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04. September 06

Beach, Bowling & Buddhas

von Thomas

Am Samstag wollten wir eigentlich beide nach Kamakura an den Strand fahren, leider konnte Gunda dann aber nicht mit, weil ihr Kopf sie mal wieder plagte. Also bin ich alleine los. Das Wetter war einfach nur ideal, Sonnenschein, aber nicht zu heiss und am Strand schliesslich ein bischen Wind. Der Strand war noch gut besucht, allerdings ist die offizielle Badesaison in Japan wohl schon wieder vorbei. Jedenfalls hatte alle Lokala und Buden am Strand schon zu, bzw. wurden sogar schon demontiert. Was solche Sachen angeht, erscheinen mir die Japaner immer unheimlich unflexibel. Warum verlaengert man nicht einfach alles um ein paar Tage, wenn das Wetter doch noch mitspielt und die Leute kommen?

Na, wie auch immer, es war jedenfalls mal ganz interessant einen anderen Strand als den in Oarai zu sehen. Die Atmosphaere war eine ganz andere. Oarai ist ja doch eher etwas verschlafen und irgenwie weniger am westlichen Stil orientiert. Und das lag jetzt nicht daran, dass in Kamakura auch mehr Auslaender sich am Strand tummelten. Die Sonnenphobie war hier z.B. viel weniger ausgepraegt. Die wenigsten Leute hatten einen Sonneschirm oder eines der hier so gebraeuchlichen kleinen Strandzelte. Man sah auch weniger voll bekleidete Leute oder wenigsten mit einem T-Shirt bekleidete.  Noe, wenn es nicht gerade Surfer waren, lagen die meisten einfach in Badehose bzw. Bikini am Strand und aalten sich in der Sonne. Wobei interessanter Weise den knapsten Bikini eine Dame schon durchaus aelteren Semesters trug, was wir auch schon von unserem Fitnessstudio kennen. Waerend dort die Teens und Twens den alles kaschierenden Schlabberlook bevorzugen, stehen dort die Damen ab Ende dreissig bis Ende vierzig auf hautenge, meist bauch- und schulterfreie Tops... Keine Ahnung woran das liegt, aber es ist schon sehr auffaellig.

Was noch auffiel war, dass die Leute laenger am Strand blieben, bzw. sogar noch sehr spaet neue kamen. In Oarai ist spaetestens ab 5 Uhr tote Hose (was auch wiedersinnig ist, denn einerseits versucht man sich mit allen Mitteln gegen die Sonne zu schuetzen, andererseits ist man nur am Strand, wenn die Sonne am staerksten vom Himmel braet...) hier war bis zum Sonnenuntergang der Strand noch gut besucht und erst als etwa um sieben die Sonne endguetlig untergegangen war, verliessen der Grossteil der Leute endguetlig den Strand.

Das mit dem Sonnenuntergang war leider ein kleiner Reinfall. Ich hatte eigentlich auf Sonnenuntergang im Meer Bilder gehofft, leider ging die Sonne dann doch eher parallel zum Strand unter, was nicht so wirklich spektakulaere Bilder gab. Na ja, man kann nicht alles haben...

Was auch nicht klappte, war meine kurze Tempelexkursion. Kamakura ohne Tempel kann man eigentlich nicht machen, dachte ich und da laut Karte ganz nah am Strand einer sein sollte, wollte ich da mal hin. Irgendwie hab ich das Ding aber nicht gefunden und bin stattdessen gut eine Stunde durch kleine Strassen in den Huegeln und Taelern entlang der Kueste herumgeirrt und war letztelich froh, noch rechtzeitig zum Strand zurueckzukommen, um den Rest des Sonnenscheins noch zu geniessen. So kann's halt gehen...

Gestern gab's dann ein ganz anderes Programm: Mari hatte uns geschrieben, dass unsere Toepfersachen aus Mashiko angekommen sind und gefragt, ob wir sie nicht anholen und dann den Tag zusammen verbringen wollten. Da sagten wir natuerlich nicht nein. Da Mari Hunger hatte, sind wir dann erstmal zu "Ali's Kebab Cafe" gefahren, was Mari nicht kannte und auch fuer uns eine recht skurrile Sache ist. Und dann ging's zum Bowling, was wir eh schon mal mit Mari machen wollten, dann aber ins Wasser gefallen war, da Mari damals nicht konnte. Das ganz wurde dann die erwartet lustige Angelegenheit und wir hatten alle viel Spass. Was es uns besonders Angetan hatte, war der Bowlingschuautomat, der aber leider keine Schuhe in meiner Groesse ausspuckt. Eine in jeder Hinsicht typisch  japanische Angelegenheit.

Irgendwie typisch und doch gleichzeitig  ganz  untypisch war der naechste  Programmpunkt.  Eine Tour zum Ushiku-Daibutsu. Obwohl Mari in Ushiku wohnt und man das Ding Dank seiner Hoehe von 120m auch noch aus mehrern Kilometern Entfernung sieht, war sie noch nie dort und fand es auch eher skurril, dass wir da hin wollte. Auch der Rest der Familie fand es spaeter ziemlich lustig, dass wir ausgerechnet dahin gefahren sind. Das ist aber nicht ungewoehnlich, die meisten Japaner reagierten so, wenn wir davon anfingen. Der Ushiku-Daibutsu zaehlt anscheinend nicht so recht, erst ist halt modern, hat noch keine tausend Jahre auf dem Buckel, warum soll man sich das anschauen? Man hat doch Kamakura und Nara, was braucht man da so einen riesen Kerl in Ushiku?

Wie auch immer, ich finde ihn immer sehr beeindruckend und vor allem auch das stylische Innere mit dem Mix aus alt und modern sehr interessant und letztlich auch schon ziemlich typisch japanisch.

Danach gings dann zu Maris Eltern, um die Toepferwaren zu begutachten. Und ich muss sagen, ich war schon ziemlich platt. Wenn man mal davon absieht, dass, vor allem in meinem Fall, die aussere Form und Groesse etwas vom Zufall diktiert wurde, sehen die Sachen so lackiert und gebrannt doch richtig professionell aus. Es ist erstaunlich, wie schnell man da ein Erfolgserlebnis hinbekommt :)

Da das jetzt als Tagesprogramm noch nicht genug war, sind wir dann noch mit der ganzen Familie zum Essen gefahren. Ein Lokal weit draussen in Tsukuba (was dazu fuehrte, dass Mari und ihre Mutter sich ein paarmal verfahren haben) in einem westlich-japanischen Stil. Das Gebaeude und der Garten drumherherum waren klassich japanisch, dass Essen dagegen stark italienisch angehaucht. Alles sehr nobel und edel und sicher wahnsinnig teuer. Aber es hat sich wenigstens gelohnt, war alles ausgesprochen lecker und ein netter, lustiger Ausklang des Abends!

19. August 06

Ein Tag am Strand

von Thomas

Heute waren wir mit Mihoko und ihrer Tochter Sakurako in Oarai am Strand, ein wunderberer Tag bei Sonnenschein und (leider) grosser Hitze...

Morgen geht es dann nach Kyoto, bis zum naechsten Sonntag. Und solange werd es hier hoechstens den ein oder anderen Kurzbericht per Handy geben. Aber danach geht es wie gewohnt weiter und Kyoto liefert ja bestimmt auch wieder Stoff fuer viele Geschichten :)

06. August 06

Altes Zeug in Tokyo

von Gunda

Heute waren wir von Hidehiko zu sich nach Hause eingeladen worden, wo wir der Mittagshitze bei angenehm kühlem Essen und mit Reden ausgewichen sind. Danach ging es ins "Edo-Tokyo Open Air Architectural Museum", in dem ein traditionell japanisches Sommerfest aus der Edo-Zeit stattfinden sollte. Dahin fuhren wir mit Rädern der Familie Maekawa.
Wenn ich gewußt hätte, daß man an diesem Tag mit Yukata freien Eintritt gehabt hätte, hätte ich mir glatt den Spaß gemacht und meine neue Yukata angezogen, die mir Akapu zum Geburtstag geschenkt hatte. (Aber wie fährt man damit Fahrrad?)
Gleich am Eingang empfing uns eine "typisch japanische" Darbietung: Hawaiianische Tänze, dargestellt und musikalisch begleitet von JapanerInnen:

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Auf dem Weg in den nachgebildeten Edo-Stadtkern knallte es plötzlich laut. Ein Schuß?Cimg4198_medium Nein; das war das Ende der Puffreisherstellung. Diese Methode scheint es schon sehr lange zu geben, obwohl das Gerät im Museum neu war. Reis wird in einen sich drehenden fest verschlossenen Metallbehälter gefüllt, etwas Zucker dazugegeben, und das Ganze wird stark erhitzt. Der Druckmesser an der Seite zeigt an, wann man das Gerät öffnen sollte. Vor die Öffnung wird ein großer Metallkorb gehalten, das Gerät wird geöffnet, und mit einem lauten Knall füllt sich der Korb mit weißem Puffreis. - Schmeckt auch ganz gut, ist vorallem aber akustisch beeindruckend.

Genauso, wie die TrommlerInnen auf dem zentralen Platz, die später der traditionellen Musik vom Band (na gut, die Doraemon-Titelmelodie war auch dabei...) wichen, zu der viele Besucher getanzt haben.

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Cimg4166_medium Gesehen haben wir auch noch eine alte Kneipe, ein altes Bad und einige traditionelle Handwerksläden (Schreibwaren, Sachen aus Holz, Schirmmacher usw.). Leider gab es da auch viele moderne Sachen zu kaufen, und die Angestellten hatten ganz normale westliche Kleidung an, was dann doch etwas meine sonst sehr starke Vorstellungskraft beeinträchtigt hat. ÜberhauptCimg4175_medium hatte ich wegen der vielen Leute Probleme, mir eine Stadt der Edo-Zeit vorstellen zu können. Vielleicht müssen wir einfach irgendwann an einem ganz normalen Wochentag nochmal da hin...

Die "besondere Vorführung" war dann leider schon vorbei, als wir mit unserem Rundgang fertig waren. "Sie schlagen auf eine Wassermelone", klärte mich Hidehiko auf. Darunter konnte ich mir dann auch schlecht etwas vorstellen. Das hätte ich wohl wirklich sehen müssen...

Als es dunkel geworden war, sind wir mit den Fahrrädern direkt zur Bahn und dann müde nach Hause gefahren. Das war ein schöner Tag.
 

30. Juli 06

Flop und Feuerwerk

von Gunda

Irgendwann hatten wir eine Broschüre mit Anzeigen von Matsuris in Ibaraki im Briefkasten. Zum Glück mit Bildern. Heute war eins mit Pferden und eins mit Schreinen im Wasser. Weil wir die Städtenamen nicht zuordnen konnten, hab ich meinen Chef gefragt. Das mit den Pferden war in nem Kaff, das man nur per Auto erreichen konnte. Außerdem hätte es sein können, dass die Pferde nur einmal kurz durchtraben und fertig. Also haben wir uns für das "Shimodate Gion Matsuri" entschieden, bei dem Schreine in den Fluss getragen werden sollten. Auf dem Weg da hin hat es uns schon gewundert, dass die ganzen Leute in Matsuri-Klamotten sitzengeblieben sind, als wir in Shimodate ausgestiegen sind. Die Stadt war total ausgestorben, und nach einer halben Stunde Recherche, in der trotz entsprechender Plakate am Bahnhof keiner was von einem Fest zu wissen schien, haben wir mit etwas Hilfe rausgefunden, dass die Aktion im Fluss schon um 10h morgens vorbei war. Die Verkäuferin im Convinience-Store hatte gedacht, wir wollten nach Oyama zum Feuerwerk. Also da sind alle hingefahren! Da haben wir noch eine halbe Stunde Fahrzeit drangehängt und sind in die Stadt gefahren, in der ich zweimal zwei Wochen an Grundschulen Englisch unterrichtet hatte. Ich habe nicht gedacht, dass ich da nochmal hinkomme. Ich habe Oyama als wenig belebt kennengelernt. Heute schieben sich Menschenmassen von tokyoter Ausmassen die Hauptstrasse zum Fluss entlang, und Thomas macht sich die ganze Zeit über meine Berichte von damals lustig. Im Moment sitzen wir 5 Minuten von meiner damaligen Unterkunft entfernt am Fluss. Jetzt geht das Feuerwerk los, und die obligatorischen "Sugoi!" ("Toll!")-Rufe fehlen auch nicht. Irgendwie machen die Japaner einfach bessere "Feuerblumen"... SUGOI!!!

02. Juli 06

Mihoko & Sakurako

von Gunda_dsc3571

Nachdem sich die Arbeit in der TIA zu meiner Hauptbeschäftigung gemausert hat und auch das soziale Umfeld dort total entspannt und nett ist, ist es fast kein Wunder mehr, daß ich auch Anschluß gefunden habe. D.h., eigentlich ist es vielleicht doch ein kleines Wunder, weil die meisten Lehrer immer nur zu ihrem Unterricht reinschneien und dann wieder verschwinden.

_dsc3640 Trotzdem habe ich Mihoko kennengelernt, die u.a. mit mir zusammen einen Schüler hatte. Mihoko hat eine Zeit lang in Deutschland in einem Internat gelebt. Deshalb kann sie fließend Deutsch und unterrichtet neben Japanisch auch Deutsch.

Erst haben wir uns bei Mihoko zu Hause getroffen, wo sie_dsc3653 mit ihren Eltern und ihrer Tochter Sakurako ("Kind der Kirschblüte") wohnt. Erst war Sakurako sehr schüchtern, später hat sie sich zur wahren Tobefanatikerin entwickelt, was Thomas und ich dann auch sofort mitgemacht haben. (Das auf meinem Kopf ist eine -unbenutzte!- Windel...)

Nach Essen, Kaffee, Toben, netten Unterhaltungen und den obligatorischen Gruppenfotos im Garten und auf dem Sofa sind wir dann noch zu viert zum Tsukuba-san gefahren und ein bischen Dsc_3834an den Schreinen rumgelaufen, haben ein Eis gegessen und sind wieder zurückgefahren.

Das war ein wirklich toller Tag. Und einen Ausflug mit Kind in Japan hatten wir auch noch nicht. Da merkt man wieder, wie kinderfreundlich ganz fremde Japaner auf der Straße sind.

01. Juli 06

Geheimniskrämerei

von Gunda

Ein bischen Tokyo, ein bischen Yokohama, und schon ist mein Outfit für's Standesamt (Sommer 2007) komplett. (Mit dem Kleid für die Kirche will ich Thomas überraschen und es mit meiner Trauzeugin zusammen kaufen. Aber das kommt später.)
D.h., ein bischen Streß gab's auch noch, weil Thomas und ich uns partout nicht einigen konnten. Letztlich haben wir dann dank einer netten Verkäuferin etwas gefunden, was uns beiden gefiel und sind dazu noch in ein "Sonderangebot" gerutscht. Die arme Frau hat zum Schluß in immer kürzeren Abständen was Neues vorgeschlagen, weil die Stimmung zwischen Thomas und mir immer angespannter wurde. Nachdem ich bezahlt hatte, war aber alles wieder o.k.
Wie es nun aussieht, das gute Stück? - Wird nicht verraten! Das ist im Sommer 2007 als Start unserer geplanten Familien-Homepage zu sehen.  ;-)

24. Juni 06

3 Tage in Tokyo

von Thomas

Modern Tokyo

An den letzten drei Tagen war ich jeweils in Tokyo, zweimal dienstlich, einmal privat. Am Donnerstag und Freitag gab's einen Workshop an der Todai, den unsere Gruppe organisiert hatte. Also musste jeder einmal ran und einen Vortrag halten. War ganz ok, wie das halt so ist. Als Gäste waren Leute vom MPI für Festkoerperforschung aus Stuttgart da, allerdings nicht alles Deutsche, sondern auch Russen. Das war natürlich mal ganz nett, um ein bischen auf Deutsch zu fachsimpeln.
Am zweiten Tag ging der Workshop nur bis mittags, das hab ich dann genutzt, um noch ein paar Bilder in Tokyo auf zunehmen, an der Todai und dann auf dem Weg zum Bahnhof in Ueno.

Tokyo perspectives

Ja und heute war ich dann schon wieder in Tokyo... Gunda war arbeiten und ich wollte nicht zu Hause hocken, also hab ich mir wieder meine Kamera geschnappt und bin auf Entdeckungsreise gegangen an Plätze, an denen ich zuvor noch nicht war. Angefangen in Toranomon, was in der Nähe von Roppongi ist. Da bin ich erstmal über einen Schrein "gestolpert", der mitten zwischen mehrere Hochhäuser eingepfercht war. Aber irgendwie haben die Architekten es geschafft, dass ganze harmonisch zu verbinden und eine Brücke zwischen alt und neu zu schaffen.

For the dead children

Weiter gings dann durch die Straßen der Umgebung an kleinen und großen Tempeln vorbei und noch zu einem Schrein, der wunderbar auf einem Hügel gelegen war. Irgendwas war da los, aber ich hab nicht ganz herausbekommen können, was genau das nun war :(

Jedenfalls war's bis dahin schonmal ein schöner Tag. Von Toranomon bin ich dann weiter nach Aoyama, in der Nähe von Omottesando.

She's looking at you...

Dort gabs ein traditionelles Tanzfestival.  Allerdings war ich zu früh und bin dann erstmal nach Omottesando gelaufen und von da mit der U-Bahn nach Harajuku gefahren, um mal ein paar Bilder von den Cosplayern (also den Teenagern, die sich wie ihre Lieblingsmanga und -anime Figuren verkleiden) zu machen. Außer Leuten in verrückten Kostümen, gabs da noch ein paar J-Pop Sternchen, die da ihre Sangeskuenste darboten. Irgendwann wurds dann ganz skurril, als eine der Cosplayerinnen ihre Geige rausholte und als Kontrastprogramm anfing klassische Musik zu spielen.

Is she the new star of j-pop?

Die meisten Touries blieben da natürlich erstmal verdutzt stehen. Man vergisst halt immer wieder, dass all die schräg und teilweise ziemlich krass kostümierten und geschminkten Leute, eigentlich ganz brav sind und unter der Woche wahrscheinlich ganz normal rumlaufen, zur Schule gehen oder studieren...

Es macht jedenfalls Spaß dort Photos zu machen, weil sie sich einfach wunderbar in Pose schwingen können. Ist halt teil des Spiel, sich fotografieren zu lassen. Übrigens auch untereinander, vor allem die jüngeren die älteren.

The party is over...

Nach gut einer Stunde in Harajuku ging's dann wieder zurück nach Aoyama. Dort war das Tanzfest inzwischen im vollen Gange. Im Prinzip konnte jeder mitmachen und einige hundert Leute machten das auch. Die meisten in Yukatas und mit Getas (eine Art japanischer Holz-Flipflops) an den Fuesse gings immer rund um ein zentrales Podest, auf dem die Musiker platziert waren. Leider konnte ich hier nur Photos machen, ein paar Videoaufnahmen wäre da besser gewesen...

Davon abgesehen bin ich mit dem photographieren im Moment vollauf zufrieden. Es macht richtig Spaß mit der neuen Kamera herumprobieren und Bilder zu machen. Ohne dauernd die sich laeppernden Entwicklungskosten im Hinterkopf zu haben, kann man recht hemmungslos drauflos knipsen und experimentieren.

On a Saturday afternoon in Tokyo

Und langsam nutze ich die Funktionen der Kamera auch bewusster und gezielter, wenn mir auch noch viele Fehler passieren. Am meisten Spaß macht es mir im Moment Bewegungen festzuhalten, quasi ein zufrieren oder zu "pannen", wie das im Englischen heißt. Erst hab ich es mit Fußgängern versucht, dann mit Radfahren und jetzt hab ich endlich auch mal ein paar gute Bilder von Motoradfahrern hin bekommen. Je schneller das Objekt, um so schwieriger fällt es mit. Meist ist dann alles verwischt, nicht nur der Hintergrund. Das Paar auf dem Motorrad hier, ist bisher der beste Versuch :)

Drama

Ansonsten konzentrieren ich mich im Moment darauf Personen abzulichten, denn da haben wir noch viel Nachholbedarf. Tempel, Schreine, usw. haben wir inzwischen zu hundertern aufgenommen, aber der Japaner an sich ist noch etwas unterrepraesentiert. Aber auch das wird noch werden...

Der Tag heute war jedenfalls mit über 300 Bildern ziemlich erfolgreich... Einiges mehr davon als hier in dem Beitrag zu finden ist, gibt es uebrigens in unserem Photalbum zu sehen ;)

17. Juni 06

Mashiko mit Mari

von GundaCimg3709_medium

Voll ins Schwarze getroffen hatte Mari bei uns mit diesem Geburtstagsgeschenk: Töpfern in Mashiko!

Wir hatten uns die Drehscheibe ausgesucht, und am Samstag ging's dann um kurz nach halb neun mit Mari und ihrer Schwester Sachika los, über den Tsukuba-San Cimg3721_medium(-Berg) in die Nachbarpräfektur Tochigi. (Den Knopf für die Klimaanlage von Papis BMW haben die beiden dann erst gefunden, nachdem sie uns schonwieder zu Hause abgesetzt hatten...) Dort gibt es zwei Städte, die für Tonwaren bekannt sind, und Mari hatte Mashiko ausgesucht. Der Ort besteht im Prinzip nur aus Geschäften mit Tonsachen, ein paar Restaurants, kleinen Museen und eben diesem Töpferladen, der Schnellkurse anbietet. (Selbst die öffentliche Toilette war mit Tonscherben gestaltet!) Nach einer kurzen Shoppingrunde und einem leckeren Mittagessen ging's dann ab zum Töpfern.Cimg3722_medium

Man darf in zwei Stunden nach kurzer Anleitung mit nicht müde werdender Hilfe so viel Ton verarbeiten, wie man will. Für mich Ungeduldige eine prima Sache. Ich hatte ganz schnell ganz viel zusammen. Einziger Haken an der Sache: Man muß das Brennen und das Porto pro Stück und nach Größe bezahlen. Und da wir ja auch an unser Gepäckvolumen nach Deutschland denken müssen, mußte ich mich hinterher leider von einigen "Kunstwerken" verabschieden. (Das Ganze bekommen wir erst am 10.9., kurz vor knapp, geliefert. Wir packen das gar nicht aus; es kommt gleich in die Seekiste nach Deutschland.)

Die Sonne brannte Mari und mir also zwei Stunden lang auf den Rücken, während wir versuchten, auf der elektrisch rotierenden Scheibe, etwas als Geschirr Erkennbares zu produzieren. Bei sowas kommt immCimg3724_mediumer der wahre Charakter zutage: Sachika bastelte still intensiv wenig Stücke, Mari hatte das schonmal gemacht, guckte ab und zu nach links und rechts und lobte die anderen, rechts von mir produzierte Thomas vorwiegend flache Dinge ("Das wurde einfach immer breiter.") unter andauernd belustigt-verzweifelten Kommentaren. ("DieCimg3733_medium <=die Helferin> kann doch jetzt nicht einfach an's Telefon gehen!!!") Ich saß in der Mitte, habe mir ständig helfen lassen und auch so einiges an Kommentaren losgelassen. - Die Anleiterin hatte bestimmt am Abend zu Hause ordentlich was über die witzigen Gaijins zu berichten...

Nachdem unsere zwei Stunden um waren, wir aussortiert, eine Glasur und eine Signatur ausgesucht hatten, verließen wir glücklich, dreckig, verschwitzt und noch ziemlich aufgekratzt das kleine Haus. Dann haben wir uns in den Läden angeguckt, was man noch alles hätte machen können, ein bischen was eingekauft.

Cimg3739_mediumAbends ging es dann mit dem Auto wieder zurück, und Thomas und ich sind auf dem Rücksitz ab und zu eingeschlafen. Aufregend war's und schön. Die Stücke werden sicher einen Ehrenplatz in Bonn bekommen (und natürlich auch benutzt werden). So haben wir immer ein Stück Japan und Maris Geschenk vor Augen.

03. Mai 06

Golden Week

von Thomas

Heute begann für uns die "Golden Week", eine Woche mit 4 Feiertagen (der erste ist der "Grüne Tag", der "Midori no hi" am 29. April), mit dem "Verfassungstag", dem "Kenpo kinenbi". Morgen geht es dann mit dem "Pseudofeiertag" oder "Kokumin no kyûjitsu" (eingefuehrt, um die Lücke zum nächsten Tag zu schließen...) weiter und am Freitag kommt dann "Jungentag" bzw. "Kindertag", der "Kodomo no hi". Wie schon im letzten Jahr haben wir uns keine großen Reiseaktionen vorgenommen, sondern wollen eher ein bischen ausruhen und nur kleinere Ausflüge machen.

Cimg3156_medium Heute wollten wir dann zum Tsukuba-san, das Wetter machte einen prima Eindruck, kein Wölkchen am Himmel und schon ganz ordentlich warm. Ob's daran lag oder an der Tatsache, dass Feiertag war, wie auch immer, jedenfalls wollte scheinbar halb Tsukuba auch zum Tsukuba-san... Damit hatten wir nun nicht gerechnet, denn die bisherigen Male, die wir dorthin gefahren sind, saßen wir immer nur mit einer handvoll Leuten im Bus, das war's. Und heute? Am Busbahnhof eine Schlange, die IKEA vor Neid erblassen lassen würde und eine prognostizierte Wartezeit von einer Stunde!

Cimg3153_medium_1 Das war auch so ein Ding: Um die Leute zu beruhigen, waren von der Busgesellschaft zwei Leute abgestellt worden, die die Wartenden informieren und beruhigen sollten. Der eine Mann sah uns, dachte wohl "Scheiße, Gaijins!" und griff (ohne was zu sagen) zum Handy, fragte dann "Do you speak English?" und drückte mir das Telefon in die Hand! Eine nette Dame erklärte mir dann, dass wir eben eine Stunde warten müssten und dann in zwei Stunden inklusive Fahrzeit am Berg wären. Okay, das war sehr nett, aber soviel Japanisch hätten wir dann auch noch verstanden. Eine Weile später hatte der Mann das dann auch gemerkt (ob's an dem japanischen Infoblättchen in meiner Hand lag?) und quatschte mich dann nochmal auf Japanisch an, und nachdem ich ein paar mal "hai" gesagt hatte, verlor er ganz glücklich alle Hemmungen und deckte mich mit zahlreichen Infos auf Japanisch ein :)

Cimg3152_medium Die Wartezeit war dann letztlich aber doch kürzer, da einige Sonderbusse eingesetzt wurden. Überhaupt wurde die Anreise zum Tsukuba-san deutlich verbessert. Es gibt jetzt reguläre Busse, die direkt zum Tsukuba-san-jinja und zur noch etwas höher gelegenen Seilbahnstation fahren. Kein lästiges Umsteigen mehr am Fuße des Berges, keine Bummelbusse mehr, die in jedem Kuhdorf halten. Früher hat die Fahrt dorthin von Arakawaoki aus deutlich mehr als 2 Stunden, eher 3 Stunden gedauert, jetzt kann man es in etwa der halben Zeit schaffen (es sei denn das System bricht unter zu großem Menschenandrang zusammen...).

Cimg3193_mediumAm Berg angekommen sind wir dann gleich zum Schrein gegangen und dann mit der Bergbahn rauf zum Gipfel. Dort gibt es ein ganz witziges Restaurant: Wie man es oft bei Fernsehtürmen hat, dreht es sich nämlich ständig, so dass man beim Essen eine ständig sich wechselnde Aussicht geboten bekommt. Und die ist gar nicht so schlecht. Südlich vom Tsukuba-san beginnt die Kanto-Ebene und bei klarem Wetter kann man bis nach Tokyo sehen und manchmal sogar den Fuji-san. Heute war es nicht ganz so klar, aber immerhin konnte man bis zum Kasumigaura und Tsutchiura sehen, Tsukuba natürlich und eine unendliche Anzahl von Reisfeldern, die sich in über die Ebene erstrecken. Das Drehrestaurant hat aber auch so seine Tücken: Als wir an der Kasse standen, wurde ein Stapel Tabletts und Geschirr auf dem inneren, feststehenden Teil des Lokals fast zerquetscht, als er einem Pfeiler auf dem sich drehenden äusseren Teil zu nahe kam. Da half dann nur noch der Notausknopf.

Cimg3247_medium Nach dem Essen (leider gab's nur noch Nudelsuppen, wir waren wohl doch etwas spät dran...) sind wir dann zum "weiblichen Gipfel" des Berges gelaufen. Der Tsukuba-san besitzt nämlich eine Doppelspitze, die männlicher und weiblicher Gipfel genannt werden, wobei der männliche 6 Meter niedriger ist als der 877 Meter hohe weibliche Gipfel, der auch der wesentlich attraktivere ist, denn er bietet nicht nur die bessere Aussicht, sondern auch noch einen hübschen kleinen Schrein. Auf dem Weg dorthin liegt dann noch eine Besonderheit des Berges, der "Gama-Felsen" bzw. "Frosch(Kröten?)-Felsen". Eigentlich nur ein kleiner Felsen, der ein bischen an ein offenes Froschmaul erinnert, aber für die Japaner ein großes Heiligtum ist, das zu einem regelrechten Froschkult führt, wie man an den überall zu kaufenden Froschfiguren ablesen kann (eigentlich sind es immer zwei Frösche, ein großer und auf dessen Rücken ein etwas kleinerer). Anscheinend bringt es Glück, wenn man es schafft dem Gama einen Stein ins Maul zu werfen, jedenfalls waren Kinder eifrig damit beschäftigt. Dummerweise aber mit so großen Steinen, dass es schon recht gefährlich war dort vorbei zugehen. Die unberechenbar abprallenden Steine waren nicht ohne...

Cimg3291_medium Wir sind dann aber doch heil am Gipfel angekommen und ich bin dann noch bis ganz oben raufgekraxelt und hab die grandiose Aussicht genossen. Bischen gefährlich ist das schon, denn es gibt keinerlei Absperrung oder sonstige Sicherheitsmaßnahmen und bei dem Gedränge dort, ist es schon ein kleines Wunder, dass nie was passiert. Gunda ist dann auch lieber etwas auf Abstand geblieben. Als wir das erstemal dort waren (das war ganz am Anfang, eigentlich unser erster größerer Ausflug), konnte sie gar nicht bis dorthin gehen, da sie damals noch ihren lädierten Knöchel schonen musste.

Cimg3305_medium Vom Gipfel sind wir dann runter zur Seilbahnstation und... mussten wieder in einer endlosen Schlange stehen. Aber das waren wir ja jetzt schon gewohnt und nach gut einer Stunde standen wir dann auch schon in der Seilbahn. Unten haben wir dann den nächsten Bus genommen und durften die ganze Fahrt stehen, was leider nicht so hübsch war. Aber gut, wir haben's überstanden und da der Rest des Tages sehr schön war, war das letztlich auch egal...

Was gibt's sonst noch zu berichten? Vielleicht noch die ein oder anderen typisch japanischen Eigenheiten, die man wiedermal gut beobachten konnte. Zu allererst natürlich die äußerliche Ruhe und  Gelassenheit  sowie Selbstdisziplin der Japaner. Da kann die Wartezeit  noch so lang sein, man stellt sich (bis auf wirklich ganz, ganz wenige Ausnahmen) schön in einer Schlange hin, drängelt nicht, schimpft nicht. Alles geht ganz ruhig und entspannt vonstatten, kein Stress kommt auf, es ist einfach total entspannend. Warum geht das woanders nicht auch so...

Cimg3163_medium Und dann das Thema Kleidung. Da gibt es eigentlich nur zwei Extreme: Entweder in stilechter Wanderkleidung oder im typisch japanischen fancy Straßenlook. So mischten sich also Leute mit Wanderschuhen mit Damen in Stöckelschuhen, und Jack Wolfskin traf auf Miniröcke... Dazu noch die Leute mit Sonnenphobie, die mit Sonnenschirmen oder riesigen Schirmmuetzen, Schals und Handschuhen versuchten, möglichst jeden Quadratzentimeter ihrer Haut der Sonne zu entziehen. Immer wieder das gleiche Schauspiel :)

30. April 06

Schweden in Japan

von GundaCimg3054_medium

Irgendwie brauchten wir Samstag Ruhe. Also sind wir erst Sonntag zu IKEA gefahren.

Schon in der Bahn hat man es gemerkt: Wir fahren zu einem Publikumsmagneten. So voll wie Montag war es bestimmt nicht, aber doch das typische Yamanote-Feeling. Das Möbelhaus konnte man eigentlich nicht verfehlen; zahlreiche Hinweisschilder haben unseren kurzen Weg von der Bahn gesäumt, auf dem wir darüber diskutiert haben, ob IKEA denn nun gut bei den Japanern ankommen wird. Das "western-Design" sicherlich. Aber daß man das Ganze alleine aus der Möbelhalle holen und zu Hause selber zusammenbauen muß...? Da waren wir uns schon nicht mehr so sicher. Da kann das Möbelstück noch so schön und preiswert sein; wenn das, was Japaner unter Service verstehen, nicht stimmt, ist der Laden zum Scheitern verurteilt. Aber immerhin sind die Japaner auch sehr neugierig und wißbegierig und an Cimg3078_mediumNeuem interessiert. Also war es voll. Zum Glück nicht so sehr, wie wir befürchtet hatten. Die Schlange vor dem Eingang war zwar bestimmt einen Kilometer lang; aber dann ging alles doch recht schnell. Immerhin verkürzte der Bonbonausteiler im IKEA-T-shirt die Wartezeit ungemein. Später konnte man noch ein Quiz lösen, bei dem es als Hauptpreis einen saftigen Einkaufsgutschein zu gewinnen gab. (Wir konnten leider die Hälfte des Fragebogens nicht lesen...)

Drinnen war dann zwar auch alles voll, aber nach echt japanischer Manier alles ruhig und gesittet. Ganz anders als in Deutschland beguckten sich die Kunden jedes einzelne Teil von allen Seiten, faßten viel mehr an als die Deutschen, und selbst die Möbelausstellungs-Zimmer waren so voll, daß man sich kaum umdrehen konnte. Ein bischen fühlte ich mich an Kinder erinnert, die etwas zum ersten mal sehen. Aber so war es ja auch: Verkehrte Welt. - Das, was uns schon seit Jahren vertraut war, war für die Japaner völlig neu und exotisch. Es war also genau die umgekehrte Situation von der, die wir sonst hier in Japan haben.

Ein paar Kleinigkeiten haben wir erstanden und im Restaurant die traditionellen Fleischbällchen gegessen. (Die meisten Japaner haben die mit Stäbchen gegessen; IKEA-Stäbchen, wohlgemerkt...) Thomas meint, ich muß noch anmerken, daß die Pepsi lauwarm und mit zu wenig Kohlensäure war und die Hot Dogs nur mit Senf und Ketchup (nicht wie in Deutschland mit Gürkchenscheibchen und Röstzwiebeln) zu versehen waren. - Schwere Enttäuschung...  ;-)Cimg3116_medium

Anders war auch das Möbelangebot. Viele Serien, die ich aus Deutschland kenne, gab es gar nicht, und der Katalog ist auch eher eine Info-Broschüre. Naja, das Ganze war ja auch erstmal ein "Testballon".

Ach ja, den Höhepunkt unseres Besuches hätte ich beinahe vergessen: In der Lagerhalle führten eine Musik- und eine Tanzgruppe, bestehend aus Japanern in traditioneller schwedischer Tracht, einen schwedischen Tanz auf. Vorallem, als sie dann alle, schön koordiniert, "Juchhu!" zwischendurch riefen und sich auf die Schenkel klopften, mußte ich mir den Lachkrampf wirklich verbeißen.

Selberlachen hier:

Download CIMG3125.AVI

Cimg3122_mediumAn der Kasse merkten wir dann auch, daß sich der Enthusiasmus der meisten Japaner wohl eher auf's Gucken und Essen beschränkt hat. Denn mehr als drei Leute standen an kaum einer der ca. 30 Kassen.

Anschließend haben wir noch ein paar Süßigkeiten abgestaubt.

Ob IKEA in Japan ein Erfolg wird? - Wir werden sehen. Wir fanden es jedenfalls sehr interessant!

p.s.: Ausländer waren auch ziemlich viele da...

 

IKEA-Impressionen

von Gunda und Thomas

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06. März 06

Kamakura

von Thomas

200603061544_1 Heute habe ich mir einfach mal einen Tag Urlaub gegönnt und wir sind nach Kamakura gefahren, Daibutsu gucken...

05. März 06

Kairakuen

von Thomas

Heute war Akapu zum Mittagessen bei uns und Gunda hat ein "typisch deutsches " Gericht gekocht, Linsensuppe! Allerdings nicht als schweren deutschen Eintopf, sondern die italienische Variante mit Tomaten, Zwiebeln und Ingwer. Als Nachtisch gab's dann noch Erdbeeren (nicht vergessen, in Japan ist im Winter Erdbeerzeit...) mit Vanielliesosse und ein japanische Spezialität, die Akapu mitgebracht hat: Mit Asche versetzter Klebreis, der in Bambusblaetetern gekocht wurde. Dazu Sojapulver mit Zucker. Nun ja, es schmeckte besser als es aussah ;)

200603051645_1Danach hat Akapu noch eine kleine improvisierte Teezeremonie im sehr freien Stil für uns gemacht und dann sind wir kurzentschlossen mit ihr zusammen nach Mito gefahren, zum Kairakuen, Japans berühmtesten Pflaumenpark. Da waren wir schon im letzten Jahr mit ihr. Damals waren die Pflaumenbäume allerdings schon voll erblüht, während in dieses Jahr lediglich eine handvoll Baeume mit Blueten bedeckt war. Für ein paar schöne Bilder reichte es allerdings allemal, das Wetter war gut, der Park nicht zu überlaufen und so war's letztlich ein schöner Abschluss des Tages.

15. November 05

7-5-3 (Shichi-go-san)

von Gunda

Cimg0123_smallNein, ich habe nicht verlernt zu zählen.

Heute war das 7-5-3-Fest, bei dem alle 7- und 3-jährigen Mädchen und alle 5-jährigen Jungen zum Schrein gebracht werden, um für ihr gesundes und glückliches Aufwachsen zu beten. (Thomas meinte dazu: "Die Mädchen werden zweimal gesegnet; die haben's wohl nötig...")Cimg0121_small

Schon im Vorfeld konnte man Werbung für prächtige (und sauteure) Kinder-Kimonos überall sehen. Da muß dann ja was los sein, an so 'nem Tag. Auch, wenn es ein Wochentag ist? - Ich war mir nicht sicher.

Cimg0122_smallIch bin also nach Tokyo zum Meiji-Schrein gefahren (einer der größten und bekanntesten Schreine Tokyos), um Kinder zu fotografieren. Leider war der Andrang nicht so groß wie erhofft. Ich habe innerhalb von zwei Stunden ca. 10 Kinder entsprechenden Alters gesehen, wovon die Hälfte zwar schick gemacht, aber in westlicher Kleidung auftauchte. Rausgekommen sind also ein paar Fotos im Vorbeigehen. Das wollte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und habe zum Schluß ganz mutig eine Mutter mit dreijährigem Kimono-Mädchen angequatscht, ob ich ein Foto machen darf. Trotzdem meine Frage auf Japanisch war, bekam ich natürlich eine englische Cimg0126_smallAntwort. - Ich durfte. Und plötzlich wurde aus dem süßen Kind mit Stofftier auf dem Arm ein Püppchen, das genau wußte, wie sie sich hinstellen mußte, damit der Kimono auch gut zur Geltung kommt. (Vorher habe ich noch ein Kind gesehen, das beim Anblick der elterlichen Kamera immer in ein statisches Grinsen verfiel.)Cimg0138_small

Ich vermute einfach mal, daß an einem Wochentag Kinder in Schule und Kindergarten sind und Eltern (zumindest Väter) arbeiten müssen. Ich glaube, die holen das am Wochenende nach. Vergangenes Wochenende habe ich zumindest schon eine Familie an einem Schrein Fotos machen sehen.Cimg0106_small

Mal sehen, ob uns dann was über den Weg läuft. Jedenfalls haben wir etwas andere Pläne: Ab nach Hakone, in die Berge, ein bischen spazieren und in eine heiße Vulkanquelle.

01. November 05

Toilettengeschichten aus Deutschland

von Gunda

Es ist ja nicht so, daß andere Länder nichts Komisches zu bieten hätten.
Aus Köln kommt z.B. "Pisstazia". Aber die müßt Ihr Euch schon selber angucken...

22. Oktober 05

Abschlussfahrt

von Thomas

200510221618_1 An Ortruns letztem Tag sind wir nach Yokohama gefahren, ins dortige Chinatown. So konnte sie noch ein wenig den Unterschied zwischen Japan und seinem Nachbarn sehen.

21. Oktober 05

Sommerverlängerung

von Gunda

200510211412_1Heute ging's bei strahlendem Sonnenschein nach Oarai an den Pazifik. Wir haben noch Peter in den USA gewunken, mit einem Einheimischen gequatscht und nasse Füße bekommen.

11. Oktober 05

Rückschau auf ein Jahr Japan III: Entdeckungsreisen & Urlaub

von Thomas

Leben in Japan heißt nicht nur Arbeiten und zusehen, wie man seinen Alltag meistert, es ist auch irgendwie ein großer Urlaub, eine einzige Entdeckungsreise, bei der man immer wieder auf Neues und Unbekanntes stößt. Das ist schon so, wenn man hier nur einfach lebt, aber es ist erst recht der Fall, wenn man sich hinausbegiebt und quer durchs Land reist. Und das haben wir bisher schon ausgiebig getan...

Die größte Tour haben wir letzten Frühjahr unternommen, als wir nach Hiroshima, Miyajima, Kyoto, Osaka, Nara und zum Fuji-san gefahren sind. Nach Kyoto sind wir inzwischen ein zweites Mal gefahren, 3 Tage nur. Trotzdem haben wir dort schon sehr gesehen, Tempel, Schreine, verschiedene Stadtviertel, Matsuris und vieles mehr. Kyoto ist vielleicht bisher der Ort, der uns hier in Japan am besten gefällt. Es am vielseitigsten, das Alte ist hier noch relativ lebendig, aber trotzdem ist auch ein moderne Stadt. Die Mischung ist hier irgendwie besser, als in Tokyo, wo das alte Japan nur noch in kleinen Inseln eine Rolle spielt.

Mit der anderen japanischen Megametroploe, Osaka, sind wir nicht so recht warm geworden. Vielleicht lag es auch am Wetter, am ständigen Regen, dass uns die Stadt etwas trostlos vorkam, aber irgendwie war das nicht so ganz das Wahre. Während Tokyo noch irgendwie viele Reize hat, abwechslungsreich ist, erschien uns Osaka einfach nur groß zu sein, eine moderne Großstadt halt. Aber vielleicht täuschen wir uns auch, was kann man nach wenigen Tagen schon abschließendes über eine solch riesige Stadt sagen. Aber das war halt unser Eindruck, gefangengenommen hat uns Osaka nicht.

Von den Resten der alten japanischen Kultur konnten wir uns natürlich schon viel ansehen. Die Schreine und Tempel von Nikko hatten wir letztes Jahr zu Weihnachten besucht. Das war als Weihnachtserlebnis zwar sehr skurril, aber nichtsdestotrotz ungemein eindrucksvoll. Ganz ähnlich war es auf Miyajima und in Nara. Alte Bauten bis zum abwinken...

Aber während das alles touristische Klassiker sind, ist es für uns auch immer wieder schön, wenn wir einfach mal in unserer Umgebung herumreisen und dort die eigentlichen Entdeckungen machen können. Denn außer Tokyo und Yokohma gibt es hier noch eine ganze Menge mehr Möglichkeiten, um einen interessanten Ausflug zu machen. In Tsukuba selbst kann man sich den Tsukuba-san anschauen, auf dem es einen sehr schönen Schrein gibt. Der Berg selbst, die Landschaft ist für Spaziergänge und Wanderungen sehr geeignet. Dann gibt es im Nachbarort, Ushiku, die größte Statue der Welt. Der Ushiku-Daibutsu ist mit 120m fast dreimal so groß, wie die Freiheitsstatue in New York. Seine Bekanntheit ist er aber selbst unter Japanern quasi gleich Null...

Ein paar Kilometer nördlich von uns liegt Tsuchiura. Neben dem jährlichen Feuerwerkswettbewerb, gibts mit dem See Kasumigaura, immerhin der zweitgrößte Japans, zumindest ein nettes Ziel, wenn man mal eine Fahrradtour unternehmen will. Apropos Größe, in Fukuroda, ganz weit im Norden der Ibaraki-Provinz gibt es den größten oder zweitgrößten Wasserfall Japans. Zweimal waren wir schon dort, einmal im Herbst, einmal im Winter. Nicht ganz soweit im Norden liegt Mito, die Hauptstadt von Ibaraki. Und wenn man da mal nicht gerade zu einer Behörde muss, kann man sich zum Beispiel den Kairakuen-Park ansehen, den landesweit berühmtesten Pflaumenpark.

Etwas umständlich, da es keine direkte Zugverbindung gibt, ist es, zur Küste von Ibaraki zu fahren. Dafür lohnt es sich aber durchaus. Im letzten Herbst waren wir in Isohara, relativ weit im Norden gelegen, gewesen und im Sommer sind wir dann ein paar mal nach Oarai an den Strand gefahren. Das werden wir auch bestimmt naechsten Sommer wieder machen.

Wo waren wir noch? In Narita z.B. und das nicht wegen des Flughafens, sondern wegen des schönen Matsuris dort. Und wir werden bestimmt nochmal hinfahren, denn die Stadt selber war auch sehr nett und den örtlichen Tempel müssen wir uns auch noch genauer ansehen. Zweimal waren wir dann noch in der Gegend westlich bzw. nordwestlich von Tokyo, am Takao-san und in Chichibu. In Hakone waren wir auch schon, da müssen wir aber nochmal hin. Damals hatten wir einfach zu wenig Zeit und hatten kaum was von der Landschaft gesehen.

Überhaupt, wo wir noch überall hin wollen... Die Liste ist viel zu lang :(

Wo anfangen? Ich möchte z.B. noch einmal höher auf den Fuji-san rauf, Gunda will unbedingt den Buddha in Kamkura besichtigen, wir waren noch gar nicht mal auf einer der anderen Inseln, nach Hokaido wollen unbedingt nochmal. Oder doch lieber nach Okinawa? Tiefschnee würde ich diesen Winter gerne einmal erleben, Laubfaerbung haben wir auch noch nicht in voller Pracht erlebt, Kirschblüten müssen wir uns auch noch mal richtig anschauen. Und jenseits von Japan? Es wird nie wieder so einfach und billig für uns sein, mal nach Korea oder China zu fliegen, die Chance sollten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Und sonst? Wahrscheinlich fällt mir der Rest erst hinterher ein, aber ich hoffe, man sieht auch so ein wenig, wieviel wir schon gesehen haben, wieviel noch bleibt und wie sehr es uns alles gefallen hat...

01. Oktober 05

Feuerwerk

von Thomas

Zweites Jahr, erster Tag... Feuerwerk in Tsuchiura. Als wir vor einem Jahr hier ankamen, empfahl uns jemand, doch nach Tsuchiura zum nationalen Feuerwerkswettbewerb zu gehen. Das fiel dann leider aus, weil Gunda sich den Knöchel verknakst hatte und wir statt zum Feuerwerk, ins Krankenhaus gefahren sind. Aber dieses Jahr haben wir es nun geschafft!

Cimg8945_smallDrei Stunden Feuerwerk waren angesagt, von 18:00 Uhr bis 21:00 Uhr (ja, um 18:00 Uhr ist es hier um dieses Jahreszeit schon stockfinster, selbst im Sommer ist ja um Acht schon alles dunkel. Das ist so eine Sache, an die ich mich nicht so recht gewöhnen kann). Jedenfalls dachten wir, wenn wir 2 Stunden vorher losfahren, schaffen wir das locker, ist ja nur eine Station mit der Bahn. Pustekuchen! Den ersten Zug mussten wir wegfahren lassen, weil wir schlicht nicht mehr hineinpassten... Beim naechsten hatten wir Glück, dass wir gleich als erste anstanden. Im Zug standen wir dann zusammengequetsch und völlig bewegungsunfähig. Da ja ich ja noch nie zum Berufsverkehr in Tokyo war, war das ein ganz neues Erlebnis für mich, so voll hatte ich die Zuege hier auch noch nicht erlebt. Cimg8956_smallUnd in Tsuchiura strömte dann die ganze Masse Menschen aus dem Zug auf den Bahnsteig und stand sofort wieder. Da alle Leute durch die gleichen Sperren müssen, um ihre Fahrkarte abzugeben, geht das natürlich entsprechend langsam. Als wir die Treppe hoch ins Bahnhofsgebaeude erreicht hatten, kam dann auch schon der naechste Zug... Insgesamt hat es bestimmt 20 Minuten gedauert, bis wir durch die Sperren durch waren und dann im überfüllten Bahnhofsgebaeude nach Roland und Petra Ausschau gehalten haben. Eigentlich hatten wir uns mit denen verabredet, aber es war hoffnungslos und wir haben uns dann mit der Menge zum Ausgang drängen lassen. Und sind dann gleich zum Sakuragawa gegangen, dem Fluss, der durch Tsuchiura fließt und an dessen Ufer das Feuerwerk stattfinden sollte.

Cimg8968_smallAm Fluss bot sich dann das erwartete Bild, tausende von Menschen strömten am Ufer lang, an dem sich eine endlose Reihe der typischen japanischen Fressbuden entlang zog. Da gibts dann gegrillten Tintenfisch und Haehnchenfleisch, Yakitori-Spieße und sonstiges aufgespießtes Fleisch, Grillfisch und Takko-Balls (Tintenfisch-Teig-Baellchen), Shaved-Eis und Crêpes, Zuckerwatte gibt es auch und selbst ein paar Doenerbuden gab's. Okonomiyaki und Yakisoba darf natürlich auch nicht fehlen :)

Cimg8991_smallUnd am Flussufer dann ein Meer von blauen Plastikplanen mit ganz vielen Japanern drauf. Was bei uns Picknickdecke, Isomatte oder Strohmatte ist, das ist hier eben die blaue Plastikplane, sei es zum Hanami im Frühling, im Sommer am Strand oder die Zelte der Obdachlosen, wenn Japaner was im freien machen, dann gehört die blaue Platikplane einfach dazu. Wir dagegen hatten nur zwei Miniklappstuehle, auf denen wir uns dann mitten unter die Leute mischten. Erst hatten wir, wie sich später herausstellte, einen blöden Platz erwischt, ein Hochhaus verdeckte zum Teil die Sicht aufs Feuerwerk, aber als wir dann ein paar hundert Meter weiter gelaufen sind, hatten wir dann optimale Sicht: Cimg9015_smallDirekt hinter einer Brücke bzw. ein direkt am Ufer gingen die Raketen hoch und wir konnten es in vollen Zuegen genießen. Die naechsten Stunden bestanden dann nur aus Feuerwerk schauen, Photos machen (zum Glück hatte ich mein Stativ dabei) und Essen.. 3 Stunden lang, ein wirklich grandioser Anblick. Etwas ähnliches hatte ich bisher höchstens mal im Fernsehen gesehen, aber allein schon die Länge von drei Stunden war gewaltig, wenn's hoch kommt, gibt's bei uns mal eine halbe Stunde Feuerwerk. 

Cimg9048_smallUnd ansonsten? Für mich ist es immer wieder auch interessant, die Japaner selbst zu beobachten und dann zu vergleichen, wie so was wohl in Deutschland ablaufen würde. Die meisten Zuschauer waren junge Leute und trotzdem ging alles ganz ruhig vor sich, kein großes Geschrei, keine Hektik, keine Unruhe. Entweder saßen die Leute auf ihren Planen oder kauften sich was zu essen. Schauten gebannt auf's Feuerwerk, oft gabs erstaunte "Ahs" und "Ohs", manchmal auch Applaus. Ein paar Westler bestätigten gleich mein Vorurteil und liefen mit Tüten voller Bierdosen herum, dann schaute ich mich um, und sah junge Japaner, wie sie grünen Tee tranken... Cimg9051_smallIch kann mir nicht helfen, irgendwie finde ich solche Veranstaltungen in Japan angenehmer, als bei uns. Typisch ist auch der Umgang mit dem Müll: Selbst die Teenies packten alles feinsaeuberlich in Plastiktüten ein und nahmen es dann mit. Angesichts der Menge Menschen war der herumliegende Müll fast vernachlässigbar, in Deutschland brauch es keine Großveranstaltung, damit an einem Flussufer soviel Müll herumliegt... (Peinlicherweise, mussten wir unsern Müll auch dalassen, wir hatten natürlich nicht an eine Muelltuete gedacht und, auch typisch Japan, es gab nirgendwo Mülleimer).

Cimg9068_smallDer Rückweg war dann ähnlich, wie der Hinweg. Die Masse Mensch schob sich nun Richtung Bahnhof und bildete an dessen Eingang einen riesigen Pfropfen. Wir sind dann erst noch in ein Kaufhaus, aber es wurde nicht besser, im Gegenteil, als das Kaufhaus zu machte, sorgte das nur für einen neuen Schub Menschen, der in den Bahnhof wollte. Zum Glück geht solch ein Chaos in Japan immer recht zivilisiert ab, die Menschen warten recht geduldig, man wird nicht dauernd von Hinten gestoßen und geschubst, niemand regt sich auf, man braucht keine Angst haben, dass einem einer die Taschen ausräumt, kurz, man kann in Ruhe abwarten, wie es weiter geht. Der Zug war dann zum Glück nicht ganz so voll, wie auf dem Hinweg. Interessanterweise, schleppten selbst im Zug noch einige Leute ihre Muelltueten mit sich rum... :)

Kurzvideo Feuerwerk Tsuchiura 1

Kurzvideo Feuerwerk Tsuchiura 2

Kurzvideo Feuerwerk Tsuchiura 3

Kurzvideo Feuerwerk Tsuchiura 4

06. August 05

Beach & Party 2

von Thomas

Heute hatten wir ein kleines Deja vu, wie schon letzten Sonntag sind wir nach Oarai gefahren und haben uns anschliessend ein japanisches Strassenfest angesehen. So weit, so gleich... Im Detail war dann aber doch alles etwas anders. In Orai sind wir diesesmal nicht zu dem "Sun Beach" gefahren, sondern wieder zum "Oarai Beach". Und dort war nicht allzuviel los, zwar mehr als vor ein paar Wochen, aber kein Vergleich zu dem, was letztes Wochenende am "Sun Beach" los war. Der grund duerfte wohl die Beschaffenheit des "Oarai Beach" sein, denn der Strand ist an vielen Stellen nicht mit Sand, sondern mit unterschiedlich grossen Kieselsteinen bedeckt, nicht so otimal, um sich dort gemuetlich niederzulassen. Und auch das Wasser ist nicht so optimal. Zwar gab es diesmal keine Algen mehr, aber die Kueste ist dort sehr felsig und der Boden mit Kies bedeckt. Man muss schon sehr aufpassen, wo man hintritt oder wenn man schwimmen will, das einen die Wellen nicht gegen eine der Felsen schleudern.

Trotzdem haben wir es uns recht gemuetlich gemacht und einen ruhigen Tag Tag dort verbracht. Der Himmel war dieses mal viel klarer, aber es war nicht zu heiss, da immer etwas Wind aufkam.

Ganz in der Naehe des Strandes gibt es noch was nettes zu sehen, ein Torii, das auf ein paar Felsen aus dem Meer ragt. Es gehoert wohl zu einem Schrein, der auf einem Huegel etwas weiter weg von der Kueste liegt. Wir waren allerdings zu faul, dort rauf zu laufen und haben uns auf ein paar Photos des Eingangsbereichs zum Gelaende Schreins beschraenkt...

Und dann sind wir nach Mito gefahren. Dort war der 2. Tag des "Mito Komon Matsuri", des lokalen Sommerfestivals. Wir kamen allerdings erst recht spaet dort an und haben dann auch noch Zeit damit verschwendet, auf der falschen Bahnhofsseite nach der Party zu suchen... Ein paar geschmueckte Wagen und etwas Musik und Tanz haben wir zwar noch mitbekommen, aber so recht gefallen hat es uns nicht. Irgendwie wirkte alles sehr kommerziell. Die verscheidenen Gruppen hatten wohl alle Sponsoren, NTT, JR, Post, usw.... und deren Logos prankten von den Wagen und den Kostuemen der Leute, das war irgendwie nict so schoen. Auch war die Stimmung nicht so toll, alles fand auf einer sehr breiten Strasse statt, so dass sich die Leute verteilten. Vieles der tollen Stimung in Narita zum Beispiel, kam auch durch die Enge  der Strasse, durch die die Wagen gezogen wurden, dazu das Geschrei der Leute, die monotone, laute Musik... Selbst das kleine Fest in Arakawaoki letzte Woche, wirkte da viel intensiver und emotonialer, die Leute waren einfach mit mehr Entusiasmus bei der Sache. Aber das ist nur unser Eindruck, vielleicht taeuscht das auch, wir haben ja auch nicht mehr alles mitbekommen.

Interessant war vielleicht noch, dass nicht  Traditionelles aufgefuehrt  wurde, sondern sich auch einige Jugendliche mit modernen Sachen darunter gemischt hatten. Am auffaelligsten waren einige Leute, die nach dem Motto "Elvis war Japaner" im 50er Jahre Look Rock 'n' Roll Einlagen boten.

Kurz nach 9 Uhr war dann das offizielle Ende der Party  erreicht udn wir konnten dann noch ein  wunderbares Beispiel an japanischer Disziplin und Ordnung beobachten. An einem Ende der Starsse setzte sich ein Tross von ein paar dutzend Polizisten zu Fuss in Bewegung, noch gefolgt ein paar Polizeiwagen. Dahinter dann der normale Strassenverkehr, Busse, private PKW, Taxis, alles ganz gemuetlich im Schritttempo. Dort wo noch Leute auf der Strasse waren, wurden sie von den Polizisten freundlich aber bestimmt aufegfordert, an die Seite zu gehen. Das machte natuerlich auch jeder sofort und ohne Diskussion. Selbst dei Jugendlichen in ihren coolen Rockeroutfits, beeilten sich sofort ihren Kram von der Strasse zu raeumen. Wie haetten da wohl Jugendliche in Deutschland reagiert?

Tja, hinter den Polizisten war dann von der Party nichts mehr zu sehen, der Muell war schon in Saecken verstaut und stand ordentlich gestapelt am Strassenrand, der Verkehr rollte fluessig ueber die Strasse. Es war, als waere nichts gewesen... Vieles ist hier doch immer wieder ganz anders als in Deutschland.

31. Juli 05

Beach & Party

von Thomas

Nein, keine Beach-Party, sondern Beach und Party gab es heute. Zunaechst sind wir mal wieder nach Oarai an den Pazifik gefahren, um diesmal etwas im Meer zu schwimmen. Nachdem es beim ersten Versuch noch etwas zu kalt war und wir am "Sun Beach" nur auf ein paar dutzend Muschelsucher und einige Surfer gestossen waren und beim zweiten Versuch am "Oarai Beach" zwar schon mehr Leute, aber auch ziemlich uebel mit Algen verdrecktes Wasser vorgefunden haben, sind wir nun wieder zum "Sun Beach". Die Sonne kam zwar nicht so prall durch den Dunstschleier am Himmel durch, aber es war immer noch sehr heiss und das, was an Sonne durchkam, brannte immer noch ganz schoen.

Als wir in Oarai angekommen waren, bemerkten wir schon einige Unterschiede zu den beiden anderen Malen: Im Bahnhof wurde man mit einem kostenlosen Glas kaltem Tee begruesst und man konnte sich Fahrraeder ausleihen. Vor dem Bahnhof war dann noch eine zusaetzliche Bushaltestelle fuer drei Buslinien Richtung Ozean eingerichtet.

Cimg7939_smallNun gut, die tun halt was und es hatte ja auch inzwischen die offizielle Badesaison begonnen und da wird dann schon etwas mehr los sein, dachten wir. Die Wirklichkeit hat uns dann aber doch ueberrascht: Brechend voll war es am Strand, zigtausende Leute draengten sich auf dem eigentlich sehr weitlaeufigen Gelaende. Dazu gab es dann noch zig grosse Zelte und kleine Fressbuden, viel Tamtam und Musik. Kurz high-life am Oarai "Sun beach"!

Wir waren dann doch erstmal etwas verdattert, weil wir zwar mehr Leute, aber eben nicht soviel Trubel erwartet hatten. Schlieslich haben wir uns dann irgendwo in dem ganzen Getuemmel ein freies Plaetzchen gesucht und uns dort haeuslich niedergelassen und als einzige Auslaender weit und breit mal wieder einige neugierige Blicke geerntet. Cimg7941_smallAn richtig schwimmen war allerdings nicht zu denken, dazu standen viel zu viele Leute als Hindernisse im Wasser herum, also war ausruhen und Sonne geniessen angesagt. Und ausserde hatten wir so etwas Zeit, um das japanische Strandleben ausgiebig zu beobachten.

Was viel uns auf? Erstmal sind die Leute mehr bekleidet, als z.B. in Deutschland. Das extremste sind Leute, die mit langer Jeanshose, Schuhen, duennem Pulli und Hut in der Sonne liegen. Aber das sind natuerlich auch hier eher Ausnahmen. Leute, die mit kurzer Hose und T-Shirt ins Wasser gehen sieht man aber schon durchaus recht oft, sowohl Maennlein als auch Weiblein und auch das Alter spielt da kaum eine Rolle. Auch Damen mit Sonnenschirm in der Hand sieht man durchaus im Wasser! Feste Sonneschirme und kleine Zelte, um sich vor der Sonne zu schuetzen, sieht man dagegen sehr, sehr haeufig.

Cimg7947_smallAber der Grossteil der Leute waren natuerlich Jugendliche, Teenager und Twens, die sich auch in der Sonne braten liessen. Dabei trugen die Jungs quasi alle etwas laengere Badeshorts, waehrend es bei den Damen staerker varrierte. Einige trugen Bikinis, allerdings niemals ausgesprochen knappe, andere auch kurze Badeshorts und irgendein Oberteil, manchmal von einem einem Bikini, manchmal ein T-Shirt mit und ohne Aermel. Das eien Frau oben-ohne rumlaeuft gibt es gar nicht, es wird noch nichtmal, das Oberteil etwas geloest, wenn man baeuchlings in der Sonne liegt. Auch Kleinkinder haben immer etwas an. Wenn man bedenkt, dass das die gleichen Japaner sind, die ohne Hemmungen Sexmangas in der U-Bahn lesen, die teilweise sehr drastische Inhalte haben und bei uns niemals frei verkaeuflich waehren, hier aber an jedem Kiosk ganz vorne in der Auslage liegen, dann sieht man schon, dass hier ganz andere Schwerpunkte hinsichtlich Moral gesetzt werden. Wo es hier freizuegig ist, ist es da sehr reglementiert und umgekehrt.

Was sonst noch? Vielleicht noch das soziale Verhalten. Wir haben im Wesentlichen zwei Gruppen beobachtet: Einzelne Paare oder Familien mit Kind und Gruppen von maenlichen Jugendlichen. Daneben noch ein paar  einzelne aeltere Leute und die ein oder andere zweier oder dreier Maedchen Gruppen. Aber nur ganz, ganz selten haben wir gesehen, dass sich Jungs und Maedchen mischten, es sei denn zwei Paare waren gemeinsam am Strand. Aber das beobachtet man auch sonst recht haeufig, Jugendliche scheinen sich hier staerker nach Geschlechtern zu trennen, wenn sie was unternehmen.

Cimg7949_smallWas auch noch auffiel, waren Tattoos. Zwar waren es nicht viele Jugendliche, die welche hatten (kein Vergleich zur gleichen Generation in Deutschland zur Zeit), aber es waren doch deutlich mehr, als das man noch sagen koennte, in Japan tragen nur Yakuzas Tattoos...

Der ganze Spuk ging dann recht schnell zu Ende. Als gegen 5 Uhr einen Tick kuehler wurde, verschwanden die Leute auf einmal recht schnell, die Buden und Zelte machten zu und der Strand sah fast wieder so aus, wie wir ihn in Erinnerung hatten...

Cimg7998_smallWir sind dann auch zurueck, da wir nicht zu spaet nach Hause wollten und sind dann aber mitten in einer Party gelandet udn waren dann doch erst recht spaet wieder daheim. Was fuer eine Party? Als wir in Arakawaoki aus dem Zug stiegen, hoerten wir ploetzlich Musik. Die Quelle war dann schnell gefunden: Nachdem vor ein paar Wochen auf unserer Seite des Bahnhofs ein Matsuri (Fest) stattgefunden hatte, war diesmal die andere Seite dran (haetten wir uns auch denken koennen, da wir gestern schon vom Bus aus eine Wagen gesehen hatten). Da sind wir dann natuerlich nicht nach Hause gegangen, sondern zum Fest. Es war recht aehnlich dem letzten Arakawaoki-Matsuri: Auf einem geschmuckten Wagen wurde Musik gemacht und getanzt und starke Maenner und Frauen schleppten einen kleinen Schrein auf ihren Schultern herum, schuettelten ihn dabei wild hin und her und schrieen laut herum, dazu noch ein paar Einpeitscher, damit niemand schlapp macht. Cimg7992_smallZusaetzlich gabs dann noch Tanzeinlagen von einer Frauengruppe udn einigen Kindern.

Der ganze Tross setzte sich dann nach einiger Zeit in Bewegung und Wagen und Schrein und wurde durch die Strasen gezogen bzw. getragen. Ziel war ein kleiner Platz, auf dem zusaetlich zu einem alten, festen Schrein, noch ein zweiter provisorischer Schrein fuer die hinterlegten Opfergaben aufgebaut worden war. Dort gab es dann nochmal viel Musik, Tanz und Geschrei (ganz aehnlich alles, wie in Gion letzten Sonntag). Und als die Schrein-Traeger dann muede waren, war dann erstmal Ruhe. Die Leute brachten den Wagen weg und der mobile Schrein wurde entschmueckt. Cimg8016_smallSo hatten wir es ja auch in Gion gesehen. Aber danach wurde es dann alles anders. Keine Priester, die sich um die Kamis in den Schreinen kuemmern und eine kurze Zeremonie abhalten, nein, die Opfergaben wurden in Kisten verpackt und auf einen kleinen LKW geladen und der mobile Schrein wurde in einer simplen Garage abgestellt. Das machte doch einen etwas ernuechternden Eindruck, ganz so profan, hatten wir es einfach nicht erwartet...

Cimg8067_smallAber interessant war es allemal. Wir haben uns dann noch etwas umgeschaut, die Aktiven hatten sich mitlerweile in eine Schule oder so zurueckgezogen und feierten noch, andere kuemmerten sich um den Wagen und wieder andere demontierten den provisiorischen Schrein. Und wir sind ziemlich muede nach Hause gegangen, viel spaeter, als wir es eigentlich wollten...

18. Juli 05

Friedhofstourismus

von Thomas

Heute sind wir bei strahlendem Sonnenschein (und entsprechend unertraeglichen Temperaturen...) in den aeussersten Osten Westen Tokyos gefahren, nach Hachioji. Warum? Nun, durch Zufall hatte es sich ergeben, dass ich im Internet nach den Grabmaehlern der japanischen Kaiser suchte und dabei auf Hachioji stiess. In dem Ort sind der Showa-Tenno, der Vater des jetzigen Tennos, und der Taisho-Tenno, sein Grossvater, sowie deren Ehefrauen beerdigt. Und da der Ort nicht so weit weg ist, sind wir heute also da hingefahren, um uns die Grabmahle direkt anzusehen.

Hachioji stellte sich als nette Kleinstadt etwas groesser als Arakawaoki heraus. Der Park mit den Grabmaehlern war etwa eine halbe Stunde Fussweg vom Bahnhof entfernt. Bei der Hitze schon eine kleine Strapaze. Aber es hat sich gelohnt. Der Park stellte sich als kleine Oase der Ruhe, abseits des hektischen Gewimmels der Stadt heraus, in den sich ausser uns kaum jemand hin verirrt hatte. Zwischen grossen Zedern sind breite Kieswege angelegt und ausser einem kleinen Teich mit ein paar der landestypischen bunten Zierkarpfen, gibt es keinerlei Schnickschnack zu sehen und genauso schlicht wie die Umgebung, sind auch die Graeber angelegt. Cimg7404_smallJede Grabanlage besteht aus einem terassenfoermigen Huegel, auf dessen oberster Stufe sich ein mehrere Meter breites, halbkugelfoermiges, mit kleinen Steinen dicht bedecktes Grab befindet. Jedenfalls nehme ich an, dass das das eigentliche Grab ist. Man konnte leider nicht naeher heran, denn die ganzen Anlagen sind jeweils eingezaeunt, nur eine Steinsaeule, wohl mit dem Namen des dort begrabenen und ein grosses Holz-Torii befinden sich ausserhalb der Umzaeunungen. Alles in allem scheint mir das Ganze recht typisch fuer Japan zu sein, sehr schlicht und wenig pompoes.

Auch wenn die Anlage recht interessant und schoen war, Stunden konnte man dort nicht verbringen und so haben wir uns noch nach weiteren Zielen am Ort umgesehen. Hachioji liegt wie gesagt im Osten Tokyo und die Auslaeufer der Gebirge oestlich und noerdlich Tokyo reichen dort schon bis in die Stadt hinein. Am interessantesten schien der Mt. Takao bzw. Takao-san zu sein, auf dem sich eine grosse Tempelanlage, der Takaosan Yakuoin Tempel, befindet. Wegen der Hitze sind wir dann erst noch eine Station mit der Bahn an den Fuss des Berges gefahren udn dann mit einer Bergbahn auf den Mt. Takao hinauf. Die Bergbahn ist angeblich die mit der groessten Steigung in Japan. Fast 32 Grad betraegt diese an der steilsten Stelle und in der Tat, war das ziemlich beeindruckend. Bis zum Ende nahm die Steigung stetig zu und man hatte permanent das Gefuehl, auf eine Wand zu zufahren. Wirklich eine Erlebnis...

Oben auf dem Berg war recht viel los, ganz im Gegensatz zu dem Park mit den Kaisergraebern. Die Tempelanlage war recht komplex und schlaengelte sich in mehren Stufen bis zur Bergspitze hinauf. Das besondere an dem Berg sind die sogenannten 'Tengu', mythische Berggeister, dei dort beheimatet sind. Zwei von ihnen bewachen jeweils die verschiedene Tempelgebaeude, einer mit einer langen Nase und einer Art Faecher in der Hand und ein zweiter mit eine Schnabelnase und einem Schwert in der Hand. Im ersten Moment waren wir beide etwas verdutzt, denn die Statuen hatten auch noch jeweils ein paar Fluegel und erinnerten (waeren die Nasen nicht gewesen), an so manche europaeische Engelsdarstellungen.

Die andere Besonderheit habe ich erst auf dem Rueckweg bemerkt. Ein kleine Treppe neben dem Weg fuehrte auf eine Lichtung mit einem wohl buddhistischen Gebaeude, dass aber so gar keine Aehnlichkeit mit den sonstigen japansichen Tempeln hat. Ganz aus we