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26. Oktober 04

Orga …

von Gunda

Sonne! (Na bitte! Geht doch!)

Die nächsten Tage galt es, den bevorstehenden Umzug (Montag) vorzubereiten und etwas Kräfte dafür zu sammeln.

Das „Ereignis des Tages“ war der Kauf eines Fernsehers. Den haben wir einem Wissenschaftler aus Bangladesh abgekauft, der das Gerät in der „Ausländer-Mailingliste“ angeboten hatte. Kostenlos dazu haben wir auch noch einen (wie sich im Nachhinein herausstellte verschimmelten) Untertisch bekommen.

Ein A-class Sprachschüler mit Kommunikationsschwierigkeiten

von Thomas

Die zweite Runde meines Japanisch Sprachkurses steht an! Auf dem Stundenplan steht das Erlernen der Hiragana-Silbenschrift. Dank meiner Vorkenntnisse aus dem Crashkurs im April, fällt mir die Sache nicht allzu schwer. Es ist ein ganz gutes Training, um das Vorhandene noch etwas zu festigen, wobei der Alltag hier in Japan da schon sein Übriges zu tut. Jedenfalls wird unser Kurs geteilt: Die mit Vorkenntnissen und die ohne. So rutsche ich nun in die A-class hinein...

Am Nachmittag stand dann auch schon ein erster Härtetest für meine Kommunikationsfähigkeit mit Einheimischen an. Doch dazu erst die Vorgeschichte:

Auf meiner unermüdlichen Suche nach Infos, die uns das Leben hier in Japan etwas erleichtern, bin ich am Vortag auf eine Mailingliste gestoßen, die von in Tsukuba und Umgebung lebenden Ausländern organisiert wird und der gegenseitigen Hilfe bei Problemen dient. Das ganze Projekt heißt TAIRA. Flugs habe ich mich in die Liste eingetragen und schon trudeln die ersten Resultate ein! Jemand bietet einen Fernseher mit Mehrkanalton für 5000 Yen an. Ein echtes Schnäppchen! Also den Typen angeschrieben und einen Termin ausgemacht!

Die Sache schien recht einfach zu sein. Die Wohnung liegt auf der anderen Seite des Parks, der direkt neben dem Institut liegt (genau der Park, in dem sich auch die Schwimmhalle befindet). Ich schnappe mir also nach dem Essen flux ein Rad und radel dort trotz recht heftigen Regens hin. Nach einer Stunde gebe ich auf...

Was ist das Problem? Zunächst etwas Hintergrund-Info: Zumindest hier in Tsukuba haben die Straßen keine Namen, außer einigen wenigen Hauptstraßen. Die Stadt besteht aus dutzenden kleinen Bezirken, die wiederum meist in etwa vier Teile zerfallen, die dann jeweils eine Nummer bekommen. Die Häuser werden nun innerhalb dieser Unterbezirke durchnummeriert (einige größere Wohnblocks bekommen auch Namen). Nach welchem System diese Nummerierung erfolgt, weiß ich nicht, nur ist es offenbar ein anderes als auf meinem Stadtplan. Jedenfalls war das Haus Nummer 7 offensichtlich nicht dort, wo es auf dem Plan eingezeichnet war.

Um das Problem zu lösen, habe ich mich dann an die wenigen dort herumlaufenden Einheimischen gewandt. Das die Kommunikation nicht klappte, wunderte mich nicht. Wie erwartet spricht der Durchschnittsjapaner noch weniger Englisch (sprich gar keins) als die Leute hier bei der Arbeit. Was mich aber wirklich wunderte, war, daß offensichtlich die Leute mit der Adresse, die ich ihnen ja direkt vor die Nase hielt, nichts anzufangen wussten. Anscheinend ist auch ihnen das Adressystem ein kleines Rätsel...

Aber trotzdem hat die Geschichte noch ein Happy End! Zurück im Institut noch etwas e-mail-Austausch mit dem Verkäufer und am Abend kommt er vorbei und nimmt uns mit in seine Wohnung. Dort lernen wir dann auch seine Frau und Kind kennen und dann ist der Deale auch schon unter Dach und Fach...

Jetzt bleibt nur noch eine Frage offen: Wie transportieren wir einen Fernseher ohne Auto quer durch die Stadt...?

25. Oktober 04

Ein Alien im japanischen Schwimmbad

von Thomas

Endlich ist es soweit! Ich schwinge mich auf ein geliehenes Rad und radle nach Sakura-chousha, der für uns zuständigen Zweigstelle der Statdverwaltung von Tsokuba, um meine Alien-Registration Card, mein offizieller "Paß" hier in Japan, abzuholen. Nun bin ich endlich ein ganz reguläres Alien!

Da das Amt merkwürdigerweise sehr weit am Stadtrand, mitten in einer Erholungsanlage mit Sportplätzen und Hotel liegt, nutze ich die Rückfahrt, um ein wenig die Außenbezirke von Tsukuba zu erkunden. Und hier zeigt sich ein ganz anderes Japan, als das der geplanten Science City von Tsukuba. Kleine Häuser mit Gärten, Reisfelder, schmale Straßen. Richtig dörflich ist es hier, keine 2 km vom Stadtzentrum mit seinen großen Wohnblocks, Supermärkten, Kaufhäusern und Bürohochhäusern entfernt. Man sieht ab und zu mal jemanden die Straße langgehen. Geschäfte gibt es kaum, dafür sehr viel Grün. Schön ist es hier!

Nach der Arbeit hatte ich mir vorgenommen, in das am Samstag entdeckte Schwimmbad zugehen. Also wieder ein Fahrad geliehen und los geht es. Das Bad ist keinen Kilometer vom Gästehaus entfehrnt und liegt in einem Sportpark. Jogging-Wege mit gepolsterten Untergrund, Fußball- und Baseballplatz, Tennisplätze und eine Basketballhalle finden sich hier im Doho-Park. Und eben auch ein Hallenbad.

Da ich wiedermal etwas unbeholfen dreinschaue, eilt die junge Dame an der Rezeption gleich herbei, um mir beim Ticketautomaten zu helfen. 350 Yen ist nicht viel Geld für 2 Stunden schwimmen. Das ist o.k.! Dann geht es durch die Sperre. WIe in Japan üblich muss man sich erstmal die Schuhe ausziehen. Dann geht es in dei Umkleide. Tatsächlich: WIe es in dem englischsprachigen Infoblatt angekündigt war, darf man in der Dusche keine Seife und ähnliches benutzen... Na ja, das Schließfach für die Sachen kostet nochmal 100 Yen extra (Nein, man bekommt die Münze nicht zurück...) . Ab ins Bad! Die Halle ist ganz nett, im Hintergrund tönt japanische Popmusik und trotz der späten Stunde sind noch einige Leute im Becken, das wohl gut 40 m lang, aber recht flach ist.

Wie nicht anders zu erwarten, ist das Schwimmen eine Wohltat. Keine Leute die kreuz und quer herumschwimmen oder einfach nur dumm rumstehen. Man kann in Ruhe seine Bahnen ziehen. Wenn nicht... Erstmal bemerkt nach meiner fünften Bahn einer der Bademeister, daß ich keine Badekappe habe und drückt mir, als ich am Beckenrand ankomme erstmal eine Kappe in die Hand (Keine Seife in der Dusche, aber eine Badekappe...). Und dann das merkwürdigste: Ein Signal ertönt, eine Ansage erfolgt, die Musik verstummt und alle verlassen das Wasser. Hmm, ich nutze die Gelegenheit, um mich in der Halle etwas um zu schauen, die andern sitzen auf Stühlen, die um das Becken verteilt sind. Nach 5 Minuten erneut ein Signal und eine Ansage und alles kehrt ins Becken zurück...

Laut Info-Blatt wiederholt sich dieses Ritual alle Halbestunde. Andere Länder ander Schwimm-Sitten. Aber egal, hier werde ich wohl Stammkunde werden!

23. Oktober 04

Fahrrad, Sofa, Erdbeben 2 (3?)

von Gunda

Sonne! Und warm!

Nachdem wir mal so richtig ausgeschlafen hatten, ging’s mit Fahrrädern vom Gästehaus los. (Für manche Dinge muß man erst ins Ausland: Thomas und ich sind noch nie zusammen Fahrrad gefahren, weil wir immer nur zu zweit ein Fahrrad hatten.) Klasse! Das ging mit dem Fuß! Und überhaupt brauche ich nur noch manchmal den Verband…

Wir wollten Schwimmbäder für Thomas in der Nähe seiner Arbeit suchen und gucken, ob es im Secondhand-Möbelladen neue Sachen gibt.

Ein Schwimmbad hatten wir schnell gefunden.

Dann aber haben wir uns beide in dem Möbelladen sofort in ein niedriges natur-weißes Designer-Schlaf-Sofa verguckt, das dazu noch nur umgerechnet 12 Euro kostete. (Naja, ein bischen saubermachen muß man es schon…) Also: Sofort zuschlagen! Paradoxerweise kostet das Liefern fast dreimal so viel, wie das Sofa selber. Aber nächsten Samstag, wenn Thomas’ Gehalt da ist, versuchen wir, in die Bestellung gleich noch die Waschmaschine, den Kühlschrank, einen Tisch und Stühle einzubauen. Dann lohnt es sich wenigstens. Ich bin den ganzen restlichen Tag total froh über dieses Sofa gewesen, weil das auch bedeutet, daß wir uns mit dem Bettenkauf nicht beeilen müssen und nur eine Nacht auf einem improvisierten Lager im Tatami-Zimmer schlafen müssen.

Als wir nach dem Essen beim Chinesen im zweiten Secondhand-Laden waren, wackelte alles ein bischen. Irgendwie konnte ich das Ganze nicht so ernst nehmen, bis uns die Verkäuferin doch tatsächlich sagte, das sei ein Erdbeben. Naja, war ja auch schnell vorbei. Dann sind wir zu Thomas ins Büro gefahren, um nach Mails zu gucken, und gerade, als er „Spiegel online“ anklickte und wir bei den Schlagzeilen lasen, daß es in Tokyo ein sehr starkes Erdbeben gegeben haben soll, fing das Büro an, zu wackeln. Das beeindruckte Thomas’ japanische Kollegen natürlich nicht im Geringsten, weshalb sie einfach ganz normal weiterarbeiteten, ohne eine Miene zu verziehen. Natürlich haben wir dann gleich den Artikel zum Erdbeben gelesen und waren doch sehr erstaunt, als wir etwas vom „heftigsten Erdbeben seit Jahren“ (Stärke 6-7) lasen. Da konnte doch was nicht stimmen. Wir waren auch nur 40 km von Tokyo weg. Da hätte man doch was merken müssen! Hatten wir schon wieder was verpaßt?

Als wir dann zu Hause den Fernseher anmachten, klärten sich unsere Fragen nach und nach. – Anscheinend war das Epizentrum im Nordwesten der Hauptinsel gewesen, während wir uns im Nordosten befunden haben. Deshalb haben wir nur ein bischen was abbekommen. Eigentlich nicht beängstigender als beim ersten Mal. (So ein Erdbeben fühlt sich im Prinzip an, als wenn man bei Sturm auf einem Schiff ist. Alles wackelt, aber nicht doll. Nur schaukelt es nicht so, sondern rumst mehr. – Anders kann ich das einfach nicht erklären!) Während wir fern sahen gab es noch kleinere Nachbeben, und ich habe angefangen, darüber zu philosophieren, was es denn wohl für ein Gefühl wäre, ein Erdbeben auf der Toilette zu erleben. Als ich dann wirklich mußte, witzelte ich noch, Thomas solle doch mal ein bischen rumwackeln, damit ich das erleben könne. Einige Sekunden später fing es tatsächlich nochmal an, ein bischen zu beben…

Während ich die Handtücher beobachtet habe, wie sie da so vor sich hin schaukelten, bekam ich das eigenartige Gefühl, gar nicht mehr richtig zu wissen, ob es nun bebt, oder nicht. Ich war so sehr auf das Beben eingestellt, daß ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, ein bischen den festen Boden unter den Füßen verloren zu haben. – Ich mußte die Handtücher beobachten, um sicher zu sein, daß das Erdbeben wirklich vorbei war.

22. Oktober 04

Ruhe nach dem Orientierungssturm

von Gunda

Bedeckter Himmel und ein bischen Sonne, ausruhen, Zeit für mich…

21. Oktober 04

Arakawaoki erkunden

von Gunda

Na, wenigstens kein Regen. Nachmittags gab es sogar Sonne, und es war den ganzen Tag so um 20°C.

Ich habe also meinen Donnerstag damit verbracht, nach Arakawaoki zu fahren, um ein bischen die Gegend zu erkunden, Supermärkte u.ä. zu suchen und mir den Weg zum Bahnhof einzuprägen.

Ganz leicht, dachte ich. Immerhin war ich ja schon ein paarmal mit Thomas da. Ja, und dann bin ich zwei Stunden in unserem zukünftigen Wohnviertel rumgelaufen, ohne das Haus zu finden. (Immerhin kenne ich die Ecke jetzt ganz gut…) Irgendwann bin ich entnervt in ein Geschäft gegangen, in dem man Klimaanlagen kaufen konnte, eine Katze im Fenster saß und die Betreiber im Hinterzimmer gewohnt haben. Als die Frau des Paares nach vorne in den Laden kam und sah, daß ich keine Japanerin bin, wurde sie gleich ganz hektisch, murmelte einige Entschuldigungen und rannte aufgescheucht ins Hinterzimmer, aus dem dann einige Sekunden später ihr Mann auftauchte. Der sprach ausschließlich Japanisch. Also kratzte ich meine letzten Brocken zusammen, zeigte ihm unsere zukünftige Adresse in lateinischen Buchstaben und fragte ihn, wo das sei. Der Mann bot mir netterweise einen Sitzplatz an, den ich auch bitter nötig hatte, um sich kurz darauf mit einem hingeseufzten „Hm!“ in meine Adresse zu vertiefen. Gerade, als ich überlegte, ob er vielleicht eingeschlafen sei, sah er mich an und fragte „Apato?“ („Appartment?“). Nachdem ich bekräftigend genickt hatte, schien er wieder über meinem Zettel zu schlafen, um dann plötzlich aufzustehen, einen rosa Zettel und einen Bleistift zu holen und mir eine liebevolle und detailreiche Karte der Umgebung zu zeichnen. Ich war mir schon nach einer Minute sicher, daß dieser Zettel für mich maximal als Andenken an meine eigene Orientierungslosigkeit brauchbar sein würde, bedankte mich dann nach seiner Fertigstellung aber überschwenglich und fand mich kurz darauf etwas ratlos auf der Straße wieder. Natürlich beobachtete mich der Mann durchs Schaufenster, und so verschwand ich erstmal in die angegebene Richtung. Ich habe dann wirklich versucht, nach dieser Karte zu laufen, weil ich ja ohnehin nichts mehr (außer einer weiteren halben Stunde) zu verlieren hatte und war ernsthaft gerührt, als ich dann wirklich vor unserem zukünftigen Zuhause stand.

Etwas geschafft habe ich dann auch noch unsere Einkaufsmöglichkeiten im Umkreis ausgelotet und bin leicht benebelt (weil immernoch erkältet) zurückgefahren.

Leider sieht es mit dem Job in der Botschaft schlecht aus. Ich solle mich noch nach was Anderem umsehen, hieß es.

20. Oktober 04

Taifun 2

von Gunda

Natürlich Regen; aber das hatte ich vor dem Taifun auch irgendwie nicht anders erwartet.

Während ich meine Erkältung pflegte wurde es draußen immer stürmischer. In Erwartung einiger Katastrophenbilder bin ich dann irgendwann vor dem Fernseher gelandet und habe mitangesehen, wie riesige Wellen schon am Morgen in Okinawa alles mitgerissen haben, was rumstand. Erdrütsche, überschwemmte Brücken, … im Prinzip alles, was man beim letzten Mal schon sehen konnte. Nur irgendwie klang der Reporter diesmal aufgeregter, und es wurden nicht so oft die gleichen Bilder gezeigt, weil es so schnell immerwieder Neues gab. Sollte es doch schlimmer werden als beim letzten Mal? Zu allem Überfluß zeigte die Vorausschau auf der Wetterkarte an, daß diesmal der Taifun (Nr. 23 dieses Jahr mit dem Namen „Eidechse“) direkt über uns hinwegfegen würde. Deshalb war ich dann doch froh, daß Thomas früher von der Arbeit kam und wir das Ganze drinnen erleben konnten. Erst haben wir gewartet, daß sich draußen was tut und dabei die Wetterkarte im Fernsehen verfolgt. (Es war der schwerste Taifun hier seit 25 Jahren.) Es stürmte auch ziemlich; aber irgendwann mußten wir dann doch schlafen, und so haben wir auch von diesem Taifun nicht ganz so viel mitbekommen. Abgesehen davon erfuhren wir auch am nächsten Tag, daß der Sturm, kurz bevor er uns erreicht hatte, plötzlich ganz schwach wurde; wir konnten also kaum etwas merken.

Nächsten Dienstag oder Mittwoch kriegen wir eine neue Chance, uns den Naturgewalten zu stellen; da ist der nächste Taifun vorhergesagt. Darüber sind die Japaner hier allerdings doch sehr erstaunt. So viele seien es sonst nie gewesen, sagten sie.

19. Oktober 04

Fieber-Phantasien 2, „Das Märchen vom aus Versehen mitgenommenen Schirm“

von Gunda

Ziemlich hartnäckig, so eine Erkältung, aber bei Regen wunderte es wenigstens keinen, als ich eingemummelt gegen Mittag das Haus verließ. (Ach, Manfred … !)

Den Vormittag gab ich mich wieder meinen Gedanken hin, während ich das zweite Buch verkonsumierte und mir auch noch nebenbei Gedanken darüber machte, wo ich Nachschub herbekäme, wenn diese Erkältung noch viel länger dauern sollte.

Also, Radfahrer. Die fahren hier auf dem Bürgersteig. („Vernünftig,“ höre ich meinen Vater sagen, wobei er bei oben beschriebenen Autofahrern vielleicht sogar Recht hätte.) Radwege habe ich noch keine gesehen, manchmal gibt es hier in der Gegend noch nichtmal Bürgersteige. Wohin also mit dem Fahrrad? – Einfach drauflos. Um Fußgänger rum, oder doch mittendurch, quer über die Straße, auf allen Seiten, von allen Seiten. Ob mir wenigstens mal jemand irgendwann erklären könnte, ob es dafür irgendwelche Regeln gibt, die ich bisher noch nicht erkannt habe? Jedenfalls muß man vor Radfahrern immer auf der Hut sein, sonst kacheln sie einen mit einem freundlich lächelnden „Sumimasen!“ („Entschuldigung!“) glatt um. Vielleicht könnte man das nächste Mal ja den Regenschirm in die Speichen…

Aber, wo ich dann grad beim Regenschirm und beim Rausgehen war: Zu Mittag wollte ich mit Thomas zusammen essen und mußte wohl oder übel dazu aus dem Haus. Es regnete, und ich wollte, wie immer, meinen Schirm aus dem großen Gästehaus-Schirmständer am Eingang nehmen und losstiefeln. Der war aber nicht mehr da, so lange ich auch mit dem Portier suchte. Dafür bekam ich dann einen kaputten Schirm als Ersatz für diesen Tag, und am Abend war mein Schirm auch wieder da. Thomas meinte ja, den hätte eben jemand aus Versehen mitgenommen; aber inzwischen kann ich das nicht mehr glauben.

Das Erste, was ich hier in Japan getan habe, war, mir einen anständigen Schirm zu kaufen, den ich dann noch am gleichen Tag selbst kaputtgemacht habe. Also habe ich am nächsten Tag einen neuen gekauft, an dem ich dann auch zwei Tage Freude hatte, bis er seltsamerweise eines Morgens nicht mehr im Schirmständer des Gästehauses zu finden war. „Did you write your name?“ fragte mich der Portier. Woher sollte ich denn wissen, daß man seinen Namen auf den Schirm schreiben muß? Also habe ich einen neuen gekauft (den dritten in einer Woche) und Thomas’ Namen draufgeschrieben. (Der ist ja auch hier der „Haupt-Mieter“.) Tja, und nachdem der dann auch erstmal weg war, konnte ich nicht mehr so recht an das „Märchen vom aus Versehen mitgenommenen Schirm“ glauben. Während ich mit dem kaputten Ersatz-Schirm durch den Regen stapfte sind mir alle möglichen Verschwörungstheorien durch den Kopf gegangen…

Am nächsten Tag wollte ich sowieso nicht aus dem Haus; dafür war ein Taifun angesagt.

18. Oktober 04

Fieber-Philosophien

von Gunda

Sonne!

Aber das machte mir gar nichts aus, denn ich konnte ihr gekonnt durch eine heftige Erkältung in unser dunkles Appartment entfliehen. (Sagte ich schon, daß ich mich auf die Wohnung freue?) Irgendwie werde ich mich noch an das Klima hier gewöhnen. Aber in der kalten Wohnung ist das gar nicht so einfach.

Also habe ich ein Buch verschlungen, ein bischen rumgehustet und das gemacht, was man eben so macht, um eine Erkältung etwas angenehmer zu gestalten.

Wenn man so den ganzen Tag im Bett liegt, kommt man ausführlicher dazu, vergangene Eindrücke zu reflektieren. Da kamen mir also nochmal die japanischen Autofahrer in den Sinn.

Was ich da in den letzten Tagen so gesehen hatte, entsprach irgendwie nicht so richtig meinem Sicherheitsbedürfnis, was Straßenverkehr angeht: Kleine Kinder unangeschnallt auf dem Beifahrersitz oder auf dem Schoß des Fahrers / der Fahrerin, Hunde auf dem Schoß des Fahrers oder halb aus dem Fenster hängend, Minifernseher im Auto, die vom Fahrer während der Fahrt benutzt werden, Handytelefonate während der Fahrt … oder doch gleich SMS; da braucht man dann gar nicht mehr auf die Straße zu gucken. – Ich bin seitdem doch etwas vorsichtiger, wenn ich die Straße überquere…

Ja, und dann ist da noch der Umweltschutz. Mal eben für ’ne halbe Stunde in den Laden; das reicht für den durchschnittlichen japanischen Autofahrer noch lange nicht aus, um den Motor abzustellen. (Benzin kost’ ja auch fast nix in Japan…) Aber es kommt noch schlimmer: Autohäuser sind ja hier sowieso etwas kundenfängerisch ausgerichtet; aber daß bei jedem zweiten Auto der Motor läuft, damit der Blinker funktioniert und so vielleicht die Blicke der Kunden auf sich zieht, erschüttert mein deutsches Öko-Herz doch gewaltig.

Das übliche...

von Thomas

Wie der Titel schon andeutet, langsam gibt es doch sowas wie Alltag. Am Morgen mache ich mal wieder eine Tour mit Matsuura-san. Diesmal geht es nach Tsukuba-Center. Anmeldung zum Sprachkurs! Klappt alles prima. Die Dame am Empfang weiß sofort etwas mit "Thoomas Lottaamossaa" anzufangen, die Formulare liegen schon bereit und Matsuura-san füllt sie wie immer perfekt aus. So lässt es sich leben...

Bei der Arbeit tut sich nicht viel, Kida-san kommt wie immer erst am Nachmittag und hat selber was zu tun. Arbeit im Labor ist somit erst am Dienstag dran. Also noch ein bischen Literatur zu Gemüte geführt und dann ab ins Gästehaus. Die nächste Nudelsuppe verdrückt und dann ab in die Heia. Der morgige Tag verspricht ereignisreicher zu werden...

Ach, etwas gab es doch noch... Ein kleines Geschenk habe ich Matsuura-san gegeben. Nachdem er uns bei sovielen Dingen geholfen hatte und uns dann auch noch die selbst eingelegten Oliven geschenkt hatte, mussten wir ihm doch auch was schenken. Gunda hat ein Stückchen aus unserem Berliner-Mauer Vorrat eingepackt, dazu einen Berlinkuli und unser letztes Glas Marmelade von meiner Mutter. Seufz... Ich hoffe doch sehr, daß der Gute dieses Opfer auch zu würdigen weiß...

16. Oktober 04

Wochenend-Ausflug

von Gunda

Wenigstens kein Regen…

Voller Elan haben wir uns aufgemacht, um erst gemütlich Möbel zu begucken und dann zum Mt. Tsukuba (Mount Tsukuba, bzw. Tsukuba-san) zu fahren.

Gegen Mittag waren wir an der Bushaltestelle, um festzustellen, daß der Bus nur einmal am Tag fährt, und zwar Vormittags. Glück im Unglück: Die nette Dame von der Touristen-Info konnte Englisch, hat uns alles erklärt und uns noch Infos über den Berg und die Umgebung (auf Englisch) mitgegeben. – Unsere Orientierung wird immer besser.

Also war nix mit „Natur“, und wir haben einfach noch weiter woanders gemütlich (teurere) Möbel angeguckt, sind nach Hause gefahren und haben einen Wellness-Abend gemacht.

Entdeckung des Tages: Eine komplette Wohnzimmereinrichtung im viktorianischen Stil mit Marmor-Imitat-Plastik-Möbeln und Blümchen-Bezügen. (Schnell in die Designer-Abteilung, um nicht laut loszulachen…)

Langsam bekomme ich Heimweh. Nicht nach Berlin oder bestimmten Leuten (Die sind ja zum Glück Dank Internet und Telefon recht nah.), sondern nach vertrauten Wegen, nach Alltagsritualen und Menschen, die ich gut einschätzen kann (abgesehen von Thomas). Es ist, wie sich den ganzen Tag durch einen unbekannten Urwald zu kämpfen und immer Neues freischaufeln zu müssen, ohne den Weg nutzen zu können, den man schon freigelegt hat. (Vielleicht sollte ich öfter Wäsche waschen? – Das kann ich ja jetzt.  ) Und in dem Maße, in dem Thomas diesen Alltag bei der Arbeit langsam bekommt, wünsche ich mir auch einen. Der wird hier sowieso nicht so schnell in immer gleichen Trott ausarten. Dafür bin ich auch viel zu neugierig. Es wird langsam Zeit für einen Job und eine eigene Wohnung. Leider habe ich noch immer nichts von der deutschen Botschaft gehört, wo es vielleicht etwas im Rahmen des „Deutschland-in-Japan-Jahres“ für mich geben könnte.

15. Oktober 04

Post, Wohnen planen 2

von Gunda

Sonne!!! (Manfred, ich danke Dir!) Dafür gleich mit einer Affenhitze (22°C) für diese Jahreszeit, während Berlin bei 1°C bibbert.

Wartenummern… Im Krankenhaus, in der Apotheke, bei der Bank, … und jetzt auch bei der Post. Noch nie waren Postangelegenheiten so spannend und anstrengend. (Es sollte mehr / besseren Englisch-Unterricht hier geben!!!)

Dann habe ich meine Orientierung getestet und Lindas Empfehlung per Stadtplan gesucht. „Somewhere round KAZUMI-store.“ war ja nun schon nicht allzu präzise. Aber da war einfach NICHTS! Auch nach einer Stunde Rumlaufen nicht. (Erwähnte ich meine noch nicht ganz vollendete Wunderheilung?) Tja, bis ich entdeckte, daß es zwei KAZUMI-stores gibt. Das Ergebnis hat sich immerhin gelohnt. Jetzt wissen wir, wo wir einen Teil unserer Möbel herbekommen (und wahrscheinlich hinterher wieder abliefern) werden.

14. Oktober 04

gesund werden, Wohnen planen

von Gunda

Kein Regen, bedeckter Himmel und schon seit Tagen immer gleiche Temperaturen.

Trotzdem ist der Unterschied zwischen Tag und Nacht von den Temperaturen her sehr groß. (Es wird so ab ca. 17 h dunkel.) Mit den Klimaanlagen, dem kalten Appartment hier und dem vielen Rein-und-raus neben der Regen-Verdunstungskälte ist der ideale Grundstein für eine Erkältung gelegt.

Am Morgen hatte ich meinen letzten Termin im Krankenhaus und wurde vom Arzt mit einem Grinsen und den Worten „Did you take your medicine?“ begrüßt. Ja, ich wollte keine Tabletten und hab die Krücken einfach weggelassen. Aber nachdem er mir das Zeug dann aufgenötigt hatte, war ich auch ganz brav. (Daran hatte der Arzt offensichtlich so seine Zweifel.) Hat ja auch geholfen. Auf jeden Fall kündigte er mir dann an, mein „treatment“ zu „finishen“, was mich natürlich sehr beglückt hat, meinen Fuß aber leider nicht schlagartig gesund machte. (Wenigstens erspare ich ihm jetzt den langen Weg ins Krankenhaus.) Der Arzt meinte, ich müßte noch 1-2 Wochen warten. (Wahrscheinlich wußte er einfach nicht, was ich noch vorhatte, die nächsten Tage anzustellen.)

Nach dieser „Blitz-Heilung“ bin ich dann erstmal frohen Mutes losgestiefelt, um zu einem Möbel-Second-Hand-Laden zu laufen. – Leider hatte ich den Weg ungefähr um das ca. 20-fache kürzer in Erinnerung (2 Stunden Fußmarsch)… Nachdem der Laden ohnehin nicht so toll war (nicht Lindas Empfehlung!), hatte ich erstmal genug Sport für den Tag.

13. Oktober 04

Alltag

von Gunda

Manchmal regnet’s nicht…

Nach dem Streß des Vortages wollte ich es dann doch etwas ruhiger angehen lassen, habe mich mal um mich gekümmert, „furee intanetto“ („free internet“ für eine Stunde) in der Stadt gefunden und ausprobiert und die ganz normalen Alltäglichkeiten (Ja, das gibt es hier, wie überall!) erledigt.

12. Oktober 04

Wäsche waschen auf Japanisch

von Gunda

Wenn nicht bald jemand den Regen abstellt, verschimmle ich!

Hier im Haus kann man Wäsche waschen. Mit Waschmaschinen, an denen japanisch beschriftete Knöpfe sind. Klar. Es gibt auch eine englische Anleitung für Ausländer. Nett. Nur, daß diese englische Anleitung … na, sagen wir mal, in Jenglish verfaßt ist. (Ein nettes Bsp. dafür ist z.B. die Anweisung für Mülltrennung an unserem Kühlschrank: „Cans to a bin labeled CANS provided at each other.“) Also, Dienstag war Wäschewaschen dran. Gar nicht so einfach, sich das erklären zu lassen, denn die Leute am Empfang sprechen kaum Englisch. (Ideal für ein „internationales Gästehaus“…) Aber die im Ausländer-Büro können ganz gut Englisch. Also bin ich mit meiner Reisetasche voll Schmutzwäsche im Büro aufgetaucht und habe gefragt, ob mir jemand mit der Waschmaschine helfen kann. Na klar, konnten sie. (Das Wort „Nein.“ gibt’s hier sowieso nur pro forma.) Dann hat mich die nette Dame zum Empfang geschleppt und gesagt, die würden mir helfen. Toll! So herum hätte ich das auch grad noch hingekriegt. Ich bin also der anderen Dame zu den Waschmaschinen gefolgt und habe mir einen halbverständlichen Vortrag über die Waschmaschine angehört, während ich mein vollstes Interesse bekundet und dabei krampfhaft in den unbeobachteten Momenten auf die englische Anleitung geschielt habe, um die „Erklärung“ damit in irgendeinen Zusammenhang zu bringen. Na gut, also „Stato“ (Start) hätte ich noch lesen können… Bemerkenswert war auch die Reaktion auf meine Frage nach der einzustellenden Temperatur: „Temperature??? It’s automatic.“ Häh? Klar, hier kann sich jeder in jeden theoretisch reinversetzen. Aber können Waschmaschinen Gedanken lesen? Oder erkennt die Maschine, welche Wäsche drin ist und stellt danach die Temperatur ein? Die Lösung hatte uns Gertrud schon vor Monaten präsentiert, und sie fiel mir dann zum Glück auch noch rechtzeitig ein: In Japan wird alle Wäsche bei 30°C gewaschen. Basta. Auch meine Frage nach der Menge des Waschmittels wurde interessant beantwortet: „How much?“ – „Oh, it’s for free.“ (Ich habe dann doch noch die englische Dosierungsanleitung in der Ecke an der Wand gefunden…)

Tja, bis ich damit fertig war, war der Vormittag auch schon rum, und ich konnte mich bei einem Kaffee mit Linda (der Kanadierin aus dem Krankenhaus) in der Stadt etwas entspannen. Dabei habe ich dann gleich noch erstens eine sehr spannende Lebensgeschichte erfahren, zweitens viel gelacht und drittens einen tollen Tip bekommen, wo man gute Second-Hand-Möbel herbekommt. (Vielleicht doch gar nicht so schlecht, ein paar andere Ausländer kennenzulernen?)

Nach dem Einkaufen usw. war ich dann erstmal so fertig, daß ich mich glatt in den falschen Bus gesetzt habe und es ziemlich spät gemerkt habe, weil es draußen schon dunkel war. Ziemlich blöd, wenn man mit schweren Tüten im Dunkeln mit Regen die Orientierung verloren hat. Na, ist ja nochmal gutgegangen.

08. Oktober 04

Planen…

von Gunda

Manfred … Es REGNET!!!

Eigentlich hatte Thomas Feiertag, weil das Ministerium, bei dem er angestellt ist, Geburtstag hat. Aber irgendwie haben trotzdem alle vormittags gearbeitet. – Er also auch.

Nach dem Essen sind wir dann nach Arakawaoki gefahren, um unsere neue Wohngegend zu erkunden, „Joyful Honda“ zu entdecken und ein paar Vorab-Fotos zu machen. Wir haben ganz viel geplant, und ich freue mich schon sehr darauf, diese ganzen Pläne umzusetzen. Jetzt kommen mir mit wachsenden Aufgaben auch wieder eine Mege kreativer Ideen.

Am Samstag wollten wir uns mit Yukie, einer Freundin von mir, in Tokyo treffen, damit sie uns dabei hilft, für jeden ein Handy zu erstehen, um tagsüber in Kontakt bleiben zu können. (Bei unregelmäßigen Arbeitszeiten nicht ganz unwichtig.) Leider mußten wir den Termin auf „vielleicht Sonntag“ (Man gewöhnt sich schnell daran, daß die Geschäfte sehr lange und auch am Wochenende offen sind.) verschieben, weil für Samstag Nachmittag ein Taifun vorhergesagt war. Man hätte wohl im Prinzip auf die Straße gehen können; aber oft werden die Züge von Tokyo in unsere Richtung dann einfach ausgesetzt und wir hätten in Tokyo festgehangen.

07. Oktober 04

Ein Zuhause suchen…

von Gunda

Kein Regen! Welch gelungenes Wetter für die Wohnungssuche! (Danke Manfred!)

Am Morgen stand ich aber erstmal wieder beim Arzt auf der Matte. Diesmal bin ich ganz allein und mit dem Bus hingefahren. (Irgendwie sind wir hier doch immernoch Analphabeten; aber es wird stetig besser.) Da habe ich dann gleich noch eine Researcher-Frau (Ägypterin) kennengelernt und neue Medikamente bekommen, die ich, genau abgezählt, in der Apotheke erhalten habe. Dazu gab es einen Zettel, auf dem die Tabletten mit Blister pixelig fotografiert abgebildet waren und eine Dosierungsanleitung daneben stand.

Dann ging’s los mit den Wohnungsbesichtigungen. Schuhe aus, Besucherlatschen an, Besucherlatschen aus, Schuhe wieder an, nächste Wohnung … Wir haben wirklich viel gesehen. Einiges, was mich geekelt hat, einiges, das ich befremdlich fand; aber am schönsten war die allerste Wohnung, die wir gesehen haben, und zum Glück mußten wir auch gar nicht darüber diskutieren, weil wir sie beide sofort toll fanden. Wir haben uns dann auch gleich zum Ende der Besichtigungstour dafür entschieden, um sie reservieren zu lassen, und am 1.11. können wir einziehen.

Hier noch was zu den „Eckdaten“ der Wohnung: ca. 56 qm, Küche, Klo, Dusch-Bade-Bereich, ein Eßzimmer, ein Schlaf-, ein Wohn- und ein Tatami-Zimmer (traditionell mit japanischen Reisstrohmatten ausgelegt), dazu zwei kleine Balkone; einen nach hinten, einen nach vorne raus. (Also haben wir auch Platz für Gäste.) Die Miete hat Herr Matsuura dann noch um 5000 Yen runtergehandelt, und so sind wir mit 65000 Yen (ca. 500 Eur) Miete doch sehr zufrieden. (In Tokyo wäre das bei weniger Platz leicht das Doppelte geworden.) Die Wohnung ist hell und trocken und hat eine Klimaanlage, mit der im Winter auch geheizt wird. Unser neues Zuhause liegt im 2. Stock (In Japan ist das Erdgeschoß der 1. Stock.), was den Vorteil hat, daß die Wohnung unter uns im Winter die Kälte abhält. (Die meisten japanischen Häuser haben keinen Keller.) Zwei Stockwerke liegen noch über uns, sodaß es im Sommer nicht allzu heiß wird. Die Gegend ist recht ruhig und man läuft ca. 10 Minuten zum Bahnhof durch hübsche ländlich-japanische Straßen mit kleinen Häuschen.

Alles in allem sind wir sehr zufrieden und freuen uns auf den Einzug, was sich auch daran zeigt, daß wir jetzt schon voller Eifer am Planen sind. Zum Glück bekommen wir auch dabei noch ganz viel Hilfe. Herr Matsuura hat uns „Joyful Honda“, ein Bau-Möbel-Schreibwaren-Bastel- ……… -Zentrum gezeigt, das nicht weit von unserer Wohnung entfernt liegt und wirklich alles hat, was man nur irgendwann mal brauchen könnte. Ja, und dann gibt es da noch einen Second-Hand-Laden in der Nähe. Abgesehen davon bekommen wir auch noch Sachen von Madoka, die im Moment in Berlin wohnt und hier Sachen bei ihrer Mutter untergestellt hat.

Alles läuft bestens!

06. Oktober 04

Wie lange dauert Urlaub?

von Gunda

Lieber Manfred! Es hat schon wieder wie aus Eimern geregnet!

Als Thomas am Mittwoch Grundrisse von Wohnungen in der Nähe des Bahnhofes von Arakawaoki (s.Fotos) mitgebracht hat, ist meine Urlaubslaune schlagartig verschwunden. Das war nicht schlimm, denn sie wurde durch den Wunsch ersetzt, uns eine zweite Heimat zu schaffen, uns zusammen hier länger wohlzufühlen. Urlaub ist bestimmt schön. – Aber „Einnisten“ eben auch. Also haben wir zum ersten Mal zusammen über Wohnungsangeboten gegrübelt, diskutiert und abgewogen. (Für Thomas war das Ganze wohl noch spannender als für mich. Ich hatte ja schonmal in Deutschland eine Wohnung gesucht.) Nachdem wir beide von unterschiedlichen Leuten sehr unterschiedliche Geschichten über japanische Wohnungen gehört hatten, waren wir natürlich entsprechend gespannt, was uns am nächsten Tag bei den Besichtigungen erwarten würde. (Hätten wir doch ins „Wissenschaftler-Ghetto“ ziehen sollen?)

Und dann, so gegen Mitternacht, als wir schon längst im Bett waren, haben wir noch unser erstes kurzes Erdbeben erlebt. Thomas war schon vorher wach geworden; aber ich habe mich, so aus dem Schlaf gerissen, doch gehörig erschrocken. Im Nachhinein bin ich froh, daß unser erstes Erdbeben so ein kleines war. (Zum Eingewöhnen…)

05. Oktober 04

schweizer Japaner, über’s Wetter lernen, endlich Ruhe

von Gunda

Regen! (Naja, aber Manfred hat ja gesagt…) Inzwischen lernen wir auch zu unterscheiden zwischen mehr oder weniger Regen, Regen mit Wind und ohne, zwischen großen Pfützen und ganz großen und daß man eh nichts dagegen machen kann, nasse Füße und ruinierte Schuhe zu bekommen. Dienstag war weniger Regen. – Erstmal. Also besseres Wetter.

Als ich dann zum Bäcker gegangen bin, war das allerdings nicht mehr so. Dabei ist mir dann gleich aufgefallen, daß japanische Autofahrer wirklich viel sozialer als die meisten deutschen Autofahrer sind. Denn sie lassen einen nicht so naß werden, weil sie um die Pfützen herumfahren. Leider war dann einer bei einer besonders großen Pfütze doch asozial und ich bin komplett bis auf die Haut naß geworden…

Der schweizer Bäcker bestand zu meiner Enttäuschung leider auch nur aus Weißbrot, einem Graubrot und einer Menge japanischer Verkäufer. (Kein einziger Schweizer…)

Der Abend war für mich doch sehr ruhig, und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein.

04. Oktober 04

Alltag – Urlaub (Urlaubs-Alltag?)

von Gunda

Regen! (Naja, aber Manfred hat ja gesagt, das sei die schönste Jahreszeit.)

Für Thomas geht die Arbeit los; für mich fängt eine Mischung aus (hoffentlich) Genesung, Organisation und Urlaub an. Urlaub… sowas habe ich seit Jahren nicht so richtig gehabt. Aber mit so einem Klotz als Bein… Aber ich lasse mich ja bekanntlich nicht so schnell unterkriegen.

Was Thomas bei der Arbeit und seiner Registration als echter Alien erlebt hat, schreibt er wohl besser selber. – Immerhin hat er noch keine grüne Haut und auch keine Fühler am Kopf, ist aber trotzdem ein echter registierter Alien.

Ich habe also an diesem Tag ein bischen die Wohnung geputzt, die nähere Umgebung erkundet und es tatsächlich geschafft, Dinge für das kommende Frühstück einzukaufen, die wir auch in Deutschland immer gegessen haben. (Ich glaube, wir werden uns nicht an Reis und Miso-Suppe zum Frühstück gewöhnen wollen…)

Abends sind wir dann im ausländischen Viertel von Tsukuba essen gegangen. Da gibt es allerlei „exotische“ Restaurants: mexikanisch, deutsch, französisch, … Beim (Südstaaten-) Amerikaner sind wir dann hängengeblieben.

In diesem Viertel haben wir auch einen Schweizer Bäcker gefunden, auf dessen Geschäft steht: „MORGEN - frisches Brot“ – Also habe ich beschlossen, am folgenden Tag dort Brot kaufen zu gehen.

02. Oktober 04

Wo sind wir eigentlich?

von Gunda

Sonne bei ca. 26°C.

Mit dem Taxi ins Krankenhaus. Jetzt geht’s schon ganz ohne Einheimischen; die Prozedur ist ja klar. Thomas fährt mich in einer gekonnten Rollstuhl-Rallaye zum Orthopädie-Schalter. Inzwischen kennen mich die Leute im Krankenhaus schon. – Ich bin die einzige Ausländerin. Zum Glück kann der Arzt etwas Englisch; aber auf Fragen von Patienten scheint er nicht so eingestellt zu sein. Keine neuen Erkenntnisse, nur ein neues Rezept und Krücken, von denen man unter den Armen blaue Flecke bekommt und mit denen ich mich fühle, wie ein amerikanischer Kriegsveteran. (Auch davon gibt es Fotos…)

In einem Anfall von Leichtsinn (und um die Haltbarkeit der Schiene zu testen) fahren wir in die Innenstadt von Tsukuba, um endlich zu sehen, wo wir hier eigentlich gelandet sind.

Eine kleinere Stadt im amerikanischen Reiß(s?)brett-Stil. – Ganz gut für den Anfang. Tokyo hätte uns vielleicht erstmal überfordert.

Im Gästehaus haben wir ein kleines Appartment mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad und begehbarem Kleiderschrank (s.Fotos). Ziemlich groß; aber wir wollen doch irgendwann eine eigene Wohnung. (Vorallem die Küche finde ich hier etwas eklig…)

Fazit des Tages: Die Schiene hält nix aus, und morgen muß es ohne Krücken gehen!

01. Oktober 04

Der erste Tag in Japan

von Thomas

Nach dem gemütlichen, problemlosen Flug (vielleicht gewöhn' ich mich ja doch noch daran...) sind wir schließlich pünktlich in Narita bei strahlendem Sonnenschein und einer Temperatur von weit über 25° C angekommen. Etwas unsicher war ich ja noch, ob mit unseren Papieren alles in Ordung ist, aber es gab keine Probleme. Der Mann an der Paßkontrolle schaute sich alles an, schrieb da was, machte dort einen Stempel rein und weiter ging's. Unser Gepäck fand sich auch recht schnell, jetzt noch durch den Zoll und wir sind drin in Japan. Mit etwas Glück fanden wir einen Zollbeamten, der nicht sonderlich neugierig war (ich hatte doch etwas Angst um meine beiden Marmeladengläser...) und dann waren wir endlich wirklich in JAPAN!.

In der Flughafenhalle erstmal etwas innehalten. Was stand an? Telefonkarte kaufen, um im Institut anzurufen, den Papierkram wegen unserer Seekiste erledigen, Bustikets für die Fahrt nach Tsukuba kaufen, beim Air France Schalter vorbei schauen, wegen der Flugmeilen und Gunda musste noch auf die Toilette. Hat auch alles prima geklappt, nur bei Air France muss ich wohl nochmal anrufen. Der Mann, den ich nach einem Telefongespräch zum Schalter lotsen konnte, war nicht in der Lage uns zu helfen... Mal sehen, was d'raus wird.

Die Fahrt nach Tsukuba ging ohne Probleme über die Bühne. Am Busterminal in Tsukuba-Center angekommen, nochmal schnell im Institut angerufen (warum auch immer die das so haben wollten), dann ein Taxi nehmen und weiter. Dem Taxifahrer halten wir den Plan vom Institut vor die Nase und schon geht es los, nach ein paar Minuten kommen wir an...

Trotz unsere vielen Anrufe, wirken die Leute bei der Arbeit etwas aufgeregt und wissen nicht so recht, was sie mit uns anfangen sollen. Ins Gästehaus können wir erst um 16:00 Uhr. Was also tun? Wir versuchen den Leuten klar zu machen, daß wir uns etwas die Beine vertreten wollen nach der langen Sitzerei im Flieger und Bus. Kikuchi-san, dei Sekräterin, drückt uns noch einen Plan in die Hand und los geht es, trotz der Bedenken der Leute, die wohl glauben, wir würden uns trotz Plan heillos verirren.

Wären wir mal nicht gegangen... Nach kaum 500 Metern knickt Gunda mit dem Fuß um, schreit wie am Spieß, alle herumstehenden Japaner geraten in heillose Aufregung und ich weiß auch nicht so recht, was zu tun ist. Nun gut, Gunda humpelt mit meiner Hilfe zum Büro zurück, alle sind aufgeregt, Matsuura-san (zu dem später noch mehr), fährt uns zum Krankenhaus und dann bekommen wir einen ungewollt tiefen Einblick ins japanische Medizinwesen...

Als wir zurück zum Institut kommen, ist es auch schon soweit, daß wir ins Gästehaus (es trägt den schönen Namen "Sakura-kan", was Kirschblüte bedeutet) können. Unser Zimmer ist ganz schön (es ist das Nachbarzimmer, von dem Raum, in dem ich bei meinem Besuch im Frühjahr geschlafen habe), wir haben einen Wohnraum, eine Küche, Abstellraum für unsere Sachen, ein Schlafzimmer und ein Badezimmer mit Wanne... Was will man mehr...

Unterm Strich hätte alles nicht besser laufen können am ersten Tag, wenn nur Gunda die Sache mit dem Fuß nicht passiert wäre. Aber Glück im Unglück: Es ist nichts gebrochen, es ist wohl "nur" ein Bänderriss und so schnell ist Gunda ja nicht unterzukriegen!

Ankommen

von Gunda

Als noch halb Deutschland tief und fest schlief (es war so ca. 0.20 h dort), kamen wir um ca. 7.20 h Ortszeit in Narita (bei Tokyo) an und hatten den Tag vor uns. Einen sonnigen Tag übrigens, der uns bei ca. 26°C in unseren herbstlichen Klamotten ordentlich schwitzen ließ.

Wir fuhren mit dem Bus nach Tsukuba, Thomas’ zukünftiger Arbeitsstätte, und wurden sehr freundlich empfangen. Da wir noch recht viel Zeit bis zum Einchecken im Gästehaus des Instituts hatten, beschlossen wir, uns die Stadt anzusehen.

Weit sind wir leider nicht gekommen, denn noch auf dem Gelände bin ich am (abgesenkten!) Bordstein einer Einfahrt umgeknickt und habe mir am rechten Fuß ein Außenband gerissen. (Nach gerade mal ZWEI Stunden in Japan!) Der restliche Ausflug führte dann tatsächlich noch in die Stadt. Allerdings nicht per Bus und mit Kaufhausbummel, sondern mit dem Auto ins Krankenhaus… Zum Glück hatten wir den Instituts-Assistenten, Herrn Matsuura, dabei, ohne den ich wohl kaum das Anmeldeformular hätte ausfüllen können.

In der Notaufnahme geriet ich dann an einen … ähm, „Magenarzt“, wie er sich bezeichnete. Der Orthopäde war in einer OP und sollte erst am nächsten Tag wieder Zeit haben. Also bekam ich eine Schiene (, was auf Japanisch auch wirklich „Schiene“ heißt!) und Pflaster mit abschwellender, schmerzstillender Wirkung verschrieben. Beim Warten auf das Röntgen habe ich dann gleich eine andere Researcher-Frau kennengelernt, die Kanadierin ist und deren Mann auch bei Thomas auf dem Gelände arbeitet.

So ein Krankenhausbesuch wirft einen dann doch gleich in den Landesalltag, und im Nachhinein ist das kein so schlechter Start gewesen, wie ich natürlich zuerst empfunden habe. Die weitere Prozedur war dann: Krankenhaus-Kundenkarte machen lassen, Unterlagen an der Kasse abgeben, Kassierer davon überzeugen, daß man eine englische Rechnung braucht, bar bezahlen, Termin und Kundenkarte kriegen, zur Apotheke gehen (s.Fotos), Rezept abgeben, Wartenummer bekommen, aufgerufen werden, abgezählte Medizin erhalten, englische Rechnung haben wollen, bar bezahlen, wegfahren, im Gästehaus das Bein hochlegen und andere das Gepäck reinschleppen lassen.

Ganz schön viel für den ersten Tag… - Die Fotos dazu gibt’s in der Fotogalerie.

Entdeckung: Gingko-Früchte sehen aus, wie Mirabellen (und stinken nach ein paar Tagen Rumliegen wie Hundedreck).

30. September 04

Abfliegen

von Gunda

Da standen wir also am frühen Morgen bei bedecktem Himmel und ca. 10°C Außentemperatur im Flughafen Tegel, und es hieß für ein ganzes Jahr Abschied nehmen.

Irgendwie ist mir der Abschied von der Wohnung und der Umgebung schwerer gefallen, als von den Leuten. Denn die sind ja dank Telefon und Internet viel näher dran, als gedacht.

Die Nacht davor hatten wir, nachdem wir die Wohnung nur fast komplett ausgeräumt und meinen Eltern als mittleres Schlachtfeld hinterlassen haben, bei meinen Eltern übernachtet. Mein Vater hat uns dann zum Flughafen gebracht. Eine besonders schöne Überrraschung war auch, daß Ortrun noch zum Terminal kam, um uns selbstgebackene Muffins mitzubringen, von denen Thomas, kaum daß er im Flieger saß (und noch vor Abflug), unbedingt probieren mußte. Aber bevor wir da drin sitzen konnten, haben wir unsere Abschieds-Zeit damit verbracht, unser viel zu schweres Handgepäck mehrfach umzupacken und nachwiegen zu lassen, was dazu führte, daß ich eine offene überquellende Handtasche mit mir rumschleppte und wir uns hektisch von Ortrun und meinem Vater verabschieden mußten. (Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt…)

Das Umsteigen in Paris war nicht weniger stressig: Erst mußten wir einen recht weiten Weg zurücklegen, dann mit immer knapper werdender Zeit in einer riesigen Schlange anstehen. Die Sicherheitskontrollen waren in Paris besonders scharf. Ich mußte meine übervolle Handtasche komplett ausleeren, mein Kosmetik-Täschchen durchwühlen lassen, und Thomas wurde dazu aufgefordert, seinen Laptop anzuschalten, um festzustellen, ob es keine Atrappe ist. Der Rest verlief dann recht problemlos, obwohl ich drei Stunden vor Ankunft endgültig die Nase voll vom Rumsitzen hatte…

(Leider haben wir wegen dieser Hektik keine Fotos gemacht.)

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