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12. September 06

Kulturverwirrung

von Gunda

Ich möchte mich hier nicht über die Mail eines ehemaligen Schülers lustig machen, indem ich sie hier veröffentliche. (Meine japanischen Mails, gäbe es sie, wären wohl ähnlich...) Ich möchte damit zeigen, daß auch die Kleinigkeiten im Alltag total verwirrend sein können, wenn man nicht darauf vorbereitet ist. Hier zum Beispiel: Wie trocknen die Deutschen eigentlich ihre Wäsche? Auf dem Balkon, wie in Japan, offenbar nicht...

"Frauen Gunda,

Ich lebe jetzt in Nuernberug.

Ich habe Frage.

Warum trocken viele Leute  das Waschen in einer Veranda in Deutschland?

Lüften sie das Waschen mit einem Trockner?

Ich bin mysteriös."

17. Juni 06

Mashiko mit Mari

von GundaCimg3709_medium

Voll ins Schwarze getroffen hatte Mari bei uns mit diesem Geburtstagsgeschenk: Töpfern in Mashiko!

Wir hatten uns die Drehscheibe ausgesucht, und am Samstag ging's dann um kurz nach halb neun mit Mari und ihrer Schwester Sachika los, über den Tsukuba-San Cimg3721_medium(-Berg) in die Nachbarpräfektur Tochigi. (Den Knopf für die Klimaanlage von Papis BMW haben die beiden dann erst gefunden, nachdem sie uns schonwieder zu Hause abgesetzt hatten...) Dort gibt es zwei Städte, die für Tonwaren bekannt sind, und Mari hatte Mashiko ausgesucht. Der Ort besteht im Prinzip nur aus Geschäften mit Tonsachen, ein paar Restaurants, kleinen Museen und eben diesem Töpferladen, der Schnellkurse anbietet. (Selbst die öffentliche Toilette war mit Tonscherben gestaltet!) Nach einer kurzen Shoppingrunde und einem leckeren Mittagessen ging's dann ab zum Töpfern.Cimg3722_medium

Man darf in zwei Stunden nach kurzer Anleitung mit nicht müde werdender Hilfe so viel Ton verarbeiten, wie man will. Für mich Ungeduldige eine prima Sache. Ich hatte ganz schnell ganz viel zusammen. Einziger Haken an der Sache: Man muß das Brennen und das Porto pro Stück und nach Größe bezahlen. Und da wir ja auch an unser Gepäckvolumen nach Deutschland denken müssen, mußte ich mich hinterher leider von einigen "Kunstwerken" verabschieden. (Das Ganze bekommen wir erst am 10.9., kurz vor knapp, geliefert. Wir packen das gar nicht aus; es kommt gleich in die Seekiste nach Deutschland.)

Die Sonne brannte Mari und mir also zwei Stunden lang auf den Rücken, während wir versuchten, auf der elektrisch rotierenden Scheibe, etwas als Geschirr Erkennbares zu produzieren. Bei sowas kommt immCimg3724_mediumer der wahre Charakter zutage: Sachika bastelte still intensiv wenig Stücke, Mari hatte das schonmal gemacht, guckte ab und zu nach links und rechts und lobte die anderen, rechts von mir produzierte Thomas vorwiegend flache Dinge ("Das wurde einfach immer breiter.") unter andauernd belustigt-verzweifelten Kommentaren. ("DieCimg3733_medium <=die Helferin> kann doch jetzt nicht einfach an's Telefon gehen!!!") Ich saß in der Mitte, habe mir ständig helfen lassen und auch so einiges an Kommentaren losgelassen. - Die Anleiterin hatte bestimmt am Abend zu Hause ordentlich was über die witzigen Gaijins zu berichten...

Nachdem unsere zwei Stunden um waren, wir aussortiert, eine Glasur und eine Signatur ausgesucht hatten, verließen wir glücklich, dreckig, verschwitzt und noch ziemlich aufgekratzt das kleine Haus. Dann haben wir uns in den Läden angeguckt, was man noch alles hätte machen können, ein bischen was eingekauft.

Cimg3739_mediumAbends ging es dann mit dem Auto wieder zurück, und Thomas und ich sind auf dem Rücksitz ab und zu eingeschlafen. Aufregend war's und schön. Die Stücke werden sicher einen Ehrenplatz in Bonn bekommen (und natürlich auch benutzt werden). So haben wir immer ein Stück Japan und Maris Geschenk vor Augen.

27. Februar 06

Angekommen

von Thomas

In den letzten Wochen hatte ich oft das Gefühl, dass sich etwas verändert hat. Erst war mir nicht ganz klar was. Es hatte irgendwie damit zu tun, was wir unternehmen wollten, was wir fürs Wochenende vor hatten usw. Es fehlte etwas.
Inzwischen ist mir klar, was da fehlt: Der ständige Drang auf Entdeckungsreise zu gehen, an jedem Wochenende ein Ausflug zu noch unbekannten Orten in Japan zu unternehmen, hier was auszuprobieren, dort sich was anzuschauen. Natürlich haben wir noch nicht alles gesehen und unser Wunschzettel für Ausflüge ist länger, als das wir sie bis September noch abarbeiten könnten, aber es ist jetzt alles nicht mehr so dringend. Wir haben schon viel gesehen und erlebt, eigentlich viel zu viel, um es alles schon voll verarbeitet zu haben und was jetzt noch kommt, das ist alles noch ein Bonus, aber wenn wir nicht mehr "alles" sehen, dann ist das kein Beinbruch.

Letztes Jahr um diese Zeit haben wir unsere Japanrundreise gemacht, Hiroshima, Kyoto, Osaka und der Fuji und in den Wochen davor und danach sind wir quasi jedes Wochenende irgendwo hin gefahren. Hauptsache raus, irgendwas neues, unbekanntes entdecken.
Und jetzt? Am Samstag waren wir in Mito etwas bummeln, gestern im Kino und dann noch etwas in Tsukuba einkaufen, heute Abend gehen wir wieder zum Sport ins Fitness-Studio, naechsten Samstag ist Grossputz angesagt und am Sonntag kommt unsere Freundin Akapu. Es hat sich verändert, wir gehen ins Kino oder Konzert, treffen Bekannte, machen ein Stadtbummel, gehen zum Sport, Gunda macht Ikebana und Kalligraphie, wir haben inzwischen unsere Lieblingslokale in der Umgebung, Bekannte und Freunde, kurz wir haben einen Alltag. Der ist nicht langweilig und ziemlich voll mit vielen Dingen, aber eben mit viel mehr normaleren Erlebnissen (die natuerlich weiterhin ihre Besonderheit und ihre Andersartigkeit behalten, denn dafuer sorgt einfach die Fremdheit der japanischen Kultur).

Wir sind nun glaube ich endlich in Japan angekommen, wir leben inzwischen in Japan und sind keine Dauertouris mehr, die jede Woche in den Reiseführer schauen und am Wochenende losduesen, um wieder und wieder was neues zu sehen. Wenn wir jetzt einen Ausflug machen, dann weil uns danach ist, weil das jetzt halt gerade passt und nicht mehr, weil wir jetzt in Japan sind und deshalb einen Ausflug machen müssen, weil man ja die Gelegenheit nutzen muss, wenn man nun schon mal hier ist.
Ich denke, das wird uns gut tun, wir werden alles etwas ruhiger und dafür aber bewusster angehen lassen und am Ende mehr von haben, als wenn wir weiter im Dauerlauf durch Japan hetzten.

14. November 05

Rückschau auf ein Jahr Japan IV: Das Blog & die Webseite

von Thomas

Mit etwas Verspätung noch ein abschließender Beitrag in meiner kleinen Rückschaureihe. Und zwar fehlen noch ein paar Gedanken zu dem Blog selber und zu unsere Website. Die Idee, dazu mal etwas zu schreiben, kam mir, als jemand mal eine Kommentar schrieb, dass unser Blog inzwischen auf der "Standardschiene" fahre. Schon damals war mir vor allem gar nicht klar, was überhaupt die Standardschiene für ein Blog sein sollte, aber jedenfalls machte ich mir dann ein paar Gedanken, wie sich unser Blog eigentlich entwickelt hat. Ein paar dieser Gedanken und ein kleiner Rückblick auf die Geschichte der Website, gibt's nun im Folgenden:

Angefangen hat es mit Gundas Vorschlag, dass es doch toll wäre, wenn wir eine Website zu unserem Jahr in Japan machen würden. Einerseits könnten wir dort nützliche Infos für die Leute unterbringen, die uns mal besuchen wollen, andererseits, könnte man dort ein paar Erlebnisberichte drauf packen, so dass wir nicht ständig e-Mails an diverse Leute schicken müssen. Die Zielgruppe waren also unsere Familien, Freunde und Bekannte, die wir nicht ganz aus den Augen verlieren wollten und die so die Chance hätten, über unseren Werdegang auf dem Laufenden zu bleiben. Das die Seite dann auch zwangsläufig auch von anderen Leute gelesen würde, war uns gar nicht so bewusst, jedenfalls stand es nicht im Mittelpunkt unsere Idee. Nur vorweg, inzwischen ist es ganz anders, allerdings weniger was unsere Absichten angeht, als wie mehr die Struktur der Leserschaft. Aber dazu später mehr.

Also gesagt getan, Gunda hat fleißig Texte für die Website entworfen und ich hab dann daraus die Seiten erstellt. Da Ganze sollte ziemlich schlicht werden, die wichtigsten Infos, ein paar nette Links, ein Einstieg für die Leute, die mal so ein bisschen nach uns sehen wollten und in was für einer seltsamen Gegend wir uns hier herumtreiben. Wichtig war natürlich das Photoalbum, das mache ich mit einem Programm von Adobe, das ist nicht optimal, weil man nur sehr wenig Gestaltungsmöglichkeiten hat, aber was besseres habe ich nicht nicht gefunden. Leider hinken wir mit den aktuellen Bildern weit, weit hinterher...

Das allerwichtigste war aber unsere Nueigkeitenrubrik. Was genau ein Blog war, davon hatte ich vor einem Jahr noch gar keine richtige Vorstellung, schon gar nicht davon, wie weit verbreitet so was ist und das es da Angebote gibt, die so simpel zu bedienen sind, wie z.B. das, welches wir jetzt nutzen. Also hatte ich mir selber was überlegt und eine Neuigkeitenseite entworfen, die man auch immer noch bewundern kann.

Nach ein paar Monaten reichte es mir aber, es war viel zu umständlich auf diese Weise viele Beiträge immer aktuell zu veröffentlichen, und das war ja wichtig, wenn man die Daheimgebleibenen auf dem Laufenden halten wollte. Mal ein Bild einzufügen ging auch nicht so einfach, ebenso war es umständlich, wenn man mal was ändern wollte oder einen Beitrag ergänzen wollte. Also fing ich an, mich um zuschauen, was es denn für Alternativen gab und bin dabei auf die Blogs gestoßen. Und davon war ich sofort begeistert. Alles war ganz simpel und schnell zu machen und innerhalb von ein paar Tagen, hatte ich unsere alten Beiträge alle übertragen und die alte Website eingestellt.

Und somit hatten wir nun ein echtes Blog und waren Teil einer riesigen Community!

Seitdem hat sich das Blog sehr gewandelt und die eigentliche Website etwas in den Hintergrund gedrängt. Da man schnell was veröffentlichen kann, sogar vom Handy aus, macht man es letztlich auch. Fällt einem unterwegs was auf, setzt man einfach per Handy ein Bild mit einem kurzen Text rein, die ich dann manchmal noch in Ruhe ergänze. Überhaupt kann man auch ganz schnell ein paar Bilder veröffentlichen, nicht so viele, wie in dem Photoalbum, aber dafür schneller und man beschränkt sich eben auf die Highlights. Die Themen sind auch vielfältiger geworden, weg von den tagbuchartigen Erlebnisberichten, die es auch noch gibt, hin zu kleinen Berichten, über die Dinge, die wir als typisch für Japan empfinden, die uns auffallen, die wir kurios oder einfach nur witzig finden. Ab und an mal was politisches oder sonstige Ereignisse des Tages, kurz ein Spiegel unserer Wahrnehmungen und Gedanken zu dem Land, in dem wir seit über einem Jahr leben.

Manches ist natürlich auch rein dem Spieltrieb geschuldet, wie z.B. viele der Links links und rechts am Rand, vor allem die Statistiksachen, aber da habe ich nun mal Spaß dran, sorry, falls das jemand blöd findet...

Aber die Statistiken erzählen einem natürlich auch was. Vor allem erzählen sie einem, dass die von uns gesuchte Zielgruppe unsere Leute in Deutschland eigentlich nur eine Minderheit der Leser dieser Website ausmacht. Hauptbesucher sind inzwischen Leute, die wir gar nicht kennen, die aber immer wieder kommen, Beiträge lesen und auch Kommentare schreiben (weit über 100 sind es inzwischen, vielen Dank an alle Schreiber an dieser Stelle!), während unsere Zielgruppe oft nur mit leichter Gewalt zum Lesen bewegt werden kann... Dazu kommt dann noch ein Haufen Leute (momentan kommen fast 50 verschiedene Besucher jeden Tag auf diese Seite), die über Suchmaschinen wie google auf diese Seite stoßen und oftmals nur für einen kurzen Augenblick hier verweilen, weil sie nicht das finden, was sie suchen (nein, wir betreiben keine Sexseite und hier gibt es keine Bilder, auf denen man sieht, was japanische Schulmädchen unter ihrem Minirock tragen, auch wenn die Suchanfrage "unter den Minirock" mal direkt auf unsere Seite führte...), aber leider können wir nicht alle Wünsche befriedigen (nein, Sex in Japan ist nicht das Thema dieser Seite, lieber Googler...) und manche Anfragen sind auch zu skurril, so interessierte sich heute z.B. mal jemand für "essen aus toiletten in japan"... Ich muss unbedingt mal eine Best-of-Liste der absurdesten Google-Anfragen machen :)

Aber manche finden auch das, was sie suchen, lesen einige Berichte, kommen wieder, hinterlassen eine Gästebucheintrag oder einen Kommentar und darüber freuen wir uns natürlich sehr und es spornt einen ja auch, wenn man etwas positive Resonanz bekommt. Und jetzt weiß ich immer noch nicht, ob wir ein Blog auf der Standardschine haben, aber auf jeden Fall haben wir ein Blog mit einer kleinen, aber wachsenden Leserschaft, die ganz anders aussieht als geplant und erwartet und das macht die Sache natürlich auch für uns spannend und interessant, vor allem die Frage, was da alles noch kommen mag...

Aber irgendwann wir die Sache hier auch ein Ende haben, genauso wie unsere Zeit hier in Japan. Mal sehen, was wir dann machen werden. Jetzt müssen wir auf jeden Fall uns auch mal wieder um unsere Website kümmern, Links ergänzen, einige nicht mehr aktuelle Texte ändern und vor allem das Photoalbum auf den neuesten Stand bringen (oh je, was das für eine Arbeit wird...) und ich möchte vor allem immer noch die Optik der ganzen Sache etwas aufpeppen, irgendwie, finde ich das Layout zu langweilig... Na ja, mal sehen.

Jetzt hoffe ich, dass ich niemanden zu sehr gelangweilt habe oder gar vergrault habe, aber, das habe ich inzwischen auch gemerkt, so ein Blog ist auch gut, um all die Gedanken und Anregungen, die das Leben hier in Japan so produziert, los zu werden und wenns vielleicht auch für andere langweilig ist, für mich ist es eine recht hilfreiche Sache, denn auch nach einem Jahr ist der Input immer noch so groß, dass man einfach ein kleines Ventil braucht, um mal etwas angestauten Ballast abzubauen. Und das ergibt dann eben solche "Laberbeiträge" ;)

 

11. Oktober 05

Rückschau auf ein Jahr Japan III: Entdeckungsreisen & Urlaub

von Thomas

Leben in Japan heißt nicht nur Arbeiten und zusehen, wie man seinen Alltag meistert, es ist auch irgendwie ein großer Urlaub, eine einzige Entdeckungsreise, bei der man immer wieder auf Neues und Unbekanntes stößt. Das ist schon so, wenn man hier nur einfach lebt, aber es ist erst recht der Fall, wenn man sich hinausbegiebt und quer durchs Land reist. Und das haben wir bisher schon ausgiebig getan...

Die größte Tour haben wir letzten Frühjahr unternommen, als wir nach Hiroshima, Miyajima, Kyoto, Osaka, Nara und zum Fuji-san gefahren sind. Nach Kyoto sind wir inzwischen ein zweites Mal gefahren, 3 Tage nur. Trotzdem haben wir dort schon sehr gesehen, Tempel, Schreine, verschiedene Stadtviertel, Matsuris und vieles mehr. Kyoto ist vielleicht bisher der Ort, der uns hier in Japan am besten gefällt. Es am vielseitigsten, das Alte ist hier noch relativ lebendig, aber trotzdem ist auch ein moderne Stadt. Die Mischung ist hier irgendwie besser, als in Tokyo, wo das alte Japan nur noch in kleinen Inseln eine Rolle spielt.

Mit der anderen japanischen Megametroploe, Osaka, sind wir nicht so recht warm geworden. Vielleicht lag es auch am Wetter, am ständigen Regen, dass uns die Stadt etwas trostlos vorkam, aber irgendwie war das nicht so ganz das Wahre. Während Tokyo noch irgendwie viele Reize hat, abwechslungsreich ist, erschien uns Osaka einfach nur groß zu sein, eine moderne Großstadt halt. Aber vielleicht täuschen wir uns auch, was kann man nach wenigen Tagen schon abschließendes über eine solch riesige Stadt sagen. Aber das war halt unser Eindruck, gefangengenommen hat uns Osaka nicht.

Von den Resten der alten japanischen Kultur konnten wir uns natürlich schon viel ansehen. Die Schreine und Tempel von Nikko hatten wir letztes Jahr zu Weihnachten besucht. Das war als Weihnachtserlebnis zwar sehr skurril, aber nichtsdestotrotz ungemein eindrucksvoll. Ganz ähnlich war es auf Miyajima und in Nara. Alte Bauten bis zum abwinken...

Aber während das alles touristische Klassiker sind, ist es für uns auch immer wieder schön, wenn wir einfach mal in unserer Umgebung herumreisen und dort die eigentlichen Entdeckungen machen können. Denn außer Tokyo und Yokohma gibt es hier noch eine ganze Menge mehr Möglichkeiten, um einen interessanten Ausflug zu machen. In Tsukuba selbst kann man sich den Tsukuba-san anschauen, auf dem es einen sehr schönen Schrein gibt. Der Berg selbst, die Landschaft ist für Spaziergänge und Wanderungen sehr geeignet. Dann gibt es im Nachbarort, Ushiku, die größte Statue der Welt. Der Ushiku-Daibutsu ist mit 120m fast dreimal so groß, wie die Freiheitsstatue in New York. Seine Bekanntheit ist er aber selbst unter Japanern quasi gleich Null...

Ein paar Kilometer nördlich von uns liegt Tsuchiura. Neben dem jährlichen Feuerwerkswettbewerb, gibts mit dem See Kasumigaura, immerhin der zweitgrößte Japans, zumindest ein nettes Ziel, wenn man mal eine Fahrradtour unternehmen will. Apropos Größe, in Fukuroda, ganz weit im Norden der Ibaraki-Provinz gibt es den größten oder zweitgrößten Wasserfall Japans. Zweimal waren wir schon dort, einmal im Herbst, einmal im Winter. Nicht ganz soweit im Norden liegt Mito, die Hauptstadt von Ibaraki. Und wenn man da mal nicht gerade zu einer Behörde muss, kann man sich zum Beispiel den Kairakuen-Park ansehen, den landesweit berühmtesten Pflaumenpark.

Etwas umständlich, da es keine direkte Zugverbindung gibt, ist es, zur Küste von Ibaraki zu fahren. Dafür lohnt es sich aber durchaus. Im letzten Herbst waren wir in Isohara, relativ weit im Norden gelegen, gewesen und im Sommer sind wir dann ein paar mal nach Oarai an den Strand gefahren. Das werden wir auch bestimmt naechsten Sommer wieder machen.

Wo waren wir noch? In Narita z.B. und das nicht wegen des Flughafens, sondern wegen des schönen Matsuris dort. Und wir werden bestimmt nochmal hinfahren, denn die Stadt selber war auch sehr nett und den örtlichen Tempel müssen wir uns auch noch genauer ansehen. Zweimal waren wir dann noch in der Gegend westlich bzw. nordwestlich von Tokyo, am Takao-san und in Chichibu. In Hakone waren wir auch schon, da müssen wir aber nochmal hin. Damals hatten wir einfach zu wenig Zeit und hatten kaum was von der Landschaft gesehen.

Überhaupt, wo wir noch überall hin wollen... Die Liste ist viel zu lang :(

Wo anfangen? Ich möchte z.B. noch einmal höher auf den Fuji-san rauf, Gunda will unbedingt den Buddha in Kamkura besichtigen, wir waren noch gar nicht mal auf einer der anderen Inseln, nach Hokaido wollen unbedingt nochmal. Oder doch lieber nach Okinawa? Tiefschnee würde ich diesen Winter gerne einmal erleben, Laubfaerbung haben wir auch noch nicht in voller Pracht erlebt, Kirschblüten müssen wir uns auch noch mal richtig anschauen. Und jenseits von Japan? Es wird nie wieder so einfach und billig für uns sein, mal nach Korea oder China zu fliegen, die Chance sollten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Und sonst? Wahrscheinlich fällt mir der Rest erst hinterher ein, aber ich hoffe, man sieht auch so ein wenig, wieviel wir schon gesehen haben, wieviel noch bleibt und wie sehr es uns alles gefallen hat...

29. September 05

Rückschau auf ein Jahr Japan II: Leben in Japan

von Thomas

Unser Dasein hier in Japan besteht ja nicht nur aus Arbeit, wir leben ja auch einfach hier. Und daher nun ein Rückblick auf das erste Jahr unseres Lebens hier Japan. Leben in Japan, das wollten wir so nah und echt wie möglich erleben, und so war es für uns von Anfang an klar, dass wir nicht in eines der für Wissenschaftler extra eingerichteten Wohngethos wollten, sondern irgendwo in einem ganz normalen japanischen Mietshaus mit japanischen Nachbarn leben wollten. Ansonsten hätten wir ja auch in Neukoelln wohnen bleiben können, da gibts ein ähnlich buntes Voelkergemisch.

Jetzt leben wir also seit fast einem Jahr (den ersten Monat hatten wir ja im Gästehaus des Instituts verbracht) in Ami-machi, ganz in der Nähe der Bahnstation Arakawaoki. Und wir haben es bisher nicht bereut. Wir leben hier mitten unter Japanern, Ausländer sind hier so selten, wie Palmen am Nordpol. In den Geschäften, Restaurants, der Post, am Bahnhof usw. sprechen alle nur Japanisch, natürlich auch unsere Nachbarn oder unsere Vermieterin. Aber es geht, es hindert uns letztlich nicht daran, alles zu bekommen was wir wollen, wenn es auch nicht einfach ist. Dafür kann man sehr viel beobachten, aus dem ganz normalen japanischen Alltag, die brummigen Männer, die Morgens ganz früh aus dem Haus gehen und abends spät nach Hause kommen, die Hausfrauen, die quatschend auf der Straße stehen, wenn ich zur Arbeit fahre, die Kinder, die einen neugierig ansehen oder auch mal ganz mutig ansprechen und dann ganz perplex sind, wenn man ihnen antworten kann. Man sieht, was die Leute im Supermarkt so kaufen (der ganze Supermarkt ist schon Erlebnis für sich, mit seiner Unruhe, der Musik, dem Durcheinander von Ansagen, die Fischabteilung, mit ihren Unmengen an merkwürdig aussehenden Meerestieren, usw.), was im Restaurant gegessen wird, man sieht Leute beim Joggen oder Walken, manchmal mitten in der Nacht, man kann die Mode der Jugendlichen studieren, was Kinder so spielen, man sieht alten Leuten bei ihrer Freizeitbeschäftigung zu (besonders beliebt ist hier Croquet), da gibts dem Mann vom Fahrradladen, der auch Gemüse verkauft, den Opa, der immer hinter der Scheibe von seiner Verandatuer hockt, die Leute, die jeden Tag ihre stoffbezogene Klobrille zum trocknen nach draußen legen, die ganzen kleinen Laedchen und Geschäfte, die bunten Haeuser, manche in pink oder türkis, orange ist auch beliebt, meist einfach aus Plastik- oder Aluprofilen bestehend, dazwischen dann ein altes, verrottetes japanisches Holzhaus, an das dann wieder eine große Villa grenzt, die neben einem mehrgeschossigen Mietshaus steht und mitten drin, ein kleiner Schrein. Kurz, ein kunterbuntes Durcheinander an ganz verschiedenen Eindrücken, eine ständig sprudelnde Quelle an neuen Erfahrungen und Anregungen und wir mittendrin...

Am Anfang hatte man ständig das Gefühl, das man auffällt, angestarrt wird, wenn es auch nur Kinder waren, die mit offenem Mund stehen blieben und einen mit großen Augen ansahen, aber auch von den Erwachsenen fühlte man sich immer etwas beobachtet. Das Gefühl habe ich inzwischen nicht mehr so sehr. Zu selbstverständlich und normal ist vieles geworden. Man kennt seine Wege, weiß, wo was ist, muss nicht mehr suchen und entdeckt trotzdem immer noch was neues. Was kann es besseres geben?

Zwischendurch war ich aber sogar einmal darüber erschreckt, wie schnell man sich an seine Umgebung gewöhnt, das Gefühl, fremd zu sein, geht bei vielen Dingen doch durch Routine verloren, z.B. beim täglichen Weg zur Arbeit, wenn man immer an den gleichen Orten vorbeikommt, bekommt alles Normalität und Vertrautheit. Das ändert sich natürlich sofort, wenn man direkten Kontakt mit seiner Umwelt aufnehmen muss, nicht nur das wir schon rein optisch immer als fremd zu identifizieren sind, die Sprachbariere ist einem ständig bewusst. Man kann vieles nicht lesen, wenn man jemanden fragt, ist das immer ein Problem. Kommunikation ist hier nie unproblematisch, sie macht einem ständig bewusst, dass man hier fremd und ein Außenseiter ist.

Und so leben wir zwar mitten unter Japanern, aber wir leben nur sehr begrenzt mit ihnen, wir sind Beobachter (und Beobachtete), aber wir sind nicht wirklich ein Teil  des  alltäglichen Lebens. Und das, was wir beobachten können, ist fast ausschließlich auf das öffentliche Leben beschränkt, das private Leben der Japaner ist für ganz weit weg.

Zwar haben wir einige japanische Freunde, aber die stammen eben aus Tokyo und so läuft der Kontakt fast nur über e-mail. Ab und zu sieht man sich mal, aber das ist dann letztlich doch die Ausnahme. Jedenfalls für mich. Bei Gunda sieht das etwas besser aus, da sie durch ihre Privatstunden doch viel dran ist, an japanischem Alltagsleben und davon viel mehr mitbekommt. Daran wird sich auch wohl nicht viel ändern, da müsste uns schon über Nacht die Gabe zufliegen, perfekt Japanisch sprechen zu können.

Was sonst noch? Natürlich unsere Wohnung. Damit haben wir wirklich Glück gehabt. Sie ist schön groß und billig, sauber (nicht eine Kakerlake hatten wir!), nicht zu warm und nicht zu kalt, manchmal haben wir wegen der hohen Luftfeuchtigkeit etwas Schimmel, aber im Vergleich zu dem, was wir schon von anderen gehört haben und auch selbst gesehen haben, ist das nicht der Rede wert. Und inzwischen haben wir uns auch so richtig gemütlich eingerichtet. Die Wohnung hat kaum noch etwas provisorisches, was ich ja eigentlich vorher befürchtet habe. Und wenn wir in einem Jahr dort rausmuessen, dann wird mir das zumindestens sehr schwer fallen.

Schwer fallen... Die Wohnung ist da nicht das Einzige, was ich vermissen werde. Wenn es auch immer wieder viele Schwierigkeiten im Alltag gibt, so ist doch Japan einfach ein Land, in dem das Leben sehr bequem ist. Nur z.B. die Post. Ist man bei einer Paketlieferung nicht da, dann bekommt man ein Kärtchen und da schreibt man drauf, wann es einem denn passen würde und dann wird einem das Paket gebracht. Und dieser Service findet sich eigentlich überall. Dazu sind die Leute sehr freundlich und hilfsbereit und vor allem sehr geduldig mit uns Ausländern. Wenn ich da schon wieder an die mürrischen Gesichter deutscher Verkaeuferinen denke, an die ständigen Hinweise, das etwas nicht geht, usw. Hier geht auch vieles nicht, aber wenigstens entschuldigt man sich dann dafür...

Kurz, Leben in Japan finde ich sehr angenehm und das wiegt manches, was man sonst an Schwierigkeiten hier hat, wieder auf. Aber trotzdem, zwei Jahre sind da auch genug, denn irgendwann will man ja dann doch wieder in die vertraute Umgebung zurück, sich wieder ohne Probleme unterhalten können, aber es wird nicht so einfach werden und das Heimweh nach Japan wird vielleicht größer sein, als jetzt das Heimweh nach Deutschland, denn ich weiß ja jetzt, dass ich wieder dorthin zurückgehen werde, aber in Japan leben, werde ich nie wieder. In vielerlei Hinsicht kein angenehmer Gedanke.

21. September 05

Rückschau auf ein Jahr Japan I: Arbeit

von Thomas

Fast genau ein Jahr sind wir nun in Japan, am 1. Oktober 2004 sind wir hier angekommen und es ging auch gleich mit einem Paukenschlag los (s. Ankommen). Inzwischen hat sich natürlich noch viel, viel mehr ereignet, einiges davon kann man hier in diesem Tagebuch nachlesen. Vielleicht ist es aber auch mal gut, etwas Rückschau zu halten und eine Zwischenbilanz zu ziehen, nachdem nun die Hälfte unserer Zeit in Japan abgelaufen ist.

Warum sind wir eigentlich hier? Der Grund war meine Arbeit und daher hier auch zunächst einige Gedanken dazu. Ein Auslandsaufenthalt ist eine sehr sinnvolle und eigentlich auch notwendige Sache für einen Wissenschaftler und die Idee nach Japan zu gehen lag nahe, da wir sowohl beruflich als auch privat viele Beziehung dorthin hatten. Ich bekam dann auch sehr schnell ein konkretes Angebot und da Tokura einer der erfolgreichsten, vielleicht sogar der erfolgreichste unter Japans Physikern ist, gab es da auch kein langes Zögern, sein Angebot anzunehmen. Solche Chancen bekommt man nur äußerst selten geboten.

Zunächst hatten wir die Idee, dass ein Jahr vielleicht genug wäre, aber das dem nicht so ist, haben wir dann ganz schnell gemerkt. Jetzt ist ein Jahr um und die ersten brauchbaren Ergebnisse sind nun da, die ersten Paper werden geschrieben, einige Ergebnisse werde ich Anfang November auf der MMM in San Jose präsentieren. Würden wir tatsächlich naechste Woche wieder nach Deutschland gehen, würde ich hier nur Stückwerk hinterlassen. Zu lange hat es gebraucht, bis sich aus verschiedenen Ansätzen heraus, ein brauchbares Materialsystem gefunden hat, bei dem ich sinnvolle Ergebnisse produzieren kann. Jetzt hab ich die Schublade voll mit weiteren Proben, die alle noch vermessen werden wollen. Kurz, auch im zweiten Jahr wird keine Langeweile aufkommen.

Danach ist es dann aber doch genug. So gut das hier alles ist, die Gruppe ist sehr groß und technisch erstklassig ausgestattet, man kann hier alles machen, seine Proben, seinen es klassische CMR-Materialien oder organische Halbleiter, selber herstellen, charakterisieren auf jede erdenkliche Art und Weise und wenn die Resultate da sind, gibt es Theoretiker, die nach Erklärungen suchen. Alles ist da, Geräte und Personen und natürlich reichlich Geld, was man braucht, um erfolgreich Arbeiten zu können. Entsprechend hoch ist der Output der Gruppe an Papern, ein beträchtlicher Teil davon bei Nature, Science und PRL.

Von daher kann man sich absolut nicht beklagen, die Voraussetzungen für erfolgreiche Forschung sind in jeder Hinsicht gegeben. Aber das ist eben nicht alles. Forschen läuft in Japan ganz anders ab, als in Deutschland, das Miteinander, das Diskutieren, das Arbeiten, all das ist anders und auf Dauer einfach zu fremd, als das man es über Jahre durchhalten würde, ohne sich zu verbiegen. Und so wundert es nicht, dass entweder alle ausländischen Kollegen entweder allerspaetestens nach zwei bis drei Jahren wieder gehen oder sich in eine Art innere Emigration begeben und nach außen hin zynisch werden. Letzteres will ich nicht und daher werde ich gehen, solange es mir noch Spaß macht.

Warum das so ist? Es liegt wohl hauptsächlich in der unterschiedlichen Mentalität und der Sprachbarriere begründet. Alle Ausländer hier sind mehr oder weniger isoliert, bleiben meist unter sich. Es gibt wenig, bis gar keine Kontakte außerhalb der Arbeit und auch bei der Arbeit sind alle Gespräche fast immer auf diese beschränkt. Würde man fließend Japanisch sprechen, wäre das wohl anders, aber bis es soweit ist, ist es schon zu spät und man ist schon wieder zu Hause. Man müsste also die Sprache schon beherrschen, wenn man hier ankommt, aber wer kann das schon? Dazu müsste man so einen Aufenthalt schon Jahre vorher planen und das geht eigentlich nicht.

Schon der Anfang des Aufenthalts gibt das Weitere vor, wie ich jetzt mehrmals beobachten konnte. Die Sekretärin und der Verwaltungsassistent kümmern sich hervorragend um einen, helfen einem bei allen Problemen, sei es Wohnung, sei es Bank, seien es Behoerdengaenge. Bei allem wird einem geholfen. Da kann man sich in Deutschland mal eine Scheibe von abschneiden. Und das bleibt dann auch so, setzt sich bis heute fort. Ohne die beiden, wäre unser Leben hier um einiges schwieriger. Von den Kollegen wird man ins Labor eingeführt, es wird einem alles erklärt und auch daran ändert sich später nichts. Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß, wenn man um etwas bittet, Hilfe braucht, bekommt man nie eine abweisende Antwort.

Aber das ist es dann auch schon. Ansonsten wird man allein gelassen. Mittags und Abends verschwinden die Leute, ohne einen mal zu fragen, ob man nicht mal mit zum Essen kommen möchte. Wenn man es umgekehrt versucht, wie mein koreanischer Kollege Lee es mit Engelsgeduld immer wieder getan hat, hat man auch keinen Erfolg. Ansonsten kommt man auch kaum ins Gespräch, die Sprachbarriere ist zu groß und so sind die Ausländer schnell isoliert und viele eben frustriert und wollen wieder weg. Einzig Matsuura-san, unser Verwaltungsassistent ist da eine Ausnahme, er begleitet mich und Lee oft zum Mittagessen und auch außerhalb der Arbeit entwickelt sich immer mehr Kontakt. Das ist sehr angenehm, andererseits fragt man sich, warum er der Einzige ist, der sich so verhält? Am Anfang hatte ich da noch etwas mehr Hoffnung, da war die Einladung, beim internen Baseball-Wettstreit mitzumachen und zu Weihnachten wurden wir auf eine Party eingeladen, aber mehr kam da nicht nach. Auch nachdem wir umgekehrt zu unserer Geburtstagsparty eingeladen hatten, hat sich im Umgang miteinander nicht viel geaendert.

Ein anderes Problem ist die streng hierarchische Struktur der Gruppe. Alles Entscheidungen laufen letztlich über Tokura, selbst die Profs und Gruppenleiter zeigen keine echte Eigenständigkeit und Initiative. Wenn mal was ohne den Chef besprochen wird, ist es letztlich wertlos, denn wenn er dann nicht viel davon hält, ist die Idee gestorben, bzw. es ist einfach nicht mehr die Rede davon. Und was für die Leute direkt unter Tokura gilt, trifft natürlich auf die Leute auf meiner Ebene noch viel mehr zu. Man kann nicht einfach mal untereinander selber ein Projekt aufziehen, alles muss immer im Rahmen der Zielvorgaben von Tokura bleiben. Selbst in unserer kleinen Gruppe in Dortmund hatten da die einzelnen Leute mehr Freiraum. In der Endphase meiner Promotion war unsere kleine Magnetikgruppe eigentlich völlig frei darin, was sie wann wie macht. Und in Berlin war das erst recht so. Hier hat man lediglich die Freiheit sich seinen Zeitplan selbst zu erstellen, an was man forscht, das ist mehr oder weniger vorgegeben. Für die Japaner ist das klarer Weise das Normalste von der Welt, aber für unsereins ist es auf Dauer einfach nix, wenn man auch nicht leugnen kann, dass die Methode gemessen an den Resultaten funktioniert, gar keine Frage. Aber das ist eben nicht alles...

Was für mich ganz persönlich die Sache auch nicht einfacher macht, und da ist jetzt nichts Japan spezifisches, ist, dass ich hier der einzige bin, der mit nichtlinearer Optik arbeitet, so dass ich niemanden habe, mit dem ich praktische Probleme, die einfach immer wieder während der Experimente auftreten, besprechen kann. In dem Punkt bin bin ich gänzlich auf mich alleine gestellt. Das ist einerseits gut, weil ich dadurch natürlich mehr gefordert werde, andererseits ist es aber nicht sehr effektiv, weil viele Probleme sich zu zweit oder in einer Gruppe einfach schneller lösen liessen. Aber da kann man nix, machen, außer hoffen, dass Tokura bald noch jemanden in die Gruppe holt, der auf diesem Gebiet arbeitet.

Aber genug gemeckert, denn unterm Strich bin ich nach wie vor sehr glücklich mit meiner Entscheidung, der Erfahrungsgewinn ist enorm, mein fachliches Wissen, sowohl physikalisch, wie auch methodisch, hat sich sehr erweitert, zuvor war mein Arbeitsgebiet einfach zu eng umrissen. Ich denke, dass das eine ganz Basis fuer die weitere Arbeit in Deutschland sein wird. Dazu kommen die menschlichen und kulturellen Erfahrungen, die man gesammelt hat, das erleben einer ganz anderen Arbeitsmethode, mal in der Minderheit sein und sehen, wie man sich da fühlt, das vergisst man nicht und gibt einem ein ganz anderes Verständnis für andere in solch einer Situation. Waeren wir in ein europaeisches Land oder nach Amerika gegangen, waere sicher vieles einfacher gewesen, aber nicht unbedingt besser. Vielleicht waere vieles dort auch zu einfach gewesen, hier dagegen ist man immer wieder aufs neue gefordert, seinen eigenen Weg zu finden und das kann letztlich eigentlich nur gut sein...

12. September 05

Anders sein...

von Thomas

Anders sein und sich dessen ständig bewusst sein, lässt sich in Japan als Ausländer kaum vermeiden. Und manchmal ist da ja auch sehr amüsant, wenn z.B. kleine Kinder vor einem stehen bleiben und staunend den Kopf in die Luft strecken und auch nicht durch noch so viele Zurufe der Eltern von der Stelle zu bewegen sind. Manchmal ist es auch ganz praktisch, wenn man einen Kopf größer ist als alle anderen und so auch im dichten Gedränge am Bahnhof in Shinjuku nicht den Überblick verliert oder beim Matsuri schauen auch in der fünfte Zuschauerreihe noch alles prima sieht :)

Aber manchmal ist es auch unangenehm, wie z.B. heute, als gut 10 Leute im Bus lieber gestanden haben, als sich auf dem Platz neben mir hinzusetzen. Und das waren nicht irgendwelche Hinterwaelder, die noch keinen Ausländer gesehen haben, sondern die meisten sind dann auch da ausgestiegen, wo ich ausgestiegen bin, waren also letztlich irgendwelche Angestellten, Wissenschaftler vom gleichen Institut, an dem ich auch arbeite. Selbst wenn es auch andere Gründe gehabt haben mag, dass, obwohl ich mich möglichst dünn gemacht habe, der Platz etwas knapp war (wenn man allerdings sieht, wie dicht gedrängt die Leute sonst so sitzen...), oder irgendwas anderes nicht passte, so ist es doch keine schöne Erfahrung.
Zum Glück ist so was nicht die Regel, jedenfalls in unserem Fall...

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