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02. August 06

Der Vorzeigeausländer

von Thomas

In Japan ist uns ja schon viel merkwürdiges, interessantes, lustiges oder sonstwie bemerkenswertes passiert, aber heute war vielleicht einer der Höhepunkte, zumindest für mich. Ein Fernsehinterview!

Wie das? Eigentlich eine ganz simple Geschichte: Das Projekt, bei dem ich beschäftigt bin, läuft in zwei Monaten aus, also zeitgleich mit meinem Vertragsende und wird dann nur noch ein halbes Jahr lang abgewickelt. Aus diesem Anlass wurde jetzt eine Reportage geplant und heute der erste Teil aufgenommen, morgen folgt dann Teil 2. Gezeigt werden soll der tägliche Arbeitsablauf im Projekt, die Forschungsthemen werden kurz vorgestellt und dazu gibt es ein paar Interviews. Tokura als Chef natürlich, einer der Theoretiker und eben ich, der Vorzeigeausländer... Denn natürlich  soll  auch gezeigt  werden, wie international man hier ist und da ich der einzig verbliebene (westliche)  Ausländer bin, musste ich halt ran. Das ich der einzige bin, der interviewet wird und was ich genau machen sollte, hab ich allerdings erst heute morgen erfahren, die genauen Vorabinfos sind mal wieder in der Sprachbarriere hängengeblieben.

Wie lief das Interview ab? Erst hat am Morgen die Dame vom Fernsehen mit mir das Interview besprochen, welche Fragen sie stellen wird und ich habe dann schonmal mögliche Antworten gegeben. Das war schonmal ganz nett und locker und ich wurde dadurch spaeter nicht ins kalte Wasser gestossen. Im laufe des Tages hat sich das Programm dann zwar immer wieder noch etwas geändert, aber das Wesentliche blieb gleich. Wer ich bin, woher ich komme, wann und warum ich nach Japan gekommen bin, was genau ich hier mache und noch eine Botschaft an den japanischen Wissenschaftsnachwuchs. Letzteres fand ich besonders gut, weil ich da etwas los werden konnte, was mir besonders am Herzen liegt: Die Aufforderung  an Japaner  mal ins Ausland zu gehen, nicht als Urlaub, sondern um dort zu leben. Denn die meisten Probleme, die man als Ausländer in Japan hat, liegen in der e mangelnden Erfahrung der Japaner und der damit verbundenen Unsicherheit bzw. Angst im Umgang mit Ausländern begründet. Jedenfalls so meine Erfahrung hier bei der Arbeit.

Das war also das Interview. Davor war ich dann noch als Schauspieler in eigener Sache gefragt. Ich sollte so tun, als führe ich ein Experiment durch. Hab also einen Laser angemacht, an ein paar Spiegeln gedreht, eine Probe "einjustiert" und eine "Messung" gestartet. Das ganze ungefähr zehnmal hintereinander, weil Kamera und Licht richtig eingestellt werden mussten und alles noch aus vier oder fünf Perspektiven aufgenommen wurde. Das alles mitzumachen und mitanzusehen, war schon ein Erlebnis. Vor allem wieviele Leute dabei waren: Der Regisseur, der Kameramann, die Interviewerin und dazu noch einige Helfer. Zwei Scheinwerfer wurden dann noch im Labor postiert und die Kamera thronte auf einem riesen Stativ. Mich wundert es eigentlich, dass trotz der Enge im Labor, nichts zu Bruch gegangen ist...

Mein Interview war der Abschluss des Tages, vorher wurden unteranderem noch zwei Besprechungen gefilmt, die dann doch etwas anders abliefen als sonst, wenn sie auch ansonsten natürlich schon echt waren, aber Ort und Ablauf waren schon etwas anders und ehrlich gesagt, eigentlich fast besser als sonst, da etwas weniger formal was die Distanz zwischen uns Forschern und den Professoren angeht. Na ja, das kommt halt besser rueber. Und da die Zielgruppe für die Reportage Schüler und Studenten sind, ist gerade das natürlich sehr wichtig. Gezeigt wird die fertige Reportage nämlich auf dem "Science Channel", der vom Wissenschaftministerium bzw. dem JST, also der leitenden Behörde für Forschung, betrieben wird. Dieser wird in verschiedene lokale Sendenetze eingespeist, bzw. man kann sich die einzelnen Sendungen auch im Internet herunterladen. Eine interessante Variante der Nachwuchsfoerderung. Aber in dieser Hinsicht kann man sich in Deutschland sowieso eine Scheibe von Japan abschneiden. Dazu sollte ich vielleicht nochmal etwas mehr bei anderer Gelegenheit schreiben.

Gesendet wird fertige Produkt wohl noch im August und die Mitwirkenden bekommen eine Kopie der Sendung auf DVD. Das ist natürlich toll, ein Video hätten wir uns nämlich in Deutschland gar nicht ansehen können.

Soweit zum Fernsehinterview als ganz neuer Erfahrung. Damit habe ich jetzt auch alle möglichen Medien durch. Bisher gab's mal was mit meinen Kollegen in Deutschland für die Berliner Zeitung und fuer's Deutschlandradio, als wir es geschafft hatten, Paper bei Nature zu veröffentlichen, sowie, hier in Japan, die Podcast-Geschichte, die Bilder für die Vegetarierzeitschrift und der Fragebogen von der japanischen Botschaft. Gar nicht so  schlecht, für so'n Prutscher wie mich ;)

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Kommentare

Franz

Hi, sind ja tolle sachen und erfahrungen hier aber es waere fuer mich mal sehr interessant zu erfahren was so in Tokyo alles passiert.

Aber ich fang mal vorne an.Also ich bin gerade in Japan und bleibe noch fuer 1 Woche. Ich habe bisher nur die Feuerwerke gesehen und im Ueno-Park eine Vorstellung mit irgendwas. Ich habe die Innenstadt besucht sprich Asakusa also nicht wirklich das zentrum und einige Tempel. Aber ich wuerde gerne mal wissen wo vieleicht feste, feten oder irgendwelche Vorstellungen in den kommenden Tagen sind. Weisst du da vielleicht etwas. Und bitte bevor das jeweilige Fest stattfindet hehe!Waere klasse!

Thomas

Hallo Franz! Danke fuer den Kommentar. Vielleicht kann ich Dir ja ein paar Tips geben. Also "das Zentrum" gibt es in Tokyo nicht, sondern ganz viele verschiedene Zentren. Die bekanntesten sind Shibuja, Shinjuku und Ikebukero und wenn Du noch juenger bist, wirst Du bestimmt am ehesten fündig werden.

Gute Infos kannst Du ansonsten im Rathaus von Tokyo bekommen. Das ist das grosse Doppelhochaus in Shinjuku. In der Touri-Info dort gibt's alles an Veranstalltungskalendern, Tips usw.

Schau dich einfach mal um :)

Gunda

Hier gibt's noch was Modernes:

http://metropolis.co.jp/tokyo/640/music.asp

Hier was Traditionelles:

http://www.japantimes.co.jp/entertainment/festivals.html

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