basteln an den ganzen Homepages.

Wie Ihr seht, wird es mir eigentlich nie langweilig. Im Prinzip kann ich hier ganz viele Dinge tun, für die ich in Deutschland oft keine Zeit oder Gelegenheit hatte. Im Moment habe ich schon das Gefühl, sehr frei zu sein. Klar, manche Dinge müssen einfach gemacht werden; auch, wenn sie keinem Spaß machen. Und natürlich wünsche ich mir auch weiterhin eine Arbeit. Ich habe auch nicht das Gefühl eines "Langzeiturlaubs".
Mal sehen, worunter ich das alles ganz am Ende verbuchen werde...

10. Mai 05

Stellenbörse

von Gunda

Heute habe ich die Zusage erhalten, daß mein Stellengesuch in der Stellenbörse der Juni-Ausgabe des Deutsch-Japanischen Wirtschaftsmagazins der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan erscheinen wird.
Damit hatte ich bis jetzt gewartet, weil ich hoffte, daß es auch ohne gehen würde, weil das kostenpflichtig ist und weil ich mir die Anzeige erst auf Japanisch übersetzen lassen mußte. (Die nehmen nur zweisprachige Einsendungen.) An dieser Stelle ein ganz herzliches DANKESCHÖN an Hidehiko fürs Übersetzen!!!

Diese Anzeige ist mein letzter Joker. Danach bin ich ratlos...

14. April 05

DSV

von Gunda

Heute war mein erstes Treffen mit dem Konversationskurs des Deutschen Sprachvereins Tsukuba, der sich zweimal im Monat (ab heute mit mir) trifft.
Wie schon beschrieben sind die Leute alle sehr nett und vorallem sehr interessiert, und ich wurde freundlich empfangen.
Ich muß mich nur noch daran gewöhnen, daß man am Eingang des Gemeinschaftshauses die Straßenschuhe gegen Plastiklatschen tauschen muß und die Straßenschuhe dann in einem Regal vor dem Haus fleißig Insekten einladen. Cimg5349_small
Außerdem muß ich mich noch daran gewöhnen, daß von 15 Leuten immer nur 5-7 kommen. Und zwar nicht alle auf einmal, sondern (wegen der Arbeit) kleckerweise; der Letzte um 10 Minuten vor Schluß... Und dann muß ich mich noch daran gewöhnen, daß nicht immer die gleichen Leute da sind, ich also nicht die Stunden aufeinander aufbauen kann, sondern sie in sich abgeschlossen sein müssen.
Aber alles in allem macht mir der Kurs Spaß. Und das ist ja für alle Beteiligten die Hauptsache.

01. April 05

April, April!

von Gunda

Das mit der Botschaft und der Uni in Tokyo war endgültig nix. - Ich kann halt nicht genug Japanisch und Deutschland ist ja bekanntermaßen (trotz anzubietender Arbeit) eh pleite...  ;-)

31. März 05

NOVA

von Gunda

Ich hatte mich in meiner Verzweiflung schon bei sämtlichen Sprachenschulen Japans beworben, die Deutsch anbieten.
Wer in Japan als Ausländer Arbeit sucht, wird irgendwann notgedrungen auf NOVA, Japans größte Sprachenschule (mit Filialen wirklich überall) stoßen. Genauso schnell wird er bei der Recherche über diese Schule (im Internet oder der englischsprachigen Presse in Japan) auf vernichtende Kritik stoßen. Sie reicht über Knebelverträge, Wochenend- und Nachtarbeit bis hin zu mangelndem Urlaub, genauen Vorgaben des Unterrichtsstoffs und Rausschmiß bei öffentlicher Kritisierung des Unternehmens. Überhaupt scheint ein Rausschmiß recht schnell bei der Hand zu sein.
Was ist dran? Ich kann's nicht sagen. Ich kann nur einiges aus meinem kurzen Kontakt schließen.
Bewerbung im Dezember, Absage, Anruf am 9.3.'05, daß sie mich unter gewissen Umständen doch wollen. Erstmal sollte ich nach Tokyo umziehen. Das hab ich gleich abgeleht, weil man da auch nicht SO viel verdient, daß man sich sowas leisten könnte. Außerdem will ich mit Thomas zusammenwohnen.
Ich sollte mindestens einen Tag am Wochenende arbeiten und dafür einen Tag in der Woche wenigstens zur Hälfte frei haben. Insgesamt hätte ich immer dann arbeiten müssen, wenn Thomas zu Hause ist und bis nachts in Tokyo bleiben müssen. Ich sollte den Herrn am nächsten Tag nochmal anrufen. Nach langem Ringen mit mir und Ratsuche bei Thomas habe ich mich schweren Herzens dafür entschieden, da zu arbeiten. Ich wollte den Spieß einfach umdrehen: Wenn es mir zu viel wird, feuere ich die als Arbeitgeber, nicht umgekehrt.
Am nächste Tag mußte ich zum Arzt, was länger als erwartet dauerte. Also habe ich etwas zu spät bei NOVA angerufen, wo sie meinten, mein Kontaktmensch sei gerade in einer anderen Filiale und mir die Nummer von da gaben. Als ich dort anrief, kannte den Typen da angeblich keiner. Also wieder bei der ersten Nummer angerufen, wo sich die Leute entschuldigten; es hätte in letzter Zeit Umstrukturierungen gegeben, da würden die Leute einander noch nicht so kennen. (Nach deren Praktiken werden die Leute wahrscheinlich gekündigt, bevor sie jemanden kennenlernen können...) Ich habe also meine Nummer bei der ersten Verbindung gelassen und um einen Rückruf gebeten, der nie erfolgt ist. Stattdessen habe ich zwei Wochen lang zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten versucht, den Typen zu erreichen, der sich aber ganz offensichtlich immer verleugnen ließ. Mal verstand der Mensch am anderen Ende der Leitung plötzlich kein Englisch und es war auch niemand in der Nähe, den er hätte holen können (Toll, so bei 'ner internationalen Sprachenschule...), mal arbeitete der Herr gar nicht da, mal hatte es ihn nie gegeben... usw.
Dann habe ich aufgegeben, und es ist vielleicht, im Nachhinein betrachtet, auch besser so.

Unterrichtsmöglichkeiten (allerdings eher für Englisch Muttersprachler) gibt es ja auch im Internet:

- Gaijinpot
- Jobs in Japan
- Geocities
- Find a Teacher

Da habe ich aber bisher auch nichts gefunden.

03. Februar 05

Institution

von Gunda

Im Juli 2004 hatte ich mich bei einer großen deutschen Institution beworben, deren Namen ich im Folgenden nicht nennen möchte. (Nein, es ist nicht die Deutsche Botschaft!) Diese Institution hatte mich zunächst, wie alle anderen ignoriert. Bis zum

30.12.2004

"Sehr geehrte Frau Niedermeyer,
sollten Sie nach wie vor Interesse an einem Praktikum bei uns haben (ab 1. April 2005) würden wir Sie gerne zu einem Gespräch zu uns einladen. Bitte rufen Sie mich ab 5. Januar zwecks Terminabsprache an."

Auszüge aus Mails an Ortrun:

6.1.2005
"Oh, hatte ich vergessen, davon zu schreiben. Also, die Frau war sehr nett, das Gespräch werden aber wohl zwei andere Leute führen. Sie hat mich gefragt, wann ich Zeit habe und macht dann mit denen einen Termin aus. Tja, und dann muß ich um 9h in Tokyo sein, was heißt, daß ich gräßlich früh aufstehen muß. Dann hab ich der Frau noch meine Adresse und Telefonnummer gemailt und das wars dann auch schon. - Ziemlich unspektakulär erstmal."

18.1.2005
"So viel erstmal dazu:
Irgendwie habe ich mich hinterher 'verpatzt' gefühlt. Aber das tue ich fast immer hinterher. - Ich mag solche Situationen einfach nicht.
Es gäbe ziemlich wenig Geld, und die Hälfte davon würde für Fahrgeld draufgehen. Aber das Prestige wäre toll. (Wahrscheinlich muß ich Thomas dann doch wieder auf der Tasche liegen...)
Der coolste Spruch war: 'Sie müssen aber schon alles können. Lernen können Sie bei uns nichts; wir haben hier keine Zeit dafür, Sachen großartig zu erklären.' - Klar, dafür sind ja Praktika auch nicht da; zum Lernen... ???!!!"

">Aber was sollst du denn überhaupt machen?
Alles, wenn ich das richtig verstanden habe. Im Prinzip habe ich mich gestern ohne mein Wissen für ZWEI Praktikumsstellen beworben, und die entscheiden jetzt, wofür und ob ich überhaupt besser geeignet bin. Und dann bin ich Mädchen für alles, eben nur an eine von zwei möglichen Abteilungen angegliedert. Aber die stellen sowieso einiges um, wenn die alte Praktikantin weg ist. Deshalb konnten die da noch nicht so viel zu sagen, außer, daß ich bei den wöchentlichen Sitzungen Protokoll schreiben muß, was im Internet recherchieren muß, Exel, Powerpoint und Word können muß, kopieren und abheften und manchmal Kaffee servieren soll. - Hörte sich an, als bräuchten die eher ne Sekretärin, die wirklich schon alles kann... (Aber sowas ist ihnen dann wohl doch zu teuer.)"

28.1.2005
"... mußte ...  hinterhertelefonieren, um zu erfahren, daß ich noch ne Woche warten soll, ..."

2.2.2005
"Ich warte immernoch auf Antwort von ..., ob ich da nun ab April ein Praktikum anfangen kann, oder nicht. Trotz telefonischer Nachfrage lassen die mich ganz schön hängen..."

... und dann das Übliche:

3.2.2005
"Sehr geehrte Frau Niedermeyer,
allem vorab möchten wir um Entschuldigung bitten, dass Sie so lange auf eine Antwort von uns warten mussten. Durch ein sehr hohes Arbeitsaufkommen gestaltete sich die Verteilung der anderen Interviews recht schwierig.
Heute morgen fiel nun endlich die Entscheidung - und zwar auf eine Japanologiestudentin mit den Nebenfächern Kommunikations- und Medienwissenschaft.
Wir bedauern, Ihnen diese negative Nachricht zukommen lassen zu müssen und möchten nicht versäumen, Ihnen nochmals für Ihr Interesse an einem Praktikum bei uns zu danken."

Mittlerweile habe ich von verschiedenen Seiten "mit Überblick" gehört, daß es nicht das Schlechteste sei, da abgelehnt worden zu sein...

27. Januar 05

Deutscher Sprachverein Tsukuba (DSV)

von Gunda

Über die Ausländer-Mailingliste hatte ich erfahren, daß für den Konversationskurs des Deutschen Sprachvereins Tsukuba ein Muttersprachler gesucht wurde, der den Kurs leiten will.
Die Treffen finden zweimal im Monat für jeweils zwei Stunden im Gemeindehaus "Takezono Kominkan" statt. Bisher wurde der Kurs von einem deutschen Ehepaar geleitet, das aus beruflichen Gründen demnächst aber in den Süden Japans umziehen wird.

Ich habe mich also beworben und mir den Kurs heute einmal live angeguckt.
Er besteht aus Japanern ganz unterschiedlichen Alters, die alle schonmal länger in Deutschland oder Österreich waren und fließend Deutsch sprechen. Alle sind sehr interessiert daran, ihre Sprachkenntnisse lebendig zu halten, etwas über deutsche Kultur zu erfahren und ihren Wortschatz zu erweitern.
Da die Atmosphäre sehr locker und die Leute sehr nett waren, habe ich hinterher zugesagt, den Kurs zu übernehmen.
Das ist zwar keine volle Arbeit, aber immerhin ein Anfang...

24. Januar 05

European School

von Gunda

Na gut, ich habe mich ergeben. Wenn mich keiner dafür will, womit ich mich weiterbilden kann, dann muß ich eben das machen, was ich in Deutschland auch schon gemacht habe: Deutschunterricht für Leute geben, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.

Ich habe mich also bei der European School in Tsukuba beworben.
"Ms. Nidayama? - Are you married to a Japanese man?" (Das ließ sich der französische Leiter der "Schule" bis zum Schluß nicht ausreden.) - Klar, der "Nida-yama" ist, gleich neben dem Fuji-yama, der zweithöchste Berg Japans...
Wieder ein Blechcontainer, der zudem noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr schlecht zu erreichen war. Und ein Gehalt, das so ungefähr die Fahrtkosten gedeckt hätte. Ganz zu schweigen von Lehrbüchern aus den 80er Jahren, die der Schulleiter generös mit "Sie können auch ein neues Konzept erarbeiten." kommentierte. - Das wären dann nochmal einige Stunden unbezahlte extra-Arbeit gewesen...
Ich habe also NICHT zugesagt.

08. Dezember 04

suchen…

von Gunda

Ich bin also nach Tokyo gefahren, um zu suchen.

Erst habe ich (wieder mal) Arbeit gesucht und bin zum Working-Holiday-Büro gefahren. Dort habe ich feststellen müssen, daß es einfach nur Arbeit für Englisch Muttersprachler gibt, was mich schonmal nicht so begeistert hat. Dann habe ich beim Suchen noch so einiges im Hintergrund mitbekommen, was sehr interessant war: Viele der anderen Leute mit Working-Holiday-Visum sind deutlich jünger als ich (klar, geht ja auch nur bis 30) und nehmen den Aufenthalt in Japan eher als Auslandsjahr nach dem Abi. Die meisten wohnen zusammen in irgendeinem Gästehaus in Tokyo, sind alles Englisch Muttersprachler und natürlich oft im Büro auf Jobsuche. Diese Leute werden von den Mitarbeitern schon mit Namen begrüßt, wenn sie reinkommen und ziemlich hofiert, um die ganzen Jobs auch wirklich mit Muttersprachlern zu besetzen. Die lassen sich das natürlich gerne gefallen und reden oft ziemlich schnell auf die japanischen Mitarbeiter (oft noch mit irgendeinem regionalen Akzent) ein, die leider aber nicht mit besonders guten Englischkenntnissen gesegnet sind, aber natürlich immer zu allem „Ja“ sagen. Alles in allem habe ich das Haus mit dem Eindruck verlassen, daß diese Jobvermittlung dafür da ist, Japanern Englisch beizubringen und zu diesem Zweck Muttersprachler über das ganze Land zu verteilen. – Viel habe ich da wohl nicht mehr zu erwarten…

Dann bin ich zum Goethe-Institut gefahren, weil ich einen Deutsch sprechenden Optiker gesucht habe. Thomas hat nämlich seine Brille ramponiert und konnte keinem japanischen Optiker erklären, was er genau mit der Brille machen sollte. Die im Goethe-Institut waren über die Frage sehr amüsiert, konnten uns aber nur einen gut Englisch sprechenden Optiker empfehlen, was aber auch schon weitergeholfen hat.

Als nächstes habe ich das Gemeindehaus der deutschsprachigen katholischen Gemeinde gesucht, in der ein Film vorgeführt wurde und anschließend eine Diskussion stattfinden sollte. Ich hatte nur die Karte aus dem ökumenischen Gemeindebrief, die auch wenig beschriftet war. Ich hatte gehofft, es wäre einfacher, das Gebäude in der übersichtlichen Villengegend zu finden. Doch dann mußte ich doch jemanden nach dem Weg fragen. Der Mann hatte seine Brille vergessen, hat dafür aber extra für mich ein Polizeiauto angehalten. Die Polizisten hatten zwar einen viel besseren Plan, konnten mir dann aber auch nur die ungefähre Richtung zeigen. Dann bin ich nach längerem Umherirren an einem Convinience-Store gelandet, dessen Besitzer seine Frau mit der Suche beauftragt hat. Die hatte auch einen Umgebungsplan, war aber doch recht erstaunt, als ich (nach der Konsultation meines Wörterbuches) erklärte, es handele sich bei dem gesuchten Haus um eine deutsche Kirche. Sie hat mich kurzerhand in ihr Auto verfrachtet und ist mit mir mehrfach in der Gegend rumgefahren. Zwischendurch sind wir immerwieder zum Laden zurückgefahren, um doch nochmal auf der Karte nachzugucken. Nach einer Stunde Verspätung lohnte es sich dann aber auch nicht mehr, und ich habe gesagt, ich würde dann lieber zum Bahnhof zurück, woraufhin die Frau mich den (doch recht langen Weg) dann netterweise auch noch gefahren hat.

Alles in allem habe ich den ganzen Tag nur gesucht, aber wenig gefunden und bin müde, aber doch recht amüsiert über die vielen neuen Eindrücke nach Hause gefahren.

22. November 04

Vorstellungsgespräch

von Gunda

Der Mensch von der Sprachenschule für Englisch hatte sich am Freitag dann doch noch gemeldet und mir einen neuen Termin für ein Vorstellungsgespräch gegeben.

Das fing damit an, dass der Filialleiter angesichts meines englischen (!) Curriculum Vitae, das ich ihm per Mail geschickt hatte, meinte: „I could not understand this. Is it perhaps written in german?“

Dann hat er mir einen Arbeitsplatz angeboten, zu dem ich EINE Strecke ZWEI Stunden brauche, um manchmal vier, manchmal aber auch nur zwei Stunden zu unterrichten. Die Leute waren ziemlich unter Zeitdruck und ich war die einzige Bewerberin. Irgendwer war plötzlich abgesprungen. Das mit den zwei Stunden sollte ein paar Monate so gehen. In der Zwischenzeit wollten sie extra meinetwegen eine geschlossene Filiale aufmachen, zu der ich dann 80 Min.brauchen würde. Dann sind wir da hin gefahren, wo ich anfangs arbeiten sollte. Das war ein winziger versiffter Raum in einem durchgerosteten Container, der sich wiederum in einem Dorf befand. In dem Raum saßen fünf völlig übermüdete Kinder mit einer mäßig engagierten Lehrerin rum. Also habe ich mich auf dem Rückweg gegen den Job entschieden. Ausserdem hätte ich dann an den folgenden zwei Tagen, wovon der folgende ein Feiertag (Tag des Dankes an die Arbeiter) war, zur Schulung nach Tokyo gemußt, und wir hatten schon Pläne für den Feiertag. Dann war plötzlich im Zug der Akku meines Handys leer; ich sollte den Herrn von der Sprachschule aber anrufen. Also habe vom Bahnhofs-Telefon in Arakawaoki im letzten Moment da angerufen und abgesagt. Als ich zu Hause ankam, hat der Mensch nochmal angerufen. Er hätte mit der Zentrale telefoniert. Sie würden mir einen Stundenlohn für die Fahrt zahlen und ich könnte vielleicht nur einen Tag zur Schulung und bräuchte auch erst anzufangen, wenn sie die 80-Minuten-Filiale aufgemacht haben. Ich habe trotzdem am nächsten Tag abgesagt. Ich wollte einfach nicht unter diesen Umständen als vorgegaukelte „english native“ unterrichten.

Stattdessen habe ich mich am nächsten Tag bei allen größeren Sprachschulen der Umgebung, die Deutsch anbieten, als Lehrerin beworben.

17. November 04

Job-Hoffnungen

von Gunda

Zitate aus Mails:

23.9.2004
"Ja! Und jetzt hab ich auch noch zwei ungeahnte Asse im Ärmel: 1) ein Kollege aus dem JDZB, der jetzt in der Deutschen Botschaft arbeitet und meint, es gäbe sehr viel zu tun. 2) die Mutter einer Freundin, die in ner Uni inTokyo arbeitet."

13.11.2004
"(Wenn alles klappt, bin ich ab uebernaechster Woche Englischlehrerin fuer Kleinkinder. - Na, besser als gar nichts... ;-) ) "


17.11.2004
"Also, die Leute, mit denen ich bisher da zu tun hatte, konnten alle mehr schlecht als recht Englisch. Als quasi-native-speaker eingestellt zu werden finde ich auch immernoch komisch, was mein Vertrauen in das Konzept nicht gerade stärkt. Ich hab auch nicht genug Sicherheit, weswegen ich das anfangs auch gar nicht machen wollte. Aber es wäre jetzt mal ganz gut, eigenes Geld zu haben, und das steht jetzt im Vordergrund. - Seufz!"

12. November 04

Internet, Fernsehen, Vorstellungsgespräch

von Gunda

Am Vormittag („between 9am and noon“) kamen die Leute von J-com. Erst war es nur einer. Der schloß uns ohne Komplikationen unseren (bilingualen) Fernseher ans Kabelfernsehen an und bescherte uns damit einen Decoder, viele englischsprachige Programme und eine weitere japanische Fernbedienung. (Mit deren Hilfe kann man z.B. deutsche Politiker in der ZDF heute-Sendung wahlweise Deutsch oder Japanisch sprechen lassen.)

Als es dann ans Internet ging, waren es schon zwei, die an der entsprechenden Steckdose rumwerkelten. Irgendwie hatten wir uns das zügiger vorgestellt. Thomas hatte eigentlich nur Probleme mit der Installation der japanischen Zugangssoftware auf unserem deutschen Rechner gesehen. Aber es schien irgendwie schon vorher zu haken. Als sie dann plötzlich zu dritt waren und immer raus und wieder rein rannten, wobei sie bei jedem Betreten der Wohnung ihre Schuhe auszogen und „Shitsulei shimas!“ (wörtlich: „Ich bin unhöflich.“) riefen (besonders beeindruckend bei dem mit den Gummistiefeln), kam uns dann doch schon einiges komisch vor. Zum Schluß kratzten sie ihr letztes gemeinsames Englisch zusammen, malten einige Skizzen und wollten uns schon mit „no energy“ und ohne Internet verlassen, als wir den Englisch sprechenden Kundenberater plötzlich am Firmen-Handy hatten, der sich bei Thomas ganz oft entschuldigt hat und ihm das Ganze auf Englisch erklärte. Vorher war ich aber auch fast dem Nervenzusammenbruch nahe, weil ich mich schon abgeschnitten von Deutschland und vorallem ohne das wichtigste Medium bei der Jobsuche zu Hause sitzen sah. Letztendlich ist dann herausgekommen: Die Kabel im Haus sind zu alt für Internet. Man kann etwas empfangen, aber nichts senden. Am Dienstag wollten sie wiederkommen, um neue Kabel zu legen (nur für unsere Wohnung) und uns endlich anzuschließen. Das Modem haben sie hier gelassen.

Dann wurde die Zeit aber auch schon ganz schön knapp, denn ich mußte ja zum Vorstellungsgespräch. Mir wurde artig die Firmenphilosophie vom Vordruck abgelesen, mir einige Prospekte gezeigt und erklärt, man suche eine Englischlehrerin für Kleinkinder (9 Monate bis 3 Jahre), die nach dem „Muttersprachenkonzept“ (einfach drauflos quatschen, irgendwann werden sie schon was verstehen) mit schuleigenem Material unterrichtet. Im Prinzip handelt es sich dabei wohl eher um eine Beschäftigungstherapie für bildungselitäre gelangweilte Mütter. Die sind nämlich auch anwesend und sollen dem Umgang mit den Materialien lernen, von deren Verkauf die Schule eigentlich zu leben scheint. Der Service „Muttersprachler-Unterricht“ bedeutet also: Sie engagieren im besten Fall einen englischen Muttersprachler (im schlechtesten Fall eine Deutsche mit „Emergency-English“-Kenntnissen), der dem japanischen Lehrer, der auch die ganze Zeit Englisch spricht, assistieren darf. (Ähnliches hatte ich auch schon von Sprachunterricht an Schulen gehört.) Natürlich war ich sofort total „begeistert“, weil das erstmal meine einzige Chance ist. Wechseln kann ich später immernoch. Ich sollte auf einen Anruf am Nachmittag warten, der kam aber nicht. – War wohl nix.

Spät am Abend habe ich dann einen Anruf von einer anderen Filiale (inzwischen schon die dritte, zu der ich weitergereicht wurde) bekommen, sie würden mich Samstag nochmal anrufen, um alles Weitere zu besprechen.

Super Nachricht: Am Dienstag kommen unsere Seekisten! – Gleichzeitig mit den Internet-Technikern.

10. November 04

suchen

von Gunda

Der Tag war mit Rumtelefonieren, am Telefon Vorstellen und Termine Ausmachen ganz gut gefüllt. Oft war der Anruf eher eine Enttäuschung, weil sie mich nicht wollten. Ich habe aber auch bei den Zusagen versucht zu verbergen, daß dieser Job nicht das ist, was ich machen will. Letztendlich hat es geholfen, daß Thomas meinen Lebenslauf per Mail an die eine Firma geschickt hat, und ich habe für Freitag einen Termin zum Vorstellungsgespräch bekommen. Was genau mich da erwarten würde, wußte ich nicht. Ich wußte nur, daß es sich um eine Sprachenschule handelt.

09. November 04

Jobsuche

von Gunda

Sonne und immernoch frühlingshaft warm. Wenn die Sonne dann so ab 17 h weg ist, wird’s aber schon etwas kalt. (Also: Immer Jacke mit rumschleppen und abends anziehen.)

Mittags bin ich in Tokyo zum Working Holiday-Büro gegangen, das einen Job-Service für Inhaber eines Working Holiday-Visums anbietet. (Typisch Deutschland: Umgekehrt gibt es sowas nicht. Noch nichtmal eine Anlaufstelle.) Ich habe mich registrieren lassen. Alle waren sehr nett zu mir und ausgesprochene Deutschland-Fans, was das Klima zwar verbesserte, meine Job-Situation aber leider nicht. Da die Arbeitgeber auch immer die Anfahrt zur Arbeit bezahlen müssen, nehmen Anbieter aus Tokyo natürlich ungerne Leute, die so weit außerhalb wohnen, wie ich. Also war bei aller Freundlichkeit, die mir entgegengebracht wurde, der Besuch dort ziemlich ernüchternd. Was ich aber noch ernüchternder finde, ist, daß es wohl über kurz oder lang darauf hinauslaufen wird, daß ich DOCH wieder Deutsch (oder Englisch) unterrichte, was ich ja eben gerade nicht mehr tun wollte. Vielmehr hatte ich gehofft, daß mein Aufenthalt hier eine Wendung mit sich bringen würde und ich etwas tun könnte, das mir neu ist und mich dem mehr entgegenbringt, was ich in Zukunft in Deutschland machen will. Eigentlich hätte ich lieber irgendeine Büroarbeit in einer japanischen oder internationalen Firma gemacht, um dort die Kommunikation der Leute untereinander zu beobachten. Aber erstmal muß ich wohl ans Geldverdienen denken…

Entscheidend ist vorallem, daß ich endlich das Gefühl habe, angekommen zu sein und deshalb auch jetzt erst so richtig mit der Suche beginne. (Wie sagte doch eine gute Freundin ganz richtig: „Die Seele kommt nicht so schnell nach.“) Die Wohnung ist dabei schon ein ganz wichtiger Punkt, denn so haben wir beide einen Ort, den wir selbst gestalten, an den wir immerwieder zurückkehren können, an dem wir leben.

Nachmittags habe ich mich dann noch mit Madoka getroffen. Bis in den Abend hinein haben wir in einem Café intensive Gespräche geführt. Es sollte unser letztes Treffen vor ihrem Rückflug nach Berlin sein.

Letzte Einträge

April 2008

Mo Di Mi Do Fr Sa So
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30        

Rechts

Statistik

Pagerank erhoehen
Blog counter - free blog (homepage / website) visitor hit tracking and statistical system