Kleidungschauvinismus
von Gunda
Jetzt hat wieder die Zeit angefangen, in der die Frauen bei der Arbeit frieren müssen. Das hat einen einfachen Grund: Die Klimaanlagen sind zu kalt eingestellt. Und zwar weil die Männer am längeren Hebel sitzen. Während die Frauen Sommerkleidung tragen, weil es draußen warm ist, begnügen sich ihre männlichen Kollegen Sommer wie Winter mit dem immer gleichen schwarzen Anzug. Der ist im Sommer natürlich zu warm, weshalb dann die Klimaanlage kälter gestellt wird. Die Frauen beschweren sich erwartetermaßen nicht genug, und so ist die Bahn frei für grandiose Umweltbelastung und Geldverschwendung. Und die Frauen haben mit Erkältungen zu kämpfen oder schwitzen sich auf dem Weg zur Arbeit halbtot. Jetzt hat auch die Regierung erkannt, daß etwas getan werden muß. Sie hat die Firmen gebeten, den Dresscode zu lockern, der hier um einiges strenger ist als in westlicheren Ländern. Doch entweder steckt das Konservative zu tief drin oder die Herren sind einfach zu bequem, sich über Alternativen Gedanken zu machen. Jedenfalls zeigte der Aufruf wenig Resonanz, weshalb die Abgeordneten jetzt auf die Vorbild-Wirkung setzen: In den Sitzungsräumen wird nur noch gemäßigt klimatisiert, und im Fernsehen kann man die neueste Sommermode für Herren studieren, während man sich politisch auf den aktuellen Stand bringt. Ob's hilft?
p.s.: Besagter Dresscode hindert interessanterweise trotz Anzug nicht an der Kombination mit Tennissocken, Joggingschuhen, kaputten oder zu großen oder hinten runtergetretenen Schuhen, bzw. abgeranzten Taschen...


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