Google
Web Blog

Aktuelle Fotos

Leute in Japan

Links

Aktuelle Weblogs

15. September 06

Matsuri: Live aus dem Warteraum

    Hallo Gunda und Thomas,

Liev von Misakubo-Fest

Misakubo-Fest hält von heute in acht Tagen ab, und wird die Straße so nach langer Zeit sehr zu lebhaft. Dann sind aus Misakubo stammend viele Leute wegen des Fest nach Haus zurückgekehrt. Ich will das tun, daß ein Fest durch Live-Kamera überträgt. Das ist nämlich so, Die Kamera errichten vorm Hausflur, weil ich bei der Straße wohne, und richten die Kamera dann immer auf das Haus gegenüber gern. hier ist ein Wartesaa von Fest! So.. ich dürfe dann vielleicht ab und zu das Bier oder Sake im Wartesaa trinken. Sie werden dann mich auf dem Monitor ansehen, naja...

【Tagesordnungen】Japanisches Datum (16. Sept ~ 17. Sept zwei Tage lang)
Maskenzug-Fest ist von 9 Uhr bis 15 Uhr.
Festwagen(YATAI) ist von 17 Uhr bis 21 Uhr.

Live-Kamera von Fest : http://japaner.jpn.ph:8090/
Information von Fest : http://japaner.jpn.ph/bunka/matsuri/matsuri02_d.html

12. August 06

Alles nur Spaß!

von Gunda

Weil meine Schülerin ihren letzten Unterricht vor Deutschland abgesagt hat, habe ich Thomas bei seinem Ausflug nach Tokyo begleitet.

Erst sind wir in ein Gewitter, dann in Harajuku in die "Tokyo Lesbian & Gay Parade" geraten. Letzteres mutete etwas eigenartig an. Ich hatte weniger das Gefühl, daß es um eine "Botschaft" ging, als viel mehr den Eindruck, daß es um Spaß und Ausgeflipptsein ging. Hobby-Transvestiten, Aufgedonnerte und Verkleidete aller Art mischten sich fröhlich mit händchenhaltenden hetero-Paaren. Die meisten Homosexuellen verstecken sich hier doch noch eher. (Tokyo bildet da wohl noch eine Nische.)

Im Moment sind wir auf dem angeblich drittgrößten Matsuri der Edo-Zeit und wohnen einer Vorführung eines Kampfsports bei, der eine Mischung aus Judo und Karate ist. (Ich gebe zu, daß ich den Namen schonwieder vergessen habe.) Ansonsten ist hier am Schrein aber total tote Hose. Vielleicht liegt's am Wetter mit eingebauter Regenwahrscheinlichkeit... Au! Und hier

(Video kommt noch)

kann man sehen, wie einer dem anderen aus Versehen die Nase blutig gehauen hat. Danach wurde dieser Kampf abgebrochen und die Bühne gewischt. Dann ging's (mit anderen Leuten) weiter.

(Nachtrag:)

Spontan sind wir noch über Nacht in Tokyo geblieben und haben diesmal in einem etwas billigeren Love Hotel geschlafen. Was haben wir daraus gelernt? - 2000-3000 Yen mehr auszugeben kann sich durchaus lohnen. Sauberkeit und Design (kitschiges Jugendstil-Imitat mit nachgemachter Urwald-Szenerie, wobei die Fototapete auch schon weniger gelbe Tage gesehen hat) waren nicht so ganz das, was wir nach dem Besuch der teureren Varianten erwartet hatten. Nach einem Frühstück im Café ging es zurück nach Hause. Wir bekommen Besuch.

05. August 06

Ami Matsuri

von Thomas

Erst waren Gunda und ich heute in Tsukuba.  Dort haben wir  eines  meiner Geburtstagsgeschenke, das ich von Gunda bekommen hatte, eingelöst: Eine japanische Massage! Das war ganz angenehm und entspannend :)

Und da wir es uns auch ansonsten gut gehen lassen wollte, habe wir uns noch jeweils einen grossen Eisbecher gegönnt... Gunda einen Schoko-Brownie-Parfait und ich eine Caramel-Pudding-Parfait! Hmm, oishii, wie man hier sagt ;)

Dann gings ab nach Hause und ich bin dann noch zum Matsuri nach Ami gefahren. Sozusagen unser Heimatmatsuri, schließlich wohnen wir ja in Ami, wenn auch am äußersten Ende und gefuehlsmaessig eher in Arakawaoki.
Leider war ich schon etwas spät dran und hab eigentlich nur noch den Schluss der Feier gesehen, es war aber doch sehr nett und viel größer als ich es erwartet hatte. Ein Wagen, 2 Mikoshis (tragbare Schreine) und noch ein paar Sachen zum rumtragen und dazu zig Dutzend Fressbuden und ein Haufen Leute. Die Stimmung war gut, die Leute eifrig bei der Sache, wie immer natürlich sehr lautstark. Insgesamt sehr schön und wenn wir nächstes Jahr noch hier wären, würde ich wieder hingehen :)

30. Juli 06

Flop und Feuerwerk

von Gunda

Irgendwann hatten wir eine Broschüre mit Anzeigen von Matsuris in Ibaraki im Briefkasten. Zum Glück mit Bildern. Heute war eins mit Pferden und eins mit Schreinen im Wasser. Weil wir die Städtenamen nicht zuordnen konnten, hab ich meinen Chef gefragt. Das mit den Pferden war in nem Kaff, das man nur per Auto erreichen konnte. Außerdem hätte es sein können, dass die Pferde nur einmal kurz durchtraben und fertig. Also haben wir uns für das "Shimodate Gion Matsuri" entschieden, bei dem Schreine in den Fluss getragen werden sollten. Auf dem Weg da hin hat es uns schon gewundert, dass die ganzen Leute in Matsuri-Klamotten sitzengeblieben sind, als wir in Shimodate ausgestiegen sind. Die Stadt war total ausgestorben, und nach einer halben Stunde Recherche, in der trotz entsprechender Plakate am Bahnhof keiner was von einem Fest zu wissen schien, haben wir mit etwas Hilfe rausgefunden, dass die Aktion im Fluss schon um 10h morgens vorbei war. Die Verkäuferin im Convinience-Store hatte gedacht, wir wollten nach Oyama zum Feuerwerk. Also da sind alle hingefahren! Da haben wir noch eine halbe Stunde Fahrzeit drangehängt und sind in die Stadt gefahren, in der ich zweimal zwei Wochen an Grundschulen Englisch unterrichtet hatte. Ich habe nicht gedacht, dass ich da nochmal hinkomme. Ich habe Oyama als wenig belebt kennengelernt. Heute schieben sich Menschenmassen von tokyoter Ausmassen die Hauptstrasse zum Fluss entlang, und Thomas macht sich die ganze Zeit über meine Berichte von damals lustig. Im Moment sitzen wir 5 Minuten von meiner damaligen Unterkunft entfernt am Fluss. Jetzt geht das Feuerwerk los, und die obligatorischen "Sugoi!" ("Toll!")-Rufe fehlen auch nicht. Irgendwie machen die Japaner einfach bessere "Feuerblumen"... SUGOI!!!

29. Juli 06

Hanabi Taikai

 

von Thomas

"Taikai" meint soviel wie "großes Treffen" und besser könnte man das Feuerwerk (="Hanabi", wörtl. "Feuerblumen") in Asakusa, bei dem ich heute war, auch nicht beschreiben...

Ich weiß nicht, wieviele zehntausend oder hundertausend Menschen dort waren, aber es waren definitiv zuviele. Damit aber wenigsten jeder einmal eine kleine Chance bekam, etwas zu sehen, wurde das gesamte Gebiet an beiden Ufern des Sumida Flusses, incl. Bruecken zunaechst abgesperrt und dann nur kontrlliert wieder freigegeben, wobei die Leute staendig ermahnt wurden, nicht stehenzubleiben. Natürlich liess sich das nicht ganz vermeiden und die Strassenraender, Wiesen und Mauern waren voll mit Menschen, die keine Anstallten machten, weiter zu gehen. Ich irgendwann auch nicht, nachdem ich endlich einen Stehplatz mit guter Aussicht gefunden hatte. Zwar wurde ich alle paar Minuten von Polizisten ermahnt weiterzugehen, aber da auch sonst niemand dem folge leistete und ich ploetzlich gar kein Japanisch mehr verstand, bin ich dann bis zum Ende dort geblieben :)

100%  optimal war der Platz natuerlich nicht. Keine Chance, ein Stativ aufzustellen, immer wieder Leute, die einen angestossen haben. Aber besser als nichts...

Bevor das Feuerwerk schliesslich los ging, hatte ich mir den ganzen Trouble drumherum angeschaut. Als ich in Asakusa angekommen war, wurde ich erstmal von 2 Polizisten, einer konnte sehr gut Englisch, aufgeklaert, was genau los war, wo, wann, warum abgesperrt wurde und was ich machen sollte. Das war schonmal gut, denn das was ich vorfand, hatte ich nicht erwartet. Das es voll werden wuerde war klar, aber so voll... Und dann die Absperrungen und die viele Polizei. Es kann unmoeglich einen tokyoter Polizisten gegeben haben, der um diese Zeit nicht hier in Asakusa war... Selbst an kleinen Nebenstrassen und Gassen standen meist 3-4 Polizisten, um die Absperrung zu ueberwachen...

Interessant fand ich es, wie renitent vor allem die aelteren Japaner gegenueber der Polize waren. Ich hatte mich auch eine der grossen Bruecken verzogen, weil ich hoffte, dort irgenwie bleiben zu koennen. Ging aber nicht, in mehrern Durchlaeufen wurde der zugaengliche Bereich immer mehr reduziert und schliesslich musste ich als einer der letzten auch die Bruecke  raeumen.  Manch aeltere Japaner war da ziemlich hartnaeckig. Die haben sich oft einfach hingesetzt und die Polizisten reden lassen. Und da diese sehr zureuckhaltend sind, waren sie oft kurz vorm verzweifeln. Ein aeltere Mann hat so gut eine halbe Stunde ausgehalten und etwas 10 Polizisten dabei 'verschliessen'...

Als dann alles dicht war, gings auch schon mit dem Feuerwerk los und als es vorbei war, brach dann das Chaos an den Eingaengen zu den U-Bahnstationen aus... Schliesslich wurde der Zugang reguliert und die Leute nur grueppchenweise reingelassen. Aber das funktionierte dann auch. Japaner sind halt letztlich doch folgsam und vorallem immer ruhig und gelassen. Den ganzen Abend habe ich niemanden ausrasten sehen, keine Anzeichen eines Tumultes. Es war einfach nur ein ausgelassen, froehliches Happening :)


23. Juli 06

Tsuchiura Matsuri

 

von Thomas

Erst haben wir uns beim Sport ein bischen fit gemacht, dann bin ich noch in unsere Nachbarstadt Tsuchiura zum Matsuri gefahren. Das ganze ist natürlich eine Ecke größer als bei uns in Arakawaoki, aber vom Prinzip her ähnlich. Mit viel Musik, Geschrei, Tanz und überschäumend guter Laune (da vergeht einem wirklich jedes Vorurteil über reservierte und ruhige Japaner) werden die Matsuri-Wagen mit den kostümierten Tänzern darauf kreuz und quer durch die Stadt gezogen. Und dabei macht jeder mit, ob jung oder alt. Einige hundert Leute ziehen bzw. marschieren neben den Wagen her.

Am späteren Abend trafen sich dann die insgesamt 4 Wagen auf einem zentralen Platz  und dann konnte nochmal jede Gruppe (die jeweils einen bestimmten Teil der Stadt repräsentieren), zeigen, dass sie die beste Matsuri-Performance abliefern können. Da gab es dann viel Rauch und Lichteffekte und dazu tanzende Heldenfiguren, Götter, Tiere und einen grossen Drachen, dazu irre laute Musik und ohrenbetäubendes Trillerpfeifenkonzert. Und ich mittendrin mit meiner Kamera...

Das war wirklich nett, rund um mich herum die ganzen Leute in der typischen Matsuri-Kleidung und dann noch weiter aussen, wie in einer kleinen Wagenburg, die Matsuri-Wagen jeweils mit einer kleinen improvisierten Bühne für die Tanznummern davor.

Tja, da wusste man gar nicht, was man zuerst photographieren sollte. Vor allem da jeder, der mich mit meiner Kamera sah, aufforderte ein Photo zu machen. Und wen die Leute drumherum das mitbekamen, wollten die natürlich auch noch mit drauf... Wie das dann aussah, sieht man ja auf dem Photo oben...

Dann war der Trubel aber doch irgendwann vorbei und die Wagen zogen ab in ihre Heimatviertel, natürlich wieder mit viel Tamtam...

War ein schönes Erlebnis und sicher nicht der letzte Matsuri-Besuch in Japan :)

09. Juli 06

Narita Gion Matsuri

von GundaCimg3851_medium

Heute wurde für uns die Matsuri-Saison in Narita eröffnet. Wie schon im letzen Jahr um diese Zeit und den ganzen Sommer lang werden wir immerwieder von den großen Sommerfesten berichten, bei denen der Gott des Haupt-Tempels oder -Schreins in einer Sänfte durch die Stadt getragen wird, um seine Gemeinde zu sehen. Begleitet wird das Ganze von großen bunten Wagen mit Musikern und Tänzern. Diese Wagen werden per Hand an riesigen Tauen durch die Stadt gezogen. Unter Singen und lauten Rufen ("Wasshoi!") kann jeder ziehen, der zu einer Gruppe der Gemeinde gehört. Da sieht man kleine Kinder, alte Leute, "Bürohengste", Hausfrauen und ausgeflippte Teenies einträchtig in Matsuri-Kleidung für die gemeinsame Sache ziehen. Und alle sind mit voller Begeisterung bei der Sache.

Narita hat uns besonders gut gefallen, weil die Stadt schon etwas älter ist und durch die engen Gassen das Ganze noch imposanter, aber auch irgendwie familiärer wirkt.


03. Juni 06

Alle Jahre wieder: Party

von Gunda

Dsc_0734_medium_1Was unterscheidet eine von Deutschen ausgerichtete Geburtstagsparty von einer, die von Japanern ausgerichtet wird? - So ziemlich alles. Hier der Vergleich:

Deutschland:

- überhaupt Geburtstag wichtig nehmen
- Anfangszeit, offenes Ende
- zu Hause feiern
- jeder bringt was für's Buffet mit
- alles ganz zwanglos und inoffiziell

Dsc_0810_mediumJapan:
- Geburtstag ist traditionell eher nicht so wichtig.
- Genaue Zeiten für Anfang und Ende, woran sich alle halten (meistens nicht mehr als vier Stunden)
- im Restaurant feiern
- Der Gastgeber beschafft alles zur Bewirtung selbst (was ja im Restaurant nicht so schwierig ist).
- Regeln müssen schon eingehalten werden. Z.B., daß man Süßigkeiten und / oder Blumen für den Gastgeber mitbringt. Und schick machen sollte man sich auch.

Dsc_0894_medium Kurz gesagt: Für die Japaner unter unseren Freunden und Bekannten, die wenig bis keinen Kontakt zu Ausländern hatten oder haben war unsere Geburtstagsfeier ein Erlebnis der besonderen Art. Etwas angepaßt hatten wir uns schon im letzten Jahr und für Essen und Getränke komplett selbst gesorgt. Alles andere haben wir dann aber gehandhabt, wie wir es kannten. Dsc_0837_mediumDank der etwas größeren Menge an Gästen im Vergleich zum letzten Jahr gab es auch mehr beherzte Leute, die sich einfach am Buffet bedient haben, sodaß die anderen das nachmachen konnten. (Letztes Jahr mußten wir eher "kellnern".)

Nach und nach kamen mehr Leute, die sich irgendwann zu kleinen Grüppchen formierten und viel Spaß hatten. Da wurde Japanisch (gern auch mit schweizer Akzent), Englisch, Deutsch und Mandarin gesprochen, alles durcheinander, und trotzdem haben sich alle prima verstanden. Dsc_0997_mediumZwischendurch hatte mich meine Schwester zum Gratulieren angerufen. Und als ich da so auf dem Balkon stand und die fröhlichen Stimmen zu mir nach draußen drangen, war ich richtig glücklich, daß wir in unserer Zeit hier so viele nette Leute kennengelernt haben. Meine Schwester wiederum schien sich genau das kaum vorstellen zu können. Eigentlich komisch...

Neu für uns war auch, im Gegensatz zu letztem Jahr, daß wir plötzlich so viele Kinder in der Wohnung hatten. Aber nachdem wir unsere empfindlichen Sofakissen im Schlafzimmer verschwinden lassen und durch die knallgrüne Schlange von IKEA ersetzt hatten, war auch das Beschäftigungsproblem erstmal gelöst. Eigentlich bin ich ja Kinderentertainment wirklich gewohnt; aber die Spiele, die ich kenne hängen doch zu sehr an Sprache, als daß ich japanische Kinder hätte begeistern können.Dsc_0773_medium (Wenn ich mir mehr Mühe gegeben hätte, wäre es wohl gegangen; aber da waren noch so viele andere Gäste...) Irgendwann zauberte dann jemand Origami-Papier auf den Tisch, und dann war auch erstmal Ruhe. (Den Edding-Strich habe ich hinterher auch prima mit Ethanol vom Couchtisch wegbekommen...) Ein kleiner Schock muß es für Kousuke gewesen sein, in meiner Freundin Linda plötzlich seine Englischlehrerin auf unserer Party zu treffen...  ;-)

Dsc_0801_mediumWas die Geschenke angeht, so haben wir uns im letzten Jahr hinterher von Unmengen an Süßigkeiten überhäuft gesehen. Dieses Jahr war das anders: Wir haben eine gute Mischung aus Süßem und eher bleibenden Werten (Wenn man mal davon absieht, daß die Fettschicht am Bauch durchaus auch ein bleibender Wert sein kann...) bekommen.

Dsc_0818_medium Zum Abschluß hat Akapu für die verbleibenden vier Gäste noch Tee nach Art der Teezeremonie zubereitet. Für die vier nicht-Japaner war dies das erste Mal, auf diese Art Tee zu trinken und ein guter Abschluß für Lindas und Peters Japan-Aufenthalt. (Sie gehen Ende des Monats nach zwei Jahren Japan zurück nach Kanada.) Da haben wir dann noch ein gutes Stück Kulturarbeit geleistet und die anderen zusammen mit Akapu ein bischen über Philosophie und Hintergründe der Zeremonie aufgeklärt. (Peinlicherweise fragte dann wirklich jemand nach einer "Coffee Ceremony". War aber zum Glück wohl eher scherzhaft...)

Dsc_0820_medium Alles in allem war es eine gelungene Feier, und alle Eingeladenen, die ich seitdem getroffen (oder gemailt) habe, haben sich bisher begeistert darüber geäußert. Und das ist auch ein Stück unserer Kultur, die wir da weitergegeben haben: Internationale Geburtstagsfeiern zu Hause mit Buffet.

02. Juni 06

Pinky girls oder "Gunda hat Geburtstag"

von Thomas

_dsc0662_medium Heute war's dann auch bei Gunda soweit: Sie hat heute Geburtstag! Leider ist es für uns beide ein ganz normaler Arbeitstag und Gunda wahrscheinlich erst um 22 Uhr wieder zu hause. Aber da kann man leider nix machen. Aber wenigsten einen schönen Morgen mit tollen Geschenken sollte es geben :)

_dsc0673 Ein neues Portemonnaie hat Gunda sich schon lange kaufen wollen und da dachte ich mir,  das wäre doch eigentlich ein gutes Geschenk. Also hab ich sie mit Mueh und Not davon abgehalten, selber  eines zu kaufen. War gar nicht so einfach... ;)  Jetzt macht so ein Portemonnaie aber nicht wirklich viel her, selbst wenn man's schön einpackt, ist es nicht so der Bringer. Was also tun, um der Sache mehr Pepp zu geben? "Think pink!" dachte ich mir da, denn Japan ist pinky, und mit viel Pink erzeugt man das richtige Japan-Feeling :)

_dsc0677 Das Japaner auf pinky stehen, dass kann man kaum uebersehen (deutet sich ja schon bei der Nationalflagge an: Wenn man Rot und Weiß mischt, wird's eben rosa...). Es gibt nichts, was es nicht auch in Pink gibt. Und das nicht nur von "Hello Kitty" und Konsorten. Kleidung (auch für Männer), diverse Alltagsgegenstaende, Spielzeug, Bürobedarf, Wäsche, alles, wirklich alles gibt es hier auch in Pink. Sogar eine Frauenzeitschrift namens "Pinky"... Und auch die Natur spielt dieses Spiel ja mit: Wenn in Spaetwinter die Pflaumen anfangen zu bluehen, dann leuchtet es rot-rosa über reinem Pink bis hin zu einem Weiß mit noch einem leichten Anflug von  Rosa.  Das gleiche Spiel, nur noch viel prächtiger, wiederholt sich dann im Frühling, wenn Sakura, die Kirsche erblüht. Und jetzt, kurz vor Sommeranfang, tauchen die Azaleen Sträucher und -hecken mit ihrem Bluetenmeer das Land in einen Regenbogen verschiedenster Pinkfarbtoene. Bei solchen Rahmenbedingungen, ist es ja kein Wunder, dass die Menschen da mitspielen.

_dsc0705_bearbeitet Und ich hab jetzt also auch mitgespielt. Ein Taschentuch von "Pinky Girls" als Geschenkpapier und dazu rosa Söckchen, Nagellack, Süßigkeiten, ein Stift und Notizblock, ein Radiergummi, pinky Glitzeranstecker fürs Handy und ein Kettchen fürs Fußgelenk sowie ein rosa Stoffschweinchen und einen pinky Alarmgeber, falls man mal überfallen wird und obendrauf noch ein rosa Plastikportemonnaie von "Hello Kitty"... Es hätte noch viel mehr gegeben, aber das reichte schon, um einen völlig verdatterten Gesichtsausdruck bei meiner armen Gunda auszulösen :)

Aber nach dem Farbschock, gab's dann ja doch noch das Wunschgeschenk und da war die Welt wieder mehr als in Ordnung... Nicht wahr, meine Allerliebste ;)

20. Mai 06

Happy Birthday, Liebster!

von GundaCimg3548_medium

Thomas hat Geburtstag!!!

Morgens gings schon richtig mit Ausschlafen und Bescherung los. (Irgendwie scheinen alle Leute -inklusive ich- gedacht zu haben, daß Thomas T-shirts braucht. Jedenfalls muß er sich diesen Sommer keine Gedanken mehr um Klamotten machen...)

Dann haben wir uns auf den Weg ins LaQua Spa in Tokyo gemacht. Entspannung auf mehreren Etagen. Alles hoch modern. Man bekommt am Eingang ein Armband mit Chip, der sowohl als Schlüssel für's Schließfach als auch als Zahlungsspeicher in gesamten Bereich gilt. Ein Eis kaufen? - Einfach das Armband an die Kasse halten und zum Schluß mitbezahlen. Man bekommt auch für den Aufenthalt einen bequemen Anzug und Handtücher. Die Frauen konnten unter drei verschiedenen Oberteilen wählen, die Männer nicht.

Cimg3549_mediumDa Tokyo doch ziemlich laut und wuselig sein kann, steht gerade dort Entspannung hoch im Kurs. Wir haben uns auch prima entspannt. Nur ein paar Sachen fanden wir doch ziemlich, sagen wir "gewöhnungsbedürftig":

Daß in einem Land, in dem geschlechtergemischte Onsen mit der Lupe zu suchen sind, die Paare oft getrennte Schlafzimmer haben, man nicht nackt in der Wohnung rumläuft und in die gemischte Sauna mit Badeanzug geht, also, daß in so einem Land in einem Spa eine gemischte Abteilung (mit Zuzahlung) existiert ist ja schon ziemlich progressiv. Aber: Ausziehen tut sich da keiner. Ausschließlich junge Leute halten da verschmitzt kichernd Händchen oder kuscheln sich in der Ruhezone aneinander. Da merkt man, daß das für japanische Paare schon was Besonderes ist, so halb in der Öffentlichkeit Körperkontakt zueinander aufzunehmen. In der Sauna sitzt dann aber alles in besagten Anzügen da. Und die zwei Pools sind nur zur Deko da, bzw. werden benutzt, wenn "Frauenzeit" ist. - Dann sind die Frauen unter sich.

Der Rest des Bades ist dann geschlechtergetrennt (bis auf den Ruhebereich), wobei auch dort die Leute mit einem kleinen Handtuch möglichst viel zu verdecken versuchen. Und: Liebe Finnen, ich sage es ungern, aber was die Japaner manchmal aus Eurer Sauna machen, bricht mir das Herz: Ein großer Flachbildschirm mit irgendeiner Live-Spielshow, der Ton richtig gut aufgedreht, damit man auch in den oberen Rängen was mitbekommt. - Ich bin eine Minute dringeblieben und dann geflohen...

Toll war das Außenbad (auch getrennt), für das aus ziemlicher Tiefe bräunliches heilendes Wasser (angeblich gegen Rücken- und Gelenkschmerzen), vom Vulkan beheizt,  auf das Hochhaus gepumpt wurde.

Man konnte auch noch alle möglichen Anwendungen buchen. Massagen aller Art, Aromabehandlungen, Körperpeeling, es gab einen Friseur (mit Maniküre-Abteilung), mehrere Kosmetiklädchen, einen Unterwäschestand für Frauen, und man konnte sich in der Frauenumkleidekabine mit dort kostenlos zur Verfügung gestellten Kosmetika schminken, die Nägel lackieren usw. Überhaupt standen überall Cremes und alles mögliche andere zur freien Benutzung rum. Da blieben keine Wünsche offen. Essen und Trinken Cimg3577_mediumkonnte man drinnen auch kaufen (natürlich etwas teurer als draußen), und es gab sogar zwei Restaurants.

Wir sind bis 21h geblieben und haben uns dann auf die Suche nach einem Love Hotel begeben. Leider haben wir wieder nichts sonderlich Originelles gefunden und waren dann auch schon zu müde, um noch weiter zu suchen. Während der Suche bildeten sich immer automatisch kleine Grüppchen, die von Hotel zu Hotel zogen. Wir trafen also immer mal wieder die gleichen Paare, was dann auch für LacherCimg3569_medium sorgte. Das Hotel, in dem man verschiedene Uniformen mieten konnte, haben wir nicht genommen. - Das "Zero" wirkte etwas langweilig, aber o.k. Auf dem Zimmer gab es auch eine Menge Cremes usw. und einen Automaten, in dem man folgende Dinge kaufen konnte: Kondome, Damenunterhosen, Vibratoren (mit Batterien), eine Damenstrumpfhose und einen Mundschutz. - Illustre Mischung...

07. Mai 06

Tote Hose in Asakusa

von Gunda Cimg3429_medium

Wir sind also zum "Kodomo no hi", zum Kindertag, der früher Jungentag war (Mädchen haben ihren eigenen Feiertag am 3.3.), nach Asakusa (Tokyo) zum Tempel und Schrein gefahren.

Gerade als wir ankamen, schoben sich zwei mit trommelnden Kindern bestückte Wagen durch die dichtgedrängte Menschenmenge. Bis oben hin zum Tempel standen die Leute dicht an dicht, und man mußte schon ordentlich schieben oder außen rum laufen, um vorwärts zu kommen.

Video: Download CIMG3419.AVI

Cimg3384_mediumBesonders Thomas war begeistert über die vielen Fotomotive, die sich da boten. Engagiert kletterte er auf jeden möglichen Vorsprung, um eine bessere Sicht auf das Geschehen und damit ordentlich was vor die Linse zu bekommen. Irgendwann machte das eben der Hosenboden der alten Jeans nicht mehr mit... Deshalb gab es für uns noch eine besondere Unterbrechung des Festes: Hose kaufen imCimg3395_medium nahe gelegenen Kaufhaus. Da hatte der Glückskeks vom Dienst wieder mal Glück im Unglück, denn was sich bei Thomas' Beinlänge schon als mittlere Katastrophe anbahnte, endete dann doch sehr schnell mit einer gutsitzenden Jeans von UNIQULO. (Eine Art Basic-H&M.)

Ansonsten haben wir den halben Tag im Bereich des Tempels und Schreins und in den umliegenden Straßen verbracht. Es war ein wimmelndes Volksfest mit toller Stimmung, zu dem auch viele Touristen gekommen waren. (Ich hörte einen Japaner am Cimg3401_mediumHandy sagen, daß es ganz toll wäre, weil so viele Ausländer da wären.) Unser Mittagessen bestand dann auch aus einer Mischung der vielen Leckereien von den Ständen. (Von den Takkoballs mit herausguckenden kleinen Fangarmen haben wir dann doch Abstand genommen...)

Download CIMG3433.AVI

In unserem Fotoalbum gibt es zu dem ganzen Spektakel auch schon erste Bilder anzugucken. (Einfach "Tokyo" anklicken.)


p.s.: Irgendwie scheint unsere "Golden Week" total typisch gewesen zu sein. Anders kann ich mir kaum erklären, daß wir permanent da waren, wo alle anderen auch zu sein schienen. (Gut, daß da bei uns nicht deshalb eine "Golden Weak" draus geworden ist...)

03. Mai 06

Golden Week

von Thomas

Heute begann für uns die "Golden Week", eine Woche mit 4 Feiertagen (der erste ist der "Grüne Tag", der "Midori no hi" am 29. April), mit dem "Verfassungstag", dem "Kenpo kinenbi". Morgen geht es dann mit dem "Pseudofeiertag" oder "Kokumin no kyûjitsu" (eingefuehrt, um die Lücke zum nächsten Tag zu schließen...) weiter und am Freitag kommt dann "Jungentag" bzw. "Kindertag", der "Kodomo no hi". Wie schon im letzten Jahr haben wir uns keine großen Reiseaktionen vorgenommen, sondern wollen eher ein bischen ausruhen und nur kleinere Ausflüge machen.

Cimg3156_medium Heute wollten wir dann zum Tsukuba-san, das Wetter machte einen prima Eindruck, kein Wölkchen am Himmel und schon ganz ordentlich warm. Ob's daran lag oder an der Tatsache, dass Feiertag war, wie auch immer, jedenfalls wollte scheinbar halb Tsukuba auch zum Tsukuba-san... Damit hatten wir nun nicht gerechnet, denn die bisherigen Male, die wir dorthin gefahren sind, saßen wir immer nur mit einer handvoll Leuten im Bus, das war's. Und heute? Am Busbahnhof eine Schlange, die IKEA vor Neid erblassen lassen würde und eine prognostizierte Wartezeit von einer Stunde!

Cimg3153_medium_1 Das war auch so ein Ding: Um die Leute zu beruhigen, waren von der Busgesellschaft zwei Leute abgestellt worden, die die Wartenden informieren und beruhigen sollten. Der eine Mann sah uns, dachte wohl "Scheiße, Gaijins!" und griff (ohne was zu sagen) zum Handy, fragte dann "Do you speak English?" und drückte mir das Telefon in die Hand! Eine nette Dame erklärte mir dann, dass wir eben eine Stunde warten müssten und dann in zwei Stunden inklusive Fahrzeit am Berg wären. Okay, das war sehr nett, aber soviel Japanisch hätten wir dann auch noch verstanden. Eine Weile später hatte der Mann das dann auch gemerkt (ob's an dem japanischen Infoblättchen in meiner Hand lag?) und quatschte mich dann nochmal auf Japanisch an, und nachdem ich ein paar mal "hai" gesagt hatte, verlor er ganz glücklich alle Hemmungen und deckte mich mit zahlreichen Infos auf Japanisch ein :)

Cimg3152_medium Die Wartezeit war dann letztlich aber doch kürzer, da einige Sonderbusse eingesetzt wurden. Überhaupt wurde die Anreise zum Tsukuba-san deutlich verbessert. Es gibt jetzt reguläre Busse, die direkt zum Tsukuba-san-jinja und zur noch etwas höher gelegenen Seilbahnstation fahren. Kein lästiges Umsteigen mehr am Fuße des Berges, keine Bummelbusse mehr, die in jedem Kuhdorf halten. Früher hat die Fahrt dorthin von Arakawaoki aus deutlich mehr als 2 Stunden, eher 3 Stunden gedauert, jetzt kann man es in etwa der halben Zeit schaffen (es sei denn das System bricht unter zu großem Menschenandrang zusammen...).

Cimg3193_mediumAm Berg angekommen sind wir dann gleich zum Schrein gegangen und dann mit der Bergbahn rauf zum Gipfel. Dort gibt es ein ganz witziges Restaurant: Wie man es oft bei Fernsehtürmen hat, dreht es sich nämlich ständig, so dass man beim Essen eine ständig sich wechselnde Aussicht geboten bekommt. Und die ist gar nicht so schlecht. Südlich vom Tsukuba-san beginnt die Kanto-Ebene und bei klarem Wetter kann man bis nach Tokyo sehen und manchmal sogar den Fuji-san. Heute war es nicht ganz so klar, aber immerhin konnte man bis zum Kasumigaura und Tsutchiura sehen, Tsukuba natürlich und eine unendliche Anzahl von Reisfeldern, die sich in über die Ebene erstrecken. Das Drehrestaurant hat aber auch so seine Tücken: Als wir an der Kasse standen, wurde ein Stapel Tabletts und Geschirr auf dem inneren, feststehenden Teil des Lokals fast zerquetscht, als er einem Pfeiler auf dem sich drehenden äusseren Teil zu nahe kam. Da half dann nur noch der Notausknopf.

Cimg3247_medium Nach dem Essen (leider gab's nur noch Nudelsuppen, wir waren wohl doch etwas spät dran...) sind wir dann zum "weiblichen Gipfel" des Berges gelaufen. Der Tsukuba-san besitzt nämlich eine Doppelspitze, die männlicher und weiblicher Gipfel genannt werden, wobei der männliche 6 Meter niedriger ist als der 877 Meter hohe weibliche Gipfel, der auch der wesentlich attraktivere ist, denn er bietet nicht nur die bessere Aussicht, sondern auch noch einen hübschen kleinen Schrein. Auf dem Weg dorthin liegt dann noch eine Besonderheit des Berges, der "Gama-Felsen" bzw. "Frosch(Kröten?)-Felsen". Eigentlich nur ein kleiner Felsen, der ein bischen an ein offenes Froschmaul erinnert, aber für die Japaner ein großes Heiligtum ist, das zu einem regelrechten Froschkult führt, wie man an den überall zu kaufenden Froschfiguren ablesen kann (eigentlich sind es immer zwei Frösche, ein großer und auf dessen Rücken ein etwas kleinerer). Anscheinend bringt es Glück, wenn man es schafft dem Gama einen Stein ins Maul zu werfen, jedenfalls waren Kinder eifrig damit beschäftigt. Dummerweise aber mit so großen Steinen, dass es schon recht gefährlich war dort vorbei zugehen. Die unberechenbar abprallenden Steine waren nicht ohne...

Cimg3291_medium Wir sind dann aber doch heil am Gipfel angekommen und ich bin dann noch bis ganz oben raufgekraxelt und hab die grandiose Aussicht genossen. Bischen gefährlich ist das schon, denn es gibt keinerlei Absperrung oder sonstige Sicherheitsmaßnahmen und bei dem Gedränge dort, ist es schon ein kleines Wunder, dass nie was passiert. Gunda ist dann auch lieber etwas auf Abstand geblieben. Als wir das erstemal dort waren (das war ganz am Anfang, eigentlich unser erster größerer Ausflug), konnte sie gar nicht bis dorthin gehen, da sie damals noch ihren lädierten Knöchel schonen musste.

Cimg3305_medium Vom Gipfel sind wir dann runter zur Seilbahnstation und... mussten wieder in einer endlosen Schlange stehen. Aber das waren wir ja jetzt schon gewohnt und nach gut einer Stunde standen wir dann auch schon in der Seilbahn. Unten haben wir dann den nächsten Bus genommen und durften die ganze Fahrt stehen, was leider nicht so hübsch war. Aber gut, wir haben's überstanden und da der Rest des Tages sehr schön war, war das letztlich auch egal...

Was gibt's sonst noch zu berichten? Vielleicht noch die ein oder anderen typisch japanischen Eigenheiten, die man wiedermal gut beobachten konnte. Zu allererst natürlich die äußerliche Ruhe und  Gelassenheit  sowie Selbstdisziplin der Japaner. Da kann die Wartezeit  noch so lang sein, man stellt sich (bis auf wirklich ganz, ganz wenige Ausnahmen) schön in einer Schlange hin, drängelt nicht, schimpft nicht. Alles geht ganz ruhig und entspannt vonstatten, kein Stress kommt auf, es ist einfach total entspannend. Warum geht das woanders nicht auch so...

Cimg3163_medium Und dann das Thema Kleidung. Da gibt es eigentlich nur zwei Extreme: Entweder in stilechter Wanderkleidung oder im typisch japanischen fancy Straßenlook. So mischten sich also Leute mit Wanderschuhen mit Damen in Stöckelschuhen, und Jack Wolfskin traf auf Miniröcke... Dazu noch die Leute mit Sonnenphobie, die mit Sonnenschirmen oder riesigen Schirmmuetzen, Schals und Handschuhen versuchten, möglichst jeden Quadratzentimeter ihrer Haut der Sonne zu entziehen. Immer wieder das gleiche Schauspiel :)

24. April 06

Sonntagstee

von Gunda

Wir waren, wie Thomas schon erwähnt hat, also wieder mal auf Akapus Tip hin beim Azaleenfest am Nezu-Schrein in Tokyo.Cimg2865_medium

Das Wetter sollte es nicht so gut mit uns meinen: Regen hatten sie angesagt. Also ging es per Handy-Mail am Samstagabend zwischen Akapu und mir hoch her. Was machen wir, wenn es regnet? Findet das Ganze trotzdem statt? Oder nur die Lunch-Zeremonie bei der Lehrerin? - Letztlich einigten wir uns auf ein gemeinsames Abendessen beim Inder, damit wir wenigstens einen festen Termin hätten, falls es regnen sollte.Cimg2831_medium

Sonntag war es dann zwar bedeckt, aber es regnete den ganzen Tag fast gar nicht. Wir sind also kurz vor Mittag bei dem Platz angekommen, wo die Teezeremonien stattfanden, aber Akapu war nicht da. Irgendwie hatte sie uns einfach nicht erwartet und selber mit Regen gerechnet, weshalb sie dann einfach ohne uns zum Mittagessen gegangen war. Eine kurze Mail klärte alles; sie war unterwegs zu uns, und in der Zwischenzeit konnten wir uns die traditionelle Trommelgruppe ansehen, die einen mitreißenden Lärm veranstaltete.

(Hier angucken und -hören: Download CIMG2825.AVI)

Cimg2852_medium

So kamen wir dann doch noch zu unserer Teezeremonie und haben noch gleich Akapus nagelneuen Obi bewundern dürfen. Eine ihrer neuen Arbeitskolleginnen mit indischer Begleitung haben wir dann auch noch getroffen.Cimg2873_medium
Da Akapu noch zu tun hatte, guckten wir uns ein bischen Azaleen an, bestaunten eine Kinder-Tanzgruppe und erledigten unsere Einkäufe, um uns abends wieder beim Inder zu versammeln, dessen Essen skurrilerweise am Abend um einiges schärfer (und die Bedienung um einiges unfreundlicher) war, als mittags.

Schön war's, und langsam gewöhnen wir uns dran, daß sowas zu unserem Leben jetzt dazugehört. - Das werden wir in Deutschland sicher vermissen...

15. März 06

White Day

von GundaCimg1784_small

... war gestern, und Thomas hatte in diesem Jahr den Ehrgeiz, mir etwas "Typisches" zu schenken, also etwas, wo im Kaufhaus auch "White Day" dranstand. Abends kam er dann bepackt nach Hause. Die "Sakura"-Kekse und Tante Stellas Cookies sind schon anprobiert worden, der Teddy hat es sich neben dem anderen Teddy gemütlich gemacht und das Erdbeer-Badezeug wird heute abend ausprobiert.

Dankeschön nochmal, mein Liebster!!!

24. Februar 06

Hina Matsuri

von GundaCimg1309_small

Cimg1295_smallHeute stand bei Kalligraphie alles im Zeichen des Hina Matsuri, des Mädchenfestes, das jährlich am 3.3. stattfindet und gefühlsmäßig auch ein bischen für die Japaner den Frühling einläutet. Dazu werden für die Mädchen Puppen nach einem bestimmten Schema aufgestellt. Die Mädchen dürfen an diesem Tag ein Schlückchen süßen Sake trinken und bekommen Süßigkeiten. Auch für die Mütter ist es ein Tag zum Treffen. Man trinkt Sake und wünscht sich für das Heranwachsen der Mädchen alles Gute.
Da man ja immer gerne Dinge mit etwas Bekanntem vergleicht, beeilten wir uns, derCimg1306_smallCimg1297_small Schon alleine, weil die deutschen Saufgelage doch um einiges härter sind, als das nette Beisammensein mit einem Cimg1303_smallSchlückchen Sake... Kalligraphielehrerin den Vergleich zur fast zeitgleichen Weiberfastnacht auszureden. -

Später habe ich mich dann noch mit meiner Bekannten aus dem Fitnesstudio getroffen, die vor ewigen Zeiten mal gleichzeitig mit mir auf dem selben internationalen Zeltlager in Österreich war. Es hat von 1991 bis 2005 gebraucht, bis wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Ich hatte nur ihr T-shirt als zu dem Zeltlager gehörig erkannt.

Es war ein lustiger Abend in einem netten Café. Fortsetzung wird bestimmt folgen...

14. Februar 06

St. Valentin in Japan

von Thomas

Wieder mal jährte sich heute einer der typisch japanischen Festtage, der Valentinstag. Ja, der heilige Valentin schien auch in Japan gewirkt zu haben, jedenfalls benehmen sich die Japaner so. Genauer gesagt, die weibliche Hälfte Japans beglückt die männliche Hälfte mit Schokolade und damit auch ganz sicher der Japaner was bekommt, der noch keine Allerliebste hat, verteilen für alle die Sekretärinnen bei der Arbeit Schokolade...

Kikuchi-san hat für ihre männlichen Kollegen leckere Schokotaefelchen mit Knusperwaffelfuellung gekauft und so waren die männlichen ERATO-Mitglieder gut versorgt. Und damit auch noch der allerletzte Typ was kriegt, verteilten die Kassiererinnen in der Cafeteria noch kleine Stückchen schweizer Schokolade.

Ich bin zum Glück auf solche Notgeschenke nicht angewiesen, hab ich doch meine Gunda, die mich heute wieder, wie schon im letzten Jahr, mit leckeren Schokoladengeschenken bedacht hat :) Knusperschokoeier, Luftschokolade, Nussschokoladenherzen und oben drauf noch "Double Chocolate Pudding"! Was dazu wohl die Waage sagen wird :( Naja, zum Ausgleich gabs ja dann noch ein Kettenpuzzel fürs Hirn :)

Wie auch immer, der Valentinstag ist auf jeden Fall eine der japanischen Traditionen, die wir unbedingt nach Deutschland importieren müssen. Das ist ganz in meinem Sinne!

01. Oktober 05

Feuerwerk

von Thomas

Zweites Jahr, erster Tag... Feuerwerk in Tsuchiura. Als wir vor einem Jahr hier ankamen, empfahl uns jemand, doch nach Tsuchiura zum nationalen Feuerwerkswettbewerb zu gehen. Das fiel dann leider aus, weil Gunda sich den Knöchel verknakst hatte und wir statt zum Feuerwerk, ins Krankenhaus gefahren sind. Aber dieses Jahr haben wir es nun geschafft!

Cimg8945_smallDrei Stunden Feuerwerk waren angesagt, von 18:00 Uhr bis 21:00 Uhr (ja, um 18:00 Uhr ist es hier um dieses Jahreszeit schon stockfinster, selbst im Sommer ist ja um Acht schon alles dunkel. Das ist so eine Sache, an die ich mich nicht so recht gewöhnen kann). Jedenfalls dachten wir, wenn wir 2 Stunden vorher losfahren, schaffen wir das locker, ist ja nur eine Station mit der Bahn. Pustekuchen! Den ersten Zug mussten wir wegfahren lassen, weil wir schlicht nicht mehr hineinpassten... Beim naechsten hatten wir Glück, dass wir gleich als erste anstanden. Im Zug standen wir dann zusammengequetsch und völlig bewegungsunfähig. Da ja ich ja noch nie zum Berufsverkehr in Tokyo war, war das ein ganz neues Erlebnis für mich, so voll hatte ich die Zuege hier auch noch nicht erlebt. Cimg8956_smallUnd in Tsuchiura strömte dann die ganze Masse Menschen aus dem Zug auf den Bahnsteig und stand sofort wieder. Da alle Leute durch die gleichen Sperren müssen, um ihre Fahrkarte abzugeben, geht das natürlich entsprechend langsam. Als wir die Treppe hoch ins Bahnhofsgebaeude erreicht hatten, kam dann auch schon der naechste Zug... Insgesamt hat es bestimmt 20 Minuten gedauert, bis wir durch die Sperren durch waren und dann im überfüllten Bahnhofsgebaeude nach Roland und Petra Ausschau gehalten haben. Eigentlich hatten wir uns mit denen verabredet, aber es war hoffnungslos und wir haben uns dann mit der Menge zum Ausgang drängen lassen. Und sind dann gleich zum Sakuragawa gegangen, dem Fluss, der durch Tsuchiura fließt und an dessen Ufer das Feuerwerk stattfinden sollte.

Cimg8968_smallAm Fluss bot sich dann das erwartete Bild, tausende von Menschen strömten am Ufer lang, an dem sich eine endlose Reihe der typischen japanischen Fressbuden entlang zog. Da gibts dann gegrillten Tintenfisch und Haehnchenfleisch, Yakitori-Spieße und sonstiges aufgespießtes Fleisch, Grillfisch und Takko-Balls (Tintenfisch-Teig-Baellchen), Shaved-Eis und Crêpes, Zuckerwatte gibt es auch und selbst ein paar Doenerbuden gab's. Okonomiyaki und Yakisoba darf natürlich auch nicht fehlen :)

Cimg8991_smallUnd am Flussufer dann ein Meer von blauen Plastikplanen mit ganz vielen Japanern drauf. Was bei uns Picknickdecke, Isomatte oder Strohmatte ist, das ist hier eben die blaue Plastikplane, sei es zum Hanami im Frühling, im Sommer am Strand oder die Zelte der Obdachlosen, wenn Japaner was im freien machen, dann gehört die blaue Platikplane einfach dazu. Wir dagegen hatten nur zwei Miniklappstuehle, auf denen wir uns dann mitten unter die Leute mischten. Erst hatten wir, wie sich später herausstellte, einen blöden Platz erwischt, ein Hochhaus verdeckte zum Teil die Sicht aufs Feuerwerk, aber als wir dann ein paar hundert Meter weiter gelaufen sind, hatten wir dann optimale Sicht: Cimg9015_smallDirekt hinter einer Brücke bzw. ein direkt am Ufer gingen die Raketen hoch und wir konnten es in vollen Zuegen genießen. Die naechsten Stunden bestanden dann nur aus Feuerwerk schauen, Photos machen (zum Glück hatte ich mein Stativ dabei) und Essen.. 3 Stunden lang, ein wirklich grandioser Anblick. Etwas ähnliches hatte ich bisher höchstens mal im Fernsehen gesehen, aber allein schon die Länge von drei Stunden war gewaltig, wenn's hoch kommt, gibt's bei uns mal eine halbe Stunde Feuerwerk. 

Cimg9048_smallUnd ansonsten? Für mich ist es immer wieder auch interessant, die Japaner selbst zu beobachten und dann zu vergleichen, wie so was wohl in Deutschland ablaufen würde. Die meisten Zuschauer waren junge Leute und trotzdem ging alles ganz ruhig vor sich, kein großes Geschrei, keine Hektik, keine Unruhe. Entweder saßen die Leute auf ihren Planen oder kauften sich was zu essen. Schauten gebannt auf's Feuerwerk, oft gabs erstaunte "Ahs" und "Ohs", manchmal auch Applaus. Ein paar Westler bestätigten gleich mein Vorurteil und liefen mit Tüten voller Bierdosen herum, dann schaute ich mich um, und sah junge Japaner, wie sie grünen Tee tranken... Cimg9051_smallIch kann mir nicht helfen, irgendwie finde ich solche Veranstaltungen in Japan angenehmer, als bei uns. Typisch ist auch der Umgang mit dem Müll: Selbst die Teenies packten alles feinsaeuberlich in Plastiktüten ein und nahmen es dann mit. Angesichts der Menge Menschen war der herumliegende Müll fast vernachlässigbar, in Deutschland brauch es keine Großveranstaltung, damit an einem Flussufer soviel Müll herumliegt... (Peinlicherweise, mussten wir unsern Müll auch dalassen, wir hatten natürlich nicht an eine Muelltuete gedacht und, auch typisch Japan, es gab nirgendwo Mülleimer).

Cimg9068_smallDer Rückweg war dann ähnlich, wie der Hinweg. Die Masse Mensch schob sich nun Richtung Bahnhof und bildete an dessen Eingang einen riesigen Pfropfen. Wir sind dann erst noch in ein Kaufhaus, aber es wurde nicht besser, im Gegenteil, als das Kaufhaus zu machte, sorgte das nur für einen neuen Schub Menschen, der in den Bahnhof wollte. Zum Glück geht solch ein Chaos in Japan immer recht zivilisiert ab, die Menschen warten recht geduldig, man wird nicht dauernd von Hinten gestoßen und geschubst, niemand regt sich auf, man braucht keine Angst haben, dass einem einer die Taschen ausräumt, kurz, man kann in Ruhe abwarten, wie es weiter geht. Der Zug war dann zum Glück nicht ganz so voll, wie auf dem Hinweg. Interessanterweise, schleppten selbst im Zug noch einige Leute ihre Muelltueten mit sich rum... :)

Kurzvideo Feuerwerk Tsuchiura 1

Kurzvideo Feuerwerk Tsuchiura 2

Kurzvideo Feuerwerk Tsuchiura 3

Kurzvideo Feuerwerk Tsuchiura 4

18. September 05

Shinjuku Matsuri

von Thomas

Cimg8742_smallDa sind wir eigentlich schon von all den bisherigen Matsuris reichlich übersättigt und dann stolpern wir heute ganz unvorhergesehen über ein ein Matsuri in Shinjuku...

Eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einem bestimmten Schuhladen, mit Schuhen, die auch mir passen und der irgendwo in Shinjuku sein sollte (d.h. eigentlich wollten wir noch in die Kirche gehen, aber da waren wir zu spät dran, weil ich Trottel mich mit der Zeit verhauen habe...). Cimg8762_smallDarum sind wir heute Morgen auf der von uns bisher sträflich vernachlässigten Ostseite des Shinjuku-Bahnhofs herumgelaufen und auf zahlreiche laut schreiende und einen Schrein tragende Leute in bunten echt japanischen Kostümen gestossen und mussten uns das Ganze natürlich gleich mal anschauen und ein paar Photos machen :)

Und unserem neuen Hobby "Kurzvideo" haben wir dann auch gleich noch gefrönt. Das erste zeigt den Aufmarsch der Schreinträgergruppen, das zweite eine kurze Ansprache an die Schreinträger und etwas aufmunternden Gesang und das dritte schlieslich den Auftritt zweier Mädels bei einer kleinen Nachmatsuriparty:

Aufmarsch der Schreinträger

Aufmunterung

Singsang

Cimg8769_smallInsgesammt fand ich dieses Matsuri ganz interessant. Ich hatte noch keines in Tokyo erlebt und dieser Mix aus Tradition und Moderne, den Schreinen und den kostümierten Leuten vor der Supermodernen Neonkullisse von Shinjuko hatte schon was. Insgesamt, bleibt es aber dabei, dass wir die eher kleinen Matsuris einfach stimmungsvoller und intensiver fanden.

Cimg8737_smallUnd sonst? Schuhe habe ich keine gekauft, dafür ein echt schickes Langanshirt. Gunda hat eine gebrauchte Kinderyukata auf einem Schreinflohmarkt erstanden und am Schrein selbst noch ein Omamori fürs Beziehungsglück gekauft, Mittags haben wir in einem chinesischen Suppenimbis was gegessen, dann haben wir uns auf die vergebliche Suche nach einem guten, aber billigen Staubsauger begeben und stattdessen einen billigen Toaster gekauft und sind dann schon recht fußlahm noch zur Tokyo-Station gepilgert und haben im Yaesu-Bookstore zwei Grammatikbücher für unseren neuen Sprachkurs gekauft und Gunda hat sich noch eine Zeitschrift gekauft, in der ihr erklärt wird, wie simpel ihr Leben sein könnte, wenn sie nur wollte...

Und jetzt sitzen wir müde zu Hause und warten auf die erste Hochrechnung ;)

27. August 05

Wieder mal Matsuri

von Gunda

Cimg8449_smallAlso, für meinen Geschmack isses jetzt mal genuch mit Sommerfest.
Inzwischen haben wir wohl genug Feste zusammen, um mit jedem japanischen Leben konkurrieren zu können. Man könnte unseren Aufenthalt hier auch unter folgendem Titel zusammenfassen:
Ein ganzes Leben in zwei Jahren. Oder: Die Instant-Japaner.  ;-)

Jedenfalls waren wir diesmal in Tsukuba, was ja irgendwie auch sein mußte, weil Thomas da arbeitet und es eine der zwei nächstgrößeren Städte ist.
Inzwischen sind wir ja dann doch etwas verwöhnt und abgebrüht. (Schade eigentlich..) Vielleicht lag es auch daran, daß wir an einer großen Kreuzung standen und der Schall sich da viel schneller verflüchtigen konnte, als in engen Gassen. Jedenfalls kamen unsCimg8464_small erst die Wagen viel gelangweilter und energieloser vor, als bei den bisherigen Festen. Auch, daß einige Wagen mit Autos und nicht durch viele engagierte Menschen gezogen wurden, büßte doch etwas an Stimmung ein.
Aber später kamen dann noch Wagen mit riesigen bunten Papier-Figuren, die von innen beleuchtet waren. Sowas hatten wir bisher noch nie gesehen. Die Figuren Cimg8508_smallstellten kämpfende Götter dar und waren so bemessen, daß sie gerade unter der Brücke durchpaßten. Gegen Ende der Parade waren sie trotzdem ganz schön zerlumpt...
Die Brücken waren in diesem Jahr gesperrt. Linda hatte uns erzählt, daß im vergangenen Jahr dort sehr viele Leute standen, um besser sehen zu können und die Brücken hinterher richtig große Risse hatten.
Toll, vorallem aber sehr energiereich und engagiert, war auch die Beteiligung der ortsansässigen Behindertenwerkstatt. Die Betreuten trugen, zusammen mit den Angestellten, lustige (wahrscheinlich selbstgemachte) bunte Hüte und Laternen und riefen die üblichen Sprüche zu lautem Getute und Gerassel.
Die Trommeln des Umzugs wurden diesmal von Kindern geschlagen, und es war erstaunlich, wie viel Kraft sie aufbringen konnten. - Der Klang war genauso, vorallem aber genauso laut, wie bei den erwachsenen Trommlern.Cimg8483_small
Zum Schluß haben wir dann noch, mitten auf der Kreuzung stehend, beobachtet, wie sich alles am Ende aufgelöst hat.
Komisch fand ich allerdings, daß die vielen in Tsukuba lebenden Ausländer gar nicht beteiligt waren. Sogar kaum als Zuschauer. Durften sie nicht? Wollten sie nicht? Konnten sie nicht? Waren sie alle in den Sommerferien?

Unser Extra diesmal: Matsuri hören und sehen HIER!

Kurzvideo: Tsukuba Matsuri 2

Kurzvideo: Tsukuba Matsuri 2

07. August 05

Matsuri-Hopping

von Gunda

Wie man schon den vergangenen Berichten entnehmen konnte, sind wir der Vergnügungssucht anheim gefallen und betreiben exzessives Matsuri-Hopping. (Vielleicht gipfelt der ganze Spaß ja eines Tages in Japans einzigem ultimativem Matsuri-Führer...)

Cimg8215_smallDiesmal stand Tsuchiura, neben Tsukuba die nächste größere Stadt in unserer Nähe, auf dem Programm. Ich hatte auf dem Weg zur Arbeit gesehen, daß sich die Stadt ganz schön in Schale geschmissen hatte, und Thomas hat dann die Termine im  Internet rausgesucht.

Cimg8222_smallUnd wie war's denn nu?
Tsuchiura scheint mehr Geld zu haben, als Mito. Immerhin gab es nirgendwo auf den Wagen Werbung zu lesen.
Was in der Stadt los war, bevor wir da ankamen, wissen wir natürlich nicht. Aber diesmal schien das Fest weniger aus einer Straßenparade zu bestehen, als vielmehr aus einzelnen Wagen verschiedener Wohnblöcke, die am Straßenrand  standen und Musik und Tanz so darboten, wie wir es schon kannten. Dazu gab es, wie wir es schon erwartet hatten, die üblichen Buden mit Essen und Spielzeug am Rand des Geschehens.

Cimg8225_smallWas war also anders?
Die Wagen waren mit etwas mehr Leuten bestückt als bei früheren Festen. Auf einem prangte eine riesige Cimg8245_smallSamurai-Puppe, auf anderen saßen Leute, die sangen, brüllten oder mit Laternen oder Leuchtstäben schwenkten. Das war dann sozusagen eine Performance auf zwei Etagen pro Wagen.

An einer Kreuzung wurde irgendwann einer von mindestens  zwei tragbaren Schreinen in der Mitte abgestellt, die Wagen versammelten sich im Kreis darum, ebenso die Zuschauer. Der Schrein wurde zum üblichen Durchschütteln von kräftigen Cimg8248_small Frauen und Männern auf die Schultern gehoben, und plötzlich brach ein ohrenbetäubender Lärm aus: Sämtliche Musiker und Tänzer auf den Wagen zogen ihr Programm gleichzeitig durch. Aber nicht, daß sie sich abgestimmt hätten. Nein, jeder spielte für sich. Das ergab für uns ein unglaublich lautes, Cimg8265_smalldisharmonisches Spektakel. Dazu wurde der Schrein geschüttelt, daß es mir als transporiertem Kami (Gott) ziemlich schlecht geworden wäre. Thomas meinte dazu nur: "Na, der Kami hat bestimmt seinen Spaß."

Danach löste sich alles recht schnell auf, und die Wagen zogen mit Musik und Tanz in ihre beheimateten Wohnblöcke zurück. 

Cimg8284_smallNachdem wir jetzt schon so viele Feste gesehen haben, fehlt  uns nur noch ein ordentliches Feuerwerk, das hier in Japan an die zwei Stunden dauern soll und bei dem allgemein herrschenden Perfektionismus Großes erwarten läßt. Ja, im Gegensatz zu Deutschland ist in Japan die Feuerwerks-Zeit im Sommer. Und in den Läden kann man zu Spottpreisen tolle Feuerwerkskörper-Sets kaufen. Cimg8291_smallIm übrigen scheinen die Japaner auch hierbei eher eine romantische Ader zu haben. Feuerwerk heißt sowas Ähnliches, wie "Feuerblumen schauen" und findet meistens in der Nähe von Flüssen oder Seen statt, um durch die Spiegelung den Effekt noch zu erhöhen. Wenn ich da an die sinnlose Ballerei in Deutschland zu Silvester denke, ist das schon was ganz anderes...

06. August 05

Beach & Party 2

von Thomas

Heute hatten wir ein kleines Deja vu, wie schon letzten Sonntag sind wir nach Oarai gefahren und haben uns anschliessend ein japanisches Strassenfest angesehen. So weit, so gleich... Im Detail war dann aber doch alles etwas anders. In Orai sind wir diesesmal nicht zu dem "Sun Beach" gefahren, sondern wieder zum "Oarai Beach". Und dort war nicht allzuviel los, zwar mehr als vor ein paar Wochen, aber kein Vergleich zu dem, was letztes Wochenende am "Sun Beach" los war. Der grund duerfte wohl die Beschaffenheit des "Oarai Beach" sein, denn der Strand ist an vielen Stellen nicht mit Sand, sondern mit unterschiedlich grossen Kieselsteinen bedeckt, nicht so otimal, um sich dort gemuetlich niederzulassen. Und auch das Wasser ist nicht so optimal. Zwar gab es diesmal keine Algen mehr, aber die Kueste ist dort sehr felsig und der Boden mit Kies bedeckt. Man muss schon sehr aufpassen, wo man hintritt oder wenn man schwimmen will, das einen die Wellen nicht gegen eine der Felsen schleudern.

Trotzdem haben wir es uns recht gemuetlich gemacht und einen ruhigen Tag Tag dort verbracht. Der Himmel war dieses mal viel klarer, aber es war nicht zu heiss, da immer etwas Wind aufkam.

Ganz in der Naehe des Strandes gibt es noch was nettes zu sehen, ein Torii, das auf ein paar Felsen aus dem Meer ragt. Es gehoert wohl zu einem Schrein, der auf einem Huegel etwas weiter weg von der Kueste liegt. Wir waren allerdings zu faul, dort rauf zu laufen und haben uns auf ein paar Photos des Eingangsbereichs zum Gelaende Schreins beschraenkt...

Und dann sind wir nach Mito gefahren. Dort war der 2. Tag des "Mito Komon Matsuri", des lokalen Sommerfestivals. Wir kamen allerdings erst recht spaet dort an und haben dann auch noch Zeit damit verschwendet, auf der falschen Bahnhofsseite nach der Party zu suchen... Ein paar geschmueckte Wagen und etwas Musik und Tanz haben wir zwar noch mitbekommen, aber so recht gefallen hat es uns nicht. Irgendwie wirkte alles sehr kommerziell. Die verscheidenen Gruppen hatten wohl alle Sponsoren, NTT, JR, Post, usw.... und deren Logos prankten von den Wagen und den Kostuemen der Leute, das war irgendwie nict so schoen. Auch war die Stimmung nicht so toll, alles fand auf einer sehr breiten Strasse statt, so dass sich die Leute verteilten. Vieles der tollen Stimung in Narita zum Beispiel, kam auch durch die Enge  der Strasse, durch die die Wagen gezogen wurden, dazu das Geschrei der Leute, die monotone, laute Musik... Selbst das kleine Fest in Arakawaoki letzte Woche, wirkte da viel intensiver und emotonialer, die Leute waren einfach mit mehr Entusiasmus bei der Sache. Aber das ist nur unser Eindruck, vielleicht taeuscht das auch, wir haben ja auch nicht mehr alles mitbekommen.

Interessant war vielleicht noch, dass nicht  Traditionelles aufgefuehrt  wurde, sondern sich auch einige Jugendliche mit modernen Sachen darunter gemischt hatten. Am auffaelligsten waren einige Leute, die nach dem Motto "Elvis war Japaner" im 50er Jahre Look Rock 'n' Roll Einlagen boten.

Kurz nach 9 Uhr war dann das offizielle Ende der Party  erreicht udn wir konnten dann noch ein  wunderbares Beispiel an japanischer Disziplin und Ordnung beobachten. An einem Ende der Starsse setzte sich ein Tross von ein paar dutzend Polizisten zu Fuss in Bewegung, noch gefolgt ein paar Polizeiwagen. Dahinter dann der normale Strassenverkehr, Busse, private PKW, Taxis, alles ganz gemuetlich im Schritttempo. Dort wo noch Leute auf der Strasse waren, wurden sie von den Polizisten freundlich aber bestimmt aufegfordert, an die Seite zu gehen. Das machte natuerlich auch jeder sofort und ohne Diskussion. Selbst dei Jugendlichen in ihren coolen Rockeroutfits, beeilten sich sofort ihren Kram von der Strasse zu raeumen. Wie haetten da wohl Jugendliche in Deutschland reagiert?

Tja, hinter den Polizisten war dann von der Party nichts mehr zu sehen, der Muell war schon in Saecken verstaut und stand ordentlich gestapelt am Strassenrand, der Verkehr rollte fluessig ueber die Strasse. Es war, als waere nichts gewesen... Vieles ist hier doch immer wieder ganz anders als in Deutschland.

31. Juli 05

Beach & Party

von Thomas

Nein, keine Beach-Party, sondern Beach und Party gab es heute. Zunaechst sind wir mal wieder nach Oarai an den Pazifik gefahren, um diesmal etwas im Meer zu schwimmen. Nachdem es beim ersten Versuch noch etwas zu kalt war und wir am "Sun Beach" nur auf ein paar dutzend Muschelsucher und einige Surfer gestossen waren und beim zweiten Versuch am "Oarai Beach" zwar schon mehr Leute, aber auch ziemlich uebel mit Algen verdrecktes Wasser vorgefunden haben, sind wir nun wieder zum "Sun Beach". Die Sonne kam zwar nicht so prall durch den Dunstschleier am Himmel durch, aber es war immer noch sehr heiss und das, was an Sonne durchkam, brannte immer noch ganz schoen.

Als wir in Oarai angekommen waren, bemerkten wir schon einige Unterschiede zu den beiden anderen Malen: Im Bahnhof wurde man mit einem kostenlosen Glas kaltem Tee begruesst und man konnte sich Fahrraeder ausleihen. Vor dem Bahnhof war dann noch eine zusaetzliche Bushaltestelle fuer drei Buslinien Richtung Ozean eingerichtet.

Cimg7939_smallNun gut, die tun halt was und es hatte ja auch inzwischen die offizielle Badesaison begonnen und da wird dann schon etwas mehr los sein, dachten wir. Die Wirklichkeit hat uns dann aber doch ueberrascht: Brechend voll war es am Strand, zigtausende Leute draengten sich auf dem eigentlich sehr weitlaeufigen Gelaende. Dazu gab es dann noch zig grosse Zelte und kleine Fressbuden, viel Tamtam und Musik. Kurz high-life am Oarai "Sun beach"!

Wir waren dann doch erstmal etwas verdattert, weil wir zwar mehr Leute, aber eben nicht soviel Trubel erwartet hatten. Schlieslich haben wir uns dann irgendwo in dem ganzen Getuemmel ein freies Plaetzchen gesucht und uns dort haeuslich niedergelassen und als einzige Auslaender weit und breit mal wieder einige neugierige Blicke geerntet. Cimg7941_smallAn richtig schwimmen war allerdings nicht zu denken, dazu standen viel zu viele Leute als Hindernisse im Wasser herum, also war ausruhen und Sonne geniessen angesagt. Und ausserde hatten wir so etwas Zeit, um das japanische Strandleben ausgiebig zu beobachten.

Was viel uns auf? Erstmal sind die Leute mehr bekleidet, als z.B. in Deutschland. Das extremste sind Leute, die mit langer Jeanshose, Schuhen, duennem Pulli und Hut in der Sonne liegen. Aber das sind natuerlich auch hier eher Ausnahmen. Leute, die mit kurzer Hose und T-Shirt ins Wasser gehen sieht man aber schon durchaus recht oft, sowohl Maennlein als auch Weiblein und auch das Alter spielt da kaum eine Rolle. Auch Damen mit Sonnenschirm in der Hand sieht man durchaus im Wasser! Feste Sonneschirme und kleine Zelte, um sich vor der Sonne zu schuetzen, sieht man dagegen sehr, sehr haeufig.

Cimg7947_smallAber der Grossteil der Leute waren natuerlich Jugendliche, Teenager und Twens, die sich auch in der Sonne braten liessen. Dabei trugen die Jungs quasi alle etwas laengere Badeshorts, waehrend es bei den Damen staerker varrierte. Einige trugen Bikinis, allerdings niemals ausgesprochen knappe, andere auch kurze Badeshorts und irgendein Oberteil, manchmal von einem einem Bikini, manchmal ein T-Shirt mit und ohne Aermel. Das eien Frau oben-ohne rumlaeuft gibt es gar nicht, es wird noch nichtmal, das Oberteil etwas geloest, wenn man baeuchlings in der Sonne liegt. Auch Kleinkinder haben immer etwas an. Wenn man bedenkt, dass das die gleichen Japaner sind, die ohne Hemmungen Sexmangas in der U-Bahn lesen, die teilweise sehr drastische Inhalte haben und bei uns niemals frei verkaeuflich waehren, hier aber an jedem Kiosk ganz vorne in der Auslage liegen, dann sieht man schon, dass hier ganz andere Schwerpunkte hinsichtlich Moral gesetzt werden. Wo es hier freizuegig ist, ist es da sehr reglementiert und umgekehrt.

Was sonst noch? Vielleicht noch das soziale Verhalten. Wir haben im Wesentlichen zwei Gruppen beobachtet: Einzelne Paare oder Familien mit Kind und Gruppen von maenlichen Jugendlichen. Daneben noch ein paar  einzelne aeltere Leute und die ein oder andere zweier oder dreier Maedchen Gruppen. Aber nur ganz, ganz selten haben wir gesehen, dass sich Jungs und Maedchen mischten, es sei denn zwei Paare waren gemeinsam am Strand. Aber das beobachtet man auch sonst recht haeufig, Jugendliche scheinen sich hier staerker nach Geschlechtern zu trennen, wenn sie was unternehmen.

Cimg7949_smallWas auch noch auffiel, waren Tattoos. Zwar waren es nicht viele Jugendliche, die welche hatten (kein Vergleich zur gleichen Generation in Deutschland zur Zeit), aber es waren doch deutlich mehr, als das man noch sagen koennte, in Japan tragen nur Yakuzas Tattoos...

Der ganze Spuk ging dann recht schnell zu Ende. Als gegen 5 Uhr einen Tick kuehler wurde, verschwanden die Leute auf einmal recht schnell, die Buden und Zelte machten zu und der Strand sah fast wieder so aus, wie wir ihn in Erinnerung hatten...

Cimg7998_smallWir sind dann auch zurueck, da wir nicht zu spaet nach Hause wollten und sind dann aber mitten in einer Party gelandet udn waren dann doch erst recht spaet wieder daheim. Was fuer eine Party? Als wir in Arakawaoki aus dem Zug stiegen, hoerten wir ploetzlich Musik. Die Quelle war dann schnell gefunden: Nachdem vor ein paar Wochen auf unserer Seite des Bahnhofs ein Matsuri (Fest) stattgefunden hatte, war diesmal die andere Seite dran (haetten wir uns auch denken koennen, da wir gestern schon vom Bus aus eine Wagen gesehen hatten). Da sind wir dann natuerlich nicht nach Hause gegangen, sondern zum Fest. Es war recht aehnlich dem letzten Arakawaoki-Matsuri: Auf einem geschmuckten Wagen wurde Musik gemacht und getanzt und starke Maenner und Frauen schleppten einen kleinen Schrein auf ihren Schultern herum, schuettelten ihn dabei wild hin und her und schrieen laut herum, dazu noch ein paar Einpeitscher, damit niemand schlapp macht.