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01. Oktober 05

Feuerwerk

von Thomas

Zweites Jahr, erster Tag... Feuerwerk in Tsuchiura. Als wir vor einem Jahr hier ankamen, empfahl uns jemand, doch nach Tsuchiura zum nationalen Feuerwerkswettbewerb zu gehen. Das fiel dann leider aus, weil Gunda sich den Knöchel verknakst hatte und wir statt zum Feuerwerk, ins Krankenhaus gefahren sind. Aber dieses Jahr haben wir es nun geschafft!

Cimg8945_smallDrei Stunden Feuerwerk waren angesagt, von 18:00 Uhr bis 21:00 Uhr (ja, um 18:00 Uhr ist es hier um dieses Jahreszeit schon stockfinster, selbst im Sommer ist ja um Acht schon alles dunkel. Das ist so eine Sache, an die ich mich nicht so recht gewöhnen kann). Jedenfalls dachten wir, wenn wir 2 Stunden vorher losfahren, schaffen wir das locker, ist ja nur eine Station mit der Bahn. Pustekuchen! Den ersten Zug mussten wir wegfahren lassen, weil wir schlicht nicht mehr hineinpassten... Beim naechsten hatten wir Glück, dass wir gleich als erste anstanden. Im Zug standen wir dann zusammengequetsch und völlig bewegungsunfähig. Da ja ich ja noch nie zum Berufsverkehr in Tokyo war, war das ein ganz neues Erlebnis für mich, so voll hatte ich die Zuege hier auch noch nicht erlebt. Cimg8956_smallUnd in Tsuchiura strömte dann die ganze Masse Menschen aus dem Zug auf den Bahnsteig und stand sofort wieder. Da alle Leute durch die gleichen Sperren müssen, um ihre Fahrkarte abzugeben, geht das natürlich entsprechend langsam. Als wir die Treppe hoch ins Bahnhofsgebaeude erreicht hatten, kam dann auch schon der naechste Zug... Insgesamt hat es bestimmt 20 Minuten gedauert, bis wir durch die Sperren durch waren und dann im überfüllten Bahnhofsgebaeude nach Roland und Petra Ausschau gehalten haben. Eigentlich hatten wir uns mit denen verabredet, aber es war hoffnungslos und wir haben uns dann mit der Menge zum Ausgang drängen lassen. Und sind dann gleich zum Sakuragawa gegangen, dem Fluss, der durch Tsuchiura fließt und an dessen Ufer das Feuerwerk stattfinden sollte.

Cimg8968_smallAm Fluss bot sich dann das erwartete Bild, tausende von Menschen strömten am Ufer lang, an dem sich eine endlose Reihe der typischen japanischen Fressbuden entlang zog. Da gibts dann gegrillten Tintenfisch und Haehnchenfleisch, Yakitori-Spieße und sonstiges aufgespießtes Fleisch, Grillfisch und Takko-Balls (Tintenfisch-Teig-Baellchen), Shaved-Eis und Crêpes, Zuckerwatte gibt es auch und selbst ein paar Doenerbuden gab's. Okonomiyaki und Yakisoba darf natürlich auch nicht fehlen :)

Cimg8991_smallUnd am Flussufer dann ein Meer von blauen Plastikplanen mit ganz vielen Japanern drauf. Was bei uns Picknickdecke, Isomatte oder Strohmatte ist, das ist hier eben die blaue Plastikplane, sei es zum Hanami im Frühling, im Sommer am Strand oder die Zelte der Obdachlosen, wenn Japaner was im freien machen, dann gehört die blaue Platikplane einfach dazu. Wir dagegen hatten nur zwei Miniklappstuehle, auf denen wir uns dann mitten unter die Leute mischten. Erst hatten wir, wie sich später herausstellte, einen blöden Platz erwischt, ein Hochhaus verdeckte zum Teil die Sicht aufs Feuerwerk, aber als wir dann ein paar hundert Meter weiter gelaufen sind, hatten wir dann optimale Sicht: Cimg9015_smallDirekt hinter einer Brücke bzw. ein direkt am Ufer gingen die Raketen hoch und wir konnten es in vollen Zuegen genießen. Die naechsten Stunden bestanden dann nur aus Feuerwerk schauen, Photos machen (zum Glück hatte ich mein Stativ dabei) und Essen.. 3 Stunden lang, ein wirklich grandioser Anblick. Etwas ähnliches hatte ich bisher höchstens mal im Fernsehen gesehen, aber allein schon die Länge von drei Stunden war gewaltig, wenn's hoch kommt, gibt's bei uns mal eine halbe Stunde Feuerwerk. 

Cimg9048_smallUnd ansonsten? Für mich ist es immer wieder auch interessant, die Japaner selbst zu beobachten und dann zu vergleichen, wie so was wohl in Deutschland ablaufen würde. Die meisten Zuschauer waren junge Leute und trotzdem ging alles ganz ruhig vor sich, kein großes Geschrei, keine Hektik, keine Unruhe. Entweder saßen die Leute auf ihren Planen oder kauften sich was zu essen. Schauten gebannt auf's Feuerwerk, oft gabs erstaunte "Ahs" und "Ohs", manchmal auch Applaus. Ein paar Westler bestätigten gleich mein Vorurteil und liefen mit Tüten voller Bierdosen herum, dann schaute ich mich um, und sah junge Japaner, wie sie grünen Tee tranken... Cimg9051_smallIch kann mir nicht helfen, irgendwie finde ich solche Veranstaltungen in Japan angenehmer, als bei uns. Typisch ist auch der Umgang mit dem Müll: Selbst die Teenies packten alles feinsaeuberlich in Plastiktüten ein und nahmen es dann mit. Angesichts der Menge Menschen war der herumliegende Müll fast vernachlässigbar, in Deutschland brauch es keine Großveranstaltung, damit an einem Flussufer soviel Müll herumliegt... (Peinlicherweise, mussten wir unsern Müll auch dalassen, wir hatten natürlich nicht an eine Muelltuete gedacht und, auch typisch Japan, es gab nirgendwo Mülleimer).

Cimg9068_smallDer Rückweg war dann ähnlich, wie der Hinweg. Die Masse Mensch schob sich nun Richtung Bahnhof und bildete an dessen Eingang einen riesigen Pfropfen. Wir sind dann erst noch in ein Kaufhaus, aber es wurde nicht besser, im Gegenteil, als das Kaufhaus zu machte, sorgte das nur für einen neuen Schub Menschen, der in den Bahnhof wollte. Zum Glück geht solch ein Chaos in Japan immer recht zivilisiert ab, die Menschen warten recht geduldig, man wird nicht dauernd von Hinten gestoßen und geschubst, niemand regt sich auf, man braucht keine Angst haben, dass einem einer die Taschen ausräumt, kurz, man kann in Ruhe abwarten, wie es weiter geht. Der Zug war dann zum Glück nicht ganz so voll, wie auf dem Hinweg. Interessanterweise, schleppten selbst im Zug noch einige Leute ihre Muelltueten mit sich rum... :)

Kurzvideo Feuerwerk Tsuchiura 1

Kurzvideo Feuerwerk Tsuchiura 2

Kurzvideo Feuerwerk Tsuchiura 3

Kurzvideo Feuerwerk Tsuchiura 4

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Kommentare

Gunda

Es wäre vielleicht noch ganz interessant, zu erwähnen, daß es sich bei dem Feuerwerk um einen japanweiten Wettbewerb gehandelt hat.

Thomas

Ach ich weiss doch... Hab eh die Haelfte vergessen...

Die ganze Veranstaltung ist der Hoehepunkt der sommerlichen Feuerwerkssaison. Die besten Feuerwerker Japans kommen hier nocheinmal zusammen und zeigen, was sie koennen. Und das ist in der Tat beeindruckend.

Was mich aber neben dem ganzen Optischen auch sehr beeindruckt hat, war die Akustik. Die Explosion der Raketen hoerte man natuerlich immer etwas zeitverzoegert, aber der Fluss verstaerkte den Schall noch und so manches mal war es schier ohrenbetaeubend. Hinzu kamen dann noch die Echos der Explosionen, die zwischen sich den hin und her windenden Flussufern immer wieder reflektiert wurden. Das war schon grandios!

Nana

Sorry, wenn etwas in Japan herumliegt, dann ist es Müll. Augenscheinlich tragen es die Japaner mit sich herum und packen es eben zusammen. Aber selbst hinter den Tempeln oder Schreinen in gewissen Ecken findet sich das Zeugs dann wieder. Ich habe schon Strände gesehen...das hatte apokalyptische Ausmaße. Im Müllverstecken ist man hier sehr gut. Ausserdem produziere ich hier drei Mal so viel Müll wie in Deutschland. Obwohl ich mich wirklich anstrenge. In Bereich Müll können wir sicherlich nichts von Japan lernen. Grüße Nana

Thomas

Ich weiss nicht, dass hab ich bisher nicht beobachtet. Der Strand in Oarai z.B. war ziemlich sauber. Dort gab es einige Sammelstellen, da tuermte sich der Muell, aber es sah nicht nach wilden Muellkippen aus oder nach Muellverstecken. In Mito hatten wir uns nach dem Matsuri das Aufraeumen angesehen. Da wurde von den Leuten der ganze Muell in grosse Plastikbeutel gepackt und an den Strassenrand gestellt. Eine halbe Stunde nach dem Ende des Festes, sah man auf der Strasse keine Spuren mehr davon.

Und auch so, wenn ich mich umschaue, dann liegt hier einfach weniger Muell auf der Strasse oder am Strassenrand rum. Keine mit Zigarettenkippen und Kaugummis uebersaeten Bahnhoefe oder Bushaltestellen, Teiche sehen nicht aus, wie schwimmende Muellkippen (da hab ich in Deustchland schon welche mitten in der Stadt gesehen, bei denen man vor Muell kaum noch Wasser gesehen hat).

Was anderes ist das Problem der Muellproduzierung. Die vielen Platisktueten, das doppelt und dreifach einpacken von Lebensmitteln (wenn das auf Grund des Klimas auch sicher oft notwendig ist), usw. Da sieht es in Japan sicher nicht gut aus.

Was, wenn man unterwegs ist, stoert, dass ist das fehlen von Muelleimern. Wenn nicht grade ein Laden in der Naehe ist oder man am Bahnsteig steht, dann weiss man oft nicht wohin mit all dem Zeug. Aber wenn man dann mal einen Muelleimer findet, dann ist der wenigstens in Ordung, haengt nicht halb abgerissen irgendwo rum oder hat im Boden ein grosses Loch, weil ihn ma wieder jemand angezuendet hat...

Nichts ist perfekt und in Sachen Muellvermeidung, kann man hier sicher sehr viel tun, aber soweit ich es beobachten konnte, versauen die Leute hier wenigstens nicht so hemmungslos die Gegend mit ihrem Abfall.

Gunda

Ich seh vielleicht etwas mehr Müll als Thomas, aber bestimmt nicht so viel wie Nana. Und es gibt auch viel mehr Aufräumer.
Das mit der Müllvermeidung ist so eine Sache: Ich möchte ehrlich gesagt lieber mehr Müll machen, als feuchte Kekse essen oder Kakerlaken im Brot haben. Auch daß Häuser eher abgerissen als renoviert werden, liegt eher am Wetter. Aber schließlich sind wir ja europäisch erzogen worden; da sind das Wetter und die Tiere eben anders. Na klar wäre das eine tolle Ausrede für die Japaner, die sich dadurch ans Müllmachen gewöhnt haben. Ein Mittelweg würde mir gut gefallen.

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