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15. August 05

O-bon

von Gunda

Vergangenes Wochenende wurde in Japan das gefeiert, was man wohl am ehesten mit dem deutschen Totensonntag vergleichen würde.
Nur, daß dieses Fest in einem Land mit teilweise buddhistischer Tradition weniger depressiv ausfällt, als im verregneten, grauen deutschen November. Immerhin glauben die Buddhisten daran, daß die Seele nach dem Tod auf der Erde weiterlebt, und schon zu Lebzeiten werden Tafeln mit dem zukünftigen Namen der Seele im Tempel gekauft. - Je länger, desto bedeutungsvoller, besser ... und teurer.
(Eigentlich glauben die Christen ja auch, daß die Seele der Toten weiterlebt. Warum ist Totensonntag dann so depressiv?)

Zwischen dem 13. und 16. August ist ganz Japan auf den Beinen. Erstens sind Sommerferien und zweitens fährt man zu O-bon in das Haus seiner Ursprungsfamilie, in seine Heimat, weil dahin die Seelen der Ahnen zurückkommen sollen. Vor dem Haus werden Laternen aufgehängt, damit die Seelen den Weg finden.
Für Europäer mag das gruselig klingen, wenn man wirklich daran glaubt, daß in diesen Tagen nicht nur alle Lebenden, sondern auch alle Toten unterwegs durch Japan sind. Für Buddhisten ist es eher eine Art "Familienzusammenführung", die mit fröhlichen Tänzen und dem Lieblingsessen der Ahnen gefeiert werden.
Auch bei uns in Arakawaoki machte sich das Fest bemerkbar:
Lampions hingen vor einigen Türen, es wurde viel geputzt und gewienert, und einige der sonst so verschlossenen Häuser gaben sich plötzlich ganz offen und den Blick auf den Hausaltar frei, der mit Kerzen und Räucherstäbchen bestückt war. Ein längst geschlossener kleiner Laden war plötzlich wie neu, war aber nicht geöffnet, sondern hatte als Auslage Erinnerungsstücke an den verstorbenen Besitzer im Schaufenster. Und heute morgen habe ich gesehen, daß sogar das Hunde-Grab (mit Grabstein und Foto im Garten) in der Nachbarschaft geputzt und mit Leckerli und einem riesigen Gebäckstück versehen war.
Was wir nicht mitbekommen haben, was aber noch traditionell dazugehört: Das Geleit, das die Angehörigen den Seelen ihrer Ahnen geben, damit sie sicher in die Unterwelt zurückfinden. Dazu werden Papierboote mit Kerzen auf einem naheliegenden Fluss schwimmen gelassen. - Das soll jährlich in Hiroshima sehr eindrucksvoll sein, zumal es ja zeitlich so nahe am Gedenktag des Atombombenabwurfes liegt.

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