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von Thomas
In den letzten Wochen hatte ich oft das Gefühl, dass sich etwas verändert hat. Erst war mir nicht ganz klar was. Es hatte irgendwie damit zu tun, was wir unternehmen wollten, was wir fürs Wochenende vor hatten usw. Es fehlte etwas.
Inzwischen ist mir klar, was da fehlt: Der ständige Drang auf Entdeckungsreise zu gehen, an jedem Wochenende ein Ausflug zu noch unbekannten Orten in Japan zu unternehmen, hier was auszuprobieren, dort sich was anzuschauen. Natürlich haben wir noch nicht alles gesehen und unser Wunschzettel für Ausflüge ist länger, als das wir sie bis September noch abarbeiten könnten, aber es ist jetzt alles nicht mehr so dringend. Wir haben schon viel gesehen und erlebt, eigentlich viel zu viel, um es alles schon voll verarbeitet zu haben und was jetzt noch kommt, das ist alles noch ein Bonus, aber wenn wir nicht mehr "alles" sehen, dann ist das kein Beinbruch.
Letztes Jahr um diese Zeit haben wir unsere Japanrundreise gemacht, Hiroshima, Kyoto, Osaka und der Fuji und in den Wochen davor und danach sind wir quasi jedes Wochenende irgendwo hin gefahren. Hauptsache raus, irgendwas neues, unbekanntes entdecken.
Und jetzt? Am Samstag waren wir in Mito etwas bummeln, gestern im Kino und dann noch etwas in Tsukuba einkaufen, heute Abend gehen wir wieder zum Sport ins Fitness-Studio, naechsten Samstag ist Grossputz angesagt und am Sonntag kommt unsere Freundin Akapu. Es hat sich verändert, wir gehen ins Kino oder Konzert, treffen Bekannte, machen ein Stadtbummel, gehen zum Sport, Gunda macht Ikebana und Kalligraphie, wir haben inzwischen unsere Lieblingslokale in der Umgebung, Bekannte und Freunde, kurz wir haben einen Alltag. Der ist nicht langweilig und ziemlich voll mit vielen Dingen, aber eben mit viel mehr normaleren Erlebnissen (die natuerlich weiterhin ihre Besonderheit und ihre Andersartigkeit behalten, denn dafuer sorgt einfach die Fremdheit der japanischen Kultur).
Wir sind nun glaube ich endlich in Japan angekommen, wir leben inzwischen in Japan und sind keine Dauertouris mehr, die jede Woche in den Reiseführer schauen und am Wochenende losduesen, um wieder und wieder was neues zu sehen. Wenn wir jetzt einen Ausflug machen, dann weil uns danach ist, weil das jetzt halt gerade passt und nicht mehr, weil wir jetzt in Japan sind und deshalb einen Ausflug machen müssen, weil man ja die Gelegenheit nutzen muss, wenn man nun schon mal hier ist.
Ich denke, das wird uns gut tun, wir werden alles etwas ruhiger und dafür aber bewusster angehen lassen und am Ende mehr von haben, als wenn wir weiter im Dauerlauf durch Japan hetzten.
von Thomas
Japanische Handys sind schon toll, Kameras sind seit Jahren Standard, Internetzugang kein Problem, große, hochauflösende und schön bunte Bildschirmen und neuerdings auch noch Geräte mit 1 Gigabyte und mehr Speicherplatz, die man dann auch locker als mp3-Spieler benutzen kann. Und das Ganze ist auch noch im Vergleich zu Deutschland spottbillig zu haben. Einziger Wermutstropfen ist eigentlich nur das schwache Sendenetz. Oft haben wir keinen Empfang, in unsere Wohnung gibt es z.B. nur sehr wenige Stellen, in denen wir vernünftig telefonieren können. Aber ok, damit kann man leben und bekommt dafür etwas, was in Deutschland noch total nobel ist, hier als Auslaufmodell
hinterhergeworfen (Für unsere Handys hatten wir damals nur symbolisch einen Yen bezahlt...). Entsprechend oft und billig wechselt man hier wohl das Modell, um immer schön auf dem neuesten Stand zu sein.
Aber das hat auch einen Hacken, die Dinger scheinen nicht für eine längere Benutzung ausgelegt zu sein... Meines machte im letzten Oktober schlapp, das Mikro verabschiedete sich langsam, bis es schließlich gar nicht mehr funktionierte.
Und nun passierte mit Gundas Handy genau dasselbe. Erst sporadische Aussetzer und inzwischen fast ein Totalausfall. Heute sind wir dann in Mito in einen DoCoMo-Shop gegangen, um ein neues Handy für Gunda zu kaufen, denn die Garantie ist ja inzwischen abgelaufen. Aber Japan ist halt ein Serviceland: Nach der üblichen Dreiecksverhandlung mit der Verkäufern im Laden und einer Englisch sprechenden Dame am Telefon bekamen wir
kostenlos ein neues Gerät! Da kann man nicht meckern, oder? Einzig das Gunda etwas traurig ist, ihr altes Handy abgeben zu müssen, was hier leider üblich zu sein scheint.
von Thomas
Als ich vor zwei Jahren zum erstenmal nach Japan kam, bin ich mit dem "Friendly Airport Limousine Bus" (heißt wirklich so...) vom Flughafen in Narita nach Tokyo gefahren und dort in Shinjuku ausgestiegen, wo ich abgeholt werden sollte. Da stand ich dann vor einem der riesigen Kaufhäuser und wartete. Natürlich hab ich mich neugierig umgeschaut, konnte aber leider nicht viel rumlaufen, da ich ja dort warten musste. Also hab ich mir die Schaufenster vom Kaufhaus angesehen. Und da ist mir gleich aufgefallen, dass die Schaufensterpuppen überhaupt nicht japanisch aussahen, sondern die Damen hatte alle europäische Gesichtszüge, manche hatten wallende blonde Haare usw. Damals dachte ich noch, vielleicht ist das nur hier in dem Kaufhaus so oder es ist eine besondere Aktion oder sonst irgendwas. Inzwischen ist mir natürlich klar, dass das hier die Regel ist, die Puppen haben fast immer ein europäisches Aussehen. Das gleiche beobachtet man in der Werbung, gerade wenn es um Mode oder z.B. Kosmetik geht, nimmt man oft keine japanischen Modells. Ok, macht vielleicht auch Sinn, die Mode, die sie verkaufen sollen ist ja auch westlich, wenn sie auch anders geschnitten ist, da die Japanerinnen ganz andere Koerperproportionen haben, wie Gunda oft leidvoll feststellen muss. Aber egal, das ist halt so und inzwischen wundern wir uns auch gar nicht mehr darüber.
Nur als wir heute in Mito vor einem Kimono-Laden standen, da ist mir diese Sache doch nochmal bewusst geworden, weil nun die Gruppe Schaufensterpuppen mit Kimonos vor dem Laden nun auch eindeutig keine Japanerinnen darstellten. Und da fragte ich mich dann doch wieder, ob das wirklich Sinn macht...
Heute stand bei Kalligraphie alles im Zeichen des Hina Matsuri, des Mädchenfestes, das jährlich am 3.3. stattfindet und gefühlsmäßig auch ein bischen für die Japaner den Frühling einläutet. Dazu werden für die Mädchen Puppen nach einem bestimmten Schema aufgestellt. Die Mädchen dürfen an diesem Tag ein Schlückchen süßen Sake trinken und bekommen Süßigkeiten. Auch für die Mütter ist es ein Tag zum Treffen. Man trinkt Sake und wünscht sich für das Heranwachsen der Mädchen alles Gute.
Da man ja immer gerne Dinge mit etwas Bekanntem vergleicht, beeilten wir uns, der Schon alleine, weil die deutschen Saufgelage doch um einiges härter sind, als das nette Beisammensein mit einem
Schlückchen Sake... Kalligraphielehrerin den Vergleich zur fast zeitgleichen Weiberfastnacht auszureden. -
Später habe ich mich dann noch mit meiner Bekannten aus dem Fitnesstudio getroffen, die vor ewigen Zeiten mal gleichzeitig mit mir auf dem selben internationalen Zeltlager in Österreich war. Es hat von 1991 bis 2005 gebraucht, bis wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Ich hatte nur ihr T-shirt als zu dem Zeltlager gehörig erkannt.
Es war ein lustiger Abend in einem netten Café. Fortsetzung wird bestimmt folgen...
von Thomas
Wie letztens schon einmal erwähnt, wäre es ja ganz nett (oder im Ergebnis auch durchaus lustig...), wenn man sich die Beiträge hier auch in einer anderen Sprache durchlesen könnte. Da wir aber viel zu faul sind, um das selber zu machen, kommt nur eine automatische Lösung in Frage. Tools dazu gibt es sehr viele, z.B. Babelfish von Altavista. Den hab ich jetzt aber nicht genommen, sondern google's Übersetzungshilfe. Macht eh keinen Unterschied, da beide die gleiche Technik benutzten. Wer also z.B. diesen Beitrag in Englisch lesen möchten, klicke auf den "Permalink" unten und dann auf das britische Fähnchen unten rechts, am Ende des Beitrages. Wer's lieber französisch mag, der klickt bitte auf das französische Fähnchen daneben :)
Demnächst werde ich die beiden Buttons auch noch irgendwo auf der Startseite und den Archiv- Themenseiten platzieren, ich weiß nur noch nicht, wo die beste Stelle ist...
Englisch oder Französisch sind ja ganz nett, aber angesichts des Themas "Japan" wäre eine Übersetzung ins Japanische doch irgendwie sinniger, oder? Wäre es und ich hab sogar einen Anbieter gefunden, der das kann. Aber die Sache hat einen Hacken: Sie kostet was und das nicht zu knapp, weit über hundert Euro im Jahr. Und das ist die Sache dann doch nicht wert. Aber wer es mal ausprobieren möchte, hier der entsprechende Link zum Anbieter:
Einfach "German" und "Japanese" auswählen und den entsprechenden Link angeben und schon heißt es: 日本からのニュース
von Gunda
Ich glaube, dieses Wochenende was das skurrilste, was wir je unternommen und kombiniert haben:
Samstag Stadtbummel und Love Hotel, Sonntag Teezeremonie.
Aber fangen wir von vorne an:
Japanische Wohnungen sind ja tendenziell eher kleiner und nicht so sehr auf Intimsphäre ausgerichtet. Zudem wohnen junge Leute in Japan meist noch lange lange bei ihren Eltern und ziehen oft erst zusammen, wenn sie heiraten, also zwischen 25 und 30, manchmal bis 40 oder länger. Also nutzen junge Paare oder deren Eltern gelegentlich die sogenannten "Love Hotels", in denen man sich stundenweise, oder ab 22h über Nacht einquartieren kann. Das sind also keine gewöhnlichen Stundenhotels, sondern Zufluchtsorte für ganz normale Paare. (Prostitution ist in Japan illegal. - Was natürlich kein Hinderungsgrund ist...) Über Nacht bleiben dann auch gerne Reisende in den günstigen Hotels, denn ab 22h ist es billiger, die ganze Nacht zu bleiben. Unser Reiseführer (und japanische Bekannte) versprach auf dem "Love Hotel Hill" nahe der Tokyoter Station Shibuya Erlebnisse der besonderen (Übernachtungs-)Art: Verrückte Häuser mit noch verrückteren Zimmereinrichtungen, über Enterprise, Tarzan und Jane bis hin zu Mickey Mouse alles, was man sich so vorstellen kann. Und da wir immer schonmal ein ganzes Wochenende in Tokyo verbringen wollten, wollten wir uns diesen kitschigen Spaß natürlich nicht entgehen lassen.
Also schlossen wir unseren kleinen Koffer am Bahnhof ein, bummelten ein bischen durch die Stadt, holten unseren Koffer wieder ab und zogen los, um uns auf die Suche nach dem witzigsten Zimmer zu machen. Ich sah uns schon den ganzen Hügel bis nachts um 2h abklappern und dann todmüde ins Bett fallen, ohne das Zimmer richtig bewundert zu haben, weil wir unsere Neugier kaum würden zügeln können, bis wir alles gesehen hatten. Das ging dann aber doch zumindest schneller als ich erwartet hatte, war aber trotzdem langwieriger als geplant.
Weil alles so diskret ist, sieht man in der Eingangshalle auf einer Leuchttafel, wie die Zimmer aussehen, die noch frei sind. Wenn man eins haben will, drückt man auf den roten Knopf daneben und bezahlt einem meist unsichtbaren Angestellten durch eine kleine Öffnung den entsprechenden Betrag, woraufhin das Zimmer automatisch geöffnet wird oder man einen Schlüssel bekommt. (Die Eingänge sind meist von draußen nicht direkt einzusehen, und auch die Parkplätze sind oft durch Vorhänge diskret gehalten.) Die Zimmer sind alle mit Fernseher, Kabelfernsehen, Video, DVD und meistens mit Karaoke ausgestattet. (Falls man sich dann doch mal zu zweit langweilen sollte...) Manche haben Videokameras, damit man sich selber filmen kann. ;-)
Unser Problem war letztlich ganz anderer Art: Kaum eines der Gebäude sah wirklich von außen originell aus, und die Zimmerbilder versprachen alle biedere langweilige Hotelzimmer. - Das hatten wir uns echt anders vorgestellt, zumal solche Namen, wie "Caribean" oder "South Asia" ja doch etwas Gestaltungsmöglichkeiten der Räume hätten ahnen lassen. Selbst das außen knallbunte Hotel, in dem man sich hätte Videos, Lack, Leder und ein Peitschenset mieten können, hatte nur ganz stinknormale Räume.
Und: Samstags ist es erst ab 24h billiger! Also konnten wir kaum anders, als wirklich fast alles abzuklappern und standen dann trotzdem noch eine halbe Stunde im Halbkalten rum. Bei dieser Tour haben wir wirklich meist nur ganz normale Paare (verschiedenen Alters) gesehen, die, wie wir, auf der Suche nach einem Zimmer waren. (Allerdings ohne Koffer.)
Schließlich haben wir uns für das "Hotel 03" und das "Titanic-Zimmer" entschieden. (In
der Hoffnung, daß das kein Sinnbild für unsere Beziehung darstellt.) Das Zimmer war mit Farbe bemalt, die unter Schwarzlicht leuchtet und mit zwei
Sorten Tapete mit fluoreszierenden Motiven beklebt. - Mehr Kitsch konnte man wirklich nicht verlangen. Es kam aber noch besser:
Die Badewanne war unter Wasser mit einer eingelassenen Lampe mit wechselnden Farben zu beleuchten,
es gab einen Wirlpool und Pfirsich-Badezusatz. (Klasse in Verbindung mit dem Wirlpool.) - Unser Badeschwein hat also auch seinen Spaß gehabt. ;-)
Alles in allem waren wir etwas ernüchtert, und letztlich haben wir wegen des Wochenendes auch noch ganz normale Hotelkosten gehabt. (Nur, daß man in ein normales Hotel
schon früher hätte einchecken dürfen.) Aber immerhin ist uns der Streit "Enterprise oder Tarzan und Jane?" erspart geblieben...
Am Sonntag mußten wir bis 10h raus sein, schlossen unseren Koffer wieder ein, frühstückten in einem Café und verbummelten die Zeit bis zur Teezeremonie noch etwas in der Stadt.
Takuya, Thomas' japanischer Kollege aus Berliner Zeiten, begleitete uns. (Natürlich nur zur Teezeremonie!) Dieses Mal war alles etwas lockerer als letztes Jahr. Trotzdem fand Takuya das ganze eher belustigend reglementiert und war sehr erstaunt, als wir ihm gesagt haben, daß letztes Jahr alles noch viel weniger locker war. Mit Staunen waren wir dann dran, als er uns sagte, das sei die erste Teezeremonie in seinem Leben gewesen. Wir haben also schon an mehr Teezeremonien teilgenommen, als zumindest ein uns bekannter Japaner. - Klasse!
Inhaltlich war natürlich alles wie letztes Jahr.
Danach sind wir noch mit Akapu, die uns eingeladen hatte, und Takuya zu einem Schrein gegangen, der für seine Pflaumenblüten berühmt ist: Dem Yushima-Schrein. Und dort haben wir endlich unsere ersten richtigen Pflaumenblüten des Jahres gesehen. (Ich persönlich mag Pflaumenblüten ja lieber als Kirschblüten, weil die wirklich nach Pflaume riechen und nicht schonwieder nach einem Regen hin sind.)
Später haben wir dann unseren Koffer abgeholt und sind nach Hause gefahren. Auf der Rückfahrt waren wir uns einig: Was für ein merkwürdiges Wochenende!
von Thomas
Mit reichlich Verspätung fangen jetzt die Pflaumenbäume langsam an zu blühen. Gestern hatten wir in Tokyo schon einige gesehen, heute hab ich auch in Tsukuba welche entdeckt. An gleicher Stelle hatte ich allerdings im letzten Jahr ein entsprechendes Bild schon Anfang Januar aufgenommen. Dieses Jahr meldet sich der Frühling nur sehr zögerlich zurück.
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