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« Juli 2006 | Start | September 2006 »

30. August 06

Der letzte Besucher

von Thomas

Am Sonntag ging unser letzter Urlaub in Japan zu Ende, heute hat sich unser letzter Besucher aus Deutschland verabschiedet. So ist das jetzt halt, fast alles, was wir im Moment machen, machen wir zum letzten mal...

In jedem Fall war es aber ein schöner Abschluss in der Reihe der Besucher aus Deutschland, die in den letzten beiden Jahren hier bei uns eingetrudelt sind.  Manfred  kam am Montag  recht spät aus Tokyo zu uns raus und gestern haben wir dann noch etwas Besuchsprogramm gemacht. Erst bin ich mit ihm ins Institut gefahren und hab dort eine kleine Führung durch die Labore gemacht. Sonst war nicht viel los, von den Profs war eh keiner da und sonstige alte Bekannte gab es auch nicht. Zum Mittag sind wir dann nach Tsukuba gefahren und haben uns dort mit Gunda getroffen. Wir sind in eines unserer Lieblinglokale gegangen, ins Rakeru. Dort gibt es "Omuraisu" gegessen, was Manfred nur vom Sehen her kannte. Omuraisu ist eine jener japanischer Spezialitäten, die die Japaner für ein typisch westliches Essen halten, dass es aber (unseres Wissens) nirgendwo in der westlichen Welt so gibt... Was ist es? Reis eingewickelt in Ruehrei (daher eben Omuraisu = Omelette + Reis). Das ganze gibt es dann mit verschiedenen Sossen, Beilagen oder Fleisch. Typisch japanisch halt... Der Nachtisch fiel in die gleiche Kategorie: Eisparfait. Große Eisbecher, angereichert mit Kuchen, Pralinen, Sahne, Pudding, Obst oder Cornflakes oder alles zusammen...

Nach dem Essen ging's dann zum Tsukuba-san (wohl auch zum letzten mal...). Allerdings waren wir schon etwas spät dran, und da sind wir nur bis zu dem Schrein auf halber Höhe gekommen. War aber gar nicht schlimm, es waren mal nur sehr wenig Leute dort und man konnte sich alle in Ruhe ansehen und Bilder machen :)

Zurück in Tsukuba gings noch nach Starbucks, in einen 100-Yen-Shop und einen Photoautomaten, um ein paar witzige Bilder zu machen, wie wir es mit fast allen Besuchern gemacht haben. Das ist immer ein riesen Spass, etwas albern zwar, aber was soll's, es ist halt immer wieder ein Event und eine schöne Erinnerung...

Zum Abendessen ging es dann in ein kleines Yakinikku-Restaurant in Arakawaoki. Das hatten Gunda und ich nach dem letzten Matsuri dort entdeckt. Es gibt dort nur ein paar Tische und man grillt mit echter Holzkohle und nicht mit den üblichen Gasbrennern. Es ist schon immer ein toller Anblick, wenn der Koch einem dann den Topf mit der glühenden Kohle auf den Tisch stellt. Als wir ankamen, war eigentlich alles voll, doch eine Familie, die an zwei Tischen sass, rückte einfach etwas enger zusammen, damit wir einen der Tische bekommen konnten. Das war natürlich ganz lieb... Am Ende haben uns dann noch ein paar Männer vom Nebentisch angequatscht, nachdem sie endlich nach ausreichendem Trinkgenuss mutig genug geworden waren. Da gabs dann übliche Fragestunden incl. großem Hallo, wenn man sagt, dass man aus Deutschland kommt. Wie das hier weit ab von Tokyo halt so ist, selbst nach zwei Jahren noch...

Dann bleibt nur noch zu berichten, dass Manfred heute ganz früh nach Narita gefahren ist und jetzt wohl gerade irgendwo über Nordrussland schwebt. In einem Monat in Bonn werden wir uns dann wiedersehen...

Nachtrag zum Kyoto-Urlaub

von Thomas

Am späten Sonntagabend sind wir wieder zurück von unserer letzten Reise in Japan gekommen. Und wenn es auch eigentlich viel zu warm und schwül war, so war's doch nochmal ein schöner Abschluss, aus dem wir das beste rausgeholt haben. Und trotz Konferenz, die recht gut verlief und ganz interessant war, war's auch für mich doch auch Urlaub. Dabei hat es natürlich auch geholfen, dass wir schon so oft in Kyoto waren. Man brauchte keine Zeit mehr damit zu verschwenden, sich zu überlegen, wie man von A nach B kommt, wenn wir abends noch rausgingen, wusste wir, wo man noch was interessantes sehen konnte. Meist waren wir in Gion, sind entweder entlang der grossen Strassen mit den vielen Kaufhäusern, Geschäften und Lokalen spaziert oder haben uns in kleine Seitenstrassen verdrückt, die einem noch etwas von der Stimmung vermitteln, die hier mal vor längst vergangenen Zeiten geherrscht haben mag. Am letzten Abend haben wir dann sogar noch eine echte Maiko gesehen :)

Viele neue Tempel/Schreine haben wir uns nicht angesehen, nur den Heian-Schrein incl. dem ihn umgebenden Park und einige kleinere Anlagen rund um den Kiyomizu-dera, dem wir auch nochmal einen Besuch abgestattet haben. Mehr war für mich (Gunda war auch noch auf einem Flohmarkt am To-ji) zeitlich und für uns beide wegen der Hitze einfach nicht drin, sollte der Urlaub nicht zu sehr in Stress ausarten. Am Samstag waren wir dann noch in Himeji und haben uns die größte noch weitestgehend authentische Burg Japans angesehen. Das war natürlich besonders für mich ganz toll, sah es dort doch genauso aus, wie ich mir immer solch eine japanische Burg vorgestellt habe. Von dem Nachbau aus Beton in Osaka war ich ja doch etwas enttäuscht...

Daneben war die Fahrt nach Kyoto vor allem als Gelegenheit viele Leute zu treffen ein voller Erfolg. Manfred war da, Takuya und seine zukünftige Frau haben wir bei einem echt japanischen Abendessen auf einer Terrasse am Fluss in Gion getroffen, Lee-san aus Korea war da und natürlich Roland und Petra, mit denen wir ein paarmal zum Abendessen gegangen sind. Wenn die beiden auch damals sehr froh waren, endlich wieder nach Schweden zurückgehen zu können, merkte man ihnen doch auch deutlich an, dass das nicht so einfach war, in Schweden auch nicht alles so toll ist, wie es von Japan aus aussah und die beiden doch vieles vermissen, wie z.B. das japanische Essen oder einfach nur die Möglichkeit, auch am Abend noch ohne Stress einkaufen gehen zu können. Vor allem letzteres oder auch die oft (gerade in kleinen Ortschafften) deprimierenden, weil so leblosen, Sonntage wieder zu ertragen, wird mich einiges an Mühe kosten (da gibt es ein Lied von Johnny Cash, in dem das gut rueberkommt, eine Stelle darin lautet:"'Cause there's something in a Sunday That makes a body feel alone." usw...).

Bilder haben wir natuerlich auch ganz viele gemacht, aber bis davon wenigstens ein kleiner Qerschnitt auf unserer Webseite erscheint, wird es noch etwas dauern, aber nach und nach wird es schon werden. Soweit es Fotos angeht, braeuchten wir uns um eine Ende dieser Seite keine Sorgen machen, da werden wir noch Monate mit verbringen, zu sichten, auszuwaehlen und die Bilder zu veroeffentlichen :)

Das war also Kyoto, zum letzten mal fuer lange Zeit, aber hoffentlich nicht fuer immer, dazu ist es dort einfach zu schoen...

27. August 06

Deutsche Fussballer

von Gunda

200608031056_1

Jetzt auch in der Drogerie

von Gunda

200608031104_1 ... die Sommerdepression...

26. August 06

Himeji Castle

von Gunda

200608261318_1... ist heute unser Tagesausflug. Abends krieg ich nen Kimono angezogen. Morgen gehts ab nach Hause.

25. August 06

Sammlungserweiterung

von Gunda

Auf einem Flohmarkt am Toji-Tempel habe ich am Montag ein ziemlich kunstvolles traditionelles Bambusrollo erstanden. Nach einstuendiger Suche habe ich dann gestern auch den Antik-Kramladen wiedergefunden, den ich im Oktober mit Ortrun entdeckt hatte. Den werde ich dann heute Nachmittag stuermen. ;-) Gut, dass wir 5 Kubikmeter Seefracht mit nach Deutschland nehmen koennen und nichts dafuer bezahlen muessen. Ich muss mich trotzdem etwas zurueckhalten. Schliesslich haben wir zu Hause ja auch schon einiges. Ich bin schon gespannt, wie sich unsere Sammlung in einer deutschen Wohnung in Verbindung mit unseren Sachen macht, die wir in Berlin gelassen haben.

Sonst alles toll

von Gunda

Es ist ja nicht so, dass es hier ausschliesslich heiss und vermueckt waere. Thomas bekommt z.B. Arbeit und Freizeit gut unter einen Hut, und wir haben viel voneinander. Abends treffen wir meistens nette Leute, die wir schon laenger nicht gesehen haben und die aus allen moeglichen Ecken der Welt angereist sind. Nur die Besitzerin unseres japanischen Hotels fuehlt sich wohl etwas vernachlaessigt und scheint manchmal zu vergessen, dass wir nicht ihre privaten Gaeste sind...

いただきました!

von Gunda

Alle haben gesagt, es ist verrueckt, im Sommer nach Kyoto zu fahren, weil Hitze und schlechte Luft in den Talkessel absacken, in dem die Stadt liegt. Das kann ich nur bestaetigen. Ich hangle mich tagsueber von klimatisiertem Raum zu klimatisiertem Raum, komme immer verschwitzt ins Kalte und habe schon ein verdaechtiges Kratzen im Hals. Die Hitze macht auch unglaublich muede und appetitlos. Und dann die Muecken! Die fressen mich hier echt auf. Nach den ersten 10 Stichen in zwei Tagen habe ich aufgehoert zu zaehlen. Dass mich japanische Insekten (mushi) besonders anziehend finden, wusste ich ja schon. Aber jetzt hilft noch nichtmal mehr "Mushi bye bye" der Firma "Omi"... Wenigstens hab ich "Mushi patchisu", Wirkstoffpflaster, die den Juckreiz etwas stillen und das Aufkratzen (mein Lieblingshobby) verhindern. Mal sehen, wie diese "Mueckenspeisung" fuer mich enden wird...

22. August 06

Zwischenbericht

von Thomas

Nur ein kurzer Beitrag vom Konferenzrechner. Wir sind gut hier angekommen, das Wetter ist natuerlich viel zu heiss, die Sonne brennt vom Himmel. Die Konferenz laeuft soweit gut, meinen Vortrag habe ich schon gluecklich hinter mich gebracht. Viele alte Bekannte haben wir schon getroffen und viel Spass dabei gehabt. Unser Hotel ist sehr schoen, wunderbar in Schuss, nur die Besitzerin ist zwar nett, aber auch sehr aufdringlich. Offensichtlich hat sie zuviel Zeit... Waehrend ich meisst bei der Konferenz bin, geht Gunda in Kyoto auf Entdeckungsreise :)

Und das war's auch schon, die Schlange der Wartenden, die an den Rechner wollen, wird immer laenger ;)

19. August 06

Ein Tag am Strand

von Thomas

Heute waren wir mit Mihoko und ihrer Tochter Sakurako in Oarai am Strand, ein wunderberer Tag bei Sonnenschein und (leider) grosser Hitze...

Morgen geht es dann nach Kyoto, bis zum naechsten Sonntag. Und solange werd es hier hoechstens den ein oder anderen Kurzbericht per Handy geben. Aber danach geht es wie gewohnt weiter und Kyoto liefert ja bestimmt auch wieder Stoff fuer viele Geschichten :)

18. August 06

Der vorletzte Besucher

von Thomas

Eigentlich hatten wir ja nur noch mit einem Besucher aus Deutschland gerechnet, naemlich mit Manfred (dem Hauptschuldigen an unserem Aufenthalt hier in Japan). In der naechsten Woche sind wir naemlich in Kyoto, fuer mich eine Dienstreise wegen einer Konferenze, fuer Gunda und mich zusammen aber auch der letzte grosse Urlaub hier in Japan, und dort treffen wir viele alte Bekannte, z.B. meine beiden Exkollegen aus Japan, Roland und Lee (inklusive naturlich Rolands Freundin Petra und der Familie von Lee) und meine gesamte Exarbeitsgruppe aus Berlin, naemlich Manfred, Takuya, der ja wieder in Japan ist und Dhuong, der ebenfalls wieder in seinem Heimatland, in Vietnam, ist. Manfred faehrt dann nach der Konferenz noch nach Tokyo und kommt natuerlich auch zu uns, nach Tsukuba.

Soweit der erwartete Ablauf. Jetzt hat sich allerdings noch ein weiterer Kollege aus Berlin dazwischen geschoben, der hier in Tsukuba zu einem Workshop eingeladen war. Das haben wir erst am Montag erfahren und am Mittwoch war er dann auch schon da. Gunda und ich sind dann am Abend mit ihm essen gegangen und heute war ich nochmal hier bei der Arbeit mit zum Essen in der Cafeteria.

Das interessantes an solchen Besuchen ist es ja immer, zu erfahren, wie Japan auf die Leute wirkt, vor allem, wenn sie, wie auch in diesem Fall, vorher noch nie hier waren und sich auch gar nicht naeher damit beschaeftigt haben.

Was ist ihm aufgefallen? Zunaechst einmal die grosse Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit, was mir wieder bewusst macht, wie sehr wir uns schon daran gewoehnt haben. Klar, mir ist es auch zu warm und zu feucht, aber ich empfinde den Sommer doch eher als kuehler, denn im letzten Jahr, was vor allem an dem vielen Regen liegt. Es ist nachts bei weitem nicht so drueckend, wie im letzten Jahr und eigentlich, empfinde ich den Sommer, weil es eben so oft regnet, eher als Reinfall...

Was noch? Natuerlich viele "Standards"... Die extreme Hoefflichkeit, die hohe Zuverlaessigkeit, die wesentlich weniger aggressive Atmosphere, Ruecksichtnahme im direkten Umgang miteinander, die hohe Qualitaet des Essens bei vergleichsweise geringem Preis, die Vorteile einer echten Dienstleistungsgesellschaft, die "Schlafkrankheit" der Japaner, usw. Kurz, vieles, was man eben so von Japan erwartet und einem das Land als sehr angenehm erscheinen laest (und er war auch letztlich sehr angetan vom Land).

Waehrend das jetzt nicht so interesssant und ueberraschend ist, war eine Sache, die ihm gleich bei der Fahrt vom Flughafen her aufgefallen ist, doch sehr gut beobachtet. Naemlich der extrem hohe Grad der Verwestlichung beziehungsweise speziell der Amerikanisierung, die ihm jetzt speziell beim Betrachten der Bebauung aufgefallen ist. Und das stimmt, wenn ich morgens zur Arbeit fahre, dann koennte ich mich auch irgendwo in Amerika befinden, ein Lokal neben einem Autohaendler,  dann wieder  irgendein Grosshaendler, dann wieder ein Lokal, usw.  Das ganze schnell hochgezogen, mit wenig  Sinn fuer Staedteplanung und Aesthetik, hauptsache schnell und billig. Dazwischen immer mal wieder ein paar verlassene Schrottbuden, dann wieder ein schicker Neubau. Ja, so sah das in den Aussenbezirken von San Jose auch aus und ebenso in den kleinen Staedten rund um Seattle. Woran die Japaner sich da orientiert haben, sieht man recht schnell und ein Haus, dass noch ein typisch geschwungen japanisches Dach hat, wirkt hier fast so exotisch, als wenn es im Schwarzwald stuende...

Im Fernsehen ist ihm das auch aufgefallen, der selbe Schund an niveaulosen Schows, billige Serien und Filme, noch mit japanischen Hintergrund, aber von der Machart her einfach nur westlich/amerikanisch.

Und so zieht sich das ja durch alle Lebenslagen. Das man soviele dicke japnische Kinder sieht, liegt bestimmt nicht am uebermaessigem Sushi-Konsum, sondern eher an der doch unaufhaltsamen Verbreitung von McDonalds, Starbucks, usw... Am extremsten faellt es mir ja immer noch bei der Mode auf, denn was ist das denn, was Gunda da letztens beschrieben hat? Es ist Wirklichkeit gewordenes amerikanisches Fernsehen und Kino. Die knappen Outfitts, die Sonnenbraeune, der Hang zu Edelmarken, das extreme Aufdonnern mit Makeup usw... Und da es ja keine Rueckkopplung mit der westlichen Wirklichkeit gibt (denn wer laeuft dort schon wirklich auf der Strasse rum, wie Paris Hilton und Co. und welcher Japaner weiss das aus eigener Erfahrung...), sondern nur die aufpolierte Version aus den Medien, gibt das dem Ganzen hier doch etwas Unwirkliches, Uebersteigertes, oder, wenn man es eher positiv sehen will, spielerisches.

Will man es pessimistisch sehen, dann koennte man auch sagen, man sieht dabei zu, wie sich eine interessante, erfolgreiche und eigentstaendige Kultur in die Karrikatur einer anderen, ihr eigentlich wesensfremden und in ihren Werten inkompatiblen, verwandelt...

Ja, ham die denn keine eigene verrückte Kultur???

von Gunda

Japan in Deutschland!

15. August 06

Geschichten deutscher Ausgewanderter

von Gunda

Neulich hat mich ein Schüler gefragt, ob ich gerne wieder nach Deutschland zurückgehe, oder ob ich bleiben wollen würde.

Knifflige Frage, aber die Antwort war im Prinzip klar: Ich freue mich auf Deutschland, ABER ...
natürlich werde ich Japan sehr vermissen. Ja, ich möchte jetzt wieder zurück. Und zwar nicht, weil ich Japan plötzlich schrecklich finde, sondern weil ich bei mir ein interessantes Phänomen beobachte. - Ich fange an, den Kontakt und den Realismus gegenüber Deutschland zu verlieren und aus Erinnerungen zu leben. Dabei weiß ich ganz genau, daß sich Deutschland zwar nicht so rasend schnell verändert wie Japan, daß aber das Deutschland, das wir verlassen haben, auch nicht mehr in dieser Form besteht. Wir werden uns neu eingliedern müssen, und das betrifft fast alle Teile unseres Lebens. Das soziale Leben, die Kommunikation, die Arbeitsweise, die Freizeitgestaltung, das Auftreten im öffentlichen Raum, die Informationsbeschaffung, Einkaufen, der Umgang mit Geld, Restaurants usw. usw.
Auch Thomas hat gesagt, daß er, würde er noch viel länger hierbleiben, sich schlecht in die deutsche Forschung wieder einfinden, also auch dort den Kontakt verlieren würde.

Ich möchte nicht, daß mir das passiert, was ich bei einigen Deutschen in Japan gesehen habe, die schon sehr lange hier sind. Klar, manche haben es geschafft, zu beiden Ländern guten Kontakt zu haben oder sich eine eigene Welt geschaffen, in der sie zuhause sind. Aber es gibt auch diejenigen (und das ist die Mehrzahl), die quasi alles verloren haben. Sie sprechen gut Japanisch, finden aber keinen Zugang zur japanischen Kultur oder verlieren sich kritiklos darin; sie machen nur noch Urlaub in Deutschland, wo sie das sehen, was sie sehen wollen und noch von früher kennen. (Und ihre Erinnerung scheint sich mit den Jahren auch zu verändern.) Aber heimisch fühlen sie sich in keinem der beiden Länder. Sie sind zerrissen und frustriert. Da ist es für sie geradezu eine Wohltat, in Japan als Deutschland-Experte und in Deutschland als Japan-Experte befragt zu werden. Etwas anderes bleibt ihnen nicht. Und was da dann an Informationen herauskommt, ist manchmal wirklich haarsträubend. Ich habe z.B. gestern wirklich Probleme gehabt, tatenlos zuzusehen, wie meine eine ältere Kollegin unserem Chef von Deutschland erzählt hat. Hätte ich eingegriffen, hätte es wohl ziemlichen Krach gegeben...

Ähnlich verhält es sich mit vielen Japanern, die schon lange in Deutschland leben. Ich kann mich z.B. daran erinnern, daß mir ein japanischer Mitarbeiter im JDZB damals gesagt hat, er würde gerne, aber könne nicht mehr zurück nach Japan; es sei zu spät für ihn. Ich war sehr erstaunt über diese Aussage. Jetzt verstehe ich ihn. Dabei verändert sich Japan noch viel schneller als Deutschland. Auf allen Gebieten, z.B. auch bei der Kommunikation. Deshalb waren Bücher und Berichte von Leuten, die schonmal in Japan gelebt haben, zwar im Vorfeld wichtig und nützlich für uns (vorallem, um uns auf einen hohen Grad "Andersartigkeit" einzustellen), aber letztlich schon veraltet, als wir hier angekommen sind. (Bezeichnenderweise auch die Berichte von Japanern über ihr Heimatland...)

Und Manfred und Gertrud haben uns am Anfang ein Paket mit Dingen geschickt, die sie damals vermißt hatten, man hier aber schon längst größtenteils kaufen konnte...

Wenn wir nach Deutschland zurückgehen, wird auch unsere Sicht auf Japan veralten und sich in der Erinnerung verändern. Aber mir ist es lieber, daß es in diese Richtung passiert, als daß ich irgendwann das Land verliere, in dem ich den größten Teil meines Lebens verbracht habe. Und schließlich haben Thomas und ich uns immerwieder neu entschieden (d.h., es war die ganze Zeit klar), daß wir den Rest unseres Lebens (wenn nichts dazwischen kommt) in Deutschland verbringen wollen, weil es für uns doch irgendwie mehr Heimat ist, als jedes andere Land. (Wie fremd man sich allerdings auch in Deutschland fühlen kann, habe ich gemerkt, als ich ein Jahr lang in Dortmund gewohnt habe.)

Alles in allem kommt es immer und überall auf der Welt darauf an, in sich selbst heimisch zu sein und sich die entsprechende Umgebung selbst zu schaffen. Das habe ich hier in Japan gelernt. Ich scheine das inzwischen zu können, ein Zuhause zu schaffen. Und letztlich sind Thomas und ich uns auch gegenseitig ein Zuhause. Ob wir nun in Berlin wohnen, in Arakawaoki oder in Bonn...

14. August 06

Kare Raisu

von Thomas

"Kare Raisu" ist die japanische Variante von Curryreis, besonders beliebt als "Katsu Kare", bei dem auf den Curryreis noch ein dick paniertes Schnitzel gepackt wird. Schmecken tut das Ganze, als hätte jemand mal indisches oder thailändisches Curry gegessen und versucht nun, es nachzukochen, ohne eigentlich genau zu wissen, was da reinkommt und stattdessen Zutaten verwendet, die er aus seiner gewohnten Küche kennt. Aber trotzdem ist es hier in Japan unheimlich beliebt (leider so beleibt, dass hier auch oft Curry beim Inder ein wenig nach "Kare Raisu" schmeckt...). In jedem Family-Restaurant gehört es zum Standard auf der Speisekarte und neben den vielen japanischen und chinesischen Nudelsuppenrestaurants, gehören die Kare-Shops zu den den meistbesuchtesten, wenn man mal ohne viel Aufwand und billig satt werden will, und das, wie eigentlich immer, bei trotzdem sehr guter Qualität.

Neben Japanern gehören vor allem auch die Gaijins zu den Liebhabern des "Kare Raisu". Das liegt wahrscheinlich daran, dass man es erstens an jeder Straßenecke bekommen kann, man zweitens das Gefühl hat, was halbwegs Vertrautes zu essen und drittens, man keine Stäbchen zum Essen braucht. ;) So haben wir das am Anfang auch gemacht, bis wir das Zeug nicht mehr riechen konnten (wir haben noch immer einige, inzwischen fast 2 Jahre alte, Packungen mit Instant-Kare zu Hause...), so haben es meine Cousine samt Anhang gemacht (wenn sie denn keine Sandwiches gegessen haben...), mein Kollege Manfred gehört seit seiner Zeit in Japan zu den Fans, Kollege Roland zelebrierte jeden Mittwoch das "Katsu Kare"-Essen fast so, als wenn's eine heilige Handlung wäre (wahrscheinlich musste das Brimborium sein, da er es eigenlich überhaupt nicht mehr ausstehen konnte...) und viele der anderen ausländischen Wissenschaftler hier am AIST machen es ebenso.

Und damit bin ich endlich beim Thema... In den letzten Wochen war ich recht häufig alleine essen, da Matsuura-san nicht mitgehen konnte (die Geschichte ist eigentlich einen eigenen Beitrag wert...) und auch heute war ich alleine, da Matsuura-san noch im O-bon Urlaub ist. Wenn man alleine Essen geht, hat man natürlich viel Muße, sich umzuschauen, was um einen herum so vor sich geht. Besonders interessant sind natürlich die Ausländer für mich. Und über die kann man schon sehr viel erfahren, wenn man nur schaut, was, wie und mit wem sie essen.

Die meisten essen natürlich irgendein beliebiges der zur Auswahl stehenden Gerichte, gerade wenn sie schon etwas länger da sind, in einer Gruppe sind, in der wenn möglich auch noch Japaner sind, aber viele kommen kommen auch kaum über die "Kare Raisu"-Phase richtig hinaus und wenn man sie öfter sieht, dann essen sie halt immer wieder das Gleiche. Das sind oft die, die entweder gar keinen richtigen Anschluss gefunden zu haben scheinen, oder der Anschluss nur aus anderen Ausländern besteht. Wie weit der Grad der Isolation ist, sieht man dann daran, wie sie das "Katsu Kare" essen: Mit Stäbchen! Wie auch ich in den ersten 2 Wochen, denkt sich der unbedarfte Ausländer, Japaner essen ja selbst Nudelsuppe mit Stäbchen, also auch das "Katsu Kare". Dem ist aber nicht so... Jeder Japaner isst seinen "Kare Raisu" natürlich mit dem Löffel, geht ja auch viel besser... Erst vorhin hab ich dann wieder so einen einsam dasitzenden Gaijin gesehen, der sich tapfer seinen mit viel Sosse durchmengten Reis mit den Stäbchen in den Mund schaufelte. Interessanterweise hatte er sogar einen Löffel auf dem Tablett, aber den hat er nur dazu benutzt, um den rot gefärbten Ingwer, der immer dabei ist, sauber vom Teller zu entfernen...
Ja, dieser Ingwer. Ich mag das Zeug auch nicht und es hat mich einige Zeit gekostet, herauszufinden, wie man den Frauen an der Essensausgabe klarmacht, dass man es nicht haben möchte. Da kann man mitunter dramatische Szenen beobachten. Ein (offensichtlich ein junger deutscher Gastwissenschaftler) stand einmal laut "no, no"  schreiend und wild mit den Händen gestikulierend vor mir in der Schlange. Die armen Damen von der Essensausgabe waren total erschreckt. ;)

Es gibt natürlich auch das andere Extrem. Die voll aklimatisierten Ausländer, die sich jede noch so unangenehme Beilage auf's Tablett packen, die Miso-Suppe mit groesserer Begeisterung schlürfen, als jeder Durchschnitts-Japaner, eine extrem elegante Stäbchentechnik beweisen und munter auf Japanisch mit ihrem Gegenüber plaudern. Aber das hat eher Seltenheitswert. Meist sieht man Auländer alleine oder in kleineren, manchmal auch grösseren Gruppen dasitzen, ganz ordentlich mit Stäbchen essen (manchmal gibt es auch einige, die sich wohl ganz bewusst nicht anpassen und alles mit Messer und Gabel essen, was aber beim dem japanischen Klebreis gar nicht so einfach ist), die gängigsten japanischen, chinesischen oder (pseudo-)westlichen Gerichte verputzen und sich auf Englisch, Französisch oder manchmal auch Deutsch miteinander unterhalten.

Den voll in eine japanische Gruppe integrierten Ausländer sieht man recht selten. Natürlich gibt es manchmal gemischte Gruppen, aber das ist eher selten und oft wirkt es dann sehr steif und wenig herzlich und vertraut. Heute z.B. habe ich zwei Ausländer mit etwa sechs Japanern am Nebentisch sitzen sehen. Die beiden erzählten sehr, sehr viel, zwei der Japaner machten ab und an eine Bemerkung dazu, der Rest blieb stumm (unterhielt sich, wohl aus Höflichkeit, auch nicht untereinander), lachte höchstens mal etwas dezent, wenn die Gaijins mal was Lustiges erzählten.

Irgendwie hat das ewtas Beruhigendes (vielleicht achte ich auch deshalb nur so darauf), dass es offensichtlich den meisten Ausländern hier nicht besser ergeht, als mir, was den persönlichen Kontakt mit den japanischen Kollegen angeht. Im Gegenteil, was Matsuura-san angeht, ist der Kontakt ja schon recht eng und auch über das reine Arbeitsverhältnis hinausgehend und wäre sicher noch enger, wenn die Kommunikation einfacher wäre...

Warum das alles so ist? Ich weiss nicht, das Naheliegendste ist wohl einfach die Sprach- und Kulturbarriere und daraus folgend die Unsicherheit der Japaner und natürlich auch die schlechte Anpassung der Ausländer an Japan, was es den Gastgebern nicht einfacher macht, ihre Hemmungen zu überwinden. Und dann kommt noch hinzu, dass obwohl Wissenschaft eigentlich eines der internationalsten Geschäfte überhaupt ist, viele der selbst etwas älteren japanischen Forscher einfach keine Erfahrung mit dem Ausland und Ausländern haben und extrem schlecht Englisch sprechen. Das wundert aber auch nicht. Zum einen gibt es einfach nicht viele Ausländer, dann vermeiden es die meisten der jüngeren, ins Ausland zu fahren und wenn sie dann mal doch auf eine Konferenz müssen, kommen sie aus den Koneferenzräumen kaum mal raus und wenn, dann nur als Gruppe; und Leute einfach ansprechen und diskutieren ist auch nicht so ihr Ding. Blieben nur private Kontakte. Aber woher sollen die kommen? Die meisten verbringen fast den ganzen Tag und den Abend oft bis in die Nacht bei der Arbeit, kommen auch oft am Wochenende her und Urlaub nehmen sie fast keinen, jedenfalls keinen im Ausland, sondern nur mal einen Kurzurlaub im Sommer irgendwo in Japan, oft bei der Familie.

Dabei sind sie ja durchaus neugierig. Wenn mal eine Unterhaltung aufkommt, wird ja gleich richtig nachgehakt, wie denn dieses und jenes anders als in Japan ist. Manchmal allerdings auch nur die Fragen, die ich inzwischen einfach nicht mehr hören kann,wie z.B. "Do you like japanese food?", wozu ich eigentlich nichts Ernsthaftes mehr sage (vielleicht sollte ich sagen, "Yes, katsu kare"...), denn das ist zu albern, wenn auch aus japanischer Sicht verständlich; die meisten denken ja offensichtlich wirklich, Ausländer mögen kein japanisches Essen...

Als wirklich schlimm empfinde ich inzwischen, dass es tatsächlich nach 2 Jahren einige Kollegen gibt, die noch nie ein Wort zu mir gesagt haben, noch nichtmal einen Gruss. Da gibt es Leute, die sehe ich jeden Tag und sie zeigen keinerlei Reaktion, weder in Worten noch Gesten, kein Anzeichen dafür, dass man von ihnen jemals wahrgenommen wird. Und das nicht nur bei den ganz jungen, sondern auch bei einigen Älteren oder auch einigen Verwaltungsleuten. Woran das liegt, weiss ich auch nicht. Das Grüßen ist sicher grundsätzlich keine wirklich lockere Sache in Japan, auch unter Japanern nicht und soweit ich weiss gilt es z.B. als höflicher, jemanden nicht zu grüßen, als ihn aus Versehen zweimal am Tag zu grüßen, aber nach fast 2 Jahren hätte es da bestimmt mal die ein oder andere Gelegenheit gegeben, wo man sich sich hätte sicher sein können, mich an dem Tag zum ersten Mal gesehen zu haben... Ansonsten kann eigentlich nur eine totale Unsicherheit der Grund sein (versteht der wohl, was "konichiwa" heisst, spreche ich "hello" gut genug aus, was mache ich, wenn der mich dann anspricht und ich irgendwas sagen muss, usw.), denn ansonsten kann ich es mir nicht erklären. Aber wer weiss, vielleicht hab ich ja auch irgendwas Abstossendes an mir... Dumm ist nur, dass ich merke, wie ich inzwischen selber abstumpfe und auch nicht grüße, sondern auch nur noch stur an den Leuten vorbeischaue. Hoffentlich gewöhne ich mir das in Deutschland schnell wieder ab...

Hmm, bischen abgeschweift inzwischen... Auf was man alles so kommt, wenn man einen Ausländer in der Cafeteria "Kare Raisu" mit Stäbchen essen sieht ;)

12. August 06

Alles nur Spaß!

von Gunda

Weil meine Schülerin ihren letzten Unterricht vor Deutschland abgesagt hat, habe ich Thomas bei seinem Ausflug nach Tokyo begleitet.

Erst sind wir in ein Gewitter, dann in Harajuku in die "Tokyo Lesbian & Gay Parade" geraten. Letzteres mutete etwas eigenartig an. Ich hatte weniger das Gefühl, daß es um eine "Botschaft" ging, als viel mehr den Eindruck, daß es um Spaß und Ausgeflipptsein ging. Hobby-Transvestiten, Aufgedonnerte und Verkleidete aller Art mischten sich fröhlich mit händchenhaltenden hetero-Paaren. Die meisten Homosexuellen verstecken sich hier doch noch eher. (Tokyo bildet da wohl noch eine Nische.)

Im Moment sind wir auf dem angeblich drittgrößten Matsuri der Edo-Zeit und wohnen einer Vorführung eines Kampfsports bei, der eine Mischung aus Judo und Karate ist. (Ich gebe zu, daß ich den Namen schonwieder vergessen habe.) Ansonsten ist hier am Schrein aber total tote Hose. Vielleicht liegt's am Wetter mit eingebauter Regenwahrscheinlichkeit... Au! Und hier

(Video kommt noch)

kann man sehen, wie einer dem anderen aus Versehen die Nase blutig gehauen hat. Danach wurde dieser Kampf abgebrochen und die Bühne gewischt. Dann ging's (mit anderen Leuten) weiter.

(Nachtrag:)

Spontan sind wir noch über Nacht in Tokyo geblieben und haben diesmal in einem etwas billigeren Love Hotel geschlafen. Was haben wir daraus gelernt? - 2000-3000 Yen mehr auszugeben kann sich durchaus lohnen. Sauberkeit und Design (kitschiges Jugendstil-Imitat mit nachgemachter Urwald-Szenerie, wobei die Fototapete auch schon weniger gelbe Tage gesehen hat) waren nicht so ganz das, was wir nach dem Besuch der teureren Varianten erwartet hatten. Nach einem Frühstück im Café ging es zurück nach Hause. Wir bekommen Besuch.

11. August 06

Vielleicht...

von Gunda

... hätten wir doch lieber nach Korea gehen sollen...

Das "Love Land" scheint einiges zu bieten...  ;-)

10. August 06

Waschn jetz?

von GundaCimg4258_medium

Seit einiger Zeit haben wir bis daumennagelgroße weiche Plättchen nach dem Waschen an unserer Wäsche kleben. Schimmel? Algen? Jedenfalls werde ich meinen menschlichen Urtrieben gerecht, indem ich die Dinger jage und sammle.
Vielleicht liegt es am feucht-heißen Wetter und der Tatsache, daß unser Bad nicht klimatisiert ist. "Da freuen sich die Schimmeln", bemerkte eine Schülerin von mir dazu mal. Bei uns scheinen sie sich auszutoben.
Mihoko hatte mal einen Waschmaschinenreiniger erwähnt. Also habe ich mich in der Drogerie auf die Suche gemacht und doch tatsächlich mitten unter den Waschmitteln (nicht etwa unter den Reinigern) nach einer halben Stunde etwas Entsprechendes gefunden. Ziemlich agressives Zeug, das 99,9% des Befalls beseitigen sollte. Naja, vielleicht waren unsere "Schimmeln" einfach resistenter. Jedenfalls glaube ich an höchstens 60%...

08. August 06

Dieser Blog als Buch???

von Gunda

Also gut, jetzt mal Klartext.
Volker meint, wir sollen aus dem Blog ein Buch machen. So, wie der Herr aus Worms.

Liebe Leser, sollen wir?
Wenn ja, wer hilft uns und stellt irgendeine Art von Kontakt zu einem (seriösen!) Verlag her?

06. August 06

Altes Zeug in Tokyo

von Gunda

Heute waren wir von Hidehiko zu sich nach Hause eingeladen worden, wo wir der Mittagshitze bei angenehm kühlem Essen und mit Reden ausgewichen sind. Danach ging es ins "Edo-Tokyo Open Air Architectural Museum", in dem ein traditionell japanisches Sommerfest aus der Edo-Zeit stattfinden sollte. Dahin fuhren wir mit Rädern der Familie Maekawa.
Wenn ich gewußt hätte, daß man an diesem Tag mit Yukata freien Eintritt gehabt hätte, hätte ich mir glatt den Spaß gemacht und meine neue Yukata angezogen, die mir Akapu zum Geburtstag geschenkt hatte. (Aber wie fährt man damit Fahrrad?)
Gleich am Eingang empfing uns eine "typisch japanische" Darbietung: Hawaiianische Tänze, dargestellt und musikalisch begleitet von JapanerInnen:

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Auf dem Weg in den nachgebildeten Edo-Stadtkern knallte es plötzlich laut. Ein Schuß?Cimg4198_medium Nein; das war das Ende der Puffreisherstellung. Diese Methode scheint es schon sehr lange zu geben, obwohl das Gerät im Museum neu war. Reis wird in einen sich drehenden fest verschlossenen Metallbehälter gefüllt, etwas Zucker dazugegeben, und das Ganze wird stark erhitzt. Der Druckmesser an der Seite zeigt an, wann man das Gerät öffnen sollte. Vor die Öffnung wird ein großer Metallkorb gehalten, das Gerät wird geöffnet, und mit einem lauten Knall füllt sich der Korb mit weißem Puffreis. - Schmeckt auch ganz gut, ist vorallem aber akustisch beeindruckend.

Genauso, wie die TrommlerInnen auf dem zentralen Platz, die später der traditionellen Musik vom Band (na gut, die Doraemon-Titelmelodie war auch dabei...) wichen, zu der viele Besucher getanzt haben.

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CIMG4184.AVI herunterladen

Cimg4166_medium Gesehen haben wir auch noch eine alte Kneipe, ein altes Bad und einige traditionelle Handwerksläden (Schreibwaren, Sachen aus Holz, Schirmmacher usw.). Leider gab es da auch viele moderne Sachen zu kaufen, und die Angestellten hatten ganz normale westliche Kleidung an, was dann doch etwas meine sonst sehr starke Vorstellungskraft beeinträchtigt hat. ÜberhauptCimg4175_medium hatte ich wegen der vielen Leute Probleme, mir eine Stadt der Edo-Zeit vorstellen zu können. Vielleicht müssen wir einfach irgendwann an einem ganz normalen Wochentag nochmal da hin...

Die "besondere Vorführung" war dann leider schon vorbei, als wir mit unserem Rundgang fertig waren. "Sie schlagen auf eine Wassermelone", klärte mich Hidehiko auf. Darunter konnte ich mir dann auch schlecht etwas vorstellen. Das hätte ich wohl wirklich sehen müssen...

Als es dunkel geworden war, sind wir mit den Fahrrädern direkt zur Bahn und dann müde nach Hause gefahren. Das war ein schöner Tag.
 

05. August 06

Ami Matsuri

von Thomas

Erst waren Gunda und ich heute in Tsukuba.  Dort haben wir  eines  meiner Geburtstagsgeschenke, das ich von Gunda bekommen hatte, eingelöst: Eine japanische Massage! Das war ganz angenehm und entspannend :)

Und da wir es uns auch ansonsten gut gehen lassen wollte, habe wir uns noch jeweils einen grossen Eisbecher gegönnt... Gunda einen Schoko-Brownie-Parfait und ich eine Caramel-Pudding-Parfait! Hmm, oishii, wie man hier sagt ;)

Dann gings ab nach Hause und ich bin dann noch zum Matsuri nach Ami gefahren. Sozusagen unser Heimatmatsuri, schließlich wohnen wir ja in Ami, wenn auch am äußersten Ende und gefuehlsmaessig eher in Arakawaoki.
Leider war ich schon etwas spät dran und hab eigentlich nur noch den Schluss der Feier gesehen, es war aber doch sehr nett und viel größer als ich es erwartet hatte. Ein Wagen, 2 Mikoshis (tragbare Schreine) und noch ein paar Sachen zum rumtragen und dazu zig Dutzend Fressbuden und ein Haufen Leute. Die Stimmung war gut, die Leute eifrig bei der Sache, wie immer natürlich sehr lautstark. Insgesamt sehr schön und wenn wir nächstes Jahr noch hier wären, würde ich wieder hingehen :)

04. August 06

Auf Patrouille

von GundaCimg3668_medium

Eine interessante Form der Bürgerwehr hat sich bei uns in der Gegend vor ca. einem halben Jahr gebildet: "Patorolu" (パトロ-ル) nennt sich die Gruppe aus Senioren und Hausfrauen-Müttern, die morgens und abends mit knallgrünen Bauarbeiterwesten und Taschenlampen zu zweit durch die Straßen gehen.

Warum denn das??? Japan ist schließlich das sicherste Land der Welt! Also hab ich rumgefragt und folgende Antwort bekommen: Japans Straßen sind gefährlich. Besonders für Kinder. Aber nicht etwa wegen der Autos, sondern weil es böse Männer gibt, die vorwiegend kleine Mädchen ansprechen. Abgesehen davon, daß die im Convinience-Store frei verkäuflichen Mangas dieses Verhalten noch fördern, tritt dieses "Phänomen" in Japan so selten auf, daß JEDER Fall sofort ausführlich durch die ganze Presse geht. Ich habe dann noch gefragt, was denn die Patrouille dann in einer gefährlichen Situation machen würde und bin auf ratloses Schweigen gestoßen. "Sind die bewaffnet?" hab ich gefragt. Große Augen und ein erstauntes "Nein!" gab es da. "Rufen sie die Polizei?" Achselzucken. "Hm, vielleicht..." Tja...

Vielleicht fühlen sich die Leute dann einfach besser und die Patrouille wichtig. Ist ja auch schon was. ;-)

03. August 06

Asian Beauty

von Gunda

Da waren meine Schülerinnen und ich doch hochgradig amüsiert, als wir in einer im Frühling mitgebrachten "Brigitte" den Schminktip "Mandelaugen", passend zum Film "Die Geisha", fanden. Denn was in Deutschland exotisch und deshalb (?) schön wirkt, ist hier in Japan ein Grund, etwas dagegen zu tun.

Da gibt es Fernsehgymnastik fürs Gesicht, Klebstoff für die Augenlider, um ein doppeltes Augenlid zu erzeugen, und auch Operationen sind keine Seltenheit. In den Cartoons werden Japaner auch immer mit unnatürlich runden Augen dargestellt. - Hauptsache "westlich".

Aber es bleibt nicht bei den Augen. Wo sich in Deutschland die Leute hautkrebsverdächtig durch den Sommer braten, haben hier Körperbedeckungen und Sonnenschirme aller Art Hochkonjunktur. Vernünftig, könnte man denken, wären da nicht alle nur erdenklichen "Hautpflege"-Produkte mit Weißmacher (Sogar in Tablettenform!) ... Auch Haarebleichen, blaue Kontaktlinsen, Kissen zum Ausstopfen an Busen und Po usw. sind keine Seltenheit.

Oft wird für Mode und Kosmetik mit blonden langbeinigen Models geworben. (Manchmal sogar für Kimonos.) Wäre ich Japanerin, ich würde glauben, die Kosmetik sei auf "westliche" Haut und Haare ausgerichtet. Und die sind sehr anders, wie ich schon ganz am Anfang unseres Aufenthaltes gemerkt habe.Cimg3589_medium

Ach ja, und dann gibt es die seit diesem Sommer wachsende Zahl der unnatürlich über-braunen Tussis mit gebleichten Haaren und kaum Stoff am Körper. (Und das, wo die meisten Japaner in dieser Hinsicht so prüde auf Europäer wirken!) Ob das Japan zu seinen "Beauty-Wurzeln" zurückführen wird?

Dabei hat die japanische Tradition so viel für natürliche Schönheit und Entspannung parat! Man denke nur an Baden in heißen Vulkanquellen, Schwitzbäder im heißen Sand, Shiatsu, Fußreflexzonenmassage...

02. August 06

Der Vorzeigeausländer

von Thomas

In Japan ist uns ja schon viel merkwürdiges, interessantes, lustiges oder sonstwie bemerkenswertes passiert, aber heute war vielleicht einer der Höhepunkte, zumindest für mich. Ein Fernsehinterview!

Wie das? Eigentlich eine ganz simple Geschichte: Das Projekt, bei dem ich beschäftigt bin, läuft in zwei Monaten aus, also zeitgleich mit meinem Vertragsende und wird dann nur noch ein halbes Jahr lang abgewickelt. Aus diesem Anlass wurde jetzt eine Reportage geplant und heute der erste Teil aufgenommen, morgen folgt dann Teil 2. Gezeigt werden soll der tägliche Arbeitsablauf im Projekt, die Forschungsthemen werden kurz vorgestellt und dazu gibt es ein paar Interviews. Tokura als Chef natürlich, einer der Theoretiker und eben ich, der Vorzeigeausländer... Denn natürlich  soll  auch gezeigt  werden, wie international man hier ist und da ich der einzig verbliebene (westliche)  Ausländer bin, musste ich halt ran. Das ich der einzige bin, der interviewet wird und was ich genau machen sollte, hab ich allerdings erst heute morgen erfahren, die genauen Vorabinfos sind mal wieder in der Sprachbarriere hängengeblieben.

Wie lief das Interview ab? Erst hat am Morgen die Dame vom Fernsehen mit mir das Interview besprochen, welche Fragen sie stellen wird und ich habe dann schonmal mögliche Antworten gegeben. Das war schonmal ganz nett und locker und ich wurde dadurch spaeter nicht ins kalte Wasser gestossen. Im laufe des Tages hat sich das Programm dann zwar immer wieder noch etwas geändert, aber das Wesentliche blieb gleich. Wer ich bin, woher ich komme, wann und warum ich nach Japan gekommen bin, was genau ich hier mache und noch eine Botschaft an den japanischen Wissenschaftsnachwuchs. Letzteres fand ich besonders gut, weil ich da etwas los werden konnte, was mir besonders am Herzen liegt: Die Aufforderung  an Japaner  mal ins Ausland zu gehen, nicht als Urlaub, sondern um dort zu leben. Denn die meisten Probleme, die man als Ausländer in Japan hat, liegen in der e mangelnden Erfahrung der Japaner und der damit verbundenen Unsicherheit bzw. Angst im Umgang mit Ausländern begründet. Jedenfalls so meine Erfahrung hier bei der Arbeit.

Das war also das Interview. Davor war ich dann noch als Schauspieler in eigener Sache gefragt. Ich sollte so tun, als führe ich ein Experiment durch. Hab also einen Laser angemacht, an ein paar Spiegeln gedreht, eine Probe "einjustiert" und eine "Messung" gestartet. Das ganze ungefähr zehnmal hintereinander, weil Kamera und Licht richtig eingestellt werden mussten und alles noch aus vier oder fünf Perspektiven aufgenommen wurde. Das alles mitzumachen und mitanzusehen, war schon ein Erlebnis. Vor allem wieviele Leute dabei waren: Der Regisseur, der Kameramann, die Interviewerin und dazu noch einige Helfer. Zwei Scheinwerfer wurden dann noch im Labor postiert und die Kamera thronte auf einem riesen Stativ. Mich wundert es eigentlich, dass trotz der Enge im Labor, nichts zu Bruch gegangen ist...

Mein Interview war der Abschluss des Tages, vorher wurden unteranderem noch zwei Besprechungen gefilmt, die dann doch etwas anders abliefen als sonst, wenn sie auch ansonsten natürlich schon echt waren, aber Ort und Ablauf waren schon etwas anders und ehrlich gesagt, eigentlich fast besser als sonst, da etwas weniger formal was die Distanz zwischen uns Forschern und den Professoren angeht. Na ja, das kommt halt besser rueber. Und da die Zielgruppe für die Reportage Schüler und Studenten sind, ist gerade das natürlich sehr wichtig. Gezeigt wird die fertige Reportage nämlich auf dem "Science Channel", der vom Wissenschaftministerium bzw. dem JST, also der leitenden Behörde für Forschung, betrieben wird. Dieser wird in verschiedene lokale Sendenetze eingespeist, bzw. man kann sich die einzelnen Sendungen auch im Internet herunterladen. Eine interessante Variante der Nachwuchsfoerderung. Aber in dieser Hinsicht kann man sich in Deutschland sowieso eine Scheibe von Japan abschneiden. Dazu sollte ich vielleicht nochmal etwas mehr bei anderer Gelegenheit schreiben.

Gesendet wird fertige Produkt wohl noch im August und die Mitwirkenden bekommen eine Kopie der Sendung auf DVD. Das ist natürlich toll, ein Video hätten wir uns nämlich in Deutschland gar nicht ansehen können.

Soweit zum Fernsehinterview als ganz neuer Erfahrung. Damit habe ich jetzt auch alle möglichen Medien durch. Bisher gab's mal was mit meinen Kollegen in Deutschland für die Berliner Zeitung und fuer's Deutschlandradio, als wir es geschafft hatten, Paper bei Nature zu veröffentlichen, sowie, hier in Japan, die Podcast-Geschichte, die Bilder für die Vegetarierzeitschrift und der Fragebogen von der japanischen Botschaft. Gar nicht so  schlecht, für so'n Prutscher wie mich ;)

01. August 06

Bilder vom Juli

von Thomas

Einfach mal wieder ein paar Bilder aus dem letzten Monat...

On a rainy day in Yokohama
Old lion statue
A face in the park
Narita gion matsuri
Today's flower shot
Candid Gunda
Arakawaoki matsuri
Faces
Yeah!
Hanabi Taikai
Be Sure to Wear Some Flowers in Your Hair...
Sakurako

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