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21. Juni 06

Heiliger Sozialbimbam!

von Gunda

Gerade erlebe ich ein typisches Beispiel japanischer Sozialkultur:

Ich habe einen Schüler, der bald mit seiner Familie für ein halbes Jahr nach Deutschland geht. Er kann fast kein Englisch und genauso viel Deutsch, geht aber mit dem kindlichen Glauben an die Sache, daß ihm in Deutschland schon wer helfen wird. Ich habe einen anderen Schüler, der mit seiner Frau schon zwei Jahre in Deutschland gelebt hat. Beide Ehefrauen lernen in der gleichen Gruppe zusammen Leier.

So weit, so gut. Da dachte ich mir in meiner westlichen Naivität, die beiden Paare könnten sich doch mal treffen und die Deutschlanderfahrenen könnten was über Land und Leute erzählen, was anders, was schwierig ist. Also habe ich den Erfahrenen angesprochen, er könne den anderen doch mal einladen. Aber ach! Ich hatte die japanischen Etikette vergessen! Der andere ist älter und außerdem Professor! Den darf man nicht einfach von sich aus einladen und dann auch noch belehren. Da muß man ihn dann auch notfalls sehenden Auges ins offene Messer rennen lassen, damit die Form gewahrt bleibt. Aber noch ist nicht alles verloren. Dann versuche ich es eben umgekehrt und sag dem anderen, er könne sich ja mal bei dem Erfahrenen ein paar Tips holen. Mal sehen, ob das dann vielleicht auch gegen das oben-unten-Prinzip verstößt oder diesmal klappt. (Das kommt wohl auf den Grad der Konventionalität von dem "oben" an...)

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Kommentare

Thorsten

Ich teile deine Bedenken nicht. Hier in Norddeutschland habe ich viele Japanische Familien kennen gelernt, viele Kinder dieser Familien erlebt und auch die Probleme gesehen. Es gibt sie praktisch nicht.

Den Besuchern auf Zeit Angst vor Deutschland zu machen, eine Vorbereitung als notwendig zu empfehlen ist meiner Meinung nach falsch und unbegründet.
Sicher hilf eine Vorbereitung, völlig unstrittig, aber die Aussicht auf ein Leben in Deutschland ist auch kein Grund zur Panik.

Die mir bekannten Japaner haben sich schnell integriert und eigene soziale Netzwerke aufgebaut. Sie sprechen zwar teilweise auch nach einigen Jahren Aufenthalt nur befriedigend Deutsch aber im Vergleich zu vielen anderen Ausländern aus anderen Ländern (Türken, Albaner, Russen) sind das Glanzleistungen.

Die Kinder werden in den Schulen auf die Sprache vorbereitet, erstaunlicher Weise funktioniert dies wunderbar. Selbst wenn die keine Vorkenntnis besteht und die Eltern gar kein Deutsch sprechen.
Hier hilft sicher, dass es hier im Norden nur wenige Japaner leben und eine Parallelgesellschaft wie in Düsseldorf nicht gebildet werden kann.
Die Eltern brauchen erfahrungsgemäß etwas länger für die Sprache, aber besonders die Mütter von Schulpflichtigen Kindern lernen erstaunlich schnell.

Witzige Momente bleiben den Einwanderern (auf Zeit) meist nicht erspart. So hat beispielsweise eine Freundin aus Bremerhaven mal Vitaminbrausetabletten zum Auflösen im Wasserglas als Süßigkeit direkt eingeworfen – learning by doing. Natürlich gibt es auch andere Probleme, aber insgesamt sind alle mir bekannten Familien in Deutschland sehr zufrieden und freuen sich besonders an dem intensiveren Familienleben durch mehr Freizeit.

Gunda

Ich kenne auch etliche Japaner, die in Deutschland wohnen und gerade zu Beginn schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Bedenken habe ich deshalb, weil viele auslandsunerfahrene Japaner davon ausgehen, daß sie als Gäste in Deutschland genauso bemuttert werden, wie es die Japaner mit ihren Gästen tun. Das ist aber selten der Fall. (Z.B. muß sich der Schüler selbst eine Wohnung suchen.) Und wenn man in Deutschland nur Japanisch kann, kommt man nicht weit. Ein halbes Jahr reicht nicht aus, um befriedigt wieder nach Japan zurückzugehen, weil man inzwischen einiges versteht. Der Schüler will in seinem Fachgebiet an der Uni arbeiten, braucht aber für den Satz "Ich habe mein Buch vergessen." einen japanischen Dolmetscher, weil es auch auf Englisch nicht geht.

Ich mache ihm keine Angst; ich versuche, ihm etwas mehr Realismus beizubringen und Enttäuschungen vorzubeugen. Genauso, wie ich meine anderen Schüler darauf vorbereite, daß es Menschen in Deutschland gibt, die zu Ausländern nicht unbedingt nett sind, um das mal vorsichtig auszudrücken. Besser vorbereitet als überrascht und deshalb handlungsunfähig. - Das gilt für alle Situationen. Den sicheren Kulturschock kann ich sowieso nicht vermeiden.

Ich finde, man braucht für JEDES Land Vorbereitung. Vorallem aber, wenn es sich um eine fremde Kultur handelt. Wäre ich im umgekehrten Fall nicht auf Japan vorbereitet gewesen; ich wäre wohl bald überall angeeckt und ziemlich fertig gewesen. So westlich das Leben der modernen Japaner erscheinen mag; die o.g. Geschichte ist nur einer der vielen möglichen Gegenbeweise.

Tatsache ist: Deutschland ist nicht so bequem für Ausländer wie Japan. Und das sollte man thematisieren.

Tomo

Mein einer Onkel, der damals ein Uni-Prof für bildhauerische Kunst war, jetzt Dekan, ist mal (1988) für ein dreiviertel Jahr durch fast die ganze Welt "getingelt", besser gesagt zu den Kunstakademien und Universitäten der Bildhauerei, ohne eine Fremdsprache zu können. Englisch war auch mehr schlecht als recht. Er erzählte uns, das er mit dem jap. Wort "Daijubu" (im Sinne von "Ist alles OK!") überall zurecht kam und man ihn verstand... Wenn er meint...
Er erzählte aber auch haarsträubende Erlebnisse, aufgrund der Sprachschwierigkeiten, z.B. wurde er am FFM-Flughafen, da er eine Anglerweste trug, alle Taschen voll mit Krimskrams gefüllt!, in das U-Haftzimmer geführt und dort haben sie ihn richtig gefilzt. Er mußte sich komplett ausziehen, selbst die Unterhose wurde abgetastet. Irgendwann kam dann wohl auch ein Dolmetscher, der die Beamten des BG aufklären konnte. Auf beiden Seiten gab es dann erleichtertes Gelächter und die Beamten waren wohl sogar behilflich alle Taschen wieder mit seinem Hab und Gut zu befüllen und entschuldigten sich alle per Handschlag bei ihm. Mein Onkel fand die Geschichte irgendwie belustigend und tat seinem Entdeckertum keinen Abbruch. Ich weiß nicht, was er sonst noch so dann in Europa, USA, Argentinien und Brasilien angestellt hat aber er kam ja höchstlebendig und ohne steckbriefliche Gesuche aber um kiloweise Erfahrungen reicher, hochzufrieden nach Japan zurück. Und er erinnert sich sehr gerne an diese Reise und über die "negativen" Erfahrungen, die ihm mangels Sprachkenntnisse widerfuhren, erzählt er heute noch gerne.
So manch Japaner möchte anscheinend im Ausland wohl eine kleine Aufregung erfahren und seine Grenzen abtasten...

Thorsten

Das ist für mich ein wirklich sehr emotionales Thema. Die Angst vor Fremdenfeindlichkeit in Deutschland war vor der WM in Deutschland ein breites Thema, füllte alle Blätter. Was ist geblieben? Deutschland feiert ein Fest mit allen Nationen. Fremdenfeindlichkeit gegen Japaner gibt es schon gar nicht nicht, zumindest wird darüber nicht berichtet.
Japaner brauchen keine Angst vor Deutschland haben, kein anderes Land ist wohl so gut auf Ausländer eingestellt. Auch die Behörden sind bestens eingestellt auf die Probleme der Ausländer. Als Beispiel aus der Praxis kann ich über die Umschreibung von Fahrerlaubnissen berichten. Als meine Frau Ihren Japanischen Führerschein umschreiben lassen wollte, war der Vorgang in wenigen Tagen und mit einem Formular erledigt. Habt Ihr versucht einen Führerschein in Japan zu bekommen? Nicht so einfach.

Auf meine ersten Aufenthalte in Japan habe ich mich vorbereitet und fühle mich inzwischen auch in Japan durchaus heimisch. Durch die Vorbereitung habe ich meine Frau in Saitama kennen gelernt und als Produkt ist mein Sohn als vor 3 Monaten geboren. Ich kann also eine Vorbereitung durchaus empfehlen. Nur in dem Beitrag und auch schon in anderen Beiträgen kommt eine sehr negative Grundstimmung durch, die mir nicht angebracht scheint.
Ich habe keine bedenken, dass mein Sohn auch in Deutschland korrekt behandelt wird, hier sind ohnehin 30% der Kinder mit „Migrationshintergrund“. In Japan wäre das aber durchaus anders, befuerchtet meine Frau. Viele Bekannte in Japan haben oft von Fremdenfeindlichkeit in japanischen Schulen berichtet und ihre Kinder dann doch nach Yokohama auf die Deutsche Schule geschickt. Der Japaner scheint noch immer nicht an Ausländer gewohnt, besonders für Kinder ist das oft schlimm.
Auch ich erfahre regelmäßig Fremdenfeindlichkeit in Japan. Ich wurde nicht geschlagen oder bespuckt, aber viele kleine subtile Attacken muss man Ausländer schon erleiden. Eltern ziehen ihre Kinder in Sicherheit wenn sie Ausländer sehen, daraus resultiert vielleicht auch die teilweise erschreckende Angst vieler Kinder vor Ausländern. Wenn ich von hinten angesprochen nach dem Weg gefragt werde und mich bereit zu antworten umdrehe, beendet der Blickkontakt meist die Unterhaltung unvermittelt. „Oh ein Ausländer“ und weg ist die Japanerin. Das passiert mir nicht in London, Paris oder Rom - so ist Tokyo. Ablehnung und Panik in vielen (Geschäfts-) Hotels gegenüber fremden Gästen ist auch bezeichnend, das wird kein Japaner in Deutschland erfahren haben, da bin ich sicher.

Auch wenn meine Darstellungen jetzt negativ wirken, für mich überwiegt der positive Eindruck von Japan. Japan hat gerade ein Tor gegen Brasilien geschossen! NIPPON, Nippon, Nippon GAMBARE!
Japan ist viele Reisen wert, mit Vorbereitung ist das Erlebnis schöner. Das wird bei einer Deutschlandreise wohl auch so sein.

An dieser Stelle auch ein Dank für Euer Tagebuch. Ich hoffe, Ihr werdet es weiterführen, wenn Ihr wieder in Deutschland seit. Tolle Eindrücke und Geschichten sowie großartige Fotos, dazu kann man Euch beglückwünschen.

Tomo

[quote=Thorsten]erledigt. Habt Ihr versucht einen Führerschein in Japan zu bekommen? Nicht so einfach.[/quote]
Hmmm.. als ich 1992 meinen dt. Führerschein in der Deutschen Botschaft in Tokyo in ein japanisches Schriftstück übersetzen lassen wollte, mußte ich nur ein Formular ausfüllen, meinen dt. Führerschein vorlegen und nach 5 Tagen konnte ich die Übersetzung abholen, die nun solange auch gilt, wie mein dt. Führerschein gültig ist. Allerdings immer nur für bestimmte Zeitdauer-Fragmente pro Jahr (max. 6 Monate hintereinander, dann muß ne Pause von 1 Monat bestehen, sprich das Land verlassen und danach gilt der wieder...allerdings, wer außer der Einwanderungsbehörde kann das kontrollieren?)

Ansonsten gebe ich Thorsten Recht, daß Japaner in Deutschland allgemein sicherlich zuvorkommender behandelt werden, als Ausländer in Japan. Allerdings wird es hier kaum diesen Full-Service für Neulinge geben, wie in Japan, das stimmt. Aber auch wenn, man wird miteinander zurecht kommen.

Meine Verwandten sagen mir, seit dem großen Bubble 1992 wurde die Japaner vorsichtiger und "feindlicher" gegenüber Fremden, denn in der Zeit kamen sehr viele Gastarbeiter, vorallem aus dem Iran und mit der Einwanderungswelle auch die offene Straßenkriminalität, wie Handtaschenraub etc. Meine Verwandten schließen seit der Zeit abends auch immer ihre Hauseingangstüren ab, sonst blieben sie immer offen, auch wenn man kurz zum Conviny-Store um die Ecke gegangen ist. Heutzutage undenkbar! Auch sind sie heute gegenüber neuen Nachbarn sehr skeptisch und betrachten die Neuen mit gemischten Gefühlen. Diese "Angst" war damals auch völlig fremd.
Die Kehrseite der Medaille von damals war aber allerdings auch, daß sich touristische Japaner außerhalb der Insel, auch so unbedacht verhielten. Niemand war damals auf die Idee gekommen, daß man in den Hotelzimmer die Türen abschließen und die Wertsachen einschließen müßte, oder auf offener Straße beraubt werden könnte... Heutzutage wird es den Touristen natürlich eingehämmert mit Broschüren über Do's and Dont's im Ausland.

Thomas

Das ist ja alles sehr interesasant und das Problem wahrscheinlich viel zu komplex, als das man es hier erschoepfend behandeln koennte. Aber egal, jetzt schreib ich auch och was dazu...

Was Gunda wohl am meisten dazu antreibt, ihre Schueler etwas zu warnen, ist, dass ihr (und mir auch) Japaner oft etwas naiv vorkommen, gerade was Sicherheit im Ausland angeht. Das kommt vermutlich daher, dass Sicherheit in Japan kein Problem ist und die (wenn uberhaupt vorhandene Auslandserfahrung) meist nur aus einwoechigen Gruppenreise besteht, bei denen man quasi immer unter sich ist, die heimatliche Kaeseglocke im gewissen Sinne also gar nicht verlaesst.

Wenn ich in Tokyo z.B. meine Tasche in den wartenden Zug lege und dann wieder rausgehe, mir was zu trinken hole und nach 5 Minuten widerkomme, dann ist die Tasche hinterher noch da, wenn ich das in Neukoelln mache ist sie weg. Wenn ich durch Tokyo mit einer weit offenen Handtasche rumlaufe, bei der das Handy, der Walkman und das Geld gut sicht- und greifbar drinliegen, dann ist das voellig egal, da geht niemand dran, wenn ich das in Berlin mache...

Japan ist ein sicheres Land, viel sicherer als Deutschland und Japan ist ein Dienstleistungsland, in dem ich oft von vorne bis hinten bemuttert werde. Wenn ich sehe, wie mein Arbeitgeber hier sich wie selbstverstaendlich um alles organisatorische kuemmert, dann hat das ganz andere Dimensionen, als in Deutschland. Wenn auslaendische Kollegen Hilfe brauchten, dann waren sie im Wesentlichen auf die Privatinitiative ihrer Kollegen angewiesen, offiziel wurde da nur das allernotwendigste gemacht. Das heisst man kann Glueck haben, oder Pech haben. Ein Schueler von Gunda hatte Pech. Die Vorbereitung war zu kurz, der Empfang nicht freundlich und nach wenigen Wochen war fuer den voellig entnervten Japaner sein Deutschlandabenteuer vorbei...

Und die Aulaenderfeindlichkeit? Ja, Japaner sind auslaenderfeindlich. Zumindest laesst ihr Verhalten oft diesen Schluss zu. Jedenfalls auf den ersten Blick. Sehr haeufig habe ich aber auch die Vermutung, dass hinter dem Verhalten weniger Abneigung gegen, als vielmehr Angst vor den Auslaendern dahintersteckt. Man spricht kein Englisch, der Auslaender vermutlich kein Japanisch. Das kann fuer mich doch nur peinlich werden, wenn ich dem zu nahe komme. Was mache ich, wenn der mich anspricht? Natuerlich ist das nicht immer so, aber diese Erfahrung habe ich bei meiner Arbeit und vielen unserer Nachbarn hier in Japan gemacht. Und das ist selbt nach fast zwei Jahren oft noch so. Ich kann foermlich sehen, wie manchem Kollegen das Herz in die Hose rutsch, wenn ich auf ihn zu komme und so aussehe, als wenn ich was von ihm will...

Ob aber Angst oder Abneigung die Ursache ist, die Wirkung ist oft deprimierend. Wenn Leute in der Bahn den Platz wechseln oder sich erst gar nicht neben einen setzen, wenn eine unsere Neujahrskarten, die wir den Nachbarn in die Briefkaesten gesteckt haben, wieder in unserem eigenen Kasten landet, usw...

Aber das darf man auch nicht verallgemeinern. Dem gegenuebersteht z.B. eine Erfahrung, die ich heute Mittag in Tokyo gemacht habe und die sehr typisch ist. Ich sass in einem dieser einfachen Restaurants, wo man an einer Art Bar um die Kueche herum sitzt und ass in Ruhe mein Essen. Kommt eine junge Japanerin rein, setzt sich in meine Naehe, bestellt was und fragt mich ploetzlich, ob ich nicht Tee oder Wasser zu trinken haben moechte. Ich hatte naemlich nichts und sie dachte wohl, ich wuesste nicht, wie man was zu trinken bekommt . Das ist total typisch, wenn man in Tokyo irgendwo hilflos aussieht, wird man nach wenigen Minuten angesprochen. Es ist in Tokyo unmoeglich in Ruhe einen Stadtplan zu studieren, weil immer ein Japaner ankommt, der denkt man haette sich verlaufen und braucht Hilfe. Ob ein Tuerke in Berlin schon mal aehnliche Erfahrungen gemacht hat?

Und das ist nicht nur ein spezielles Problem von tuerkisch oder allgemein suedoestlich aussehenden Leute. Auch Asiaten werden nicht immer mit offenen Armen empfangen. Erst gestern hat mir ein Kollege erzaehlt, dass wenn bei seinem Institut in Stuttgart ein Asiate anfaengt, dann muss bei der Wohnungssuche immer ein deutscher Kollege mit gehen und man muss dem potenziellen Vermieter hoch und heilig versichern, dass dieser Auslaender da Akademiker ist, einen Doktortitel hat und ganz sicher kein Verbrecher ist, damit er dann auch eine Wohnung bekommt.

Und auch bei Behoerden ist es fuer Japaner in Deutschland nicht immer ein Vergnuegen. Unsere japanische Freundin in Berlin hatte ihr Visum auch erst ohne Probleme bekommen, als dann Gunda mit ihr zusammen zum Amt gegangen ist.

Was also die Auslaenderfeindlichkeit im Umgang miteinader angeht, tun sich Japan und Deutschland glaube ich nicht soviel, es ist im Detail anders, da dort mehr, da dort weniger. Aber es gibt sie, hueben wie drueben. Aber dazu kommt in Deutschland noch die physische Gewalt gegen Auslaender, die es in Japan auch nicht ansatzweise gibt. Und das noch keine WM-Zuschauer misshandelt wurde, aendert nichts daran, dass das eben hunderten oder tausenden von Auslaendern in Deutschland jedes Jahr passiert. Japanern sicher weniger als Tuerken, aber das leigt wohl zum Teil auch schon an der geringen Anzahl und der meist besseren sozialen Stellung und dem damit verbundenen Aufenthalt in eher sichereren Gegenden. Bei anderen Asiaten, wie z.B. Vietnamesen, die oft als Fluechtlinge gekommen sind und dann eine geringere soziale Stellung haben, sieht das sicher schon wieder anders aus.

So weit so gut bzw. viel... Waere schoen, wenn noch jemand was dazu schreiben wuerde :)

ortrun

Einen Tuerken mit Stadtplan habe ich wirklich ueberhaupt noch nie gesehen! :-) Leuten mit Stadtplaenen wird oft geholfen; wenn sie fragen, sowieso. Spontan vielleicht weniger, weil man den Leuten ja nicht reinreden will.
Ich habe auch noch nie in Neukoelln meine Tasche irgendwo hin gelegt, wuerde ich auch nicht machen (warum auch?). Aber es ist in Deutschland durchaus normal, im Zug seine Sachen am Platz zu lassen, die Nachbarin bietet einem dann mitunter von sich aus an, ein Auge darauf zu haben. Gefaehrlich ist es, wo es anonym ist, man keine solche Nachbarin hat. Das ist wohl in Japan anders, und es ist schade, dass diese Sicherheit durch die "Normalisierung" (Internationalisierung) zerstoert wird.
Behoerden sind vermutlich immer eine Qual fuer Auslaender, ohne genuegende Sprachkenntnisse ist man da einfach aufgeschmissen. Mit ja manchmal auch.

Was die Vorbereitung betrifft, waer natuerlich toll, wenn es eher ein Ermutigen als ein Angstmachen sein koennte. Wenn man die Schueler positiv darauf gefasst machen koennte, dass womoeglich alles anders ist als sie denken. Aber man will ja dann doch nicht, dass ihnen erstmal gleich alles geklaut wird...

Thorsten

@Tomo
Eine Uebersetzung der Fahrerlaubnis reicht zum Fahren, der Fuehrerschein in Japan ist aber auch "Personalpapier" mit Adresse. Braucht man selten, aber manchmal eben doch.

@Thomas
Mich nervt es uebrigens, wenn sich jemand neben mich setzt, nur weil ich offenbar Auslaender bin. Ich wuerde das nicht machen, weil ich selbst auch nicht wie ein kleines Kind behandelt werden moechte.
Aehnliche Aktionen habe ich selbst auch oft erfahren, es sind gut gemeinte Diskriminierungen.

Ich erwarte normal behandelt zu werden, eine Sonderbehandlung ist kontraproduktiv.
In Japan werde ich, wenn es der Gespraechspartner irgendwie kann, automatisch mit "Katakana-Englisch" angesprochen und so pauschal ausgegrenzt. Das gibt es in Europa einfach nicht und das ist auch gut so.

Gunda

Also, japanische Behörden sind eigentlich keine Qual für Ausländer. Das "Immigration Office" ist komplett mit Englisch beschriftet, alles ist sauber, alle sind freundlich, und irgendeiner kann immer gut Englisch.
In Berlin ist es ungefähr das Gegenteil: Alles nur auf Deutsch, dreckig, unfreundlich und erstmal auf Abwehr. - "Die Welt zu Gast bei Freunden..."

Im ICE ist mir mal ein Koffer geklaut worden, weil ich im Bahnhof noch nicht vom Klo runter war. Das würde mir hier bestimmt nicht passieren. Und ich kann mich an etliche für meine Tasche gefährliche Situationen
erinnern, die hier undenkbar wären. Insgesamt ist hier die Stimmung viel friedlicher. Ich habe hier noch nie spätabends nach "komischen Leuten" Ausschau gehalten, den ich vielleicht ausweichen sollte. Ich kann einfach auf den Bus warten und dabei gefahrlos abschalten.

Mit unseren Nachbarn haben wir schon tolle Erfahrungen gemacht. Für viele sind wir die ersten Ausländer, mit denen sie Kontakt haben. Eine Frau hat jetzt fast zwei Jahre lang gedacht, wir könnten nur Deutsch. Inzwischen verständigen wir uns auf Jenglisch, was auch für's Nötigste reicht, und sie war mit ihrer ganzen Familie bei unserer Geburtstagsparty. Und die von gegenüber haben gleich nach der Geburt ihres Babys bei uns geklingelt und es uns gezeigt. So geht's eben auch.

Ich mache wirklich keinem Schüler Angst. Aber zu zeigen, wie Skins aussehen und daß man um die lieber einen Bogen machen sollte, empfinde ich einfach als meine Pflicht. Und daß einem meiner Schüler meiner mangelnden Aufklärung wegen was passiert oder geklaut wird, würde mir wohl ziemlich zu schaffen machen.

Danke, Thorsten, für das Blog-Lob!!! Wir werden ganz bestimmt noch unseren "re-entry-shock" schriftlich verarbeiten, wenn wir wieder in Deutschland sind und noch ab und zu was schreiben, wenn uns was zum Thema "Japan" über den Weg läuft. Ein so öffentliches Leben wie hier in Japan wollen wir dann aber nicht mehr führen. Leben von Deutschen in Deutschland ist dann ja nicht mehr so exotisch...

Thorsten

Der "re-entry-shock" wird sicher ganz erheblich sein, ging mir jedenfalls so. Allerdings lebe ich in Deutschland auch in einer ordentlichen Kleinstadt, daher vielleicht auch die eher positiven Eindruecke von Deutschland. Mit meiner Geburtsstadt Berlin verbinde ich fast nur negatives wie "No-Go-Area" (inzwischen ein Synonym fuer Ostdeutschland) und Ruetli-Schule (ALGII Kaderschmiede). Vielleicht daher die vielen Warnungen an Deine Schueler - ich wuerde nicht nur Auslaender warnen in den Osten von Berlin zu reisen.

Gunda

Da ich über die Hälfte meiner Verwandtschaft in Ostberlin habe (Mein Vater hat mit meiner Oma damals "rübergemacht".), habe ich ein ganz anderes Bild davon. Und Ostdeutschland ist durchaus liebens- und sehenswert.

Ich habe bisher fast mein ganzes Leben lang in Berlin gelebt und bin auch dort geboren. Natürlich ist Berlin anders als deutsche Kleinstädte. Wir werden ab Oktober in Bonn wohnen. Das wird sicherlich auch nochmal anders sein.
Im Unterricht habe ich schon die Unterschiede zwischen kleinen und großen deutschen Städten klargemacht, obwohl es Rassismus überall gibt, bzw. geben kann. Gerade in Dörfern sind die Leute ja tendenziell noch mißtrauischer Fremden gegenüber. Auch Deutschen. (Deutsche Freunde von mir sind schon seit über 20 Jahren "die Zugereisten".)

Ich finde den "positiven Rassismus" in einigen Kreisen eigentlich auch sehr schlimm. Jemanden interessanter zu finden und sich mit ihm anzufreunden, weil er Ausländer ist, ist genauso diskriminierend. Das ist in Deutschland leider auch oft der Fall. (Gerade unter den "political Korrekten".) Hier in Japan haben wir uns schnell von diesen "interessierten" Leuten gelöst.

enrico

Finde es gut wenn Gunda Japaner auf ihren Deutschland Aufendhalt vorbereiten moechte und sie nicht ihrer Unwissenheit ueberlaesst. Wenn sie dabei auf Probleme in Deutschland hinweist ist das eben so okay.

Genau dieses "unterden Tisch reden" von Problemen ist ein grossen Problem von Deutschland (nach dem Motto, passiert ja nicht jeden und ich kenn nimmanden dem so etwas passiert ist), dann ist das Augen oeffnen immer noch besser!

Deutsche Fahrerlaubniss in eine Japanische umschreiben lassen ist denke ich auch fuer einen Menschen der nur etwas Japanisch spricht machbar. Den Augentest kann man ohne Japanisch Kenntnisse bestehen ;-).

Gunda

Danke!

Tomo

@enrico
Augentest??? Ist das jetzt neu? Mußte ich damals nicht machen...

enrico

Sorry hat etwas gedauert!

@Tomo: Ich kann Dir nicht sagen seit wann es diesen Test gibt. Aber ich musste ihn ablegen. Man sieht in einen Schaukasten in dem Kreise unterschiedlich gross mit Oeffnungen abgebildet sind man muss dann alle Reihen durch gehen und die Richtung der Oeffnung mit der Hand an zeigen. Das wars ist ein leichtes und ohne gebrauch der Japanischen Sprache zu schaffen. Wenn man den sehen kann ;-).

Gunda

Mir fiel noch was anderes ein.
Gespräch unter Japanern: "Was? Du wohnst in Moabit? Aber da wohnen doch so viele Ausländer..."

Tomo

@enrico: Interessant. Danke für die Info, nun bin ich wieder etwas mehr up-to-date.

@Gunda: echt? ;-)) Ich glaub, ich wohne schon zu lange hier in Steglitz. Früher haben sich die Japaner vornehmlich eher im Süden, also Zehlendorf und Steglitz und dann mehr Richtung Zentrum, als da wäre Wilmersdorf niedergelassen. Aber heute? Weiß ich ehrlich gesagt nicht aktuell. Prenzl'berg scheint beliebt zu sein...

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