« Januar 2006 | Start | März 2006 »
von Thomas
In den letzten Wochen hatte ich oft das Gefühl, dass sich etwas verändert hat. Erst war mir nicht ganz klar was. Es hatte irgendwie damit zu tun, was wir unternehmen wollten, was wir fürs Wochenende vor hatten usw. Es fehlte etwas.
Inzwischen ist mir klar, was da fehlt: Der ständige Drang auf Entdeckungsreise zu gehen, an jedem Wochenende ein Ausflug zu noch unbekannten Orten in Japan zu unternehmen, hier was auszuprobieren, dort sich was anzuschauen. Natürlich haben wir noch nicht alles gesehen und unser Wunschzettel für Ausflüge ist länger, als das wir sie bis September noch abarbeiten könnten, aber es ist jetzt alles nicht mehr so dringend. Wir haben schon viel gesehen und erlebt, eigentlich viel zu viel, um es alles schon voll verarbeitet zu haben und was jetzt noch kommt, das ist alles noch ein Bonus, aber wenn wir nicht mehr "alles" sehen, dann ist das kein Beinbruch.
Letztes Jahr um diese Zeit haben wir unsere Japanrundreise gemacht, Hiroshima, Kyoto, Osaka und der Fuji und in den Wochen davor und danach sind wir quasi jedes Wochenende irgendwo hin gefahren. Hauptsache raus, irgendwas neues, unbekanntes entdecken.
Und jetzt? Am Samstag waren wir in Mito etwas bummeln, gestern im Kino und dann noch etwas in Tsukuba einkaufen, heute Abend gehen wir wieder zum Sport ins Fitness-Studio, naechsten Samstag ist Grossputz angesagt und am Sonntag kommt unsere Freundin Akapu. Es hat sich verändert, wir gehen ins Kino oder Konzert, treffen Bekannte, machen ein Stadtbummel, gehen zum Sport, Gunda macht Ikebana und Kalligraphie, wir haben inzwischen unsere Lieblingslokale in der Umgebung, Bekannte und Freunde, kurz wir haben einen Alltag. Der ist nicht langweilig und ziemlich voll mit vielen Dingen, aber eben mit viel mehr normaleren Erlebnissen (die natuerlich weiterhin ihre Besonderheit und ihre Andersartigkeit behalten, denn dafuer sorgt einfach die Fremdheit der japanischen Kultur).
Wir sind nun glaube ich endlich in Japan angekommen, wir leben inzwischen in Japan und sind keine Dauertouris mehr, die jede Woche in den Reiseführer schauen und am Wochenende losduesen, um wieder und wieder was neues zu sehen. Wenn wir jetzt einen Ausflug machen, dann weil uns danach ist, weil das jetzt halt gerade passt und nicht mehr, weil wir jetzt in Japan sind und deshalb einen Ausflug machen müssen, weil man ja die Gelegenheit nutzen muss, wenn man nun schon mal hier ist.
Ich denke, das wird uns gut tun, wir werden alles etwas ruhiger und dafür aber bewusster angehen lassen und am Ende mehr von haben, als wenn wir weiter im Dauerlauf durch Japan hetzten.
von Thomas
Japanische Handys sind schon toll, Kameras sind seit Jahren Standard, Internetzugang kein Problem, große, hochauflösende und schön bunte Bildschirmen und neuerdings auch noch Geräte mit 1 Gigabyte und mehr Speicherplatz, die man dann auch locker als mp3-Spieler benutzen kann. Und das Ganze ist auch noch im Vergleich zu Deutschland spottbillig zu haben. Einziger Wermutstropfen ist eigentlich nur das schwache Sendenetz. Oft haben wir keinen Empfang, in unsere Wohnung gibt es z.B. nur sehr wenige Stellen, in denen wir vernünftig telefonieren können. Aber ok, damit kann man leben und bekommt dafür etwas, was in Deutschland noch total nobel ist, hier als Auslaufmodell
hinterhergeworfen (Für unsere Handys hatten wir damals nur symbolisch einen Yen bezahlt...). Entsprechend oft und billig wechselt man hier wohl das Modell, um immer schön auf dem neuesten Stand zu sein.
Aber das hat auch einen Hacken, die Dinger scheinen nicht für eine längere Benutzung ausgelegt zu sein... Meines machte im letzten Oktober schlapp, das Mikro verabschiedete sich langsam, bis es schließlich gar nicht mehr funktionierte.
Und nun passierte mit Gundas Handy genau dasselbe. Erst sporadische Aussetzer und inzwischen fast ein Totalausfall. Heute sind wir dann in Mito in einen DoCoMo-Shop gegangen, um ein neues Handy für Gunda zu kaufen, denn die Garantie ist ja inzwischen abgelaufen. Aber Japan ist halt ein Serviceland: Nach der üblichen Dreiecksverhandlung mit der Verkäufern im Laden und einer Englisch sprechenden Dame am Telefon bekamen wir
kostenlos ein neues Gerät! Da kann man nicht meckern, oder? Einzig das Gunda etwas traurig ist, ihr altes Handy abgeben zu müssen, was hier leider üblich zu sein scheint.
von Thomas
Als ich vor zwei Jahren zum erstenmal nach Japan kam, bin ich mit dem "Friendly Airport Limousine Bus" (heißt wirklich so...) vom Flughafen in Narita nach Tokyo gefahren und dort in Shinjuku ausgestiegen, wo ich abgeholt werden sollte. Da stand ich dann vor einem der riesigen Kaufhäuser und wartete. Natürlich hab ich mich neugierig umgeschaut, konnte aber leider nicht viel rumlaufen, da ich ja dort warten musste. Also hab ich mir die Schaufenster vom Kaufhaus angesehen. Und da ist mir gleich aufgefallen, dass die Schaufensterpuppen überhaupt nicht japanisch aussahen, sondern die Damen hatte alle europäische Gesichtszüge, manche hatten wallende blonde Haare usw. Damals dachte ich noch, vielleicht ist das nur hier in dem Kaufhaus so oder es ist eine besondere Aktion oder sonst irgendwas. Inzwischen ist mir natürlich klar, dass das hier die Regel ist, die Puppen haben fast immer ein europäisches Aussehen. Das gleiche beobachtet man in der Werbung, gerade wenn es um Mode oder z.B. Kosmetik geht, nimmt man oft keine japanischen Modells. Ok, macht vielleicht auch Sinn, die Mode, die sie verkaufen sollen ist ja auch westlich, wenn sie auch anders geschnitten ist, da die Japanerinnen ganz andere Koerperproportionen haben, wie Gunda oft leidvoll feststellen muss. Aber egal, das ist halt so und inzwischen wundern wir uns auch gar nicht mehr darüber.
Nur als wir heute in Mito vor einem Kimono-Laden standen, da ist mir diese Sache doch nochmal bewusst geworden, weil nun die Gruppe Schaufensterpuppen mit Kimonos vor dem Laden nun auch eindeutig keine Japanerinnen darstellten. Und da fragte ich mich dann doch wieder, ob das wirklich Sinn macht...
Heute stand bei Kalligraphie alles im Zeichen des Hina Matsuri, des Mädchenfestes, das jährlich am 3.3. stattfindet und gefühlsmäßig auch ein bischen für die Japaner den Frühling einläutet. Dazu werden für die Mädchen Puppen nach einem bestimmten Schema aufgestellt. Die Mädchen dürfen an diesem Tag ein Schlückchen süßen Sake trinken und bekommen Süßigkeiten. Auch für die Mütter ist es ein Tag zum Treffen. Man trinkt Sake und wünscht sich für das Heranwachsen der Mädchen alles Gute.
Da man ja immer gerne Dinge mit etwas Bekanntem vergleicht, beeilten wir uns, der Schon alleine, weil die deutschen Saufgelage doch um einiges härter sind, als das nette Beisammensein mit einem
Schlückchen Sake... Kalligraphielehrerin den Vergleich zur fast zeitgleichen Weiberfastnacht auszureden. -
Später habe ich mich dann noch mit meiner Bekannten aus dem Fitnesstudio getroffen, die vor ewigen Zeiten mal gleichzeitig mit mir auf dem selben internationalen Zeltlager in Österreich war. Es hat von 1991 bis 2005 gebraucht, bis wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Ich hatte nur ihr T-shirt als zu dem Zeltlager gehörig erkannt.
Es war ein lustiger Abend in einem netten Café. Fortsetzung wird bestimmt folgen...
von Thomas
Wie letztens schon einmal erwähnt, wäre es ja ganz nett (oder im Ergebnis auch durchaus lustig...), wenn man sich die Beiträge hier auch in einer anderen Sprache durchlesen könnte. Da wir aber viel zu faul sind, um das selber zu machen, kommt nur eine automatische Lösung in Frage. Tools dazu gibt es sehr viele, z.B. Babelfish von Altavista. Den hab ich jetzt aber nicht genommen, sondern google's Übersetzungshilfe. Macht eh keinen Unterschied, da beide die gleiche Technik benutzten. Wer also z.B. diesen Beitrag in Englisch lesen möchten, klicke auf den "Permalink" unten und dann auf das britische Fähnchen unten rechts, am Ende des Beitrages. Wer's lieber französisch mag, der klickt bitte auf das französische Fähnchen daneben :)
Demnächst werde ich die beiden Buttons auch noch irgendwo auf der Startseite und den Archiv- Themenseiten platzieren, ich weiß nur noch nicht, wo die beste Stelle ist...
Englisch oder Französisch sind ja ganz nett, aber angesichts des Themas "Japan" wäre eine Übersetzung ins Japanische doch irgendwie sinniger, oder? Wäre es und ich hab sogar einen Anbieter gefunden, der das kann. Aber die Sache hat einen Hacken: Sie kostet was und das nicht zu knapp, weit über hundert Euro im Jahr. Und das ist die Sache dann doch nicht wert. Aber wer es mal ausprobieren möchte, hier der entsprechende Link zum Anbieter:
Einfach "German" und "Japanese" auswählen und den entsprechenden Link angeben und schon heißt es: 日本からのニュース
von Gunda
Ich glaube, dieses Wochenende was das skurrilste, was wir je unternommen und kombiniert haben:
Samstag Stadtbummel und Love Hotel, Sonntag Teezeremonie.
Aber fangen wir von vorne an:
Japanische Wohnungen sind ja tendenziell eher kleiner und nicht so sehr auf Intimsphäre ausgerichtet. Zudem wohnen junge Leute in Japan meist noch lange lange bei ihren Eltern und ziehen oft erst zusammen, wenn sie heiraten, also zwischen 25 und 30, manchmal bis 40 oder länger. Also nutzen junge Paare oder deren Eltern gelegentlich die sogenannten "Love Hotels", in denen man sich stundenweise, oder ab 22h über Nacht einquartieren kann. Das sind also keine gewöhnlichen Stundenhotels, sondern Zufluchtsorte für ganz normale Paare. (Prostitution ist in Japan illegal. - Was natürlich kein Hinderungsgrund ist...) Über Nacht bleiben dann auch gerne Reisende in den günstigen Hotels, denn ab 22h ist es billiger, die ganze Nacht zu bleiben. Unser Reiseführer (und japanische Bekannte) versprach auf dem "Love Hotel Hill" nahe der Tokyoter Station Shibuya Erlebnisse der besonderen (Übernachtungs-)Art: Verrückte Häuser mit noch verrückteren Zimmereinrichtungen, über Enterprise, Tarzan und Jane bis hin zu Mickey Mouse alles, was man sich so vorstellen kann. Und da wir immer schonmal ein ganzes Wochenende in Tokyo verbringen wollten, wollten wir uns diesen kitschigen Spaß natürlich nicht entgehen lassen.
Also schlossen wir unseren kleinen Koffer am Bahnhof ein, bummelten ein bischen durch die Stadt, holten unseren Koffer wieder ab und zogen los, um uns auf die Suche nach dem witzigsten Zimmer zu machen. Ich sah uns schon den ganzen Hügel bis nachts um 2h abklappern und dann todmüde ins Bett fallen, ohne das Zimmer richtig bewundert zu haben, weil wir unsere Neugier kaum würden zügeln können, bis wir alles gesehen hatten. Das ging dann aber doch zumindest schneller als ich erwartet hatte, war aber trotzdem langwieriger als geplant.
Weil alles so diskret ist, sieht man in der Eingangshalle auf einer Leuchttafel, wie die Zimmer aussehen, die noch frei sind. Wenn man eins haben will, drückt man auf den roten Knopf daneben und bezahlt einem meist unsichtbaren Angestellten durch eine kleine Öffnung den entsprechenden Betrag, woraufhin das Zimmer automatisch geöffnet wird oder man einen Schlüssel bekommt. (Die Eingänge sind meist von draußen nicht direkt einzusehen, und auch die Parkplätze sind oft durch Vorhänge diskret gehalten.) Die Zimmer sind alle mit Fernseher, Kabelfernsehen, Video, DVD und meistens mit Karaoke ausgestattet. (Falls man sich dann doch mal zu zweit langweilen sollte...) Manche haben Videokameras, damit man sich selber filmen kann. ;-)
Unser Problem war letztlich ganz anderer Art: Kaum eines der Gebäude sah wirklich von außen originell aus, und die Zimmerbilder versprachen alle biedere langweilige Hotelzimmer. - Das hatten wir uns echt anders vorgestellt, zumal solche Namen, wie "Caribean" oder "South Asia" ja doch etwas Gestaltungsmöglichkeiten der Räume hätten ahnen lassen. Selbst das außen knallbunte Hotel, in dem man sich hätte Videos, Lack, Leder und ein Peitschenset mieten können, hatte nur ganz stinknormale Räume.
Und: Samstags ist es erst ab 24h billiger! Also konnten wir kaum anders, als wirklich fast alles abzuklappern und standen dann trotzdem noch eine halbe Stunde im Halbkalten rum. Bei dieser Tour haben wir wirklich meist nur ganz normale Paare (verschiedenen Alters) gesehen, die, wie wir, auf der Suche nach einem Zimmer waren. (Allerdings ohne Koffer.)
Schließlich haben wir uns für das "Hotel 03" und das "Titanic-Zimmer" entschieden. (In
der Hoffnung, daß das kein Sinnbild für unsere Beziehung darstellt.) Das Zimmer war mit Farbe bemalt, die unter Schwarzlicht leuchtet und mit zwei
Sorten Tapete mit fluoreszierenden Motiven beklebt. - Mehr Kitsch konnte man wirklich nicht verlangen. Es kam aber noch besser:
Die Badewanne war unter Wasser mit einer eingelassenen Lampe mit wechselnden Farben zu beleuchten,
es gab einen Wirlpool und Pfirsich-Badezusatz. (Klasse in Verbindung mit dem Wirlpool.) - Unser Badeschwein hat also auch seinen Spaß gehabt. ;-)
Alles in allem waren wir etwas ernüchtert, und letztlich haben wir wegen des Wochenendes auch noch ganz normale Hotelkosten gehabt. (Nur, daß man in ein normales Hotel
schon früher hätte einchecken dürfen.) Aber immerhin ist uns der Streit "Enterprise oder Tarzan und Jane?" erspart geblieben...
Am Sonntag mußten wir bis 10h raus sein, schlossen unseren Koffer wieder ein, frühstückten in einem Café und verbummelten die Zeit bis zur Teezeremonie noch etwas in der Stadt.
Takuya, Thomas' japanischer Kollege aus Berliner Zeiten, begleitete uns. (Natürlich nur zur Teezeremonie!) Dieses Mal war alles etwas lockerer als letztes Jahr. Trotzdem fand Takuya das ganze eher belustigend reglementiert und war sehr erstaunt, als wir ihm gesagt haben, daß letztes Jahr alles noch viel weniger locker war. Mit Staunen waren wir dann dran, als er uns sagte, das sei die erste Teezeremonie in seinem Leben gewesen. Wir haben also schon an mehr Teezeremonien teilgenommen, als zumindest ein uns bekannter Japaner. - Klasse!
Inhaltlich war natürlich alles wie letztes Jahr.
Danach sind wir noch mit Akapu, die uns eingeladen hatte, und Takuya zu einem Schrein gegangen, der für seine Pflaumenblüten berühmt ist: Dem Yushima-Schrein. Und dort haben wir endlich unsere ersten richtigen Pflaumenblüten des Jahres gesehen. (Ich persönlich mag Pflaumenblüten ja lieber als Kirschblüten, weil die wirklich nach Pflaume riechen und nicht schonwieder nach einem Regen hin sind.)
Später haben wir dann unseren Koffer abgeholt und sind nach Hause gefahren. Auf der Rückfahrt waren wir uns einig: Was für ein merkwürdiges Wochenende!
von Thomas
Mit reichlich Verspätung fangen jetzt die Pflaumenbäume langsam an zu blühen. Gestern hatten wir in Tokyo schon einige gesehen, heute hab ich auch in Tsukuba welche entdeckt. An gleicher Stelle hatte ich allerdings im letzten Jahr ein entsprechendes Bild schon Anfang Januar aufgenommen. Dieses Jahr meldet sich der Frühling nur sehr zögerlich zurück.
von Thomas
Der Tsukuba Express (oder kurz TX) ist Tsukubas ganzer Stolz, der Hoffnungstraeger für das weitere erfolgreiche Wachstum der Stadt. Und wir zwei Trödel brauchen ein halbes Jahr, um ihn mal auszuprobieren...
Aber jetzt haben wir es ja doch mal hingekriegt. Und es ist schon eine feine Sache, der Zug fährt viel ruhiger und schneller als die Joban-Line, die wir normalerweise benutzten. Praktisch nützt uns das aber gar nichts. Wir wohnen in Arakawaoki fast am Bahnhof, haben die Joban-Line also quasi vor unsere Haustür. Wollen wir den TX nutzten, müssen wir ebenfalls erst zum Arakawaoki-eki, dort den Bus nehmen, der etwa 25 Minuten bis Tsukuba Center braucht und nehmen dann dort den TX, der etwa 15 Minuten schneller in Tokyo ist, als die Joban-Line. Nicht gerade effizient. Außerdem teurer... Das Bus-Ticket nach Tsukuba kostet pro Person 440 Yen Ein Ticket für eine Fahrt mit dem TX nach Tokyo kostet 1150 Yen. Macht zusammen ueber 3000 Yen für Hin- und Rückfahrt. Und dann sind wir erst in Tokyo und müssen mit S- oder U-Bahn weiter. Nehmen wir die Joban-Line, können wir ein Tagesticket nehmen. Das kostet etwa 2300 Yen und wir können es auch noch auf der Yamanote-Line in Tokyo benutzen, was meistens völlig ausreichend ist.
Für uns ist die Fahrt mit dem TX also nur ein Spaß, den wir uns jetzt mal erlaubt haben, für Tsukuba ist der Zug allerdings ein Schritt nach vorne. Das sieht man sofort, wenn man während der Fahrt aus dem Fenster schaut. Es gibt innerhalb des Stadtgebiets von Tsukuba noch weitere Bahnhöfe, die momentan noch mehr oder weniger im Nichts stehen. Aber das wird sich bald ändern. Große Flächen rund um die Bahnhöfe sind schon planiert und in Parzellen eingeteilt, Straßen sind oder werden noch gebaut. Ein großes neues Einkaufscenter ist im Entstehen, usw.
Tsukuba ist eine künstliche Stadt, vor 40 Jahren erdacht als Entlastung für Tokyo auf dem Gebiet Wissenschaft und Technologie. Von der Einwohnerzahl her ist noch eine sehr kleine Stadt, gerade mal über 200000 Einwohner zaehtl Tsukuba, aber von der Fläche her ist es riesig, fast so groß wie München. Entsprechend viel Platz gibt, der noch ungenutzt ist. Aber das wird sich immer schneller ändern, mehr Wohnraum wird geschaffen, die Innenstadt wird attraktiver gemacht, neue Institute kommen in die Stadt und dann gibts da noch den TX, der fuer die nötige schnelle Anbindung nach Tokyo sorgt und so machen den Schritt hin nach Tsukuba vielleicht etwas erleichtert. Denn der typische Tokyoter schaut immer etwas abfaellig auf Tsukuba herab. Klar, wenn man aus einer der groessten Staedte der Welt kommt, ist alles andere natuerlich ein Nest... Aber wenn dieses Nest nun etwas naeher an die Weltstadt rueckt, kann man ja vielleicht doch hinziehen und die Vorteile nutzten. Und die gibt es, allen voran merklich sauberere Luft und weniger Hektik, und das ist gar nicht so wenig...
von Gunda
... gibt es sogar manchmal. Mari z.B. hat einen Hund und Wellensittiche und findet, genau wie ich, die Situation in unserem gemeinsamen nächsten Tiergeschäft eine Katastrophe. Kranke Tiere in Käfigen, in denen sie sich manchmal nichtmal umdrehen können, Vögel, die sich selbst die Federn ausrupfen... Mir hat es fast das Herz gebrochen, als ich in diesem Laden war. Dazu gibt es noch Zubehör, das zwar nicht artgerecht, dafür aber originell ist. Man kann Spielzeugstädte oder -wohnungen im Käfig oder Aquarium errichten, die viel Platz wegnehmen, aber für die Tiere kaum brauchbar sind.
Aber das ist nur der Anfang meiner Geschichte.
Ich habe noch nie in meinem Leben so viele ungesund aussehende und schlecht gehaltene Tiere gesehen, wie in Japan. Angefangen dabei, daß außerhalb von großen Städten fast jedes dritte Haus einen Kettenhund hat, der in Regen und Hitze vor sich hinvegetiert und teilweise zwischen Gerümpel oder Müll "wohnen" muß bis hin zu besseren Vogelvolieren, in denen Katzen den ganzen Tag über schutzlos dem Wetter ausgesetzt sind. Auch Vögel werden in teils verdreckten Volieren und ohne Schutz vor dem Wetter gehalten. Und eine Freundin warnte mich davor, in Japan in den Zoo zu gehen; das sei grausig. Nun, wir waren mal in einem kleinen Stadtteilzoo. - Es war grausig...
Hunde gelten in der Großstadt Tokyo als Statussymbol. Je größer der Hund, desto größer die Wohnung. Wohl dem, der sich von zwei riesigen Hunden durch sein Wohnviertel schleifen lassen kann. A propos "Hunde": Die werden auch sehr gerne mit T-shirts und ähnlichem "bekleidet". Wenn man es sich leisten kann, natürlich gleich vom teuren Designer. Und natürlich laufen die Hunde auch nie ohne Leine rum. (Was gut ist, ist, daß die Hundebesitzer immer brav alle Häufchen aufsammeln, die ihr Hund macht.)
Ich kann mich auch noch lebhaft an die geschockten Diskussionen erinnern, die der Aquariumsbesuch in Osaka bei einer deutschen Delegation ausgelöst hatte. (Die wollten dann gleich mit der japanischen Delegation über Walfang diskutieren, was die Dolmetscherin gerade noch verhindern konnte.)
Ach ja, und dann gibt es da noch jeden zweiten Grundschüler, der mit Begeisterung eklige Riesenhirschkäfer in einem winzigen Terrarium als Haustier hält und eigentlich gar nicht weiß, was die so fressen. Und im Sommer werden mit dem Fangnetz Insekten gefangen und in kleine tragbare durchsichtige Kästen gesperrt, bis sie irgendwann eingehen.
Kommen wir zum Essen. Das ist nämlich nur so richtig frisch, wenn es zumindest beim Kochen noch zuckt. Thomas hatte ja neulich schon beschrieben, daß wir mit Grausen im Fernsehen gesehen haben, wie Aale lebendig auf ein Grillrost geworfen und geröstet wurden. Auch Sashimi (rohe Fischscheiben) ist besonders angesehen und teuer, wenn die Fische erst beim In-Scheiben-Schneiden getötet werden. Als Beweis für die Frische bekommt man im Nobelrestaurant einen Teil des Fisches (meist den Schwanz) als Deko mit auf die Servierplatte, der noch zuckt.
Das erinnert mich an diese gräßliche Fernsehshow, wo eine Frau vom Fischerboot aus mit einer riesigen Harpune einen Tintenfisch "angelte", um ihn dann bei lebendigem Leibe verspeisen zu wollen. Natürlich umschloß das Tier ihren Kopf mit seinen Fangarmen und saugte sich daran fest, sodaß sie fast erstickt wäre. Und alle standen drumrum und fanden das irre komisch.
Während man in Europa lieber nicht sehen will, wo das Stück Fisch oder Fleisch auf dem Teller denn herkommt, kann man hier auch gerne mal im Restaurant einfach nur einen Fischkopf bestellen oder bekommt Schweineohren oder -nasen präsentiert. Und auf Straßenfesten gibt es rot gefärbte gegrillte kleine Tintenfische zu kaufen.
Und dann gibt es ja auch noch die tierlieben Leute auf Miyajima, die ihren Reisabfall zu Keksen für die Rehe verbacken, damit die Touristen ihren Spaß haben und die gefräßigen Tiere die unzähligen Souvenirläden in Ruhe lassen. (So viel zum Thema "natürliche Auslese"...) Aus dem gleichen Grund werden ihnen auch die Geweihe abgesägt. Aber sie sind trotzdem so aggressiv, wenn sie Futter wittern, daß viele Touristen vor ihnen fliehen. Nähert sich doch mal ein Reh einem der Läden, wird es mit einem Besen rausgejagt. Das ist schon auch sehr bildhaft für das Verhältnis vieler Japaner zu Tieren: Sie sind willkommen, wenn sie süß oder nützlich sind und werden umgebracht oder verjagt, wenn sie stören.
Nützlich sind sie z.B. bei der "Dolphin Wedding", bei der man vor einem Delphin heiraten kann. Dafür ist das Becken dann bestimmt sehr eng, um zu garantieren, daß man auch wirklich das Tier zum richtigen Zeitpunkt an Ort und Stelle hat.
Klar gibt es hier auch Vegetarier. Vorwiegend welche, die das aus religiösen (Buddhismus) oder gesundheitlichen (Magen- oder Hautkrankheiten) Gründen sind. Einige sehr radikale buddhistische Kaiser haben sogar in der Vergangenheit (Und das ist wirklich sehr sehr lange her...) den Verzehr von Tieren gesetzlich verboten. Aber schon alleine der Bedarf eines kaiserlich ausgesprochenen Verbotes beweist ja schon, daß der Verzehr von Tieren in Japan genauso zum Alltag dazugehört hat, wie in anderen Ländern. Japan ist in seinem Ursprung ein Fischervolk, das auf einer Insel im Pazifik lebt, auf der man aufgrund des feuchten Wetters nicht allzuviel an Obst und Gemüse wirklich erfolgversprechend anbauen kann. So kommt auch das meiste Obst und Gemüse eher aus anderen Ländern. Eines stimmt jedoch: Die Idee des Verzehres von Fleisch kam erst später nach Japan.
Ich möchte auch nicht wissen, was wir hier schon alles an Pflanzenschutzmitteln ehrgeiziger japanischer Bauern verputzt haben. Immerhin gibt es hier viel mehr (und größeres!) Ungeziefer...
Wenn man hier in einem Restaurant etwas "Vegetarisches" bestellt, dann bekommt man oft Fisch oder Geflügel. - Ist ja kein Fleisch. Das hat Thomas' indischen Kollegen schier zur Verzweiflung gebracht und ihn letztendlich zum "Huhnesser" gemacht. Überhaupt scheint die Definition von "vegetarisch" in Japan sehr anders zu sein, als in Europa oder Amerika. Das habe ich gemerkt, als eine japanische Freundin, die von sich sagte, sie sei Vegetarierin, zu Ortrun sagte "Ach, Fleisch ißt du auch nicht?"
Vegetarier werden in Japan irgendwie nur belächelt. Vorallem, wenn sie es nicht aus religiösen oder gesundheitlichen Gründen sind. Japaner essen halt meist anstandslos, was auf den Tisch kommt.
von Thomas
Für alle, die es wirklich ganz genau wissen wollen: Dort, wo das rote Kreuz in der Mitte der Karte zu sehen ist, da wohnen wir. In dem Link unten müsste unter anderem ein Teil unserer Adresse stehen. Zumindest die Provinz (Ibaraki) und die Stadt (Ami) kann ich entziffern...
Link: 茨城県阿見町周辺地図 - 生活地図サイト MapFan Web.
Und wer hinterlassen möchte, wo er selbst denn herkommt, der kann auf den folgenden Button klicken und sich dann auf der Karte dort eintragen :)
von Thomas
Wenn jemand ERATO oder CERC verlässt, dann gibt es normalerweise ein Essen. Was genau, scheint irgendwie von der Anzahl der Personen abzuhängen, die weggehen. Soweit jedenfalls die Theorie von Roland, der glaubt, dass es ab drei Personen ein Abendessen gibt, und bei zweien "nur" ein Mittagessen. Ob's wirklich stimmt? Heute gab es jedenfalls ein Mittagessen, denn Lee und Roland verlassen ERATO in der naechsten Woche. Damit bin ich dann der letzte Europäer und der letzte Ausländer, der ständig in Tsukuba ist (es gibt noch jemanden aus Taiwan, der aber fast immer in Tokyo ist und bei CERC noch einen Russen, den ich aber auch nur selten sehe).
Wird nicht so einfach werden, werde die beiden sicher vermissen, waren sie doch meine Hauptunterhaltungspartner, abgesehen von Matsuura-san, mit dem ein Gespräch aber oft ein ziemlicher Kampf ist, trotz des Konversationskurses, den er jetzt macht. Vor allem Roland, mit dem man auch mal etwas über die Schattenseiten der Arbeit hier lästern konnte, wird mir schon fehlen. Na vielleicht werde ich zu seinem Angedenken jetzt jeden Mittwoch Katsukari essen, das einzige, was er in der hiesigen Cafeteria halbwegs akzeptabel fand ;)
Heute gabs dann viele Reden, Lee heute morgen und vor dem Essen, Roland ebenfalls vor dem Essen und natürlich eine Rede von Tokura-sensei und nach dem Essen dann nochmal Kawasaki-sensei. Viele nette Worte, das übliche halt. Und wie immer war die ganze Atmosphäre eher geschäftsmäßig und alles ging wieder recht zügig über die Bühne, aber an diese Art hab ich mich inzwischen gewöhnt, langes beisammensitzten scheint hier einfach nicht Usus zu sein.
Das Essen selbst war übrigens nett. Wir waren in einem Sushi-Restaurant in Tsukuba, etwas traditioneller, als die Lokale, in die Gunda und ich meist gehen. Am Eingang musste man gleich die Schuhe ausziehen und gegessen haben wir natürlich in einem Tatami-Zimmer. Sushi-Restaurant hörte sich für michja erstmal nicht so gut an, aber dank Matsuura-san bekam ich ein Spezialmenu bestehend aus Tempura, Katsudon und einer Schüssel Udon. Kurz, hinterher war ich pappsatt :)
Vor allem wars besser als beim letzten Abschiedsmittagessen. Damals gabs für mich extra vegetarisches Sushi (habe ich darüber nicht neulich erst gelästert...) mit Natto! Da hatte es damals aber jemand sehr gut mit mir gemeint, vor allem mit meiner schlanken Linie, für die das genau das Richtige war. Da lob ich mir doch das Essen heute!
von Thomas
Wieder mal jährte sich heute einer der typisch japanischen Festtage, der Valentinstag. Ja, der heilige Valentin schien auch in Japan gewirkt zu haben, jedenfalls benehmen sich die Japaner so. Genauer gesagt, die weibliche Hälfte Japans beglückt die männliche Hälfte mit Schokolade und damit auch ganz sicher der Japaner was bekommt, der noch keine Allerliebste hat, verteilen für alle die Sekretärinnen bei der Arbeit Schokolade...
Kikuchi-san hat für ihre männlichen Kollegen leckere Schokotaefelchen mit Knusperwaffelfuellung gekauft und so waren die männlichen ERATO-Mitglieder gut versorgt. Und damit auch noch der allerletzte Typ was kriegt, verteilten die Kassiererinnen in der Cafeteria noch kleine Stückchen schweizer Schokolade.
Ich bin zum Glück auf solche Notgeschenke nicht angewiesen, hab ich doch meine Gunda, die mich heute wieder, wie schon im letzten Jahr, mit leckeren Schokoladengeschenken bedacht hat :) Knusperschokoeier, Luftschokolade, Nussschokoladenherzen und oben drauf noch "Double Chocolate Pudding"! Was dazu wohl die Waage sagen wird :( Naja, zum Ausgleich gabs ja dann noch ein Kettenpuzzel fürs Hirn :)
Wie auch immer, der Valentinstag ist auf jeden Fall eine der japanischen Traditionen, die wir unbedingt nach Deutschland importieren müssen. Das ist ganz in meinem Sinne!
von Thomas
Wie ich gerade gesehen habe, geht's Starbucks in Japan ganz prima! Wundert mich auch nicht, wenn man sich anschaut, wie voll die Laeden immer sind...
Wenn's so weiter geht, gibt's vielleicht noch ein Geschaeft in Arakawaoki, bevor wir wieder weg sind :)
Link: The Retail Stock Blog � Starbucks Japan Records 30% Y-o-Y Net Profit Increase & Revises Full Year Forecast Upward (SBUX).
von Thomas
Das Ergebnis ist ja eigentlich eher lustig, aber vielleicht hilft es ja doch dem ein oder anderen weiter:
Werde den Link nochmal dauerhaft irgendwo in den Seitenleisten unterbringen. Mal sehen, wo es am besten passt :)
von Thomas
Letztes Jahr hatten wir nicht schlecht gestaunt, als uns jemand per e-mail fragte, ob er für einen Artikel in einer Zeitschrift ein paar von unseren Fotos haben könnte. Dabei ging es um die Bilder, die wir in Nara und auf Miyajima von den dort lebenden zahmen Rehen gemacht hatten und die Anfrage kam vom Herausgeber einer Zeitschrift für Vegetarier, der angeregt durch Berichte über die zahmen Rehe einen Artikel über Vegetarismus in Japan schreiben wollte. Wie wir nach Ortruns Besuch im letzten Oktober lebhaft feststellen konnten, passt Vegetarismus und Japan eigentlich nicht so recht zusammen, aber das hat uns nicht weiter irritiert und wir haben zugesagt, ein paar Bilder zur Verfügung zu stellen. Bedingung war, dass unsere Namen und unsere Webseite erwähnt werden und das wir das fertige Produkt dann auch zugeschickt bekommen.
Heute war es dann soweit, zwei aktuelle Ausgaben der Zeitschrift "Vegetarisch genießen" lagen im Briefkasten und darin unsere Reh-Fotos! Ich muss sagen, dass sieht schon toll aus, wenn man die Bilder so im Großformat auf Hochglanzpapier sieht. Hätte ich mir nie träumen lassen, sowas mal zu sehen... Vielen Dank dafür an den Herausgeber German Murer!
Die Artikel zu den Bildern sind schon sehr interessant, dass Japan eigentlich ein traditionelles Land von tierliebenden Vegetariern ist, kann man sich offen gesagt nicht wirklich vorstellen. So wie Japaner oft mit Tieren umgehen, wird einem selbst als nicht im Tierschutz engagierten Menschen, oft ganz anders. Ein krasses Beispiel haben wir heute im Fernsehen gesehen: Lebende Aale oder Schlangen, die auf einem Rost über einem offenen Feuer gegrillt werden, bis sie von außen ganz verkohlt sind. Das Innere schien dann essbar zu sein. Na guten Appetit...
Nein, die Idee, Japan mit Vegetarismus in Verbindung zu bringen, käme mir wirklich nie in den Sinn und das Japaner auf einmal anfangen, nur noch vegetarisches Sushi zu essen, kann ich mir auch nicht vorstellen. Aber gut, wer weiß... Über die Veröffentlichung der Bilder freue ich mich jedenfalls schon sehr, wenn auch die Umstände schon etwas kurios sind. Na ja, vielleicht kommt ja nochmal jemand auf so eine Idee ;)
von Thomas
Endlich haben wir es heute mal hin bekommen, dass wir in ein Konzert gehen. Dabei wäre das so einfach, gibt es doch eine Konzerthalle in Tsukuba. Ok, Tsukuba ist nicht Tokyo, aber was solls, ich bin eh recht genügsam, da ich letztlich viel zu wenig Ahnung von Musik habe, um große Ansprüche zu stellen. Also warum nicht Tsukuba? Ich weiß auch nicht so recht, wir wollten schon oft, haben es dann aber immer wieder vertrödelt. Aber diesmal hat Gunda rechtzeitig Karten besorgt und nun waren wir heute da.
Das Konzerthaus, die "Nova Hall", ist eher zweckmäßig, denn schön, aber für eine Stadt wie Tsukuba eben ganz ok. Das Orchester stammte aus Litauen, der Dirigent auch, die Solistin stammte wohl aus China und spielte Cello. Das Programm bestand aus Kammermusik von Mozart, Boccherini, Rossini und Tschaikowsky, dann gabs noch einige Zugaben von Orchester und Cellistin. Ich zumindest war zufrieden, vor allem nach dem wir jetzt solange nicht mehr in einem Konzert waren.
Ein richtiger Renner war das Konzert aber nicht, nur etwa halb waren die Raenge besetzt. Dafür waren einige Bekannte da, die Eltern des Mädchens, das Gunda unterrichtet, sowie die Mutter von Mari, bei der wir erst letzte Woche zu Gast waren. Irgendwie ist das ganz schön, wenn so in der Fremde dann doch auf Bekannte trifft. Vor allem Gunda sorgt ja durch ihren Unterricht dafür, dass man doch mehr und mehr Leute kennenlernt. Fühlt an sich doch gleich wieder etwas mehr hier zu Hause.
Insgesamt wars also ein netter Nachmittag und ich hoffe, wir kriegen das hin, nochmal ins Konzert zu gehen. Einmal möchte ich auch noch nach Tokyo ins Konzert. Wann kann man das dann später noch einmal einfach so machen...
von Gunda
Heute haben wir ihn spontan und für ca. 30 EUR erworben: Unseren neuen DVD-Player. (Der am Laptop zeigte einige Ausfallerscheinungen. Außerdem ist es deutlich besser, Filme bequem auf dem Fernseher zu gucken.)
Und was das Tollste ist: Man kann ihn von NTSC (japanisches Systen) auf PAL (europäisches System) umstellen. Wir brauchen also nur einen kleinen Trafo, und schon kann das schnucklig kleine Gerät mit nach Deutschland. (Japan und Deutschland gehören auch zu der gleichen Code-Zone, sodaß deutsch codierte DVDs auch kein Problem sein werden.)
Thomas hat es sogar geschafft, mit Hilfe der japanischen Bedienungsanleitung schon alles auszutüfteln und das Menü auf Englisch umzustellen.
Ein paar billig-DVDs sind uns auch gleich noch "zugeflogen".
Jetzt können wir auch endlich die selbstgemachten DVDs von Niedermeyers aus Greifswald bestaunen. Ortruns Japan-Fotos haben wir auch schon auf dem Fernseher bewundert.
Wir sind gespannt, was da noch kommt...
von Thomas
Heute haben wir uns "München" von Steven Spielberg angeschaut. Ein ziemlich drastischer Film über die Jagd auf die Hintermänner des Olympia-Attentats von 1972. Fünf Leute werden von der israelischen Regierung angeheuert, um einen nach dem anderen der Gesuchten umzubringen. Kreuz und quer durch Europa geht die Jagd, meist sind die Jäger erfolgreich, bis aus ihnen selber Gejagte werden und einer nach dem anderen ermordet wird.
Weniger um Strafe und Gerechtigkeit, als mehr um Rache geht es in dem Film und um die Sinnlosigkeit der ganzen Gewalt im Nahen Osten. Wird ein Araber ermordet, sterben 100 Israelis bei einem anderen Attentat. Kein Ende in Sicht, bis heute... Das einzige, was sich seitdem geaendert hat, ist das der direkte Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis jetzt nur noch in Palästina stattfindet, allerdings hat es mit Bin Laden und Co dafür heute einen mehr als "ebenbürtigen" Ersatz auf dem Spezialgebiet "wie bringe ich möglichst viele Leute um, die mit meiner Sache eigentlich nix zu tun haben".
Etwas Kurioses am Rande: Der Filmtitel lautet hier "ミュンヘン", also Myunhen, nicht etwa "Munich", wie er im Original heißt. Man hat also die japanische Schreibweise für "München" gewählt und nicht einfach die englische ins Japanische transkribiert. Irgendwie fanden wir das nett :)
Ansonsten noch eine kleine Beobachtung zum Thema "Japaner und Kino". Der Film war etwa drei Stunden lang, läuft schon seit zwei Wochen und wir waren am frühen Nachmittag drin und das Kino war so voll wie erst selten bisher. Irgendwie bevorzugen Japaner eher frühe Tageszeiten, um was zu unternehmen, wie z.B. einen Kinobesuch. Man muss sie geradezu in die Abendvorstellungen locken, denn die sind hier billiger, als die frühen Vorstellungen (also genau umgekehrt, als in Deutschland) und richtige Nachtvorstellungen gibt es eh nicht, nach Mitternacht läuft da schon lange nix mehr. Japaner scheinen in ihrer Freizeit aber eh keine echten Nachtmenschen zu sein, wenn man sich anschaut, wie früh z.B. der öffentliche Nahverkehr selbst in Tokyo dicht macht (hier bei uns läuft ja schon ab 22:00 Uhr nichts mehr), dann lässt das nicht auf verstärkte Nachtaktivität schließen...
von Thomas
Ich wollte immer schon einmal einen Beitrag schreiben ueber andere Blogs, die im Prinzip das gleiche machen wie wir, naemlich darueber zu berichten, wie es Leuten aus Deutschland hier in Japan ergeht. Hier ist er nun, nachdem ich endlich herausgefunden habe, wie man so eine Linkliste in das Blog stellt, die dann auch noch immer aktuell bleibt. Die Linkliste unten beinhaltet nun ganz unterschiedliche Blogs, die ich in den letzten Monaten gefunden habe. Die meisten stammen von Leuten wie uns, die fuer eine gewisse Zeit nach Japan umgesiedelt sind und nun darueber berichten. Ein paar Blogs stammen aber auch von Leuten, die dauerhaft hier leben und dann weniger ueber ihre aktuellen Erlebnisse berichten, was z.B. gerade heute wieder aufregendes, merkwuerdiges, verruecktes passiert ist, sondern eher einen etwas zeitloseren Eindruck vermitteln.
Manche der Leute sind auch schon laengst wieder zu hause, andere schreiben nur sehr sporadisch, oder gar nicht mehr. Es ist eben ganz unterschiedlich, wie die Leute eben auch ganz unterschiedlich sind.
Ein paar Blogs berichten auch von der gegenteiligen Erfahrung, wie es einem als Japaner in Deutschland ergeht.
Fuer mich persoenlich am interessantesten sind aber die Blogs von Leuten, die schon wieder zu Hause sind und darueber berichten, wie das denn so ist. Denn im Oktober werden wir auch wieder zurueck gehen und ich mir wird immer noch ganz mulmig, wenn ich daran denke...
Aber jetzt erstmal meine Linkliste: Leute in Japan, Leute aus Japan
Natuerlich ist die Liste im Prinzip ein Duplikat der Liste "Leute in Japan", die sich links in der Seitenleiste befindet. Allerdings ist die nicht aktuell, waehrend die Liste hier dank Online-Bookmarks udn Javascript immer automatsich aktuell gehalten wird. Ich werd dei Seitenleisten auch nochmal umstellen, aber das dauert noch. Ich muss erst rauskriegen, wie das geht... :)
von Thomas
Im November schien noch alles klar, eine Regierungskommision hatte beschlossen, dass die Thronfolgeregelung in Japan so geaendert werden sollte, dass auch ein Frau den Thron besteigen kann. Und so wurde schon die Kaiserenkelin Aiko als zukünftige Regentin angekündigt. Tja, Pustekuchen... Auf einmal ist alles wieder unklar!
Warum? Wieso? Weshalb? Nun, in dieser Woche wurde offiziell verkündet, dass die Schwiegertochter des Kaisers, die Tante von Aiko, schwanger ist. Und da immerhin eine 50% Wahrscheinlichkeit besteht, dass da mal ein Junge bei rauskommt, fängt die ganze Diskussion wieder von vorne an. Erst hatte Koizumi noch gesagt, ob schwanger oder nicht, wir ziehen das durch und ändern bis zum Sommer das entsprechende Gesetz, nun rudert er auch zurück und meint, natürlich müsse man jetzt erstmal abwägen und in jedem Fall will so eine wichtige Sache gut ausdiskutiert sein. Bla, bla, bla...
Wahrscheinlich wird man nun solange warten, bis man weiß, ob da ein Junge oder Mädchen unterwegs ist und dann entscheiden. Und jede Wette, wenn's ein Junge wird und er heil zur Welt kommt, dann wird der auch Kaiser! Man ist hier halt doch in gewissen Kreisen sehr konservativ...
von Thomas
Heute war es wieder soweit, ich musste zum offiziellen einmal jährlichen "health checkup" hier am AIST. Wie das im einzelnen abläuft, habe ich ja schon nach dem erstenmal beschrieben. Das Prozedere war auch diesmal genau dasselbe, nur das diesmal etwas zügiger ablief.
Ein landestypische Episode gibt es allerdings noch zu berichten. Als ich zum ersten Test musste, fragte mich die Schwester, ob ich japanisch könnte. Ich sagte dann "skoshi", was soviel wie "ein wenig" bedeutet. Darauf ein Lacher von der Schwester und ein aufmunterndes "ganbatte kudasai" von ihrer Kollegin. Ja, da muss man schon Durchhaltevermögen beweisen, wenn man so einen Ausländer zu betreuen hat ;)
Ach ja, gewachsen bin ich, wie ich nach einem Blick in den alten Beitrag gesehen habe. Und zwar immerhin zwei Millimeter. Genau 189,1 Zentimeter bin ich nun groß. Wenn das mal soweiter geht...
von Thomas
Bevor der Film "Sayuri" in Japan in die Kinos kam, wurde viel darüber diskutiert, ob es in Ordnung ist, dass ausgerechnet die weiblichen Hauptrollen von Chinesinnen gespielt werden. Nachdem der Film dann aber in den Kinos war, legte sich die Aufregung schnell wieder, man war mit dem Ergebnis allseits zufrieden und da war es dann letztlich doch egal, ob die Geishas nun von Japanerinnen oder Chinesinnen gespielt wurden.
Nun sollte der Film in China in die Kinos kommen und prompt wiederholt sich die Diskussion, nur mit umgekehrten Vorzeichen: Dürfen sich Chinesinnen dazu hergeben, in einem Film japanische Geishas zu spielen? Die Regierung in Peking meint nein, das dürfe nicht sein und sorgt sich gar um den Frieden im Land, sollte der Film in die Kinos kommen. Naja, wahrscheinlich würde nix passieren, aber man wird es nie erfahren, die Aufführung des Films in China wurde untersagt.
Schwierige Nachbarn, China und Japan. Bis zwischen diesen beiden Ländern ein normales Verhältnis herrscht, wird's wohl noch dauern. Der naechste Aufreger ist gewiss: Koizumi wird irgendwann wieder zum Yasukuni-Schrein gehen und die Protestnoten werden wieder hin und her geschickt werden...
Link: Skandalfilm "Die Geisha": Stolz und Vorurteil - Kultur - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten.
von Thomas
Es ist eindeutig zu kalt im Moment, jedenfalls im Vergleich zum Vorjahr. Und wir bilden uns das nicht nur ein. Ich hatte gerade nochmal nachgeschaut, letztes Jahr hab ich in dem kleinen Park in der Nähe vom AIST schon am 7. Januar ein Bild von Pflaumenblueten gemacht und hier geschrieben, der Frühling naht. Und was ist jetzt? Es ist der 6. Februar und außer geschlossenen Knospen nix.
Heute hat es sogar schon wieder etwas geschneit, wenn's auch nicht liegen blieb. Morgen soll es allerdings wenigstens am Tage dann deutlich wärmer werden, jedenfalls laut Wetterbericht in der 'Japan Times'.
Was allerdings im letzten Jahr anders war, war der Zeitpunkt, als wir hier Schnee hatten. Das war nämlich damals erst Ende Februar bzw. Anfang März gewesen. Vielleicht ist es dieses Jahr ja wieder der Fall. Es wäre jedenfalls sehr schön, denn Anfang März wollten wir nochmal ein Wochenende im Schnee verbringen. Eventuell in Nagano. Hoffentlich wird das was...
von Thomas
Mit über einem Monat Verspätung gegenüber Deutschland und noch größerem Abstand zu anderen Ländern, lief vor 14 Tagen Oliver Twist von Roman Polanski an und heute haben wir ihn uns angeschaut. Man fragt sich ja schon, warum Filme in Japan oft mit so großer Verspätung anlaufen. Da sie ja nicht synchronisiert, sondern nur untertitelt werden, sollte es ja eigentlich noch schneller gehen als zum Beispiel in Deutschland, aber dem ist nun wirklich nicht so. Ein extremes Beispiel ist Narnia, der hier erst im März anläuft, während er ansonsten als Weihnachtsfilm lief... Letztlich ist es natürlich egal, Hauptsache die Filme laufen überhaupt, aber der Grund für die Verzögerungen würde mich ja nun schon interessieren...
Der Film selbst war ganz ordentlich, die Geschichte kannte ich vorher nur Bruchstückhaft und so war das ganze recht spannend. Gewundert haben wir uns dann doch, dass hinter uns eine Familie mit einem vielleicht 5 Jahre altem Kind sass. Zum einen war der Film vielleicht doch etwas zu gruselig für so ein kleines Kind, zum anderen, was hat es überhaupt davon? Verstehen kann es die Dialoge nicht und die Untertitel kann es nicht lesen, so sieht es also nur eine Reihe düsterer Bilder, ohne eine Chance zu haben, den Sinn dahinter zu erfassen, was vielleicht mancher Szene wenigstens etwas den Schrecken nehmen würde. Na ja, auch so eine Frage, für die es wohl keine Antwort geben wird...
von ThomasHeute Abend waren wir bei Mari, einer von Gundas Deutschschülerinnen, eigeladen. Sie lebt noch bei ihren Eltern in Ushiku und so war die Bude ziemlich voll: Maris Freund, ihr Bruder und ihre Schwester sowie ihre Eltern. Ein richtig netter Abend mit japanischer Hausmannskost und lustiger Unterhaltung, denn Mari spricht sehr gut Deutsch und der Rest der Familie prima Englisch, nur Maris Freund sprach einzig Japanisch, was aber angesichts der vielen potentiellen Dolmetscher kein Problem war und ab und zu konnten wir sogar ein paar Brocken Japanisch anbringen und Gunda die Leutchen damit verblüffen, dass sie mitbekam, was den da auf Japanisch "hinter unserem Rücken" erzählt wurde.
von ThomasEs ist ja ein bekanntes Phänomen, dass man, wenn man erstmal auf eine Sache aufmerksam wurde, sie plötzlich überall zu sehen glaubt und sich gleichzeitig ganz sicher ist, dass es vorher nicht so war. So geht's mir gerade mit Sudoku...
Hat ich noch letztens gelästert, wie wenig Sudoku Sachen es hier gibt und man quasi mit der Lupe suchen muss, um was zu finden, haben wir dann bei Toys'r'us heute ein ganzes Regal mit Sudoku Spielzeug gesehen Und zwar alles mögliche, vom Brettspiel bis zum elektronischen Sudoko-Spiel für unterwegs, inkl. Wettbewerb mit 10000 Euro Hauptgewinn.
So kann's gehen :(
von Thomas
Rekord verdächtige siebenmal hat, nach Auskunft des japanischen Wetteramtes jedenfalls, heute kurz nach dem Mittagessen innerhalb von anderthalb Stunden die Erde heute gebebt. Davon waren drei Erdstöße im Vergleich zu bisherigen Beben sehr deutlich zu spüren. Für mich war es zumindest so, Gunda dagegen, die gerade unterwegs war, hat dagegen fast gar nichts gespürt. Anscheinend schwingt unser Institutsgebäude gut mit...
Die Epizentren lagen jeweils vor der Küste Ibarakis (zur gleichen Zeit gab es zufällig(?) noch ein weiteres Beben auf Okinawa) und die Stärke erreichte nirgendwo einen Wert von mehr als 3 auf der japanischen Skala, es war also nicht so schlimm, wenn man nur diesen Wert betrachtet. Als es aber fast im Viertelstundentakt immer wieder an fing zu wackeln, war mir doch ein wenig mulmig, was schon lange nicht mehr vorgekommen ist, da man sich ja doch an die ständigen Beben gewöhnt hat. Und immer hin war es so stark, dass wir aufgefordert wurden ins Labor zu gehen, um nach dem Rechten zu sehen. Ist bisher eigentlich nur einmal vorgekommen, als einmal das Epizentrum in der direkten Umgebung von Tsukuba lag.
Fast könnte man ja sagen, es wird auch mal wieder Zeit für was größeres. Bisher gab es etwa jedes halbe Jahr ein starkes Beben mit größeren Schäden irgendwo, jedoch in letzter Zeit war es schon fast auffallend ruhig. Hoffentlich bleibt es dabei, Beben wie heute reichen mir eigentlich...
von Gunda
Das widerspricht sich? Hab ich aber grad gesehen. - Ein Japaner mittleren Alters, der an entsprechender Stelle ein großes Loch in seine Jeans geschnitten hat und keine Unterhose trägt. (Foto war leider nicht zu kriegen.)
von Gunda
"Hello, my name is ... I like speaking to foreigners." Na klasse! Aber das passiert halt hier manchmal. Ein routinierter Blick in ihre offene Tasche und ich weiß bescheid: Eine Zeugin Jehovas. Wundert mich auch nicht mehr. Da bin ich schon zweimal von jungen Japanerinnen angesprochen worden. "Many people are affected by angels," erklärt sie mir im Laufen und zeigt mir die englische Ausgabe des altvertrauten "Wachtturm". Genauso kitschig aufgemacht, wie in Deutschland. Ich überlege kurz, ob ich das Magazin der netten Frau oder der Engel willen nehmen soll, lehne dann aber dankend ab. In Japan geht das irgendwie besser. Die sitzen dann nicht drei Sekunden später bei einem im Wohnzimmer oder laufen einem seine Einkaufstour lang hinterher.
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