Heiliger Totalschaden!
Ich bin ganz ahnungslos mit Ortrun zum Ushiku-Daibutsu gefahren. Erstmal keine große Sache, wenn man mal von den seltenen Fahrzeiten des Busses absieht.
Besonders toll war, daß Ortrun beeindruckt war und wir gleich angefangen haben, ganz viele Fotos zu machen. Gleich am Eingang gab es eine Fotowand mit aufgemalten Daibutsus, in die man seine Hände und seinen Kopf stecken konnte, um sich als Buddha fotografieren zu lassen. Erstmal haben wir uns gegenseitig fotografiert, dann noch ein Ehepaar. Das wollten wir dann auch. Beide auf dem Bild wäre ja noch viel toller. Also habe ich der Frau meine Kamera gegeben. Ist ja auch in Japan normal, irgendeinem Fremden seine Kamera zu geben, um ein Foto von sich machen zu lassen.
Doch kaum waren wir an der Fotowand angekommen, ließ die Frau meine Kamera fallen. Die knallte mit der Kante des Objektivs auf den Steinboden und regte sich anschließend nicht mehr. - Totalschaden. Zum Glück war die Speicherkarte unbeschädigt.
Der Frau war das Ganze natürlich total peinlich. Sie konnte auch nur Japanisch. Trotzdem habe ich verstanden, daß sie mit mir die Adressen austauschen wollte. Offenbar wollte sie auf irgendeinem Weg die Kamera ersetzen. Da das ein Auslaufmodell und schon etwas älter war, wäre eine Schätzung durch eine Haftpflichtversicherung wirklich ein schlechtes Geschäft für uns gewesen.
Wir haben also die Adressen ausgetauscht, wobei ich ungefähr dreimal erklären mußte, daß diese japanische Adresse wirklich meine Adresse ist.
Kaum waren wir am Daibutsu angekommen, klingelte mein Handy. Die Frau war dran und fragte, wo wir sind. Ich habe versucht, es ihr zu erklären, war mir aber nicht sicher, ob sie uns finden würde. In der Zwischenzeit habe ich Yukie zum Dolmetschen angerufen. Kurze Zeit später tauchte die Frau auf der anderen Seite des Gelände-Zaunes auf. Ich rief Yukie nochmal an, und nach einmal Hin-und-Her stellte sich heraus, daß die Frau mir den Kamera-Preis sofort in bar geben wollte. Ich war ziemlich überrascht; aber sie wollte es wohl so schnell wie möglich vom Tisch haben. Da mir Thomas kurz vorher noch am Telefon gesagt hatte, wie teuer die Kamera damals war, habe ich diesen Preis aufgeschrieben. Sofort holte die Frau ihr Portemonnaie raus und drückte mir einige Scheine in die Hand. Mehr als den aufgeschriebenen Betrag. Wechselgeld lehnte sie aber ab und entschuldigte sich noch tausendmal bei mir.
Sehr gerührt und aufgeregt machten Ortrun und ich uns an die Besichtigung des Daibutsus.
Und Samstag wird das Folgemodell unserer Kamera (viel toller als die alte) gekauft. Ganz wohl ist mir dabei immernoch nicht. Aber ich glaube, daß das vorallem für die Frau die angenehmste Lösung war.


Es ist nicht ganz einfach, von den SEHR seltenen Fahrzeiten und der ziemlich langen Fahrdauer des Busses abzusehen...
Der Daibutsu ist wirklich riesig, und der Aufzug ist ein tolles Spektakel, aber beeindruckender und größer und schöner bleibt mir die Anständigkeit dieser japanischen Frau in Erinnerung. Gerade weil ich mir vorstellen kann, dass ihr Verhalten auch etwas mit ihrer Kultur zu tun hat.
Kommentiert von: Ortrun | 25. Oktober 05 um 19:36
Naja, gut, das mit dem Bus war doof... Aber sich mit dem Fahrrad auf dem Rückweg verfahren, weil ich nicht zurückgefunden hätte wäre eindeutig NOCH blöder gewesen.
Japaner können schon auch ziemlich asozial sein. Aber klar; diese Anständigkeit hat was mit der Kultur zu tun. Ganz ohne eigenen Charakter geht's bei sowas dann aber auch nicht...
Kommentiert von: Gunda | 25. Oktober 05 um 20:17