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12. Mai 06

"Be prepared!"

von Gunda

Daß der alte Pfadfinderspruch westlicher Natur ist, merkt man gleich, wenn man in Japan ankommt. Da wird einem alles abgenommen. Arbeitsplatz, Material, Wohnung, Anmeldung, ... Wenn man für alles Hilfe will, kein Problem. Und jemanden, der halbwegs Englisch kann, bekommt man auch noch an die Seite gestellt. Beruflich nach Japan zu gehen ist also nicht so dramatisch. Und bei Japanern selber? Wenn man da hinfährt, wo sie auf Japaner eingestellt sind, bekommt man auch im Urlaub das volle Programm und auf Hawaii einen Organisator, der Japanisch spricht. (Und japanisches Fernsehen.)

Kein Wunder also, daß sich viele Japaner nicht groß Gedanken machen, wenn sie nach Deutschland müssen. ("Was kann da schon passieren? Ich geh ja dienstlich hin.") Anlaß dieses Artikels ist nämlich das bereits vierte Mal, daß sich ein Japaner ein paar Monate vor einem langen Deutschlandaufenthalt von mir dafür fit machen lassen will. Und dann kommen immer meine gleichen Fragen:

"Waren sie schonmal im Ausland?"
"Nein."
"Haben sie schonmal was über Deutschland gelesen?"
"Nein."
"Was wissen sie über Deutschland?"
"Heidelberger Schloß, Neuschwanstein, Wurst, Sauerkraut, Goethe, Bach... und, ach ja, die Fußball-WM."
"Wie gut können sie Englisch?"
"Schlecht, aber ich will ja Deutsch lernen."

Ich weiß, daß es auch andere gibt, aber die kommen nicht zu mir; die bereiten sich selber vor. Und die wissen vielleicht auch, daß man bei der Arbeit unter Umständen besser mit gutem Englisch als mit einer Mischung aus schlechtem Englisch und schlechtem Deutsch zurechtkommt.

Aber bei besagten anderen bekomme ich manchmal echt die Krise. Dann fängt wieder meine Zeit als Märchentante an, und ich erzähle Erwachsenen, was in Deutschland alles anders ist, daß man viel mehr alleine organisieren muß und daß man gezielt nach Hilfe fragen muß, wenn man welche braucht; daß nicht alle freundlich und interessiert an Ausländern sind und daß es auf der Straße gefährlicher ist. Sie sitzen da mit erstaunten Gesichtern, hören sich meine Geschichten an und glauben bestimmt nur einen Bruchteil davon, weil das alles für Sie so fremd und einfach unglaublich ist. Und dann bekomme ich solche Sachen zu hören, wie: "Mein Kollege meint, sie wollen mir nur Angst machen." Wenn DAS schon Angst auslöst, die puren Worte, was tut dann erst die Situation mit diesen naiven Menschen? - Und dann könnte ICH eigentlich diejenige sein, die Angst vor deren Sorglosigkeit und ihrem Kulturschock bekommt.

Mir läuft die Zeit weg, und meine Schüler verstehen nicht, warum sie früher hätten kommen sollen. Die Zeit reicht nicht, um alles zu erzählen und dazu noch Deutsch beizubringen. Und dann lasse ich sie mit einem unguten Gefühl ziehen...

Zum Schluß aber habe ich immer alles getan, was in meiner Macht steht. Und wenn mir keiner glaubt und die von mir empfohlenen Bücher (auf Japanisch!) nicht liest, dann kann ich auch nicht mehr tun. Und wenn jemand schnell wieder total verwirrt nach Japan zurückkommt, dann kann ich ihm nur das sagen, was ich allen anderen rate, die ins Ausland wollen:

Bereitet Euch vor! Und zwar nicht erst in letzter Minute!

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