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22. August 06

Zwischenbericht

von Thomas

Nur ein kurzer Beitrag vom Konferenzrechner. Wir sind gut hier angekommen, das Wetter ist natuerlich viel zu heiss, die Sonne brennt vom Himmel. Die Konferenz laeuft soweit gut, meinen Vortrag habe ich schon gluecklich hinter mich gebracht. Viele alte Bekannte haben wir schon getroffen und viel Spass dabei gehabt. Unser Hotel ist sehr schoen, wunderbar in Schuss, nur die Besitzerin ist zwar nett, aber auch sehr aufdringlich. Offensichtlich hat sie zuviel Zeit... Waehrend ich meisst bei der Konferenz bin, geht Gunda in Kyoto auf Entdeckungsreise :)

Und das war's auch schon, die Schlange der Wartenden, die an den Rechner wollen, wird immer laenger ;)

18. August 06

Der vorletzte Besucher

von Thomas

Eigentlich hatten wir ja nur noch mit einem Besucher aus Deutschland gerechnet, naemlich mit Manfred (dem Hauptschuldigen an unserem Aufenthalt hier in Japan). In der naechsten Woche sind wir naemlich in Kyoto, fuer mich eine Dienstreise wegen einer Konferenze, fuer Gunda und mich zusammen aber auch der letzte grosse Urlaub hier in Japan, und dort treffen wir viele alte Bekannte, z.B. meine beiden Exkollegen aus Japan, Roland und Lee (inklusive naturlich Rolands Freundin Petra und der Familie von Lee) und meine gesamte Exarbeitsgruppe aus Berlin, naemlich Manfred, Takuya, der ja wieder in Japan ist und Dhuong, der ebenfalls wieder in seinem Heimatland, in Vietnam, ist. Manfred faehrt dann nach der Konferenz noch nach Tokyo und kommt natuerlich auch zu uns, nach Tsukuba.

Soweit der erwartete Ablauf. Jetzt hat sich allerdings noch ein weiterer Kollege aus Berlin dazwischen geschoben, der hier in Tsukuba zu einem Workshop eingeladen war. Das haben wir erst am Montag erfahren und am Mittwoch war er dann auch schon da. Gunda und ich sind dann am Abend mit ihm essen gegangen und heute war ich nochmal hier bei der Arbeit mit zum Essen in der Cafeteria.

Das interessantes an solchen Besuchen ist es ja immer, zu erfahren, wie Japan auf die Leute wirkt, vor allem, wenn sie, wie auch in diesem Fall, vorher noch nie hier waren und sich auch gar nicht naeher damit beschaeftigt haben.

Was ist ihm aufgefallen? Zunaechst einmal die grosse Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit, was mir wieder bewusst macht, wie sehr wir uns schon daran gewoehnt haben. Klar, mir ist es auch zu warm und zu feucht, aber ich empfinde den Sommer doch eher als kuehler, denn im letzten Jahr, was vor allem an dem vielen Regen liegt. Es ist nachts bei weitem nicht so drueckend, wie im letzten Jahr und eigentlich, empfinde ich den Sommer, weil es eben so oft regnet, eher als Reinfall...

Was noch? Natuerlich viele "Standards"... Die extreme Hoefflichkeit, die hohe Zuverlaessigkeit, die wesentlich weniger aggressive Atmosphere, Ruecksichtnahme im direkten Umgang miteinander, die hohe Qualitaet des Essens bei vergleichsweise geringem Preis, die Vorteile einer echten Dienstleistungsgesellschaft, die "Schlafkrankheit" der Japaner, usw. Kurz, vieles, was man eben so von Japan erwartet und einem das Land als sehr angenehm erscheinen laest (und er war auch letztlich sehr angetan vom Land).

Waehrend das jetzt nicht so interesssant und ueberraschend ist, war eine Sache, die ihm gleich bei der Fahrt vom Flughafen her aufgefallen ist, doch sehr gut beobachtet. Naemlich der extrem hohe Grad der Verwestlichung beziehungsweise speziell der Amerikanisierung, die ihm jetzt speziell beim Betrachten der Bebauung aufgefallen ist. Und das stimmt, wenn ich morgens zur Arbeit fahre, dann koennte ich mich auch irgendwo in Amerika befinden, ein Lokal neben einem Autohaendler,  dann wieder  irgendein Grosshaendler, dann wieder ein Lokal, usw.  Das ganze schnell hochgezogen, mit wenig  Sinn fuer Staedteplanung und Aesthetik, hauptsache schnell und billig. Dazwischen immer mal wieder ein paar verlassene Schrottbuden, dann wieder ein schicker Neubau. Ja, so sah das in den Aussenbezirken von San Jose auch aus und ebenso in den kleinen Staedten rund um Seattle. Woran die Japaner sich da orientiert haben, sieht man recht schnell und ein Haus, dass noch ein typisch geschwungen japanisches Dach hat, wirkt hier fast so exotisch, als wenn es im Schwarzwald stuende...

Im Fernsehen ist ihm das auch aufgefallen, der selbe Schund an niveaulosen Schows, billige Serien und Filme, noch mit japanischen Hintergrund, aber von der Machart her einfach nur westlich/amerikanisch.

Und so zieht sich das ja durch alle Lebenslagen. Das man soviele dicke japnische Kinder sieht, liegt bestimmt nicht am uebermaessigem Sushi-Konsum, sondern eher an der doch unaufhaltsamen Verbreitung von McDonalds, Starbucks, usw... Am extremsten faellt es mir ja immer noch bei der Mode auf, denn was ist das denn, was Gunda da letztens beschrieben hat? Es ist Wirklichkeit gewordenes amerikanisches Fernsehen und Kino. Die knappen Outfitts, die Sonnenbraeune, der Hang zu Edelmarken, das extreme Aufdonnern mit Makeup usw... Und da es ja keine Rueckkopplung mit der westlichen Wirklichkeit gibt (denn wer laeuft dort schon wirklich auf der Strasse rum, wie Paris Hilton und Co. und welcher Japaner weiss das aus eigener Erfahrung...), sondern nur die aufpolierte Version aus den Medien, gibt das dem Ganzen hier doch etwas Unwirkliches, Uebersteigertes, oder, wenn man es eher positiv sehen will, spielerisches.

Will man es pessimistisch sehen, dann koennte man auch sagen, man sieht dabei zu, wie sich eine interessante, erfolgreiche und eigentstaendige Kultur in die Karrikatur einer anderen, ihr eigentlich wesensfremden und in ihren Werten inkompatiblen, verwandelt...

14. August 06

Kare Raisu

von Thomas

"Kare Raisu" ist die japanische Variante von Curryreis, besonders beliebt als "Katsu Kare", bei dem auf den Curryreis noch ein dick paniertes Schnitzel gepackt wird. Schmecken tut das Ganze, als hätte jemand mal indisches oder thailändisches Curry gegessen und versucht nun, es nachzukochen, ohne eigentlich genau zu wissen, was da reinkommt und stattdessen Zutaten verwendet, die er aus seiner gewohnten Küche kennt. Aber trotzdem ist es hier in Japan unheimlich beliebt (leider so beleibt, dass hier auch oft Curry beim Inder ein wenig nach "Kare Raisu" schmeckt...). In jedem Family-Restaurant gehört es zum Standard auf der Speisekarte und neben den vielen japanischen und chinesischen Nudelsuppenrestaurants, gehören die Kare-Shops zu den den meistbesuchtesten, wenn man mal ohne viel Aufwand und billig satt werden will, und das, wie eigentlich immer, bei trotzdem sehr guter Qualität.

Neben Japanern gehören vor allem auch die Gaijins zu den Liebhabern des "Kare Raisu". Das liegt wahrscheinlich daran, dass man es erstens an jeder Straßenecke bekommen kann, man zweitens das Gefühl hat, was halbwegs Vertrautes zu essen und drittens, man keine Stäbchen zum Essen braucht. ;) So haben wir das am Anfang auch gemacht, bis wir das Zeug nicht mehr riechen konnten (wir haben noch immer einige, inzwischen fast 2 Jahre alte, Packungen mit Instant-Kare zu Hause...), so haben es meine Cousine samt Anhang gemacht (wenn sie denn keine Sandwiches gegessen haben...), mein Kollege Manfred gehört seit seiner Zeit in Japan zu den Fans, Kollege Roland zelebrierte jeden Mittwoch das "Katsu Kare"-Essen fast so, als wenn's eine heilige Handlung wäre (wahrscheinlich musste das Brimborium sein, da er es eigenlich überhaupt nicht mehr ausstehen konnte...) und viele der anderen ausländischen Wissenschaftler hier am AIST machen es ebenso.

Und damit bin ich endlich beim Thema... In den letzten Wochen war ich recht häufig alleine essen, da Matsuura-san nicht mitgehen konnte (die Geschichte ist eigentlich einen eigenen Beitrag wert...) und auch heute war ich alleine, da Matsuura-san noch im O-bon Urlaub ist. Wenn man alleine Essen geht, hat man natürlich viel Muße, sich umzuschauen, was um einen herum so vor sich geht. Besonders interessant sind natürlich die Ausländer für mich. Und über die kann man schon sehr viel erfahren, wenn man nur schaut, was, wie und mit wem sie essen.

Die meisten essen natürlich irgendein beliebiges der zur Auswahl stehenden Gerichte, gerade wenn sie schon etwas länger da sind, in einer Gruppe sind, in der wenn möglich auch noch Japaner sind, aber viele kommen kommen auch kaum über die "Kare Raisu"-Phase richtig hinaus und wenn man sie öfter sieht, dann essen sie halt immer wieder das Gleiche. Das sind oft die, die entweder gar keinen richtigen Anschluss gefunden zu haben scheinen, oder der Anschluss nur aus anderen Ausländern besteht. Wie weit der Grad der Isolation ist, sieht man dann daran, wie sie das "Katsu Kare" essen: Mit Stäbchen! Wie auch ich in den ersten 2 Wochen, denkt sich der unbedarfte Ausländer, Japaner essen ja selbst Nudelsuppe mit Stäbchen, also auch das "Katsu Kare". Dem ist aber nicht so... Jeder Japaner isst seinen "Kare Raisu" natürlich mit dem Löffel, geht ja auch viel besser... Erst vorhin hab ich dann wieder so einen einsam dasitzenden Gaijin gesehen, der sich tapfer seinen mit viel Sosse durchmengten Reis mit den Stäbchen in den Mund schaufelte. Interessanterweise hatte er sogar einen Löffel auf dem Tablett, aber den hat er nur dazu benutzt, um den rot gefärbten Ingwer, der immer dabei ist, sauber vom Teller zu entfernen...
Ja, dieser Ingwer. Ich mag das Zeug auch nicht und es hat mich einige Zeit gekostet, herauszufinden, wie man den Frauen an der Essensausgabe klarmacht, dass man es nicht haben möchte. Da kann man mitunter dramatische Szenen beobachten. Ein (offensichtlich ein junger deutscher Gastwissenschaftler) stand einmal laut "no, no"  schreiend und wild mit den Händen gestikulierend vor mir in der Schlange. Die armen Damen von der Essensausgabe waren total erschreckt. ;)

Es gibt natürlich auch das andere Extrem. Die voll aklimatisierten Ausländer, die sich jede noch so unangenehme Beilage auf's Tablett packen, die Miso-Suppe mit groesserer Begeisterung schlürfen, als jeder Durchschnitts-Japaner, eine extrem elegante Stäbchentechnik beweisen und munter auf Japanisch mit ihrem Gegenüber plaudern. Aber das hat eher Seltenheitswert. Meist sieht man Auländer alleine oder in kleineren, manchmal auch grösseren Gruppen dasitzen, ganz ordentlich mit Stäbchen essen (manchmal gibt es auch einige, die sich wohl ganz bewusst nicht anpassen und alles mit Messer und Gabel essen, was aber beim dem japanischen Klebreis gar nicht so einfach ist), die gängigsten japanischen, chinesischen oder (pseudo-)westlichen Gerichte verputzen und sich auf Englisch, Französisch oder manchmal auch Deutsch miteinander unterhalten.

Den voll in eine japanische Gruppe integrierten Ausländer sieht man recht selten. Natürlich gibt es manchmal gemischte Gruppen, aber das ist eher selten und oft wirkt es dann sehr steif und wenig herzlich und vertraut. Heute z.B. habe ich zwei Ausländer mit etwa sechs Japanern am Nebentisch sitzen sehen. Die beiden erzählten sehr, sehr viel, zwei der Japaner machten ab und an eine Bemerkung dazu, der Rest blieb stumm (unterhielt sich, wohl aus Höflichkeit, auch nicht untereinander), lachte höchstens mal etwas dezent, wenn die Gaijins mal was Lustiges erzählten.

Irgendwie hat das ewtas Beruhigendes (vielleicht achte ich auch deshalb nur so darauf), dass es offensichtlich den meisten Ausländern hier nicht besser ergeht, als mir, was den persönlichen Kontakt mit den japanischen Kollegen angeht. Im Gegenteil, was Matsuura-san angeht, ist der Kontakt ja schon recht eng und auch über das reine Arbeitsverhältnis hinausgehend und wäre sicher noch enger, wenn die Kommunikation einfacher wäre...

Warum das alles so ist? Ich weiss nicht, das Naheliegendste ist wohl einfach die Sprach- und Kulturbarriere und daraus folgend die Unsicherheit der Japaner und natürlich auch die schlechte Anpassung der Ausländer an Japan, was es den Gastgebern nicht einfacher macht, ihre Hemmungen zu überwinden. Und dann kommt noch hinzu, dass obwohl Wissenschaft eigentlich eines der internationalsten Geschäfte überhaupt ist, viele der selbst etwas älteren japanischen Forscher einfach keine Erfahrung mit dem Ausland und Ausländern haben und extrem schlecht Englisch sprechen. Das wundert aber auch nicht. Zum einen gibt es einfach nicht viele Ausländer, dann vermeiden es die meisten der jüngeren, ins Ausland zu fahren und wenn sie dann mal doch auf eine Konferenz müssen, kommen sie aus den Koneferenzräumen kaum mal raus und wenn, dann nur als Gruppe; und Leute einfach ansprechen und diskutieren ist auch nicht so ihr Ding. Blieben nur private Kontakte. Aber woher sollen die kommen? Die meisten verbringen fast den ganzen Tag und den Abend oft bis in die Nacht bei der Arbeit, kommen auch oft am Wochenende her und Urlaub nehmen sie fast keinen, jedenfalls keinen im Ausland, sondern nur mal einen Kurzurlaub im Sommer irgendwo in Japan, oft bei der Familie.

Dabei sind sie ja durchaus neugierig. Wenn mal eine Unterhaltung aufkommt, wird ja gleich richtig nachgehakt, wie denn dieses und jenes anders als in Japan ist. Manchmal allerdings auch nur die Fragen, die ich inzwischen einfach nicht mehr hören kann,wie z.B. "Do you like japanese food?", wozu ich eigentlich nichts Ernsthaftes mehr sage (vielleicht sollte ich sagen, "Yes, katsu kare"...), denn das ist zu albern, wenn auch aus japanischer Sicht verständlich; die meisten denken ja offensichtlich wirklich, Ausländer mögen kein japanisches Essen...

Als wirklich schlimm empfinde ich inzwischen, dass es tatsächlich nach 2 Jahren einige Kollegen gibt, die noch nie ein Wort zu mir gesagt haben, noch nichtmal einen Gruss. Da gibt es Leute, die sehe ich jeden Tag und sie zeigen keinerlei Reaktion, weder in Worten noch Gesten, kein Anzeichen dafür, dass man von ihnen jemals wahrgenommen wird. Und das nicht nur bei den ganz jungen, sondern auch bei einigen Älteren oder auch einigen Verwaltungsleuten. Woran das liegt, weiss ich auch nicht. Das Grüßen ist sicher grundsätzlich keine wirklich lockere Sache in Japan, auch unter Japanern nicht und soweit ich weiss gilt es z.B. als höflicher, jemanden nicht zu grüßen, als ihn aus Versehen zweimal am Tag zu grüßen, aber nach fast 2 Jahren hätte es da bestimmt mal die ein oder andere Gelegenheit gegeben, wo man sich sich hätte sicher sein können, mich an dem Tag zum ersten Mal gesehen zu haben... Ansonsten kann eigentlich nur eine totale Unsicherheit der Grund sein (versteht der wohl, was "konichiwa" heisst, spreche ich "hello" gut genug aus, was mache ich, wenn der mich dann anspricht und ich irgendwas sagen muss, usw.), denn ansonsten kann ich es mir nicht erklären. Aber wer weiss, vielleicht hab ich ja auch irgendwas Abstossendes an mir... Dumm ist nur, dass ich merke, wie ich inzwischen selber abstumpfe und auch nicht grüße, sondern auch nur noch stur an den Leuten vorbeischaue. Hoffentlich gewöhne ich mir das in Deutschland schnell wieder ab...

Hmm, bischen abgeschweift inzwischen... Auf was man alles so kommt, wenn man einen Ausländer in der Cafeteria "Kare Raisu" mit Stäbchen essen sieht ;)

02. August 06

Der Vorzeigeausländer

von Thomas

In Japan ist uns ja schon viel merkwürdiges, interessantes, lustiges oder sonstwie bemerkenswertes passiert, aber heute war vielleicht einer der Höhepunkte, zumindest für mich. Ein Fernsehinterview!

Wie das? Eigentlich eine ganz simple Geschichte: Das Projekt, bei dem ich beschäftigt bin, läuft in zwei Monaten aus, also zeitgleich mit meinem Vertragsende und wird dann nur noch ein halbes Jahr lang abgewickelt. Aus diesem Anlass wurde jetzt eine Reportage geplant und heute der erste Teil aufgenommen, morgen folgt dann Teil 2. Gezeigt werden soll der tägliche Arbeitsablauf im Projekt, die Forschungsthemen werden kurz vorgestellt und dazu gibt es ein paar Interviews. Tokura als Chef natürlich, einer der Theoretiker und eben ich, der Vorzeigeausländer... Denn natürlich  soll  auch gezeigt  werden, wie international man hier ist und da ich der einzig verbliebene (westliche)  Ausländer bin, musste ich halt ran. Das ich der einzige bin, der interviewet wird und was ich genau machen sollte, hab ich allerdings erst heute morgen erfahren, die genauen Vorabinfos sind mal wieder in der Sprachbarriere hängengeblieben.

Wie lief das Interview ab? Erst hat am Morgen die Dame vom Fernsehen mit mir das Interview besprochen, welche Fragen sie stellen wird und ich habe dann schonmal mögliche Antworten gegeben. Das war schonmal ganz nett und locker und ich wurde dadurch spaeter nicht ins kalte Wasser gestossen. Im laufe des Tages hat sich das Programm dann zwar immer wieder noch etwas geändert, aber das Wesentliche blieb gleich. Wer ich bin, woher ich komme, wann und warum ich nach Japan gekommen bin, was genau ich hier mache und noch eine Botschaft an den japanischen Wissenschaftsnachwuchs. Letzteres fand ich besonders gut, weil ich da etwas los werden konnte, was mir besonders am Herzen liegt: Die Aufforderung  an Japaner  mal ins Ausland zu gehen, nicht als Urlaub, sondern um dort zu leben. Denn die meisten Probleme, die man als Ausländer in Japan hat, liegen in der e mangelnden Erfahrung der Japaner und der damit verbundenen Unsicherheit bzw. Angst im Umgang mit Ausländern begründet. Jedenfalls so meine Erfahrung hier bei der Arbeit.

Das war also das Interview. Davor war ich dann noch als Schauspieler in eigener Sache gefragt. Ich sollte so tun, als führe ich ein Experiment durch. Hab also einen Laser angemacht, an ein paar Spiegeln gedreht, eine Probe "einjustiert" und eine "Messung" gestartet. Das ganze ungefähr zehnmal hintereinander, weil Kamera und Licht richtig eingestellt werden mussten und alles noch aus vier oder fünf Perspektiven aufgenommen wurde. Das alles mitzumachen und mitanzusehen, war schon ein Erlebnis. Vor allem wieviele Leute dabei waren: Der Regisseur, der Kameramann, die Interviewerin und dazu noch einige Helfer. Zwei Scheinwerfer wurden dann noch im Labor postiert und die Kamera thronte auf einem riesen Stativ. Mich wundert es eigentlich, dass trotz der Enge im Labor, nichts zu Bruch gegangen ist...

Mein Interview war der Abschluss des Tages, vorher wurden unteranderem noch zwei Besprechungen gefilmt, die dann doch etwas anders abliefen als sonst, wenn sie auch ansonsten natürlich schon echt waren, aber Ort und Ablauf waren schon etwas anders und ehrlich gesagt, eigentlich fast besser als sonst, da etwas weniger formal was die Distanz zwischen uns Forschern und den Professoren angeht. Na ja, das kommt halt besser rueber. Und da die Zielgruppe für die Reportage Schüler und Studenten sind, ist gerade das natürlich sehr wichtig. Gezeigt wird die fertige Reportage nämlich auf dem "Science Channel", der vom Wissenschaftministerium bzw. dem JST, also der leitenden Behörde für Forschung, betrieben wird. Dieser wird in verschiedene lokale Sendenetze eingespeist, bzw. man kann sich die einzelnen Sendungen auch im Internet herunterladen. Eine interessante Variante der Nachwuchsfoerderung. Aber in dieser Hinsicht kann man sich in Deutschland sowieso eine Scheibe von Japan abschneiden. Dazu sollte ich vielleicht nochmal etwas mehr bei anderer Gelegenheit schreiben.

Gesendet wird fertige Produkt wohl noch im August und die Mitwirkenden bekommen eine Kopie der Sendung auf DVD. Das ist natürlich toll, ein Video hätten wir uns nämlich in Deutschland gar nicht ansehen können.

Soweit zum Fernsehinterview als ganz neuer Erfahrung. Damit habe ich jetzt auch alle möglichen Medien durch. Bisher gab's mal was mit meinen Kollegen in Deutschland für die Berliner Zeitung und fuer's Deutschlandradio, als wir es geschafft hatten, Paper bei Nature zu veröffentlichen, sowie, hier in Japan, die Podcast-Geschichte, die Bilder für die Vegetarierzeitschrift und der Fragebogen von der japanischen Botschaft. Gar nicht so  schlecht, für so'n Prutscher wie mich ;)

27. Juli 06

Voll erwischt!

von Gunda

Seit ca. einem Monat hat auch mich eine spezielle Form der japanischen Tretmühle erfaßt:

Eine Kollegin mußte zurück nach Österreich. Ihre Schüler gehen auch bald nach Deutschland, bzw. Österreich und wollen vorher noch was lernen. Also arbeite ich doppelt. Mit meinen Privatschülern und der anderen Sprachenschule zusammen sind plötzlich täglich 10-12 Stunden Unterrichten keine Seltenheit mehr für mich. Dazu kommt die Fahrzeit zwischen den einzelnen Orten.

Vor kurzem hat meine Mutter noch gefragt: "Arbeitest du eigentlich auch noch was Richtiges?" Jetzt ist sie auf "Paß blos auf!" umgestiegen.

Samstag wird der Tag von erst 8, jetzt zum Glück nur noch 5 Stunden mit einer sehr unangenehmen Schülerin zerstört. Und Thomas hat kaum noch was von mir. Zum Glück sind meine Chefs und Kollegen sehr nett und haben immer ein offenes Ohr. Auch für Späße. Und das Ende ist auch schon abzusehen, weil die Intensivschüler alle nach und nach Japan verlassen werden. Bis dahin schmeißt Thomas den halben Haushalt.

Und dann kommen ja noch die O-Bon-Holidays und unsere Woche in Kyoto...

07. Juli 06

Langsam geht es dem Ende zu...

von Thomas

Ja, langsam wird es ernst. Gestern hat unser Projektleiter mich nochmal gefragt, ob ich wirklich Ende September gehen will und hat dann auf meine Bestätigung hin, den Startschuss für die Abreisevorbereitungen gegeben. Da ist noch eine Menge zu tun und wie schon bei unserer Ankunft, hilft man uns auch bei der Abreise von der Arbeit aus sehr viel. Das reicht dann von so Dingen wie Wohnungsaufloesung, Bankangelegenheiten bis hin zur Organisation des Ruecktransports unserer Sachen. Das ist halt die schöne Seite an der Arbeit hier, dass sich auch um vieles gekümmert wird, was über das reine Arbeitsverhältnis hinausgeht. Unsere Ankunft in Deutschland wird da wohl ganz anders ablaufen.

Keine 3 Monate mehr und immer noch soviel zu tun, soviel zu sehen und neu zu entdecken. Aber was soll man machen, einmal muss es eh ein Ende haben...

24. Juni 06

3 Tage in Tokyo

von Thomas

Modern Tokyo

An den letzten drei Tagen war ich jeweils in Tokyo, zweimal dienstlich, einmal privat. Am Donnerstag und Freitag gab's einen Workshop an der Todai, den unsere Gruppe organisiert hatte. Also musste jeder einmal ran und einen Vortrag halten. War ganz ok, wie das halt so ist. Als Gäste waren Leute vom MPI für Festkoerperforschung aus Stuttgart da, allerdings nicht alles Deutsche, sondern auch Russen. Das war natürlich mal ganz nett, um ein bischen auf Deutsch zu fachsimpeln.
Am zweiten Tag ging der Workshop nur bis mittags, das hab ich dann genutzt, um noch ein paar Bilder in Tokyo auf zunehmen, an der Todai und dann auf dem Weg zum Bahnhof in Ueno.

Tokyo perspectives

Ja und heute war ich dann schon wieder in Tokyo... Gunda war arbeiten und ich wollte nicht zu Hause hocken, also hab ich mir wieder meine Kamera geschnappt und bin auf Entdeckungsreise gegangen an Plätze, an denen ich zuvor noch nicht war. Angefangen in Toranomon, was in der Nähe von Roppongi ist. Da bin ich erstmal über einen Schrein "gestolpert", der mitten zwischen mehrere Hochhäuser eingepfercht war. Aber irgendwie haben die Architekten es geschafft, dass ganze harmonisch zu verbinden und eine Brücke zwischen alt und neu zu schaffen.

For the dead children

Weiter gings dann durch die Straßen der Umgebung an kleinen und großen Tempeln vorbei und noch zu einem Schrein, der wunderbar auf einem Hügel gelegen war. Irgendwas war da los, aber ich hab nicht ganz herausbekommen können, was genau das nun war :(

Jedenfalls war's bis dahin schonmal ein schöner Tag. Von Toranomon bin ich dann weiter nach Aoyama, in der Nähe von Omottesando.

She's looking at you...

Dort gabs ein traditionelles Tanzfestival.  Allerdings war ich zu früh und bin dann erstmal nach Omottesando gelaufen und von da mit der U-Bahn nach Harajuku gefahren, um mal ein paar Bilder von den Cosplayern (also den Teenagern, die sich wie ihre Lieblingsmanga und -anime Figuren verkleiden) zu machen. Außer Leuten in verrückten Kostümen, gabs da noch ein paar J-Pop Sternchen, die da ihre Sangeskuenste darboten. Irgendwann wurds dann ganz skurril, als eine der Cosplayerinnen ihre Geige rausholte und als Kontrastprogramm anfing klassische Musik zu spielen.

Is she the new star of j-pop?

Die meisten Touries blieben da natürlich erstmal verdutzt stehen. Man vergisst halt immer wieder, dass all die schräg und teilweise ziemlich krass kostümierten und geschminkten Leute, eigentlich ganz brav sind und unter der Woche wahrscheinlich ganz normal rumlaufen, zur Schule gehen oder studieren...

Es macht jedenfalls Spaß dort Photos zu machen, weil sie sich einfach wunderbar in Pose schwingen können. Ist halt teil des Spiel, sich fotografieren zu lassen. Übrigens auch untereinander, vor allem die jüngeren die älteren.

The party is over...

Nach gut einer Stunde in Harajuku ging's dann wieder zurück nach Aoyama. Dort war das Tanzfest inzwischen im vollen Gange. Im Prinzip konnte jeder mitmachen und einige hundert Leute machten das auch. Die meisten in Yukatas und mit Getas (eine Art japanischer Holz-Flipflops) an den Fuesse gings immer rund um ein zentrales Podest, auf dem die Musiker platziert waren. Leider konnte ich hier nur Photos machen, ein paar Videoaufnahmen wäre da besser gewesen...

Davon abgesehen bin ich mit dem photographieren im Moment vollauf zufrieden. Es macht richtig Spaß mit der neuen Kamera herumprobieren und Bilder zu machen. Ohne dauernd die sich laeppernden Entwicklungskosten im Hinterkopf zu haben, kann man recht hemmungslos drauflos knipsen und experimentieren.

On a Saturday afternoon in Tokyo

Und langsam nutze ich die Funktionen der Kamera auch bewusster und gezielter, wenn mir auch noch viele Fehler passieren. Am meisten Spaß macht es mir im Moment Bewegungen festzuhalten, quasi ein zufrieren oder zu "pannen", wie das im Englischen heißt. Erst hab ich es mit Fußgängern versucht, dann mit Radfahren und jetzt hab ich endlich auch mal ein paar gute Bilder von Motoradfahrern hin bekommen. Je schneller das Objekt, um so schwieriger fällt es mit. Meist ist dann alles verwischt, nicht nur der Hintergrund. Das Paar auf dem Motorrad hier, ist bisher der beste Versuch :)

Drama

Ansonsten konzentrieren ich mich im Moment darauf Personen abzulichten, denn da haben wir noch viel Nachholbedarf. Tempel, Schreine, usw. haben wir inzwischen zu hundertern aufgenommen, aber der Japaner an sich ist noch etwas unterrepraesentiert. Aber auch das wird noch werden...

Der Tag heute war jedenfalls mit über 300 Bildern ziemlich erfolgreich... Einiges mehr davon als hier in dem Beitrag zu finden ist, gibt es uebrigens in unserem Photalbum zu sehen ;)

16. Juni 06

So was...

von Thomas

...gibt's vielleicht auch nur in Japan: Als ich gestern Morgen zum Bus ging, war ich etwas früh dran und setzte mich dann schon mal in den wartenden Bus. Kurz darauf hörte ich ein mich etwas irritierendes Geräusch, ein Knipsen, als wenn jemand mit einer Zange oder so was durchtrennt. Außer dem Fahrer und mir war aber niemand im Bus, also hab ich etwas genauer hingeschaut. Was ich da dann sehen konnte, lies nur einen Schluss zu, der Fahrer schnitt sich seine Fussnaegel! Und um noch eins drauf zusetzen, war er die abgeschnittenen Nägel aus dem Fenster... Gut, dass gerade kein Fahrradfahrer vorbei kam :)

Während das eher skurril ist, ist vorgestern dann etwas passiert, was mich doch erstmal ziemlich aufgeregt hat. Ich kam mit dem Bus zur Arbeit und bin dann durch den Haupteingang auf's AIST-Gelände gegangen. Ich war der letzte, der ausgestiegen war, vor mir ein knappes Dutzend Japaner. Am Eingangstor stehen wie immer die Wachmaenner, die vor jedem hereinkommenden Auto salutieren (bei Fußgängern machen sie das nur, wenn gerade kein Auto kommt, denn Autofahrer sind wichtiger, als Fußgänger. Oder so...) und ansonsten meist nur gelangweilt herumstehen. So auch an dem Morgen. Alle Leute vor mir wurden schön gegrüßt, ich auch. Doch dann fing der Wachmann (noch ein ziemlich junger) an zu stottern und versuchte noch irgendwas zu sagen. Nach ein paar Versuchen, kam ich dann dahinter, dass er meinen Dienstausweis sehen wollte!

Jetzt arbeite ich hier schon fast 2 Jahre und auf einmal will einer meinen Ausweis sehen. Das war nun noch nie passiert. Und vor allem, keiner der Japaner vor mir trug seinen Ausweis irgendwie sichtbar am Körper und wurde trotzdem nicht angehalten! Das fand ich ja nun schon sehr merkwürdig und schon auch ärgerlich, vor allem da das Gelände ja im Prinzip frei zugänglich ist, es gibt dort ein öffentliches Museum und Gäste können sich dort frei bewegen oder in dem Gästehaus wohnen, ohne das sie dafür einen speziellen Ausweis brauchen. Und auch Gunda hat noch nie Schwierigkeiten gehabt, wenn sie mal zum Mittagessen gekommen ist.

Aber irgendwie scheint sich was geaendert zu haben. Heute ist mir nämlich das gleiche passiert und, zu meiner Beruhigung, auch Japaner wurden gebeten, ihren Ausweis vorzuzeigen. Also doch keine Auslaenderschikane... Jetzt bin ich mal gespannt, ob das wirklich jetzt so üblich wird, oder ich nur zufällig zweimal an einen übereifrigen Wachmann geraten bin. Mal sehen...

09. Juni 06

Internationale Vergleiche

von Gunda

Nachem ich das jetzt schon zweinmal gehört habe, muß ich einfach was dazu schreiben:

Irgendwie scheinen Deutsche, die schon lange in Japan leben, dazu zu neigen, die zahnmedizinische Versorgung ihres Gastlandes zu idealisieren. Anders kann ich mir die Bemerkungen, in Deutschland seien Zahnärzte zum Fürchten und Zahnbehandlungen immer schmerzhaft, nicht vorstellen. Oder war das vielleicht noch so, als besagte Erzähler aus Deutschland weggegangen sind? Und jetzt erfahren sie hier die weltweit fortgeschrittene Technik als "toll japanisch sanft"? Ich habe hier jedenfalls letztes Jahr genau die umgekehrte Erfahrung gemacht...

Eigentlich ist mir total egal, was irgendwelche Leute über deutsche oder japanische Zahnärzte denken und dann auch noch verbreiten. Aber einem Schüler, der demnächst zwei Jahre in Deutschland leben soll, zu sagen, dort wäre ein Zahnarztbesuch total schmerzhaft, finde ich einfach ... um ehrlich zu sein ... total bescheuert. Der läßt sich glatt zwei Jahre lang das Gebiß wegfaulen, bevor er sich nem "deutschen Schlächter" anvertraut.

Vielen Dank für ein weiteres Kapitel im Sammelband "Mutmachen für Deutschlandaufenthalte"!

07. Juni 06

Kulturtraining für Anfänger

von Gunda

Da gibt man sich tagtäglich redliche Mühe, um Japanern ein anständiges Bild von Deutschland jenseits von Neuschwanstein und Sauerkraut zu vermitteln und dann das:

Eine meiner Schülerinnen berichtete mir heute, daß am Morgen im Fernsehen ein Kulturtraining aus Deutschland zu bewundern war.
Belehrt wurden Busfahrer aus Bonn, wo die japanische Fußballmannschaft im Moment untergebracht ist. Es werden wohl Anstürme von japanischen Fans erwartet, und darauf will man vorbereitet sein. Also müssen die Busfahrer wissen: Japaner entschuldigen sich andauernd; auch, wenn es nichts zu entschuldigen gibt. "Sumimasen!" sagen sie dann. (Was die erklärende Frau wohl nicht wußte: Das wird im Sinne von "Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie mir Ihre Aufmerksamkeit schenken?" benutzt und findet sonst auch noch eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten, die nichts mit einer Entschuldigung zu tun haben.)
Desweiteren ist es natürlich für so einen transportierenden Busfahrer auch ungemein wichtig, sich noch weiter in die Kultur seines Fahrgastes einfühlen zu können und z.B. zu wissen, was der so normalerweise ißt. Also wurde Sushi verteilt, was wohl geschmacklich wenig Begeisterung unter den Busfahrern auslöste. (Aber klar, Berliner Busfahrer essen ja auch z.B. Döner oder Pizza, Spaghetti ...)
Ach ja, und die Taxifahrer sollten in der Aufgeklärtheit ihren Kollegen auch um nichts nachstehen. Sie bekamen einige japanische Vokabeln zum Lernen auf und gesagt, sie sollten, wenn ein Japaner bei ihnen mitfahren will, aussteigen, um das Auto herumgehen, dem Fahrgast die Tür aufmachen, ihn einsteigen lassen und dann die Tür wieder zumachen, ums Auto herumgehen, selber einsteigen und losfahren. Weil, in Japan gehen ja die Türen für den Fahrgast hinten automatisch auf, da könnte der verunsichert sein, wenn sich in Deutschland da nichts regt. Interessant wäre jetzt, zu erfahren, wie viele in Bonn lebende Asiaten in Zukunft irritiert werden, wenn sie in ein Taxi steigen wollen...

Ja, was die Deutschen machen, das wollen sie dann auch gleich ganz gründlich machen. Besonders, wenn es um Völkerverständigung geht. Man will sich ja nicht nachsagen lassen, man sei nicht gastfreundlich...

Und dann bitte noch einmal nach Neuschwanstein und Sauerkraut essen, wie das die Deutschen immerzu machen.

16. Mai 06

Safety patrol

von Thomas

Heute hatte ich meine zweite und wohl auch letzte Sicherheitsbegehung, allerdings ohne den Big Boss, wie letztes Jahr beim ersten mal. Da ging die Sache doch gleich viel gemütlicher über die Bühne, hat allerdings auch länger gedauert. Eigentlich ist das total sinnlos, dass ich da mitgehe. Ich kann ja noch nicht mal die Checkliste lesen, und da mir auch sonst keiner so recht erklärt, auf was genau ich achten soll (weil's zu kompliziert ist, weil gerade keiner Lust hat, weil's eh egal ist, keine Ahnung warum...), trotte ich also einfach hinterher und schau, ob mir so irgendwas auffällt. War aber nix zum auffallen da und die beiden anderen mussten sich auch irgendwas an den Haaren herbeiziehen. Nicht das es hinterher heißt, ihr habt nicht gründlich genug geguckt, kann ja gar nicht sein, dass alles in Ordnung ist ;)

Interessant ist die Sache eigentlich nur, weil man mal wirklich durch alle Labore geht, und einem dadurch mal wieder so richtig bewusst wird, wie groß das Projekt hier eigentlich ist und wieviel Geld dahinter steckt, angesichts der ganzen Gerätschaften. Schon beeindruckend. Leider kann ich davon keine Bilder hier rein stellen :(

12. Mai 06

"Be prepared!"

von Gunda

Daß der alte Pfadfinderspruch westlicher Natur ist, merkt man gleich, wenn man in Japan ankommt. Da wird einem alles abgenommen. Arbeitsplatz, Material, Wohnung, Anmeldung, ... Wenn man für alles Hilfe will, kein Problem. Und jemanden, der halbwegs Englisch kann, bekommt man auch noch an die Seite gestellt. Beruflich nach Japan zu gehen ist also nicht so dramatisch. Und bei Japanern selber? Wenn man da hinfährt, wo sie auf Japaner eingestellt sind, bekommt man auch im Urlaub das volle Programm und auf Hawaii einen Organisator, der Japanisch spricht. (Und japanisches Fernsehen.)

Kein Wunder also, daß sich viele Japaner nicht groß Gedanken machen, wenn sie nach Deutschland müssen. ("Was kann da schon passieren? Ich geh ja dienstlich hin.") Anlaß dieses Artikels ist nämlich das bereits vierte Mal, daß sich ein Japaner ein paar Monate vor einem langen Deutschlandaufenthalt von mir dafür fit machen lassen will. Und dann kommen immer meine gleichen Fragen:

"Waren sie schonmal im Ausland?"
"Nein."
"Haben sie schonmal was über Deutschland gelesen?"
"Nein."
"Was wissen sie über Deutschland?"
"Heidelberger Schloß, Neuschwanstein, Wurst, Sauerkraut, Goethe, Bach... und, ach ja, die Fußball-WM."
"Wie gut können sie Englisch?"
"Schlecht, aber ich will ja Deutsch lernen."

Ich weiß, daß es auch andere gibt, aber die kommen nicht zu mir; die bereiten sich selber vor. Und die wissen vielleicht auch, daß man bei der Arbeit unter Umständen besser mit gutem Englisch als mit einer Mischung aus schlechtem Englisch und schlechtem Deutsch zurechtkommt.

Aber bei besagten anderen bekomme ich manchmal echt die Krise. Dann fängt wieder meine Zeit als Märchentante an, und ich erzähle Erwachsenen, was in Deutschland alles anders ist, daß man viel mehr alleine organisieren muß und daß man gezielt nach Hilfe fragen muß, wenn man welche braucht; daß nicht alle freundlich und interessiert an Ausländern sind und daß es auf der Straße gefährlicher ist. Sie sitzen da mit erstaunten Gesichtern, hören sich meine Geschichten an und glauben bestimmt nur einen Bruchteil davon, weil das alles für Sie so fremd und einfach unglaublich ist. Und dann bekomme ich solche Sachen zu hören, wie: "Mein Kollege meint, sie wollen mir nur Angst machen." Wenn DAS schon Angst auslöst, die puren Worte, was tut dann erst die Situation mit diesen naiven Menschen? - Und dann könnte ICH eigentlich diejenige sein, die Angst vor deren Sorglosigkeit und ihrem Kulturschock bekommt.

Mir läuft die Zeit weg, und meine Schüler verstehen nicht, warum sie früher hätten kommen sollen. Die Zeit reicht nicht, um alles zu erzählen und dazu noch Deutsch beizubringen. Und dann lasse ich sie mit einem unguten Gefühl ziehen...

Zum Schluß aber habe ich immer alles getan, was in meiner Macht steht. Und wenn mir keiner glaubt und die von mir empfohlenen Bücher (auf Japanisch!) nicht liest, dann kann ich auch nicht mehr tun. Und wenn jemand schnell wieder total verwirrt nach Japan zurückkommt, dann kann ich ihm nur das sagen, was ich allen anderen rate, die ins Ausland wollen:

Bereitet Euch vor! Und zwar nicht erst in letzter Minute!

11. Mai 06

Dienstreise

von Thomas

Heute war ich mal in Tokyo, nicht zum Spaß, sondern dienstlich! Naja, ist etwas übertrieben... Für die Arbeit brauchte ich ein altes Nikon-Objektiv, die guten alten, bei denen man noch alles per Hand einstellen kann. Gibt's für wenig Geld (ich hab jetzt gerade einmal 7000 Yen bezahlt) in vielen kleinen Photlaeden in Tokyo zu kaufen.

Da wir naechstes Wochenende sowieso nach Tokyo wollen, hatte ich angeboten, dass ich das Ding ja dann kaufen kann. Aber nein, die Blicke die ich da bekam waren doch zu enttäuscht. Wenn ich am Wochenende fahre, dann kann mir das Fahrgeld nicht zurückerstattet werden, ich sollte doch lieber unter der Woche fahren. Na gut, wenn's sein muss, fahr ich halt nach Tokyo :)

Leider war das Wetter ziemlich mistig. Einerseits Regen, andererseits recht warm. Ziemlich unangenehm. Aber wenigstens erfolgreich. Das Objektiv habe ich bekommen und nebenbei auch noch etwas in eigener Sache nach Kameras geschaut...

02. Mai 06

Alles neu macht der Mai!

von Gunda

Für diese tolle Nachricht mußte ich erstmal Arbeitsstellen sammeln. Aber jetzt habe ich endlich genug zu tun. Hinzugekommen sind:

- Zwei Privatschülerinnen (Eine davon ist mit einem Schweizer verheiratet.)Cimg3497_medium

- Die "European School", ein kleiner Container in Tsukuba, in dem europäische Sprachen Privatpersonen unterrichtet werden. Ich habe eine "Gruppe", die aus zwei Damen besteht. Mein Chef ist Franzose und sieht (abgesehen von der Haartracht) aus, wie Richard Depardieu. Ich hatte da vor über einem Jahr schonmal was abgelehnt; aber für die verbleibende Zeit ist es schon o.k.

- Die "Tsukuba International Academy" in Tsuchiura. Da bin ich heute angenommen worden. Wieder mal Deutschunterricht für Bosch. Das Gebäude ist in der Nähe vom Bahnhof, nur eine Station von uns entfernt, rechtsCimg3146_medium ein Convinience Store (gut für die Mittagspause), links ein kleiner Hafen mit Segelyachten und einem schicken Hotel. Drinnen ist es auch super. Alles sauber und neu, geschmackvoll eingerichtet und superbequeme Stühle. (Ob ich mir am Ende heimlich einen...?) Und inhaltlich sind sie auch sehr professionell. Mein Chef spricht sehr gut Englisch, man bekommt gesagt, was von einem erwartet wird, in welcher Zeit welcher Schüler welches Level erreichen soll und woraus dieses Level besteht. (Alles Dinge, die ich in der Vergangenheit noch nichtmal durch Fragen herausfinden konnte, obwohl sie selbstverständlich sind.)

Tja, jetzt kombiniere ich das alles fröhlich und hoffe, daß ich nicht durcheinanderkomme.

Nicht so, wie neulich, als ich mich total kaputt ins Bett gelegt hatte und plötzlich die eine neue Schülerin zu ihrer ersten Stunde vor der Tür stand. Ich habe ihr peinlicherweise im Schlafanzug die Tür geöffnet und mich dann schnell angezogen. - Sowas passiert einem nur einmal!  ;-)

26. April 06

Wieder einer weg...

von Thomas

Und wieder ist ein Mitglied meiner ERATO-Gruppe gegangen und das verbleibende Häuflein hat ihn gestern Abend zum Abschiedsessen begleitet. Zu siebt waren wir in einem ganz netten, typisch japanischen Restaurant (typisch meint jetzt nicht nur das Essen, sondern auch das Drumherum: Schuhe ausziehen am Eingang, die Tische in kleinen Nischen, die mit Tatami-Matten ausgelegt sind und man sitzt natürlich auf dem Boden). Für mich war's allerdings nicht so prickelnd, da sich alle zu 99% auf Japanisch unterhielten und ich zwar mitbekam, um was es jeweils ging, aber natürlich nicht auf Japanisch antworten konnte, die meisten der anderen aber wiederum keinen Smalltalk auf Englisch hinkriegen. Ach, und wenn mich dann nach mehr als 18 Monaten in Japan, noch jemand fragt, ob ich weiß was Yakitori ist oder ob ich die in Katakana geschriebene Speisekarten auch lesen kann, dann motiviert mich das auch nicht gerade, dazu viel zu sagen. Tja, irgendwie will das nicht so recht klappen, bei der Arbeit mit den Leuten mal so richtig ins Gespräch zu kommen (sieht man mal von Matsuura-san ab). Gunda ist da wesentlich erfolgreicher, aber ihre Leutchen sprechen ja auch in der Regel mindestens sehr gut Englisch oder eben Deutsch, reisen viel rum und sind einfach mal daran interessiert mit Ausländern zu sprechen und sich auszutauschen (wie eben auch Matsuura-san).

Aber das schweift jetzt vom Thema zu sehr ab... Viele Leute sind also nicht mehr übrig in der ERATO-Gruppe und Ende September ist dann endgültig schluss mit dem Projekt. Ich werde also zu denen gehören, die bis zum bitteren Ende (es ist wirklich bitter, denn das Projekt ist ja enorm erfolgreich) da sein werden. Wieviele dann noch übrig sein werden, weiß ich nicht. Wenn jemand geht, wird hier immer darauf geachtet, dass das niemand frühzeitig mitbekommt (was dann natürlich doch passiert...). Warum das so ist, weiß ich allerdings nicht, jedenfalls bekommt man solche Infos vorab immer nur unter der Versicherung, ja nichts jemanden anders davon zu erzählen.

Was ich auch nicht weiß, ist, wann es welche Art von Abschiedsfeier gibt. Als Roland und Lee gingen, gabs ein Mittagessen, wenn CERC-Leute gehen, scheint es eine Party im Büro zu geben. Das gleiche passiert, wenn CERC- oder ERATO-Leute kommen. Manchmal gibt es dann aber auch ein Abendessen in einem Restaurant inkl. Tokura (was es laut Roland dann gibt, wenn mehr als 3 Leute gehen...) und gestern gab es dann ein Abendessen in kleinem Kreis ohne Tokura, was ich bisher noch nicht erlebt hatte. Warum, weiß ich wie gesagt nicht. Letztens dachte ich, dass ich es verstanden hätte, nachdem Matsuura-sann es mir ausführlich erklärt hatte. Aber das ist eben das Risiko dabei: Da man bei seinen Antworten immer viel Interpretationsarbeit leisten muss, kann man nie 100% sicher sein, dass man wirklich verstanden hat, was er eigentlich  sagen wollte...

04. April 06

Hanami am AIST

von Thomas

Eben gab's mein wohl letztes echt japanisches Hanami. Einige Mitglieder unsere Arbeitsgruppe haben sich unter Kirschbäumen auf einer Plastikplane versammelt und gefuttert. Alle haben nicht dran teilgenommen, die Leute sind wohl zu fleißig, um mal eine Mittagspause zu machen, die länger dauert, als eine Nudelsuppe in der Mikrowelle warm zu machen :)

Schade eigentlich...

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31. März 06

Fahrrad-Domino

von Thomas

200603311512 Heute ist es mal wieder sehr windig und da purzeln die Fahrräder in dem Fahrradunterstand an dem Bürogebäude, in dem ich arbeite, wie die Dominosteine. Wie gesagt, windig ist es immer wieder mal und das dann Fahrräder umfallen, ist vielleicht auch nicht so die Topnachricht, um sie hier zu verkünden. Warum dann doch? Weil die sagt nämlich einiges über die Leute hier aus? Wie das? Nun, einige der Räder auf dem Bild sind nämlich nicht heute umgefallen, sondern schon vor Tagen, teilweise schon vor Wochen. Sowas interessiert hier eben ganz oft kein Schwein. Die Räder bleiben solange liegen, bis sie von jemanden mal zufällig benutzt werden. Und da es einige Räder hier gibt, die nur selten oder gar nicht mehr benutzt werden, liegen die da entsprechend lange rum.

Da zeigt sich eine Eigenschaft der Leute, die uns immer wieder auffällt: Was einen nicht persönlich betrifft, wird nach Möglichkeit so gut es eben geht ignoriert. Das ist manchmal ganz praktisch (wenn man sich z.B. in der S-Bahn übergeben muss und niemand anfängt zu schimpfen, sondern fast alle versuchen so zu tun, als ob nix passiert wäre), aber oft ist auch ärgerlich, wenn z.B. niemand mal auf die Idee kommt irgendwelchen Müll wegzuraeumen oder Dinge, die kaputt sind, man aber mal einfach so mit einem Handgriff wieder in Ordnung bringen könnte, dann auch wieder zu richten. Das bleibt dann liegen, sieht nicht schön aus, behindert einen eventuell oder stört sonst irgendwie. Genauso eben, wie die umgefallenen Fahrräder hier...

16. März 06

Kirschblüten - jetzt auch am AIST!

 

von Thomas

Der Frühling naht mit immer größeren Schritten. Heute Mittag haben wir die ersten Kirschblüten hier am AIST-Gelände entdeckt :)

09. März 06

Einfach nur hässlich...

von Thomas

200603091244 Irgendjemandem ist wohl aufgefallen, dass die Treppen an dem Gebäude hier auf dem AIST-Gelände, in dem unter anderem die Cafeteria und ein kleiner Supermarkt untergebracht sind, bei Nässe und vor allem auch bei Schnee sehr glatt sind. Also wurde ein Streifen auf jeder Treppe mit feinem Kies "beklebt". Ist eine simple und gleichzeitig effektive Idee. Jedoch ist dann jemand auf die glorreiche Idee gekommen, den Beginn dieser Streifen mit dunkelgrüner Farbe einzupinseln, was einfach nur hässlich ist.

Allerdings scheint dies nicht nur eine lokale Geschmacksverirrung hier  am AIST zu sein, sondern sich über ganz Tsukuba auszubreiten. Jedenfalls hat Gunda heute im Stadtzentrum noch weitere dieser grün gestrichenen Streifen gefunden. Da will man hier immer alles so toll und schön machen und dann so was...

03. März 06

Jetzt schneit's auch noch...

von Thomas

Erst fiel heute Nachmittag im Institut mit einem lauten Knall der Strom aus, was bei mir fast einen Herzstillstand verursachte, und jetzt schneit es auch noch...
Dabei wurde es in den letzten Tagen doch eigentlich immer wärmer. Zwar hat es ein paar mal geregnet in dieser Woche, aber heute Mittag war es warm und sonnig, man konnte fast ohne Jacke in die Cafeteria gehen. Und jetzt Schnee! Allerdings hatte Matsuura-san mir erst letztens erzählt, dass die Zeit jetzt, vor allem aber der Februar für plötzliche Wetterwechsel berüchtigt ist, in etwa wohl wie bei uns der April. Scheint  zu stimmen...

15. Februar 06

Abschiedsessen

von Thomas

Wenn jemand ERATO oder CERC verlässt, dann gibt es normalerweise ein Essen. Was genau, scheint irgendwie von der Anzahl der Personen abzuhängen, die weggehen. Soweit jedenfalls die Theorie von Roland, der glaubt, dass es ab drei Personen ein Abendessen gibt, und bei zweien "nur" ein Mittagessen. Ob's wirklich stimmt? Heute gab es jedenfalls ein Mittagessen, denn Lee und Roland verlassen ERATO in der naechsten Woche. Damit bin ich dann der letzte Europäer und der letzte Ausländer, der ständig in Tsukuba ist (es gibt noch jemanden aus Taiwan, der aber fast immer in Tokyo ist und bei CERC noch einen Russen, den ich aber auch nur selten sehe).

Wird nicht so einfach werden, werde die beiden sicher vermissen, waren sie doch meine Hauptunterhaltungspartner, abgesehen von Matsuura-san, mit dem ein Gespräch aber oft ein ziemlicher Kampf ist, trotz des Konversationskurses, den er jetzt macht. Vor allem Roland, mit dem man auch mal etwas über die Schattenseiten der Arbeit hier lästern konnte, wird mir schon fehlen. Na vielleicht werde ich zu seinem Angedenken jetzt jeden Mittwoch Katsukari essen, das einzige, was er in der hiesigen Cafeteria halbwegs akzeptabel fand ;)

Heute gabs dann viele Reden, Lee heute morgen und vor dem Essen, Roland ebenfalls vor dem Essen und natürlich eine Rede von Tokura-sensei und nach dem Essen dann nochmal Kawasaki-sensei. Viele nette Worte, das übliche halt. Und wie immer war die ganze Atmosphäre eher geschäftsmäßig und alles ging wieder recht zügig über die Bühne, aber an diese Art hab ich mich inzwischen gewöhnt, langes beisammensitzten scheint hier einfach nicht Usus zu sein.

Das Essen selbst war übrigens nett. Wir waren in einem Sushi-Restaurant in Tsukuba, etwas traditioneller, als die Lokale, in die Gunda und ich meist gehen. Am Eingang musste man gleich die Schuhe ausziehen und gegessen haben wir natürlich in einem Tatami-Zimmer. Sushi-Restaurant hörte sich für michja erstmal nicht so gut an, aber dank Matsuura-san bekam ich ein Spezialmenu bestehend aus Tempura, Katsudon und einer Schüssel Udon. Kurz, hinterher war ich pappsatt :)

Vor allem wars besser als beim letzten Abschiedsmittagessen. Damals gabs für mich extra vegetarisches Sushi (habe ich darüber nicht neulich erst gelästert...) mit Natto! Da hatte es damals aber jemand sehr gut mit mir gemeint, vor allem mit meiner schlanken Linie, für die das genau das Richtige war. Da lob ich mir doch das Essen heute!

09. Februar 06

Immer noch gesund?

von Thomas

Heute war es wieder soweit, ich musste zum offiziellen einmal jährlichen "health checkup" hier am AIST. Wie das im einzelnen abläuft, habe ich ja schon nach dem erstenmal beschrieben. Das Prozedere war auch diesmal genau dasselbe, nur das diesmal etwas zügiger ablief.

Ein landestypische Episode gibt es allerdings noch zu berichten. Als ich zum ersten Test musste, fragte mich die Schwester, ob ich japanisch könnte. Ich sagte dann "skoshi", was soviel wie "ein wenig" bedeutet. Darauf ein Lacher  von der Schwester und ein aufmunterndes "ganbatte kudasai" von ihrer Kollegin. Ja, da muss man schon Durchhaltevermögen beweisen, wenn man so einen Ausländer zu betreuen hat ;)

Ach ja, gewachsen bin ich, wie ich nach einem Blick in den alten Beitrag gesehen habe. Und zwar immerhin zwei Millimeter. Genau 189,1 Zentimeter bin ich nun groß. Wenn das mal soweiter geht...

26. Januar 06

Eisglätte

von Thomas

Der reichhaltige Schneefall vom letzten Wochenende zusammen mit dem Wechselspiel von Sonnenschein am Tage und Frost in der Nacht, sorgte hier an vielen Stellen für dicke Eisschichten auf Gehwegen (soweit es sie hier überhaupt gibt) und Straßen. Und irgendwie haben die Japaner hier in der Gegend kein rechtes Rezept dagegen. Manche haben ja schon am Sonntag, als es noch einfach war, den Schnee beiseite geräumt, die meisten haben aber schlicht gar nichts gemacht. Besonders originell war man aber bei uns am Institut.

Die kleine Zufahrtsstraße vor unserem Institutsgebäude, die sich am Ende zu einem kleinen Parkplatz erweitert, hatte sich auch in eine einzige Eisplatte verwandelt, wurde deswegen aber nicht gesperrt und dafür auf sehr spezielle Weise 'geräumt'. Und zwar mit Wasser! Mit insgesamt drei Wasserschläuchen versuchte man die Straße zu fluten und das Eis auf diese Weise wegzuspuelen. Der Erfolg war nicht so recht greifbar, denn zwar wurde die Eisschicht dünner im Laufe der folgenden Tage, aber sie blieb dennoch geschlossen. Kein Wunder wenn man immer wieder frisches Wasser nachgiest...

Ab und an hat zusätzlich noch ein Mann mit einem Stemmeisen und einer Schaufel dem Eis den Gar auszumachen, aber viel geholfen hat es nicht. Heute am Tag 4 der Bemühungen, zeigte diese endlich Wirkung. Nur noch die Strassenraender waren mit Eis bedeckt, der Parkplatz war quasi frei. Alles in Ordnung könnte man denken. Aber nein!

Ausgerechnet heute viel irgendjemanden dann ein, die Straße komplett zu sperren... Und um es noch besser zu machen, hat man dann heute Nachmittag, nachdem wirklich nur noch kleine Eisreste übrig waren, die ganze Straße großzügig mit Salz bestreut!

Das nenn ich doch einfach nur genial. Hier paart sich Ideenreichtum, mit Effizienz und Sinn für Umweltschutz ;)

13. Dezember 05

Bonenkai

von Thomas

Heute war Bonenkai, die typisch japanische Jahresabschlussfeier innerhalb einer Firma, Abteilung oder Arbeitsgruppe, an der alle Mitglieder und meist noch ein paar wichtige Leute, mit denen man beruflich zu tun hat, teilnehmen. So mancher Chef kommt so in den Genus eines wahren Bonenkai-Marathons, wobei die Anzahl der Bonenkais, an denen jemand teilnimmt, auch als Gradmesser für die Wichtigkeit dieser Person gilt. Ich bin also ziemlich unwichtig, komme ich doch gerade mal auf einen Bonenkai und der fand eben heute Abend statt...

Wie im letzten Jahr wurde ein französisch-chinesisches Edel-Restaurant für die Feier genommen und ähnlich merkwürdig wie das klingt, war das Essen dann auch wieder. Vor allem mein französischer Kollege Roland litt mal wieder Höllenqualen angesichts der dargereichten Erzeugnisse "französischer" Kochkunst :)

Aber auch als Nichtfranzose war ich nicht so begeistert von dem geschmacklichen Mix aus Ost und West. Vor allem aber war's mal wieder viel zu wenig. Hier in Japan habe ich noch kein Buffet erlebt, bei dem man sich mal so richtig satt essen konnte. Irgendeiner der Organisatoren ist da immer zu knauserig (und das bei dem Haufen Kohle, den man für die Teilnahme hinlegen muss...). Mehr Essen bei gleicher Qualität hätte man woanders locker für den halben Preis bekommen.

Ansonsten war die Party noch skurriler als die letzte. Eigentlich gehören zum Bonenkai viele Reden, Rückblicke auf das vergangene Jahr, eine Vorschau in das Neue, man spricht über berufliches und privates, Glückwünsche werden nachgereicht und Glück für Kommendes gewünscht. Im letzten Jahr war das auch noch ansatzweise so. Aber diesmal Fehlanzeige. Zwei kurze Eroffnungsreden am Anfang, die Profs kamen viel zu spät, Tokura-sensei erst eine halbe Stunde vor Schluss und sprach dann nur ganz kurz bevor dann Kawasaki-sensei mit seinem typisch japanischen "Kriegstanz" die Party schon nach sage und schreibe 2 Stunden beendete. Ok, länger hätte ich auch nicht stehen können, gab es doch keine rechte Sitzgelegenheit.

Dazwischen ein bischen Smalltalk unter Kollegen, der Kampf ums Essen am Buffet. Irgendwie nicht so ganz das, was ich mir immer unter einem echt japanischem Bonenkai vorgestellt habe und von anderen auch erzählt bekommen habe. Das es auch hier eigentlich anders gehen kann, zeigt eine von Rolands Erzählungen: Vor zwei Jahren fand das Bonenkai in einem noblen Onsen am Mt. Tsukuba statt und zog sich über den ganzen Abend hin... Na ja, Pech gehabt :(

07. November 05

Hilfe, ein Erdbeben!

von Thomas

200511071336Genau um 13:30 Uhr ist es passiert! Ein Erdbeben der Stärke 6! Sofort erschallte eine Lautsprecherdurchsage, die Mitarbeiter setzten ihre Notfallhelme auf und stürzten aus dem Gebäude... Sammelpunkt für Notfälle ist ein Sportplatz ganz in der Nähe unseres Gebäudes. Die Notfallteams hatten in Windeseile einige Zelte aufgebaut, die Feuerwehr war auch schon da und eine Team von NHK filmte das Geschehen...200511071337

Nein, keine Angst... Natürlich ist nix passiert ;) Das ganze war nur eine Katastrophenuebung. Wir sind auch nicht aus dem Gebäude geeilt, sondern gemütlich zum Sportplatz geschlendert. Dort versammelten sich alle nach Gebäuden sortiert und wurden von den Sekretärinnen gezählt.200511071339 Und als dann einige Leute eine große blaue Plane ausbreiteten und sich einige dort drauf setzten, erinnerte alles endgültig eher an ein Hanami-Picknick, als an eine Katastrophenuebung.200511071359 Insgesamt standen wir etwa eine Stunde bei strahlendem Sonnenschein dort rum, bis dann eine paar Reden geschwungen wurden, die jeweils mit großem Applaus bedacht wurden. Dann war alles vorbei und wir sind wieder zurück an die Arbeit gegangen. Irgendwo stand noch ein mobiler Erdbebensimulator herum, aber das hatte ich mir jetzt geschenkt, dass mach ich noch mal mit Gunda zusammen in Tokyo...

Wieder zu Hause

von Thomas

200511071000Nun bin ich wieder zurück aus Amerika, gestern Abend bin ich wieder heil in Narita gelandet (zum Glück, denn ich sah mich schon einen Tag später heimkommen, da mein Flieger überbucht war und ich erst im letzten Moment einen Sitzplatz bekommen habe...). Wenn man so für eine Zeit weg war und dann wieder hierherkommt, dann merkt man erst, wie sehr man sich doch schon hier eingelebt hat und wirklich hier inzwischen zu Hause ist. Alles ist einem sehr vertraut und man hat vieles doch schon lieb gewonnen und hat es prompt vermisst. Und wie schon in dem kurzen Zwischenbericht angedeutet, Amerika ist doch so ziemlich in jeder Beziehung das Gegenteil von Japan (wenn man auch deutlich merkt, wo vieles am modernen Japan seinen Ursprung hat).

Etwas mehr über meine (sehr subjektiven) Gedanken über die Unterscheide zwischen beiden Ländern, schreib ich demnächst mal, wenn ich etwas mehr Zeit habe. Hier jetzt nur der Rest des Erlebnisberichtes:

Nach dem Ende der Konferenz hatte ich noch einen Tag Urlaub und den hab ich dann genutzt, um einmal nach San Francisco zu fahren. Und es hat sich wirklich gelohnt, nach dem zwar schön ordentlichen, aber seelenlosen San Jose, war San Francisco doch eine richtig interessante Stadt, mit viel eigenem Charakter (soweit man das nach einem Tag sagen kann). Auf der einen Seite Downtown mit den typischen Wolkenkratzern und tiefen Strassenschluchten und dann aber auch sehr viele alte Haeuser, mit schönen Fassaden, manchmal eine alte Kirche mittendrin, viele Parks, die alten Cablecars (tolles Gefühl, wenn man da so auf dem Trittbrett stehend durch die Gegend fährt und die Autos einem so knapp am Po vorbeifahren) und natürlich diese Hügel, mit den den Gesetzen der Schwerkraft trotzenden geparkten Autos... Auf einem der hoechten Hügel der Stadt steht ein Aussichtsturm, der Coit Tower, und von dem hat man eine wunderbare Aussicht über die ganze Stadt: Die Bucht, mit der Insel Alcatraz, zum Pazifik hin die Golden Gate Bridge und die Bay Bridge, die quer ueber die Bucht rueber nach Oakland führt. Und zur Stadt hin der Blick auf die Hochhäuser und das Schachbrettmuster der endlosen Straßenzüge.

Chinatown habe ich mir natürlich (man kommt einfach von Asien nicht los...) angeschaut. Es ist großer als das in Yokohama, aber vielleicht nicht ganz so urig, was vielleicht an der etwas breiteren Straßen liegt, aber irgendwie hat man das Gefühl, dass es mehr ein echter, gewachsener Teil der Stadt, obwohl ich gar nicht genau sagen kann warum eigentlich. Zum Schluss war ich dann noch im Shoppingbezirk unterwegs, hab aber letztlich doch nix gekauft, obwohl ich erst dachte, ich könnte vielleicht ein paar Sachen kaufen, da es hier ja, vor allem bei Schuhen, nicht immer so einfach ist, was in meiner Größe zu finden. Aber letztlich hatte ich dann doch keine rechte Lust.

Die Rückfahrt nach San Jose war dann noch einmal recht spannend. Da ich immer schon mal in Amerika mit dem Zug fahren wollte (warum, weiß ich jetzt auch nicht...), bin ich mit dem lokalen Pendelzug zwischen San Jose und San Francisco gefahren. Auf der Hinfahrt ging auch alles glatt, aber auf der Rückfahrt bleib der Zug nach 10 Minuten erstmal liegen und stand dann weit über eine Stunden einfach rum, bevor es weiterging. Was los war, hab ich nicht so ganz kapiert. Jedenfalls bin ich dann mit gut zwei Stunden Verspätung kurz vor 12 in San Jose gewesen und mit dem letzten Bus zum Hotel gefahren. Ich hab mich schon den Flieger verpassen sehen. Na ja, so konnte ich noch ein paar Stunden schlafen. Um schon mal einen kleinen Japan-Amerika Vergleich zu ziehen, kurz was zu den Zuegen. Zuege in Japan sehen entweder elegant, futuristisch aus, wie die Shinkansens, oder sie sehen in etwa wie unseren deutschen Regional- und S-Bahnen aus, also schlicht und schnörkellos. Die Zuege in Amerika wirkten dagegen wie ein amerikanischer Truck gegenüber einem deutschen LKW, unnötig groß und kraftstrotzend. Durchweg doppelstoeckig und dabei etwas über 50% höher als unsere Zuege, außen und innen ungestrichen und somit silber-metallisch glaenzend und die Loks kantig und wuchtig wie man es sonst nur bei Gueterzuegen kennt. Kurz, man nehmen das Gegenteil von einem eleganten, leicht dahingleitenden Shinkansen und man hat einen dieser Ami-Zuege, die ich da gesehen hatte.

Soweit erstmal... Jetzt bin ich wieder halt wieder zu Hause, die Ginkos sind inzwischen, wei man auf dem Bild oben sieht, jetzt schonganz gelb. Es wird Zeit, einen Ausflug in den Wald zu planen, um sich die herbstliche Laubfaerbung in voller Schoenheit anzuschauen :)

03. November 05

Zwischenbericht

von Thomas

Jetzt ist die Konferenz schon fast um, ein Tag nur noch. War aber eine lohnende Sache, mein eigener Vortrag war auch gut und ansonsten gab es noch einiges Interessantes. Auffällig ist, wie sich die Zusammensetzung der Teilnehmer gegenüber der MMM in Seattle vor 4 Jahren verändert hat. Inzwischen stammen gut 30% der Teilnehmer (vielleicht sogar mehr) aus Asien bzw. aus China. Damals waren es vielleicht 10%... Und es gibt viel mehr Frauen. Zwar sind sie immer noch klar unterrepraesentiert, aber in der jungen Generation der Doktoranden und Postdocs sind sie längst keine Exoten mehr, sondern eine recht große Gruppe. Und während die wenigen Physikerinnen der älteren Generation vielfach noch den gängigen Klischees der weltfremden, unansehnlichen Wissenschaftlerin entsprachen, so hat sich auch das Bild total geändert. Bemerkenswert ist hier vielleicht auch noch, dass auch bei den Frauen überdurchschnittlich viele aus  China stammen. Dort  ist man in dieser Beziehung anscheinend  weiter, als im Westen. Wie auch immer, es ist auf jeden Fall ein Trend, der zu begrüßen ist.

Und San Jose als solches? Eine öde, seelenlose Stadt. Aber offensichtlich sehr wohlhabend. Alles ist neu und gepflegt, aber eben auch gesichtslos. Wir sind hier hauptsächlich in Downtown und da ist einfach nix los... Kaum Geschäfte, wenig Lokale, kein Flair, nix... Kein Vergleich zu Seattle. Übermorgen fahre ich dann noch nach San Francisco. Mal sehen wie das ist. Gehört habe ich bisher nur Positives.

Und die Amis? Da kann fröhlich den Klischees frönen. Selten habe ich so viele fette (dick kann man da wirklich nicht mehr sagen) Menschen auf einen Haufen gesehen... Und hauptsächlich sind es junge Mädchen und Frauen, die riesige Fettmassen mit sich herumschleppen. Leute, die geschätzte 150 Kilo und mehr auf die Waage bringen, sieht man hier täglich dutzendweise. Dabei fällt auf, dass es kaum ein Mittelding gibt, entweder sind die Leute sportlich, schlank, oder sie platzen förmlich aus allen Nähten...

Ansonsten ist es natürlich ein ziemlicher Mentalitaetsschock, den man hier erlebt, wenn man seit einem Jahr nur Japan gewöhnt ist. Ständig wird man irgendwo angequatscht, alles ist lauter, die Leute viel direkter in ihrem Verhalten untereinander und einem selbst gegenüber.

Alles in allem, viele neue Erfahrungen und eine interessante Zeit. Mal sehen, was noch kommt...

28. Oktober 05

Do you know the way to San Jose...

von Thomas

Der Vortrag ist endlich fertig, sonst alles erledigt, morgen geht es ab in die USA, genauer gesagt nach San Jose. Dort findet die MMM-Konferenz statt, auf der ich Montag einen kurzen Vortrag halten muss. Hoffentlich geht alles gut, Sonntag in acht Tagen bin ich wieder da...

12. Oktober 05

Welcome & farewell party

von Thomas

Nachdem das zweite Jahr nun begonnen hat, fangen natürlich auch die ersten Dinge an sich zu wiederholen. Vor etwa einem Jahr gab's für mich und ein paar Kollegen, drei oder vier waren es glaube ich, eine Willkommensparty. Heute war es wieder soweit, allerdings konnte nur ein neues Mitglied begrüßt werden, während zwei die Gruppe verlassen und einer innerhalb der Gruppe wechselt (ERATO nach CERC). Ein paar Hochzeiten gab es noch zu verkünden, drei genauer gesagt. Von einer hatte ich vorher gewusst, eine zweite konnte ich mir denken, die dritte überraschte mich gänzlich. Eine Hochzeit fand innerhalb der Gruppe statt, ein ERATO-Forscher heiratete eine CERC-Assistentin. Das ist auf zwei Arten typisch: Zum einen wird alles, was weiblich hier ist, früher oder später von einem der Wissenschaftler geheiratet (es denn, die Dame ist schon verheiratet, oder sie ist ein so genannter 'Christmas cake', eine wenig schmeichelhafte japanische Bezeichnung für eine Frau, die mit 30 noch keinen Mann gefunden hat und damit als zu alt gilt, um noch das Interesse der männlichen Japaner zu erregen), zum anderen hat man es ihnen nicht angemerkt. Liebesbeziehungen werden halt nicht nach außen hin sichtbar geführt, schon gar nicht bei der Arbeit. Die Kollegen, mit denen man enger zusammenarbeitet, werden es wohl gewusst haben, aber an uns Ausländern geht so was in jedem Fall vorbei, so was erzählt uns keiner (umso mehr Aufmerksamkeit erregt Gunda hier natürlich, die mich schon mal zum Essen abholt oder sonst wie vorbeischaut).

Was gibt's über die Party noch zusagen? Vor einem Jahr war mehr los, damals waren mehr Profs da, diesmal hält Tokura-sensei allein die Stellung (damals hatte Kawasaki-sensei noch die Party mit einer Art japanischen Kriegstanz und viel Geschrei beendet...). Das Essen war damals auch irgendwie besser und selbst wenn mich meine Erinnerung täuschen sollte, wofür ich heute 3000 Yen bezahlt habe, weiß ich nicht so recht, besonders da man hier überall schon für 1000 Yen ein prima Essen bekommt...

07. Oktober 05

Happy Birthday JST

von Thomas

Heute jährt sich der Geburtstag des JST, meines Arbeitgebers, zum zweiten Mal. Und zur Feier des Tages haben alle seine Angestellten heute einen freien Tag :)

Da das AIST, das Institut, an dem ich arbeite, aber nicht dem JST untergeordnet ist, sondern nur unsere ERATO-Gruppe, müssen alle anderen heute arbeiten, nur ERATOSs haben frei...

05. Oktober 05

Schirmchen wechsel dich

von Thomas

In Japan wird nichts gestohlen!

... na ja, fast nichts... Schirme zum Beispiel wechseln immer wieder ihren Besitzer, wie wir schon einige Male feststellen mussten (s. z.B. hier und hier). Heute ist es wieder mal passiert. Ich hatte meinen Schirm unten im Foyer in den Schirmständer gestellt und als wir dann zum Mittagessen gehen wollten, war er natürlich weg... Ok, nehme ich also irgendeinen anderen, der so ähnlich aussieht. War aber schon ein etwas älteres und angegammeltes Exemplar. Ein schlechter Tausch. Warum also sich nicht der Landessitte anpassen und dieses Exemplar gegen ein besseres "tauschen"...

Gesagt getan, nach dem Essen habe ich mir dann einen anderen Schirm genommen. Allerdings war das Ding auch nicht so toll, nicht mehr neu und relativ klein... Aber immer noch besser, als der andere, dachte ich mir jedenfalls.

Aber wie auch immer, als ich zurück kam, stand mein eigener Schirm wieder im Schirmständer im Foyer. Ok, ich also hin und flux die Schirme wieder ausgetauscht :)

Bilanz: Ich habe meinen neuen Schirm wieder und zwei andere Leute haben ihren alten Schirme ausgetauscht... Letztlich hat niemand was verloren...

Oder war das jetzt moralisch nicht ganz einwandfrei...?

28. September 05

Wider der Stromverschwendung

von Thomas

Vor etwas mehr als einem Monat hat das AIST sein Herz für die Umwelt entdeckt und seine Mitarbeiter zum stromsparen verdonnert (s. hier). Seitdem gibt es zweimal täglich Durchsagen, die zum Abschalten von Licht im Büro auffordern, wenn man es verlässt, Poster an Türen, die einen ermahnen, das Licht und unbenutzte Computer zu abzuschalten, es gibt in jeder Gruppe Oekobeauftragte, die die Erfolge schriftlich festhalten sollen, es gab eine Rundmail, dass derjenige, der Abends als letzter das Büro verlässt, Licht und Klimaanlage abschalten soll und seit neuestem, werden große Teile der Stromversorgung an Wochenenden und Feiertagen abgeschaltet und auf eine Art Notbetrieb umgestellt, denn offiziell arbeitet dann ja niemand (wenn die wüssten...).

Diese Erziehungsmassnahmen zeigen auch erste Wirkungen: In den Laboren wird das Licht jetzt immer ausgemacht, in der Mittagspause wird im Büro ebenfalls das Licht ausgemacht (wenn man allerdings die Jalousien etwas öffnen würde, bräuchte man es tagsüber erst gar nicht anmachen...) usw. usw.

Alle direkten Hinweise werden treu und brav befolgt. Das Netzteil vom tagelang nicht benutzten Laser? Davon war in der Durchsage nicht die Rede, warum es also abschalten? Pumpen? Hat jemand was davon gesagt, man soll Pumpen abschalten? Noe...

Das ist eben das Problem, die Leute haben nicht wirklich plötzlich die Einsicht gewonnen, dass es sinnvoll ist, Energie zu sparen, sondern man macht nur auf Punkt und Komma genau, was einem gesagt wird. Was darueber hinaus gehen würde, wird nicht gemacht. Also werden Lampen ständig an und aus gemacht (die Hersteller wird es freuen) und die die großen Energiefresser laufen sinnlos weiter. Natürlich wird man am ende stolz sagen können, dass man zig Kilowattstunden an Strom gespart hat, aber das eigentliche Potential an Sparmaßnahmen wird gar nicht ausgeschöpft, aber das würde eben auch viel Initiative jedes einzelnen Mitarbeiters erfordern....

21. September 05

Rückschau auf ein Jahr Japan I: Arbeit

von Thomas

Fast genau ein Jahr sind wir nun in Japan, am 1. Oktober 2004 sind wir hier angekommen und es ging auch gleich mit einem Paukenschlag los (s. Ankommen). Inzwischen hat sich natürlich noch viel, viel mehr ereignet, einiges davon kann man hier in diesem Tagebuch nachlesen. Vielleicht ist es aber auch mal gut, etwas Rückschau zu halten und eine Zwischenbilanz zu ziehen, nachdem nun die Hälfte unserer Zeit in Japan abgelaufen ist.

Warum sind wir eigentlich hier? Der Grund war meine Arbeit und daher hier auch zunächst einige Gedanken dazu. Ein Auslandsaufenthalt ist eine sehr sinnvolle und eigentlich auch notwendige Sache für einen Wissenschaftler und die Idee nach Japan zu gehen lag nahe, da wir sowohl beruflich als auch privat viele Beziehung dorthin hatten. Ich bekam dann auch sehr schnell ein konkretes Angebot und da Tokura einer der erfolgreichsten, vielleicht sogar der erfolgreichste unter Japans Physikern ist, gab es da auch kein langes Zögern, sein Angebot anzunehmen. Solche Chancen bekommt man nur äußerst selten geboten.

Zunächst hatten wir die Idee, dass ein Jahr vielleicht genug wäre, aber das dem nicht so ist, haben wir dann ganz schnell gemerkt. Jetzt ist ein Jahr um und die ersten brauchbaren Ergebnisse sind nun da, die ersten Paper werden geschrieben, einige Ergebnisse werde ich Anfang November auf der MMM in San Jose präsentieren. Würden wir tatsächlich naechste Woche wieder nach Deutschland gehen, würde ich hier nur Stückwerk hinterlassen. Zu lange hat es gebraucht, bis sich aus verschiedenen Ansätzen heraus, ein brauchbares Materialsystem gefunden hat, bei dem ich sinnvolle Ergebnisse produzieren kann. Jetzt hab ich die Schublade voll mit weiteren Proben, die alle noch vermessen werden wollen. Kurz, auch im zweiten Jahr wird keine Langeweile aufkommen.

Danach ist es dann aber doch genug. So gut das hier alles ist, die Gruppe ist sehr groß und technisch erstklassig ausgestattet, man kann hier alles machen, seine Proben, seinen es klassische CMR-Materialien oder organische Halbleiter, selber herstellen, charakterisieren auf jede erdenkliche Art und Weise und wenn die Resultate da sind, gibt es Theoretiker, die nach Erklärungen suchen. Alles ist da, Geräte und Personen und natürlich reichlich Geld, was man braucht, um erfolgreich Arbeiten zu können. Entsprechend hoch ist der Output der Gruppe an Papern, ein beträchtlicher Teil davon bei Nature, Science und PRL.

Von daher kann man sich absolut nicht beklagen, die Voraussetzungen für erfolgreiche Forschung sind in jeder Hinsicht gegeben. Aber das ist eben nicht alles. Forschen läuft in Japan ganz anders ab, als in Deutschland, das Miteinander, das Diskutieren, das Arbeiten, all das ist anders und auf Dauer einfach zu fremd, als das man es über Jahre durchhalten würde, ohne sich zu verbiegen. Und so wundert es nicht, dass entweder alle ausländischen Kollegen entweder allerspaetestens nach zwei bis drei Jahren wieder gehen oder sich in eine Art innere Emigration begeben und nach außen hin zynisch werden. Letzteres will ich nicht und daher werde ich gehen, solange es mir noch Spaß macht.

Warum das so ist? Es liegt wohl hauptsächlich in der unterschiedlichen Mentalität und der Sprachbarriere begründet. Alle Ausländer hier sind mehr oder weniger isoliert, bleiben meist unter sich. Es gibt wenig, bis gar keine Kontakte außerhalb der Arbeit und auch bei der Arbeit sind alle Gespräche fast immer auf diese beschränkt. Würde man fließend Japanisch sprechen, wäre das wohl anders, aber bis es soweit ist, ist es schon zu spät und man ist schon wieder zu Hause. Man müsste also die Sprache schon beherrschen, wenn man hier ankommt, aber wer kann das schon? Dazu müsste man so einen Aufenthalt schon Jahre vorher planen und das geht eigentlich nicht.

Schon der Anfang des Aufenthalts gibt das Weitere vor, wie ich jetzt mehrmals beobachten konnte. Die Sekretärin und der Verwaltungsassistent kümmern sich hervorragend um einen, helfen einem bei allen Problemen, sei es Wohnung, sei es Bank, seien es Behoerdengaenge. Bei allem wird einem geholfen. Da kann man sich in Deutschland mal eine Scheibe von abschneiden. Und das bleibt dann auch so, setzt sich bis heute fort. Ohne die beiden, wäre unser Leben hier um einiges schwieriger. Von den Kollegen wird man ins Labor eingeführt, es wird einem alles erklärt und auch daran ändert sich später nichts. Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß, wenn man um etwas bittet, Hilfe braucht, bekommt man nie eine abweisende Antwort.

Aber das ist es dann auch schon. Ansonsten wird man allein gelassen. Mittags und Abends verschwinden die Leute, ohne einen mal zu fragen, ob man nicht mal mit zum Essen kommen möchte. Wenn man es umgekehrt versucht, wie mein koreanischer Kollege Lee es mit Engelsgeduld immer wieder getan hat, hat man auch keinen Erfolg. Ansonsten kommt man auch kaum ins Gespräch, die Sprachbarriere ist zu groß und so sind die Ausländer schnell isoliert und viele eben frustriert und wollen wieder weg. Einzig Matsuura-san, unser Verwaltungsassistent ist da eine Ausnahme, er begleitet mich und Lee oft zum Mittagessen und auch außerhalb der Arbeit entwickelt sich immer mehr Kontakt. Das ist sehr angenehm, andererseits fragt man sich, warum er der Einzige ist, der sich so verhält? Am Anfang hatte ich da noch etwas mehr Hoffnung, da war die Einladung, beim internen Baseball-Wettstreit mitzumachen und zu Weihnachten wurden wir auf eine Party eingeladen, aber mehr kam da nicht nach. Auch nachdem wir umgekehrt zu unserer Geburtstagsparty eingeladen hatten, hat sich im Umgang miteinander nicht viel geaendert.

Ein anderes Problem ist die streng hierarchische Struktur der Gruppe. Alles Entscheidungen laufen letztlich über Tokura, selbst die Profs und Gruppenleiter zeigen keine echte Eigenständigkeit und Initiative. Wenn mal was ohne