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21. November 05

Matschbacke

von Gunda

Im Moment sitze ich mit Eisbeutel, Matschbacke und einem Weisheitszahn weniger vor dem Rechner.Cimg0389_small

Fazit:

- Beim Zahnarzt zieht man hinter der Tür die Schuhe aus und schlüpft in vorgewärmte Latschen aus der Heizvitrine. (Vielleicht werden die da auch UV-desinfiziert...)
- Im Behandlungsraum steht die Kasse für die Bahandlungskosten. (Wie im Supermarkt...)
- Wenn man mit nur einer Sache kommt, geht man mit zwei anderen noch nötigen Dingen wieder nach Hause.
- Zahnziehen hat was Martialisches. (Ich durfte das Teil mitnehmen!)
- Das Lätzchen ist aus Stoff, der Mundausspülbecher aus Metall.
- Manchmal kommt es teurer als man denkt. (Aber längst nicht so teuer wie in Deutschland.)
- Alles herrlich unbürokratisch.
Cimg0390_small- Eisbeutel aus dem 100-Yen-Shop sind toll, aber man kann sie nicht wiederverwenden.
- Japaner scheinen ihren Schmerz nicht so zu zeigen. Jedenfalls waren alle erschreckt über meine Reaktionen.
- Toll: Ich muß nicht leiden, weil hier lieber einmal zu viel als einmal zu wenig Schmerzmittel genommen wird.

"Mein" Zahnarzt ist einer meiner Deutsch-Schüler. Ich habe ihm gedroht, daß ich ihm falsches Deutsch beibringe, wenn was schiefgeht.  ;-)  Aber das hier scheint einfach der ganz normale Wahnsinn zu sein...

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Kommentare

Noga

Hallo Gunda,

erst einmal gute Besserung.
Du schreibst, es ist viel billiger als in Deutschland. Muß man Zahnbehandlungen total privat bezahlen. Gibt es ein Krankenversicherungssystem?

Viele Grüße

Noga

Thomas

Hallo Noga!

Das Krankenversicherungssytem in Japan ist ganz anders als in Deutschland. Standartmaessig ist es so, dass man 1/3 der Kosten selber traegt, 2/3 zahlt der Versicherer. Das hoert sich erstmal nicht so gut an. Aber man muss bedenken, dass die monatlichen Beitraege viel, viel niedriger sind als bei uns. Fuer alle Sozialversicherungen zusammen, zahle ich weniger als 10% meines Gehalts. Da zahle ich alleine fuer die Krankenvesicherung in Deutschland mehr. Hinzukommt, dass die Kosten pro Arztbesuch viel niedriger sind, als in Deutschland. Eine normale Behandlung kostet etwa 20 Euro, wovon man dann eben 7 Euro selber zahlt.

Wenn dann bedenkt, dass man ja in Deutschland inzwischen auch einige Kosten selber tragen muss (z.B. die Praxisgebuehr), dann kommt ein Durchschnitsmensch in Japaner sehr viel billger davon als bei uns zu hause.

Wie das ist, wenn man ein Krankheit hat, sie eine intensive Behandlung erfordert, evtl. Operationen usw., weiss ich nicht, gerechnet ueber die Lebensarbeitszeit, duerfte man aber auch da noch deutlicher billger davon kommen.

Im Notfall kann man aber auch Zusatzversicherungen abschliessen, so dass dann alle Kosten vom Versicherer getragen werden.

Bei Gunda ist alles leider etwas komplizierter. Sie ist ja hier nicht fest angestellt, ist also nicht versichert, sondern muss ihre deutsche Versicherung in Anspruch nehmen. Das ist etwas umstaendlich, vor allem muesse wir erstmal immer alle Kosten selber tragen, die Rechnungen dann nach Deutschland schicken und bekommen dann irgendwann die Kosten rueckerstattet. Das dauert aber und wir meussen da immer einiges ueber lange Zeit vorstrechen.

Gunda

Trotzdem das hier für den Durchschnittsmenschen billiger ist, gehen die Leute nur zum Arzt, wenn sie wirklich was haben. "Self Medication" ist total im Trend. Im Prinzip kann man gegen fast alles (außer vielleicht gegen Weisheitszähne) was in der Drogerie frei kaufen.
Hier wird auch schnell mal zu viel genommen, weil ja ständig alles angeboten wird. Andererseits habe ich immernoch die Theorie, daß die Lebenserwartung der Japaner eben deshalb höher ist, weil sie sich eben NICHT so quälen, wie z.B. die Deutschen mit ihrem Anti-Chemie-Wahn.

Ortrun

Steile These, dass es der Anti-Chemie-Wahn ist, was die Deutschen zu Tode stresst...

Gunda

Erwiesen ist zumindest, daß das Gehirn darunter leidet, bzw. schneller altert, wenn es zu viele Schmerzen (und damit Streßhormone) verarbeiten muß. Der Körper hat so etwas wie ein Schmerzgedächtnis. Zu viel "ausgehaltener" Schmerz läßt den Körper (auch wieder durch zu viele Streßhormone) verfallen. Das sammelt sich im Laufe eines Lebens an.
Ich sage ja nicht, daß möglichst viel Chemie besonders gut ist. Wie bei allem ist wohl das Mittelmaß am besten.

Thomas

Ein anderer Punkt: Unter den Industrienationen ist Deutschland wohl das Land, in dem Oeko- und Gesundheitswahn am staerksten ausgepraegt sind, waehrend Japaner sich nach deutschen Maßstaeben in dieser Hinsicht ziemlich daneben benehmen. Aber unterm Strich bleibt: In Deutschland sind die Leute besonders kraenklich (wenn man sich mal die aufgewendeten "Wiederherstellungkosten" anschaut) und sie werden nicht besonders alt. Die Japaner sind dagen bis ins hohe Alter topfit und haben eine viel, viel hoehere Lebenserwartung...

Ortrun

Die Klischee-Japaner sind doch ein Idealbild der Gesundheitswahnsinnigen: Kein Alkohol, kein Nikotin, kein Übergewicht, keine Sonnenbank, wenig Fleisch, viel Fisch, gelassen und lächelnd in Harmonie mit der Natur... Unglaublich beliebt sind hierzulande auch alle Arten von (pseudo-)asiatischen Mittelchen, vielleicht fällt es mir jetzt besonders auf, aber die boomen überall im Gesundheits- und Kosmetikbereich. Mit öko hat das natürlich nichts zu tun.

Thomas

Mit dem Alkohol waere ich vorsichig... Und ob eine Sonnenbank nicht gesuender ist, als immer unter der japanischen Sonne zu leben, weiss ich auch nicht (die Japaner scheuen sicher nicht nur aus aesthetischen Gruenden die Sonne so sehr...).

Aber zum Klischee-Japaner gehoert auch noch kein Urlaub, Stress durch zuviel Arbeit, Stress durch Gruppenzwaenge usw. Alles nichts, was die Gesundheit gerade foerdert.

Und was man in Deutschland nachmacht, ist ja nix Halbes und nix Ganzes.

Gunda

Ich hab noch den anderen Japan-internen "Klischee-Japaner" zu bieten:
Bis vor ein paar Jahren galt es noch als gesellschaftlich notwendig, sich TÄGLICH (unter Männern) mit den Kollegen nach der Arbeit zu betrinken. Frauen hungern sogar während der Schwangerschaft, um nur ja kein Gramm zu viel am Körper zu haben. Diätmittelchen boomen in keinem anderen Land der Welt so sehr wie hier. Sonne wird panisch gemieden und sogar alle möglichen Cremes mit Weißmacher benutzt, um einem Idealbild von weißer Haut näher zu kommen, was der Haut definitiv schadet. Ohne Sonne kann der Körper auch keine Vitamine bilden. Hier wird unheimlich viel Fleisch und ganz wenig Gemüse gegessen. Und die "Harmonie mit der Natur" sieht so aus, daß man sie sich um jeden Preis Untertan macht. Lächeln ist anerzogen, macht also auch noch Streß, wenn man es muß, obwohl einem nicht danach ist.
Und was die propagierten Mittelchen angeht, so müßten die Japaner denken, die Amerikaner und Deutschen wären die gesünderen Menschen. Aus diesen Ländern werden hier nämlich Gesundheitssachen zu hauf angepriesen. - Hauptsache aus dem Ausland, sag ich da nur...

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