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06. September 06

"Uns ist heute (endlich) ein Sohn geboren"...

von Thomas

...wird vielleicht mancher kaisertreue Japaner gedacht haben, als heute morgen verkündet wurde, dass nach 41 Jahren in der kaiserlichen Familie Japans wieder ein Junge geboren wurde, der langersehnte männliche Thronfolger.

Nun werden also erstmal alle Debatten über eine Gesetzesänderung, die ja quasi schon beschlossen war und nur gestoppt wurde, nachdem verlautbart worden war das Prinzessin Kiko, die Frau des jüngeren Sohnes des Kaisers, schwanger ist, gestoppt werden. Der Thronerbe ist geboren, wozu braucht man da noch ein neues Gesetz, dass eine Frau zur Kaiserin machen könnte?

Im Moment vielleicht nicht, aber was ist in 20, 30, 40 Jahren, wenn das heute geborene Kind wieder nur Töchter oder gar überhaupt keine Kinder bekommt? Nun hängt also alles an ihm bzw. seiner zukünftigen Frau, einen weiteren Sohn u produzieren und vielleicht endet es dann so, wie bei der jetzigen Kronprinzessin, die durch all den Druck doch bitte einen Sohn zur Welt zu bringen, nun psychisch krank ist  und gar keine Kinder mehr bekommt, sondern wenn dann nur noch Fehlgeburten  erleidet.

Aber das wird viele Anhänger der am längsten regierenden Monarchie der Welt nur wenig interessieren, da zählt nur, dass nun ein neuer männlicher Nachfahre der Sonnengöttin Amaterasu das Licht der Welt erblickt hat und eines Tages die Jahrtausende alte rein männliche Linie der Herrscher auf dem Chrysanthementhron fortsetzen kann...

Link: The Japan Times Online - Princess Kiko gives birth to a boy.

16. Juni 06

"Wieviel bekommt Ihr denn von der WM mit?"

von Gunda

Auf diese Frage von Yoshi habe ich folgendes geantwortet:

"Nachdem ich gelesen habe, daß es Männer gibt, die sich einen Haufen Kumpels ins Wohnzimmer einladen, die dann besoffen vor dem Fernseher grölen und Bier und Chips in Einrichtungsgegenstände einarbeiten, bin ich über meinen zivilisierten "Mitbewohner" doch ganz froh. Wenn er kann, guckt er abends mal, zweimal hat er sich den Wecker auf vier Uhr gestellt, mich aber ansonsten nicht weiter behelligt. Auf dem Wohnzimmertisch liegen Listen mit Thomas' Tips und den Spielergebnissen, sowie ein Spielplan und ein Bleistift rum. Mehr fußballt es bei uns zum Glück nicht.
Draußen sieht es kaum anders aus. Hier und da mal ein Stand mit Fanartikeln, ein paar Zeitschriften und natürlich Bekanntmachungen im Fernsehen. (Die japanischen Kommentatoren scheinen Fans der deutschen Mannschaft zu sein. Die haben sich bei deutschen Toren immer fast vor Begeisterung überschlagen.)
Gestern hat mich mein einer Chef (Japaner) angerufen und noch bevor er gesagt hat, was er wollte, hat er mir zum deutschen Doppelsieg gratuliert. Wahrscheinlich aber nur, weil er weiß, daß mich das gar nicht so interessiert. - Wir foppen uns gerne immer etwas gegenseitig.
Mein Intensivschüler konnte wegen der WM noch nicht nach Deutschland zum Sprachtest. - Alle Flugtickets waren schon an japanische Fans verkauft. Jetzt muß er noch ein paar Wochen warten und die Zeit mit etwas weniger intensivem Unterricht überbrücken. (D.h., ich habe keinen Streß damit.)
Man wird als Deutsche oft auf die WM angesprochen, und alle meinen, man müßte stolz sein. Viele Japaner hatten richtig große Hoffnungen in ihr Team."

09. Juni 06

ワールドカップ - wuuludo kappu

von Thomas

Woran merkt man als Deutscher in Japan, dass es jetzt mit der Fußball-WM losgeht? Ganz einfach wenn man sich als Deutscher outet, dann schalt einem dieser Tage gleich ein "ワールドカップ" entgegen :) Kurz darauf kommt dann meist die Frage, ob wir während der Zeit dann auch nach Deutschland zurückfahren... Nein, das machen wir sicher nicht, wir bleiben hier und schaun uns die Sache wenn dann im Fernsehen an.  Heute  Nacht ( ja , dank Zeitverschiebung  ist das hier im  Wesentlichen eine  Nacht-WM) wollte ich mir  mal das Eröffnungsspiel anschauen.  Hoffentlich finde ich den richtigen Kanal... Gespannt bin ich ja vor allem auf den japanischen Kommentar, wird bestimmt lustig.

Ansonsten ist die WM hier schon eine große Sachen. Quasi alle Spiele werden live übertragen, die Zeitungen berichten, es gibt Sonderbeilagen und natürlich viele spezielle WM-Zeitschriften (vielleicht sogar mehr als in Deutschland, aber ich ich eh fast den Eindruck, dass es hier generell mehr Zeitschriften gibt), von denen ich mir auch eine gekauft habe. Überall kann man Fan-Artikel kaufen, die Anzahl der deutschen Fahnen in den Geschäften hat sich drastisch erhöht, usw.

Aber die Ausmaße, wie in Deutschland nimmt das Ganze  natürlich  nicht. Dazu ist Fußball  dann doch immer noch zu  exotisch  hier in Japan, dass ganz klar  von Baseball dominiert wird (jedenfalls soweit es die Mannschaftssportarten angeht). Die Sache findet statt, man nimmt es wahr, aber man redet sich nicht gerade die Köpfe darüber heiß, wer denn nun Weltmeister wird. Vielleicht ändert sich das etwas, wenn Japan erfolgreich mitspielt, wenn nicht, wird die Sache doch recht schnell abebben, denke ich.

Was mir bzgl. Fußball allerdings in den letzten Monaten aufgefallen ist, sind die vielen Soccer-Shops in Tokyo. Vielleicht waren die ja auch schon letztes Jahr da, aufgefallen sind sie mir allerdings erst in der letzten Zeit. Es gibt sie jedenfalls in jedem Stadtviertel, sie sind ziemlich groß, bieten natürlich hauptsächlich Fanartikel der japanischen Nationalmannschaft, aber auch einiges internationales. Und es sind immer Leute drin. So gering ist das Interesse und die Nachfrage dann wohl auch nicht.

Wie auch immer, nachher geht es erstmal los! Wird eine lange Nacht werden...

08. Mai 06

Muttertag

von Gunda
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Schon Georg Kreisler wußte, warum man sein "Mütterlein" ehren soll:

"Mütterlein, Mütterlein,
du warst mehr als Gold und Geld.
Man kann beinah sagen, ohne dich
wär' ich heut nicht auf der Welt.
Mütterlein, Mütterlein,
oh, wie gut warst du zu mir!
Pokerspielen und Motorradfahren,
all das kann ich nur von dir."

Eine andere Art Ehrungsvorschlag kam neulich frei Haus in unseren Briefkasten. Der nahe gelegene Optiker schlägt folgende Geschenke vor:

Faltencremes für Gesicht und Augen, eine Art ABC-Pflaster gegen Rückenschmerzen, Gesundheitstropfen (Propolis), Gehstöcke in verschiedenen Dessins und zwei Arten Hörverstärker. Als Beigabe zum Kauf, wenn man über 1000 Yen ausgibt, gibt es noch ein Brillenetui, das man mit einem Foto bedrucken lassen kann.

Ob man es glaubt oder nicht: Es gibt auch junge Mütter in Japan!

Ich glaube, meine Mutter wäre (abgesehen von dem Brillenetui) nicht eben begeistert von diesen Mitbringseln, weshalb ich mich für einen simplen Anruf entschieden habe.  ;-)

30. April 06

Schweden in Japan

von GundaCimg3054_medium

Irgendwie brauchten wir Samstag Ruhe. Also sind wir erst Sonntag zu IKEA gefahren.

Schon in der Bahn hat man es gemerkt: Wir fahren zu einem Publikumsmagneten. So voll wie Montag war es bestimmt nicht, aber doch das typische Yamanote-Feeling. Das Möbelhaus konnte man eigentlich nicht verfehlen; zahlreiche Hinweisschilder haben unseren kurzen Weg von der Bahn gesäumt, auf dem wir darüber diskutiert haben, ob IKEA denn nun gut bei den Japanern ankommen wird. Das "western-Design" sicherlich. Aber daß man das Ganze alleine aus der Möbelhalle holen und zu Hause selber zusammenbauen muß...? Da waren wir uns schon nicht mehr so sicher. Da kann das Möbelstück noch so schön und preiswert sein; wenn das, was Japaner unter Service verstehen, nicht stimmt, ist der Laden zum Scheitern verurteilt. Aber immerhin sind die Japaner auch sehr neugierig und wißbegierig und an Cimg3078_mediumNeuem interessiert. Also war es voll. Zum Glück nicht so sehr, wie wir befürchtet hatten. Die Schlange vor dem Eingang war zwar bestimmt einen Kilometer lang; aber dann ging alles doch recht schnell. Immerhin verkürzte der Bonbonausteiler im IKEA-T-shirt die Wartezeit ungemein. Später konnte man noch ein Quiz lösen, bei dem es als Hauptpreis einen saftigen Einkaufsgutschein zu gewinnen gab. (Wir konnten leider die Hälfte des Fragebogens nicht lesen...)

Drinnen war dann zwar auch alles voll, aber nach echt japanischer Manier alles ruhig und gesittet. Ganz anders als in Deutschland beguckten sich die Kunden jedes einzelne Teil von allen Seiten, faßten viel mehr an als die Deutschen, und selbst die Möbelausstellungs-Zimmer waren so voll, daß man sich kaum umdrehen konnte. Ein bischen fühlte ich mich an Kinder erinnert, die etwas zum ersten mal sehen. Aber so war es ja auch: Verkehrte Welt. - Das, was uns schon seit Jahren vertraut war, war für die Japaner völlig neu und exotisch. Es war also genau die umgekehrte Situation von der, die wir sonst hier in Japan haben.

Ein paar Kleinigkeiten haben wir erstanden und im Restaurant die traditionellen Fleischbällchen gegessen. (Die meisten Japaner haben die mit Stäbchen gegessen; IKEA-Stäbchen, wohlgemerkt...) Thomas meint, ich muß noch anmerken, daß die Pepsi lauwarm und mit zu wenig Kohlensäure war und die Hot Dogs nur mit Senf und Ketchup (nicht wie in Deutschland mit Gürkchenscheibchen und Röstzwiebeln) zu versehen waren. - Schwere Enttäuschung...  ;-)Cimg3116_medium

Anders war auch das Möbelangebot. Viele Serien, die ich aus Deutschland kenne, gab es gar nicht, und der Katalog ist auch eher eine Info-Broschüre. Naja, das Ganze war ja auch erstmal ein "Testballon".

Ach ja, den Höhepunkt unseres Besuches hätte ich beinahe vergessen: In der Lagerhalle führten eine Musik- und eine Tanzgruppe, bestehend aus Japanern in traditioneller schwedischer Tracht, einen schwedischen Tanz auf. Vorallem, als sie dann alle, schön koordiniert, "Juchhu!" zwischendurch riefen und sich auf die Schenkel klopften, mußte ich mir den Lachkrampf wirklich verbeißen.

Selberlachen hier:

Download CIMG3125.AVI

Cimg3122_mediumAn der Kasse merkten wir dann auch, daß sich der Enthusiasmus der meisten Japaner wohl eher auf's Gucken und Essen beschränkt hat. Denn mehr als drei Leute standen an kaum einer der ca. 30 Kassen.

Anschließend haben wir noch ein paar Süßigkeiten abgestaubt.

Ob IKEA in Japan ein Erfolg wird? - Wir werden sehen. Wir fanden es jedenfalls sehr interessant!

p.s.: Ausländer waren auch ziemlich viele da...

 

28. April 06

Neu: IKEA in Japan!

von GundaCimg2928_medium

Nachdem Petra wieder zurück in Schweden ist, hat sich hier nicht ganz vollwertiger Ersatz breit gemacht: Montag wurde die erste IKEA-Filiale in Japan eröffnet! (Nach einem ersten Versuch in den 70er Jahren, der in einer Pleite endete.) Morgen Cimg2929_mediumwollen wir meinem Lieblingsmöbelhaus einen Besuch abstatten, und ich werde dabei ganz fest an meine Schwägerin, Mirjam, denken, die meine Leidenschaft diesbezüglich teilt.

Der Rest steht bei Spiegel-online. Tanja wäre am Montag auf dem Weg zur Eröffnung fast unter die Räder gekommen, weil es Zugchaos gab. - Gut, daß ich nicht auch hingefahren bin, wie ich eigentlich vorhatte. Ich wäre wohl abends nicht mehr zur Arbeit gekommen...

Möbel und andere sperrige Dinge werden jedenfalls nicht gekauft; das lohnt sich für uns nun echt nicht mehr.

07. April 06

Attentat oder nur Spinner?

von Thomas

Da hält man Japan immer für das sicherste Land der Welt und Tokyo für die sicherste Metropole der Welt, aber manchmal passiert dann doch was. Gestern besprühten 4 Leute am Bahnhof Nishi-Nippori (an der Yamanote-Line, kurz vor Ueno) mit Spraydosen andere Fahrgäste. Anschließend gab es wohl ein ziemliches Chaos und 27 Verletzte. Einer der Vier wurde allerdings gefasst. Ein schon mal verhafteter und abgeschobener, dann aber illegal wieder eingewanderter Südkoreaner, der auch noch ein Küchenmesser mit 22cm lange Klinge dabei hatte (was nicht alles so braucht, wenn man mit dem Zug fährt...). Wenn das mal nicht wieder die doch verbreiteten Vorurteile anheizt, dass die Verbrechen in Japan nur von Ausländern verübt werden (was bei den wirklich schweren Verbrechen laut Statistik definitiv nicht stimmt). Wie auch immer, was der Hintergrund der ganzen Sache war, ist wohl noch unklar. Vor gut einer Woche ist jedenfalls an eine anderen Station was ganz ähnliches passiert.

Da kann man nur hoffen, dass das einzelne Spinner waren und nicht mehr dahinter steckt und sich solche Vorfälle jetzt häufen.

Link: The Japan Times Online - Advanced Search.

28. März 06

Struwwelpeter in Tokyo

von Gunda Cimg2244_medium

Nein, damit meine ich nicht Tim, sondern das Kinderbuch...  ;-)

02. März 06

Gerade gelesen

von Gunda

Anscheinend haben sich im Verlauf der "Kaiserin-Debatte" ernsthaft japanische Abgeordnete Gedanken darüber gemacht, daß eine Thronfolgerin ja z.B. im Ausland studieren und sich dort in einen "Blauäugigen" verlieben könnte. Wenn sie den dann auch noch heiraten würde, wäre die "reine japanische männliche Linie" (denn nur die zählt) gestört, und vielleicht würde es dann eines Tages einen blauäugigen Kaiser geben.

Also, liebe  Mütter blauäugiger fünfjähriger Jungen, bereitet Euch und Eure Sprösslinge schonmal auf ein Leben in der japanischen High Society vor. Man kann ja nie wissen...

09. Februar 06

Nix mehr mit "wir sind Kaiserin"

von Thomas

Im November schien noch alles klar, eine Regierungskommision hatte beschlossen, dass die Thronfolgeregelung in Japan so geaendert werden sollte, dass auch ein Frau den Thron besteigen kann. Und so wurde schon die Kaiserenkelin Aiko als zukünftige Regentin angekündigt. Tja, Pustekuchen... Auf einmal ist alles wieder unklar!

Warum? Wieso? Weshalb? Nun, in dieser Woche wurde offiziell verkündet, dass die Schwiegertochter des Kaisers, die Tante von Aiko, schwanger ist. Und da immerhin eine 50% Wahrscheinlichkeit besteht, dass da mal ein Junge bei rauskommt, fängt die ganze Diskussion wieder von vorne an. Erst hatte Koizumi noch gesagt, ob schwanger oder nicht, wir ziehen das durch und ändern bis zum Sommer das entsprechende Gesetz, nun rudert er auch zurück und meint, natürlich müsse man jetzt erstmal abwägen und in jedem Fall will so eine wichtige Sache gut ausdiskutiert sein. Bla, bla, bla...

Wahrscheinlich wird man nun solange warten, bis man weiß, ob da ein Junge oder Mädchen unterwegs ist und dann entscheiden. Und jede Wette, wenn's ein Junge wird und er heil zur Welt kommt, dann wird der auch Kaiser! Man ist hier halt doch in gewissen Kreisen sehr konservativ...

10. Januar 06

Ganz Japan versinkt im Schnee

von Thomas

200601100801 Ganz Japan? Naja, fast ganz Japan, aber immerhin inzwischen auch Arakawaoki. Obwohl, versinken ist vielleicht etwas übertrieben... Irgendwann heute Nacht muss es angefangen haben zu schneien und heute Morgen lag dann eine vielleicht 2 cm dicke Schneedecke über Arakawaoki ausgebreitet.

Aber von dem in deutschen Medien kolportiertem "Schneechaos in Japan" sind wir noch weit entfernt. Zwar gibt es auf Hokaido und auf dem nördlichen und westlichen Teil von Honshu sehr viel Schnee, wohl auch den ein oder anderen Meter mehr als sonst, aber grundsätzlich sind einige Meter Schnee in diesen Teilen Japans was ganz normales.

Kein Grund zur Panik also!

25. November 05

"Wir sind Kaiserin"

von Thomas

hätte man in Deutschland wohl analog zum aktuellen "Wir sind Kanzlerin" getitelt, angesichts der nun getroffenen Entscheidung, dass ein momentan noch dreijähriges Mädchen einmal Kaiserin von Japan werden darf.

Die Regierung hatte am Anfang des Jahres eine Kommission eingerichtet, die ein neues Gesetzt zur Regelung der Thronnachfolge ausarbeiten sollte. Nun ist der Entwurf fertig und es ist ein Bruch mit einer fast 2000jährigen Tradition: Zum ersten mal wird jemand den Chrysanthemen-Thron besteigen dürfen, dessen Vater nicht Kaiser war, sondern dessen Mutter. Kaiserinnen gab es nämlich schon durchaus (verboten wurde dies erst nach dem II. Weltkrieg), achtmal glaube ich, aber nie durften ihre Kinder Kaiser werden, sondern man wich dann auf einen Bruder der Kaiserin aus, dessen Kinder dann die Thronfolge antraten. So ist Japan bis heute das einzige Land mit einer rein männlichen Linie seiner Herrscher und das seit eben fast 2000 Jahren.

Nun ist es damit aber vorbei. Prinzessin Aiko darf einmal den Thron besteigen und eines ihrer Kinder (und zwar das älteste, gleich welches Geschlecht es hat) wird ihr nachfolgen.

Notwendig wurde diese Änderung, weil es in der aktuellen Kaiserfamilie die jüngste Generation einfach nur aus Mädchen und Frauen besteht. Alle Kinder, Brüder, Onkel und Cousins des Kaisers haben nur Mädchen zur Welt gebracht. Die einzige Alternative wäre gewesen, auf ehemalige Mitglieder der Kaiserfamilie zurückzugreifen. Das wollte man aber nicht, da man es für schwieriger hielt, das der Öffentlichkeit plausibel zu machen, als eine weibliche Linie in der Thronfolge. Und das wohl zurecht, wie Umfragen zeigen.

Also dann, warten wir noch ein paar Jahre und dann wird auch über Japan eine Frau herrschen ;)

02. Oktober 05

"Every person living in Japan..."

von Thomas

"... play's a part in our country's future." So steht es auf den Plakaten für die diesjährige Volkszählung in Japan geschrieben (Bilder vom Plakat gibt es hier). Und wir gehören ja nun auch dazu. Unsere Visa haben wir, ein weiteres Jahr bleiben wir und spielen jetzt also ein bisschen mit. In dem Fall beschränkte sich das mitspielen auf das Ausfüllen eines Fragebogens, was dank deutscher Übersetzung nicht so kompliziert war. Name, Alter, Familienstand, ein paar Fragen zur Wohnung und zum Haushalt, wieviel man wo arbeitet, das war dann im Prinzip schon alles, was die Leute von einem wissen wollten.

Alle fünf Jahre findet solch eine Volkszählung hier wohl statt. Für mich war es die zweite. Die erste hatte ich als Teenager erlebt, damals in den 80ern, als Horrorzenarios vom Schnueffelstatt Orwellschen Ausmaßes an die Wand gemalt wurden, als die Buergerbwegung nach Natodoppelbeschluss, Brockdorf und Startbahnwest ihren letzten großen Kampf schlug. Jahrelanges hin und her wegen ein paar lächerlicher Fragen, mir war damals völlig unverständlich, was das Theater sollte... Aber das spielt wohl auch heute keine Rolle mehr, oder wer kann sich da noch dran erinnern?

Unsere Japanische Volkszählung haben wir nun hinter uns, der Bogen wurde gerade abgeholt, vielleicht hilfts ja für irgendwas... Wir spielen dann jetzt jedenfalls erstmal noch ein Jahr lang unsere wichtige Rolle in der Zukunft Japans weiter ;)

22. September 05

Kurzer Prozess

vonThomas

Was in Deutschland wohl noch einige Zeit dauern wird oder vielleicht auch gar nicht erreicht wird, wurde hier in Japan gestern schnell erledigt, die Wahl eines neuen Regierungschefs. Etwas mehr als eine Woche nach der Wahl wurde Koizumi wiedergewählt. Und das nicht nur von der eh schon überwältigenden Mehrheit 'seiner' Abgeordneten, sondern einige der Abweichler, deren Weigerung, Koizumis Reformplänen zu zustimmen, erst die Neuwahlen ausgelöst hatte, stimmten reumütig für ihn und hoffen nun, wieder vollwertige Mitglieder der LDP zu werden.

Ich finde diesen Unterschied, in den rein äußerlich ja fast gleichen politischen Ereignissen, die zur Zeit in Japan und Deutschland geschehen, immer noch faszinierend. Auf der einen Seite Chaos, Unsicherheit, ein Schw
ächeln der politischen Kräfte aller Richtungen und auf der anderen Seite, ein klarer Sieg, der zu stabilen Verhältnissen führt und die Möglichkeit zu Reformen gibt. Da sagt man, die Japaner sind traditionsbewusst und sind Veränderungen nicht zu getan, kurz innerlich sehr konservativ, aber Deutschland scheint schlicht Angst vor jeder Reform zu haben und jeglichen Mut verloren zu haben...

11. September 05

Neuwahlen

von Thomas

Während unser Bundeskanzler noch eine Woche zittern muss und wahrscheinlich danach in Frühpension gehen muss, hat Japan heute die alte Regierung mit überwältigender Mehrheit bei den vorgezogenen Neuwahlen wiedergewählt. Koizumi wird also weiterregieren können, nachdem er das Parlament (genauer gesagt das Unterhaus) aufglöst hatte, weil das Oberhaus seine Postreform nicht abgesegnet hatte. Nun hat seine Partei, die LDP, sogar allein die absolute Mehrheit erreicht, wird aber wohl die Koaltion mit der New Komaito fortführen, da sie im Oberhaus weiter auf sie angewiesen ist.


10. September 05

Wahlkampf in Japan (2)

von Thomas

Cimg8672_mediumGestern Tokyo, heute Tsukuba... Wahlkampf in ganz Japan. Heute konnten wir Herrn Kawaguchi beobachten, wie er mit vollem persönlichen Einsatz Wahlkampf führte. Mit einer großen Schärpe und einem Mikrophon plus Lautsprecher bewaffnet, zog er durch Tsukuba Center und verkündete den Passanten, wer er sei. Begleitet wurde er von 2 Fahnenträgern und einem Mann im schwarzen Anzug, der jedem, der an ihm vorbeiging, zuwinkte. Keine Ahnung wer das war, ein Passant, der den Kandidaten unterstützen wollte, ein professioneller Winker, ein bekannter Parteibonze???

Als wir Herrn Kawaguchi Stunden später immer noch durch Tsukuba ziehen sahen,
Cimg8675_mediumhatte er schon einen ganzen Rattenschwanz von "Winkern" in seinem Schlepptau, meist Damen mittleren Alters, die freudig allen Passanten ein "Konbanwa" oder "Kawaguchi" entgegen riefen, während sie dabei eifrig winkten.

Ob dieser hohe persönliche Einsatz Herrn Kawaguchi helfen wird?

Kurzvideo: Wahlkampf in Tsukuba


09. September 05

Wahlkampf in Japan

von Thomas

200509091714_1Ein kleiner Lieferwagen mit vielen Plakaten und Lautsprechern.Oben drauf ein Politiker, der mit heiserer Stimme in ein Mikrophon schreit: Wahlkampf! Und Sonntag wird gewählt...

16. August 05

Erdbeben in Sendai

von Thomas

Heute Mittag gab es ein recht schweres Erdbeben in Sendai, einige hundert Kilometer noerdlich von uns. Bei uns war davon allerdings nicht mehr viel zu spueren. Ich war gerade im Buero und Gunda war unterwegs in der Naehe unserer Wohnung.

Angeblich hatte das Beben eine Staerke von 6,8 auf der Richterskala, genaueres gibt es wohl erst spaeter. Ein paar Menschen wurden verletzt, als ein Hallendach einstuerzte, ansonsten hat man bis jetzt von keinen groesseren Schaeden gehoert. Zuege wurden wie immer angehalten, eine Tsunami-Wahrnung gab es, die aber schon wieder aufgehoben worden ist.

Ein paar unserer Professoren arbeiten an der Uni in Sendai, soweit sie es bisher geschrieben haben, sind bei ihnen ein paar Geraete kaputt gegangen, sonst ist aber niemandem etwas passiert. Da Morgen die ueblichen Besprechungen stattfinden, wollten sie heute eigentlich wie immer mit dem Zug nach Tsukuba kommen. Das faellt eventuell erstmal flach. Man wird sehen...

Infos zum Beben im Internet gibt es in Deutsch und Englisch:

Spiegel-Online
Japan-Times

09. August 05

Neuwahlen

von Thomas

Jetzt hat auch Japan seine Neuwahlen im September und obwohl erst viel spaeter angesetzt, finden sie hier schon am 11. September statt. Neugewaehlt wir das Unterhaus, obwohl der Ausloeser eine Abstimmungsniederlage fuer die Regierung Koizumi gestern im Oberhaus war. Bei der Abstimmung ging es um die Privatisierung der Post, eine Reform, die Koizumi wohl ganz persoenlich sehr wichtig ist (wie ich heute gelesen habe, war er vor 13 Jahren mal Postminster und damals hat er wohl die ersten Plaene dazu entwickelt). Es ist ihm offensichtlich so wichtig, dass er versucht, mit aller Gewalt dieses durchzupeitschen. Im Unterhaus ist das auch gelungen (s. hier). Zwar hat es dort auch Abweichler aus der eigenen Partei gegeben, aber es haben letztlich genug Neinsager sich sich dem Druck gebeugt und dann doch mit Ja gestimmt (einer dieser Abgeordneten hat sich letzte Woche erhaengt, nachdem er in einer Zeitschrift als Verraeter bezeichent worden war).

Die Abgeordneten des Oberhauses kann man wohl nicht so leicht direkt unter Druck setzen und so war das einzige  (indirekte)  Druckmittel die Androhung der  Neuwahl des Unterhauses. Das hat offensichtlich nichts genuetzt, die  Abstimmung ging schief und wenige Stunden spaeter hat Koizumi seine Drohung war gemacht und Neuwahlen angesetzt. Als ein Minister dem seine Zustimmung verweigerte, hat der dann letztlich freiwillig seinen Stuhl geraeumt und Koizumi hat dann einfach stellvertretend fuer ihn unterschrieben.

Wie man sieht, wird hier doch mit viel haerteren Bandagen gekaempft und Koizumi scheint mir wesentlich mehr ein Machtmensch zu sein, als Schroeder, der sich dann doch oft viel eher dem Druck beugt. Ansonsten ist die Situation recht aehnlich, Koizumi ist wie Schroeder der quai einzige Sympathietraeger seiner Partei, die viel Ansehen verloren hat und wuerde wohl, wenn es ginge ohne Probleme direkt gewaehlt, so kann es aber recht leicht zu einem Regierungswechsel kommen.

Aber jetzt geht erstmal das grosse Aufraeumen los. Alle LDP-Abgeordneten, die nicht fuer das Gesetzt sind, werden wohl bei der Neuwahl nicht mehr kandidieren duerfen, aus der Regierung werden Minister und Staatsekretaere entfernt, die nicht auf Koizumis Linie liegen und so hofft dieser, dass er die Wahl gewinnt, das Gesetzt erneut durchs Unterhaus bringt und somit den Druck auf das Oberhaus erhoet, das sich dann vielleicht dem als Volkswillen in Sachen Postreform interpretierten Wahlergebnis beugt. Aber das muss man mal abwarten.

Die Gegener des Postgesetzes sind uebrigens auch keine Engel. Hier geht es einfach darum, dass sich die Staatspost prima fuer Wahlkampfzwecke einsetzten laesst udn so mancher Abgeordnete fuerchte, dies mit einer privaten Post nicht mehr so leicht machen zu koennen. Vorgeschoben werden natuerlich lauter Sorgen ueber die Grundverorgung der Buerger mit den Serviceleistungen der Post...

18. Juli 05

Deutschland in Japan

von Gunda

200507171726_1Deutschland ist erstaunlicherweise auch in Tsukuba in Japan...

07. Juli 05

Gemeinsamkeiten: Politik

von Thomas

Manchmal gleichen sich die Dinge in Deutschlan und Japan ja doch. Versucht in Deutschland gerade der Kanzler sich selbst das Vertrauen zu entziehen, das Parlament aufzuloesen und Neuwahlen  durchzuziehen, will der hiesige Ministerpraesident Koizumi nun auch auf diesen Zug aufspringen.  Was ist los? Es geht um die Privatisierung der hiesigen Post.  Aehnlich wie frueher in Deutschalnd ist die Post hier ein riesiges  und unflexibles Gebilde (wenn sie auch fuer den Kunden mehr Service bietet, als die heutige Privatpost in Deutschland), das nun nach dem Willen der Regierung in mehrer kleine Einheiten zerschlagen werden soll, um eine effizientere und billigere Verwaltung zu ermoeglichen.

Aber dieses Interesse hat nicht jeder, vor allem natuerlich nicht die Beamtenin den Chefetagen der Post, die sich auf ihren Posten gemuetlich eingerichtet haben und die fleissig grosszuegige Lobbyarbeit machen, um einige Politiker auf ihre Seite zu ziehen. Und das wohl sehr erfolgreich...

Die Regierung bleibt aber standhaft und greift, anders al in Deutschland zu ziemlich harten Bandagen. Um das Gesetz zunaechst sicher durch den entsprechenden Parlamentsausschuss zu kriegen, wurde dort erstmal alle Mitglieder, dei im Verdacht standen, dass sie das Gesetz kritisch sehen, rausgeschmissen und durch Leute ersetzt, dei stramm auf Regierungslinie stehen. Danach kam die Abstimmung im Parlament. Zuvor wurden allen Abweichlern harte Massregelungen im Falle einer Neinstimme zu dem Gesetz angedroht, unter anderem die Ankuendigung sie bei zukuenftigen Wahlen nicht mehr als Kandidaten zu beruecksichten, was effektiv einem Ende der politischen Karierre gleichkommt. Trotzdem haben 51 Mitglieder der Regierungspartei entweder mit Nein gestimmt oder sich enthalten. Das Gesetz kam aber trotzdem knapp durch.

Jetzt steht die Abstimmung im Oberhaus an und damit sind wir bei den Neuwahlen angekommen. Da die bisherigen Drohungen wohl nicht gefruchtet haben und die Regierungsmehrheit im Oberhaus denkbar kanpp ist, sagte Koizumi jetzt, dass er das Parlament aufloesen werde, wenn das Gesetz doch noch abgelehnt wuerde. Seine Begruednung, dass offensichtlich in dem Fall die Regierung keine stabile Mehrheit mehr in der eigenen Partei haette, koennte auch glatt von Schroeder stammen.

Aber einen Unterschied gibt es doch: Wenn es hier zu Neuwahlen kommt, wird wieder Koizumis LDP die Wahl gewinnen (wie immer, bis auf einmal in fast 60 Jahren) und seine Kritiker werden wohl aus dem Parlament verschwinden und er kann danach dann weiter machen udn hat in der Tat eine stabilere Mehrheit...

23. Mai 05

No sex, please!

von Gunda

Dem Ausländer-Magazin "Metropolis" (politisch korrekt: "English magazine for Japan's international community") konnte man kürzlich entnehmen, daß es schlecht um den Nachwuchs an Japanern (und von Japanern) bestellt ist:
Der Minister für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt sagte offenbar, daß, soweit das Ministerium das ermitteln konnte, ein Drittel der japanischen Ehen ohne Sex oder nahe daran seien. Sieht man mal davon ab, daß sich natürlich die Frage aufdrängt, wie das Ministerium das herausgefunden haben will, kann man im gleichen Text auch noch lesen, daß der Minister meint, die Japaner seien frigide. Das wiederum findet "Metropolis" verständlicherweise merkwürdig, denn kaum etwas wird hier so sehr konsumiert, wie Sexblättchen und Comics mit gleichem Inhalt. Fast jede Tageszeitung hat mindestens ein Bild von einer fast nackten jungen Dame irgendwo drin, und sei es nur in der Werbung. - Vielleicht spricht das einen ja noch eher an, wenn man sowas von zu Hause nicht kennt?  ;-)Cimg6192_small
Doch weiter im Text: 10% der Japaner (so viel, wie die Einwohnerzahl von Tokyo) lebt allein, was für diese Menschen ein SO großes Problem darzustellen scheint, daß sich ein neuer Geschäftszweig an deren Bedürfnisse angepaßt hat: "Unazuki-ya" ("Nick-Laden") heißen die Firmen, in denen man sich für ca. 100 Euro jemanden mieten kann, der einem zwei Stunden lang zuhört und dabei unablässig nickt. (Vielleicht bräuchte man sowas nicht nur als Single gelegentlich?)
Weiter kann man lesen, daß es auch als Problem empfunden wird, daß sich viele Japaner nicht mit Menschen des anderen Geschlechts wohlfühlen. (In gewisser Weise ja auch ein Hinderungsgrund für die Zeugung von Nachwuchs...) Deshalb gibt es an die 3000 Heiratsvermittlungen in Japan, die nicht die Partner, sondern deren Eltern zusammenbringen und sie sich eine Weile gegenseitig über das jeweilige Kind ausfragen lassen. Anschließend bekommen die Männer eine dreistündige Lektion in Gewinnend-Lächeln und wie man über Dinge spricht, an denen die potentielle Braut interessiert sein könnte. Das, so das Magazin, scheine besser zu wirken als Kontaktanzeigen.
Der Artikel schließt mit dem Zitat eines Heiratsvermittlers in Nagoya: "Lately, we've seen an increase in so-called middle-aged parasites, single men in their 40s who still live with their parents."
Angeblich gehört unsere Generation, die man haufenweise mit Kindern auf der Straße sieht, sodaß wir schon den Eindruck bekommen haben, es gäbe hier keine Paare ohne Kinder, noch zu den "Babyboomern". Aber vielleicht sind da ja auch Klone dabei?

Jedenfalls waren Thomas und ich uns einig, daß alles oben Genannte nicht der Grund dafür sein kann, daß westliche Ausländer bei japanischen Frauen manchmal höher im Kurs zu stehen scheinen als Männer gleicher Nationalität.

25. April 05

Wir leben noch!

von Gunda

Das habe ich nur aus den Nachrichten erfahren:

http://portale.web.de/Schlagzeilen/Zugunglueck/

15. April 05

Noch mehr Öl ins Feuer...

von Thomas

...haben jetzt die Japaner in die aktuell ganz schlechten Japanisch-Chinesischen Beziehungen gegossen und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht um Probebohrungen für Öl und Gas im Chinesischen Meer, genauer gesagt in einem Teil des Meeres, der von beiden Ländern jeweils zum eigenen wirtschaftlich nutzbaren Gebiet gezählt wird. Nachdem nun die Chinesen dort schon alles für die ersten Bohrungen vorbereitet haben, zogen die Japaner dieser Tage nach und gaben den Startschuss für das Vergabeverfahren von Bohrungen in demselben Gebiet. Das wiederum bringt nun die Chinesen auf die Palme! Diese vordern einen sofortigen Stopp dieses Verfahrens und protestieren bei der japanischen Regierung, die ihrerseits bei der chinesischen wegen der gewaltsamen Proteste vom letzten Wochenende protestiert.

Und da das alles noch nicht reicht, planen Aktivisten in China wieder große Anti-Japan Demonstrationen fürs kommende Wochenende, wenn der japanische Außenminister in Peking ist.

Was kommt wohl als naechstes? Nun, erstmal kamen gute Ratschläge von Bundeskanzler Schröder Richtung Japan. Man solle sich doch Deutschland und die Deutsch-Französische Aussöhnung nach dem 2. Weltkrieg zum Vorbild nehmen. Ob solche Ratschläge hier gut ankommen, weiß ich nicht, vor allem wenn man sie gibt, während man in Südkorea weilt und der dortige Präsident im Chor mit Schröder das gleiche Lied singt... Man wird sehen.

14. April 05

Japan und seine Nachbarn

von Thomas

Momentan ist das Verhältnis Japans zu seinen Nachbarn im Westen besonders schlecht, nicht das es in den letzten 150 Jahren irgendwann einmal besonders gut gewesen wäre, aber in den letzten Tagen ist es mal wieder auf einem Tiefstpunkt angelangt.

Die Ursache für das Missverhältnis zu seinen Nachbarn Korea und China liegt in der aggressiven Kolonialpolitik der Japaner seit der Meji-Zeit bis zum Ende des 2. Weltkriegs. Die Eroberung Taiwans und Koreas, die immer ausgedehntere Besetzung Chinas und schließlich der Pazifikkrieg, in dem das imperialistische Japan fast ganz China und Suedostasien eroberte und dabei unzählige Kriegsverbrechen beging.

Dies ist nun 60 Jahre her und wie das Beispiel Europa zeigt, sollte diese Zeitspanne eigentlich für eine Versöhnung ausreichen, aber hier ist man noch weit davon entfernt. Japan ist in keinsterweise bereit sich für die Gräuel des Krieges zu entschuldigen, zwar gibt man offiziell alles zu, zahlt auch (allerdings als Wirtschaftshilfe bemaentelte) Entschädigungen, aber eine offizielle Entschuldigung liegt noch in weiter Ferne.

Aber warum ist das alles gerade wieder so aktuell? Nun, Japan möchte einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat und stößt dabei auf Skepsis und Ablehnung vor allem bei China. Und dann gibt es noch einen ganz konkreten Auslöser für die aktuelle Krise, ein japanisches Schulbuch, in dem die japanische Kolonialpolitik gelinde gesagt etwas "geschönt" dargestellt wird, ist vor einigen Tagen veroeffentlicht worden. Massaker werden als Unruhen mit vielen Toten beschrieben und vor allem die Leugnung der massenhaften Verschleppung chinesischer und koreanischer Frauen, die dann als "Sexsklaven" für japanische Soldaten dienten, erregt die Gemüter. In Südkorea gab es große Proteste und in Peking und anderen chinesischen Staedten kam es  sogar zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei denen die japanische Botschaft sowie japanische Restaurants und Geschäfte schwer beschädigt wurden.

Und nun werden die diplomatischen Bälle hin und her geschoben. Japan verlangt von China eine Entschuldigung und Garantien, dass sich so was nicht mehr wiederholt. China interessiert das relativ wenig und mahnt eine andere Haltung Japans zu seiner Vergangenheit an, worauf Gestern dann z.B. die Japan Times wieder die mangelnde Selbstkritik chinesischer Geschichtsschreibung und die einseitig negative Darstellung Japans beklagte und auch Südkorea noch einen Seitenhieb, der in die gleiche Richtung zielt abbekam.

Tja, so wird man das Problem wohl nie lösen können. Hier muss wohl oder übel auch einmal die japanische Seite sich bewegen, sich, wenn auch teilweise zu recht, immer nur über die Anderen beklagen und Dinge gegeneinander aufzurechenen, hilft da wenig. Aber eine Aenderung dieses Verhaltens liegt wohl noch noch in weiter Ferne...

11. April 05

Wieder ein Erdbeben

von Thomas

Heute war es wieder soweit, die Erde bebte. Wir waren gerade wach geworden, als es für einige Sekunden anfing zu wackeln. Passiert ist uns nichts, wie aus der Webseite der Japan Times jedoch hervorgeht, lag das Epizentrum gar nicht soweit von uns weg in der Provinz Chiba, die südlich von Ibaraki liegt. Das Beben hatte eine Stärke von 6,1 und dürfte damit in unserer Gegend das heftigste nach dem Beben vom Februar gewesen sein.

Langsam wird man wirklich ziemlich abgeklärt, was diese kleineren Beben angeht, man nimmt es natürlich noch bewusst wahr, aber man erschrickt nicht mehr so wie noch am Anfang, als es immer so schien, als wären wir die Einzigen, die überhaupt was gemerkt hätten, während die Japaner einfach das weitermachten, was sie vorher auch taten.

Aber natürlich kann irgendwann doch mal was passieren, man weiß es halt nicht, aber man darf sich eben nicht davon verrückt machen lassen.

23. Februar 05

kurz geruckt

von Gunda


22.10 h. Hat grad mal kurz geruckt. In den Nachrichten haben wir gesehen, daß wir wieder nah am Zentrum waren. Aber sone poplige 4,5 (jap. Skala) haut uns jetzt nicht mehr um. Hier sind noch nichtmal Züge angehalten worden.

17. Februar 05

Bilanz

von Thomas

Es hatte uns tatsächlich voll erwischt. Das Erdbeben von Gestern war am stärksten hier in Tsukuba zu spüren und mit einem Wert von 5.4 auf der Richterskala war es nicht eines der schwächsten. Trotzdem sieht die Bilanz gut aus, keine größeren Sachschäden, nur 27 Personen mit leichten Verletzungen. Die schwerste erlitt eine Frau, die durch das Erdbeben aus dem Bett geworfen wurde, sie brach sich einen Arm. Der Zugverkehr wurde vorübergehend gestoppt, aber auch dort gab es keine Schäden. Weitere Details gibt es hier bei der Japan-Times zu lesen.

Unsere private Bilanz hatte Gunda ja schon Gestern geliefert. Bleibt mir noch ein kurzer Bericht von der Arbeit: Ein Laser ist wohl beschädigt und in meinem Laboraufbau hatte sich ein Spiegel verdreht, den ich nicht festgeschraubt hatte :)

Alles in allem haben wir also noch mal Glück gehabt. Puh!

10. Februar 05

Nachtrag

von Thomas

2:1 stand es dann am Ende und der Held des Abend heißt Masashi Oguro. In der letzten Minute schaffte er noch den Siegtreffer für die Japaner, die wohl nicht mit einer so starken Mannschaft aus Nordkorea gerechnet hatten. Nun sind die Japaner glücklich, der erste Schritt Richtung WM in Deutschland ist getan, weitere müssen noch folgen. Unter anderem natürlich auch das Rückspiel in Nordkorea.

Wer mehr zum Spiel wissen möchte, findet in folgendem Artikel der Japan Times noch mehr Informationen (aber nicht wundern, wenn dort nicht allzu viel über Fußball drinsteht...)

http://www.japantimes.co.jp/cgi-bin/getarticle.pl5?nn20050210a2.htm

09. Februar 05

Sport...Sportpolitik...Politik

von Thomas

Heute Abend gibt es ein Fußballspiel. An sich nichts besonderes, wenn es nicht die Partie Japan gegen Nordkorea zur Qualifikation zur Fußball-WM 2006 in Deutschland wäre. Das Aufeinander treffen dieser beiden Länder macht dieses sportliche Ereignis auch zu einem politischen, sind sich doch beide Länder gelinde gesagt spinnefeind, kalter Krieg in Reinkultur. Das hat zwei Gründe, eine aktuellen und eine historischen. Nordkorea, das Bush Jr. auf die Liste der 'Schurkenstaaten' setzte, wird hier in Japan als ständige Bedrohung angesehen. Jede noch so kleine Kleinigkeit, die in Nordkoreas Staatsfuehrung vor sich geht, wird hier in den Medien lang und breit analysiert. Im Moment sind es Gerüchte, die besagen, dass der nordkoreanische Staatsfuehrer Kim Jong Il zurücktreten will. Daneben gibt es immer wieder Geschichten über nach Nordkorea entführte Japaner und Spione, man fühlt sich da in der Tat in die Zeiten des kalten Krieges in Europa zurückversetzt...

Der andere Grund ist die Geschichte beider Länder, die vor allem in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts durch die Eroberungsversuche Japans gekennzeichnet ist und bis heute noch nicht aufgearbeitet wurde. Zwar hat sich das Verhältnis zu Südkorea normalisiert, steht man ja auch politisch im gleichen Lager, eine tiefe Freundschaft herrscht zwischen ihnen auch nicht.

Und heute Abend spielt man wie gesagt Fußball. Es werden auch einige Koreaner im Stadion sein, vor allem viele hier lebende Koreaner, die in dem Fall dann lieber dem Klassenfeind aus dem Norden zu jubeln werden, statt den Japanern, und mindestens genauso viele Polizisten und Sicherheitsleute werden dafür sorgen, dass kein Japaner mit einem Koreaner im Stadion zusammenkommt. Gewinnen wird wahrscheinlich Japan, alles andere wäre auch eine kleine nationale Katastrophe...

Wir werden sehen und irgendwann kommt dann Teil 2 des Spektakels, das Rueckspiel in Korea, was für die Japaner sicherlich noch aufregender werden wird, muss man sich doch dann in die Höhle des Löwen begeben.

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