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« April 2006 | Start | Juni 2006 »

31. Mai 06

Ältere Herren im Zug

von Gunda

...sind manchmal gar nicht so gesittet. Zwar haben wir schon manchmal welche quer über den Sitzen liegen sehen oder sie bei lautstarkem Essen und Trinken beobachten "dürfen", aber eben habe ich noch eine besondere Spezies kennengelernt: die Bahnsportler. - Eine Gruppe älterer Herren, von denen abwechselnd immer einer an den Querstangen wild schaukelte, um sich von den anderen fotografieren zu lassen. Falls wer unsicher war: Die Stangen halten einiges aus...  ;-)

28. Mai 06

Chado

von Gunda

Es war mal wieder nötig, um unsere Dosis an Teein (Oder wie schreibt man das?) auf dem für Japan normalen Stand zu halten: Eine Teezeremonie.

Diesmal fand sie auf dem Gelände des Tokyo Metropolitan Teien Art Museum statt. Akapu hatte uns vorher die Tickets besorgt und sie uns per Post zuschicken lassen. - Ein Ticket für den Eingang des Geländes, eins für das kleine Teehaus, das malerisch in einem fast tropischen Park lag. Das war der romantische Aspekt. Der unromantische war: Es hatte den ganzen Vormittag geregnet und alles war schwül, glischig und schlammig, das Haus feucht und etwas angeschimmelt und der Raum zu dunkel, um gute Fotos zu machen. Doch zum Glück hat uns das in keiner Weise die Laune verdorben, weshalb eigentlich nur die positiven Aspekte übriggeblieben sind. Schwüles Wetter bringt immer die Gerüche besonders stark hervor. In der Stadt ist das manchmal unangenehm; in diesem Park waren wir umgeben von Blütenduft. - Alleine das war schon wie Urlaub.

Bei der Zeremonie sind wir natürlich auf die immerwieder altbekannten Gesichter getroffen, wurden erkannt und begrüßt. Und wer nicht wußte, daß die Ausländer sich schon richtig benehmen können, war zumindest hinterher beeindruckt. Wie immer sind uns natürlich die Füße schmerzhaft eingeschlafen. Aber zum Glück bekommen wir sie inzwischen immer wieder hin, bis wir richtig aufstehen müssen. (Akapu hat uns dann auch noch gleich gesagt, wir könnten ja in einem Nebenraum an einer Zeremonie auf Stühlen teilnehmen. Aber das wollten wir nun wirklich nicht.)

Diesmal hat auch Akapu selbst den Tee für die Gruppe an Leuten gemacht, die dichtgedrängt in dem Häuschen kniete. Das war für uns natürlich etwas besonders Tolles, sie dabei in diesem offiziellen Rahmen zu sehen und zu beobachten.

Mehr über die Teezeremonie an sich, haben wir schon im letzten Jahr geschrieben...

Zwar hätten wir an drei Teezeremonien teilnehmen können; wir beließen es jedoch bei einer, sind noch etwas im Park rumgelaufen (soweit der Matsch das erlaubte) und anschließend wieder mal zu Yodobashi Camera gefahren, um nach einer englischen Version der Software für Thomas' neue Kamera zu fragen. War aber Fehlanzeige. Es gibt nur diese japanische Version in Japan. Thomas könnte sich ja die Software sogar auf Deutsch im Internet runterladen. Dazu muß er seine Kamera aber bei Nikon Deutschland registrieren lassen, was nicht geht, weil er die Kamera in Japan gekauft hat. So will man wohl sog. "Grauimporte" verhindern. In den USA könnte Thomas die Kamera wohl registrieren lassen. Aber wenn dann ein Garantiefall oder sonst irgendein Problem auftritt, muß er das Ding in die USA schicken. - Auch nicht so praktisch.

Naja, jedenfalls haben wir am Abend wieder eine Menge Eindrücke mit nach Hause genommen.

25. Mai 06

Oops! Schon 500...

 

von Thomas

Jau, 500 bzw. eigentlich schon 502 Bilder sind jetzt in unserem Photoalbum zu bewundern. Die letzten Bilder stammen von Anfang April, d.h. es ist nur gut ein Monat aufzuholen, dann deckt das neue Album in etwa unser letztes Jahr in Japan ab. Weitere werden folgen...

Aber nicht nur neue, nach und nach werden auch noch alte Bilder hinzukommen, die jetzt entweder noch im alten Photoalbum drin sind oder die ich jetzt erstmal übergangen habe, denn ich hab vor allem versucht jetzt den zeitlichen Rückstand aufzuholen und vor allem auch einen guten Querschnitt zu liefern. Hoffe, das ist gelungen, die Zugriffszahlen sind jedenfalls enorm. Über 12000 alleine für Mai (allerdings incl. einer unbekannten Anzahl von Suchmaschinenbottreffern...). Da hat sich die Sache doch gelohnt :)

24. Mai 06

Da Binchi Kodo

von Gunda

Nachdem wir im Kino eine Infobroschuere zum "gleichnamigen" Film aufgelesen hatten, schwante mir schon Uebles. "Learn about western culture!" stand da unter dem Titel. Eine Vermischung von Fiktion und Geschichte? Ich konnte nicht viel in der Broschuere lesen. Der Rest blieb Spekulation. Was wohl so ein Film in einer nicht-christlichen Kultur ausloest...? Etwas Licht hat heute meine eine (katholische!) Schuelerin ins Dunkel gebracht: Die japanischen Medien scheinen voll von Dokumentationen zu sein, die genau das tun; Fiktion und Geschichte zu einem "Faktum" zu vermischen und das Ganze noch irgendwie "wissenschaftlich" zu beweisen. Heraus kommt ein Spektakel besonderer Art. Meine Schuelerin verglich es mit Skandalen um einen Popstar. Aber Ahnung von den Hintergruenden oder gar der christlichen Grundidee hat dabei fast niemand. - Halleluja!

23. Mai 06

Die Neue

von Thomas

Nein, keine neue Freundin (denn die ist unersetzlich...), sondern eine neue Kamera nenne ich nun mein Eigen. Als zusätzliches Geburtstagsgeschenk habe ich mir am Sonntag während unseres "Thomas-hat-Geburtstags-und-wir-fahren-nach-Tokyo"-Ausflugs (den Bericht darüber holen wir noch nach... Ups, hat Gunda schon gemacht :) )  den lang gehegten Wunsch nach einer digitalen Spiegelreflexkamera erfüllt.

Nach fast 25 Jahren mit meiner guten alten Minolta, fand ich es endlich an der Zeit mal umzusteigen. Und die Dinger sind ja jetzt auch ganz nett. Jetzt bin also stolzer Besitzer einer Nikon D200 mit 28-200mm Zoomobjektiv und knipse damit munter in der Gegend rum. Opfer Nummer 1 ist natürlich die arme Gunda, die auch gleich auf dem ersten Bild verewigt wurde.

Beim Kauf (wir sind natürlich zur Kamera-Spezial-Filiale von Yodobashi Kamera in Shinjuku gegangen) gab's dann erstmal ein kleinen Schock, als der Verkäufer (ein netter, älterer Herr, der sehr gut Englisch sprach), mir mitteilte, dass das Objektiv, das ich haben wollte, nicht lieferbar sei. Nikon hat Probleme und die Wartezeit beträgt 2 Monate! Was tun? Erstmal war ich ratlos und bin etwas verwirrt durch den Laden geirrt. Nach 'ner Viertelstunde hatte ich mich dann dazu durch gerungen, erstmal ein Normalobjektiv zu kaufen, was ich eh irgendwann mal machen wollte. Also dachte ich mir, besser das, als gar keine Kamera. Doch was soll ich sagen... Auch das Teil war leider nicht zu haben. Okay, also ein gleichwertiges Alternativobjektiv und das Zoom vorbestellen. Und dann ereignete sich das, was mir immer passiert und weswegen Gunda mich immer einen "Glueckskeks" nennt: Kaum hatte ich meinen neusten Wunsch dem Verkäufer kund getan, da drehte er sich kurz um, und hielt mir dann einen Karton mit dem gewünschten Zoom unter die Nase. Alles very secret und special, wie er mir ganz im Vertrauen zu flüsterte, aber ich krieg' das Teil :)

Thomas

Ich hab dann nochmal etwas näher hinter die Ladentheke geschaut und noch eine ganze Reihe weiterer der offensichtlich heiß begehrten Kartons gesehen. Ich vermute, dass das vorbestellte sind, die dann aber auch einfach so verkauft werden, wenn der Neukunde sehr hartnäckig seine Kaufabsicht vertritt. Dann denkt die sich wohl, lieber das gleich verscherbeln, als das eines der vorbestellten doch nicht abgeholt wird, weil der Kunde es sich anders überlegt hat, was sicher immer wieder passiert. Und so ist man auf der sicheren Seite und hat einen Kunden mehr. Aber wie auch immer, mal wieder Glück gehabt :)

Das Badeschwein

Und jetzt steh ich also mit meiner neuen Kamera da und hab ein wenig das Gefühl, ich muss ganz von vorne anfangen mit der Photographiererei. Zwar war meine Minolta vom Funktionsumfang gar nicht soviel schlechter, aber die meisten Features habe ich gar nicht genutzt, weil's mir schlicht zu teuer war, viele Experimente zu machen. Vielleicht hätte ich doch mal auf billigere Dias umsteigen sollen. Aber das war mir wiederum zum umständlich... Aber jetzt! Jetzt kann man fleißig herumprobieren, mit vielen Knöpfen spielen und an verschiedenen Rädchen drehen und einfach schauen, was denn so passiert. Und wenn man mal keine Lust oder Zeit dafür hat, kann man auch hemmungslos drauflos knipsen. Und das alles zusammen, ist es, was ich immer wollte.

Das Badeschwein

Erstes Opfer für meine neu gewonnene Motivation war natürlich Gunda, die bald ziemlich genervt war, weil ich ihr immer mit der Kamera hinter ihr her war. Nach kurzer Zeit hat sie dann aber den Spieß umgedreht und selber angefangen, Bilder zu machen. Jetzt gibt's inzwischen schon ein paar Dutzend Bilder, die meisten von Gunda und mir in unserer Wohnung und natürlich von unserem Japan-Schwein. Gestern gab's den ersten Ausseneinsatz, bei dem ich ein paar Bilder auf dem Weg zur Arbeit und beim AIST in der Mittagspause gemacht habe, bis dann irgendwann der Akku leer war ;)

Emergency sign

Eine erste kleine Auswahl gibt es auch schon in unserem Photoalbum bzw. bei flickr. Das Hochladen der Bilder auf den Rechner ist noch etwas umständlich, denn ich drueck mich davor die japanische Software zu installieren. Zwar hat mir der nette Verkäufer ein englisches Handbuch, aber nicht die die englische Software mitgegeben :( Jetzt hoffe ich, dass ich mir das entweder noch irgendwo herunterladen kann oder ich geh halt nochmal in dem Laden vorbei. Mal schauen. Bis dahin werden erstmal noch fleißig neue Bilder gemacht...

21. Mai 06

Der Tag danach...

von Thomas

Nach der viel zu kurzen Nacht (wir waren einfach zu spät im Hotel und man muss da schon immer viel zu früh wieder raus), haben wir uns erstmal in Shibuya was zum frühstücken gesucht. Unsere Wahl viel auf ein kleines Café, in dem wir dann mit Toast, Marmelade, Kaffee bzw. heißer Schokolade versorgt wurden. Versorgt werden mussten auch Gundas Fuesse, da die Gute sich nicht davon hat abbringen lassen, ihre neue Vollplastik Strandsandalen für diesen Stadtausflug anzuziehen. Die Fuesse waren wund und neue Schuhe mussten her. Gekauft hat sie sich dann ein paar dieser luftigen und wasserfesten Turnschuhe, die in den letzten Jahren so modern geworden sind. Passend zu Shibuya natürlich in pinky ;)
Und wo wir schon mal da waren, hab ich mir auch noch welche gekauft, aber in einer farblich wesentlich dezenteren rot-schwarz-silber Kombination... Naja, vielleicht nicht so richtig dezent :)

Shibuya so früh am Morgen ist wirklich eine faszinierende Sache, noch nicht so überlaufen, man hat noch etwas Muße sich um zuschauen und die Leute zu beobachten. Neben dem Schuhladen z.B. machte sich eine Rentnertruppe in Matsuri-Outfitt mit gruppendynamischen Gymnastikuebungen warm, einige der krass braunen und grell geschminkten Kogals, Gyarus oder wie immer sie genau heißen, liefen herum. Teilweise auch in dazu passender männlicher Begleitung. Irgendwie sehen diese Typen noch krasser aus, als die dazugehörigen Mädels. Ich glaube, das liegt an dem Kontrast zwischen den edlen Anzügen und diesem billig Look aus blondierter Sturmfrisur und stark Hautkrebs verdächtiger Sonnenbraeune...
Ansonsten gab's noch Schlangen vor den bald sich öffnenden Pachinko-Hallen und einen Sit-in vor einem Topless-Tabletop-Lokal. Irgendwie war uns nicht ganz klar, ob die da schon wieder rein wollten, oder nach dem Rausgehen erstmal etwas frische Luft schnappen wollten...

Einen sehr speziellen Event erlebten wir, als das Schuhgeschäft aufgemacht hat. Erst war alles totenstill, dann stürmten auf einmal ein gutes Dutzend Verkäufer aus irgendwelchen Ecke in den Laden und fingen an zu schreien. Besonders laut wurde es, so war jedenfalls mein Eindruck, wenn sie uns, als einzige Kunden entdeckten. Sollte wohl eine Art Begruessungsritual sein. Zum Glück ebbte die Schreierei nach etwa 5 Minuten langsam ab, dafür wurde die Musik voll aufgedreht. Faszinierend, wie sich in Sekunden ein gerade noch ganz ruhiger, leerer, dunkler Laden in ein wuselndes und lärmendes Tollhaus verwandeln kann.

Von Shibuya gings dann nach Ikebukero, mit einem kurzen Zwischenstopp in Shinjuko, um unser unnötiges Gepäck in einem Schließfach zu verstauen. Da gab es auch ein nettes Erlebnis (das ich natürlich prompt auf ein noch leeres Schließfach zusteuerte, war es nicht): Vor den ansonsten komplett belegten Schließfächern stand eine etwas unschlüssig aussehende Ausländerin und fragte uns erstmal, ob wir Englisch sprechen. Das war uns auch noch nicht passiert. Das jemand fragt, ob wir Japanisch können, verstehe ich ja noch, aber das wir Englisch können, davon gehen eigentlich alle Leute aus. Aber egal, wissen wollte sie jedenfalls, wie das mit den Schließfächern funktioniere, sie könnte die nämlich nicht öffnen... Naja, kein wunder, wenn die Türen zu sind und keine Schlüssel drin stecken! Ob's wohl doch ein Land gibt, in dem Schließfächer grundsätzlich anders funktionieren?

Wie auch immer, in Ikebukero angekommen, sind wir dann in die Sunshine City. Eigentlich ein merkwürdiger Name, für ein Einkaufszentrum, dass quasi komplett vor der Sonne geschützt ist, sprich innenliegend ist. Aber wer weiß, was sich da jemand bei gedacht hat. Groß ist es jedenfalls, mit netten Geschäften und Lokalen. Wenn man rumbummeln will, kann man in dem weitläufigen Komplex gut einige Stunden verbringen. Wir waren nicht so ewig lange da, denn mich zog es magisch nach Shinjuku zurück, wo bei Yodobashi meine Kamera auf mich wartete. Doch dazu gibt es ja einen eigenen Beitrag...

20. Mai 06

Happy Birthday, Liebster!

von GundaCimg3548_medium

Thomas hat Geburtstag!!!

Morgens gings schon richtig mit Ausschlafen und Bescherung los. (Irgendwie scheinen alle Leute -inklusive ich- gedacht zu haben, daß Thomas T-shirts braucht. Jedenfalls muß er sich diesen Sommer keine Gedanken mehr um Klamotten machen...)

Dann haben wir uns auf den Weg ins LaQua Spa in Tokyo gemacht. Entspannung auf mehreren Etagen. Alles hoch modern. Man bekommt am Eingang ein Armband mit Chip, der sowohl als Schlüssel für's Schließfach als auch als Zahlungsspeicher in gesamten Bereich gilt. Ein Eis kaufen? - Einfach das Armband an die Kasse halten und zum Schluß mitbezahlen. Man bekommt auch für den Aufenthalt einen bequemen Anzug und Handtücher. Die Frauen konnten unter drei verschiedenen Oberteilen wählen, die Männer nicht.

Cimg3549_mediumDa Tokyo doch ziemlich laut und wuselig sein kann, steht gerade dort Entspannung hoch im Kurs. Wir haben uns auch prima entspannt. Nur ein paar Sachen fanden wir doch ziemlich, sagen wir "gewöhnungsbedürftig":

Daß in einem Land, in dem geschlechtergemischte Onsen mit der Lupe zu suchen sind, die Paare oft getrennte Schlafzimmer haben, man nicht nackt in der Wohnung rumläuft und in die gemischte Sauna mit Badeanzug geht, also, daß in so einem Land in einem Spa eine gemischte Abteilung (mit Zuzahlung) existiert ist ja schon ziemlich progressiv. Aber: Ausziehen tut sich da keiner. Ausschließlich junge Leute halten da verschmitzt kichernd Händchen oder kuscheln sich in der Ruhezone aneinander. Da merkt man, daß das für japanische Paare schon was Besonderes ist, so halb in der Öffentlichkeit Körperkontakt zueinander aufzunehmen. In der Sauna sitzt dann aber alles in besagten Anzügen da. Und die zwei Pools sind nur zur Deko da, bzw. werden benutzt, wenn "Frauenzeit" ist. - Dann sind die Frauen unter sich.

Der Rest des Bades ist dann geschlechtergetrennt (bis auf den Ruhebereich), wobei auch dort die Leute mit einem kleinen Handtuch möglichst viel zu verdecken versuchen. Und: Liebe Finnen, ich sage es ungern, aber was die Japaner manchmal aus Eurer Sauna machen, bricht mir das Herz: Ein großer Flachbildschirm mit irgendeiner Live-Spielshow, der Ton richtig gut aufgedreht, damit man auch in den oberen Rängen was mitbekommt. - Ich bin eine Minute dringeblieben und dann geflohen...

Toll war das Außenbad (auch getrennt), für das aus ziemlicher Tiefe bräunliches heilendes Wasser (angeblich gegen Rücken- und Gelenkschmerzen), vom Vulkan beheizt,  auf das Hochhaus gepumpt wurde.

Man konnte auch noch alle möglichen Anwendungen buchen. Massagen aller Art, Aromabehandlungen, Körperpeeling, es gab einen Friseur (mit Maniküre-Abteilung), mehrere Kosmetiklädchen, einen Unterwäschestand für Frauen, und man konnte sich in der Frauenumkleidekabine mit dort kostenlos zur Verfügung gestellten Kosmetika schminken, die Nägel lackieren usw. Überhaupt standen überall Cremes und alles mögliche andere zur freien Benutzung rum. Da blieben keine Wünsche offen. Essen und Trinken Cimg3577_mediumkonnte man drinnen auch kaufen (natürlich etwas teurer als draußen), und es gab sogar zwei Restaurants.

Wir sind bis 21h geblieben und haben uns dann auf die Suche nach einem Love Hotel begeben. Leider haben wir wieder nichts sonderlich Originelles gefunden und waren dann auch schon zu müde, um noch weiter zu suchen. Während der Suche bildeten sich immer automatisch kleine Grüppchen, die von Hotel zu Hotel zogen. Wir trafen also immer mal wieder die gleichen Paare, was dann auch für LacherCimg3569_medium sorgte. Das Hotel, in dem man verschiedene Uniformen mieten konnte, haben wir nicht genommen. - Das "Zero" wirkte etwas langweilig, aber o.k. Auf dem Zimmer gab es auch eine Menge Cremes usw. und einen Automaten, in dem man folgende Dinge kaufen konnte: Kondome, Damenunterhosen, Vibratoren (mit Batterien), eine Damenstrumpfhose und einen Mundschutz. - Illustre Mischung...

19. Mai 06

Der Schilderhalter

von Thomas

Wenn Manfred mal etwas deprimiert war, weil es mit der Professur wieder nichts werden wollte, dann sagte er immer, dass er ja noch Schilderhalter werden kann. Wenn man das in Deutschland hört, dann denkt man vielleicht nicht gerade, dass das ein gute Idee ist, denn wie soll man damit Geld machen? Ich jedenfalls dachte damals bei Schilderhalter eher an diese Leute, die mit einem "Jesus lebt"-Schild durch deutsche Fußgängerzonen ziehen, als an eine bezahlte Tätigkeit.

Cimg3147_medium In Japan wurde mir dann recht schnell klar, dass man als Schilderhalter sich wohl schon durchs Leben schlagen kann. Der Schilderhalter gehört zu den unzähligen Arbeitsplatzbeschaffungsmasnahmen, mit denen zu einem sicher nicht geringen Teil Japan es erreicht, eine Arbeitslosenquote von nur wenigen Prozent zu haben, 3% oder so sind es wohl im Moment. Neben dem Schilderhalter gibt es dann noch die Leute, die in diversen Kostümen Werbung für Geschäfte oder Pachinko-Hallen machen, die Werbe-Taschentuchverteiler und natürlich meine persönlichen Favoriten, die Leuchtstabwinker. Letztere stehen meist mindestens zu zweit an quasi jeder noch so kleinen Baustelle, tragen eine Uniform und halten einen Leuchtstab in der Hand, der etwas an eine Spielzeug-Star-Wars-Lichtschwert erinnert, mit dem sie Passanten, Fahrradfahren oder Autofahrern signalisieren ob und wo sie die Baustelle passieren können. Einen ähnlichen Job (aber meist ohne Leuchtstab) haben die Parkhauseinfahrts- und Ausfahrtswinker. Die finden sich meist an den Parkhäusern großer und teurer Kaufhäuser und tragen ebenfalls schicke Uniformen, die immer etwas an alte Pagen- oder Portiersuniformen alter europäischer Hotels erinnern. Während diese Jobs alle boomen, scheinen die "Elevator Girls" allerdings langsam auszusterben. Diese jungen Damen, die die Fahrstühle bedienen, stehen während der Fahrt immer mit dem Gesicht in eine Fahrstuhlecke gewand herum und erzählen den Leuten, was sich in der jeweils aktuellen Etage befindet. Sehr süß, aber eher nur noch selten anzutreffen.

Natürlich tragen auch die "Elevator Girls" immer eine schicke Uniform. Genauso wie an meinem Arbeitsplatz die unzähligen Empfangsdamen in den jeweiligen Gebäuden und Begruesungsonkels an den Eingangstoren zum Gelände. Das eine Uniform das Selbstwertgefühl heben kann, wenn man eine Job hat, der vielleicht nicht so toll ist, dass wusste man schon immer (Da empfiehlt sich z.B. der grandiose Stummfilmklassiker "Der letzte Mann" mit Emil Jannings, über einen Hotelportier, dem, als er seinen Job verliert, nichts mehr bleibt, um seine Selbstachtung aufrechtzuerhalten, als seine Uniform) und funktioniert hier auch perfekt. Jeder Leuchtstabwinker nimmt seinen Job sehr ernst und Cimg3150_mediumniemand würde auf die Idee kommen, ihn nicht ernst zu nehmen und seine Hinweise zu missachten. Und, um auf die Schilderhalter zurückzukommen, es wird hier auch niemanden verwundern, wenn so ein Schilderhalter eine schicken schwarzen Anzug trägt, so wie die Exemplare, die wir während der "Golden Week" in Tsukuba gesehen haben. Außer uns natürlich, und deshalb machen wir da auch gleich ein Photo und setzen es ins Blog.

Aber eigentlich haben wir uns doch auch schon ganz schön an all dies gewöhnt. Und es ist ja auch oft praktisch, wenn man sich z.B. einer Ausfahrt nähert und man sich darauf verlassen kann, dass jemand da ist, der aufpasst, dass man nicht vom naechsten Auto, das plötzlich aus der Ausfahrt schießt umgefahren wird. Und wenn ich mit den Fahrrad unterwegs bin, freue ich mich auch, dass mich jemand durch die Baustelle lotst und ich auch weiß, dass dieser Weg dann frei und gut passierbar ist.

Und so ist das auch meist mit all den anderen Jobs, die es hier gibt, und von denen man erstmal vielleicht denkt, muss das denn sein? Aber Japan ist eben ein Service-Land und das merkt man immer wieder. Wenn ich z.B. nach Starbucks gehe, dann arbeiten da gut doppelt so viele Leute in einer Filiale, als in Deutschland und entsprechend schnell bekomme ich, was ich haben will. Im Supermarkt sind immer soviele Kassen auf, dass ich hier noch nie in einer Schlange stand, die aus mehr als 3 Personen inklusive mir bestand. Kein Wunder wenn's auch 10 Kassen gibt, wo es in Deutschland vielleicht 3 gibt (nicht zu vergessen, dass die Kassiererinnen einem oft auch noch die Einkaufstueten packen oder einem zumindest den Einkaufskorb, zumindest wenn er sehr voll(!) ist zum Einpackplatz tragen, während man das Geld zum bezahlen zusammensucht...). Das gleiche in der Bank, bei der Post, bei Behörden usw. Einzig die Zahl der Ärzte im Krankenhaus könnte manchmal etwas größer sein. Aber ich denke, dass kommt uns auch nur so vor, weil man ansonsten fast nie irgendwo warten muss, bis sich jemand um einen kümmert. Und wenn ich an Deutschland zurückdenke, dann habe ich dort auch schon mal 2 Stunden in manch einem Wartezimmer zugebracht...

Und sonst? Man könnte die Liste noch ganz lange fortsetzen, z.B. mit den alten Frauen, die tief eingemummelt immer die Gruenstreifen an den Straßen in Handarbeit vom Unkraut befreien, mit der durchschnittlichen Anzahl von Arbeitern auf Baustellen, die in der Regel einfach schneller verschwinden als in Deutschland, den Tankstellen, bei denen  einem das Benzin noch in den Tank gefüllt wird und jemand anders einen dabei die Scheiben reinigt, oder, oder, oder... An ganz vielen Stellen wird hier einfach Leuten Arbeit gegeben, die es in Deutschland entweder gar nicht gibt oder irgendwann weg rationalisiert wurde. Klar, das sind oft keine Traumjobs, wahrscheinlich oft auch schlecht bezahlt, aber es ist Arbeit und wenn man bedenkt, dass es oftmals gerade diese Jobs sind, die einem diese Gefühl geben, dass Japan eben ein Serviceland ist und einem das Leben in vielen Details oft einfacher und angenehmer machen, dann sind es eigentlich oft wirklich auch keine sinnlosen Jobs, wie man eigentlich im ersten Moment meinen könnte.

Und wenn ich morgens bei der Arbeit ankomme und mir erstmal ein kräftiges "ohayo gozaimasu" entgegen schalt, dann ist das halt schon mal ein guter Start in den Arbeitstag. That's it...

17. Mai 06

Ankündigungen

von GundaCimg3541_medium

Woran merkt man, daß bald Regenzeit ist? - Am ausgestellten Schuhwerk.
In der Regenzeit kleidet die (japanische) Dame von Welt offenbar ihre Füße in Pumps aus Gummistiefel-Material. (Habe ich hier noch nie bewußt auf der Straße gesehen.) Zumindest habe ich das heute in einer Filiale des etwas edleren Kaufhauses SEIBU gesehen. Ist zwar bestimmt nicht besonders toll für's Fußklima, dafür aber in allen möglichen Farben erhältlich.

16. Mai 06

Safety patrol

von Thomas

Heute hatte ich meine zweite und wohl auch letzte Sicherheitsbegehung, allerdings ohne den Big Boss, wie letztes Jahr beim ersten mal. Da ging die Sache doch gleich viel gemütlicher über die Bühne, hat allerdings auch länger gedauert. Eigentlich ist das total sinnlos, dass ich da mitgehe. Ich kann ja noch nicht mal die Checkliste lesen, und da mir auch sonst keiner so recht erklärt, auf was genau ich achten soll (weil's zu kompliziert ist, weil gerade keiner Lust hat, weil's eh egal ist, keine Ahnung warum...), trotte ich also einfach hinterher und schau, ob mir so irgendwas auffällt. War aber nix zum auffallen da und die beiden anderen mussten sich auch irgendwas an den Haaren herbeiziehen. Nicht das es hinterher heißt, ihr habt nicht gründlich genug geguckt, kann ja gar nicht sein, dass alles in Ordnung ist ;)

Interessant ist die Sache eigentlich nur, weil man mal wirklich durch alle Labore geht, und einem dadurch mal wieder so richtig bewusst wird, wie groß das Projekt hier eigentlich ist und wieviel Geld dahinter steckt, angesichts der ganzen Gerätschaften. Schon beeindruckend. Leider kann ich davon keine Bilder hier rein stellen :(

12. Mai 06

"Be prepared!"

von Gunda

Daß der alte Pfadfinderspruch westlicher Natur ist, merkt man gleich, wenn man in Japan ankommt. Da wird einem alles abgenommen. Arbeitsplatz, Material, Wohnung, Anmeldung, ... Wenn man für alles Hilfe will, kein Problem. Und jemanden, der halbwegs Englisch kann, bekommt man auch noch an die Seite gestellt. Beruflich nach Japan zu gehen ist also nicht so dramatisch. Und bei Japanern selber? Wenn man da hinfährt, wo sie auf Japaner eingestellt sind, bekommt man auch im Urlaub das volle Programm und auf Hawaii einen Organisator, der Japanisch spricht. (Und japanisches Fernsehen.)

Kein Wunder also, daß sich viele Japaner nicht groß Gedanken machen, wenn sie nach Deutschland müssen. ("Was kann da schon passieren? Ich geh ja dienstlich hin.") Anlaß dieses Artikels ist nämlich das bereits vierte Mal, daß sich ein Japaner ein paar Monate vor einem langen Deutschlandaufenthalt von mir dafür fit machen lassen will. Und dann kommen immer meine gleichen Fragen:

"Waren sie schonmal im Ausland?"
"Nein."
"Haben sie schonmal was über Deutschland gelesen?"
"Nein."
"Was wissen sie über Deutschland?"
"Heidelberger Schloß, Neuschwanstein, Wurst, Sauerkraut, Goethe, Bach... und, ach ja, die Fußball-WM."
"Wie gut können sie Englisch?"
"Schlecht, aber ich will ja Deutsch lernen."

Ich weiß, daß es auch andere gibt, aber die kommen nicht zu mir; die bereiten sich selber vor. Und die wissen vielleicht auch, daß man bei der Arbeit unter Umständen besser mit gutem Englisch als mit einer Mischung aus schlechtem Englisch und schlechtem Deutsch zurechtkommt.

Aber bei besagten anderen bekomme ich manchmal echt die Krise. Dann fängt wieder meine Zeit als Märchentante an, und ich erzähle Erwachsenen, was in Deutschland alles anders ist, daß man viel mehr alleine organisieren muß und daß man gezielt nach Hilfe fragen muß, wenn man welche braucht; daß nicht alle freundlich und interessiert an Ausländern sind und daß es auf der Straße gefährlicher ist. Sie sitzen da mit erstaunten Gesichtern, hören sich meine Geschichten an und glauben bestimmt nur einen Bruchteil davon, weil das alles für Sie so fremd und einfach unglaublich ist. Und dann bekomme ich solche Sachen zu hören, wie: "Mein Kollege meint, sie wollen mir nur Angst machen." Wenn DAS schon Angst auslöst, die puren Worte, was tut dann erst die Situation mit diesen naiven Menschen? - Und dann könnte ICH eigentlich diejenige sein, die Angst vor deren Sorglosigkeit und ihrem Kulturschock bekommt.

Mir läuft die Zeit weg, und meine Schüler verstehen nicht, warum sie früher hätten kommen sollen. Die Zeit reicht nicht, um alles zu erzählen und dazu noch Deutsch beizubringen. Und dann lasse ich sie mit einem unguten Gefühl ziehen...

Zum Schluß aber habe ich immer alles getan, was in meiner Macht steht. Und wenn mir keiner glaubt und die von mir empfohlenen Bücher (auf Japanisch!) nicht liest, dann kann ich auch nicht mehr tun. Und wenn jemand schnell wieder total verwirrt nach Japan zurückkommt, dann kann ich ihm nur das sagen, was ich allen anderen rate, die ins Ausland wollen:

Bereitet Euch vor! Und zwar nicht erst in letzter Minute!

11. Mai 06

Dienstreise

von Thomas

Heute war ich mal in Tokyo, nicht zum Spaß, sondern dienstlich! Naja, ist etwas übertrieben... Für die Arbeit brauchte ich ein altes Nikon-Objektiv, die guten alten, bei denen man noch alles per Hand einstellen kann. Gibt's für wenig Geld (ich hab jetzt gerade einmal 7000 Yen bezahlt) in vielen kleinen Photlaeden in Tokyo zu kaufen.

Da wir naechstes Wochenende sowieso nach Tokyo wollen, hatte ich angeboten, dass ich das Ding ja dann kaufen kann. Aber nein, die Blicke die ich da bekam waren doch zu enttäuscht. Wenn ich am Wochenende fahre, dann kann mir das Fahrgeld nicht zurückerstattet werden, ich sollte doch lieber unter der Woche fahren. Na gut, wenn's sein muss, fahr ich halt nach Tokyo :)

Leider war das Wetter ziemlich mistig. Einerseits Regen, andererseits recht warm. Ziemlich unangenehm. Aber wenigstens erfolgreich. Das Objektiv habe ich bekommen und nebenbei auch noch etwas in eigener Sache nach Kameras geschaut...

10. Mai 06

Neue Sauereien

von Thomas

Ortrun hat nun die Schweinefotos von ihrem Japan-Besuch im letzten Herbst ins Netz gestellt. Sind sehr viel schöne Bilder dabei!

Viel Spaß damit :)

Link: Badeschweinfotos.

08. Mai 06

Muttertag

von Gunda
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Schon Georg Kreisler wußte, warum man sein "Mütterlein" ehren soll:

"Mütterlein, Mütterlein,
du warst mehr als Gold und Geld.
Man kann beinah sagen, ohne dich
wär' ich heut nicht auf der Welt.
Mütterlein, Mütterlein,
oh, wie gut warst du zu mir!
Pokerspielen und Motorradfahren,
all das kann ich nur von dir."

Eine andere Art Ehrungsvorschlag kam neulich frei Haus in unseren Briefkasten. Der nahe gelegene Optiker schlägt folgende Geschenke vor:

Faltencremes für Gesicht und Augen, eine Art ABC-Pflaster gegen Rückenschmerzen, Gesundheitstropfen (Propolis), Gehstöcke in verschiedenen Dessins und zwei Arten Hörverstärker. Als Beigabe zum Kauf, wenn man über 1000 Yen ausgibt, gibt es noch ein Brillenetui, das man mit einem Foto bedrucken lassen kann.

Ob man es glaubt oder nicht: Es gibt auch junge Mütter in Japan!

Ich glaube, meine Mutter wäre (abgesehen von dem Brillenetui) nicht eben begeistert von diesen Mitbringseln, weshalb ich mich für einen simplen Anruf entschieden habe.  ;-)

07. Mai 06

Tote Hose in Asakusa

von Gunda Cimg3429_medium

Wir sind also zum "Kodomo no hi", zum Kindertag, der früher Jungentag war (Mädchen haben ihren eigenen Feiertag am 3.3.), nach Asakusa (Tokyo) zum Tempel und Schrein gefahren.

Gerade als wir ankamen, schoben sich zwei mit trommelnden Kindern bestückte Wagen durch die dichtgedrängte Menschenmenge. Bis oben hin zum Tempel standen die Leute dicht an dicht, und man mußte schon ordentlich schieben oder außen rum laufen, um vorwärts zu kommen.

Video: Download CIMG3419.AVI

Cimg3384_mediumBesonders Thomas war begeistert über die vielen Fotomotive, die sich da boten. Engagiert kletterte er auf jeden möglichen Vorsprung, um eine bessere Sicht auf das Geschehen und damit ordentlich was vor die Linse zu bekommen. Irgendwann machte das eben der Hosenboden der alten Jeans nicht mehr mit... Deshalb gab es für uns noch eine besondere Unterbrechung des Festes: Hose kaufen imCimg3395_medium nahe gelegenen Kaufhaus. Da hatte der Glückskeks vom Dienst wieder mal Glück im Unglück, denn was sich bei Thomas' Beinlänge schon als mittlere Katastrophe anbahnte, endete dann doch sehr schnell mit einer gutsitzenden Jeans von UNIQULO. (Eine Art Basic-H&M.)

Ansonsten haben wir den halben Tag im Bereich des Tempels und Schreins und in den umliegenden Straßen verbracht. Es war ein wimmelndes Volksfest mit toller Stimmung, zu dem auch viele Touristen gekommen waren. (Ich hörte einen Japaner am Cimg3401_mediumHandy sagen, daß es ganz toll wäre, weil so viele Ausländer da wären.) Unser Mittagessen bestand dann auch aus einer Mischung der vielen Leckereien von den Ständen. (Von den Takkoballs mit herausguckenden kleinen Fangarmen haben wir dann doch Abstand genommen...)

Download CIMG3433.AVI

In unserem Fotoalbum gibt es zu dem ganzen Spektakel auch schon erste Bilder anzugucken. (Einfach "Tokyo" anklicken.)


p.s.: Irgendwie scheint unsere "Golden Week" total typisch gewesen zu sein. Anders kann ich mir kaum erklären, daß wir permanent da waren, wo alle anderen auch zu sein schienen. (Gut, daß da bei uns nicht deshalb eine "Golden Weak" draus geworden ist...)

03. Mai 06

Golden Week

von Thomas

Heute begann für uns die "Golden Week", eine Woche mit 4 Feiertagen (der erste ist der "Grüne Tag", der "Midori no hi" am 29. April), mit dem "Verfassungstag", dem "Kenpo kinenbi". Morgen geht es dann mit dem "Pseudofeiertag" oder "Kokumin no kyûjitsu" (eingefuehrt, um die Lücke zum nächsten Tag zu schließen...) weiter und am Freitag kommt dann "Jungentag" bzw. "Kindertag", der "Kodomo no hi". Wie schon im letzten Jahr haben wir uns keine großen Reiseaktionen vorgenommen, sondern wollen eher ein bischen ausruhen und nur kleinere Ausflüge machen.

Cimg3156_medium Heute wollten wir dann zum Tsukuba-san, das Wetter machte einen prima Eindruck, kein Wölkchen am Himmel und schon ganz ordentlich warm. Ob's daran lag oder an der Tatsache, dass Feiertag war, wie auch immer, jedenfalls wollte scheinbar halb Tsukuba auch zum Tsukuba-san... Damit hatten wir nun nicht gerechnet, denn die bisherigen Male, die wir dorthin gefahren sind, saßen wir immer nur mit einer handvoll Leuten im Bus, das war's. Und heute? Am Busbahnhof eine Schlange, die IKEA vor Neid erblassen lassen würde und eine prognostizierte Wartezeit von einer Stunde!

Cimg3153_medium_1 Das war auch so ein Ding: Um die Leute zu beruhigen, waren von der Busgesellschaft zwei Leute abgestellt worden, die die Wartenden informieren und beruhigen sollten. Der eine Mann sah uns, dachte wohl "Scheiße, Gaijins!" und griff (ohne was zu sagen) zum Handy, fragte dann "Do you speak English?" und drückte mir das Telefon in die Hand! Eine nette Dame erklärte mir dann, dass wir eben eine Stunde warten müssten und dann in zwei Stunden inklusive Fahrzeit am Berg wären. Okay, das war sehr nett, aber soviel Japanisch hätten wir dann auch noch verstanden. Eine Weile später hatte der Mann das dann auch gemerkt (ob's an dem japanischen Infoblättchen in meiner Hand lag?) und quatschte mich dann nochmal auf Japanisch an, und nachdem ich ein paar mal "hai" gesagt hatte, verlor er ganz glücklich alle Hemmungen und deckte mich mit zahlreichen Infos auf Japanisch ein :)

Cimg3152_medium Die Wartezeit war dann letztlich aber doch kürzer, da einige Sonderbusse eingesetzt wurden. Überhaupt wurde die Anreise zum Tsukuba-san deutlich verbessert. Es gibt jetzt reguläre Busse, die direkt zum Tsukuba-san-jinja und zur noch etwas höher gelegenen Seilbahnstation fahren. Kein lästiges Umsteigen mehr am Fuße des Berges, keine Bummelbusse mehr, die in jedem Kuhdorf halten. Früher hat die Fahrt dorthin von Arakawaoki aus deutlich mehr als 2 Stunden, eher 3 Stunden gedauert, jetzt kann man es in etwa der halben Zeit schaffen (es sei denn das System bricht unter zu großem Menschenandrang zusammen...).

Cimg3193_mediumAm Berg angekommen sind wir dann gleich zum Schrein gegangen und dann mit der Bergbahn rauf zum Gipfel. Dort gibt es ein ganz witziges Restaurant: Wie man es oft bei Fernsehtürmen hat, dreht es sich nämlich ständig, so dass man beim Essen eine ständig sich wechselnde Aussicht geboten bekommt. Und die ist gar nicht so schlecht. Südlich vom Tsukuba-san beginnt die Kanto-Ebene und bei klarem Wetter kann man bis nach Tokyo sehen und manchmal sogar den Fuji-san. Heute war es nicht ganz so klar, aber immerhin konnte man bis zum Kasumigaura und Tsutchiura sehen, Tsukuba natürlich und eine unendliche Anzahl von Reisfeldern, die sich in über die Ebene erstrecken. Das Drehrestaurant hat aber auch so seine Tücken: Als wir an der Kasse standen, wurde ein Stapel Tabletts und Geschirr auf dem inneren, feststehenden Teil des Lokals fast zerquetscht, als er einem Pfeiler auf dem sich drehenden äusseren Teil zu nahe kam. Da half dann nur noch der Notausknopf.

Cimg3247_medium Nach dem Essen (leider gab's nur noch Nudelsuppen, wir waren wohl doch etwas spät dran...) sind wir dann zum "weiblichen Gipfel" des Berges gelaufen. Der Tsukuba-san besitzt nämlich eine Doppelspitze, die männlicher und weiblicher Gipfel genannt werden, wobei der männliche 6 Meter niedriger ist als der 877 Meter hohe weibliche Gipfel, der auch der wesentlich attraktivere ist, denn er bietet nicht nur die bessere Aussicht, sondern auch noch einen hübschen kleinen Schrein. Auf dem Weg dorthin liegt dann noch eine Besonderheit des Berges, der "Gama-Felsen" bzw. "Frosch(Kröten?)-Felsen". Eigentlich nur ein kleiner Felsen, der ein bischen an ein offenes Froschmaul erinnert, aber für die Japaner ein großes Heiligtum ist, das zu einem regelrechten Froschkult führt, wie man an den überall zu kaufenden Froschfiguren ablesen kann (eigentlich sind es immer zwei Frösche, ein großer und auf dessen Rücken ein etwas kleinerer). Anscheinend bringt es Glück, wenn man es schafft dem Gama einen Stein ins Maul zu werfen, jedenfalls waren Kinder eifrig damit beschäftigt. Dummerweise aber mit so großen Steinen, dass es schon recht gefährlich war dort vorbei zugehen. Die unberechenbar abprallenden Steine waren nicht ohne...

Cimg3291_medium Wir sind dann aber doch heil am Gipfel angekommen und ich bin dann noch bis ganz oben raufgekraxelt und hab die grandiose Aussicht genossen. Bischen gefährlich ist das schon, denn es gibt keinerlei Absperrung oder sonstige Sicherheitsmaßnahmen und bei dem Gedränge dort, ist es schon ein kleines Wunder, dass nie was passiert. Gunda ist dann auch lieber etwas auf Abstand geblieben. Als wir das erstemal dort waren (das war ganz am Anfang, eigentlich unser erster größerer Ausflug), konnte sie gar nicht bis dorthin gehen, da sie damals noch ihren lädierten Knöchel schonen musste.

Cimg3305_medium Vom Gipfel sind wir dann runter zur Seilbahnstation und... mussten wieder in einer endlosen Schlange stehen. Aber das waren wir ja jetzt schon gewohnt und nach gut einer Stunde standen wir dann auch schon in der Seilbahn. Unten haben wir dann den nächsten Bus genommen und durften die ganze Fahrt stehen, was leider nicht so hübsch war. Aber gut, wir haben's überstanden und da der Rest des Tages sehr schön war, war das letztlich auch egal...

Was gibt's sonst noch zu berichten? Vielleicht noch die ein oder anderen typisch japanischen Eigenheiten, die man wiedermal gut beobachten konnte. Zu allererst natürlich die äußerliche Ruhe und  Gelassenheit  sowie Selbstdisziplin der Japaner. Da kann die Wartezeit  noch so lang sein, man stellt sich (bis auf wirklich ganz, ganz wenige Ausnahmen) schön in einer Schlange hin, drängelt nicht, schimpft nicht. Alles geht ganz ruhig und entspannt vonstatten, kein Stress kommt auf, es ist einfach total entspannend. Warum geht das woanders nicht auch so...

Cimg3163_medium Und dann das Thema Kleidung. Da gibt es eigentlich nur zwei Extreme: Entweder in stilechter Wanderkleidung oder im typisch japanischen fancy Straßenlook. So mischten sich also Leute mit Wanderschuhen mit Damen in Stöckelschuhen, und Jack Wolfskin traf auf Miniröcke... Dazu noch die Leute mit Sonnenphobie, die mit Sonnenschirmen oder riesigen Schirmmuetzen, Schals und Handschuhen versuchten, möglichst jeden Quadratzentimeter ihrer Haut der Sonne zu entziehen. Immer wieder das gleiche Schauspiel :)

02. Mai 06

Kurzer Wetterbericht

von Gunda

Heute ist es wieder ziemlich kühl. War wohl erstmal nichts mit Sommer. Obwohl... die nächsten Tage soll es kontinuierlich wärmer werden.
Ach ja, und gestern gab es ein kleines Erdbeben, das mal nicht so sehr geruckelt hat, sondern eher so einen schwingenden Charakter hatte.

Alles neu macht der Mai!

von Gunda

Für diese tolle Nachricht mußte ich erstmal Arbeitsstellen sammeln. Aber jetzt habe ich endlich genug zu tun. Hinzugekommen sind:

- Zwei Privatschülerinnen (Eine davon ist mit einem Schweizer verheiratet.)Cimg3497_medium

- Die "European School", ein kleiner Container in Tsukuba, in dem europäische Sprachen Privatpersonen unterrichtet werden. Ich habe eine "Gruppe", die aus zwei Damen besteht. Mein Chef ist Franzose und sieht (abgesehen von der Haartracht) aus, wie Richard Depardieu. Ich hatte da vor über einem Jahr schonmal was abgelehnt; aber für die verbleibende Zeit ist es schon o.k.

- Die "Tsukuba International Academy" in Tsuchiura. Da bin ich heute angenommen worden. Wieder mal Deutschunterricht für Bosch. Das Gebäude ist in der Nähe vom Bahnhof, nur eine Station von uns entfernt, rechtsCimg3146_medium ein Convinience Store (gut für die Mittagspause), links ein kleiner Hafen mit Segelyachten und einem schicken Hotel. Drinnen ist es auch super. Alles sauber und neu, geschmackvoll eingerichtet und superbequeme Stühle. (Ob ich mir am Ende heimlich einen...?) Und inhaltlich sind sie auch sehr professionell. Mein Chef spricht sehr gut Englisch, man bekommt gesagt, was von einem erwartet wird, in welcher Zeit welcher Schüler welches Level erreichen soll und woraus dieses Level besteht. (Alles Dinge, die ich in der Vergangenheit noch nichtmal durch Fragen herausfinden konnte, obwohl sie selbstverständlich sind.)

Tja, jetzt kombiniere ich das alles fröhlich und hoffe, daß ich nicht durcheinanderkomme.

Nicht so, wie neulich, als ich mich total kaputt ins Bett gelegt hatte und plötzlich die eine neue Schülerin zu ihrer ersten Stunde vor der Tür stand. Ich habe ihr peinlicherweise im Schlafanzug die Tür geöffnet und mich dann schnell angezogen. - Sowas passiert einem nur einmal!  ;-)

01. Mai 06

Wonnemonat

von Gunda

"Jetzt ist Sommer, egal, ob man schwitzt oder friert.
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert."

So haben das die "Wise Guys" formuliert. Da aber niemand wirklich unabhängig von den Geschehnissen vor Tür und Fenster ist, kann ich heute ganz objektiv sagen: Heute ist Sommer! So fängt der Wonnemonat Mai an. Und das habe ich Gabriele dazu geschrieben, nachem sie mir von 9°C und wiederangemachter Heizung in Deutschland berichtet hat:

"Der erste Mai präsentiert hier bei uns schon einen ganz guten Wonne-Einstieg: 26°C haben sie für heute angesagt! Ich habe bis eben auf dem Balkon gesessen und gelesen. Wärmer müßte es meinetwegen nicht werden; aber das interessiert das japanische Wetter wohl eher nicht. Dafür hat mein Kopf etwas rumgezickt, weil wir vor zwei Tagen noch Jacken-Wetter hatten. Diese plötzlichen Wetterwechsel sind einfach nicht gut für mich. Naja, das ist dann jetzt wahrscheinlich auch überstanden. Obwohl...es könnte auch nochmal kälter werden. Jedenfalls fängt im Juni die Regenzeit an."

Liebes Deutschland: Haltet durch! Irgendwann seid auch Ihr dran!  ;-)

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