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« Mai 2006 | Start | Juli 2006 »

30. Juni 06

Esst Essig!

von Gunda

Heute habe ich wieder Interessantes zur WM erfahren:

Eine japanische Essig-Firma hat eine Statistik herausgebracht laut der Fußball-Nationalmannschaften aus Ländern, in denen viel Essig konsumiert wird, besser bei der WM dastehen. Je größer der Essigkonsum, desto besser der Fußball.

Brasilien? Argentinien? Deutschland???

Na dann prost!

28. Juni 06

Maulkorb

von Gunda

Daß Japan die Invasion in andere asiatische Länder und die damit verbundenen Massaker vor und während des zweiten Weltkrieges leugnet, ist ja allgemein bekannt. Auch, daß die Geschichtsbücher diesbezüglich Jahr für Jahr zensiert werden ist nichts Neues.
Daß Lehrer, die anderes lehren, vom Dienst suspendiert und vor Gericht gestellt werden, ergibt sich daraus fast von selbst.

Neu war heute für mich, daß es sogar ein Gesetz gibt, das Eltern den Mund verbietet. Die meisten Eltern machen wohl zu Hause ihren eigenen Geschichtsunterricht, was den in der Schule dann natürlich recht lächerlich erscheinen läßt. Das und vieles andere hofft der Staat mit immer mehr werdenden "Patriotismusgesetzen" zu verhindern. Da man aber schlecht die Mehrheit der Eltern wegsperren kann, wurde das Gesetz bisher nicht angewendet und die elterliche Aufklärung wird schon lange schlicht ignoriert.

25. Juni 06

Sayonarah!

von GundaCimg3810_medium

Nachdem ich Linda gleich an unserem ersten Tag in Japan im Krankenhaus kennengelernt hatte, haben für uns Linda und Peter zu unserem Japanaufenthalt dazugehört. Wir haben immer viel Spaß miteinander gehabt, obwohl das Kontakthalten manchmal auch schwierig war. Oft haben uns Linda und Peter mit ihrem vielen Pech und ihren Katastrophen (Höhepunkt: Peter mußte sich einen gutartigen Hirntumor entfernen lassen!) gezeigt, wie gut es uns hier bisher ergangen ist und wie viel Glück wir hatten. Sie hatten aber auch viel Spaß, aber eben auch viel Schweres zu tragen, hier in Japan, weshalb ihnen kaum einer übelnehmen wird, daß sie zum Schluß nur noch die Tage bis zum Abflug gezählt haben.
Freitag fliegen sie zurück nach Kanada. Sie gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Cimg3812_medium Heute war die "Sayonarah-Party" (bzw. eine von vier Parties: noch eine mit Peters Kollegen, eine mit Lindas Kollegen und eine mit Leuten, die heute nicht konnten). Von 13 bis 18 h im "Ausländerwohnhaus" (Ninomiya House) in Tsukuba. Da konnten wir uns also mal angucken, was wir von vornherein kathegorisch abgelehnt hatten (Käseglocke). Zum Schluß haben sie da gewohnt und durften deshalb im schönen Innenhof grillen. Das haben dann auch alle fleißig getan, nur ansonsten gab es kaum was zu essen. Trotzdem sind alle satt geworden. Skurrile Leute waren da. Einer z.B. hat mich dreimal hintereinander gefragt, was ich denn arbeiten würde und hat ständig gefragt, ob seine englische "conversation" gut wäre. (War sie nicht...) Es waren viele Kinder da, was das Ganze etwas belebt hat.Cimg3814_medium

Komischerweise gab es schon gegen 16 h eine Aufbruchwelle, nach der wir nur noch zu sechst waren und nach dem Aufräumen in Lindas und Peters Wohnung "umgezogen" sind. Nach etwas Quatschen und einem Gruppenfoto auf dem Sofa hieß es dann aber endgültig Abschied nehmen. Wir haben den beiden einen Deutschland-Reiseführer und eine vorab-Einladung zu unserer Hochzeit geschenkt. Peter schien nicht so angetan, Linda schon. Ob sie wohl notfalls alleine kommt?

Jedenfalls sind wir fest entschlossen, die beiden irgendwann in Calgary zu besuchen. (Obwohl Thomas ja lieber nach Toronto will, nachdem Linda erzählt hat, daß da im Sommer einige Frauen "oben ohne" auf der Straße rumlaufen...  ;-)  ) Aber dafür müssen wir wohl noch etwas sparen... (Also, für den Flug...)

Jedenfalls ist es schon ziemlich traurig, daß sie bald weg sind. Aber andererseits sind wir ja auch nicht mehr lange da.

24. Juni 06

3 Tage in Tokyo

von Thomas

Modern Tokyo

An den letzten drei Tagen war ich jeweils in Tokyo, zweimal dienstlich, einmal privat. Am Donnerstag und Freitag gab's einen Workshop an der Todai, den unsere Gruppe organisiert hatte. Also musste jeder einmal ran und einen Vortrag halten. War ganz ok, wie das halt so ist. Als Gäste waren Leute vom MPI für Festkoerperforschung aus Stuttgart da, allerdings nicht alles Deutsche, sondern auch Russen. Das war natürlich mal ganz nett, um ein bischen auf Deutsch zu fachsimpeln.
Am zweiten Tag ging der Workshop nur bis mittags, das hab ich dann genutzt, um noch ein paar Bilder in Tokyo auf zunehmen, an der Todai und dann auf dem Weg zum Bahnhof in Ueno.

Tokyo perspectives

Ja und heute war ich dann schon wieder in Tokyo... Gunda war arbeiten und ich wollte nicht zu Hause hocken, also hab ich mir wieder meine Kamera geschnappt und bin auf Entdeckungsreise gegangen an Plätze, an denen ich zuvor noch nicht war. Angefangen in Toranomon, was in der Nähe von Roppongi ist. Da bin ich erstmal über einen Schrein "gestolpert", der mitten zwischen mehrere Hochhäuser eingepfercht war. Aber irgendwie haben die Architekten es geschafft, dass ganze harmonisch zu verbinden und eine Brücke zwischen alt und neu zu schaffen.

For the dead children

Weiter gings dann durch die Straßen der Umgebung an kleinen und großen Tempeln vorbei und noch zu einem Schrein, der wunderbar auf einem Hügel gelegen war. Irgendwas war da los, aber ich hab nicht ganz herausbekommen können, was genau das nun war :(

Jedenfalls war's bis dahin schonmal ein schöner Tag. Von Toranomon bin ich dann weiter nach Aoyama, in der Nähe von Omottesando.

She's looking at you...

Dort gabs ein traditionelles Tanzfestival.  Allerdings war ich zu früh und bin dann erstmal nach Omottesando gelaufen und von da mit der U-Bahn nach Harajuku gefahren, um mal ein paar Bilder von den Cosplayern (also den Teenagern, die sich wie ihre Lieblingsmanga und -anime Figuren verkleiden) zu machen. Außer Leuten in verrückten Kostümen, gabs da noch ein paar J-Pop Sternchen, die da ihre Sangeskuenste darboten. Irgendwann wurds dann ganz skurril, als eine der Cosplayerinnen ihre Geige rausholte und als Kontrastprogramm anfing klassische Musik zu spielen.

Is she the new star of j-pop?

Die meisten Touries blieben da natürlich erstmal verdutzt stehen. Man vergisst halt immer wieder, dass all die schräg und teilweise ziemlich krass kostümierten und geschminkten Leute, eigentlich ganz brav sind und unter der Woche wahrscheinlich ganz normal rumlaufen, zur Schule gehen oder studieren...

Es macht jedenfalls Spaß dort Photos zu machen, weil sie sich einfach wunderbar in Pose schwingen können. Ist halt teil des Spiel, sich fotografieren zu lassen. Übrigens auch untereinander, vor allem die jüngeren die älteren.

The party is over...

Nach gut einer Stunde in Harajuku ging's dann wieder zurück nach Aoyama. Dort war das Tanzfest inzwischen im vollen Gange. Im Prinzip konnte jeder mitmachen und einige hundert Leute machten das auch. Die meisten in Yukatas und mit Getas (eine Art japanischer Holz-Flipflops) an den Fuesse gings immer rund um ein zentrales Podest, auf dem die Musiker platziert waren. Leider konnte ich hier nur Photos machen, ein paar Videoaufnahmen wäre da besser gewesen...

Davon abgesehen bin ich mit dem photographieren im Moment vollauf zufrieden. Es macht richtig Spaß mit der neuen Kamera herumprobieren und Bilder zu machen. Ohne dauernd die sich laeppernden Entwicklungskosten im Hinterkopf zu haben, kann man recht hemmungslos drauflos knipsen und experimentieren.

On a Saturday afternoon in Tokyo

Und langsam nutze ich die Funktionen der Kamera auch bewusster und gezielter, wenn mir auch noch viele Fehler passieren. Am meisten Spaß macht es mir im Moment Bewegungen festzuhalten, quasi ein zufrieren oder zu "pannen", wie das im Englischen heißt. Erst hab ich es mit Fußgängern versucht, dann mit Radfahren und jetzt hab ich endlich auch mal ein paar gute Bilder von Motoradfahrern hin bekommen. Je schneller das Objekt, um so schwieriger fällt es mit. Meist ist dann alles verwischt, nicht nur der Hintergrund. Das Paar auf dem Motorrad hier, ist bisher der beste Versuch :)

Drama

Ansonsten konzentrieren ich mich im Moment darauf Personen abzulichten, denn da haben wir noch viel Nachholbedarf. Tempel, Schreine, usw. haben wir inzwischen zu hundertern aufgenommen, aber der Japaner an sich ist noch etwas unterrepraesentiert. Aber auch das wird noch werden...

Der Tag heute war jedenfalls mit über 300 Bildern ziemlich erfolgreich... Einiges mehr davon als hier in dem Beitrag zu finden ist, gibt es uebrigens in unserem Photalbum zu sehen ;)

21. Juni 06

Heiliger Sozialbimbam!

von Gunda

Gerade erlebe ich ein typisches Beispiel japanischer Sozialkultur:

Ich habe einen Schüler, der bald mit seiner Familie für ein halbes Jahr nach Deutschland geht. Er kann fast kein Englisch und genauso viel Deutsch, geht aber mit dem kindlichen Glauben an die Sache, daß ihm in Deutschland schon wer helfen wird. Ich habe einen anderen Schüler, der mit seiner Frau schon zwei Jahre in Deutschland gelebt hat. Beide Ehefrauen lernen in der gleichen Gruppe zusammen Leier.

So weit, so gut. Da dachte ich mir in meiner westlichen Naivität, die beiden Paare könnten sich doch mal treffen und die Deutschlanderfahrenen könnten was über Land und Leute erzählen, was anders, was schwierig ist. Also habe ich den Erfahrenen angesprochen, er könne den anderen doch mal einladen. Aber ach! Ich hatte die japanischen Etikette vergessen! Der andere ist älter und außerdem Professor! Den darf man nicht einfach von sich aus einladen und dann auch noch belehren. Da muß man ihn dann auch notfalls sehenden Auges ins offene Messer rennen lassen, damit die Form gewahrt bleibt. Aber noch ist nicht alles verloren. Dann versuche ich es eben umgekehrt und sag dem anderen, er könne sich ja mal bei dem Erfahrenen ein paar Tips holen. Mal sehen, ob das dann vielleicht auch gegen das oben-unten-Prinzip verstößt oder diesmal klappt. (Das kommt wohl auf den Grad der Konventionalität von dem "oben" an...)

Kleidungschauvinismus

von Gunda

Jetzt hat wieder die Zeit angefangen, in der die Frauen bei der Arbeit frieren müssen. Das hat einen einfachen Grund: Die Klimaanlagen sind zu kalt eingestellt. Und zwar weil die Männer am längeren Hebel sitzen. Während die Frauen Sommerkleidung tragen, weil es draußen warm ist, begnügen sich ihre männlichen Kollegen Sommer wie Winter mit dem immer gleichen schwarzen Anzug. Der ist im Sommer natürlich zu warm, weshalb dann die Klimaanlage kälter gestellt wird. Die Frauen beschweren sich erwartetermaßen nicht genug, und so ist die Bahn frei für grandiose Umweltbelastung und Geldverschwendung. Und die Frauen haben mit Erkältungen zu kämpfen oder schwitzen sich auf dem Weg zur Arbeit halbtot. Jetzt hat auch die Regierung erkannt, daß etwas getan werden muß. Sie hat die Firmen gebeten, den Dresscode zu lockern, der hier um einiges strenger ist als in westlicheren Ländern. Doch entweder steckt das Konservative zu tief drin oder die Herren sind einfach zu bequem, sich über Alternativen Gedanken zu machen. Jedenfalls zeigte der Aufruf wenig Resonanz, weshalb die Abgeordneten jetzt auf die Vorbild-Wirkung setzen: In den Sitzungsräumen wird nur noch gemäßigt klimatisiert, und im Fernsehen kann man die neueste Sommermode für Herren studieren, während man sich politisch auf den aktuellen Stand bringt. Ob's hilft?

p.s.: Besagter Dresscode hindert interessanterweise trotz Anzug nicht an der Kombination mit Tennissocken, Joggingschuhen, kaputten oder zu großen oder hinten runtergetretenen Schuhen, bzw. abgeranzten Taschen...

20. Juni 06

Einen an der Klatsche

von Gunda

200606201009_1 ...hat man mit diesem batteriebetriebenen Fluginsekten-Verbrutzler garantiert nicht.

19. Juni 06

Jetzt kann wohl nur noch ein Wunder helfen...

von Thomas

...damit Japan bei der WM eine Runde weiterkommt. Und das Wunder wäre ein Sieg gegen Brasilien. Aber danach sieht es nicht. Das 0:0 gegen Kroatien eben, war zwar ein ganz munteres Spiel (mit einem nicht verwandelten Elfmeter für Kroatien), aber gegen Brasilien reicht es wohl nicht zu einem Sieg, selbst wenn Brasilien auch noch nicht in Topform ist.

Wie schon einmal geschrieben, ist das recht schade. Etwas mehr Kontinuität, ein Anknüpfen an die erfolgreiche WM im eigenen Land und Fußball hätte hier sicher einen neuen Popularitätsschub bekommen. Jetzt wird man sehen müssen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt...

17. Juni 06

Mashiko mit Mari

von GundaCimg3709_medium

Voll ins Schwarze getroffen hatte Mari bei uns mit diesem Geburtstagsgeschenk: Töpfern in Mashiko!

Wir hatten uns die Drehscheibe ausgesucht, und am Samstag ging's dann um kurz nach halb neun mit Mari und ihrer Schwester Sachika los, über den Tsukuba-San Cimg3721_medium(-Berg) in die Nachbarpräfektur Tochigi. (Den Knopf für die Klimaanlage von Papis BMW haben die beiden dann erst gefunden, nachdem sie uns schonwieder zu Hause abgesetzt hatten...) Dort gibt es zwei Städte, die für Tonwaren bekannt sind, und Mari hatte Mashiko ausgesucht. Der Ort besteht im Prinzip nur aus Geschäften mit Tonsachen, ein paar Restaurants, kleinen Museen und eben diesem Töpferladen, der Schnellkurse anbietet. (Selbst die öffentliche Toilette war mit Tonscherben gestaltet!) Nach einer kurzen Shoppingrunde und einem leckeren Mittagessen ging's dann ab zum Töpfern.Cimg3722_medium

Man darf in zwei Stunden nach kurzer Anleitung mit nicht müde werdender Hilfe so viel Ton verarbeiten, wie man will. Für mich Ungeduldige eine prima Sache. Ich hatte ganz schnell ganz viel zusammen. Einziger Haken an der Sache: Man muß das Brennen und das Porto pro Stück und nach Größe bezahlen. Und da wir ja auch an unser Gepäckvolumen nach Deutschland denken müssen, mußte ich mich hinterher leider von einigen "Kunstwerken" verabschieden. (Das Ganze bekommen wir erst am 10.9., kurz vor knapp, geliefert. Wir packen das gar nicht aus; es kommt gleich in die Seekiste nach Deutschland.)

Die Sonne brannte Mari und mir also zwei Stunden lang auf den Rücken, während wir versuchten, auf der elektrisch rotierenden Scheibe, etwas als Geschirr Erkennbares zu produzieren. Bei sowas kommt immCimg3724_mediumer der wahre Charakter zutage: Sachika bastelte still intensiv wenig Stücke, Mari hatte das schonmal gemacht, guckte ab und zu nach links und rechts und lobte die anderen, rechts von mir produzierte Thomas vorwiegend flache Dinge ("Das wurde einfach immer breiter.") unter andauernd belustigt-verzweifelten Kommentaren. ("DieCimg3733_medium <=die Helferin> kann doch jetzt nicht einfach an's Telefon gehen!!!") Ich saß in der Mitte, habe mir ständig helfen lassen und auch so einiges an Kommentaren losgelassen. - Die Anleiterin hatte bestimmt am Abend zu Hause ordentlich was über die witzigen Gaijins zu berichten...

Nachdem unsere zwei Stunden um waren, wir aussortiert, eine Glasur und eine Signatur ausgesucht hatten, verließen wir glücklich, dreckig, verschwitzt und noch ziemlich aufgekratzt das kleine Haus. Dann haben wir uns in den Läden angeguckt, was man noch alles hätte machen können, ein bischen was eingekauft.

Cimg3739_mediumAbends ging es dann mit dem Auto wieder zurück, und Thomas und ich sind auf dem Rücksitz ab und zu eingeschlafen. Aufregend war's und schön. Die Stücke werden sicher einen Ehrenplatz in Bonn bekommen (und natürlich auch benutzt werden). So haben wir immer ein Stück Japan und Maris Geschenk vor Augen.

16. Juni 06

So was...

von Thomas

...gibt's vielleicht auch nur in Japan: Als ich gestern Morgen zum Bus ging, war ich etwas früh dran und setzte mich dann schon mal in den wartenden Bus. Kurz darauf hörte ich ein mich etwas irritierendes Geräusch, ein Knipsen, als wenn jemand mit einer Zange oder so was durchtrennt. Außer dem Fahrer und mir war aber niemand im Bus, also hab ich etwas genauer hingeschaut. Was ich da dann sehen konnte, lies nur einen Schluss zu, der Fahrer schnitt sich seine Fussnaegel! Und um noch eins drauf zusetzen, war er die abgeschnittenen Nägel aus dem Fenster... Gut, dass gerade kein Fahrradfahrer vorbei kam :)

Während das eher skurril ist, ist vorgestern dann etwas passiert, was mich doch erstmal ziemlich aufgeregt hat. Ich kam mit dem Bus zur Arbeit und bin dann durch den Haupteingang auf's AIST-Gelände gegangen. Ich war der letzte, der ausgestiegen war, vor mir ein knappes Dutzend Japaner. Am Eingangstor stehen wie immer die Wachmaenner, die vor jedem hereinkommenden Auto salutieren (bei Fußgängern machen sie das nur, wenn gerade kein Auto kommt, denn Autofahrer sind wichtiger, als Fußgänger. Oder so...) und ansonsten meist nur gelangweilt herumstehen. So auch an dem Morgen. Alle Leute vor mir wurden schön gegrüßt, ich auch. Doch dann fing der Wachmann (noch ein ziemlich junger) an zu stottern und versuchte noch irgendwas zu sagen. Nach ein paar Versuchen, kam ich dann dahinter, dass er meinen Dienstausweis sehen wollte!

Jetzt arbeite ich hier schon fast 2 Jahre und auf einmal will einer meinen Ausweis sehen. Das war nun noch nie passiert. Und vor allem, keiner der Japaner vor mir trug seinen Ausweis irgendwie sichtbar am Körper und wurde trotzdem nicht angehalten! Das fand ich ja nun schon sehr merkwürdig und schon auch ärgerlich, vor allem da das Gelände ja im Prinzip frei zugänglich ist, es gibt dort ein öffentliches Museum und Gäste können sich dort frei bewegen oder in dem Gästehaus wohnen, ohne das sie dafür einen speziellen Ausweis brauchen. Und auch Gunda hat noch nie Schwierigkeiten gehabt, wenn sie mal zum Mittagessen gekommen ist.

Aber irgendwie scheint sich was geaendert zu haben. Heute ist mir nämlich das gleiche passiert und, zu meiner Beruhigung, auch Japaner wurden gebeten, ihren Ausweis vorzuzeigen. Also doch keine Auslaenderschikane... Jetzt bin ich mal gespannt, ob das wirklich jetzt so üblich wird, oder ich nur zufällig zweimal an einen übereifrigen Wachmann geraten bin. Mal sehen...

"Wieviel bekommt Ihr denn von der WM mit?"

von Gunda

Auf diese Frage von Yoshi habe ich folgendes geantwortet:

"Nachdem ich gelesen habe, daß es Männer gibt, die sich einen Haufen Kumpels ins Wohnzimmer einladen, die dann besoffen vor dem Fernseher grölen und Bier und Chips in Einrichtungsgegenstände einarbeiten, bin ich über meinen zivilisierten "Mitbewohner" doch ganz froh. Wenn er kann, guckt er abends mal, zweimal hat er sich den Wecker auf vier Uhr gestellt, mich aber ansonsten nicht weiter behelligt. Auf dem Wohnzimmertisch liegen Listen mit Thomas' Tips und den Spielergebnissen, sowie ein Spielplan und ein Bleistift rum. Mehr fußballt es bei uns zum Glück nicht.
Draußen sieht es kaum anders aus. Hier und da mal ein Stand mit Fanartikeln, ein paar Zeitschriften und natürlich Bekanntmachungen im Fernsehen. (Die japanischen Kommentatoren scheinen Fans der deutschen Mannschaft zu sein. Die haben sich bei deutschen Toren immer fast vor Begeisterung überschlagen.)
Gestern hat mich mein einer Chef (Japaner) angerufen und noch bevor er gesagt hat, was er wollte, hat er mir zum deutschen Doppelsieg gratuliert. Wahrscheinlich aber nur, weil er weiß, daß mich das gar nicht so interessiert. - Wir foppen uns gerne immer etwas gegenseitig.
Mein Intensivschüler konnte wegen der WM noch nicht nach Deutschland zum Sprachtest. - Alle Flugtickets waren schon an japanische Fans verkauft. Jetzt muß er noch ein paar Wochen warten und die Zeit mit etwas weniger intensivem Unterricht überbrücken. (D.h., ich habe keinen Streß damit.)
Man wird als Deutsche oft auf die WM angesprochen, und alle meinen, man müßte stolz sein. Viele Japaner hatten richtig große Hoffnungen in ihr Team."

14. Juni 06

Eine Meldung und ihre Geschichte: Das Lied seines Lebens

von Thomas

Die Geschichte, die ich da eben gefunden habe, ist, wenn sei denn so stimmt, irgendwie schon ganz typisch für Japan. Nicht unbedingt die Aktion von dem Mann, aber seine Beharrlichkeit, das Spielerische der Ausführung und, natürlich, ganz typisch ist das Verhalten der Firma bzw. ihrer Angestellten, das Wegschauen, diese für Europäer wohl kaum nachvollziehbare Fähigkeit, dass Offensichtliche, nicht zu übersehende, dann doch zu übersehen und nicht wahrzunehmen.

Ob's so stimmt oder eher der Phantasie des Autors entsprungen ist, weiß ich nicht, aber lesenswert ist die Geschichte schon...

Link: Eine Meldung und ihre Geschichte: Das Lied seines Lebens - Wirtschaft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten.

13. Juni 06

Das war's dann wohl...

von Thomas

Ohne jetzt allzu pessimistisch zu sein, aber die WM ist für Japan wohl schon gelaufen... 85 Minuten 1:0 geführt, dann noch drei Tore kassiert. Und das gegen Australien, dem der Papierform nach leichtesten Gegner in der Gruppe. Selbst ein Sieg gegen Kroatien kann vielleicht nicht mehr helfen, wenn die Australien schlagen (sonst ist es eh aus). Denn dann hängt alles am Torverhältnis und da sieht es jetzt auch erstmal schlecht aus...

War das jetzt nur Pech? Irgendwie nicht, zwar waren die Japaner sehr bemüht, aber zu wenig zwingend und ein weiteres Tor für sie, wäre, wie schon das erste, wohl nur ein Zufallsprodukt gewesen. Ich bin ja mal gespannt, wie es mit der WM-Euphorie nun weitergeht. Denn bisher ist die ja durchaus da. Z.B. hat Matsuura-san mir eben erzählt, wie er und seine Frau vorm Fernseher mitgefiebert haben und er anschließend vor lauter Aufregung nicht schlafen konnte... :)

Mal schaun, was morgen in der Zeitung steht... Muss Zico Sepuko begehen ;)

12. Juni 06

Geschenk und Experiment

von GundaCimg3700_medium

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11. Juni 06

Inside Man

von Thomas

Eigentlich wollten wir zu aller erst nach Tsukuba, um uns ein Konzert mit den Eltern von Gundas jüngster Schülerin anzuhören. Die Beiden spielen in einer Rockband (jedenfalls nennen sie es so, was wir uns aber nicht so ganz vorstellen können) und das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Und so sind wir trotz Regens (ja , die Regenzeit hat jetzt wohl endgültig angefangen) nach Tsukuba gefahren, um dann festzustellen, dass das Konzert ins Wasser gefallen ist. Jedenfalls war außer einer leeren Bühne nix zu sehen :(

Da wir aber hinterher eh noch ins Kino wollten, war's nicht ganz so schlimm. Also sind wir erst was Essen gegangen und haben dann auf dem Weg ins Kino in der neuesten Starbucks-Filiale von Tsukuba unseren Antrittsbesuch gemacht.

Im Kino haben wir uns dann "Inside Man" von Spike Lee angesehen. Grundsolider Thriller um einen Bankraub mit Geiselnahme, mit vielen originellen Ideen und guten Schauspielern, die den Film aus dem üblichen Einerlei doch herausragen lassen. Spannend bis zum Schluss und mit einem überraschenden Ende. Nicht schlecht. Ausgesucht haben wir uns den Film, weil Gunda sich mehr und mehr zum passionierten Jodie Foster Fan entwickelt ;)
Allerdings hatte die nur eine recht kleine Rolle, die sie aber ganz überzeugend gespielt hat.

10. Juni 06

Das Spiel ist aus!

von Thomas

Cimg3680_medium Das erste Spiel ist gespielt, 4:2 für Deutschland und wir waren live dabei... Natürlich beim japanischem Fernsehen, was aber sehr angenehm war, die Kommentare in Deutschland sind heutzutage eh meist zum Weglaufen und hier konnte man sich nun ganz auf das Spiel konzentrieren. Die Namen der deutschen Spieler war so ziemlich das einzige, was wir gut heraushören konnten :) Reichte aber auch.

Und das Spiel? Ganz munter hin und her, schön löchrige Abwehrreihen auf beiden Seiten und daher wohl eines der torreichsten Eröffnungsspiele der WM-Geschichte. Wird man so Weltmeister? Ich galub's nicht und setz' weiter auf meine ewige Lieblingsmannschaft aus Brasilien!

Hier noch ein paar Kurzvideos vom Spiel:

Die Hymne

Wer spielt mit?

Das erste Tor


09. Juni 06

Internationale Vergleiche

von Gunda

Nachem ich das jetzt schon zweinmal gehört habe, muß ich einfach was dazu schreiben:

Irgendwie scheinen Deutsche, die schon lange in Japan leben, dazu zu neigen, die zahnmedizinische Versorgung ihres Gastlandes zu idealisieren. Anders kann ich mir die Bemerkungen, in Deutschland seien Zahnärzte zum Fürchten und Zahnbehandlungen immer schmerzhaft, nicht vorstellen. Oder war das vielleicht noch so, als besagte Erzähler aus Deutschland weggegangen sind? Und jetzt erfahren sie hier die weltweit fortgeschrittene Technik als "toll japanisch sanft"? Ich habe hier jedenfalls letztes Jahr genau die umgekehrte Erfahrung gemacht...

Eigentlich ist mir total egal, was irgendwelche Leute über deutsche oder japanische Zahnärzte denken und dann auch noch verbreiten. Aber einem Schüler, der demnächst zwei Jahre in Deutschland leben soll, zu sagen, dort wäre ein Zahnarztbesuch total schmerzhaft, finde ich einfach ... um ehrlich zu sein ... total bescheuert. Der läßt sich glatt zwei Jahre lang das Gebiß wegfaulen, bevor er sich nem "deutschen Schlächter" anvertraut.

Vielen Dank für ein weiteres Kapitel im Sammelband "Mutmachen für Deutschlandaufenthalte"!

ワールドカップ - wuuludo kappu

von Thomas

Woran merkt man als Deutscher in Japan, dass es jetzt mit der Fußball-WM losgeht? Ganz einfach wenn man sich als Deutscher outet, dann schalt einem dieser Tage gleich ein "ワールドカップ" entgegen :) Kurz darauf kommt dann meist die Frage, ob wir während der Zeit dann auch nach Deutschland zurückfahren... Nein, das machen wir sicher nicht, wir bleiben hier und schaun uns die Sache wenn dann im Fernsehen an.  Heute  Nacht ( ja , dank Zeitverschiebung  ist das hier im  Wesentlichen eine  Nacht-WM) wollte ich mir  mal das Eröffnungsspiel anschauen.  Hoffentlich finde ich den richtigen Kanal... Gespannt bin ich ja vor allem auf den japanischen Kommentar, wird bestimmt lustig.

Ansonsten ist die WM hier schon eine große Sachen. Quasi alle Spiele werden live übertragen, die Zeitungen berichten, es gibt Sonderbeilagen und natürlich viele spezielle WM-Zeitschriften (vielleicht sogar mehr als in Deutschland, aber ich ich eh fast den Eindruck, dass es hier generell mehr Zeitschriften gibt), von denen ich mir auch eine gekauft habe. Überall kann man Fan-Artikel kaufen, die Anzahl der deutschen Fahnen in den Geschäften hat sich drastisch erhöht, usw.

Aber die Ausmaße, wie in Deutschland nimmt das Ganze  natürlich  nicht. Dazu ist Fußball  dann doch immer noch zu  exotisch  hier in Japan, dass ganz klar  von Baseball dominiert wird (jedenfalls soweit es die Mannschaftssportarten angeht). Die Sache findet statt, man nimmt es wahr, aber man redet sich nicht gerade die Köpfe darüber heiß, wer denn nun Weltmeister wird. Vielleicht ändert sich das etwas, wenn Japan erfolgreich mitspielt, wenn nicht, wird die Sache doch recht schnell abebben, denke ich.

Was mir bzgl. Fußball allerdings in den letzten Monaten aufgefallen ist, sind die vielen Soccer-Shops in Tokyo. Vielleicht waren die ja auch schon letztes Jahr da, aufgefallen sind sie mir allerdings erst in der letzten Zeit. Es gibt sie jedenfalls in jedem Stadtviertel, sie sind ziemlich groß, bieten natürlich hauptsächlich Fanartikel der japanischen Nationalmannschaft, aber auch einiges internationales. Und es sind immer Leute drin. So gering ist das Interesse und die Nachfrage dann wohl auch nicht.

Wie auch immer, nachher geht es erstmal los! Wird eine lange Nacht werden...

08. Juni 06

Zuhause bei Joyful Honda

von Gunda

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07. Juni 06

Kulturtraining für Anfänger

von Gunda

Da gibt man sich tagtäglich redliche Mühe, um Japanern ein anständiges Bild von Deutschland jenseits von Neuschwanstein und Sauerkraut zu vermitteln und dann das:

Eine meiner Schülerinnen berichtete mir heute, daß am Morgen im Fernsehen ein Kulturtraining aus Deutschland zu bewundern war.
Belehrt wurden Busfahrer aus Bonn, wo die japanische Fußballmannschaft im Moment untergebracht ist. Es werden wohl Anstürme von japanischen Fans erwartet, und darauf will man vorbereitet sein. Also müssen die Busfahrer wissen: Japaner entschuldigen sich andauernd; auch, wenn es nichts zu entschuldigen gibt. "Sumimasen!" sagen sie dann. (Was die erklärende Frau wohl nicht wußte: Das wird im Sinne von "Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie mir Ihre Aufmerksamkeit schenken?" benutzt und findet sonst auch noch eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten, die nichts mit einer Entschuldigung zu tun haben.)
Desweiteren ist es natürlich für so einen transportierenden Busfahrer auch ungemein wichtig, sich noch weiter in die Kultur seines Fahrgastes einfühlen zu können und z.B. zu wissen, was der so normalerweise ißt. Also wurde Sushi verteilt, was wohl geschmacklich wenig Begeisterung unter den Busfahrern auslöste. (Aber klar, Berliner Busfahrer essen ja auch z.B. Döner oder Pizza, Spaghetti ...)
Ach ja, und die Taxifahrer sollten in der Aufgeklärtheit ihren Kollegen auch um nichts nachstehen. Sie bekamen einige japanische Vokabeln zum Lernen auf und gesagt, sie sollten, wenn ein Japaner bei ihnen mitfahren will, aussteigen, um das Auto herumgehen, dem Fahrgast die Tür aufmachen, ihn einsteigen lassen und dann die Tür wieder zumachen, ums Auto herumgehen, selber einsteigen und losfahren. Weil, in Japan gehen ja die Türen für den Fahrgast hinten automatisch auf, da könnte der verunsichert sein, wenn sich in Deutschland da nichts regt. Interessant wäre jetzt, zu erfahren, wie viele in Bonn lebende Asiaten in Zukunft irritiert werden, wenn sie in ein Taxi steigen wollen...

Ja, was die Deutschen machen, das wollen sie dann auch gleich ganz gründlich machen. Besonders, wenn es um Völkerverständigung geht. Man will sich ja nicht nachsagen lassen, man sei nicht gastfreundlich...

Und dann bitte noch einmal nach Neuschwanstein und Sauerkraut essen, wie das die Deutschen immerzu machen.

06. Juni 06

Agressive Zeuginnen

von Gunda

Eben waren zwei ältere Damen von den Zeugen Jehovas vor der Tür, die es ernsthaft gebracht haben, unsere Wohnungstür einfach festzuhalten, sodaß ich sie nicht zumachen konnte, nachdem ich erklärt habe, daß ich nicht interessiert bin. Ganz alttestamentarisch habe ich Gleiches mit Gleichem vergolten und ihnen die Tür mit Gewalt aus der Hand befreit, während sie absurderweise immernoch sanft vor sich hin säuselten...

04. Juni 06

Da Binci Kodo die Zweite

von Thomas

Nun haben wir ihn auch gesehen und können endlich mitreden! Aber eigentlich gibt es da gar nicht soviel zum reden. Wenn der ganze Wirbel um das Buch nicht gewesen wäre, wäre der Film wahrscheinlich recht schnell wieder vergessen bzw. hätte erst gar nicht soviele Zuschauer bekommen. Die Story um eine Art moderne Gralssuche, bei der sich die Gehilfin des Helden am Ende als der gesuchte Gral herausstellt, ist ziemlich löchrig (von der absurden Story mal abgesehen), voller Zufälle und Unwahrscheinlichkeiten und nicht eine der spannendsten.

War der Film schon nicht der wirkliche Bringer, so hatte Gunda auch noch ganz persönlich ein riesen Pech: Wir waren etwas spät dran, die Werbung lief, das Kino war also schon abgedunkelt, da hat Gunda eine Treppenstufe falsch erwischt und sich den Fuss verknackst. Gebrochen ist zwar nichts, aber es tut sehr weh und alles ist geschwollen. Hoffentlich geht das gut ab...

03. Juni 06

Alle Jahre wieder: Party

von Gunda

Dsc_0734_medium_1Was unterscheidet eine von Deutschen ausgerichtete Geburtstagsparty von einer, die von Japanern ausgerichtet wird? - So ziemlich alles. Hier der Vergleich:

Deutschland:

- überhaupt Geburtstag wichtig nehmen
- Anfangszeit, offenes Ende
- zu Hause feiern
- jeder bringt was für's Buffet mit
- alles ganz zwanglos und inoffiziell

Dsc_0810_mediumJapan:
- Geburtstag ist traditionell eher nicht so wichtig.
- Genaue Zeiten für Anfang und Ende, woran sich alle halten (meistens nicht mehr als vier Stunden)
- im Restaurant feiern
- Der Gastgeber beschafft alles zur Bewirtung selbst (was ja im Restaurant nicht so schwierig ist).
- Regeln müssen schon eingehalten werden. Z.B., daß man Süßigkeiten und / oder Blumen für den Gastgeber mitbringt. Und schick machen sollte man sich auch.

Dsc_0894_medium Kurz gesagt: Für die Japaner unter unseren Freunden und Bekannten, die wenig bis keinen Kontakt zu Ausländern hatten oder haben war unsere Geburtstagsfeier ein Erlebnis der besonderen Art. Etwas angepaßt hatten wir uns schon im letzten Jahr und für Essen und Getränke komplett selbst gesorgt. Alles andere haben wir dann aber gehandhabt, wie wir es kannten. Dsc_0837_mediumDank der etwas größeren Menge an Gästen im Vergleich zum letzten Jahr gab es auch mehr beherzte Leute, die sich einfach am Buffet bedient haben, sodaß die anderen das nachmachen konnten. (Letztes Jahr mußten wir eher "kellnern".)

Nach und nach kamen mehr Leute, die sich irgendwann zu kleinen Grüppchen formierten und viel Spaß hatten. Da wurde Japanisch (gern auch mit schweizer Akzent), Englisch, Deutsch und Mandarin gesprochen, alles durcheinander, und trotzdem haben sich alle prima verstanden. Dsc_0997_mediumZwischendurch hatte mich meine Schwester zum Gratulieren angerufen. Und als ich da so auf dem Balkon stand und die fröhlichen Stimmen zu mir nach draußen drangen, war ich richtig glücklich, daß wir in unserer Zeit hier so viele nette Leute kennengelernt haben. Meine Schwester wiederum schien sich genau das kaum vorstellen zu können. Eigentlich komisch...

Neu für uns war auch, im Gegensatz zu letztem Jahr, daß wir plötzlich so viele Kinder in der Wohnung hatten. Aber nachdem wir unsere empfindlichen Sofakissen im Schlafzimmer verschwinden lassen und durch die knallgrüne Schlange von IKEA ersetzt hatten, war auch das Beschäftigungsproblem erstmal gelöst. Eigentlich bin ich ja Kinderentertainment wirklich gewohnt; aber die Spiele, die ich kenne hängen doch zu sehr an Sprache, als daß ich japanische Kinder hätte begeistern können.Dsc_0773_medium (Wenn ich mir mehr Mühe gegeben hätte, wäre es wohl gegangen; aber da waren noch so viele andere Gäste...) Irgendwann zauberte dann jemand Origami-Papier auf den Tisch, und dann war auch erstmal Ruhe. (Den Edding-Strich habe ich hinterher auch prima mit Ethanol vom Couchtisch wegbekommen...) Ein kleiner Schock muß es für Kousuke gewesen sein, in meiner Freundin Linda plötzlich seine Englischlehrerin auf unserer Party zu treffen...  ;-)

Dsc_0801_mediumWas die Geschenke angeht, so haben wir uns im letzten Jahr hinterher von Unmengen an Süßigkeiten überhäuft gesehen. Dieses Jahr war das anders: Wir haben eine gute Mischung aus Süßem und eher bleibenden Werten (Wenn man mal davon absieht, daß die Fettschicht am Bauch durchaus auch ein bleibender Wert sein kann...) bekommen.

Dsc_0818_medium Zum Abschluß hat Akapu für die verbleibenden vier Gäste noch Tee nach Art der Teezeremonie zubereitet. Für die vier nicht-Japaner war dies das erste Mal, auf diese Art Tee zu trinken und ein guter Abschluß für Lindas und Peters Japan-Aufenthalt. (Sie gehen Ende des Monats nach zwei Jahren Japan zurück nach Kanada.) Da haben wir dann noch ein gutes Stück Kulturarbeit geleistet und die anderen zusammen mit Akapu ein bischen über Philosophie und Hintergründe der Zeremonie aufgeklärt. (Peinlicherweise fragte dann wirklich jemand nach einer "Coffee Ceremony". War aber zum Glück wohl eher scherzhaft...)

Dsc_0820_medium Alles in allem war es eine gelungene Feier, und alle Eingeladenen, die ich seitdem getroffen (oder gemailt) habe, haben sich bisher begeistert darüber geäußert. Und das ist auch ein Stück unserer Kultur, die wir da weitergegeben haben: Internationale Geburtstagsfeiern zu Hause mit Buffet.

02. Juni 06

Pinky girls oder "Gunda hat Geburtstag"

von Thomas

_dsc0662_medium Heute war's dann auch bei Gunda soweit: Sie hat heute Geburtstag! Leider ist es für uns beide ein ganz normaler Arbeitstag und Gunda wahrscheinlich erst um 22 Uhr wieder zu hause. Aber da kann man leider nix machen. Aber wenigsten einen schönen Morgen mit tollen Geschenken sollte es geben :)

_dsc0673 Ein neues Portemonnaie hat Gunda sich schon lange kaufen wollen und da dachte ich mir,  das wäre doch eigentlich ein gutes Geschenk. Also hab ich sie mit Mueh und Not davon abgehalten, selber  eines zu kaufen. War gar nicht so einfach... ;)  Jetzt macht so ein Portemonnaie aber nicht wirklich viel her, selbst wenn man's schön einpackt, ist es nicht so der Bringer. Was also tun, um der Sache mehr Pepp zu geben? "Think pink!" dachte ich mir da, denn Japan ist pinky, und mit viel Pink erzeugt man das richtige Japan-Feeling :)

_dsc0677 Das Japaner auf pinky stehen, dass kann man kaum uebersehen (deutet sich ja schon bei der Nationalflagge an: Wenn man Rot und Weiß mischt, wird's eben rosa...). Es gibt nichts, was es nicht auch in Pink gibt. Und das nicht nur von "Hello Kitty" und Konsorten. Kleidung (auch für Männer), diverse Alltagsgegenstaende, Spielzeug, Bürobedarf, Wäsche, alles, wirklich alles gibt es hier auch in Pink. Sogar eine Frauenzeitschrift namens "Pinky"... Und auch die Natur spielt dieses Spiel ja mit: Wenn in Spaetwinter die Pflaumen anfangen zu bluehen, dann leuchtet es rot-rosa über reinem Pink bis hin zu einem Weiß mit noch einem leichten Anflug von  Rosa.  Das gleiche Spiel, nur noch viel prächtiger, wiederholt sich dann im Frühling, wenn Sakura, die Kirsche erblüht. Und jetzt, kurz vor Sommeranfang, tauchen die Azaleen Sträucher und -hecken mit ihrem Bluetenmeer das Land in einen Regenbogen verschiedenster Pinkfarbtoene. Bei solchen Rahmenbedingungen, ist es ja kein Wunder, dass die Menschen da mitspielen.

_dsc0705_bearbeitet Und ich hab jetzt also auch mitgespielt. Ein Taschentuch von "Pinky Girls" als Geschenkpapier und dazu rosa Söckchen, Nagellack, Süßigkeiten, ein Stift und Notizblock, ein Radiergummi, pinky Glitzeranstecker fürs Handy und ein Kettchen fürs Fußgelenk sowie ein rosa Stoffschweinchen und einen pinky Alarmgeber, falls man mal überfallen wird und obendrauf noch ein rosa Plastikportemonnaie von "Hello Kitty"... Es hätte noch viel mehr gegeben, aber das reichte schon, um einen völlig verdatterten Gesichtsausdruck bei meiner armen Gunda auszulösen :)

Aber nach dem Farbschock, gab's dann ja doch noch das Wunschgeschenk und da war die Welt wieder mehr als in Ordnung... Nicht wahr, meine Allerliebste ;)

01. Juni 06

Wie riecht der Sommer?

von Gunda

In deutscher Werbung wird der Geruch des Sommers oder Frühlings immer als angenehm, frisch und leicht dargestellt. - So habe ich das auch immer empfunden.

Und in Japan? - Da fängt schon seit geraumer Zeit in der Werbung die Saison für Lufterfrischer, Ionisierer und Geruchsneutralisatoren an. Vorwiegend Damen sitzen schnüffelnd in ihrem wohlriechenden Heim, was die Bewunderung von Nachbarn und Verwandten auf sich zieht. Als "Neuentdeckung" wird jetzt verstärkt Werbung für "Lenor" ("lenoa") gemacht, das einem den ganzen Tag lang wohlriechende Kleidung bescheren soll. Wirklich ein Fortschritt für ein Land, in dem Waschmittel und Kosmetika nur notfalls kaum wahrnehmbar dezent riechen und der Geruch sofort wieder verfliegt.

Braucht man in Japan Düfte? - Erst dachte ich, das sei alles Quatsch und unnötig. Wenn es sauber ist, riecht es von alleine frisch. Spätestens letzten Sommer bin ich eines Besseren belehrt worden: Die hohe Luftfeuchtigkeit fördert sämtliche mögliche Ausdünstungen zutage. Bei Gegenständen und bei Menschen. Direkter gesagt kann so einiges während der Regenzeit anfangen zu stinken und bis zum Herbst nicht wieder aufhören. Deshalb sind auch wir og. Produkten durchaus aufgeschlossen. (Außer dem Weichspüler; der hinterläßt Flecken in der Wäsche.)

Menschliche Gerüche sind dann nochmal ein extra Kapitel: Die Deos hier funktionieren nicht so gut, wie ich es gerne (bei anderen und bei mir) hätte. (Ich weiß von Ausländern, die sich regelmäßig welches aus ihrem Heimatland schicken lassen. Ortrun hatte mir damals auch welches mitgebracht.) Das führt nicht nur zu unangenehmen Situationen in vollen Bussen und Bahnen (Dabei sind die Japaner nun wirklich sehr reinlich, was die Körperpflege angeht!), sondern auch zu interessanten Erfindungen. Z.B. gibt es Aufkleber, die man sich unter die Achseln ins T-shirt kleben kann und die den Schweiß aufsaugen. (Ich hätte lieber ein gutes Deo als ein feuchtes Pflaster unterm Arm...) Besonders begeistert bin ich bei hohen Temperaturen aber von den "Cooling Powder Sheets". - Das sind taschentuchgroße feuchte Tücher, die Menthol oder Pfefferminz enthalten und dazu mit Deo-Puder bestückt sind. Damit kann man sich im Sommer prima erfrischen. Eins unter den Achseln angewendet und eins an Stirn und Schläfen, und schon fühlt man sich ein bischen lebendiger in der drückenden Hitze (und ist dazu noch den Schweißglanz im Gesicht los). Kühlende Duschgels und Badezusätze gibt es auch.

Wahrscheinlich gibt es hier schon alles Nötige. Vielleicht finde ich auch noch in diesem Sommer ein besseres Deo...   ;-)   Jedenfalls freue ich mich zwar auf den Sommer, nicht aber auf dessen schwüle Hitze.

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