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« August 2006 | Start | Oktober 2006 »

29. September 06

Dankeschön

von Thomas

Das ist nun der allerletzte Eintrag in diesem Blog aus Japan!

Ein herzliches Dankeschön an alle, die in den letzten 2 Jahren immer wieder unsere Beiträge gelesen und oft auch kommentiert haben. Man hätte sicher noch viel mehr schreiben können, aber oft fehlte dazu die Zeit, vor allem in den letzten paar Wochen. Und trotzdem,  rückblickend gibt der Blog doch einen ganz guten Überblick darueber, was uns hier passiert ist, was uns beeindruckt, überrascht und oft auch verwirrt hat, was wir schön oder kurios, seltsam oder aufregend fanden, und wir so auch für uns selbst immer eine Erinnerungshilfe an die Zeit hier in Japan bleiben.

In den nächsten Tagen/Wochen werden sicher noch so manche rückschauende Beiträge hier erscheinen, aber dann irgendwann wird das Projekt wohl endgültig beendet sein. Was dann kommt, wer weiss...

Also nochmal vielen Dank an all die uns meist (leider) unbekannten Leser!  Dieser Blog hat uns und hoffentlich  auch euch viel Spass  und Freude gemacht :)

Noch mehr Abschiede

von Gunda

Gestern hatte ich meine letzten Unterrichtsstunden.

Der Abschied von der "Deutschfamilie" (Ich habe die Tochter unterrichtet.) ist mir besonders schwergefallen. Die waren alle immer so herzlich und lustig... Die Mutter hat mir erzaehlt, dass der Tochter die Zeit mit mir sehr viel bedeutet haette. Und das Maedchen hat mir zum Schluss ganz stolz erzaehlt, sie wuerde jetzt auch eine Brille bekommen; so, wie ich. (Dabei sind Brillen bei japanischen Damen SOWAS von out...)

Dann kam der Abschied von meinem inzwischen stark dezimierten Konversationskurs. Da kamen nochmal alle Fragen der Kategorie "Was sie schon immer von Deutschen wissen wollten, aber sich nie getraut haben zu fragen." aufs Tapet. Kuchen hatte ich auch besorgt, und der Abschied war schwermuetiger als gedacht.

Am Abend hatte ich das Gefuehl, dass mir einfach alles entgleitet und ich nichts festhalten kann...

Dieser Eintrag ist auch ein Abschied von Notizen vom Handy im Blog. Gleich melden wir unser Handy mit sofortiger Wirkung ab. Dann sind die Zeiten mit grossen Farbdisplays und Mails (auch mit Fotos) per Handy zum Spottpreis fuer uns erstmal vorbei und wir steigen wieder auf unsere deutschen Steinzeitmodelle um.

Sayonarah Luxus!

28. September 06

Götterdämmerung bei der Post

von Gunda

Gerade haben wir unsere Omamori-Sammlung komplett mit dazugehörigem Erntekorb, an dem sie hängen, per Post verschickt. Das Kunstwerk war so groß, dass es in keine Kiste gepasst hat. Würden wir richtig dran glauben, sind jetzt ca. 60 Schutzgötter unterwegs nach Deutschland. Da kann ja nichts mehr schiefgehen...

Putzrisiko

von Gunda

Vorhin, waehrend der Putzzeit im Sakura-kan (das Gaestehaus, in dem wir jetzt wohnen), wollte ich noch schnell was aus dem Zimmer holen und fand unseren Flur zwar mit Putzutensilien vollgestellt, aber voellig menschenleer vor. Alle Tueren standen offen. Ich bin einfach in unser Zimmer spaziert und hab mir genommen, was ich brauchte. Und weil mir das unheimlich war, habe ich auch gleich noch ein paar Wertsachen mitgenommen, woran mich niemand gehindert hat. Theoretisch haette ich das in den anderen Raeumen gleich genauso machen koennen. Dafuer, dass im Sakura-kan beim Putzen immer der Zustand rauskommt, bei dem ich zu Hause eine Grundreinigung anfangen wuerde, steht das Risiko hier in keinem Verhaeltnis zum Erfolg...

27. September 06

Nur noch drei Tage...

von Thomas

...und wir sind wieder in Deutschland. Gestern haben wir uns endgueltig von unserer Wohnung in Arakawaoki verabschiedet und nicht nur der Himmel fing da an zu weinen...

Am Morgen sind wir erstmal mit Matsuura-san dorthin gefahren, um den Makler zu treffen, der die Wohnung abnehmen sollte. Offensichtlich war alles ganz zufriedenstellend und wir koennen mit ein paar zehntausend Yen Kautionsrueckzahlung rechnen. Danach hiess es dann warten auf den J-Com-Mann, der unseren Fernseh- und Internetzugang kappen und die enstprechenden Geraete  einsammeln sollte. Der Mann hatte allerdings Verspaetung, was er uns auch wohl telefonisch mitteilen wollte, wir abe rnicht verstanden haben. Bevor wir das dann mit Rueckruf beim Service   und telefonischer Hilfe von Matsuura-san klaeren konnten, stand der Mann dann auch schon vor der Tuer ;)

Danach gings dann erstmal zum Mittagessen und dann auf eine letzte Einkaufstour, ein Geschenk fuer die Nachbarn und fuer die Hausbesitzerin musste noch her. Dann hiess es warten auf den Mann vom Offhouse Recycleshop, der um 4 Uhr kommen sollte, dann aber erst nach 5 Uhr kam :(

Die Zeit bis dahin haben wir dann mit letzten Aufraeumarbeiten, der Verabschiedung von der Hausbesitzerin, die uns noch auf  einen Kaffee hereinbat und der weiteren Verteilung von Haushaltsgegenstaenden auf die Nachbarn verbrachten.

Als dann endlich der Mann vom Offhouse kam, mussten wir erstmal mit ansehen, fuer wie wenig Geld wir die Sachen, Waschmaschine, Kuehlschrank, usw. loswerden wuerden. Am Ende gabs dann gerade einmal 11000 Yen fuer alles, noch nicht mal 20% vom Einkaufswert...

Uebrig blieben dann nur noch zwei Teppiche, der Staubsauger, drei Muelleimer und dutzende von Kleiderbuegeln. Da musste dann schon wieder die Nachbarin ran, die die Sachen nun fuer uns entweder entsorgen oder weiterverteilen wird. Und als wir dann in der leeren, dunklen Wohnung hockten, klingelte es nochmal und die Hausbesitzerin stand mit selbst gebratenen, noch warmen Mochis vor der Tuer. Allein das war schon ruehrend und dann erzaehlte sie uns noch, wie begeistert sie davon ist, dass wir die Wohnung in einem viel besseren Zustand zureucklassen wuerden, als viele japanische Mieter!

Tja, und dann sassen wir ein letztes Mal in unserem Tatami-Zimmer, assen die Motchis und nahmen endgueltig Abschied von unserer Wohnung...

Durch stroemenden Regen sind wir dann Richtung Bahnhof gegangen, um den Bus nach Tsukuba zu nehmen. Vorher noch ein letztes Mal einkaufen im Kaufhaus und dann ab ins Sakuara-kan. Ganz wie vor zwei Jahren haben wir dann jeder eine Nudelsuppe ausgeloeffelt, bevor wir dann totmuede ins Bett gefallen sind.

Und heute war ein erstes Abschied nehmen am Institut angesagt. Zum letzten Mal eine morgendliche Besprechung aller Gruppenmitglieder mit Tokura-sensei an der Spitze. Alle, die jetzt zum Monatsende gehen (insgesamt 5 Personen), mussten noch eine kleine Dankesrede halten. Danach dann meine letzte Roundtable-Diskussion, mit der Praesentation meiner letzten Ergebnisse. Und dann das Abschiedsessen in einem Restaurant ganz in der Naehe vom AIST. Das ist zwar eigentlich eine sehr nette Sitte hier, aber die Durchfuehrung laesst immer etwa zu wuenschen uebrig, man leaesst sich zu wenig Zeit, so dass das ganze leider immer etwas nach Pflichtuebung aussieht. Aber was soll's, in Deutschland ist noch nicht  mal das ueblich (jedenfalls dort, woe ich bisher war).

Jetzt bleibt nicht mehr viel. Das meiste liegt hinter uns. Ein paar Dinge sind bei der Arbeit noch zu erledigen, mein Fahrrad muss ich noch verkaufen, eine paar Dinge muessen wir noch per Post nach Deutschland schicken, Gunda muss noch etwas unterrichten, heute Abend treffen wir noch einmal Mari und ansonsten mal schauen, was wir noch machen werden. Viel wird es nicht mehr sein...

25. September 06

Alles auf Anfang

von Thomas

Nun hocken wir also wieder im Sakura-kan, dem Gaestehaus des AIST in Tsukuba, genauso, wie vor nun fast 24 Monaten, als wir nach Japan gekommen sind. Wir haben sogar quasi das gleiche Zimmer, nur genau eine Etage hoeher. Und unsere schoene Wohnung, ist nun fast ganz leer, nur noch der Kuehlschrank, die Waschmaschine und ein paar Regale sowie unser Esstisch, den Gunda so gerne mitgenomen haette, stehen noch drin und werden, wenn alles gut geht, morgen von einem Recycle-Shop abgeholt. Das war's dann also, sayonara Arakawaoki, willkommen in Bonn. Vor ein paar Minuten habe ich den Mietsvertrag fuer unsere provisorische Unterkunft im Oktober unterschrieben an den Vermieter gefaxt. Am Sonntag werden wir dort dann einziehen.

Der gestrige Sonntag war nochmal eine ziemliche Achterbahnfahrt. Erst sind wir ja nach Tokyo gefahren, haben uns als kleines Abschlussabenteuer nochmal in Shibuya die Haare schneiden lassen, sind voher noc in ene kleines Matsuri geraten, ich hab noch einige Bilder gemacht, waehrend Gunda in Asakusa noch letzte Geschenke gekauft hat. Dann gings nach Akihabara, zum letzten mal zu Yodobashi Camera. Einen schicken Reiskocher und ein paar Trafos fuer die Geraete, die wir aus Japan mitnehmen, haben wir uns noch gekauft. Vielleicht ist das mit dem Reiskocher eine bloede Idee, aber wir haben uns so an die Dinger gewoehnt, dass wir das ganz unbeding noch machen wollten.

Dann war unser letzer Tag in Tokyo auch schon zu Ende und ab ging es, nach Hause. Da stand dann bald Mari vor der Tuer, die usn ganz viele Sachen noch abgenommen hat. Unsern Fernseher, die Topfpflanzen (meinen Weihnachtsstern und Gundas Alohe Pflanze), unsere restlichen Lebensmittelvorraete (darunter noch vieles aus Deutschland, was wir einfach nicht mehr haben verbrauchen konnten...), das Waffeleisen von Roland und Petra incl. Rezept von meiner Mutter und noch ganz viel sonstigen Kleinkram sowie unseren kaum benutzten Gaeste-Futton.

Und dann ging es weiter mit der Packerei. Kiste um Kiste wurde gefuellt, immer die Sorge im Nacken, dass es doch mehr als 5 m^3 werden, und wir das uebrzaehlige Volumen selber zahlen muessen... Als dann die Sonne schon wieder aufging, hat sich Gunda doch noch etwas hingelegt. Aber auch wenn es knapp wurde, um 9 waren wir dann doch mit der letzten Kiste fertig :)

Kurz danach stand dann der Freund vom Mai-Ling, unserer taiwanesischen Bekannten aus dem letzten Sprachkurs auf der Matte. Die beiden mussten sich eine neue Wohnugn suchen und brauchten noch ein bischen Einrichtungzeugs. Da gingen dann ein paar Regale, der Wasserkocher, ein kleiner Tisch, die Couch, ein Teppich und unser Futton dahin...

Wir waren dann gerade mit dem Runtertragen der Sachen fertig, da kamen der Trupp von Yamato-Transport und natuerlich auch der unverzichtbare Matsuura-san. Drei Mann stuerzten sich auf unser Kisten, eine vierter (wie sich spaeter herausstellte war das der lokale Yamato-Chef persoenlich...) auf den Tanzu, der wirklich hoechst professionel verpackt wurde. Allerdings gabs dann auch gleich einen grossen Schreck: 62 Kilo statt 50 Kilo Luftfracht. Was tun? Eine Kiste als Seekiste umdecklarieren. Bracht aber auch nur 10 Kilo. Aber zum Glueck wurden dann mehrere Augen zugedrueckt und wir sind ohne Zuzahlung zur Luftfracht davon gekommen (das ist richtig teuer, 50 Kilo 100000 Yen!).

Bei der Seefracht sahs dagegen uebel auf. Obwohl alle meine eigenen Messungen und Rechnungen immer bei Werten klar unter den erlaubten 5 m^3  landeten, wurde uns klar gemacht, dass wir mit 6.5 m^3 rechnen muessten und daher gut 80000 Yen aus eigener Tasche draufzahlen muessten... Das waere natuerlich uebel gewesen und da dieses Volumen fuer mich nicht recht nachvollziehbar war, und es auch keine weitere Erklaerung dazu gab, war ich schon etwas angenervt und auch etwas enttaeuscht von meinem Lieblingsserviceland. Aber, was soll ich sagen, umsonst aufgeregt, vorhin rief mich Matsuura-san an und teilte mir feudig mit, die Yamato-Leute haben nochmal genau nachgerechnet und wir bleiben unter 5 m^3 :) Mal wieder Glueck gehabt...

Nachdem dann die Jungs von Yamato mit unseren Sachen wegwaren, sind wir dann erstmal mit Matsuura-san zum AIST gefahren, um unser Gepaeck schonmal ins Gaestehaus zu bringen. Dann gings schnell zum Mittagessen und dann wieder zurueck in die Wohnung, um schonmal aufzuraeumen, denn gleich morgenfrueh kommt der Makler, um die Wohnung abzunehemen. Allerdings muss Gunda heute noch arbeiten und konnte nicht lange bleiben. Hatte aber noch eine super Idee, um viel Kleinkram, vor allem unzaehlige Kistchen und Plastikboxen loszuwerden: Die Nachbarn! Die direkten waren nicht da, also ein Eingang weiter, zu den naechsten. Die gute Frau ist immer etwas ueberdreht, und war entsprechend begeistert, von all den Sachen. Ein paar Rollos und unser Buegeleisen haben wir ihr auch noch gegeben und fuer die Kinder gabs noch Spielzeugautos :)

Und dann musste Gunda weg zur Arbeit und ich hab weiter Muell entsorgt und noch die Wohnung gesaugt und bin dann zum letzten mal von Arakawoki zum AIST geradelt, auf dem Ruecken noch einen Rucksack mit etwas Kleinkram. Und in ein paar Minuten gehts dann wieder zurueck, Gunda kommt direkt von der Arbeit und spaeter kommt dann auch noch Mari, und nimmt noch ein paar Dinge mit. Vielleicht gehen wir dann noch kurz Essen (ich hab jetzt schon Hunger...) und dann wieder ab zum Sakura-kan und endlich schlafen!

Aber die Nacht wird wieder relativ kurz. Gund will schon frueh wieder nach Arakawaoki, um noch einmal durch die Wohnung zu putzen und ich komm dann mit Matsuura-san nach, weil ja der makler kommt. Aber das war's dann immer nochnicht ganz. Am Nachmittag muessen wir wieder hin, weil dann die Leute vom Recycle-Shop kommen.

Aber dann, dann geben wir endgueltig den Schluessel ab und fast 23 Monate Arakawaoki liegen hinter uns. Es war eine wunderbare Zeit, in einer schoenen Wohnung, mit der wir ganz viel Gleuck und bei der Auswahl den richtigen Riecher hatten. Unser Zuhause, fuer eine lange Zeit, die mir aber oft so kurz, viel zu kurz, vorkommt...

Mail an Ortrun

von Gunda

Hab Deine Mails noch schnell gelesen, bevor d.Computer eingepackt wird. Da antworte ich spaeter drauf. Haben d.Nacht durchgepackt. D.h., ich durfte wg.Migraene 45 Min.schlafen. Warten auf d.Taiwanesen, die einige Moebel abholen wollen. Die sind total unzuverlaessig u.natuerlich zu spaet. Hoffentl.ueberschneiden sie sich nicht mit Yamato Transport, d.eine Std.spaeter kommen sollen. Ich sterbe vor Stress! :-( Unser Volumen ist etw.ungewiss. Daumendruecken dringendst erwuenscht!!!

24. September 06

Fernseher statt Zeitschrift

von Gunda

Grad waren wir das letzte Mal in Japan beim Friseur. Nachdem unser Stammfriseur einfach zugemacht hatte, haben wir uns fuer Tokyo entschieden. Wir mussten sowieso n noch Besorgungen machen. Bei diesem Friseur konnte man als Beschaeftigung waehrend des Schneidens zwischen Zeitschriften und Mini-Bildschirmen waehlen, die "24" im Dauermodus von sich gaben. In Japan gibt es wirklich ueberall Fernseher. Aber DAS hatte ich noch nicht gesehen... p.s.: Ich werde die Kopfmassagen vermissen.

Ein letztes mal Tokyo

von Thomas

200609241303_1 Der Wettergott meint es gut und so fahren wir bei strahlend blauen Himmel noch einmal nach Tokyo, um die letzten Besorgungen zu erledigen...

23. September 06

Die harteste Verfluchung

von Gunda

200609230852_1 Nescafe hat echt n Rad ab! Kaffee mit Kohlensaeure!!!

22. September 06

Nervenauseinanderbruch

von Gunda

Ich sitze in einem Wust von Kisten an einem Computer, auf dem neben privaten Mails 14 (!) e-mails von Wohnungsanbietern (in Bonn) auf Beantwortung warten. So geht das jetzt jeden Tag. Ich weiß wirklich schon nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Dazu kommen noch Abschiedstreffen in allen Varianten und ein bischen Unterrichten. Freizeit haben wir im Prinzip gar nicht mehr. Vor der Arbeit und nach der Arbeit wird gepackt, was das Zeug hält. Uns rennt die Zeit davon, und das Volumen auch. Vieles, was ich lieb gewonnen und gehofft hatte, es mitnehmen zu können, muß verkauft oder verschenkt werden, und mir blutet jedesmal das Herz...

Überhaupt habe ich beim Einpacken die ganze Zeit das Gefühl, mir nichts Gutes zu tun. Ich reiße hier etwas auseinander, ein Gefüge, das ich ein halbes Jahr lang mit viel Energie aufgebaut habe. Das kostet auch nochmal viel Nerven.

Heute haben wir dann auch noch festgestellt, daß Yamato Transport das Volumen unserer Kisten wahrscheinlich anders berechnet als wir. Ich dachte ja auch immer, Volumen sei eine objektive Sache. Wenn ich im Supermarkt einen Liter Milch kaufe, ist da ja auch bei jeder Firma gleich viel drin. Aber nein, so einfach ist das nicht. Es könnte sein, daß wir ganz plötzlich ein Drittel mehr haben, als wir ausgerechnet haben. Und frag mich keiner, wie das gehen kann! Wenn's hier Festgelegtes und Regeln gibt, kann man in Japan ordentlich gegen eine Wand laufen, wenn man das hinterfragt. (Wir machen das natürlich trotzdem...)

Gestern waren wir im Recyclingladen, wo wir wahrscheinlich den Großteil unserer Einrichtung (samt Kühlschrank und Waschmaschine) loswerden. Allerdings zahlen die echt Spottpreise, und ich bin da auch jetzt schon von angenervt.

Am 25. ziehen wir endgültig aus. Dann gibt es noch viel zu organisieren. Aber das Packen fällt weg. Damit wird es dann wenigstens etwas ruhiger...

Man wünscht sich ja immer einen ruhigen Ausklang einer schönen Zeit. Aber das hier fühlt sich eher an, wie Rausgerissenwerden.

21. September 06

Erwischt!

von Thomas

Da hat mich doch glatt jemand letzten Sonntag in Harajuku fotographiert und das Bild bei flickr reingestellt... Sowas ;)

Ist aber gar nicht so schlecht geworden, muss ich sagen :)

Unter Beobachtung

von Gunda

Natuerlich haben die Nachbarn ein bischen mitbekommen, dass bei uns irgendwas im Gange ist. Eine Nachbarin wusste ja auch schon, dass wir wegziehen. Also wurde ich heute vor dem Haus ausgefragt so gut es ging. Ich glaube, einige der Nachbarn finden es richtig schade, wenn wir weg sind... ;-)

17. September 06

Ein letztes mal Harajuku?

von Thomas

Keine zwei Wochen bleiben uns nun noch in Japan, die Wohnung ist voller Umzugskisten, die Flugtickets hab ich gestern im Reisebuero abgeholt, die meisten Treffen sind inzwischen Abschiedstreffen.

Das gilt nicht nur fuer die Freunde und Bekannten hier, sondern auch fuer Ereignisse und Orte. Gestern waren wir nochmal auf einem Matsuri, in Ishioka. Der Chef von Gundas Sprachenschule hatte uns dorthin eingeladen. Es war ein schoenes Fest, das nochmal all das bot, was ich an den Matsuris so mag, den bunten Trubel, die ausgelassenen Leute, das wirre Durcheinander von Musik und lauten Rufen, halt einfach eine prima Sache :)

Heute war ich dann nochmal in Harajuku, auf der Eisenbahnbrueke neben dem Bahnhof, direkt gegenueber dem grossen Torii am Yoyogi-Park, in dem der Meiji-Schrein liegt. Ein Schnittpunkt der beiden japanischen Welten, der Tradition und der Moderne, ein wenig ganz Japan im Kleinen...

Leider hat es dann bald angefangen zu regnen, aber fuer ein paar schoene Bilder hat es noch gereicht ;)

Vielleicht, war's ja die letzte Gelegenheit, wer weiss...

15. September 06

Abschied, Hand- und Kopfarbeit

von GundaCimg4937_medium

Natürlich häufen sich jetzt die Abschiede immer mehr, und manche habe ich schon gar nicht mehr aufgeschrieben vor lauter Streß. (Z.B. den von meinem Konversationskurs gestern...)

Heute war meine letzte Kalligraphiestunde.

Die Lehrerin hat mich zu Hause abgeholt, und wir sind zusammen zu Jutta gefahren. (Bis dahin nichts Ungewöhnliches.) Edith hatte Besuch von zwei jungen Damen aus Deutschland, die bemerkenswert viel gemeinsam hatten: Sie heißen beide Amelie, sind Linkshänderinnen und blond, dazu noch beste FreundinnenCimg4945_medium und ziemlich gut drauf. Alles in allem eine prima Mischung, um den Unterricht zu beleben. (Nicht, daß er sonst langweilig gewesen wäre...)

Der Start der Stunde war erstmal ganz normal; bis ich mir ein Kanji zum Abschied aussuchen durfte. Tja, so überraschend schnell was ausdenken? Ich habe nach einigem Überlegen 故郷 (furusato / Heimat) ausgesucht, weil Heimat für mich im Moment das ist, was ich mir am meisten wünsche. Ich möchte ein Zentrum haben, einen Platz, bei dem ich nicht von Anfang an im Hinterkopf haben muß, daß ich bald wieder weg muß. (Das heißt nicht, daß ich demnächst zum Stubenhocker werde...)

Dann kam die übliche abschließende Kafferunde, zu der die Lehrerin (extra wegen meines Abschieds) etwas aus ihrer Heimatregion Hokkaido (mit Zutatan daher) beisteuerte: Heiße Kartoffeln in Milchsuppe mit Zimt und Zucker. - Im Prinzip das Gleiche wie Milchnudeln...Cimg4946_medium

Die Deutschen waren zum Abschied zum Glück nicht besonders rührselig. Auf dem Rückweg fragte mich dann die Lehrerin, wie mir die Gegend hier gefallen hatte. Ich war sehr vorsichtig, habe aber auch gesagt, daß sie halt wenig japanisch, sondern mehr amerikanisch wirkt, was für "Westler" etwas weniger interessant ist. (Antwort: "Yes, modern style." ...)

Weil ich ihr auch was geschenkt hatte, schenkte mir die Lehrerin den Rest unseres Übungspapiers ;-) und nahm mich ganz unjapanisch mit Tränen in den Augen in den Arm. "I will miss you", sagte sie immerwieder und versprach mir, nach Deutschland zu kommen, wenn wir unser erstes Kind bekommen.

Das alles konnte ich eine halbe Stunde lang verarbeiten, dann stand auch schon Thomas auf der Matte.

Später kam Mari zum Essen. Wir wollten mit ihrer Hilfe (weil wir nicht die Titel, sondern nur die Melodien kannten und vieles nicht lesen konnten) die Top 10, die uns die letzten zwei Jahre in Kaufhäusern, Restaurants und beim Sport begleitet hatten, bei iTunes kaufen. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus, denn Thomas konnte mit seiner deutschen Kreditkarte nur in der deutschen Version einkaufen, die wenig bis keinen J-Pop zu bieten hatte. Mari hat dann einen Account für sich eröffnet und uns den Preis mit ihrer Kreditkarte vorgestreckt. - Letztlich hat sie damit den Fernseher bezahlt, den sie von uns bekommt, wenn wir aus der Wohnung ausziehen.

Alles in allem war das natürlch etwas schwierig, weil Mari ja auch nicht alle Lieder kannte. Schon gar nicht alle mit Titel. Und iTunes hat einfach auch nicht alles. Aber Mari hat sich wirklich tapfer geschlagen und sich unsere Sammlung zur Aufgabe gemacht. Das war wirklich toll. Ich glaube, wenn ich das mit deutschem Pop hätte machen sollen; ich wäre heillos verzweifelt.

Anschließend habe ich dann noch (inzwischen schon mitten in der Nacht) Mari spontan bei der Produktion ihres ersten Ringes angeleitet. Der ist wirklich gut geworden. (Wenn ich da an meinen ersten Versuch denke...) Leider gibt es kein Foto von dem Ergebnis.

Um 2 h war dann dieser lange, lustige, aber auch ein bischen traurige Tag vorbei. Fünf Stunden Schlaf, dann geht es weiter...

Matsuri: Live aus dem Warteraum

    Hallo Gunda und Thomas,

Liev von Misakubo-Fest

Misakubo-Fest hält von heute in acht Tagen ab, und wird die Straße so nach langer Zeit sehr zu lebhaft. Dann sind aus Misakubo stammend viele Leute wegen des Fest nach Haus zurückgekehrt. Ich will das tun, daß ein Fest durch Live-Kamera überträgt. Das ist nämlich so, Die Kamera errichten vorm Hausflur, weil ich bei der Straße wohne, und richten die Kamera dann immer auf das Haus gegenüber gern. hier ist ein Wartesaa von Fest! So.. ich dürfe dann vielleicht ab und zu das Bier oder Sake im Wartesaa trinken. Sie werden dann mich auf dem Monitor ansehen, naja...

【Tagesordnungen】Japanisches Datum (16. Sept ~ 17. Sept zwei Tage lang)
Maskenzug-Fest ist von 9 Uhr bis 15 Uhr.
Festwagen(YATAI) ist von 17 Uhr bis 21 Uhr.

Live-Kamera von Fest : http://japaner.jpn.ph:8090/
Information von Fest : http://japaner.jpn.ph/bunka/matsuri/matsuri02_d.html

Du hast mindestens zwei Jahre in Japan gelebt?

von Gunda

Dann schicke ich Dir gerne den Fragebogen, mit dem Du vielleicht helfen kannst, die Servicewüste Deutschland etwas zu verbessern.

Einfach ein Kommentar mit Mailadresse hinterlassen...

13. September 06

Ich bin schuld!

von Gunda

Ich geb's ja zu! Ich bin bestimmt am schlechten Wetter schuld. Gestern haben wir noch geschwitzt, heute bei max. 20 Grad richtig gefroren. Ausserdem regnet es. Wie ich das gemacht habe? Also... erstens hab ich alle meine Sandalen in Umzugskisten verteilt und zweitens habe ich alle unsere Decken fein saeuberlich vakuumverpackt (wegen dem Volumen) und ebenfalls in Umzugskisten verstaut. Jetzt muss ich nachts ganz viel anziehen... Aber interessant ist auch, dass wir bei 20 Grad ueberhaupt schon anfangen zu frieren. Wir haben uns wohl doch schneller als gedacht an die 30-Grad-Marke gewoehnt...

12. September 06

Jesus war in Japan!

von Gunda

Jetzt isses raus!

Jesus war Reisbauer in Japan, hatte eine Familie, ist im Alter von 114 Jahren in Aomori gestorben und dort begraben:

Näheres bei BBC.

Wer's glaubt...

(Vielen Dank an Peter für diesen Hinweis.)

Kulturverwirrung

von Gunda

Ich möchte mich hier nicht über die Mail eines ehemaligen Schülers lustig machen, indem ich sie hier veröffentliche. (Meine japanischen Mails, gäbe es sie, wären wohl ähnlich...) Ich möchte damit zeigen, daß auch die Kleinigkeiten im Alltag total verwirrend sein können, wenn man nicht darauf vorbereitet ist. Hier zum Beispiel: Wie trocknen die Deutschen eigentlich ihre Wäsche? Auf dem Balkon, wie in Japan, offenbar nicht...

"Frauen Gunda,

Ich lebe jetzt in Nuernberug.

Ich habe Frage.

Warum trocken viele Leute  das Waschen in einer Veranda in Deutschland?

Lüften sie das Waschen mit einem Trockner?

Ich bin mysteriös."

11. September 06

Visumse 2

von Gunda

Zuerst möchte ich einen Dank an die Deutsche Botschaft in Tokyo aussprechen, die in keiner Weise auf meinen Beratungsbedarf bzgl. meines Visums reagiert hat. Na klar. Parties für Deutsche in Tokyo auszurichten und sauteure Gartenfeste zu feiern ist ja auch publicityträchtiger als Deutschen bei Visumsfragen zu helfen...

Ich muß auch noch dazu sagen, daß diese Visumsdifferenz nicht durch mein Verschulden entstanden ist. Ich hatte damals ein Visum bis zum 30. beantragt, aber aus irgendwelchen Gründen nur eins bis zum 27. bekommen. Wir waren nur damals so froh, daß ich überhaupt eine Verlängerung bekommen habe, daß ich gar nicht mehr nach den drei Tagen gefragt habe.

Wir waren also heute mal im Immigration Office in Tokyo, um das auch mal kennenzulernen. Auch hier war es, wie in Mito, alles sauber und auf Englisch ausgeschildert, also das genaue Gegenteil von der Ausländerbehörde in Berlin. Um die Gegenteiligkeit noch zu verstärken sprachen die Angestellten gut Englisch und machten keine Probleme bei der Änderung meines Status'. Ab heute bin ich für max. 30 Tage Touristin. ;-) Nur hätten wir uns den gesamten Vormittag Wartezeit sparen können, hätte ich gleich am richtigen Schalter eine Wartenummer gezogen. (Wer konnte schon ahnen, daß ich zu "Entertainer only!" muß?) Dafür konnte ich heute nicht unterrichten (mach nächste Woche einfach doppelt) und hab mit Thomas einen schönen (zu seinem Bedauern nicht roten) Sonnenuntergang an der Waterfront erlebt.

06. September 06

"Uns ist heute (endlich) ein Sohn geboren"...

von Thomas

...wird vielleicht mancher kaisertreue Japaner gedacht haben, als heute morgen verkündet wurde, dass nach 41 Jahren in der kaiserlichen Familie Japans wieder ein Junge geboren wurde, der langersehnte männliche Thronfolger.

Nun werden also erstmal alle Debatten über eine Gesetzesänderung, die ja quasi schon beschlossen war und nur gestoppt wurde, nachdem verlautbart worden war das Prinzessin Kiko, die Frau des jüngeren Sohnes des Kaisers, schwanger ist, gestoppt werden. Der Thronerbe ist geboren, wozu braucht man da noch ein neues Gesetz, dass eine Frau zur Kaiserin machen könnte?

Im Moment vielleicht nicht, aber was ist in 20, 30, 40 Jahren, wenn das heute geborene Kind wieder nur Töchter oder gar überhaupt keine Kinder bekommt? Nun hängt also alles an ihm bzw. seiner zukünftigen Frau, einen weiteren Sohn u produzieren und vielleicht endet es dann so, wie bei der jetzigen Kronprinzessin, die durch all den Druck doch bitte einen Sohn zur Welt zu bringen, nun psychisch krank ist  und gar keine Kinder mehr bekommt, sondern wenn dann nur noch Fehlgeburten  erleidet.

Aber das wird viele Anhänger der am längsten regierenden Monarchie der Welt nur wenig interessieren, da zählt nur, dass nun ein neuer männlicher Nachfahre der Sonnengöttin Amaterasu das Licht der Welt erblickt hat und eines Tages die Jahrtausende alte rein männliche Linie der Herrscher auf dem Chrysanthementhron fortsetzen kann...

Link: The Japan Times Online - Princess Kiko gives birth to a boy.

Visumse

von Gunda

Es gibt da noch ein winziges Problem, das mich, sollte es ungelöst bleiben, sogar in einen japanischen Knast bringen könnte: Mein Visum endet am 27., unser Flug geht am 30. Drei Tage ohne Visum könnte am Flughafen die Polizei auf den Plan rufen. Zum Glück gibt es den sympathischen Herrn von der Ausländerberatung in Tsukuba, dem sowas auch schonmal passiert ist (also, die gelöste Variante ohne Knast!) und der mir versicherte, daß alles ganz einfach ist. Ich muss für drei Tage ein Touristenvisum beantragen. Fertig. Nur bedeutet das, daß ich jetzt mindestens noch einmal zum Immigration Office muß, das ca. 1 1/2 Stunden von uns entfernt ist. Tja, und dann müssen wir noch ins Rathaus von Ami, unsere Alien Registration Card abgeben.

Abgesch...anot

von Gunda

Herr Schano hat 20 möblierte Wohnungen in Bonn. In einer davon wohnt ein Kollege von Thomas, dessen Arbeit er ab Oktober übernehmen soll. Also übernehmen wir erstmal auch die Wohnung. Dachten wir. Ein Anruf im August bescherte uns genuschelte unverständliche Unfreundlichkeit der besonderen Art. "Ja, rufen sie im September nochmal an." Klick. Aufgelegt. Gestern haben wir nochmal angerufen. "Nee, der Makler hat die Wohnung schon vermietet. Da kann man nichts machen." Häh???

Dabei klang das für uns im August doch eher nach Zusage, und Thomas' Kollege war auch in dem Glauben gelassen worden. Ich sehe schon, wir werden richtig gut Freund mit den Bonnern werden...

04. September 06

Fliegender Wechsel

von Gunda

Es gibt ungefähr zwei Sorten (zumindest akustisch) Zikaden in Japan. Die dicken schnarrenden, die ein tapsiges Flugverhalten an den Tag gelegt und einen öfter mal angeflogen haben (Uärks!), scheinen langsam auszusterben. Es liegen viele tote Exemplare rum. Übrig bleiben die kleinen klingenden schwarzen, deren Klang man schon eher mit dem "deutscher" Grillen vergleichen kann und die oft zusammen mit Windglöckchen verkauft werden, die ähnliche Toene machen. (Falls es mal windstill ist?)

Die Umzugskisten sind schon da...

von Thomas

Die Rueckfluege sind schon gebucht, die meisten Sachen schon gekündigt, der Auszugstermin steht schon fest und heute kamen dann auch schon die Transportkisten für unsere Sachen. Alles mal wieder gar nicht so einfach. Das fing schon damit an, dass der Typ von Yamato-Transport erstmal nach Matsuura-san fragte und uns erklärte, dass er keine Englisch spricht. Konnte er auch wirklich nicht, alleine schon für die Uebersetzung von Eigo (= Englisch) brauchte er gut 20 Sekunden...

Zum Glück kam Matsuura-san dann nach wenigen Minuten und die Tour durch unsere Wohnung, um das benötigte Kistenvolumen abzuschätzen, begann. Natürlich ist dabei ein Wahnsinns Wert herausgekommen. Angeblich haben wir 13 m^3 zu nach Deutschland zu transportieren. Das ist aber Quatsch. Wir sind mit 2.5 - 3 m^3 hier angekommen, und wenn man mal von unserem Tanzu absieht, der etwas mehr als einen halben Kubikmeter ausfüllt, sind niemals 10 m^3 an Sachen dazugekommen... Aber was solls, lass sie schätzen, was sie wollen, wir werdens einfach einpacken und dann sehen wir weiter...

In jedem Fall ist das schon eine recht traurige Angelegenheit. Ab jetzt wird unsere Wohnung nicht mehr so sein, wie sie es in den ganzen letzten 2 Jahren war. Und wenn wir auch erst die nicht so sichtbaren Sachen aus den Schränken verpacken wollen, so sind es jetzt doch die Umzugskisten, die den Eindruck prägen, den man momentan von der Wohnung bekommt. Na ja, wir versuchen in jedem Fall uns soviel Wohnlichkeit so lange wie nur irgend möglich zu bewahren. Vielleicht kriegen wir das ja irgendwie hin. Hoffentlich...

Beach, Bowling & Buddhas

von Thomas

Am Samstag wollten wir eigentlich beide nach Kamakura an den Strand fahren, leider konnte Gunda dann aber nicht mit, weil ihr Kopf sie mal wieder plagte. Also bin ich alleine los. Das Wetter war einfach nur ideal, Sonnenschein, aber nicht zu heiss und am Strand schliesslich ein bischen Wind. Der Strand war noch gut besucht, allerdings ist die offizielle Badesaison in Japan wohl schon wieder vorbei. Jedenfalls hatte alle Lokala und Buden am Strand schon zu, bzw. wurden sogar schon demontiert. Was solche Sachen angeht, erscheinen mir die Japaner immer unheimlich unflexibel. Warum verlaengert man nicht einfach alles um ein paar Tage, wenn das Wetter doch noch mitspielt und die Leute kommen?

Na, wie auch immer, es war jedenfalls mal ganz interessant einen anderen Strand als den in Oarai zu sehen. Die Atmosphaere war eine ganz andere. Oarai ist ja doch eher etwas verschlafen und irgenwie weniger am westlichen Stil orientiert. Und das lag jetzt nicht daran, dass in Kamakura auch mehr Auslaender sich am Strand tummelten. Die Sonnenphobie war hier z.B. viel weniger ausgepraegt. Die wenigsten Leute hatten einen Sonneschirm oder eines der hier so gebraeuchlichen kleinen Strandzelte. Man sah auch weniger voll bekleidete Leute oder wenigsten mit einem T-Shirt bekleidete.  Noe, wenn es nicht gerade Surfer waren, lagen die meisten einfach in Badehose bzw. Bikini am Strand und aalten sich in der Sonne. Wobei interessanter Weise den knapsten Bikini eine Dame schon durchaus aelteren Semesters trug, was wir auch schon von unserem Fitnessstudio kennen. Waerend dort die Teens und Twens den alles kaschierenden Schlabberlook bevorzugen, stehen dort die Damen ab Ende dreissig bis Ende vierzig auf hautenge, meist bauch- und schulterfreie Tops... Keine Ahnung woran das liegt, aber es ist schon sehr auffaellig.

Was noch auffiel war, dass die Leute laenger am Strand blieben, bzw. sogar noch sehr spaet neue kamen. In Oarai ist spaetestens ab 5 Uhr tote Hose (was auch wiedersinnig ist, denn einerseits versucht man sich mit allen Mitteln gegen die Sonne zu schuetzen, andererseits ist man nur am Strand, wenn die Sonne am staerksten vom Himmel braet...) hier war bis zum Sonnenuntergang der Strand noch gut besucht und erst als etwa um sieben die Sonne endguetlig untergegangen war, verliessen der Grossteil der Leute endguetlig den Strand.

Das mit dem Sonnenuntergang war leider ein kleiner Reinfall. Ich hatte eigentlich auf Sonnenuntergang im Meer Bilder gehofft, leider ging die Sonne dann doch eher parallel zum Strand unter, was nicht so wirklich spektakulaere Bilder gab. Na ja, man kann nicht alles haben...

Was auch nicht klappte, war meine kurze Tempelexkursion. Kamakura ohne Tempel kann man eigentlich nicht machen, dachte ich und da laut Karte ganz nah am Strand einer sein sollte, wollte ich da mal hin. Irgendwie hab ich das Ding aber nicht gefunden und bin stattdessen gut eine Stunde durch kleine Strassen in den Huegeln und Taelern entlang der Kueste herumgeirrt und war letztelich froh, noch rechtzeitig zum Strand zurueckzukommen, um den Rest des Sonnenscheins noch zu geniessen. So kann's halt gehen...

Gestern gab's dann ein ganz anderes Programm: Mari hatte uns geschrieben, dass unsere Toepfersachen aus Mashiko angekommen sind und gefragt, ob wir sie nicht anholen und dann den Tag zusammen verbringen wollten. Da sagten wir natuerlich nicht nein. Da Mari Hunger hatte, sind wir dann erstmal zu "Ali's Kebab Cafe" gefahren, was Mari nicht kannte und auch fuer uns eine recht skurrile Sache ist. Und dann ging's zum Bowling, was wir eh schon mal mit Mari machen wollten, dann aber ins Wasser gefallen war, da Mari damals nicht konnte. Das ganz wurde dann die erwartet lustige Angelegenheit und wir hatten alle viel Spass. Was es uns besonders Angetan hatte, war der Bowlingschuautomat, der aber leider keine Schuhe in meiner Groesse ausspuckt. Eine in jeder Hinsicht typisch  japanische Angelegenheit.

Irgendwie typisch und doch gleichzeitig  ganz  untypisch war der naechste  Programmpunkt.  Eine Tour zum Ushiku-Daibutsu. Obwohl Mari in Ushiku wohnt und man das Ding Dank seiner Hoehe von 120m auch noch aus mehrern Kilometern Entfernung sieht, war sie noch nie dort und fand es auch eher skurril, dass wir da hin wollte. Auch der Rest der Familie fand es spaeter ziemlich lustig, dass wir ausgerechnet dahin gefahren sind. Das ist aber nicht ungewoehnlich, die meisten Japaner reagierten so, wenn wir davon anfingen. Der Ushiku-Daibutsu zaehlt anscheinend nicht so recht, erst ist halt modern, hat noch keine tausend Jahre auf dem Buckel, warum soll man sich das anschauen? Man hat doch Kamakura und Nara, was braucht man da so einen riesen Kerl in Ushiku?

Wie auch immer, ich finde ihn immer sehr beeindruckend und vor allem auch das stylische Innere mit dem Mix aus alt und modern sehr interessant und letztlich auch schon ziemlich typisch japanisch.

Danach gings dann zu Maris Eltern, um die Toepferwaren zu begutachten. Und ich muss sagen, ich war schon ziemlich platt. Wenn man mal davon absieht, dass, vor allem in meinem Fall, die aussere Form und Groesse etwas vom Zufall diktiert wurde, sehen die Sachen so lackiert und gebrannt doch richtig professionell aus. Es ist erstaunlich, wie schnell man da ein Erfolgserlebnis hinbekommt :)

Da das jetzt als Tagesprogramm noch nicht genug war, sind wir dann noch mit der ganzen Familie zum Essen gefahren. Ein Lokal weit draussen in Tsukuba (was dazu fuehrte, dass Mari und ihre Mutter sich ein paarmal verfahren haben) in einem westlich-japanischen Stil. Das Gebaeude und der Garten drumherherum waren klassich japanisch, dass Essen dagegen stark italienisch angehaucht. Alles sehr nobel und edel und sicher wahnsinnig teuer. Aber es hat sich wenigstens gelohnt, war alles ausgesprochen lecker und ein netter, lustiger Ausklang des Abends!

01. September 06

Tsunami im Aquarium

von Gunda

Gestern gab es ein kleines Erdbeben, das ich interessanterweise im neunten Stock eines Hochhauses erleben durfte.
Gerade als ich die Familie meiner Schülerin verlassen wollte. Interessant war es deshalb, weil der neunte Stock einfach länger nachschwingt und es mehr schaukelt als bebt. Das Aquarium schwappte fast über, weil sich die Wellen beim gleichmäßigen Schaukeln addierten, der fünfjährige Bruder meiner Schülerin lag schreiend auf dem Sofa, weil er Aufmerksamkeit wollte, meine Schülerin lief zum Türrahmen und hielt das Klavier fest (warum auch immer...), und ich unterhielt mich mit der Mutter über Erdbeben in Hochhäusern.

Und noch ein kurzer Wetterbericht:
Heute sind bei Regen 26-28°C, und ich friere schon fast. Wir scheinen uns doch ziemlich an die Temperaturen gewöhnt zu haben. Wenn wir Ende September aus einem sommerlich-heißen Japan ins herbstliche Deutschland kommen, wird uns das wahrscheinlich wie Winter vorkommen...

Bilder vom August

von Thomas

Und wieder ein paar Bilder aus dem vergangenen Monat. Leider noch ohne Kyoto Bilder...

Legs & feet
Caramel pudding parfait
Chanel
Authentic design
'69'
Minnie Mouse
Facial expression
Double night pan
Night profile
Black rose
Sakurako at the beach
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