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« Juni 2006 | Start | August 2006 »

30. Juli 06

Flop und Feuerwerk

von Gunda

Irgendwann hatten wir eine Broschüre mit Anzeigen von Matsuris in Ibaraki im Briefkasten. Zum Glück mit Bildern. Heute war eins mit Pferden und eins mit Schreinen im Wasser. Weil wir die Städtenamen nicht zuordnen konnten, hab ich meinen Chef gefragt. Das mit den Pferden war in nem Kaff, das man nur per Auto erreichen konnte. Außerdem hätte es sein können, dass die Pferde nur einmal kurz durchtraben und fertig. Also haben wir uns für das "Shimodate Gion Matsuri" entschieden, bei dem Schreine in den Fluss getragen werden sollten. Auf dem Weg da hin hat es uns schon gewundert, dass die ganzen Leute in Matsuri-Klamotten sitzengeblieben sind, als wir in Shimodate ausgestiegen sind. Die Stadt war total ausgestorben, und nach einer halben Stunde Recherche, in der trotz entsprechender Plakate am Bahnhof keiner was von einem Fest zu wissen schien, haben wir mit etwas Hilfe rausgefunden, dass die Aktion im Fluss schon um 10h morgens vorbei war. Die Verkäuferin im Convinience-Store hatte gedacht, wir wollten nach Oyama zum Feuerwerk. Also da sind alle hingefahren! Da haben wir noch eine halbe Stunde Fahrzeit drangehängt und sind in die Stadt gefahren, in der ich zweimal zwei Wochen an Grundschulen Englisch unterrichtet hatte. Ich habe nicht gedacht, dass ich da nochmal hinkomme. Ich habe Oyama als wenig belebt kennengelernt. Heute schieben sich Menschenmassen von tokyoter Ausmassen die Hauptstrasse zum Fluss entlang, und Thomas macht sich die ganze Zeit über meine Berichte von damals lustig. Im Moment sitzen wir 5 Minuten von meiner damaligen Unterkunft entfernt am Fluss. Jetzt geht das Feuerwerk los, und die obligatorischen "Sugoi!" ("Toll!")-Rufe fehlen auch nicht. Irgendwie machen die Japaner einfach bessere "Feuerblumen"... SUGOI!!!

29. Juli 06

Hanabi Taikai

 

von Thomas

"Taikai" meint soviel wie "großes Treffen" und besser könnte man das Feuerwerk (="Hanabi", wörtl. "Feuerblumen") in Asakusa, bei dem ich heute war, auch nicht beschreiben...

Ich weiß nicht, wieviele zehntausend oder hundertausend Menschen dort waren, aber es waren definitiv zuviele. Damit aber wenigsten jeder einmal eine kleine Chance bekam, etwas zu sehen, wurde das gesamte Gebiet an beiden Ufern des Sumida Flusses, incl. Bruecken zunaechst abgesperrt und dann nur kontrlliert wieder freigegeben, wobei die Leute staendig ermahnt wurden, nicht stehenzubleiben. Natürlich liess sich das nicht ganz vermeiden und die Strassenraender, Wiesen und Mauern waren voll mit Menschen, die keine Anstallten machten, weiter zu gehen. Ich irgendwann auch nicht, nachdem ich endlich einen Stehplatz mit guter Aussicht gefunden hatte. Zwar wurde ich alle paar Minuten von Polizisten ermahnt weiterzugehen, aber da auch sonst niemand dem folge leistete und ich ploetzlich gar kein Japanisch mehr verstand, bin ich dann bis zum Ende dort geblieben :)

100%  optimal war der Platz natuerlich nicht. Keine Chance, ein Stativ aufzustellen, immer wieder Leute, die einen angestossen haben. Aber besser als nichts...

Bevor das Feuerwerk schliesslich los ging, hatte ich mir den ganzen Trouble drumherum angeschaut. Als ich in Asakusa angekommen war, wurde ich erstmal von 2 Polizisten, einer konnte sehr gut Englisch, aufgeklaert, was genau los war, wo, wann, warum abgesperrt wurde und was ich machen sollte. Das war schonmal gut, denn das was ich vorfand, hatte ich nicht erwartet. Das es voll werden wuerde war klar, aber so voll... Und dann die Absperrungen und die viele Polizei. Es kann unmoeglich einen tokyoter Polizisten gegeben haben, der um diese Zeit nicht hier in Asakusa war... Selbst an kleinen Nebenstrassen und Gassen standen meist 3-4 Polizisten, um die Absperrung zu ueberwachen...

Interessant fand ich es, wie renitent vor allem die aelteren Japaner gegenueber der Polize waren. Ich hatte mich auch eine der grossen Bruecken verzogen, weil ich hoffte, dort irgenwie bleiben zu koennen. Ging aber nicht, in mehrern Durchlaeufen wurde der zugaengliche Bereich immer mehr reduziert und schliesslich musste ich als einer der letzten auch die Bruecke  raeumen.  Manch aeltere Japaner war da ziemlich hartnaeckig. Die haben sich oft einfach hingesetzt und die Polizisten reden lassen. Und da diese sehr zureuckhaltend sind, waren sie oft kurz vorm verzweifeln. Ein aeltere Mann hat so gut eine halbe Stunde ausgehalten und etwas 10 Polizisten dabei 'verschliessen'...

Als dann alles dicht war, gings auch schon mit dem Feuerwerk los und als es vorbei war, brach dann das Chaos an den Eingaengen zu den U-Bahnstationen aus... Schliesslich wurde der Zugang reguliert und die Leute nur grueppchenweise reingelassen. Aber das funktionierte dann auch. Japaner sind halt letztlich doch folgsam und vorallem immer ruhig und gelassen. Den ganzen Abend habe ich niemanden ausrasten sehen, keine Anzeichen eines Tumultes. Es war einfach nur ein ausgelassen, froehliches Happening :)


28. Juli 06

Komm ins Heidiland!

von Gunda

200607282127_1 Nachdem der Kinofilm bald kommt und es im Convinience-Store auch schon kräftig "heidiet", jetzt DAS:

27. Juli 06

Voll erwischt!

von Gunda

Seit ca. einem Monat hat auch mich eine spezielle Form der japanischen Tretmühle erfaßt:

Eine Kollegin mußte zurück nach Österreich. Ihre Schüler gehen auch bald nach Deutschland, bzw. Österreich und wollen vorher noch was lernen. Also arbeite ich doppelt. Mit meinen Privatschülern und der anderen Sprachenschule zusammen sind plötzlich täglich 10-12 Stunden Unterrichten keine Seltenheit mehr für mich. Dazu kommt die Fahrzeit zwischen den einzelnen Orten.

Vor kurzem hat meine Mutter noch gefragt: "Arbeitest du eigentlich auch noch was Richtiges?" Jetzt ist sie auf "Paß blos auf!" umgestiegen.

Samstag wird der Tag von erst 8, jetzt zum Glück nur noch 5 Stunden mit einer sehr unangenehmen Schülerin zerstört. Und Thomas hat kaum noch was von mir. Zum Glück sind meine Chefs und Kollegen sehr nett und haben immer ein offenes Ohr. Auch für Späße. Und das Ende ist auch schon abzusehen, weil die Intensivschüler alle nach und nach Japan verlassen werden. Bis dahin schmeißt Thomas den halben Haushalt.

Und dann kommen ja noch die O-Bon-Holidays und unsere Woche in Kyoto...

23. Juli 06

Tsuchiura Matsuri

 

von Thomas

Erst haben wir uns beim Sport ein bischen fit gemacht, dann bin ich noch in unsere Nachbarstadt Tsuchiura zum Matsuri gefahren. Das ganze ist natürlich eine Ecke größer als bei uns in Arakawaoki, aber vom Prinzip her ähnlich. Mit viel Musik, Geschrei, Tanz und überschäumend guter Laune (da vergeht einem wirklich jedes Vorurteil über reservierte und ruhige Japaner) werden die Matsuri-Wagen mit den kostümierten Tänzern darauf kreuz und quer durch die Stadt gezogen. Und dabei macht jeder mit, ob jung oder alt. Einige hundert Leute ziehen bzw. marschieren neben den Wagen her.

Am späteren Abend trafen sich dann die insgesamt 4 Wagen auf einem zentralen Platz  und dann konnte nochmal jede Gruppe (die jeweils einen bestimmten Teil der Stadt repräsentieren), zeigen, dass sie die beste Matsuri-Performance abliefern können. Da gab es dann viel Rauch und Lichteffekte und dazu tanzende Heldenfiguren, Götter, Tiere und einen grossen Drachen, dazu irre laute Musik und ohrenbetäubendes Trillerpfeifenkonzert. Und ich mittendrin mit meiner Kamera...

Das war wirklich nett, rund um mich herum die ganzen Leute in der typischen Matsuri-Kleidung und dann noch weiter aussen, wie in einer kleinen Wagenburg, die Matsuri-Wagen jeweils mit einer kleinen improvisierten Bühne für die Tanznummern davor.

Tja, da wusste man gar nicht, was man zuerst photographieren sollte. Vor allem da jeder, der mich mit meiner Kamera sah, aufforderte ein Photo zu machen. Und wen die Leute drumherum das mitbekamen, wollten die natürlich auch noch mit drauf... Wie das dann aussah, sieht man ja auf dem Photo oben...

Dann war der Trubel aber doch irgendwann vorbei und die Wagen zogen ab in ihre Heimatviertel, natürlich wieder mit viel Tamtam...

War ein schönes Erlebnis und sicher nicht der letzte Matsuri-Besuch in Japan :)

22. Juli 06

Wieder einmal Tokyo

 

von Thomas

Auch diesen Samstag musste Gunda wieder arbeiten und ich bin, bei ganz passablem Wetter, wieder nach Tokyo gefahren. Diesmal nach Shibuya, um dort ein paar Bilder von Tokyos Paradiesvögeln zu machen, die dort besonders gerne rumlaufen. Die auffälligste Variante ist extrem gebräunt und hat grau gefärbte Haare und, soweit es die Damen betrifft, mit weißer Farbe verzierte Gesichter, meist um die Augen herum oder auch mal ein dicker Strich mitten auf der Nase. Dazu knallbunte, möglichst teure und dafür umso stoffärmere Kleidung.

Kogals, Gyarus, Ganguros oder Yamanbas nennen sich die Damen und unterscheiden sich im Wesentlichen lediglich im Braeunungsgrad, Menge der Schminke, Farbe der Haare und der Kleidung und dem Geld, das sie sich das alles kosten lassen, wobei manche bei der Wahl ihrer Geldquelle nicht wählerisch sind...

Die unangenehme Seite von Shibuya konnte ich auch beobachten. Junge Männer, die auf hübsche Mädchen lauern und sie dann teilweise sehr hartnäckig oder auch durchaus aggressiv zu überreden versuchen, doch mal einen der vielen Clubs oder ähnliche Räumlichkeiten zu besuchen und vielleicht einen Job dort anzunehmen. Dabei waren da nicht nur Japaner aktiv, sondern offensichtlich auch Ausländer. Wie sowas aussieht, hatte ich vor kurzem erst bei flickr gefunden:


http://www.flickr.com/photos/lost-moments/177728351/

 

Was im nachhinein lustiges ist dann auch noch passiert: Irgendwann bemerkte ich einen anderen Gaijin mit Kamera, der mich immer wieder etwas merkwürdig ansah, mich aber nicht ansprach. Na ja, und ich ihn auch nicht... Die Antwort wartete dann zu Hause bei den neuen emails: Ein deutsches flickr-Mitglied war das, mit dem ich mich schonmal ausgetauscht hatte, weil wir entdeckt hatten, dass wir mal am gleichen Tag, an der gleichen Stelle kurz hintereinander Bilder von der gleichen Person gemacht hatten. Tja, Zufälle gibt es :)

Und sonst? Ich bin noch von Shibuya nach Harajuku gelaufen dort war aber, bis auf einen J-Pop-Fanartikel-Flohmarkt, nicht viel los, also bin ich weiter durch den Meiji-Park bis nach Shinjuku gelaufen. Dort hab ich mir dann bei Yodobashi-Kamera noch eine Nahlinse gekauft, weil ich gerne mal ein bischen was Richtung Makro machen würde, mir aber erstmal noch kein richtiges Makroobjektiv leisten kann :(

Zurück in Arakawaoki bin ich dann noch mit Gunda zum Matsuri gegangen. Nachdem wir letzte Woche beim Fest auf unserer Seite der Bahn waren, war heute die andere Seite dran. Allerdings war dort alles etwas kleiner, aber dafür kaum weniger enthusiastisch... Nach der Party sind wir dann noch in ein kleines Yakiniku-Lokal gegangen, beim dem man sein Fleisch über echter Holzkohle direkt am Tisch grillen konnte. Das war dann noch ein netter Ausklang des Tages...

19. Juli 06

Wo kommt nur all das Wasser her...

von Thomas

...fragt man sich ja schon, nachdem es jetzt drei Tage an einem Stück geregnet hat! Und dabei sollte die Regenzeit ja eigentlich langsam vorbei sein und hat Gunda nicht erst letzte Woche über Hitze und schwüles Wetter gestöhnt? Im Moment ist es eher kalt. Zumindest kommen einen Temperaturen von 20 Grad so vor, wenn man in den letzten Tagen schon 30-40 Grad ertragen musste. Ohne Scherz, aber die letzten Nächte haben wir echt gefroren und uns erstmal wieder mehr eingemummelt...

Irgendwie ist das Wetter dieses Jahr etwas durcheinander. Erst war es zu kalt, die Baumbluete hatte gut einen Monat Verspätung, als dann die eigentliche Regenzeit kommen sollte, war's doch eher trocken, unterbrochen nur von einzelnen, allerdings heftigen, Schauern. Der eigentlich zu erwartende Dauerregen kommt anscheinend erst jetzt, denn wenn auch vorhin der Regen etwas nachgelassen hatte, so soll sich laut Wetterbericht in den naechsten Tagen erstmal nichts ändern, Wolken und Regen lautet die Prognose :(

18. Juli 06

Sooo special

von Gunda

Wie kürzlich beschrieben, glauben viele Japaner von alltäglichen Dingen ganz besondere "japanische Varianten" zu haben. Dieser Wahn befällt nicht nur Auslandsunerfahrene. So behauptete z.B. eine Schülerin von mir, die länger in Europa und den USA gelebt hat, doch tatsächlich, nur Japaner hätten Probleme mit Muskelverspannungen. (Schön waer's...) Wahrscheinlich wird hier einfach nur mehr drüber geredet. Jedenfalls werden hier Unmengen an Mittelchen und Geräten dagegen propagiert.

17. Juli 06

Auf Montage

von Gunda

200607171720_1 War lecker, der Pudding. Aber wie haben die den montiert?

16. Juli 06

Alles wie in Deutschland?

von Gunda

Wenn man im Moment Kontakt zu Deutschland aufnimmt und erzählt, es wäre so heiß und feucht, kommt ein "Ja, bei uns auch." zurück. Natürlich können wir immer schwer etwas erklären, was unser Gegenüber nicht kennt. Eines sei hier aber gesagt: ES IST SCHLIMMER!

Für jeden, der das nachempfinden will, empfehle ich einen Tag im Tropenhaus eines botanischen Gartens. - Ein Schüler von mir meinte: "In den Jahren in Deutschland hatte ich nur einmal japanischen Sommer: Im Gewächshaus im Botanischen Garten Berlin." Sein Sohn, der in Berlin geboren wurde, erlebte erst im Alter von zwei Jahren seinen ersten japanischen Sommer, in dem er so stark geschwitzt hat, daß er am ganzen Körper Hitzepickel bekam.

Unser Tag beginnt mit einer Dusche, die gleich nach dem Abtrocknen schon überflüssig war, weil man schonwieder naßgeschwitzt ist. Make-up und irgendeine Art Frisur verlaufen gleich beim Zurechtmachen in alle möglichen Richtungen. (Japanische Frauen hingegen steigen hübsch und unverschwitzt aus ihrem klimatisierten Auto und gehen sofort rein ins Kühle, zur Arbeit oder zu einer Veranstaltung...) Tagsüber kommt dann das Wechselbad: Draußen heiß und feucht zum Umfallen, drin wie im Kühlschrank. Also immer schön eine Jacke mitnehmen und gleich den Schweiß abwischen, wenn man irgendwo rein kommt. - Die Erkältung wartet trotzdem auf ihre Chance. Zwischendurch kann man Schweißausbrüche kaum vermeiden, bei denen einem das Wasser nur so runterläuft. (Deo braucht man da nur pro forma, oder um den schlimmsten Gestank zu verhindern.) Abends fallen wir verschwitzt (natürlich nach dem Duschen) in unsere Betten, die nach dem Fensteröffnen sofort feucht sind. Bis zum Morgen kann man noch viel Flüssigkeit verlieren. (Manchmal muß ich ins etwas kühlere Wohnzimmer "auswandern".)

Neulich hatten wir 89% Luftfeuchtigkeit, zeitweise Regen, der auf den heißen Oberflächen sofort verdampft ist und Temperaturen um die 40°C. Da habe ich die 31°C am Abend schon als deutliche Abkühlung empfunden... Das nur so als Erklärung nebenbei.

So bleibt das (vielleicht mit etwas trockenerer Luft) bis wir nach Deutschland gehen. Da werden wir uns dann zu Abwechslung mal übergangslos Anfang Oktober den A...llerwertesten abfrieren. Juchhu!  ;-)

14. Juli 06

Mission: Impossible III

von Thomas

200607141751 Da es eine unmögliche Mission gewesen wäre, Gunda zu diesem Film zu überreden, war ich also alleine im Kino, um mit Tom Cruise's dritten Aufguss der klassischen Agentenserie anzuschauen. Was soll man sagen? Action ohne viel Zeit zum Luft holen, natürlich alles maßlos übertrieben, aber nicht so schlimm wie Teil 2 (der erste Actionfilm, den ich gesehen habe, bei dem die Leute anfingen  zu Lachen, statt angesichts der Tricks  starr vor Staunen im Kinosessel zu sitzen), aber bei weitem nicht so gut, wie der erste Teil, der den Charme der alten Serie noch am besten einfing. Die Story war für einen Actionfilm passabel logisch und spannend, die Tricks gut und das Tempo stimmte. Kurzweiliges Popcorn-Kino nennt man das wohl...

13. Juli 06

Deprimierender Sommer

von Gunda

200607131546_1Depression oder niedriger Luftdruck?

Die neue Sorte kalter Kaffee im Automaten:

Die Kannomushi-Kinder

von Gunda

Kan = Hitzköpfigkeit, Jähzorn, Erregbarkeit, Reizbarkeit, Nervosität (übrigens mit dem Radikal für "Krankheit" im Kanji)
Mushi = Insekt

Von Kannomushi sind Kinder befallen, die nicht nur besonders unruhig sind, sondern auch besonders wißbegierig, bzw. mitteilsam. Kannomushi bewirken, daß Kinder nicht sind, wie japanische Kinder sein sollen: Brav, hübsch, angepaßt, still. Überragendes Wissen oder gar Intelligenz sind da doch eher unangebracht.

Es gibt ein japanisches Sprichwort, das ungefähr folgendes besagt: "Auf den Nagel, der heraussteht, schlägt man drauf." Das bedeutet ein hartes Los für Individualisten, Kreative, Hochbegabte.

Die japanische Gesellschaft funktioniert mit diesem System der breiten Massen und der Gruppenzugehörigkeit sehr gut. D.h., hat funktioniert, muß man schon beinahe sagen. Denn mit der immer stärker werdenden westlichen Kultur wird der Wunsch nach einem selbstbestimmten individuellen Leben bei jungen Japanern immer stärker. Das steht oft in einem starken Kontrast zu Schule und Elternhaus. Japan hat die weltweit höchste Rate an Schülersuiziden, viele Kreative suchen sich im unübersichtlichen Tokyo ("In Tokyo hat man keine Nachbarn." - Damit ist die Gemeinschaft gemeint.) eine Nische, manche wandern aus.

Aber ich glaube, daß sich in den nächsten Jahren viel ändern wird. Auch, wenn das vielleicht ein weiterer Schritt von der japanischen weg, hin zur westlichen Kultur sein wird.
Es besteht also noch Hoffnung, daß junge Eltern die Energie der Kannomushi erkennen und fördern werden und damit Japan eine zusätzliche Kraft geschenkt bekommt.
Doch bis dahin werden an vielen Tempeln und Schreinen weiter Omamoris verkauft, die Kannomushi bekämpfen sollen...

12. Juli 06

Priester vertreten

von Gunda

Bei meiner Vertretungsstunde kam heute der Schüler in den Raum: Kariertes Hemd, Jeans, Brille, Stoppelschnitt und abgeknabberte Fingernägel. Irgendwie ein ganz normaler junger Mann im Prinzip. Dann die Überraschung: Er ist buddhistischer Priester und will in Wien in Tibetologie promovieren.

Na, da war ja die Stunde gelaufen. Bzw. die vier Stunden, in denen er mir von seinem Leben erzählt hat:
Er wurde in einem Dorf in der Nähe von Osaka geboren und hat mit seinen Eltern, Großeltern und seiner Schwester in einem buddhistischen Kloster gelebt, das zuerst der Großvater geleitet hat, dann der Vater. Seit seiner Geburt war es der Wunsch seiner Eltern, daß er Priester werden und das Kloster übernehmen sollte. Doch erst sollte er eine gute Ausbildung bekommen und wurde in eine Oberschule in Yokohama geschickt, wo er zunächst bei der Tante, später im Schülerwohnheim gewohnt hat. Als es an's Studieren ging, entschied er sich zunächst gegen das Priestertum. Da er sich aber für Religion interessierte, studierte er Buddhismus. Währenddessen kam er auf die Idee, daß Wissen allein nicht genügt und er nur auch durch Spiritualität den Buddhismus vollständig durchdringen könnte. Also ist er doch Priester geworden. (Die dürfen seit der Meiji-Zeit auch heiraten...) Nach seinem Aufenthalt in Wien übernimmt er das Kloster mit angegliedertem Gästehaus und will eine Homepage (auch auf Deutsch) für das Kloster erstellen, das seit ca. einem Jahr Weltkulturerbe ist.
"Die Zeit in Wien ist mein Urlaub," hat er gesagt. Und: "Ich lerne Sprachen, weil ich so viel über meine Kultur und Religion zu erzählen habe."

11. Juli 06

Spinnen in der Bahn

von Gunda

200607112156_1 Nein, keine Verrückten, sondern eine echte Spinne hat sich im Zug eingenistet und ein hübsches Netz gesponnen. An der Haltestange wird sie wohl nur Hände fangen...

09. Juli 06

Narita Gion Matsuri

von GundaCimg3851_medium

Heute wurde für uns die Matsuri-Saison in Narita eröffnet. Wie schon im letzen Jahr um diese Zeit und den ganzen Sommer lang werden wir immerwieder von den großen Sommerfesten berichten, bei denen der Gott des Haupt-Tempels oder -Schreins in einer Sänfte durch die Stadt getragen wird, um seine Gemeinde zu sehen. Begleitet wird das Ganze von großen bunten Wagen mit Musikern und Tänzern. Diese Wagen werden per Hand an riesigen Tauen durch die Stadt gezogen. Unter Singen und lauten Rufen ("Wasshoi!") kann jeder ziehen, der zu einer Gruppe der Gemeinde gehört. Da sieht man kleine Kinder, alte Leute, "Bürohengste", Hausfrauen und ausgeflippte Teenies einträchtig in Matsuri-Kleidung für die gemeinsame Sache ziehen. Und alle sind mit voller Begeisterung bei der Sache.

Narita hat uns besonders gut gefallen, weil die Stadt schon etwas älter ist und durch die engen Gassen das Ganze noch imposanter, aber auch irgendwie familiärer wirkt.


08. Juli 06

Wieder einmal in Tokyo

 

von Thomas

Gunda war ziemlich geschafft von der letzten Woche und brauchte einen Tag Pause, da bin ich wieder nach Tokyo gefahren, um ein paar Bilder zu machen. Angefangen hab ich in und um den Ueno-Park herum, dann gings nach Ginza und zum Schluss noch kurz nach Shibuya.

Am längsten war ich Ginza. Wie meist am Wochenende war die große Hauptstraße für Autofahrer gesperrt und dafür voll mit Menschen. Unter anderem der Bettelmönch auf dem Photo. Der hat mir erstmal einen US Cent geschenkt, als ich ihn fotografiert hatte. Ich hab ihm dann 100 Yen gegeben, dafür gab's dann noch einen Zettel mit einem Liedtext. Witziger weise kam dann noch ein Deutscher (bzw. jemand, der ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft trug...) und machte auch Bilder. Er hat dann noch was zu mir gesagt, aber natürlich auf Englisch, während der Mönche schneller reagiert hat als ich und den anderen mit "guten Tag" begrüßte ;)

Später wurde ich dann nochmal angequatscht, allerdings von einem Ami. Auf der Straße gabs nämlich auch die unvermeidlichen Musiker aus Peru, die dort ihre Liedchen trillerten. Der gute Ami war so davon fasziniert, etwas ihm aus Amerika vertrautes zu finden, dass er sich kaum beruhigen konnte und immer wieder sagte "sie sind überall, überall". Stimmt, hab ich ihm dann auch bestätigt, sogar in Deutschland sind sie überall. Wobei ich mich immer noch frage, wie die das schaffen, dass sie überall gleichzeitig sind...

Von der Fotoausbeute her war der Tag ansonsten recht ergiebig, ein buntes Durcheinander von Leuten auf der Straße, von schwer aufgetakelten Tussis in Ginza und Obdachlosen im Ueno-Park, von Kindern und alten Leuten, von modern und fancy bis zu traditionell. Viel zu viel, um das alles schnell online zu bringen, aber nach und nach wird das was. Fast 700 Bilder sind jetzt in unserer neuen Fotogalerie und wir haben jetzt schon noch so viele, dass die Galerie noch lange wachsen wird, wenn wir schon längst wieder zurück in Deutschland sind ;)

Beauty aus Deutschland

von Gunda

200607082226_1 Jägermeister macht schön! Meint das Restaurant...

07. Juli 06

Langsam geht es dem Ende zu...

von Thomas

Ja, langsam wird es ernst. Gestern hat unser Projektleiter mich nochmal gefragt, ob ich wirklich Ende September gehen will und hat dann auf meine Bestätigung hin, den Startschuss für die Abreisevorbereitungen gegeben. Da ist noch eine Menge zu tun und wie schon bei unserer Ankunft, hilft man uns auch bei der Abreise von der Arbeit aus sehr viel. Das reicht dann von so Dingen wie Wohnungsaufloesung, Bankangelegenheiten bis hin zur Organisation des Ruecktransports unserer Sachen. Das ist halt die schöne Seite an der Arbeit hier, dass sich auch um vieles gekümmert wird, was über das reine Arbeitsverhältnis hinausgeht. Unsere Ankunft in Deutschland wird da wohl ganz anders ablaufen.

Keine 3 Monate mehr und immer noch soviel zu tun, soviel zu sehen und neu zu entdecken. Aber was soll man machen, einmal muss es eh ein Ende haben...

06. Juli 06

Rums und aus

von Gunda

Komisches Erdbeben war das grad. Als wenn einer kurz gegen das Haus getreten hätte. Kein Schwingen und Schwanken. Ein kräftiger Rums und das war's.

Alles heil, Mami! (Meine Familie liest das hier sowieso nicht...)

05. Juli 06

Drei-Stufen-Freundlichkeit

von Gunda

Was ich schon längst vermutet habe, wurde heute durch eine Schülerin von japanischer Seite nochmal bestätigt.

Es gibt drei Stufen von Ausländern: Touristen, Kurzzeit-Residenten und die, die für immer da bleiben wollen.

Die ersten beiden Stufen werden freundlich empfangen, die findet man toll. Letztere Ausländer werden von den meisten Japanern eher als suspekt angesehen; von denen sollte man sich lieber fernhalten. Und tatsächlich wird man, wenn man sagt, dass man in Japan wohnt, oft von Fremden zuerst gefragt, wann man denn wieder in sein Heimatland zurückgeht. (Ein anderer Grund ist sicherlich, daß sich die meisten für sich selbst gar nicht vorstellen können, auszuwandern.)

Dazu paßt auch die Beschreibung eines uns bekannten Schweizers, der sich um japanische Staatsbürgerschaft bemüht. Neben vielen anderen Schikanen muß er zulassen, von einem Detektiv überwacht zu werden, damit der Staat weiß, ob er ein "japanisches Leben" führt. Wie das aussehen sollte, hat ihm wohl niemand gesagt. Ob sie wohl heimlich eine Kamera bei ihm im Bad installiert haben und jetzt gucken, ob er jeden Abend badet und dabei keine Seife ins Wasser kommt?

Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die deutsche Regierung auf solche Ideen käme...

03. Juli 06

Bilder vom Juni

von Thomas

Einfach mal ein paar Bilder aus dem letzten Monat...

The little boy from two floors above
Omamoris
Night shot
Pinky
Night over Arakawaoki
The pig watching the Soccer World Cup on TV
Cineplex
From above
Mari
Awaiting the train
Crossing the street
Lost...

02. Juli 06

Mihoko & Sakurako

von Gunda_dsc3571

Nachdem sich die Arbeit in der TIA zu meiner Hauptbeschäftigung gemausert hat und auch das soziale Umfeld dort total entspannt und nett ist, ist es fast kein Wunder mehr, daß ich auch Anschluß gefunden habe. D.h., eigentlich ist es vielleicht doch ein kleines Wunder, weil die meisten Lehrer immer nur zu ihrem Unterricht reinschneien und dann wieder verschwinden.

_dsc3640 Trotzdem habe ich Mihoko kennengelernt, die u.a. mit mir zusammen einen Schüler hatte. Mihoko hat eine Zeit lang in Deutschland in einem Internat gelebt. Deshalb kann sie fließend Deutsch und unterrichtet neben Japanisch auch Deutsch.

Erst haben wir uns bei Mihoko zu Hause getroffen, wo sie_dsc3653 mit ihren Eltern und ihrer Tochter Sakurako ("Kind der Kirschblüte") wohnt. Erst war Sakurako sehr schüchtern, später hat sie sich zur wahren Tobefanatikerin entwickelt, was Thomas und ich dann auch sofort mitgemacht haben. (Das auf meinem Kopf ist eine -unbenutzte!- Windel...)

Nach Essen, Kaffee, Toben, netten Unterhaltungen und den obligatorischen Gruppenfotos im Garten und auf dem Sofa sind wir dann noch zu viert zum Tsukuba-san gefahren und ein bischen Dsc_3834an den Schreinen rumgelaufen, haben ein Eis gegessen und sind wieder zurückgefahren.

Das war ein wirklich toller Tag. Und einen Ausflug mit Kind in Japan hatten wir auch noch nicht. Da merkt man wieder, wie kinderfreundlich ganz fremde Japaner auf der Straße sind.

01. Juli 06

Geheimniskrämerei

von Gunda

Ein bischen Tokyo, ein bischen Yokohama, und schon ist mein Outfit für's Standesamt (Sommer 2007) komplett. (Mit dem Kleid für die Kirche will ich Thomas überraschen und es mit meiner Trauzeugin zusammen kaufen. Aber das kommt später.)
D.h., ein bischen Streß gab's auch noch, weil Thomas und ich uns partout nicht einigen konnten. Letztlich haben wir dann dank einer netten Verkäuferin etwas gefunden, was uns beiden gefiel und sind dazu noch in ein "Sonderangebot" gerutscht. Die arme Frau hat zum Schluß in immer kürzeren Abständen was Neues vorgeschlagen, weil die Stimmung zwischen Thomas und mir immer angespannter wurde. Nachdem ich bezahlt hatte, war aber alles wieder o.k.
Wie es nun aussieht, das gute Stück? - Wird nicht verraten! Das ist im Sommer 2007 als Start unserer geplanten Familien-Homepage zu sehen.  ;-)

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