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15. September 06

Abschied, Hand- und Kopfarbeit

von GundaCimg4937_medium

Natürlich häufen sich jetzt die Abschiede immer mehr, und manche habe ich schon gar nicht mehr aufgeschrieben vor lauter Streß. (Z.B. den von meinem Konversationskurs gestern...)

Heute war meine letzte Kalligraphiestunde.

Die Lehrerin hat mich zu Hause abgeholt, und wir sind zusammen zu Jutta gefahren. (Bis dahin nichts Ungewöhnliches.) Edith hatte Besuch von zwei jungen Damen aus Deutschland, die bemerkenswert viel gemeinsam hatten: Sie heißen beide Amelie, sind Linkshänderinnen und blond, dazu noch beste FreundinnenCimg4945_medium und ziemlich gut drauf. Alles in allem eine prima Mischung, um den Unterricht zu beleben. (Nicht, daß er sonst langweilig gewesen wäre...)

Der Start der Stunde war erstmal ganz normal; bis ich mir ein Kanji zum Abschied aussuchen durfte. Tja, so überraschend schnell was ausdenken? Ich habe nach einigem Überlegen 故郷 (furusato / Heimat) ausgesucht, weil Heimat für mich im Moment das ist, was ich mir am meisten wünsche. Ich möchte ein Zentrum haben, einen Platz, bei dem ich nicht von Anfang an im Hinterkopf haben muß, daß ich bald wieder weg muß. (Das heißt nicht, daß ich demnächst zum Stubenhocker werde...)

Dann kam die übliche abschließende Kafferunde, zu der die Lehrerin (extra wegen meines Abschieds) etwas aus ihrer Heimatregion Hokkaido (mit Zutatan daher) beisteuerte: Heiße Kartoffeln in Milchsuppe mit Zimt und Zucker. - Im Prinzip das Gleiche wie Milchnudeln...Cimg4946_medium

Die Deutschen waren zum Abschied zum Glück nicht besonders rührselig. Auf dem Rückweg fragte mich dann die Lehrerin, wie mir die Gegend hier gefallen hatte. Ich war sehr vorsichtig, habe aber auch gesagt, daß sie halt wenig japanisch, sondern mehr amerikanisch wirkt, was für "Westler" etwas weniger interessant ist. (Antwort: "Yes, modern style." ...)

Weil ich ihr auch was geschenkt hatte, schenkte mir die Lehrerin den Rest unseres Übungspapiers ;-) und nahm mich ganz unjapanisch mit Tränen in den Augen in den Arm. "I will miss you", sagte sie immerwieder und versprach mir, nach Deutschland zu kommen, wenn wir unser erstes Kind bekommen.

Das alles konnte ich eine halbe Stunde lang verarbeiten, dann stand auch schon Thomas auf der Matte.

Später kam Mari zum Essen. Wir wollten mit ihrer Hilfe (weil wir nicht die Titel, sondern nur die Melodien kannten und vieles nicht lesen konnten) die Top 10, die uns die letzten zwei Jahre in Kaufhäusern, Restaurants und beim Sport begleitet hatten, bei iTunes kaufen. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus, denn Thomas konnte mit seiner deutschen Kreditkarte nur in der deutschen Version einkaufen, die wenig bis keinen J-Pop zu bieten hatte. Mari hat dann einen Account für sich eröffnet und uns den Preis mit ihrer Kreditkarte vorgestreckt. - Letztlich hat sie damit den Fernseher bezahlt, den sie von uns bekommt, wenn wir aus der Wohnung ausziehen.

Alles in allem war das natürlch etwas schwierig, weil Mari ja auch nicht alle Lieder kannte. Schon gar nicht alle mit Titel. Und iTunes hat einfach auch nicht alles. Aber Mari hat sich wirklich tapfer geschlagen und sich unsere Sammlung zur Aufgabe gemacht. Das war wirklich toll. Ich glaube, wenn ich das mit deutschem Pop hätte machen sollen; ich wäre heillos verzweifelt.

Anschließend habe ich dann noch (inzwischen schon mitten in der Nacht) Mari spontan bei der Produktion ihres ersten Ringes angeleitet. Der ist wirklich gut geworden. (Wenn ich da an meinen ersten Versuch denke...) Leider gibt es kein Foto von dem Ergebnis.

Um 2 h war dann dieser lange, lustige, aber auch ein bischen traurige Tag vorbei. Fünf Stunden Schlaf, dann geht es weiter...

04. September 06

Beach, Bowling & Buddhas

von Thomas

Am Samstag wollten wir eigentlich beide nach Kamakura an den Strand fahren, leider konnte Gunda dann aber nicht mit, weil ihr Kopf sie mal wieder plagte. Also bin ich alleine los. Das Wetter war einfach nur ideal, Sonnenschein, aber nicht zu heiss und am Strand schliesslich ein bischen Wind. Der Strand war noch gut besucht, allerdings ist die offizielle Badesaison in Japan wohl schon wieder vorbei. Jedenfalls hatte alle Lokala und Buden am Strand schon zu, bzw. wurden sogar schon demontiert. Was solche Sachen angeht, erscheinen mir die Japaner immer unheimlich unflexibel. Warum verlaengert man nicht einfach alles um ein paar Tage, wenn das Wetter doch noch mitspielt und die Leute kommen?

Na, wie auch immer, es war jedenfalls mal ganz interessant einen anderen Strand als den in Oarai zu sehen. Die Atmosphaere war eine ganz andere. Oarai ist ja doch eher etwas verschlafen und irgenwie weniger am westlichen Stil orientiert. Und das lag jetzt nicht daran, dass in Kamakura auch mehr Auslaender sich am Strand tummelten. Die Sonnenphobie war hier z.B. viel weniger ausgepraegt. Die wenigsten Leute hatten einen Sonneschirm oder eines der hier so gebraeuchlichen kleinen Strandzelte. Man sah auch weniger voll bekleidete Leute oder wenigsten mit einem T-Shirt bekleidete.  Noe, wenn es nicht gerade Surfer waren, lagen die meisten einfach in Badehose bzw. Bikini am Strand und aalten sich in der Sonne. Wobei interessanter Weise den knapsten Bikini eine Dame schon durchaus aelteren Semesters trug, was wir auch schon von unserem Fitnessstudio kennen. Waerend dort die Teens und Twens den alles kaschierenden Schlabberlook bevorzugen, stehen dort die Damen ab Ende dreissig bis Ende vierzig auf hautenge, meist bauch- und schulterfreie Tops... Keine Ahnung woran das liegt, aber es ist schon sehr auffaellig.

Was noch auffiel war, dass die Leute laenger am Strand blieben, bzw. sogar noch sehr spaet neue kamen. In Oarai ist spaetestens ab 5 Uhr tote Hose (was auch wiedersinnig ist, denn einerseits versucht man sich mit allen Mitteln gegen die Sonne zu schuetzen, andererseits ist man nur am Strand, wenn die Sonne am staerksten vom Himmel braet...) hier war bis zum Sonnenuntergang der Strand noch gut besucht und erst als etwa um sieben die Sonne endguetlig untergegangen war, verliessen der Grossteil der Leute endguetlig den Strand.

Das mit dem Sonnenuntergang war leider ein kleiner Reinfall. Ich hatte eigentlich auf Sonnenuntergang im Meer Bilder gehofft, leider ging die Sonne dann doch eher parallel zum Strand unter, was nicht so wirklich spektakulaere Bilder gab. Na ja, man kann nicht alles haben...

Was auch nicht klappte, war meine kurze Tempelexkursion. Kamakura ohne Tempel kann man eigentlich nicht machen, dachte ich und da laut Karte ganz nah am Strand einer sein sollte, wollte ich da mal hin. Irgendwie hab ich das Ding aber nicht gefunden und bin stattdessen gut eine Stunde durch kleine Strassen in den Huegeln und Taelern entlang der Kueste herumgeirrt und war letztelich froh, noch rechtzeitig zum Strand zurueckzukommen, um den Rest des Sonnenscheins noch zu geniessen. So kann's halt gehen...

Gestern gab's dann ein ganz anderes Programm: Mari hatte uns geschrieben, dass unsere Toepfersachen aus Mashiko angekommen sind und gefragt, ob wir sie nicht anholen und dann den Tag zusammen verbringen wollten. Da sagten wir natuerlich nicht nein. Da Mari Hunger hatte, sind wir dann erstmal zu "Ali's Kebab Cafe" gefahren, was Mari nicht kannte und auch fuer uns eine recht skurrile Sache ist. Und dann ging's zum Bowling, was wir eh schon mal mit Mari machen wollten, dann aber ins Wasser gefallen war, da Mari damals nicht konnte. Das ganz wurde dann die erwartet lustige Angelegenheit und wir hatten alle viel Spass. Was es uns besonders Angetan hatte, war der Bowlingschuautomat, der aber leider keine Schuhe in meiner Groesse ausspuckt. Eine in jeder Hinsicht typisch  japanische Angelegenheit.

Irgendwie typisch und doch gleichzeitig  ganz  untypisch war der naechste  Programmpunkt.  Eine Tour zum Ushiku-Daibutsu. Obwohl Mari in Ushiku wohnt und man das Ding Dank seiner Hoehe von 120m auch noch aus mehrern Kilometern Entfernung sieht, war sie noch nie dort und fand es auch eher skurril, dass wir da hin wollte. Auch der Rest der Familie fand es spaeter ziemlich lustig, dass wir ausgerechnet dahin gefahren sind. Das ist aber nicht ungewoehnlich, die meisten Japaner reagierten so, wenn wir davon anfingen. Der Ushiku-Daibutsu zaehlt anscheinend nicht so recht, erst ist halt modern, hat noch keine tausend Jahre auf dem Buckel, warum soll man sich das anschauen? Man hat doch Kamakura und Nara, was braucht man da so einen riesen Kerl in Ushiku?

Wie auch immer, ich finde ihn immer sehr beeindruckend und vor allem auch das stylische Innere mit dem Mix aus alt und modern sehr interessant und letztlich auch schon ziemlich typisch japanisch.

Danach gings dann zu Maris Eltern, um die Toepferwaren zu begutachten. Und ich muss sagen, ich war schon ziemlich platt. Wenn man mal davon absieht, dass, vor allem in meinem Fall, die aussere Form und Groesse etwas vom Zufall diktiert wurde, sehen die Sachen so lackiert und gebrannt doch richtig professionell aus. Es ist erstaunlich, wie schnell man da ein Erfolgserlebnis hinbekommt :)

Da das jetzt als Tagesprogramm noch nicht genug war, sind wir dann noch mit der ganzen Familie zum Essen gefahren. Ein Lokal weit draussen in Tsukuba (was dazu fuehrte, dass Mari und ihre Mutter sich ein paarmal verfahren haben) in einem westlich-japanischen Stil. Das Gebaeude und der Garten drumherherum waren klassich japanisch, dass Essen dagegen stark italienisch angehaucht. Alles sehr nobel und edel und sicher wahnsinnig teuer. Aber es hat sich wenigstens gelohnt, war alles ausgesprochen lecker und ein netter, lustiger Ausklang des Abends!

30. August 06

Der letzte Besucher

von Thomas

Am Sonntag ging unser letzter Urlaub in Japan zu Ende, heute hat sich unser letzter Besucher aus Deutschland verabschiedet. So ist das jetzt halt, fast alles, was wir im Moment machen, machen wir zum letzten mal...

In jedem Fall war es aber ein schöner Abschluss in der Reihe der Besucher aus Deutschland, die in den letzten beiden Jahren hier bei uns eingetrudelt sind.  Manfred  kam am Montag  recht spät aus Tokyo zu uns raus und gestern haben wir dann noch etwas Besuchsprogramm gemacht. Erst bin ich mit ihm ins Institut gefahren und hab dort eine kleine Führung durch die Labore gemacht. Sonst war nicht viel los, von den Profs war eh keiner da und sonstige alte Bekannte gab es auch nicht. Zum Mittag sind wir dann nach Tsukuba gefahren und haben uns dort mit Gunda getroffen. Wir sind in eines unserer Lieblinglokale gegangen, ins Rakeru. Dort gibt es "Omuraisu" gegessen, was Manfred nur vom Sehen her kannte. Omuraisu ist eine jener japanischer Spezialitäten, die die Japaner für ein typisch westliches Essen halten, dass es aber (unseres Wissens) nirgendwo in der westlichen Welt so gibt... Was ist es? Reis eingewickelt in Ruehrei (daher eben Omuraisu = Omelette + Reis). Das ganze gibt es dann mit verschiedenen Sossen, Beilagen oder Fleisch. Typisch japanisch halt... Der Nachtisch fiel in die gleiche Kategorie: Eisparfait. Große Eisbecher, angereichert mit Kuchen, Pralinen, Sahne, Pudding, Obst oder Cornflakes oder alles zusammen...

Nach dem Essen ging's dann zum Tsukuba-san (wohl auch zum letzten mal...). Allerdings waren wir schon etwas spät dran, und da sind wir nur bis zu dem Schrein auf halber Höhe gekommen. War aber gar nicht schlimm, es waren mal nur sehr wenig Leute dort und man konnte sich alle in Ruhe ansehen und Bilder machen :)

Zurück in Tsukuba gings noch nach Starbucks, in einen 100-Yen-Shop und einen Photoautomaten, um ein paar witzige Bilder zu machen, wie wir es mit fast allen Besuchern gemacht haben. Das ist immer ein riesen Spass, etwas albern zwar, aber was soll's, es ist halt immer wieder ein Event und eine schöne Erinnerung...

Zum Abendessen ging es dann in ein kleines Yakinikku-Restaurant in Arakawaoki. Das hatten Gunda und ich nach dem letzten Matsuri dort entdeckt. Es gibt dort nur ein paar Tische und man grillt mit echter Holzkohle und nicht mit den üblichen Gasbrennern. Es ist schon immer ein toller Anblick, wenn der Koch einem dann den Topf mit der glühenden Kohle auf den Tisch stellt. Als wir ankamen, war eigentlich alles voll, doch eine Familie, die an zwei Tischen sass, rückte einfach etwas enger zusammen, damit wir einen der Tische bekommen konnten. Das war natürlich ganz lieb... Am Ende haben uns dann noch ein paar Männer vom Nebentisch angequatscht, nachdem sie endlich nach ausreichendem Trinkgenuss mutig genug geworden waren. Da gabs dann übliche Fragestunden incl. großem Hallo, wenn man sagt, dass man aus Deutschland kommt. Wie das hier weit ab von Tokyo halt so ist, selbst nach zwei Jahren noch...

Dann bleibt nur noch zu berichten, dass Manfred heute ganz früh nach Narita gefahren ist und jetzt wohl gerade irgendwo über Nordrussland schwebt. In einem Monat in Bonn werden wir uns dann wiedersehen...

19. August 06

Ein Tag am Strand

von Thomas

Heute waren wir mit Mihoko und ihrer Tochter Sakurako in Oarai am Strand, ein wunderberer Tag bei Sonnenschein und (leider) grosser Hitze...

Morgen geht es dann nach Kyoto, bis zum naechsten Sonntag. Und solange werd es hier hoechstens den ein oder anderen Kurzbericht per Handy geben. Aber danach geht es wie gewohnt weiter und Kyoto liefert ja bestimmt auch wieder Stoff fuer viele Geschichten :)

06. August 06

Altes Zeug in Tokyo

von Gunda

Heute waren wir von Hidehiko zu sich nach Hause eingeladen worden, wo wir der Mittagshitze bei angenehm kühlem Essen und mit Reden ausgewichen sind. Danach ging es ins "Edo-Tokyo Open Air Architectural Museum", in dem ein traditionell japanisches Sommerfest aus der Edo-Zeit stattfinden sollte. Dahin fuhren wir mit Rädern der Familie Maekawa.
Wenn ich gewußt hätte, daß man an diesem Tag mit Yukata freien Eintritt gehabt hätte, hätte ich mir glatt den Spaß gemacht und meine neue Yukata angezogen, die mir Akapu zum Geburtstag geschenkt hatte. (Aber wie fährt man damit Fahrrad?)
Gleich am Eingang empfing uns eine "typisch japanische" Darbietung: Hawaiianische Tänze, dargestellt und musikalisch begleitet von JapanerInnen:

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Auf dem Weg in den nachgebildeten Edo-Stadtkern knallte es plötzlich laut. Ein Schuß?Cimg4198_medium Nein; das war das Ende der Puffreisherstellung. Diese Methode scheint es schon sehr lange zu geben, obwohl das Gerät im Museum neu war. Reis wird in einen sich drehenden fest verschlossenen Metallbehälter gefüllt, etwas Zucker dazugegeben, und das Ganze wird stark erhitzt. Der Druckmesser an der Seite zeigt an, wann man das Gerät öffnen sollte. Vor die Öffnung wird ein großer Metallkorb gehalten, das Gerät wird geöffnet, und mit einem lauten Knall füllt sich der Korb mit weißem Puffreis. - Schmeckt auch ganz gut, ist vorallem aber akustisch beeindruckend.

Genauso, wie die TrommlerInnen auf dem zentralen Platz, die später der traditionellen Musik vom Band (na gut, die Doraemon-Titelmelodie war auch dabei...) wichen, zu der viele Besucher getanzt haben.

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Cimg4166_medium Gesehen haben wir auch noch eine alte Kneipe, ein altes Bad und einige traditionelle Handwerksläden (Schreibwaren, Sachen aus Holz, Schirmmacher usw.). Leider gab es da auch viele moderne Sachen zu kaufen, und die Angestellten hatten ganz normale westliche Kleidung an, was dann doch etwas meine sonst sehr starke Vorstellungskraft beeinträchtigt hat. ÜberhauptCimg4175_medium hatte ich wegen der vielen Leute Probleme, mir eine Stadt der Edo-Zeit vorstellen zu können. Vielleicht müssen wir einfach irgendwann an einem ganz normalen Wochentag nochmal da hin...

Die "besondere Vorführung" war dann leider schon vorbei, als wir mit unserem Rundgang fertig waren. "Sie schlagen auf eine Wassermelone", klärte mich Hidehiko auf. Darunter konnte ich mir dann auch schlecht etwas vorstellen. Das hätte ich wohl wirklich sehen müssen...

Als es dunkel geworden war, sind wir mit den Fahrrädern direkt zur Bahn und dann müde nach Hause gefahren. Das war ein schöner Tag.
 

02. Juli 06

Mihoko & Sakurako

von Gunda_dsc3571

Nachdem sich die Arbeit in der TIA zu meiner Hauptbeschäftigung gemausert hat und auch das soziale Umfeld dort total entspannt und nett ist, ist es fast kein Wunder mehr, daß ich auch Anschluß gefunden habe. D.h., eigentlich ist es vielleicht doch ein kleines Wunder, weil die meisten Lehrer immer nur zu ihrem Unterricht reinschneien und dann wieder verschwinden.

_dsc3640 Trotzdem habe ich Mihoko kennengelernt, die u.a. mit mir zusammen einen Schüler hatte. Mihoko hat eine Zeit lang in Deutschland in einem Internat gelebt. Deshalb kann sie fließend Deutsch und unterrichtet neben Japanisch auch Deutsch.

Erst haben wir uns bei Mihoko zu Hause getroffen, wo sie_dsc3653 mit ihren Eltern und ihrer Tochter Sakurako ("Kind der Kirschblüte") wohnt. Erst war Sakurako sehr schüchtern, später hat sie sich zur wahren Tobefanatikerin entwickelt, was Thomas und ich dann auch sofort mitgemacht haben. (Das auf meinem Kopf ist eine -unbenutzte!- Windel...)

Nach Essen, Kaffee, Toben, netten Unterhaltungen und den obligatorischen Gruppenfotos im Garten und auf dem Sofa sind wir dann noch zu viert zum Tsukuba-san gefahren und ein bischen Dsc_3834an den Schreinen rumgelaufen, haben ein Eis gegessen und sind wieder zurückgefahren.

Das war ein wirklich toller Tag. Und einen Ausflug mit Kind in Japan hatten wir auch noch nicht. Da merkt man wieder, wie kinderfreundlich ganz fremde Japaner auf der Straße sind.

25. Juni 06

Sayonarah!

von GundaCimg3810_medium

Nachdem ich Linda gleich an unserem ersten Tag in Japan im Krankenhaus kennengelernt hatte, haben für uns Linda und Peter zu unserem Japanaufenthalt dazugehört. Wir haben immer viel Spaß miteinander gehabt, obwohl das Kontakthalten manchmal auch schwierig war. Oft haben uns Linda und Peter mit ihrem vielen Pech und ihren Katastrophen (Höhepunkt: Peter mußte sich einen gutartigen Hirntumor entfernen lassen!) gezeigt, wie gut es uns hier bisher ergangen ist und wie viel Glück wir hatten. Sie hatten aber auch viel Spaß, aber eben auch viel Schweres zu tragen, hier in Japan, weshalb ihnen kaum einer übelnehmen wird, daß sie zum Schluß nur noch die Tage bis zum Abflug gezählt haben.
Freitag fliegen sie zurück nach Kanada. Sie gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Cimg3812_medium Heute war die "Sayonarah-Party" (bzw. eine von vier Parties: noch eine mit Peters Kollegen, eine mit Lindas Kollegen und eine mit Leuten, die heute nicht konnten). Von 13 bis 18 h im "Ausländerwohnhaus" (Ninomiya House) in Tsukuba. Da konnten wir uns also mal angucken, was wir von vornherein kathegorisch abgelehnt hatten (Käseglocke). Zum Schluß haben sie da gewohnt und durften deshalb im schönen Innenhof grillen. Das haben dann auch alle fleißig getan, nur ansonsten gab es kaum was zu essen. Trotzdem sind alle satt geworden. Skurrile Leute waren da. Einer z.B. hat mich dreimal hintereinander gefragt, was ich denn arbeiten würde und hat ständig gefragt, ob seine englische "conversation" gut wäre. (War sie nicht...) Es waren viele Kinder da, was das Ganze etwas belebt hat.Cimg3814_medium

Komischerweise gab es schon gegen 16 h eine Aufbruchwelle, nach der wir nur noch zu sechst waren und nach dem Aufräumen in Lindas und Peters Wohnung "umgezogen" sind. Nach etwas Quatschen und einem Gruppenfoto auf dem Sofa hieß es dann aber endgültig Abschied nehmen. Wir haben den beiden einen Deutschland-Reiseführer und eine vorab-Einladung zu unserer Hochzeit geschenkt. Peter schien nicht so angetan, Linda schon. Ob sie wohl notfalls alleine kommt?

Jedenfalls sind wir fest entschlossen, die beiden irgendwann in Calgary zu besuchen. (Obwohl Thomas ja lieber nach Toronto will, nachdem Linda erzählt hat, daß da im Sommer einige Frauen "oben ohne" auf der Straße rumlaufen...  ;-)  ) Aber dafür müssen wir wohl noch etwas sparen... (Also, für den Flug...)

Jedenfalls ist es schon ziemlich traurig, daß sie bald weg sind. Aber andererseits sind wir ja auch nicht mehr lange da.

17. Juni 06

Mashiko mit Mari

von GundaCimg3709_medium

Voll ins Schwarze getroffen hatte Mari bei uns mit diesem Geburtstagsgeschenk: Töpfern in Mashiko!

Wir hatten uns die Drehscheibe ausgesucht, und am Samstag ging's dann um kurz nach halb neun mit Mari und ihrer Schwester Sachika los, über den Tsukuba-San Cimg3721_medium(-Berg) in die Nachbarpräfektur Tochigi. (Den Knopf für die Klimaanlage von Papis BMW haben die beiden dann erst gefunden, nachdem sie uns schonwieder zu Hause abgesetzt hatten...) Dort gibt es zwei Städte, die für Tonwaren bekannt sind, und Mari hatte Mashiko ausgesucht. Der Ort besteht im Prinzip nur aus Geschäften mit Tonsachen, ein paar Restaurants, kleinen Museen und eben diesem Töpferladen, der Schnellkurse anbietet. (Selbst die öffentliche Toilette war mit Tonscherben gestaltet!) Nach einer kurzen Shoppingrunde und einem leckeren Mittagessen ging's dann ab zum Töpfern.Cimg3722_medium

Man darf in zwei Stunden nach kurzer Anleitung mit nicht müde werdender Hilfe so viel Ton verarbeiten, wie man will. Für mich Ungeduldige eine prima Sache. Ich hatte ganz schnell ganz viel zusammen. Einziger Haken an der Sache: Man muß das Brennen und das Porto pro Stück und nach Größe bezahlen. Und da wir ja auch an unser Gepäckvolumen nach Deutschland denken müssen, mußte ich mich hinterher leider von einigen "Kunstwerken" verabschieden. (Das Ganze bekommen wir erst am 10.9., kurz vor knapp, geliefert. Wir packen das gar nicht aus; es kommt gleich in die Seekiste nach Deutschland.)

Die Sonne brannte Mari und mir also zwei Stunden lang auf den Rücken, während wir versuchten, auf der elektrisch rotierenden Scheibe, etwas als Geschirr Erkennbares zu produzieren. Bei sowas kommt immCimg3724_mediumer der wahre Charakter zutage: Sachika bastelte still intensiv wenig Stücke, Mari hatte das schonmal gemacht, guckte ab und zu nach links und rechts und lobte die anderen, rechts von mir produzierte Thomas vorwiegend flache Dinge ("Das wurde einfach immer breiter.") unter andauernd belustigt-verzweifelten Kommentaren. ("DieCimg3733_medium <=die Helferin> kann doch jetzt nicht einfach an's Telefon gehen!!!") Ich saß in der Mitte, habe mir ständig helfen lassen und auch so einiges an Kommentaren losgelassen. - Die Anleiterin hatte bestimmt am Abend zu Hause ordentlich was über die witzigen Gaijins zu berichten...

Nachdem unsere zwei Stunden um waren, wir aussortiert, eine Glasur und eine Signatur ausgesucht hatten, verließen wir glücklich, dreckig, verschwitzt und noch ziemlich aufgekratzt das kleine Haus. Dann haben wir uns in den Läden angeguckt, was man noch alles hätte machen können, ein bischen was eingekauft.

Cimg3739_mediumAbends ging es dann mit dem Auto wieder zurück, und Thomas und ich sind auf dem Rücksitz ab und zu eingeschlafen. Aufregend war's und schön. Die Stücke werden sicher einen Ehrenplatz in Bonn bekommen (und natürlich auch benutzt werden). So haben wir immer ein Stück Japan und Maris Geschenk vor Augen.

03. Juni 06

Alle Jahre wieder: Party

von Gunda

Dsc_0734_medium_1Was unterscheidet eine von Deutschen ausgerichtete Geburtstagsparty von einer, die von Japanern ausgerichtet wird? - So ziemlich alles. Hier der Vergleich:

Deutschland:

- überhaupt Geburtstag wichtig nehmen
- Anfangszeit, offenes Ende
- zu Hause feiern
- jeder bringt was für's Buffet mit
- alles ganz zwanglos und inoffiziell

Dsc_0810_mediumJapan:
- Geburtstag ist traditionell eher nicht so wichtig.
- Genaue Zeiten für Anfang und Ende, woran sich alle halten (meistens nicht mehr als vier Stunden)
- im Restaurant feiern
- Der Gastgeber beschafft alles zur Bewirtung selbst (was ja im Restaurant nicht so schwierig ist).
- Regeln müssen schon eingehalten werden. Z.B., daß man Süßigkeiten und / oder Blumen für den Gastgeber mitbringt. Und schick machen sollte man sich auch.

Dsc_0894_medium Kurz gesagt: Für die Japaner unter unseren Freunden und Bekannten, die wenig bis keinen Kontakt zu Ausländern hatten oder haben war unsere Geburtstagsfeier ein Erlebnis der besonderen Art. Etwas angepaßt hatten wir uns schon im letzten Jahr und für Essen und Getränke komplett selbst gesorgt. Alles andere haben wir dann aber gehandhabt, wie wir es kannten. Dsc_0837_mediumDank der etwas größeren Menge an Gästen im Vergleich zum letzten Jahr gab es auch mehr beherzte Leute, die sich einfach am Buffet bedient haben, sodaß die anderen das nachmachen konnten. (Letztes Jahr mußten wir eher "kellnern".)

Nach und nach kamen mehr Leute, die sich irgendwann zu kleinen Grüppchen formierten und viel Spaß hatten. Da wurde Japanisch (gern auch mit schweizer Akzent), Englisch, Deutsch und Mandarin gesprochen, alles durcheinander, und trotzdem haben sich alle prima verstanden. Dsc_0997_mediumZwischendurch hatte mich meine Schwester zum Gratulieren angerufen. Und als ich da so auf dem Balkon stand und die fröhlichen Stimmen zu mir nach draußen drangen, war ich richtig glücklich, daß wir in unserer Zeit hier so viele nette Leute kennengelernt haben. Meine Schwester wiederum schien sich genau das kaum vorstellen zu können. Eigentlich komisch...

Neu für uns war auch, im Gegensatz zu letztem Jahr, daß wir plötzlich so viele Kinder in der Wohnung hatten. Aber nachdem wir unsere empfindlichen Sofakissen im Schlafzimmer verschwinden lassen und durch die knallgrüne Schlange von IKEA ersetzt hatten, war auch das Beschäftigungsproblem erstmal gelöst. Eigentlich bin ich ja Kinderentertainment wirklich gewohnt; aber die Spiele, die ich kenne hängen doch zu sehr an Sprache, als daß ich japanische Kinder hätte begeistern können.Dsc_0773_medium (Wenn ich mir mehr Mühe gegeben hätte, wäre es wohl gegangen; aber da waren noch so viele andere Gäste...) Irgendwann zauberte dann jemand Origami-Papier auf den Tisch, und dann war auch erstmal Ruhe. (Den Edding-Strich habe ich hinterher auch prima mit Ethanol vom Couchtisch wegbekommen...) Ein kleiner Schock muß es für Kousuke gewesen sein, in meiner Freundin Linda plötzlich seine Englischlehrerin auf unserer Party zu treffen...  ;-)

Dsc_0801_mediumWas die Geschenke angeht, so haben wir uns im letzten Jahr hinterher von Unmengen an Süßigkeiten überhäuft gesehen. Dieses Jahr war das anders: Wir haben eine gute Mischung aus Süßem und eher bleibenden Werten (Wenn man mal davon absieht, daß die Fettschicht am Bauch durchaus auch ein bleibender Wert sein kann...) bekommen.

Dsc_0818_medium Zum Abschluß hat Akapu für die verbleibenden vier Gäste noch Tee nach Art der Teezeremonie zubereitet. Für die vier nicht-Japaner war dies das erste Mal, auf diese Art Tee zu trinken und ein guter Abschluß für Lindas und Peters Japan-Aufenthalt. (Sie gehen Ende des Monats nach zwei Jahren Japan zurück nach Kanada.) Da haben wir dann noch ein gutes Stück Kulturarbeit geleistet und die anderen zusammen mit Akapu ein bischen über Philosophie und Hintergründe der Zeremonie aufgeklärt. (Peinlicherweise fragte dann wirklich jemand nach einer "Coffee Ceremony". War aber zum Glück wohl eher scherzhaft...)

Dsc_0820_medium Alles in allem war es eine gelungene Feier, und alle Eingeladenen, die ich seitdem getroffen (oder gemailt) habe, haben sich bisher begeistert darüber geäußert. Und das ist auch ein Stück unserer Kultur, die wir da weitergegeben haben: Internationale Geburtstagsfeiern zu Hause mit Buffet.

12. Oktober 05

Ortrun goes Tokyo

von GundaCimg9181_small

Cimg9190_smallDer Nezu-Schrein mit seinem kleinen Gang aus Torii (roten Toren) und das Tokyoter Katastrophenschutzzentrum Ikebukuro mit seinem Erdbebensimulationsraum standen auf dem Programm.

In letzterem waren wir mit Yukie und haben gleich noch eine Rauch- und eine Feuerlösch-Übung zusammen mit einigen japanischen Angestellten durchgemacht. War natürlich alles ziemlich gestellt. (Der Rauch war Wasserdampf, "gelöscht" haben wir ein Video von einem brennenden Papierkorb.) Ortrun stellte zusammenfassend fest, daß man vor Erdbeben zusammen an einem Tisch sitzt, vor sich auf dem Tisch Sitzkissen zu liegen hat, die man sich dann unter dem Tisch über den Kopf hält und auch sonst natürlich immer gut vorbereitet ist... (Die Brillen sind von dem Erdbeben-3D-Film, den wir vorher gesehen haben.)
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07. Mai 05

Radtour

von Thomas

Cimg5978_smallAuf nach Kashiwa ging es heute, nicht gerade eine weite Reise, aber dort wohnen Roland, mein Arbeitskollege aus Frankreich und Petra, seine Freundin, die ebenfalls Physikerin ist. Die beiden hatten uns eingeladen, doch mal vorbeizuschauen und einen Tag dort zu verbringen. Da das Wetter schön war, haben wir dann eine Radtour rund um einen See am Stadtrand von Kashiwa gemacht. Gunda und ich haben uns dazu Fahrräder geliehen, was lächerliche 200 Yen pro Rad für einen Tag kostete!

Cimg5968_smallDer See war ein nettes Ausflugsziel. Rund um den See gab es einen prima ausgebauten Weg für Fussgänger und Radfahrer, unterbrochen nur von einem kurzen unbefestigten Stück, das wegen des Regens am Vortag aber so aufgeweicht war, dass unsere Räder hinterher aussahen wie Sau... Ein paar Skurrilitäten gab es auch noch: Zum einen Angelbecken für Rentner. Rund um den See hatte man kleine Teiche angelegt und mit Fischen gefüllt. Dort konnten man dann Angeln mit Fang-Garantie! Nette Idee, wenn es nicht den See gegeben hätte, der selber voller Fische war...

Cimg5988_smallUnd dann gab es noch echte deutsche Laugenbretzel an einen Backwarenstand irgendwo am Seeufer zu kaufen! Und ich muss sagen, sie schmeckten auch tatsächlich so, zwar waren sie von außen nicht sehr mit Salzkörner bestreut, aber Geschmack und Konsistenz waren einwandfrei. Wie es sie dorthin verschlagen hat, wissen wir nicht, aber vermutlich waren wir die ersten Deutschen, die diese deutschen Laugenbretzel dort gegessen haben. Unseren Vorzeigefranzosen Roland konnte natürlich dieser Einbruch deutscher Bäckereikunst ins japanische Hinterland nicht beeindrucken, aber was kann das schon ;)

Am späten Nachmittag ging es dann zurück nach Kashiwa. Neugierig haben wir uns natürlich angeschaut, wie andere Ausländer hier in der Fremde leben. Na ja, soviel anders als wir dann auch nicht...

Abends sind wir dann zu einem Inder zum Essen gewesen. Unten im Keller des Gebäudes, den man von der Strasse aus einsehen konnte, viel uns ein Schild auf: Eintritt nur in Begleitung eines Einheimischen! Hmmm, deutet man die Gesten der knapp bekleideten Damen, die kurz darauf dort unten erschienen, dann schien der Hinweis allerdings nicht so ernst gemeint gewesen zu sein :)

24. März 05

Sechster Tag: Osaka

von Thomas

Cimg4883_smallDas haben wir wirklich genial gemacht! Heute Morgen schien die Sonne und wir haben uns das große Aquarium von Osaka angesehen, am Nachmittag gingen wir zum Schloss von Osaka und es stürmte und regnete...

Aber das war letztlich das einzige Problem des Tages. Der Besuch des Aquariums hat sich jedenfalls voll gelohnt. Cimg4964_smallPinguine, Biber, Delphine, Schildkröten, Rochen, unzählige kleine und große Fische und oben drauf noch ein mehrere Meter langer Hai... Dieses Aquarium ist wirklich einen Besuch wert! Hauptattraktion ist dabei das zentrale Becken, das sich über mehrere Etagen erstreckt und das in mehreren Windungen umkreisen kann und so die in der jeweiligen Wassertiefe lebenden Tiere optimal beobachten kann.

Cimg4955_smallOptimal beobachten konnte man auch einige Taucher, die die Becken reinigten und das Futterkomando, das die Tiere mit Nahrung versorgte, wobei ich da dann auch immer wieder die Frage stellte, ob nicht die Fische sich auch gegenseitig fressen, denn es waren ja auch viele Raubfische dabei. Offensichtlich macht das ja keine Probleme, aber warum nun der Hai nicht doch mal ein paar seiner Mitbewohner erlegt, ist mir nicht so ganz klar...

Um die Mittagszeit herum waren wir dann einmal mit allem durch und wie schon gesagt, kaum waren wir draußen, fing es an zu regnen :)

Cimg4997_smallAber egal, wir haben uns dann trotz allem Richtung Schloss aufgemacht. Von der ehemaligen mächtigen Schlossanlage stehen heute nur noch die Mauern und einige Tore. Bei dem Hauptturm handelt es sich um eine Rekonstruktion des Originals. Trotzdem bekommt man noch einen ganz guten Eindruck davon, welch starke Festung dies einmal war. Die tiefen, meist mit Wasser befüllten Graben, die großen Tore und vor allem die steinernen Mauern, deren größte Steine über 100 Tonnen wiegen. Wie diese Steine dorthin kamen, wie sie bewegt wurden, ist wohl heute noch nicht ganz klar.

Der wiederaufgebaute Hauptturm beinhaltet ein Museum, das sich mit der Geschichte des japanischen Bürgerkrieges beschäftigt, vor allem aber mit dem Leben  Toyotomi Hideyoshis, der es als erster schaffte, das vom Krieg zerrissene Land zu einen und sich als Regierungssitz das Schloss von Osaka bauen lies. Die Ausstellung war insgesamt sehr interessant und da das Wetter eh nicht zum Spazierengehen einlud, haben wir uns alles schön ausführlich angesehen.

Cimg5012Letztlich mussten wir dann aber doch raus, das Museum schloss halt irgendwann einmal und wir gingen los, um uns mit Yuki, einem Bekannten von Gunda, den sie von ihrer Arbeit im deutsch-japanischen Jugendaustausch her kannte. Yuki ging mit uns Okonomiyaki essen, denn neben Hiroshima ist Osaka die zweite Stadt Japans, die hierfür berühmt ist. Allerdings ist Zubereitung hier eine andere: In Hiroshima besteht das Okonomiyaki im Prinzip aus  zwei dünnen mit Weißkohl gefüllten Pfannkuchen, in Osaka wird der Teig jedoch vorher mit dem Kohl gemischt und das Ganze dann gebacken.

Das Lokal, in das Yuki uns führte, war recht groß und jeder Tisch hatte seinen eigenen in die Tischplatte eingelassenen Ofen, so dass das Okonomiyaki direkt vor unserer Nase gebacken wurden.

Cimg5011Welche Variante schmeckt nun besser? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung... Letztlich schmeckte mir beide Arten gleich gut, wobei das Osaka-Okonomiyaki vielleicht den Vorteil hat, dass es etwas mehr Teig enthält, was mir sehr entgegen kommt. Aber am Ende macht das nicht viel Unterschied. Von der Back-Performance her, boten unsere bisherigen Besuche in Okonomiyaki-Lokalen mehr, da wir dann jeweils die volle Aufmerksamkeit des Kochs hatten, hier kam halt alle paar Minuten jemand vorbei, machte routinemäßig den naechsten Arbeitsgang und verschwand wieder. Trotzdem, so ist es ja eigentlich normal und man muss es auch mal mitgemacht haben!

Cimg5016_smallNach dem Essen sind wir dann noch etwas Bummeln gegangen. Yuki führte uns durch ein sehr belebtes Einkaufsviertel Osakas, mit vielen Geschäften und Lokalen, die wie in Japan üblich mit allen Tricks um Kundschaft buhlen. Vor einem Lokal versuchte ein dicker Sumo-Ringer die Leute herein zu lotsen, andere hatten riesige, sich bewegende Krabben an den Fassaden angebracht und ein Haus hatte gar eine Mischung aus Fahrstuhl und Riesenrad an der Vorderfront angebracht, mit dem man einmal zum Dach und wieder hinunter fahren konnte.

Aber da skurrilste Ereignis des Tages war vielleicht der Besuch in Yukis spanischer Stammkneipe. Der Besitzer war natürlich kein Spanier, sondern ein blond gefärbter Japaner, der aber zumindest eine spanische Ehefrau hatte! Im Gegensatz zu Europa ist es in Japan nämlich nicht gerade üblich, dass der Wirt aus dem Land kommt, dessen Spezialitäten er anbietet... Na jedenfalls war in dem Laden nix los und der Typ hatte viel Zeit für uns und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als Gunda sich einen Tee und ich mir einen Orangensaft bestellte. So hatte er sich Deutsche wohl nicht vorgestellt :)

29. Januar 05

Unser erster Besuch!

von Thomas

Nachdem Besuch beim Frisoer eilen wir schnell nach Hause. Die ersten Besucher in unserem neuem Heim werden bald eintrudeln. Linda und ihr Mann Peter. Gunda hatte Linda gleich am ersten Tag kennegelernt, als sie beide als Patientinnen im Krankenhaus waren (damals...). Zum Kochen bleibt keine Zeit mehr und so kaufen ich noch schnell ein paar Gebaeckteile beim Kaufhaus-Baecker. Da unsere Wohnung nur schwer zu finden ist, holt Gunda die beiden vom Bahnhof in Arakawaoki ab. Es wird ein schoener Abend. Linda kannte ich ja schon und Peter ist auch ein netter Kerl. Ein Hobbyphotograph mit einer schicken, ganz kleinen Digikamera und einem riesen Stativ, auf dem man die Kamera kaum ausmachen kann... Einen Tick hat er auch: Er photographiert alles Gerichte, die er hier in Japan unterwegs zu sich nimmt!

Der Abend wird sehr lustig. Wir verfuettern noch den Weihnachtsstollen, den wir auf dem Adventsmarkt inTokyo gekauft haben, an die beiden und bringen ihnen "Mensch-aergere-dich-nicht" bei. Linda braucht sich auch nicht zu aergern, sie gewinnt das Spiel :)

Unser photogenes Schwein kommt auch noch zu Ehren. Linda ist ganz begeistert und wir schauen uns schnell noch alle (ja wirklich alle!) Schweinephotos auf meinem Laptop an und dann muessen die beiden auch schon los und wir bringen sie noch schnell zum Bus.

Ein wirklich schoener Tag geht zu Ende...

07. November 04

Madokas Hilfe ist Gold wert!

von Gunda

Sonne und Wolken, warm.

Nachdem wir uns erst mit Madoka (die im Moment in Berlin lebt) aufgrund eines Mißverständnisses verpaßt hatten, was uns drei Stunden kostete, ging es los zum Handy-Kaufen. Das war wirklich sehr aufregend, und wir mußten, trotzdem wir uns vorher informiert hatten, immer blitzschnell die hoffentlich richtigen Entscheidungen treffen. Wir haben immer eine Frage gestellt, Madoka hat mit dem Verkäufer ein bischen diskutiert, uns was gesagt, usw. Zum Schluß hatten wir zwei Handys mit „Family-Tarif“. Das heißt, wir können uns i-mode-Mails kostenlos schicken, was wir bestimmt schamlos ausnutzen werden. Außerdem hatten wir noch Glück, weil an dem Tag ein tolles Handy für 1 Yen (ca. 1 Cent) bei Vertragsabschluß zu haben war. Das Gerät ist für japanische Verhältnisse natürlich schon veraltet, hat aber eine Kamera, Internet, Mailfunktion und eine Menge skurriler Spielerchen zu bieten. Dazu ist das Handy biligual, läuft bei uns also auf dem Englisch-Modus, womit man prima Nachrichten auf Deutsch schreiben kann. Der einzige Nachteil: Wir haben das stärkste Netz ausgewählt, haben aber, verglichen mit Deutschland, einen ziemlich schlechten Empfang, weil das Radio-Netz genutzt wird. Das Netz ist in Japan auch nicht flächendeckend. D.h., zu Hause lege ich mein Handy ans Fenster, um überhaupt Empfang zu haben, und manchmal ist der Andere mitten im Telefonat einfach weg. Naja, aber immerhin haben wir jetzt überhaupt ein Telefon und die Möglichkeit, tagsüber den Kontakt zu halten. Danach hat uns Madoka noch zu Freunden mitgenommen, wo es Essen aus Sri Lanka gab. Es war überhaupt sehr international dort (s. Fotos), und wir haben uns sehr wohl gefühlt. Vorallem aber mußten wir sehr viel von Deutschland erzählen und viele Vorurteile geraderücken.

Das Fatale war aber natürlich dieses Handy (s. Fotos), das die ganze Zeit in der Tüte wartete. Wir sind doch soooo neugierig! Mit den besten Vorsätzen, „schon“ um 24 h im Bett zu sein, fuhren wir dann abends nach Hause. „Nur kurz mal gucken“ wollten wir ja schon, und dann haben wir bis kurz vor halb vier mit den Geräten rumgespielt, bis wir fast alles kapiert hatten. (Zum Glück gab’s ne englische Anleitung dazu.)

Interessante Entdeckung: In Shinjuku kauft man mangels Supermärkten den Weichspüler in der Apotheke.

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