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« Dezember 2006 | Start | März 2007 »

25. Januar 07

Vermisse ich Japan?

von Thomas

Ja, natürlich...

Als ich mir dieses Bild (es ist letzten September am Hachiko-Ausgang des JR-Bahnhofs in Shibuya aufgenommen, im Hintergrund sieht man die berühmte große Kreuzung von Shibuya, mit den Hochhäusern und Menschenmassen, die dort jeden Tag herüberströmen) eben anschaute, da war dieses irreale Gefühl wieder da, dass sich so schwer beschreiben lässt.

Was ich auf dem Bild sehe, kommt mir so nah vor, es kann doch gar nicht sein, dass ich mich jetzt nicht in den nächsten Zug setzen kann und dort hinfahre. Reale Entfernungen spielen dann keine Rolle, hier, dort, alles vermischt sich und braucht wieder ein paar Momente, bis im Kopf alles wieder an seinem Platzt ist. Wir sind jetzt hier und nicht dort, auch wenn es vom Gefühl her noch sehr zum greifen nah ist.

Wird das jemals wieder anders werden? Nicht wirklich, fürchte ich. Auch wenn es mir unsere Wohnung hier, meine Arbeit, unser Leben hier, noch so gut gefällt, so ist das auf dem Bild dort doch ein unauslöschlicher Teil von mir geworden, wird es immer bleiben. Und damit auch die Erinnerung an das Leben dort, an das Lebensgefühl dort.

Und das das alles etwas irreal ist, passt eigentlich zu Japan. Denn letztlich war unsere Zeit in Japan schon auch sehr irreal, vor allem eben auch wenn wir in Tokyo. Fast nichts verstehen und gar nicht verstanden werden, löst einen heraus aus der Realität. Wir waren da, aber wir waren nicht wirklich Teil des Geschehens dort, wir waren Zuschauer in einem dreidimensionalen Kinofilm, der um uns herum ablief. Das gibt dem Leben dort etwas unvergleichlich unbeschwertes, befreites, erlaubt einem eine einzigartige selektive Wahrnehmung  des Angenehmen und Schönen.

Wenn man die Menge der vorbeieilenden Menschen auf dem Bild sieht, dann war ich nicht Teil davon, ich hatte mein Tempo, ich stand, machte ein Photo, ganz ruhig, losgelöst, nur ein Beobachter. Insofern  ist das Bild auch ein Sinnbild für unser Leben, für unsere Rolle in Japan.

Und jetzt sind wir wieder zu Hause und von dem Leben in Japan bleiben uns nur noch Bilder, als Erinnerung in unseren Köpfen, oder als Photo auf dem Computermonitor oder auf Papier gedruckt...

06. Januar 07

Japan im Baumarkt

von Gunda

Viel hat sich gar nicht geändert.  ;-)  Vor ein paar Monaten gingen wir noch zu Joyful Honda, jetzt ist Knauber genauso weit weg. Und die hatten heute Familentag mit dem Thema "Japan". Das wollten wir natürlich fachmännisch begutachten.

Dort konnte man lernen, mit Stäbchen zu essen, Kanjis mit Edding oder normalen Pinseln (Meine Kalligraphie-Lehrerin wäre in Ohnmacht gefallen!) "abzumalen", konnte sich im Kimono ohne Obi fotografieren lassen, der vorne wie ein Bademantel verkrampft zusammengehalten werden sollte. Man konnte deutsche ältere Herren fachmännisch auf Getas rumstaken sehen, fand ein Torii aufgebaut und konnte eine komplett deutsche Trommelgruppe (Wadokyo) eher, sagen wir mal, modern interpretiert, "japanisch" (Taiko) trommeln sehen.

Besonders beeindruckt war ich von der Nähe der kostümierten Deutschen zum Stand mit den Karnevalsverkleidungen, der "japanischen" Märchenvorführung mit ausschließlich chinesischen Namen, die auch noch irgendwie "eingedeutscht" klangen, und dem "japanischen Imbiß" der eine Reihe chinesischer Gerichte bot.

Sage und schreibe DREI Asiaten habe ich unter den Veranstaltenden gesichtet. Vielleicht waren es sogar Japaner...

Vielleicht zum Glück war das also keine heimwehauslösende Veranstaltung. Nur ein Beweis, daß es die Deutschen mit dem Asia-Mischmasch auch nicht so genau nehmen, wie die Japaner mit allen westlichen Kulturen. (Aber über eine deutsch-amerikanische Mischveranstaltung als "Deutscher Tag" würde sich ein Deutscher natürlich aufregen...)

(Fotos und Videos kommen noch.)

03. Januar 07

"Willkommen in unserem Land!"

von Gunda

Langsam frage ich mich, ob ich Recht gehabt habe, wenn ich immerwieder Japanern erzählt habe, daß die Deutschen mehr Routine im Umgang mit Ausländern hätten. - Schließlich liegt Deutschland in der Mitte von Europa, und es gibt offenen Grenzverkehr.

Was wir neulich im China-Imbiß beobachten durften, straft mich lügen:

Ein Paar mittleren Alters fragte doch ernsthaft den chinesischen Angestellten, ob er denn in Deutschland geboren sei. Als er das verneinte, sprach der deutsche Mann plötzlich sehr laut und deutlich: "Willkommen in unserem Land!"
Wie peinlich!!! Erstens wohnt der Chinese bestimmt schon seit vielen Jahren in Deutschland, zweitens ist er garantiert nicht plötzlich schwerhörig geworden. - Abgesehen davon, daß er zwar mit Akzent, aber doch fließend Deutsch spricht. Und was ist "unser Land"? Da bekommt man doch gleich als Ausländer das richtige Gefühl, bitte nur Gast zu bleiben. Und plötzlich fühlte ich mich doch sehr stark an Japan erinnert, wo wir oft das Gefühl hatten, daß man nach 20 Jahren wohl immernoch nur als Gast betrachtet werden würde. - Auch mit japanischem Paß...

01. Januar 07

Heimweh nach Japan

von Gunda

Langsam geht es, nach dem Auspacken der Berlin-Sachen, an's Eingemachte, an die Japan-Kisten. Alleine schon die Bücher und Fotos wecken bei mir Heimweh nach Japan. Und dann all die Gegenstände, von denen ich noch genau weiß, wo sie herkommen und unter welchen Umständen sie zu uns gefunden haben...

Wer das nicht selbst mitgemacht hat, wird es kaum glauben, daß man als Ausländer Heimweh nach einem fremden Land haben kann. (Ja, das tut richtig weh!) Tja, jetzt haben wir ZWEI Zuhause. Und jeder von uns muß seine eigene Strategie finden, um damit fertig zu werden.

Manchmal wache ich morgens auf und denke im Halbschlaf, ich bin in unserer Wohnung in Arakawaoki und denke daran, wo ich diesen Tag gerne hingehen möchte. Dann fällt mein Blick auf das Zimmer und das Fenster mit dem grauen Winterwetter, und ich denke an auszupackende Kisten und Orgakram... Das ist nicht leicht. Aber auch hier wird es Frühling werden, und bis dahin haben wir dann auch schon ein schönes Zuhause hier. So haben wir den Winter perfekt mit organisatorischer Ablenkung "verschlafen".

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