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« August 2005 | Start | Oktober 2005 »

30. September 05

Kanjis malen

von Thomas

Cimg8936_smallHeute hatte ich frei und bin mit Gunda zu ihrer Frauen-Kanji-Malgruppe gegangen. Kanjis malen, oder vornehmer ausgedrückt, Kalligraphie, macht mir sehr viel Spaß, wie alles, was mit diesen Schriftzeichen zu tun hat. :)

Die Gruppe besteht neben Gunda noch aus zwei deutschen Frauen und der Kalligraphielehrerin, natürlich einer Japanerin, und so war ich dann ganz der Hahn im Korb.

Cimg8937_small_1Mir hat die Sache einfach nur viel Spaß gemacht. Bei meinem Sprachkurs am Japonicum in Bochum hatten wir auch mal etwas Kalligraphie gemacht und so stellte ich mich nicht ganz doof an und die Resultate sind ganz passabel (Die 'amazing'-Rufe der Lehrerin darf man wohl nicht allzu ernst nehmen...). Erstmal war Punkte und horizontale Striche malen angesagt, danach dann das Zeichen für '10', eine horizontaler und vertikaler Strich. 'kawa' bedeutet Fluss, und besteht aus drei unterschiedlichen vertikalen Linien und 'hito' heißt Mensch und wie das aussieht, sieht man auf dem Bildchen hier. Das rote ist eine 'nice mark', wie es die Lehrerin nannte. Eigentlich werden mit diesem Zeichen, Arbeiten in japanischen Grundschulen ausgezeichnet. Aber das passt ja, die Zeichen, die wir gemalt haben, lernt hier ja auch ein Erstklässler... :)Hito_medium

29. September 05

Rückschau auf ein Jahr Japan II: Leben in Japan

von Thomas

Unser Dasein hier in Japan besteht ja nicht nur aus Arbeit, wir leben ja auch einfach hier. Und daher nun ein Rückblick auf das erste Jahr unseres Lebens hier Japan. Leben in Japan, das wollten wir so nah und echt wie möglich erleben, und so war es für uns von Anfang an klar, dass wir nicht in eines der für Wissenschaftler extra eingerichteten Wohngethos wollten, sondern irgendwo in einem ganz normalen japanischen Mietshaus mit japanischen Nachbarn leben wollten. Ansonsten hätten wir ja auch in Neukoelln wohnen bleiben können, da gibts ein ähnlich buntes Voelkergemisch.

Jetzt leben wir also seit fast einem Jahr (den ersten Monat hatten wir ja im Gästehaus des Instituts verbracht) in Ami-machi, ganz in der Nähe der Bahnstation Arakawaoki. Und wir haben es bisher nicht bereut. Wir leben hier mitten unter Japanern, Ausländer sind hier so selten, wie Palmen am Nordpol. In den Geschäften, Restaurants, der Post, am Bahnhof usw. sprechen alle nur Japanisch, natürlich auch unsere Nachbarn oder unsere Vermieterin. Aber es geht, es hindert uns letztlich nicht daran, alles zu bekommen was wir wollen, wenn es auch nicht einfach ist. Dafür kann man sehr viel beobachten, aus dem ganz normalen japanischen Alltag, die brummigen Männer, die Morgens ganz früh aus dem Haus gehen und abends spät nach Hause kommen, die Hausfrauen, die quatschend auf der Straße stehen, wenn ich zur Arbeit fahre, die Kinder, die einen neugierig ansehen oder auch mal ganz mutig ansprechen und dann ganz perplex sind, wenn man ihnen antworten kann. Man sieht, was die Leute im Supermarkt so kaufen (der ganze Supermarkt ist schon Erlebnis für sich, mit seiner Unruhe, der Musik, dem Durcheinander von Ansagen, die Fischabteilung, mit ihren Unmengen an merkwürdig aussehenden Meerestieren, usw.), was im Restaurant gegessen wird, man sieht Leute beim Joggen oder Walken, manchmal mitten in der Nacht, man kann die Mode der Jugendlichen studieren, was Kinder so spielen, man sieht alten Leuten bei ihrer Freizeitbeschäftigung zu (besonders beliebt ist hier Croquet), da gibts dem Mann vom Fahrradladen, der auch Gemüse verkauft, den Opa, der immer hinter der Scheibe von seiner Verandatuer hockt, die Leute, die jeden Tag ihre stoffbezogene Klobrille zum trocknen nach draußen legen, die ganzen kleinen Laedchen und Geschäfte, die bunten Haeuser, manche in pink oder türkis, orange ist auch beliebt, meist einfach aus Plastik- oder Aluprofilen bestehend, dazwischen dann ein altes, verrottetes japanisches Holzhaus, an das dann wieder eine große Villa grenzt, die neben einem mehrgeschossigen Mietshaus steht und mitten drin, ein kleiner Schrein. Kurz, ein kunterbuntes Durcheinander an ganz verschiedenen Eindrücken, eine ständig sprudelnde Quelle an neuen Erfahrungen und Anregungen und wir mittendrin...

Am Anfang hatte man ständig das Gefühl, das man auffällt, angestarrt wird, wenn es auch nur Kinder waren, die mit offenem Mund stehen blieben und einen mit großen Augen ansahen, aber auch von den Erwachsenen fühlte man sich immer etwas beobachtet. Das Gefühl habe ich inzwischen nicht mehr so sehr. Zu selbstverständlich und normal ist vieles geworden. Man kennt seine Wege, weiß, wo was ist, muss nicht mehr suchen und entdeckt trotzdem immer noch was neues. Was kann es besseres geben?

Zwischendurch war ich aber sogar einmal darüber erschreckt, wie schnell man sich an seine Umgebung gewöhnt, das Gefühl, fremd zu sein, geht bei vielen Dingen doch durch Routine verloren, z.B. beim täglichen Weg zur Arbeit, wenn man immer an den gleichen Orten vorbeikommt, bekommt alles Normalität und Vertrautheit. Das ändert sich natürlich sofort, wenn man direkten Kontakt mit seiner Umwelt aufnehmen muss, nicht nur das wir schon rein optisch immer als fremd zu identifizieren sind, die Sprachbariere ist einem ständig bewusst. Man kann vieles nicht lesen, wenn man jemanden fragt, ist das immer ein Problem. Kommunikation ist hier nie unproblematisch, sie macht einem ständig bewusst, dass man hier fremd und ein Außenseiter ist.

Und so leben wir zwar mitten unter Japanern, aber wir leben nur sehr begrenzt mit ihnen, wir sind Beobachter (und Beobachtete), aber wir sind nicht wirklich ein Teil  des  alltäglichen Lebens. Und das, was wir beobachten können, ist fast ausschließlich auf das öffentliche Leben beschränkt, das private Leben der Japaner ist für ganz weit weg.

Zwar haben wir einige japanische Freunde, aber die stammen eben aus Tokyo und so läuft der Kontakt fast nur über e-mail. Ab und zu sieht man sich mal, aber das ist dann letztlich doch die Ausnahme. Jedenfalls für mich. Bei Gunda sieht das etwas besser aus, da sie durch ihre Privatstunden doch viel dran ist, an japanischem Alltagsleben und davon viel mehr mitbekommt. Daran wird sich auch wohl nicht viel ändern, da müsste uns schon über Nacht die Gabe zufliegen, perfekt Japanisch sprechen zu können.

Was sonst noch? Natürlich unsere Wohnung. Damit haben wir wirklich Glück gehabt. Sie ist schön groß und billig, sauber (nicht eine Kakerlake hatten wir!), nicht zu warm und nicht zu kalt, manchmal haben wir wegen der hohen Luftfeuchtigkeit etwas Schimmel, aber im Vergleich zu dem, was wir schon von anderen gehört haben und auch selbst gesehen haben, ist das nicht der Rede wert. Und inzwischen haben wir uns auch so richtig gemütlich eingerichtet. Die Wohnung hat kaum noch etwas provisorisches, was ich ja eigentlich vorher befürchtet habe. Und wenn wir in einem Jahr dort rausmuessen, dann wird mir das zumindestens sehr schwer fallen.

Schwer fallen... Die Wohnung ist da nicht das Einzige, was ich vermissen werde. Wenn es auch immer wieder viele Schwierigkeiten im Alltag gibt, so ist doch Japan einfach ein Land, in dem das Leben sehr bequem ist. Nur z.B. die Post. Ist man bei einer Paketlieferung nicht da, dann bekommt man ein Kärtchen und da schreibt man drauf, wann es einem denn passen würde und dann wird einem das Paket gebracht. Und dieser Service findet sich eigentlich überall. Dazu sind die Leute sehr freundlich und hilfsbereit und vor allem sehr geduldig mit uns Ausländern. Wenn ich da schon wieder an die mürrischen Gesichter deutscher Verkaeuferinen denke, an die ständigen Hinweise, das etwas nicht geht, usw. Hier geht auch vieles nicht, aber wenigstens entschuldigt man sich dann dafür...

Kurz, Leben in Japan finde ich sehr angenehm und das wiegt manches, was man sonst an Schwierigkeiten hier hat, wieder auf. Aber trotzdem, zwei Jahre sind da auch genug, denn irgendwann will man ja dann doch wieder in die vertraute Umgebung zurück, sich wieder ohne Probleme unterhalten können, aber es wird nicht so einfach werden und das Heimweh nach Japan wird vielleicht größer sein, als jetzt das Heimweh nach Deutschland, denn ich weiß ja jetzt, dass ich wieder dorthin zurückgehen werde, aber in Japan leben, werde ich nie wieder. In vielerlei Hinsicht kein angenehmer Gedanke.

28. September 05

Wider der Stromverschwendung

von Thomas

Vor etwas mehr als einem Monat hat das AIST sein Herz für die Umwelt entdeckt und seine Mitarbeiter zum stromsparen verdonnert (s. hier). Seitdem gibt es zweimal täglich Durchsagen, die zum Abschalten von Licht im Büro auffordern, wenn man es verlässt, Poster an Türen, die einen ermahnen, das Licht und unbenutzte Computer zu abzuschalten, es gibt in jeder Gruppe Oekobeauftragte, die die Erfolge schriftlich festhalten sollen, es gab eine Rundmail, dass derjenige, der Abends als letzter das Büro verlässt, Licht und Klimaanlage abschalten soll und seit neuestem, werden große Teile der Stromversorgung an Wochenenden und Feiertagen abgeschaltet und auf eine Art Notbetrieb umgestellt, denn offiziell arbeitet dann ja niemand (wenn die wüssten...).

Diese Erziehungsmassnahmen zeigen auch erste Wirkungen: In den Laboren wird das Licht jetzt immer ausgemacht, in der Mittagspause wird im Büro ebenfalls das Licht ausgemacht (wenn man allerdings die Jalousien etwas öffnen würde, bräuchte man es tagsüber erst gar nicht anmachen...) usw. usw.

Alle direkten Hinweise werden treu und brav befolgt. Das Netzteil vom tagelang nicht benutzten Laser? Davon war in der Durchsage nicht die Rede, warum es also abschalten? Pumpen? Hat jemand was davon gesagt, man soll Pumpen abschalten? Noe...

Das ist eben das Problem, die Leute haben nicht wirklich plötzlich die Einsicht gewonnen, dass es sinnvoll ist, Energie zu sparen, sondern man macht nur auf Punkt und Komma genau, was einem gesagt wird. Was darueber hinaus gehen würde, wird nicht gemacht. Also werden Lampen ständig an und aus gemacht (die Hersteller wird es freuen) und die die großen Energiefresser laufen sinnlos weiter. Natürlich wird man am ende stolz sagen können, dass man zig Kilowattstunden an Strom gespart hat, aber das eigentliche Potential an Sparmaßnahmen wird gar nicht ausgeschöpft, aber das würde eben auch viel Initiative jedes einzelnen Mitarbeiters erfordern....

27. September 05

Wie's um's Visum steht

von Gunda

Da hab ich schon mehr als einmal neidisch auf den großen Glückskeks an meiner Seite geguckt. So einfach geht das: Vertrag und Antrag auf Verlängerung abgeben, und schon hat man ein Visum für ein weiteres Jahr im Paß.

Und bei mir?
Antrag auf Verlängerung abgewiesen. Grund: Ein Working Holiday Visum gilt nur für ein Jahr und wird nur einmal im Leben erteilt. Mögliche Lösung: Einen neuen Status beantragen. Als was? Was mache ich? Kultur- und Sprachunterricht. Also: "Human / International Expert". (Klingt toll, oder?) Einen Teilzeitvertrag habe ich auch, kann also nachweisen, daß ich gebraucht werde, und im Notfall bürgt Thomas für mich.
Fehlanzeige! Es kann nur ein Japaner für mich bürgen, und ein Teilzeitvertrag reicht nicht aus, um meinen Lebensunterhalt zu garantieren. Abgesehen davon habe ich keinen Hochschulabschluß, müßte also mindestens 10 Jahre Berufserfahrung nachweisen. Hilfe!!! Was nun?
Neben dem Grübeln nach Lösung fühle ich mich zurückgewiesen und bin drauf und dran, das Handtuch zu werfen und einfach nach Deutschland zurückzugehen. Zum Schluß siegt die Vernunft, und ich fange an, zu kämpfen.
Heiraten wollen wir in Deutschland; das scheidet aus. Einen Bürgen suchen? Erstmal was anderes probieren.
Also die Firma, bei der ich angestellt bin, um Rat fragen. Die zeigen sich erst kooperativ, stellen sich später quer, weil es zu viel Arbeit wäre. Hin und her, die Zeit wird knapp. Als sie merken, daß ich ihnen dann wirklich verloren gehen würde, lenken sie ein: Ich bekomme pro forma einen Vollzeitvertrag, der dann wieder in einen Teilzeitvertrag umgewandelt wird, wenn ich das Visum habe. Aber was ist mit den 10 Jahren Berufserfahrung?
Also erstmal zur englischsprachigen Ausländerberatung nach Tsukuba. Die sind echt fit. Dort erfahre ich, daß von einigen Ländern das Studium mitgezählt wird. Auch von Deutschland. Und endlich hat es mal sein Gutes, Langzeitstudentin gewesen zu sein...  ;-)  Dann hab ich noch schnell was von nem Arbeitgeber in Berlin schicken lassen, die Papiere im allerletzten Moment von meinem Arbeitgeber hier (Ich war schon am Bahnhof, um die Einwanderungsbehörde persönlich zu vertrösten.) bekommen und am letzten möglichen Tag alles eingereicht.
Ein paar Tage später (In der Beratung hatten sie was von "bis zu einem Monat" gesagt.) hatte ich die Benachrichtigung im Kasten, daß ich kommen soll. Aber da stand nicht drauf, ob ich das Visum nun bekomme oder nicht. Thomas konnte sein Visum abholen, und so sind wir heute leicht angespannt wieder mal nach Mito gefahren. Und dann hatte ich plötzlich ganz schnell mein Visum und eine "Multiple Re-entry Permission" im Paß.
Das Wundern kam auf dem Rückweg in der Bahn: Ich hatte das Visum bis 1.10.2006 beantragt und eines bis zum 27.9.2006 bekommen. Muß ich jetzt drei Tage vor Thomas zurück nach Deutschland? Aber das ist ja noch hin. Wir werden sehen.

Cimg8925_smallJetzt nehmen wir erstmal an der Volkszählung teil. Leider konnte der Zettelverteiler kein Englisch. Er hat uns aber eine Erklärung (Sogar auf Deutsch!) unter die Nase gehalten, in der stand, daß wir eine Übersetzung bekommen. Sowas hatte der Typ anscheinend nicht dabei und verstand auch nicht, was wir haben wollten. (Selbst mit Hilfe des Übersetzungscomputers nicht.) Der hat wahrscheinlich sowieso schon nen halben Herzinfarkt bekommen, als er gesehen hat, daß er den Zettel an Ausländer verteilen muß... Inzwischen haben wir aber auch die Adresse der zu dem Austeiler gehörigen Homepage gefunden, womit die Übersetzung nicht mehr weit ist. Am 2.10. kommt der Herr wieder und holt die Bögen ab.Cimg8926_small

Oh weh! Da fällt mir ein: Wir haben uns keinen Registrierungsbogen für das Schwein geben lassen! - Schnell noch ne Mail hinschreiben, die sollen uns was schicken!

26. September 05

Neuer Kurs, neues Glück

von Thomas

Heute Abend ist der neue Sprachkurs gestartet und meint erster Eindruck ist überaus positiv. Nur 6 Leute in der Klasse, zweimal 2 Stunden pro Woche und ein sehr ruhiger, unaufgeregter und sachlicher Lehrer, der auch gut Englisch spricht, Schwächen der Schüler zu sehen scheint und dann auch darauf eingeht. Kein Vergleich jedenfalls zu den doch etwas chaotischen Amateurlehrerinen, mit denen wir es bisher zu tun hatten. Es geht vielleicht nicht so lustig zu, dafür lernt man hoffentlich mehr. Wobei es inhaltlich nicht viel Neues geben wird. Was dort an Grammatik kommt, hatten wir eigentlich alles schon mal, das Vokabular wird sich auch teilweise wiederholen, ein paar neue Begriffe kommen hinzu, da der Kurs den Schwerpunkt eher auf Kommunikation innerhalb einer Firma oder Universität legt. Für uns ist das aber nur gut, denn eine Vertiefung und Festigung unseres Vokabulars ist das, was wir am dringendsten nötig haben.

Ich schaue also mal wieder sehr optimistisch in die Zukunft :)

Müll

von Thomas

Im Prinzip wird in Japan Müll getrennt, dass es jedem Deutschen Oeko warm ums Herz werden müsste. Wenn es mal irgendwo einen Mülleimer gibt, dann ist für Mülltrennung gleich mit gesorgt, Papier, Dosen und Flaschen und Restmuell kommt feinsaeuberlich in ein extra Eimerchen (wenn das auch manchmal nur so aussieht...). Und was in der Öffentlichkeit gemacht wird, wird natürlich zu Hause erst recht gemacht. Und so haben wir zu Hause einen Plan, dem man genau entnehmen kann, was wie einsortiert werden muss und wann von der Müllabfuhr abgeholt wird. Und natürlich spielen wir da auch brav mit und haben unsere Küche mit Eimern, Tüten und Körben voll gestellt, um ja alles richtig zu machen.

Aber nichts ist perfekt, wie wir heute gemerkt haben. Aus welchen Gründen auch immer, hat jede Stadt hier ihre eigenen Mülltueten, die allerdings alle gleich aus sehen (wie normale Muelltueten eben aussehen...), nur dass jeweils ein anderer Staedtename drauf gedruckt ist. Daneben gibt es auch neutrale Muelltüten, ohne Aufdruck und weil die billiger sind, sich sonst aber nicht von den Stadttüten unterscheiden, haben wir immer die gekauft. Ein schwerer Fehler! Als ich heute eine solche Tüte ins Müllhaeuschen brachte, musste ich an unserer Hausbesitzerin vorbei, die mir dann gleich einen Vortrag gehalten hat, dass wir doch in Zukunft lieber die original Ami-machi-Stadttueten nehmen sollten. Okay, okay, ist ja kein Problem, nehmen wir also in Zukunft diese Tüten, warum auch immer.

Unserer Hausbesitzerin ist die Sache aber jedenfalls so wichtig, dass sie danach erstmal mit einer Ami-Tüte in das Häuschen eilte und unseren Müll umpackte... Was soll man dazu sagen? Vielleicht folgendes: Soweit wir es mitbekommen haben, wird der meiste Müll hier trotz pingeliger Mülltrennung, einfach auf einen großen Haufen geworfen und verbrannt :)

25. September 05

...es weihnachtet sehr...

von Thomas

200509251832Kaum hat am Freitag der Herbst angefangen, boomt hier auch schon der Verkauf von Weihnachtsdeko...

24. September 05

Mitten im Wald...

Mitten im Wald...

von Thomas ...steht das Wochenendhaeuschen der Matsuuras.

23. September 05

Tempelregen

Tempelregen

von Thomas Nikkos Tempel im Regen... Kein optimaler Start fuer unser Wochenende mit den Matsuuras.

22. September 05

Konversation?

von Gunda

Ich habe lange genug schon in Deutschland mit Japanern zusammengearbeitet, und wir sind ja auch schon eine ganze Weile hier, um zu wissen, daß nicht immer alles offen ausgesprochen oder direkt geäußert wird.

Gut, die Japaner in Deutschland "zählen" irgendwie nicht richtig, weil sie sich natürlich in gewisser Weise angepaßt und an die "deutsche" Art der Kommunikation gewöhnt haben. Aber hier wird mir doch immerwieder bewußt, wie sehr sich Deutsche und Japaner in ihrer Kommunikation unterscheiden.
Natürlich bin ich genau deshalb hierhergekommen; um darüber zu lernen. Und da der Inhalt "meines Faches" eher mit meinen Gefühlen verknüpft sein kann, kommt es schon auch zu Blessuren durch "learning by doing". Hier zeigt sich überdeutlich, daß sämtliche in der westlichen Welt gängigen Kommunikationsmodelle auch nur für diese gültig sind. Nichts davon greift in der Kommunikation mit (nicht-"verwestlichten") Japanern wirklich.
Mein Ärger zeigt mir, wie sehr ich trotz allem in meiner "Westlichkeit" gefangen, aber natürlich auch zu Hause bin. Es wird ein langer Weg sein, bis ich "die andere Seite" verstehen kann. Denn das will ich, wenn es geht. Es reicht mir nicht, zu registrieren, daß bestimmte Dinge hier nicht funktionieren und sie einfach zu vermeiden. Ich frage nach dem "Warum", nach der Ursache und nach einem "östlichen Kommunikationsmodell". (Schließlich gibt es hier auch Psychologen...)

Doch das Ganze passiert gerade hier nicht nur auf der Meta-Ebene. Schließlich muß ich hier auch immerwieder auf's Neue kommunizieren.
Ich habe es oft als Belastung empfunden, wenn ich mich mit Japanern angefreundet hatte, die Freundschaft eine intensivere Ebene erreicht hatte und dann der Punkt kam, an dem ich mich mit europäischen Freunden eben auch intensiver auseinandergesetzt hätte. Natürlich kommen gerade beim Verlassen der "ausschließlich-Spaß-Phase" auch Unstimmigkeiten auf, und man stellt Unterschiede fest, die man vorher nicht so gesehen hatte. Mit Europäern wäre "Beziehungsarbeit" angesagt gewesen. Einen gemeinsamen Weg finden. Viele Japaner hingegen ziehen sich oft bei der ersten Unstimmigkeit zurück. Da macht es das Angebot eines offenen Gespräches oder gar ein offener Brief eigentlich noch schlimmer. Ich habe sie selten "zurückbekommen", die Freunde. - Aus ist aus. Durch alles andere verliert man sein Gesicht. Gedanken und Gefühle zu teilen ist ab einer ziemlich niedrigen Grenze schon nicht mehr das Ding der meisten Japaner.
Also bleibe auch ich an der Oberfläche hängen, was ich oft sehr schade finde.

Aber auch beruflich kann das seine Konsequenzen haben. Wie z.B. heute in dem von mir geleiteten Konversationskurs. In einer Mail habe ich darüber folgendes geschrieben:

"Erstmal mußte ich ne halbe Stunde warten, bis überhaupt wer kam (Ich dachte schon, ich hätte mich im Tag geirrt.), das war dann die, die das alles organisiert. Sie hat mir nach ner Weile erzählt, daß von vielen Seiten Kritik über den Unterricht gekommen ist (zu schwer, zu schnell, zu wenig Grammatik...) und sich was ändern sollte. Ich war erstmal total perplex über die Vorschläge, die die anderen Teilnehmer ihr wohl gemacht haben. Denn erstens hatte mir das Paar, das den Kurs vorher gemacht hat, gesagt, die wollen einfach nur reden, und zweitens habe ich ja am Anfang Fragebögen ausgeteilt, auf denen die Teilnehmer u.a. notieren sollten, was sie sich an Themen wünschen. Da hätte man ganz anonym alle möglichen Wünsche frei gehabt, und ich war da ganz offen. Aber das, was da jetzt an Vorschlägen kam, hat wirklich absolut niemand auf diesen Bogen geschrieben. Ich war echt total platt. Daß mir die Teilnehmer das nicht direkt sagen würden, war klar. Schließlich sind es ja Japaner. Aber daß sich niemand das gewünscht hat, was jetzt plötzlich alle zu wollen scheinen, finde ich echt nen ziemlichen Hammer.
Das was ich jetzt machen soll, verspricht, ziemlich stumpfsinnig zu werden. - Stur nach einem Buch und ne Vokabelliste abarbeiten. Aber bitte; wenn die das wollen... Für mich ist es auf jeden Fall weniger Arbeit, als mir jedes Mal Material für zwei spannende Stunden aus den Fingern zu saugen.
Toll fand ich auch die Bemerkung, daß sich die Leute die Wörter von der Vokabelliste einfach nicht merken könnten. Ich habe dann nachgefragt, ob ich Lernhilfen für Zuhause anbieten soll. Nee, meinte die Frau dann, zu Hause würden die Leute sowieso nichts machen. Da konnte ich mir dann doch nicht verkneifen zu bemerken, daß man sich Vokabeln natürlich nur merken kann, wenn man sie auch (zu Hause) lernt.

Tja, und nach einer Stunde oder so kam dann noch eine zweite Frau. Wir haben ein bischen geplaudert und sind dann gegangen."

Da die Kursteilnehmer alle private oder geschäftliche Kontakte nach Deutschland haben, hatte ich so etwas wirklich nicht erwartet. Ich muß wohl in Zukunft etwas mehr "Kulturunterricht" einschieben...

Kurzer Prozess

vonThomas

Was in Deutschland wohl noch einige Zeit dauern wird oder vielleicht auch gar nicht erreicht wird, wurde hier in Japan gestern schnell erledigt, die Wahl eines neuen Regierungschefs. Etwas mehr als eine Woche nach der Wahl wurde Koizumi wiedergewählt. Und das nicht nur von der eh schon überwältigenden Mehrheit 'seiner' Abgeordneten, sondern einige der Abweichler, deren Weigerung, Koizumis Reformplänen zu zustimmen, erst die Neuwahlen ausgelöst hatte, stimmten reumütig für ihn und hoffen nun, wieder vollwertige Mitglieder der LDP zu werden.

Ich finde diesen Unterschied, in den rein äußerlich ja fast gleichen politischen Ereignissen, die zur Zeit in Japan und Deutschland geschehen, immer noch faszinierend. Auf der einen Seite Chaos, Unsicherheit, ein Schw
ächeln der politischen Kräfte aller Richtungen und auf der anderen Seite, ein klarer Sieg, der zu stabilen Verhältnissen führt und die Möglichkeit zu Reformen gibt. Da sagt man, die Japaner sind traditionsbewusst und sind Veränderungen nicht zu getan, kurz innerlich sehr konservativ, aber Deutschland scheint schlicht Angst vor jeder Reform zu haben und jeglichen Mut verloren zu haben...

21. September 05

Rückschau auf ein Jahr Japan I: Arbeit

von Thomas

Fast genau ein Jahr sind wir nun in Japan, am 1. Oktober 2004 sind wir hier angekommen und es ging auch gleich mit einem Paukenschlag los (s. Ankommen). Inzwischen hat sich natürlich noch viel, viel mehr ereignet, einiges davon kann man hier in diesem Tagebuch nachlesen. Vielleicht ist es aber auch mal gut, etwas Rückschau zu halten und eine Zwischenbilanz zu ziehen, nachdem nun die Hälfte unserer Zeit in Japan abgelaufen ist.

Warum sind wir eigentlich hier? Der Grund war meine Arbeit und daher hier auch zunächst einige Gedanken dazu. Ein Auslandsaufenthalt ist eine sehr sinnvolle und eigentlich auch notwendige Sache für einen Wissenschaftler und die Idee nach Japan zu gehen lag nahe, da wir sowohl beruflich als auch privat viele Beziehung dorthin hatten. Ich bekam dann auch sehr schnell ein konkretes Angebot und da Tokura einer der erfolgreichsten, vielleicht sogar der erfolgreichste unter Japans Physikern ist, gab es da auch kein langes Zögern, sein Angebot anzunehmen. Solche Chancen bekommt man nur äußerst selten geboten.

Zunächst hatten wir die Idee, dass ein Jahr vielleicht genug wäre, aber das dem nicht so ist, haben wir dann ganz schnell gemerkt. Jetzt ist ein Jahr um und die ersten brauchbaren Ergebnisse sind nun da, die ersten Paper werden geschrieben, einige Ergebnisse werde ich Anfang November auf der MMM in San Jose präsentieren. Würden wir tatsächlich naechste Woche wieder nach Deutschland gehen, würde ich hier nur Stückwerk hinterlassen. Zu lange hat es gebraucht, bis sich aus verschiedenen Ansätzen heraus, ein brauchbares Materialsystem gefunden hat, bei dem ich sinnvolle Ergebnisse produzieren kann. Jetzt hab ich die Schublade voll mit weiteren Proben, die alle noch vermessen werden wollen. Kurz, auch im zweiten Jahr wird keine Langeweile aufkommen.

Danach ist es dann aber doch genug. So gut das hier alles ist, die Gruppe ist sehr groß und technisch erstklassig ausgestattet, man kann hier alles machen, seine Proben, seinen es klassische CMR-Materialien oder organische Halbleiter, selber herstellen, charakterisieren auf jede erdenkliche Art und Weise und wenn die Resultate da sind, gibt es Theoretiker, die nach Erklärungen suchen. Alles ist da, Geräte und Personen und natürlich reichlich Geld, was man braucht, um erfolgreich Arbeiten zu können. Entsprechend hoch ist der Output der Gruppe an Papern, ein beträchtlicher Teil davon bei Nature, Science und PRL.

Von daher kann man sich absolut nicht beklagen, die Voraussetzungen für erfolgreiche Forschung sind in jeder Hinsicht gegeben. Aber das ist eben nicht alles. Forschen läuft in Japan ganz anders ab, als in Deutschland, das Miteinander, das Diskutieren, das Arbeiten, all das ist anders und auf Dauer einfach zu fremd, als das man es über Jahre durchhalten würde, ohne sich zu verbiegen. Und so wundert es nicht, dass entweder alle ausländischen Kollegen entweder allerspaetestens nach zwei bis drei Jahren wieder gehen oder sich in eine Art innere Emigration begeben und nach außen hin zynisch werden. Letzteres will ich nicht und daher werde ich gehen, solange es mir noch Spaß macht.

Warum das so ist? Es liegt wohl hauptsächlich in der unterschiedlichen Mentalität und der Sprachbarriere begründet. Alle Ausländer hier sind mehr oder weniger isoliert, bleiben meist unter sich. Es gibt wenig, bis gar keine Kontakte außerhalb der Arbeit und auch bei der Arbeit sind alle Gespräche fast immer auf diese beschränkt. Würde man fließend Japanisch sprechen, wäre das wohl anders, aber bis es soweit ist, ist es schon zu spät und man ist schon wieder zu Hause. Man müsste also die Sprache schon beherrschen, wenn man hier ankommt, aber wer kann das schon? Dazu müsste man so einen Aufenthalt schon Jahre vorher planen und das geht eigentlich nicht.

Schon der Anfang des Aufenthalts gibt das Weitere vor, wie ich jetzt mehrmals beobachten konnte. Die Sekretärin und der Verwaltungsassistent kümmern sich hervorragend um einen, helfen einem bei allen Problemen, sei es Wohnung, sei es Bank, seien es Behoerdengaenge. Bei allem wird einem geholfen. Da kann man sich in Deutschland mal eine Scheibe von abschneiden. Und das bleibt dann auch so, setzt sich bis heute fort. Ohne die beiden, wäre unser Leben hier um einiges schwieriger. Von den Kollegen wird man ins Labor eingeführt, es wird einem alles erklärt und auch daran ändert sich später nichts. Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß, wenn man um etwas bittet, Hilfe braucht, bekommt man nie eine abweisende Antwort.

Aber das ist es dann auch schon. Ansonsten wird man allein gelassen. Mittags und Abends verschwinden die Leute, ohne einen mal zu fragen, ob man nicht mal mit zum Essen kommen möchte. Wenn man es umgekehrt versucht, wie mein koreanischer Kollege Lee es mit Engelsgeduld immer wieder getan hat, hat man auch keinen Erfolg. Ansonsten kommt man auch kaum ins Gespräch, die Sprachbarriere ist zu groß und so sind die Ausländer schnell isoliert und viele eben frustriert und wollen wieder weg. Einzig Matsuura-san, unser Verwaltungsassistent ist da eine Ausnahme, er begleitet mich und Lee oft zum Mittagessen und auch außerhalb der Arbeit entwickelt sich immer mehr Kontakt. Das ist sehr angenehm, andererseits fragt man sich, warum er der Einzige ist, der sich so verhält? Am Anfang hatte ich da noch etwas mehr Hoffnung, da war die Einladung, beim internen Baseball-Wettstreit mitzumachen und zu Weihnachten wurden wir auf eine Party eingeladen, aber mehr kam da nicht nach. Auch nachdem wir umgekehrt zu unserer Geburtstagsparty eingeladen hatten, hat sich im Umgang miteinander nicht viel geaendert.

Ein anderes Problem ist die streng hierarchische Struktur der Gruppe. Alles Entscheidungen laufen letztlich über Tokura, selbst die Profs und Gruppenleiter zeigen keine echte Eigenständigkeit und Initiative. Wenn mal was ohne den Chef besprochen wird, ist es letztlich wertlos, denn wenn er dann nicht viel davon hält, ist die Idee gestorben, bzw. es ist einfach nicht mehr die Rede davon. Und was für die Leute direkt unter Tokura gilt, trifft natürlich auf die Leute auf meiner Ebene noch viel mehr zu. Man kann nicht einfach mal untereinander selber ein Projekt aufziehen, alles muss immer im Rahmen der Zielvorgaben von Tokura bleiben. Selbst in unserer kleinen Gruppe in Dortmund hatten da die einzelnen Leute mehr Freiraum. In der Endphase meiner Promotion war unsere kleine Magnetikgruppe eigentlich völlig frei darin, was sie wann wie macht. Und in Berlin war das erst recht so. Hier hat man lediglich die Freiheit sich seinen Zeitplan selbst zu erstellen, an was man forscht, das ist mehr oder weniger vorgegeben. Für die Japaner ist das klarer Weise das Normalste von der Welt, aber für unsereins ist es auf Dauer einfach nix, wenn man auch nicht leugnen kann, dass die Methode gemessen an den Resultaten funktioniert, gar keine Frage. Aber das ist eben nicht alles...

Was für mich ganz persönlich die Sache auch nicht einfacher macht, und da ist jetzt nichts Japan spezifisches, ist, dass ich hier der einzige bin, der mit nichtlinearer Optik arbeitet, so dass ich niemanden habe, mit dem ich praktische Probleme, die einfach immer wieder während der Experimente auftreten, besprechen kann. In dem Punkt bin bin ich gänzlich auf mich alleine gestellt. Das ist einerseits gut, weil ich dadurch natürlich mehr gefordert werde, andererseits ist es aber nicht sehr effektiv, weil viele Probleme sich zu zweit oder in einer Gruppe einfach schneller lösen liessen. Aber da kann man nix, machen, außer hoffen, dass Tokura bald noch jemanden in die Gruppe holt, der auf diesem Gebiet arbeitet.

Aber genug gemeckert, denn unterm Strich bin ich nach wie vor sehr glücklich mit meiner Entscheidung, der Erfahrungsgewinn ist enorm, mein fachliches Wissen, sowohl physikalisch, wie auch methodisch, hat sich sehr erweitert, zuvor war mein Arbeitsgebiet einfach zu eng umrissen. Ich denke, dass das eine ganz Basis fuer die weitere Arbeit in Deutschland sein wird. Dazu kommen die menschlichen und kulturellen Erfahrungen, die man gesammelt hat, das erleben einer ganz anderen Arbeitsmethode, mal in der Minderheit sein und sehen, wie man sich da fühlt, das vergisst man nicht und gibt einem ein ganz anderes Verständnis für andere in solch einer Situation. Waeren wir in ein europaeisches Land oder nach Amerika gegangen, waere sicher vieles einfacher gewesen, aber nicht unbedingt besser. Vielleicht waere vieles dort auch zu einfach gewesen, hier dagegen ist man immer wieder aufs neue gefordert, seinen eigenen Weg zu finden und das kann letztlich eigentlich nur gut sein...

20. September 05

Bilanz die Zweite

von Thomas

Vor ein paar Monaten hatte ich über die Bilanz meines ersten Sprachkurses hier in Japan geschrieben (s. Bilanz). Heute ging Teil 2 des Sprachkurses zu Ende. Und wie sieht die Bilanz nun aus?

Eigentlich ganz ähnlich wie damals (leider...). Inhaltlich ging der Kurs immer noch nicht über das hinaus, was ich damals schon in Bochum gelernt hatte, so dass der Bereich Grammatik mich auch diesmal eher gelangweilt hat, aber das Problem bleibt bestehen, ich fuehl mich halt immer noch nicht in der Lage, Japanisch aktiv zu gebrauchen, lediglich das verstehen von Geschriebenen und Gehörtem hat sich weiter verbessert. Die Ursache liegt in meiner Unsicherheit bzgl. des Vokabulars. Spontan kann ich zu wenig Vokabeln richtig benutzten und kriege dann in einem realen Gespräch keinen vernünftigen Satz zu Stande. Nun ist einerseits die Art und Weise, wie der Kurs aufgezogen wurde, nicht gerade dazu angetan, schnelle Lernerfolge zu erzielen, aber natürlich könnte man mit konsequentem Vokabeln pauken einiges erreichen. Aber das ist nun mal weder mein, noch Gundas Ding.

Mit der Grammatik kann ich mich stundenlang beschäftigen, über das Wie und Warum nachzudenken, macht mir sehr viel Spaß. Am meisten begeistert mich aber das Kanji lernen, was ich immer wieder, wenn ich Zeit habe oder manchmal auch, wenn ich unterwegs bin und mal irgendwo warten muss, betreibe. Nicht das ich inzwischen hunderte von Kanjis beherrschen würde, aber immerhin kann ich in etwa das, was Schüler hier in der ersten Klasse lernen und einige Dutzend Kanjis, die einem immer wieder im Alltag begegnen, verstehen. 150 mögen es in etwa sein. Dabei zehre ich auch hier immer noch von dem Kurs am Bochumer Japonicum, dessen hohe Qualität mir immer bewusster wird...

Wie gesagt, dass macht mir Spaß und der Lernerfolg, ist da auch deutlich höher. Aber wichtiger wäre natürlich, das Sprechen des Japanischen zu verbessern. Und dazu muessen wir in Zukunft wohl wirklich stur Vokabeln lernen, sonst wird das wohl nie was richtiges werden. Was es einem hinsichtlich der Motivation dazu noch schwer macht, ist das Problem, das wenige was wir können, mal anzuwenden. Das ist gar nicht so einfach, wie man vielleicht denken könnte, vor allem, da die Japaner oft so schlecht Englisch sprechen. Aber wenn wir es mal versuchen, werden wir nicht verstanden, da unsere Intonation nicht immer perfekt ist und kleine Fehler sofort dazu führen, dass das Gegenüber zu macht und lieber in schlechtem Englisch antwortet oder fragt, da wir sofort in die Ecke "kann eh kein Japanisch" abgeschoben werden. Bei der Arbeit gibt es auch eigentlich niemanden, mit dem mal etwas üben könnte, wenn man mal was fragt, wird einem erklärt, dass wäre viel zu kompliziert und ich könnte es eh nicht verstehen oder ich werde angeschaut wie das 7. Weltwunder, wenn ich mal "Ohayo Gozaimasu" sage, weil einem das schon nicht wirklich zugetraut wird...

Andererseits ist es dann auch so, dass man sich nach einem Jahr in Japan daran gewöhnt hat, dass man mit wenig Japanisch letztlich gut zurecht kommt und es keine unüberwindlichen Schwierigkeiten gibt, weder drohen wir zu verhungern, noch geht es uns sonst wie schlecht und wir haben inzwischen alle erdenklichen Situationen hinter uns, seien es Behoerdengaenge, Einkäufe oder private Einladungen. Irgendwie geht es immer und man beginnt, sich darin einzurichten, mit einem Mischmasch aus Englisch und Japanisch, Zeichensprache und sonstigen Hilfsmitteln durchs Leben zu kommen. Das ist natürlich nicht wirklich befriedigend, da uns so ja auch viel Einblick in die (wirkliche, ungefilterte) Kultur des Landes verloren geht.

Aber wie heißt es hier so schön: "ganbatte kudasai!" Wir werden nicht aufgeben und starten naechste Woche wieder durch. Wir haben uns für den Sprachkurs meines Instituts, des AIST, angemeldet. Der Kurs findet zweimal in der Woche statt, wird von professionellen Sprachlehrern durchgeführt und die Arbeitsbuecher machen einen guten Eindruck. Vielleicht hilft uns das ja weiter und wenn wir etwas mehr Vokabeln lernen, sollten wir da eigentlich gut zurecht kommen, denn inhaltlich wird auch dieser Kurs nicht über das hinausgehen, was eigentlich schon gelernt haben müssten...

19. September 05

Wahlen mal ganz anders

von Thomas

Wenn man hier in Japan hockt und plötzlich der Kanzler auf die Idee kommt, eine Neuwahl zu veranstalten, dann hat man erstmal ein Problem. Wie wählen? Nun, das funktioniert per Briefwahl, um das machen zu können, muss man erstmal einen Antrag stellen, was wir mit Hilfe von Gundas Eltern auch geschafft haben. Ende der vorletzten Woche kamen dann unsere Wahlzettel an und letzten Montag haben wir die dann abgeschickt. Ob sie rechtzeitig angekommen sind, werden wir wohl nie erfahren... :(

Und jetzt schau ich mir gerade per Live Stream die Wahlsendung der ARD an und wundere mich, wie wohl viele, über das Ergebnis. Irgendwie lief die Wahl in Japan vor einer Woche klarer ab... Aber egal, das Feeling ist fast wie zu Hause, wenn nur nicht ab und zu der Live Stream mal aussetzen würde. Aber dann gibt's ja noch Spiegel-Online, da kann man alles noch mit den Ergebnissen vom ZDF vergleichen. Ja, irgendwie ist es gar nicht soviel anders, als wenn wir jetzt in Deutschland wären. Der modernen Technik sei Dank!

 

18. September 05

Shinjuku Matsuri

von Thomas

Cimg8742_smallDa sind wir eigentlich schon von all den bisherigen Matsuris reichlich übersättigt und dann stolpern wir heute ganz unvorhergesehen über ein ein Matsuri in Shinjuku...

Eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einem bestimmten Schuhladen, mit Schuhen, die auch mir passen und der irgendwo in Shinjuku sein sollte (d.h. eigentlich wollten wir noch in die Kirche gehen, aber da waren wir zu spät dran, weil ich Trottel mich mit der Zeit verhauen habe...). Cimg8762_smallDarum sind wir heute Morgen auf der von uns bisher sträflich vernachlässigten Ostseite des Shinjuku-Bahnhofs herumgelaufen und auf zahlreiche laut schreiende und einen Schrein tragende Leute in bunten echt japanischen Kostümen gestossen und mussten uns das Ganze natürlich gleich mal anschauen und ein paar Photos machen :)

Und unserem neuen Hobby "Kurzvideo" haben wir dann auch gleich noch gefrönt. Das erste zeigt den Aufmarsch der Schreinträgergruppen, das zweite eine kurze Ansprache an die Schreinträger und etwas aufmunternden Gesang und das dritte schlieslich den Auftritt zweier Mädels bei einer kleinen Nachmatsuriparty:

Aufmarsch der Schreinträger

Aufmunterung

Singsang

Cimg8769_smallInsgesammt fand ich dieses Matsuri ganz interessant. Ich hatte noch keines in Tokyo erlebt und dieser Mix aus Tradition und Moderne, den Schreinen und den kostümierten Leuten vor der Supermodernen Neonkullisse von Shinjuko hatte schon was. Insgesamt, bleibt es aber dabei, dass wir die eher kleinen Matsuris einfach stimmungsvoller und intensiver fanden.

Cimg8737_smallUnd sonst? Schuhe habe ich keine gekauft, dafür ein echt schickes Langanshirt. Gunda hat eine gebrauchte Kinderyukata auf einem Schreinflohmarkt erstanden und am Schrein selbst noch ein Omamori fürs Beziehungsglück gekauft, Mittags haben wir in einem chinesischen Suppenimbis was gegessen, dann haben wir uns auf die vergebliche Suche nach einem guten, aber billigen Staubsauger begeben und stattdessen einen billigen Toaster gekauft und sind dann schon recht fußlahm noch zur Tokyo-Station gepilgert und haben im Yaesu-Bookstore zwei Grammatikbücher für unseren neuen Sprachkurs gekauft und Gunda hat sich noch eine Zeitschrift gekauft, in der ihr erklärt wird, wie simpel ihr Leben sein könnte, wenn sie nur wollte...

Und jetzt sitzen wir müde zu Hause und warten auf die erste Hochrechnung ;)

16. September 05

Japan-Döner

von Thomas

Heute war es wieder einmal Zeit für unser monatliches "Thomas-hat-sein-Gehalt-bekommen"-Abendessen. Um mal was ganz anderes zu machen, sind wir in "Ali's Kebab Cafe", das an der Hauptstraße zwischen Arakawaoki und Tsukuba liegt, gegangen. AliDas Ding ist schon ein bischen skurril und exotisch. Restaurants im türkisch-arabischen Stil sind hier sehr selten, genauer gesagt ist es das einzige, das uns bisher aufgefallen ist, und zum anderen, ist ein Restaurant, das wirklich von den Landsleuten betrieben wird, deren Essen dort verkauft wird, hier eine grosse Seltenheit (sieht man mal von indischen, chinesischen oder koreanischen Restaurants ab). Zwar schallte uns auch dort zunächstmal ein japanischer Willkommensgruß entgegen, aber ein Teil der Bedienung und die Leute aus der Küche sahen eher so aus, wie man es sich in Ali's Kebab Cafe eben vorstellt. Auch ein Teil der Gäste stammte irgendwo aus dem Nahen Osten her und das Essen schmeckte schlieslich auch kein bischen japanisch, wie das sonst oft der Fall ist, wenn man hier in ein nichtjapanisches Restaurant geht (was hier z.B. als "western style" gilt, haben die meisten Westler wohl hier zum erstenmal gegessen...), sondern so, wie man es eben kennt, wenn man in Deuschland mal einen Döner gegessen hat...

Der gute Ali ist übrigens ziemlich geschäftstüchtig, nicht nur das er eine Internetseite hat und in so ziemlich jedem Auländermagazin aus Tsukuba und Umgebung eine Anzeige schaltet, er tauchte mit seiner mobilen Dönerbude auch  immer auf den Matsuris hier in Ibaraki auf, die wir uns angeschaut hatten :)

15. September 05

Google Blog Search

von Thomas

Google hat jetzt auch eine eigene Blogsuchmaschine und da findet man sogar auch unser Blog :)

Link: Google Blog Search: neuigkeiten aus japan.

14. September 05

Vertragsverlängerung

von Thomas

Jetzt ist es offiziell: Ein weiteres Jahr Japan ist gesichert, heute habe ich meinen neuen Vertrag unterschrieben und eine kleine Gehaltserhöhung gab's auch gleich noch :)

Und am 27. September kann ich mein neues Visum abholen, dann lässt man mich meinen Vertrag auch erfüllen...

Um nun alles perfekt zu machen, muss es jetzt nur noch mit Gundas Visum klappen, aber auch die Chancen haben sich heute drastisch erhöht. Zum Glück!

13. September 05

Aba jetze!

von GundaCimg8703_small

Jetzt steht er also in voller Schönheit und sogar schon halb befüllt im Tatami-Zimmer.
Die Dekoration wird bestimmt noch immer mal anders werden. Das Blumengesteck ist eher freestyle-Ikebana! (Nicht, daß meine Lehrerin jetzt nen Herzinfarkt bekommt...)
Das da drüber ist ein Erntekorb aus Bambus, an dem wir nach und nach sogenannte Omamori sammeln wollen. Diese kleinen Säckchen kann man an Tempeln kaufen. Sie sind mit Segenssprüchen gefüllt und beschriftet, die alle Bereiche des Lebens betreffen können. (Glück, gutes Studium, heile Familie, Gesundheit, sicheres Fahren usw.)
Cimg8708_small

Libellen

von Thomas

200509130822_1Libellen sieht man hier so oft, wie bei uns Bienen oder Wespen, nur das die großen Libellen viel harmloser sind und dazu meist noch sehr schön aussehen. Wenn man an einer großen Wiese oder einem Teich vorbeikommt, dann schwirren diese Tierchen in vielen schillernden Farben, in blau, in gelb oder in grün, herum.

Das Exemplar, dass ich mit der Kamera erwischt habe, war leider einfach nur dunkel, aber egal, dafür setzte es sich gut in Pose ;)

12. September 05

Anders sein...

von Thomas

Anders sein und sich dessen ständig bewusst sein, lässt sich in Japan als Ausländer kaum vermeiden. Und manchmal ist da ja auch sehr amüsant, wenn z.B. kleine Kinder vor einem stehen bleiben und staunend den Kopf in die Luft strecken und auch nicht durch noch so viele Zurufe der Eltern von der Stelle zu bewegen sind. Manchmal ist es auch ganz praktisch, wenn man einen Kopf größer ist als alle anderen und so auch im dichten Gedränge am Bahnhof in Shinjuku nicht den Überblick verliert oder beim Matsuri schauen auch in der fünfte Zuschauerreihe noch alles prima sieht :)

Aber manchmal ist es auch unangenehm, wie z.B. heute, als gut 10 Leute im Bus lieber gestanden haben, als sich auf dem Platz neben mir hinzusetzen. Und das waren nicht irgendwelche Hinterwaelder, die noch keinen Ausländer gesehen haben, sondern die meisten sind dann auch da ausgestiegen, wo ich ausgestiegen bin, waren also letztlich irgendwelche Angestellten, Wissenschaftler vom gleichen Institut, an dem ich auch arbeite. Selbst wenn es auch andere Gründe gehabt haben mag, dass, obwohl ich mich möglichst dünn gemacht habe, der Platz etwas knapp war (wenn man allerdings sieht, wie dicht gedrängt die Leute sonst so sitzen...), oder irgendwas anderes nicht passte, so ist es doch keine schöne Erfahrung.
Zum Glück ist so was nicht die Regel, jedenfalls in unserem Fall...

11. September 05

Neuwahlen

von Thomas

Während unser Bundeskanzler noch eine Woche zittern muss und wahrscheinlich danach in Frühpension gehen muss, hat Japan heute die alte Regierung mit überwältigender Mehrheit bei den vorgezogenen Neuwahlen wiedergewählt. Koizumi wird also weiterregieren können, nachdem er das Parlament (genauer gesagt das Unterhaus) aufglöst hatte, weil das Oberhaus seine Postreform nicht abgesegnet hatte. Nun hat seine Partei, die LDP, sogar allein die absolute Mehrheit erreicht, wird aber wohl die Koaltion mit der New Komaito fortführen, da sie im Oberhaus weiter auf sie angewiesen ist.


10. September 05

Wahlkampf in Japan (2)

von Thomas

Cimg8672_mediumGestern Tokyo, heute Tsukuba... Wahlkampf in ganz Japan. Heute konnten wir Herrn Kawaguchi beobachten, wie er mit vollem persönlichen Einsatz Wahlkampf führte. Mit einer großen Schärpe und einem Mikrophon plus Lautsprecher bewaffnet, zog er durch Tsukuba Center und verkündete den Passanten, wer er sei. Begleitet wurde er von 2 Fahnenträgern und einem Mann im schwarzen Anzug, der jedem, der an ihm vorbeiging, zuwinkte. Keine Ahnung wer das war, ein Passant, der den Kandidaten unterstützen wollte, ein professioneller Winker, ein bekannter Parteibonze???

Als wir Herrn Kawaguchi Stunden später immer noch durch Tsukuba ziehen sahen,
Cimg8675_mediumhatte er schon einen ganzen Rattenschwanz von "Winkern" in seinem Schlepptau, meist Damen mittleren Alters, die freudig allen Passanten ein "Konbanwa" oder "Kawaguchi" entgegen riefen, während sie dabei eifrig winkten.

Ob dieser hohe persönliche Einsatz Herrn Kawaguchi helfen wird?

Kurzvideo: Wahlkampf in Tsukuba


09. September 05

Sprachsumpf

von Gunda

Nachdem ich fast eine Woche in ebensolchem gewatet bin, wird mir langsam klar, weshalb man in Japan mit Englisch oft nicht verstanden wird. Ich konnte dabei zwei Arten von Gründen ausmachen:
Zu den verständlichen Gründen zählen für mich, daß Japaner Englisch mit nichts Bekanntem assoziieren können, ihnen die Schrift anfangs fremd ist und sie keine Laute damit verbinden können und dass es im Englischen viele Laute gibt, die sie nicht voneinander unterscheiden können, weil ihr Gehör diese Laute nicht voneinander trennen kann, da die japanische Sprache mit weniger unterschiedlichen Lauten auskommt.
Zu den mir unverständlichen Gründen gehört allerdings, daß die meisten Lehrer zur Vermittlung von Englisch eben diese japanischen Laute in Gestalt der japanischen Silbenschrift benutzen. So entsteht eine Sprache, die klingt wie Japanisch, aber von den Schülern als Englisch gelernt wird. Die meisten Lehrer können selbst wenig bis gar kein Englisch. Auch, wenn sie dieses Fach unterrichten. Das tun sie dann, indem sie sich an vorgefertigte Stundenentwürfe mit CD halten. Allerdings kontrolliert niemand ihre Aussprache.
Und zum Schluß wäre noch anzumerken, daß die Schüler natürlich sehr wohl gemerkt haben, daß ihr sonst so hochgeachteter Lehrer sich mit mir nicht verständigen kann, aber ja trotzdem einen angesehenen Beruf und sogar studiert hat. Wozu muß man also Englisch lernen?
Ich kann mich daran erinnern, dass ich als Bedingung zur Immatrikulation fürs Lehramtsstudium nachweisen mußte, daß ich mindestens zwei Fremdsprachen spreche. Und das, was mir als Jugendliche den Kick zum Sprachenlernen verpaßt hat, internationale Treffen, Schüleraustausch, Brieffreundschaften etc., ist in einer japanischen Schule nirgends vorgesehen. Nicht für Schüler, nicht für Lehrer. Und auch sonst keine Fortbildungen in dieser Richtung.
Wen wundert es da, daß manche Japaner lieber die Flucht vor Ausländern ergreifen, statt mit ihnen Englisch zu sprechen?

Mehr Fotos zu Schulen in Japan gibt es von einem Amerikaner.

Wahlkampf in Japan

von Thomas

200509091714_1Ein kleiner Lieferwagen mit vielen Plakaten und Lautsprechern.Oben drauf ein Politiker, der mit heiserer Stimme in ein Mikrophon schreit: Wahlkampf! Und Sonntag wird gewählt...

Dauerlächeln

von Gunda

Nachdem ich gestern dank der Gleichschaltung schon neunmal mit verschiedenen Erstklässlern das gleiche Lied gesungen habe und zwecks Übung jedem Schüler mindestens zweimal die Hand schütteln mußte, konnte ich mir bei meinem heutigen Auftritt in der letzten ersten Klasse das Grinsen nicht mehr verkneifen. Die Schulhelferin hatte das jetzt schon genauso oft gemacht, war aber offenbar immernoch begeistert bei der Sache oder schon völlig abgestumpft. Ich habe mich zum Schluss mit der Vorstellung über Wasser gehalten, daß berühmte Leute sowas ein halbes Leben lang machen müssen.
Fahnenappelle gibt's hier doch. Hab ich nur nicht mitbekommen. Gerade wird auf dem Schulhof eine Parade für ein Sportfest geübt:

Download CIMG8657.AVI

Auf die Frage einer Lehrerin, ob es das in Deutschland auch gebe, habe ich nach kurzem Zögern dann doch erklärt, warum die Deutschen sich eher von Uniformen undCimg8658_small Militaristischem fernhalten. Nachdem sich die Lehrerin versichert hatte, daß keiner zuhört, sagte sie mir, sie fände eine freiheitliche Erziehung auch besser.
Gerade wurde noch der am besten Englisch sprechende Lehrer ausgelost und vorgeschickt, um mit mir den Plan für die vierten Klassen durchzusprechen.

08. September 05

Ersatzlehrer

von Thomas

Da nun Gunda immer noch als Englischlehrerin durch die Provinz tourt, musste ich heute für sie  in ihrem Konverstionskurs einspringen. Zum Glück ist das ja kein Sprachunterricht, sondern es geht mehr um zwanglose Plaudern, bei dem man den Japanern Deutschland etwas näher bringt. Da ja in beiden Ländern innerhalb der nächsten Tag ein neues Parlament gewählt wird, nachdem beide Parlamente fast gleichzeitig aufgelöst worden waren, bot es sich an, darüber zu diskutieren.

Konkret haben wir uns dann über Wahlwerbung unterhalten. Gunda und mir ist aufgefallen, dass japanische Wahlplakate recht langweilig sind, da sie fast alle gleich aus sehen. Man sieht den Kopf eines Politikers, das Gesicht wirkt meist sehr ernst, maximal ein kleines Lächeln, manchmal sieht man auch noch eine geballte Faust. Das wars dann auch schon. In Deutschland geht es da doch viel bunter zu und nicht nur bei den Grünen...

Eine Auswahl typischer Motive hatte ich mir aus dem Internet besorgt und als bunte Collage auf ein DIN-A4 Blatt gepackt. Den Kanzler beim Fußballspielen, Frau Merkel in kämpferischer Pose, Guido Westerwelle etwas langweilig drein schauend, ein lachender Stoiber und ein lässiger Joschka Fischer. Dazu das CDU-Kompetenzteam, ein (alleinerziehender ?) Vater mit zwei Kindern, ein fröhliches Mädchen auf einer Schaukel und eine Ministerin, die aussieht, wie die jungen Damen, die Werbung für Zahnpasta macht. Das fanden sie auch alle sehr erstaunlich und interessant und man konnte ganz vermitteln, wie sich in diesen Bildern das Verständnis der Deutschen von Politikern, aber auch von manchen gesellschaftlichen Situationen ausdrückt.

Am meisten beeindruckte sie aber ein Plakat der Grünen. Ein missmutig dreinschauender Stoiber und dazu die Überschrift "Die beleidigte Lederhose". Nein, so was wäre in Japan unmöglich, das kann sich keine Partei leisten. In Deutschland ging das vor ein paar Jahren ja auch noch nicht, aber jetzt ist es eben fast schon normal.

Insgesamt war der Kurs also nicht nur eine unterhaltsame Plauderstunde mit netten Leuten oder eine informative Einbahnstraße, sondern es ging ganz gut in beide Richtungen, denn allein aus den Reaktionen der Teilnehmer, konnte man doch ziemlich viel über die hiesige Gesellschaft lernen.

Vielleicht kann Gunda ja irgendwann wieder nicht den Kurs leiten... :)

07. September 05

Nachschlag

von GundaCimg8629_small

Weil grad Mittagessen war, muss ich darüber unbedingt noch was schreiben: Erst kommt das Essen aus der Schulküche auf Wagen ins Lehrerzimmer und in die Klassen. Dann ziehen einige Kinder weiße Kittel, Mützen und einen Mundschutz an und verteilen das Essen in Schälchen und auf Tabletts, wobei sie erstaunlich wenig kleckern. Anschließend stopfen die Austeiler ihre Kittel usw. in einen weißen Turnbeutel, der an einen Haken gehängt wird. Dann gehen ein oder zwei Kinder nach vorne und rufen zu einer Art stillem Tischgebet auf. Es wird "Guten Appetit!" gesagt Cimg8631_smallund dann gemeinsam angefangen. Vorher sind noch zwei größere Schüler im Ansage-Raum des LehrerzimmersCimg8662_small verschwunden, von wo aus sie erst über die Details des Essens (was es ist, woraus es besteht, dass es gesund ist und woher die Zutaten kommen) aufklären und dann Kinderlieder und ein kurzes Hörspiel einspielen. Das ist alles ziemlich laut. Vielleicht essen die Kinder auch deshalb schnell und schweigend... Danach werden Müll und Geschirr Cimg8630_smalleingesammelt. Ach ja, und vorher wischen die Schüler sich Mund und Hände mit einem mitgebrachten feuchten Tuch ab. Da wir im Randbereich eines Taifuns stecken, hat gerade ein Schüler die japanische Fahne eingeholt und im Lehrerzimmer sorgfältig in einem Karton verstaut. Fahnenappelle gibt es hier keine. Auch keine Uniformen (bis auf Mützen und Schultaschen). Das kommt erst in der Oberschule.Cimg8632_small
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Bach und Besen

von Gunda

Ein normaler Tag an dieser Schule läuft ab wie folgt: 8h treffen sich alle Lehrer imCimg8584_small Lehrerzimmer (= Klassenraum für Lehrer). 8.10h stehen alle Lehrer auf, und es wird eine kurze Ansprache vom stellv. Schulleiter gehalten. Kurz innehalten, hinsetzen, 15 Min. Ansagen verschiedener Leute. 8.25h Unterrichtsbeginn. Das heißt für mich, dass ich von zwei Schülern der entsprechenden Klasse abgeholt und in den Klassenraum eskortiert werde. Um 12.30h gibt es Mittagessen, das mit der Klasse, bzw. im Lehrerzimmer eingenommen wird. Danach ist Putzen angesagt, was aber nur heißt, dass alle mal ein bischen zu Klängen von Bach mit dem Besen rumwursteln. Sogar die Schulleiterin. Nur ich nicht. ;-) Das Lehrerzimmer wird von Schülern gefegt. Und trotzdem (und obwohl man dieCimg8593_small Schuhe am Eingang gegen Hausschuhe tauschen muss) ist das ein feuchtes, schmuddeliges Gemäuer, das muffig riecht. Trotzdem ist es ganz angenehm hier. Manchmal komme ich mir vor, wie ein umsorgtes Zootier, manchmal, wie einCimg8589_small rumgereichtes Englisch sprechendes Stück Fleisch... Aber jetzt reden die Lehrer auch mal zwischendurch ganz normal mit mir. Um 16.55h hab ich Schluss. Bis dahin bin ich, zusammen mit dem Material, pro Tag durch alle Klassen einer Klassenstufe gereicht worden, habe also fünfmal genau das gleiche vorgegebene Zeug von Cimg8590_smallmir gegeben. Es kommt auf den Lehrer an; aber manchmal bin ich nur so eine Art lebendes Tonband, dem die Kinder im Chor nachsprechen sollen. Die Kinder sind aber alle ganz begeistert und nett (und oft schüchtern). Die mögen michCimg8587_small alle. Die Lehrer eigentlich auch. Aber ich staune immerwieder, wie schlecht Englisch selbst die Englischlehrer sprechen. So gesehen ist es eine gute Idee, "Muttersprachler" hinzuzuziehen. Nur schade, dass das nötig ist...

06. September 05

Thomas allein zu Haus

von Thomas

Nachdem Gunda Gestern Hals über Kopf  entschwunden ist, um kleine Japaner irgendwo im Hinterland zu drillen, hocke ich also alleine zu Hause herum :( Nach fast einem Jahr Japan eine ganz neue Erfahrung, vor allem da wir ja doch hier zusammen in der Fremde viel enger auf einander hocken, als das eben vorher in Berlin der Fall war, wo jeder seine Freunde hatte, seinen Interessen einfach auch mal alleine nachgehen konnte...

Aber die Zeit geht schon rum, Gestern habe ich mich mal an unsere japanische Waschmaschine heran gewagt (war gar nicht so schwer) und nebenbei noch Hausaufgaben für unseren Sprachkurs gemacht, der heute nach der über einmonatigen Sommerpause weiterging. Heute Abend bin ich dann noch zum Sport gegangen und jetzt sitze ich halt hier und schreib noch was in unser Blog bevor ich dann gleich mal ins Bett gehe. Ist doch schon etwas spät...

Graduated only!

von Gunda

Dass man in Japan schonmal für nen Babysitter-Job nach seinem Uni-Abschluß gefragtCimg8666_small wird fand ich ja schon bemerkenswert. Aber für das, was ich hier gerade mache, braucht man auch eigentlich zwingend einen. Woraus diese intellektuelle Arbeit besteht? Ich stehe vor sechs verschiedenen Klassen, hebe meine linke Hand hoch und sage: "left hand up". Dann kommt die andere Hand dran. Das geht die Hälfte der Stunde so. Die andere Hälfte kommen "nose, mouth und eye" dazu...
Ich bin froh, daß ich das nur eine Woche lang machen muß. So gesehen ist es ganz gut, daß ich damals vor drei Jahren genau diesen Job wegen meines nicht vorhandenen Uni-Abschlusses nicht bekommen habe.
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05. September 05

Non-touristisch unterwegs

von Gunda

Jetzt fahre ich also ganz spontan mal nach Oyama. Da soll ich bis Freitag Englisch unterrichten und einen ALT (Assistant Language Teacher) vertreten, der plötzlich in sein Heimatland zurückgegangen ist. Und weil das von uns aus etwas weit weg ist, schlafe ich da bei einer Lehrerin. Ich bin schon gespannt, wie eine japanische Schule so ist. Mehr davon später.

Schlafende Männer in Autos auf einem Parkplatz

von Thomas

Heute Morgen ging einiges nicht so richtig glatt, erst ging der Wecker nicht (oder wir haben ihn einfach nicht gehört...) und dann ist mir der Bus, es sah ziemlich nach Regen aus, da wollte ich nicht mit dem Rad fahren, vor der Nase weggefahren und dann dauerte es ein dreiviertel Stunde, bis der Naechste fuhr. Nach dem Start des Tsukuba Express wurde leider der Busfahrplan umgestellt und ausgeduennt, so dass es für mich doch spürbar unbequemer geworden ist. Na ja, herumstehen und warten wollte ich nicht also bin ich zu Fuss Richtung Tsukuba losgegangen.

200509051019Irgendwo auf halben Weg zwischen Arakawaoki und Tsukuba gibt es einen kleinen Park mit einem Autoparkplatz zwischen Hauptstraße und Park. Der Parkplatz ist immer recht gut gefüllt, was wegen des Parks vielleicht nicht verwunderlich ist, aber was schon sehr merkwürdig ist, ist das in vielen der Autos dort Männer sitzen oder liegen und schlafen, manchmal auch einfach nur herumdoesen oder etwas lesen. Und das quasi zu jeder Tageszeit (jedenfalls soweit wir das bisher beobachten konnten...). Was machen die da? Sind es Pendler, die auf den Bus warten? Fahrn die Leute zu früh zur Arbeit und schlafen dort noch ein bisschen? Oder verbringen sie dort ihre Fruehstueckspause? Sind es Männer, die am Abend vorher von ihrer Frau nicht wieder in ihre Wohnung gelassen wurden? Oder ist das dort ein beliebter Treffpunkt für einen Seitensprung?

Irgendwie macht das alles keinen Sinn... Es sind auch ganz unterschiedliche Wagen und Leute, mal ein großer Schlitten, dann wieder eine kleine Klitsche, dann ein kleiner Lieferwagen oder einer diesen Mini-LKW. Keine Ahnung, aber ich muss doch immer wieder drüber nachdenken, wenn ich, wie eben heute, dort vorbei komme :)

04. September 05

Zwischen-fertig

von Gunda

Der Schrank ist jetzt sauber, entrostet, lackiert und in unser Tatami-Zimmer eingezogen. Jetzt wartet er noch auf einen Keil, weil der Boden unglaublich schief ist und schreit geradezu nach einer dekorativen Einbettung in die Umgebung.

vorher: 
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                                                                             nachher:Cimg8668_small_1Cimg8564_small

02. September 05

Visa

von Thomas

Unser erstes Jahr in Japan neigt sich unaufhaltsam seinem Ende entgegen, keine 30 Tage sind es jetzt mehr... Höchste Zeit also, dafür zu sorgen, dass wir noch ein weiteres Jahr hier bleiben können. Für mich ist das auch kein Problem. Diese Woche habe ich eine Art vorläufigen Vertrag bekommen, mit dem ich nun ein neues Visum beantragen kann und auch kriegen werde. Für Gunda ist alles viel komplizierter, denn ihr "Working Holliday"-Visum läßt sich nicht verlängern, sondern nur in eine andere Art von Aufenthaltsgenehmigung umwandeln. Zum Glück hat sie ja einen Job mit langfristigem Vertrag und wenn alles gut geht, dann bekommt sie ein neues Visum.

So sieht es jedenfalls jetzt aus, nachdem wir heute bei der Einwanderungsbehörde in Mito waren, um neue Visa zu beantragen. Bei mir war alles recht unkompliziert, sieht man von den vier DIN-A4 formatigen Fragebögen ab, die ich ausfüllen musste, aber Gunda muss nun noch einiges an Unterlagen nachreichen, bis die Behörde zufrieden gestellt ist und ihr ein Visum gibt. Jetzt heißt es also abwarten...

01. September 05

Traritrara, der Schrank ist da!

von Gunda

Juchhu! Gerade wurde unser Tansu gebracht!Cimg8548_small
Der Lieferant war zwar etwas verwirrt, als ich ihm sagte, er möchte ihn bitte auf den Balkon stellen; aber als ich ihm erklärte, ich würde ihn (also den Schrank, nicht den Lieferanten!) noch sauber machen wollen, erhellte sich seine Miene etwas. Obwohl ich nicht glaube, daß er so etwas vorher als Möglichkeit in Betracht gezogen hatte.
Ab morgen geht's dann richtig los: Saubermachen, desinfizieren, Rost umwandeln, lackieren... (Alles wohl auf dem Balkon besser.) Dann sieht das Teil aus wie teuer  ;-)  und kann ins Tatami-Zimmer einziehen. Ich bin ja schon sooooooooo gespannt!
Mittlerweile habe ich ja auch schon an der kleineren Ausgabe des Schrankes geübt, und der fühlt sich schon seit einigen Tagen in unserer Wohnung prima zu Hause.


p.s.: Ja, Hidehiko, das ist der Daruma, den wir von Dir zum Geburtstag bekommen haben. Nein, wir haben uns noch nichts gewünscht; das haben wir bisher verpeilt...Cimg8547_small