von Gunda
... benutzen die Japaner für Geschenke, Mitbringsel und Souvenirs.
Und das sagt schon einiges. Souvenirs bringt man z.B. selten für sich mit, sondern eher für andere. Innerhalb Japans bestehen diese zumeist aus regionalen Speisen. Ein besonders eingelegter Fisch, weiße Garnelen, ein besonderes Gebäck, Früchte usw. Auch aus anderen Ländern bringen die meisten Japaner gerne Landestypisches mit.
Wenn es eine Dienstreise war, bringt man den Kollegen eine regionale Süßigkeit mit, wenn es ein privater Urlaub war, bedenkt und beschenkt man einige Familienmitglieder. Wichtig: Es muß immer irgenwo draufstehen, daß es original und typisch ist und wo es herkommt. ;-) (Und die Beschenkten sollten am besten auch wissen, daß man das da kaufen kann.) So kommen unter Umständen so interessante Situationen zustande wie z.B., daß Leute einfach an einem bestimmten Bahnhof aussteigen, da eine Landesspezialität (als Beweis sozusagen) kaufen und dann gleich wieder weiter oder nach Hause fahren. Deshalb gibt es in fast jedem Bahnhof noch vor dem Ausgang alles zu kaufen, was das Mitbringerherz begehren könnte. ... oder auf jedem Berg, an jedem berühmten Wasserfall usw.
Antrittsbesuche bei Chefs, zukünftigen Schwiegereltern und ähnlich zukunftsbeeinträchtigenden Persönlichkeiten werden natürlich auch immer von etwas wertvolleren Geschenken begleitet, die reihenweise von Kaufhäusern gleich für diese Verwendung vorgeschlagen werden.
Weil Obst nicht gerade billig ist, werden auch z.B. gerne Melonen o.ä. verschenkt. Manchmal werden Geschenke einfach ungeöffnet weiterverschenkt, weshalb immernoch die Geschichte von der "wandernden Melone" im Umlauf ist, die zum Schluß völlig vergammelt war und weggeschmissen wurde.
A propos "ungeöffnet": Geschenke werden nie in Anwesenheit des Schenkenden geöffnet. - Das schützt beide Seiten vor Enttäuschung, falls das Geschenk nicht gefallen sollte. (Beim Schenken muß man immer noch dazu sagen, daß es nur eine Kleinigkeit, häßlich und nichts wert ist. Und natürlich, was drin ist in der Verpackung.)
Aber im Prinzip muß man sich beim Schenken in Japan selten Sorgen machen. Es gibt überall Geschenkboxen nett verpackt mit vorallem Süßigkeiten zu kaufen. Normalerweise macht man sich in Japan bei einem Standard-Geschenk relativ selten Gedanken über die Individualtiät. Manchmal zählt, daß man überhaupt etwas mitgebracht hat, manchmal zählt der Preis oder die Marke der Geschenke.
Zum Valentinstag gibt es Schokolade für die Männer, am White Day Süßes für die Frauen.
Als ich einigen meiner Schüler erzählt habe, daß man in Deutschland normalerweise für jede zu beschenkende Person ein Geschenk individuell auswählt, das einen Bezug zum Beschenkten und / oder Schenkenden hat, waren sie ganz erstaunt. Ob das nicht sehr anstrengend sei, fragten sie mich. Ja, natürlich. Aber man bekommt im Laufe der Jahre ja auch irgendwie Übung darin.
Freitag fahren wir nach Deutschland und werden unseren größten Koffer mit Geschenken gefüllt durch das Land transportieren. Ein bischen komme ich mir vor, wie der Weihnachtsmann. Aber mir macht Schenken Spaß. Auch, wenn ich mir schon selber ein Paket zu meinen Eltern schicken mußte, weil nicht alles in den Koffer gepaßt hat.
Das originellste Geschenk, das ich hier in Japan bisher bekommen habe, waren zwei riesige Süßkartoffeln mit viel Erde dran. - Die hatte das Mädchen, dem ich Deutschunterricht gebe, selber zusammen mit ihrer Lehrerin auf deren Feld geerntet.
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