Google
Web Blog

Aktuelle Fotos

Leute in Japan

Links

Aktuelle Weblogs

« Juli 2005 | Start | September 2005 »

30. August 05

Sportliches

von Thomas

Die japanischen Wissenschaftler arbeiten nicht einfach nur in ihrem Institut, sie leben dort quasi, will heißen, sie verbringen die meiste Zeit des Tages dort. Aber sei arbeiten dort eben nicht nur, sie machen auch noch vieles anderes dort, unter anderem auch Sport. Und unser Institut, das AIST, unterstützt das auch tatkräftig. So gibt es hier auf dem Gelände Baseball-, Fußball- und Tennisplätze, eine Sporthalle und überall auf dem Gelände trifft man während des ganzen Tages Jogger, selbst in der sommerlichen Mittagshitze finden sich noch genug Wagemutige, die sich übers Gelände quälen.

Danach steht mir der Sinn jedoch nicht, ich suche eher eine Abkühlung. Und genau zu diesem Zweck gibt es hier am AIST auch ein Freibad mit einem schönen 25m Becken. Leider bin ich erst heute auf die Idee gekommen, dort einmal hinzugehen. Irgendwie hatte ich es den ganzen Sommer über immer wieder vergessen. Aber heute war es dann mal soweit, ich bin ganz landestypisch während der Mittagspause zum Sport gegangen.

War natürlich nicht der einzige. Gut 30 Schwimmer und Schwimmerinnen tummelten sich in dem Becken, war aber kein Problem, da alle ordentlich ihre Bahnen zogen. Abgesehen von einer blonden Dame im rosa Bikini und mit schicker Sonnenbrille auf der Nase, die erst gut 20 Minuten fast unbeweglich (nur ab und zu fummelte sie an ihrem Bikini rum...) an einer Ecke des Beckens stand, dann eine Bahn schwamm, sich wieder in ihre Ecke zurückzog und sich dann entschloss sich zum Sonnenbaden niederzulassen. Da war die Sonne allerdings schon hinter ein paar Wolken verschwunden, was die Dame nach ein paar Minuten dann wohl auch merkte und ebenfalls verschwand...

Soweit also alles ganz prima, wäre da nicht die komische Vorstellung der Japaner, dass man draußen wohl nur im Juli und August schwimmen kann, denn solange dauert die offizielle Badesaison (und zumindest vorher geht auch keiner in Wasser, wie wir bei unserem ersten Ausflug nach Oarai ja feststellen konnten). Anscheinend ist eine Außentemperatur von mindestens 30 Grad im Schatten eine Mindestvorraussetzung, um im Freien zu schwimmen und es könnte ja sein, dass es im Juni oder September nur 29 Grad warm ist... Na ja, vielleicht kann ich ja den Rest der Woche noch zu einem weiteren Schwimmbadbesuch nutzen und ansonsten warte ich halt bis naechstes Jahr...

29. August 05

Tansu

von Gunda

Soeben haben wir es vollbracht: Wir haben in Thomas' Mittagspause bei einem Antiquitäten- und "Recycling"-Laden in der Nähe einen Tansu, eine alte japanische Kommode, erstanden.
Spottbillig, und der Lieferpreis war auch ziemlich niedrig. Gut, ich muß da mindestens eine Woche Arbeit reinstecken; aber das lohnt sich auf jeden Fall. Dazu habe ich mir noch den "kleinen Bruder" für diversen Schreibwaren-Kleinkram mitgenommen. Unser Schwein ist schonmal begeistert. Cimg8544_smallGeliefert wird das größere Teil am Donnerstag, und dann gibt es erstmal für mich viel zu tun. (Aber da mein Bosch-Projekt ja jetzt erstmal fertig und die Erkältung am Abklingen ist, paßt das ganz gut.)
Aufgetaucht sind die Tansu in Japan im späten 17. Jhdt. als eine Art "Seekiste", so etwas wie ein "Koffer" für längere Reisen. Sie wurden, wenn sie nicht gebraucht wurden, im Wandschrank oder draußen im Schuppen des Hauses verwahrt. Deshalb war es für die Japaner anfangs sehr überraschend, daß ihre "alten Kisten" solch großen Anklang bei den "Westlern" fanden.
Ihre Hoch-Zeit hatten die Tansu im 19. Jhdt. Zu dieser Zeit wurden in vielen verschiedenen Regionen solche Schränke produziert, die, je nach Gegend, anders verziert waren. (Frag mich jetzt bitte keiner, wo unserer herkommt!)
In der Edo-Zeit (1603-1868) begann man auch damit, in einem Tansu ideelle Werte aufzubewahren; denn man konnte die Kiste z. B. im Falle eines Feuers schnell ins Freie transportieren. 1657 wurde dies bei einem großen Brand in Tokyo allerdings 107 000 Menschen zum Verhängnis, die qualvoll in den Flammen umkamen, weil viele Tansu die Fluchtwege versperrten. (Quelle: "At home with Japanese Design", Mahoney und Landers Rao)
Ganz so dramatisch verläuft die Geschichte unserer Kommode bestimmt in Zukunft nicht. Sie wird ein eher stilles aber bewundertes Dasein in unserem Tatami-Zimmer fristen, gelegendlich mit meinen Ikebana-Versuchen geziert werden und später mit nach Deutschland reisen.
Hier aber schonmal ein Bild aus o.g. Buch, um den Stil ungefähr deutlich zu machen:
(Unsere Kommode ist aber nur halb so groß und -erstmal- nicht ganz so edel...)

Cimg8546_small

27. August 05

Wieder mal Matsuri

von Gunda

Cimg8449_smallAlso, für meinen Geschmack isses jetzt mal genuch mit Sommerfest.
Inzwischen haben wir wohl genug Feste zusammen, um mit jedem japanischen Leben konkurrieren zu können. Man könnte unseren Aufenthalt hier auch unter folgendem Titel zusammenfassen:
Ein ganzes Leben in zwei Jahren. Oder: Die Instant-Japaner.  ;-)

Jedenfalls waren wir diesmal in Tsukuba, was ja irgendwie auch sein mußte, weil Thomas da arbeitet und es eine der zwei nächstgrößeren Städte ist.
Inzwischen sind wir ja dann doch etwas verwöhnt und abgebrüht. (Schade eigentlich..) Vielleicht lag es auch daran, daß wir an einer großen Kreuzung standen und der Schall sich da viel schneller verflüchtigen konnte, als in engen Gassen. Jedenfalls kamen unsCimg8464_small erst die Wagen viel gelangweilter und energieloser vor, als bei den bisherigen Festen. Auch, daß einige Wagen mit Autos und nicht durch viele engagierte Menschen gezogen wurden, büßte doch etwas an Stimmung ein.
Aber später kamen dann noch Wagen mit riesigen bunten Papier-Figuren, die von innen beleuchtet waren. Sowas hatten wir bisher noch nie gesehen. Die Figuren Cimg8508_smallstellten kämpfende Götter dar und waren so bemessen, daß sie gerade unter der Brücke durchpaßten. Gegen Ende der Parade waren sie trotzdem ganz schön zerlumpt...
Die Brücken waren in diesem Jahr gesperrt. Linda hatte uns erzählt, daß im vergangenen Jahr dort sehr viele Leute standen, um besser sehen zu können und die Brücken hinterher richtig große Risse hatten.
Toll, vorallem aber sehr energiereich und engagiert, war auch die Beteiligung der ortsansässigen Behindertenwerkstatt. Die Betreuten trugen, zusammen mit den Angestellten, lustige (wahrscheinlich selbstgemachte) bunte Hüte und Laternen und riefen die üblichen Sprüche zu lautem Getute und Gerassel.
Die Trommeln des Umzugs wurden diesmal von Kindern geschlagen, und es war erstaunlich, wie viel Kraft sie aufbringen konnten. - Der Klang war genauso, vorallem aber genauso laut, wie bei den erwachsenen Trommlern.Cimg8483_small
Zum Schluß haben wir dann noch, mitten auf der Kreuzung stehend, beobachtet, wie sich alles am Ende aufgelöst hat.
Komisch fand ich allerdings, daß die vielen in Tsukuba lebenden Ausländer gar nicht beteiligt waren. Sogar kaum als Zuschauer. Durften sie nicht? Wollten sie nicht? Konnten sie nicht? Waren sie alle in den Sommerferien?

Unser Extra diesmal: Matsuri hören und sehen HIER!

Kurzvideo: Tsukuba Matsuri 2

Kurzvideo: Tsukuba Matsuri 2

26. August 05

Regenzeit, Sommerhitze und Taifune

von Thomas

Ich gabe das Gefuehl, ich habe noch nie soviele Gedanken an das Wetter verloren, wie in der Zeit, seit wir nach Japan gekommen sind. Das fing schon an, als wir letzten Oktober hier hingekommen sind. Der angeblich so goldene japanische Oktober war eher von Regen und von Taifunen gepraegt, die letztes Jahr besonders haeufig waren. Allerdings, an den Tagen, an denen es nicht regnete, war es wirklich sehr schoen. Bis weit in den November hinein, war es oft ueber 20 Grad warm, man konnte in T-Shirt und Sandalen herumlaufen, aber nachts und an den vielen Regentagen war es sehr kalt und ungemuetlich. Und da in unserem Zimmer im Sakura-kan Gaestehaus die Klimaanlage nicht richtig funktionierte (man konnte nicht heizen...), litt unsere Gesundheit doch sehr.

Ja besonders der Unterschied zwischen dem, was uns zuvor erzaehlt wurde, was wir erwartet hatten, und dem, was wir dann hier bezueglichd es Wetters erlebt hatten, war doch von Anfang an sehr gross. Und eigentlich zog sich das durch alle Jahreszeiten.

Schnee koenne man hier nicht erwarten, hiess es. Gut, meterdicke Schneedecken gab es hier nicht, aber in vielen Gegenden Deustchlands, vor allem in denen, in denen ich bisher gewohnt habe, gibt es seit vielen Jahren auch nicht mehr Schnee.

Und dann die Regenzeit. Tagelange Dauerregen, sinnflutartige Regenfluten, Stuerme, so dass kein Schirm einen schutezen kann, wurden uns prophezeit. Billige Plastikschuhe sollten wir uns zulegen, da alle anderen eh nur kaputt gehen wuerden, usw. Und was war? Manchmal hat es schon geregnet, auch recht heftig, aber schlimmer als ein deutsches Somemrgewitter war das auch nicht. Und ich habe schon Fruehsommer mit viel mehr Regen erlebt, als in der diesjaehrigen japanischen Regenzeit. Aber es soll auch eine bsonders trockene gewesen sein. Nach aussergewoehnlich vielen Taifunen im letzten Herbst, nun eine besonders trockene Regenzeit. Japan will sich uns wohl von seiner besonders extremen Seite praesentieren ;)

Und dann der Sommer. Hitze... 40 Grad im Schatten, wochenlang, kein Entkommen, es wird einfach nur grausam... Na ja, der Sommer geht langsam zu Ende, es war oft wolkig und regnete vor allem in den letzten 2 Wochen sehr oft. Tagsueber ist es maximal 30 Grad warm, nachts kuehlt es allerdings kaum ab. Die Luftfeuchtigkeit ist natuerlich hoch, aber es ist alles in keinsterweise so schlimm, wie ich es erwartet haette. Heisse Augusttage gibt es auch in Deutschland, und schwuel ist es dort dann auch.  Und in den letzten Tagen ist es abends, wenn ich nach Hause fahre, oft so kuehl, dass ich am liebsten eine Jacke anziehen moechte.

Nein, dass soll nicht heissen, dass es ein bischen kuehler nicht angenehmer waere, aber es ist eben keine Vergleich zu dem, was an Schrecklichem ich erwartet hatte, nach alle den Horrorberichten zuvor. Natuerlich haben wir uns hier auch langsam an dei hoeheren Temperaturen gewoehnen koennen, denn es ist ja das ganze Jahr ueber immer etwas waermer als in Deutschland und auch die Sommerhitze kommt allmaehlich und nicht sprunghaft und die die Temepraturen sind konstanter. Regenet es in Deustchland im Sommer, fallen die  Temepraturen gleich um 10 oder  mehr Grad, hier dagegen nicht. Selbst nach 2 Wochen fast taeglichem Regen ist es nur etwa 2 bis 3 Grad kuehler geworden. Der Koerper muss sich also nicht staendig umstellen, sondern kann sich auf eine bestimmte Temperatur einstellen. Mir scheint das zumindest zu helfen. Ich glaube, es gab noch keinen Sommer, in dem ich so warm angezogen rumgelaufen bin, wie in diesem...

Toedlich sind allerdings die Klimaanlagen, die bevorzugt zu kuehl eingstellt sind. Steigt man in einen Bus, meint man eine Kuehlschrank zu betreten. Staendig pustet es einem in den Nacken und auch nachts muss man ja fuer etwas Abkuehlung sorgen und laesst dann auch zu Hause die Klimaanlage laufen. Und so hat es erst mich mit einer Erklaeltung erwischt und kaum ging es mir besser, liegt nun Gunda ganz schlimm danieder. Ja, diese Kaelteschocks sind wirklich gruasam, eigentlich muesste man immer eine Jacke mit sich rumschleppen, aber da ist man dann ja auch wieder zu bequem.

Und wie geht es weiter? In einem Monat ist das Jahr um und langsam beginnt sich der (Wetter-)Kreis zu schliessen. Momentan tobt sich Taifun Nr. 11 ueber Japan aus. Wahrscheinlich geht es jetzt in den naechsten Wochen, Monaten so weiter. Man wird sehen, erstmal den aktuellen, den ersten wirklich schweren Taifun des Sommers, abwarten und hoffen, dass er uns nicht zu uebel mitspielt...

Zikaden

von Gunda

Ja, das große eklige Flügelteil auf unserem Balkon war tatsächlich eine Zikade. Offensichtlich gibt es zwei verschiedene Sorten, die auch zwei verschiedene Arten von Tönen von sich geben. Der eine Ton ist etwas klagender und seltener zu hören. Deshalb glaube ich, daß der eher von diesen Riesen-Heuschrecken kommt. Dann gibt es noch diese Teile, die aussehen, wie riesige (etwa handtellergroße) Motten. Die sind doch recht häufig. Inzwischen sieht man auch immer mehr tote Exemplare auf der Straße rumliegen, weil sich der Sommer ja auch langsam dem Ende zuneigt. Thomas' koreanischer Kollege meinte, er hätte irgendwo gelesen, daß Zikaden sich ein Jahr lang verpuppen, dann aber nur eine Woche leben würden. Da gibt's dann natürlich viel zu tun in dieser Woche... Gerade, was das Krachmachen angeht. Wenn so ein Baum voller Zikaden ist und man darunter vorbeigeht, denkt man, man steht neben einer Auto-Alarmanlage. Das Geräusch ist genauso laut und genauso schrill. Und je schwüler, desto lauter.
Gestern habe ich gesehen, wie ein kleiner Junge eine Zikade von einem Baumstamm gepflückt hat und damit begeistert zu seiner Mutter gerannt ist. Wenn man bedenkt, daß Thomas und ich uns erst erschreckt und dann geekelt haben, als uns so ein Ding mal aus Versehen angeflogen hat... (Die fliegen etwas torkelnd und können sich wohl nicht so gut koordinieren.)

25. August 05

Das Kohlfeld...

Das Kohlfeld...

von Gunda

... ist rehabilitiert. Thomas meint, es sieht nach Mais aus. Wir werden sehen.

24. August 05

Sich das Leben gegenseitig zur Hölle machen

von Gunda

Nein, ich schriebe unter diesem Titel nicht von Thomas und mir...

Uns ist nur aufgefallen, daß Thomas bei der Arbeit in letzter Zeit recht häufig nach unserer Beziehung gefragt wurde.
Nachdem wir schon vorher komische Geschichten von einigen Kollegen gehört hatten, wie sich deren Frauen manchmal so verhalten, bekam Thomas neulich erst die Frage gestellt, ob man mit mir auskommen könnte und gestern dann die, ob deutsche Frauen auch so "stark" wären.
Nach und nach haben wir durch Beobachtungen und Berichte doch sehr deutlich bemerkt, daß es in Japan durchaus häufig vorkommt, daß man irgendwann heiratet, weil "man schon so alt ist und ja irgendwann heiraten muß", bzw. weil "man verheiratet sein wollte". (Beides in Deutschland nicht unbedingt ein Grund zum Heiraten...) Ich will hier nicht behaupten, daß alle japanischen Ehen "Zweckehen" sind; aber man bekommt schon oft diesen Eindruck. Als Frau gilt es, einen Mann mit möglichst hohem Einkommen zu finden, der möglichst wenig zu Hause ist. Dann wird sie Hausfrau, bekommt Kinder und verwaltet das gemeinsame Geld. Als Mann sucht man sich eine möglichst tüchtige Hausfrau. Klingt alles ganz einfach, und würde vielleicht auch gut funktionieren, wenn man miteinander nur mal über die eigenen Vorstellungen reden würde. Da japanische Paare im Schnitt sehr wenig miteinander reden, ist Frust eigentlich schon vorprogrammiert: Die Frau sitzt zu Hause und wird zickig und tyrannisch; der Mann arbeitet immer länger, um weniger zu Hause sein zu müssen, ignoriert die Frau, um offene Konflikte zu vermeiden; und irgendwo dazwischen hängen Kinder...
So kommt es zu solchen Beobachtungen, daß der Mann im Restaurant liest und die Frau in die Luft starrt, daß das Argument "Tolle Idee, aber das macht meine Frau nicht mit." recht häufig fällt und daß man so interessante Geschichten erzählt bekommt, wie z.B. daß der Mann vor der Ehe noch schnell Geld beiseite schafft oder daß die Frau von innen die Wohnungstür verrammelt, wenn der Mann mal etwas später nach Hause kommt.
Klar, das sind vielleicht Extremfälle; aber die Geschichten häufen sich doch nach und nach. Und wir wundern uns immer mehr, wie Leute unter solchen Umständen zusammenleben können und wollen.

Vielleicht kapieren wir ja jetzt auch langsam, warum normalerweise ein Doppelzimmer in einem japanischen Hotel mit zwei getrennten Betten ausgestattet ist und warum es Japaner gar nicht merkwürdig finden, wenn die Frau in einem Zimmer und der Mann zusammen mit dem Hund in einem anderen Zimmer schläft...

Ach ja, und dann ist da noch die Sache mit den Schwiegermüttern. Schon in Deutschland kein leichtes Thema. (Ich kann mich allerdings wirklich nicht beschweren!) Aber in Japan und Korea wird von den Schwiegertöchtern verlangt, daß sie bei einem Besuch im Haus der Schwiegereltern für die gesamte Zeit den Haushalt führen. Und da wundern sich die Männer echt noch darüber, daß ihre Frau ein komisches Verhältnis zu ihrer Mutter hat...

23. August 05

Interview

von Thomas

Da haben wir, als wir letztes Jahr nach Japan gingen, uns gedacht, wir machen was richtig Progressives und schreiben ein Weblog, damit die Daheimgebliebenen ein bisschen verfolgen können, wie es uns ergeht, und müssen jetzt feststellen, dass das technisch gesehen schon wieder ein alter Hut ist. Podcasts macht man jetzt! Häh, was'n das? Mir ist der Begriff zum ersten mal vor ein paar Wochen über den Weg gelaufen, als ich ein neues iTunes-Update installierte. Schien so was wie'n ein Hörbuch zu sein, hab's dann aber auch schnell wieder vergessen. Ja und nun? Nun gibt's Gunda und Thomas selber in einem Podcast zu hören!

Aber der Reihe nach... Per Suchmaschine schaue ich mich ja immer nach anderen Leuten um, die auch von Deutschland nach Japan gegangen sind und sich nun im Internet verbreiten. Inzwischen habe ich auch schon einige gefunden und hier auch verlinkt. Manchmal kommt es sogar zu gegenseitigen virtuellen Besuchen, man schreibt ein paar Kommentare oder bekommt welche, manchmal gibt's auch einen netten Gästebucheintrag und manchmal auch eine E-Mail. Und genauso eine haben wir vor ein paar Tagen bekommen. Und zwar von Kilian Muster, dessen Weblog K:Zone ich irgendwann einmal verlinkt hatte. Und in der Mail tauchte dann der Begriff Podcast wieder auf. Denn statt nur ein einfaches Weblog zu betreiben, bietet Kilian seit ein paar Wochen Podcasts mit Berichten über Japan, Interviews usw. auf seiner Seite, die nun Kilians Podkost heißt, an.

Tja, und neben der Bitte doch den Link zu aktualisieren, fand sich in der Mail auch die Anfrage, ob wir uns für einen seiner nächsten Podcast von ihm zu unserem Japan-Aufenthalt interviewen lassen wollen... Lange Rede kurzer Sinn, ich fand die Idee toll, Gunda auch und so wurden wir dann letzten Dienstag von Kilian ausgefragt und seit heute gibt es das Ganze dann auch online auf seiner Webseite zu finden...

Hey Leute, es ist prima geworden, vielen Dank an Kilian und jetzt schaut euch Kilians Podkost an und hört euch seinen neuesten Beitrag an: Kilians Podkost #014

Viel Spaß :)

Noch was...

von Gunda

Was für ein komischer Tag! Jetzt sitzt einer neben mir an der Bushaltestelle und rasiert sich mit nem elektrischen Rasierer...

Wahlkampf in Arakawaoki

von Gunda

Cool!
Gerade hat mich Herr Nakayama (offensichtlich einer der Kandidaten für unseren Wahlkreis) persönlich in schwarzem Anzug und mit Partei-Schärpe am Bahnhof mit einer tiefen Verbeugung begrüßt. Als er wieder hochkam und sah, daß ich Ausländerin bin, war er komplett irritiert. Seine Helfer meinten, das geraderücken zu müssen und brüllten mir "Good morning!" auf die Rolltreppe hinterher.

20. August 05

So'n ganz normaler durchschnittlicher Samstag

von Thomas

Heute ist irgendwie nix weltbewegendes passiert, ein ganz normaler Samstag halt. Morgens aufstehen, waschen und anziehen, dann spülen und frühstücken. Alles ganz gemütlich, ohne große Hetze. Mittags hatten wir dann einen Termin beim Frisör. 'Business as usual' kann man da nur sagen. Unsere Auftritte dort verursachen kaum noch Aufregung. Klar, sie fragen uns immer noch ein paar Dinge über dies und das, aber alles ist viel cooler, als am Anfang. Allerdings dauert es immer noch ewig. Die Dame, die mir immer die Haare schneidet, macht dies so vorsichtig, dass man gar nicht merkt, dass sie überhaupt etwas macht. Aber insgesamt ist es dort sehr angenehm.

Nach dem Haareschneiden hatten wir erstmal Hunger. Ein paar Meter weiter gibt es ein pseudo-amerikanisches Lokal. Ich hab einen riesen Hamburger mit Pommes, Gunda kleine Frikadellen mit Pommes gegessen. Zum Nachtisch haben wir dann jeweils noch eine dieser Eis, Softeis, Sahne und Cornflakes Kreationen gegessen, Gunda mit Erdbeer-, ich mit Schokosoße. Lecker!

Danach musste ich nochmal kurz zur Arbeit, eine Messung stand noch an. Das war aber schnell erledigt. Kryo angeschlossen, abgekühlt und ab die Messung. Dann Kryo wieder abmachen und weiter geht's. Zwischendurch war noch Zeit, um Gunda endlich mal das Labor zu zeigen. Glaube, sie war recht beeindruckt, vor allem aber mal froh, endlich zu sehen, wie mein Arbeitsplatz, von dem ich ihr immer viel erzaehle, denn so aussieht.

Dann sind wir mit dem Bus wieder Richtung Arakawaoki gefahren. Dort haben wir im Kaufhaus noch ein bischen was eingekauft und sind dann nach Hause gegangen. Inzwischen war der Tag auch schon fast um... Eiegntlich wollten wir noch ins Fitnesstudio, aber dann hatten wir doch keine Lust mehr und sind zu Hause geblieben, noch ein bischen was gegessen, ansonsten viel  rumgesessen. Jetzt schaut Gunda noch etwas im Fernsehn und ich schreibe hier halt was.

Wie man sieht, ein ganz unspektakulärer Tag... Morgen wollen wir dann kurz nach Tokyo und am Nachmittag nach Yokohama, zum örtlichen Festival mit viel Musik, Geschrei und Leuten, die einen Schrein durch die Gegend tragen. Vielleicht wird das dann ja ein etwas ungewöhnlicherer Tag :)

Die Mainzelleute kommen!

von Gunda

Volker und Andrea Haug (geb. Weber) aus Mainz haben kürzlich geheiratet und sich in den Kopf gesetzt, erstens ihre Hochzeitsvorbereitungen in einem Blog festzuhalten und zweitens, ihre Hochzeitsreise in Japan zu verbringen.Cimg8403_small

Zur Vorbereitung sind sie auf unsere Homepage gestoßen, und haben sich etwas später auch noch per Mail bei uns gemeldet. Daraus ist die Idee entstanden, sich in Tokyo zu treffen.
Leider mußte Thomas arbeiten und war dazu noch krank, sodaß ich mich alleine mit den Frischvermählten getroffen habe.
Erst am Mittwoch. Da haben wir stundenlang in einem Café Cimg8377_smallgesessen, und die beiden haben mich über das Leben in Japan ausgequetscht. Ich habe ihnen ein bischen überlebens-Katakana beigebracht, und unser Schwein durfte Bruno, den Stoffelefanten kennenlernen.Cimg8380_small
Dann haben wir uns gleich am Freitag wiedergesehen und sind auf ein Straßenfest nach Roppongi gefahren. Mir hat das Einblicke in die Tokyoter Straßenfeste gegeben, und für die beiden war es sowieso toll, weil es ihr erstes japanisches Fest war.
Ich habe bei den beiden Treffen gemerkt, daß wir (Thomas und ich) schon einen ziemlich tiefen Einblick in Japan haben. Auch, wenn es uns manchmal gar nicht so vorkommt. Vorallem aber habe ich gemerkt, daß ich schon viel mehr tiefer verstehe, was auch daran liegt, daß ich vieles inzwischen durchaus aus der "östlichen" Perspektive sehen kann. Und wo man sich als "frischeingeflogener" Europäer dran stößt, weiß ich manchmal schon die Antwort auf das "Warum?". (Allerdings wissen wir noch lange nicht genug Antworten.)Cimg8383_small

Alles in allem waren die Treffen ganz toll. Und ich glaube, für Andrea und Volker war es ein interessanter Start in eine neue fremde Welt.
Jedenfalls hatten wir alle viel Spaß, und ich freue mich schon auf die Berichte der beiden, wenn sie wieder zurück in Deutschland sind.

19. August 05

Donau '91

von Gunda

"There are different ways of living. Scouting is one." Das T-shirt, auf dem dieser Spruch stand und das ich auf dem internationalen Zeltlager (Österreich) mit dem Titel "Donau '91" eben 1991 erstanden habe, war lange Zeit mein Lieblings-T-shirt. Ich sehe noch vieles vor mir: Den knöcheltiefen Schlamm bei der Ankunft, von dem auch unsere Fahrräder nicht verschont blieben ("Mei is dös gatschig!"), unsere dauerhaft eingestürzte Kothe, die Radtour im Anschluß ans Zeltlager und ein Foto von Thekla in Bikini, Sonnenbrille und Kopftuch
neben ihrem Fahrrad, wie sie gerade einen selbstgemopsten Maiskolben verzehrt...

Tja, und gestern habe ich dieses T-shirt im Fitnesstudio gesehen. (In Japan!) Ausgeleiert und ausgeblichen, wie auch an uns die Jahre nicht spurlos vorübergegangen sind. Das heißt, zuerst dachte ich sowas wie "Komisch, so ein T-shirt hatte ich auch mal." Und dann fiel mir schlagartig ein, daß ja nur ein paar tausend Leute auf diesem Zeltlager waren und daß die meisten davon Europäer (maximal ein paar Amerikaner) waren. Alles innerhalb von Sekunden des Vorbeilaufens. Und dann mußte ich die Frau, die dieses T-shirt getragen hat, dann doch mal ansprechen.
Ja, erzählte sie mir in sehr gutem Englisch, sie sei damals mit einer israelischen Pfadfindergruppe dagewesen. Wir fanden es beide irgendwie lustig, vor so langer Zeit auf dem gleichen Zeltlager gewesen zu sein, haben uns kurz über unsere Pfadfinder-Geschichte ausgetauscht und uns einfach nur mit "See you!" verabschiedet, was ich hinterher, als ich schon mit dem Sport angefangen habe, sehr bereut habe. Also bin ich nochmal runtergerannt und habe sie gerade noch in der Eingangshalle erwischt und ihr meine Mail-Adresse gegeben. Pfadfinder waren immer besondere Menschen. (Wobei ich nicht sagen will, daß ich alle Pfadfinder sympathisch finde; genauso, wie es ja auch viele Nicht-Pfadfinder gibt, die mir sehr sympathisch sind.) Mal sehen, ob ein Kontakt draus wird...

Wie klein die Welt doch immerwieder ist!

17. August 05

Die gruene Welle geht um...

von Thomas

Inzwischen bin ich ja die vielen Ansagen, mit denen uns das AIST taeglich beglueckt, schon gewohnt. Mittags wird man daran erinnert, dass man jetzt Pause machen und etwas essen soll, am spaeten Nachmittag wird man gebeten, nun endlich aufzuhoeren mit der Arbeit und weil niemand sich daran haelt, wird man zwei Stunden spaeter nochmals energisch darauf hingewiesen, nun aber wirklich mal nach Hause zu gehen...

Und jetzt gibt es noch eine Ansage: Kurz vor der Mittagspausenerinnerung erfolgt nun ein Hinweis darauf, dass das AIST sich bemueht Energie zu sparen und das doch die Mitarbeiter sich an diesen Bemuehungen eifrig beteiligen sollten, in dem sie z.B. in der Mittagspause das Licht im Buero ausmachen. Hm, mit ein bischen Nachdenken, koennte ma da auch selbst drauf kommen, aber vielleicht ist das zuviel erwartet, geht doch selbst unser Arbeitgeber davon aus, dass wir noch nichtmal wissen, dass wir Mittags was essen sollten... Kann man da soviel Initiative erwarten, dass man da von sich aus Energie spart?

Neben der Lautsprecherdurchsage wird es aber noch mehr Massnahmen geben, so sollen auf den Klos z.B. Zeitschalter installiert werden, die die Beleuchtung automatisch abschalten usw. Und damit man irgendwann irgendjemanden zeigen  kann, wieviel Energie irgendwer gesparrt hat, werden pro Arbeitsgruppe ein paar Leute dazu verdonnert, die Energiesparerfolge der Gruppe zu protokolieren und das zweimal taeglich(!) in Form eines kleinen Berichtes. Ob das nicht eher eine Art von Energieverschwendung ist? Denn die armen Mitarbeiter, muessen ja auch noch ihre normale Arbeit erledigen und daher muessen sie in Zukunft noch etwas laenger arbeiten und das machen sie natuerlich nicht im Dunkeln...

16. August 05

Erdbeben in Sendai

von Thomas

Heute Mittag gab es ein recht schweres Erdbeben in Sendai, einige hundert Kilometer noerdlich von uns. Bei uns war davon allerdings nicht mehr viel zu spueren. Ich war gerade im Buero und Gunda war unterwegs in der Naehe unserer Wohnung.

Angeblich hatte das Beben eine Staerke von 6,8 auf der Richterskala, genaueres gibt es wohl erst spaeter. Ein paar Menschen wurden verletzt, als ein Hallendach einstuerzte, ansonsten hat man bis jetzt von keinen groesseren Schaeden gehoert. Zuege wurden wie immer angehalten, eine Tsunami-Wahrnung gab es, die aber schon wieder aufgehoben worden ist.

Ein paar unserer Professoren arbeiten an der Uni in Sendai, soweit sie es bisher geschrieben haben, sind bei ihnen ein paar Geraete kaputt gegangen, sonst ist aber niemandem etwas passiert. Da Morgen die ueblichen Besprechungen stattfinden, wollten sie heute eigentlich wie immer mit dem Zug nach Tsukuba kommen. Das faellt eventuell erstmal flach. Man wird sehen...

Infos zum Beben im Internet gibt es in Deutsch und Englisch:

Spiegel-Online
Japan-Times

15. August 05

O-bon

von Gunda

Vergangenes Wochenende wurde in Japan das gefeiert, was man wohl am ehesten mit dem deutschen Totensonntag vergleichen würde.
Nur, daß dieses Fest in einem Land mit teilweise buddhistischer Tradition weniger depressiv ausfällt, als im verregneten, grauen deutschen November. Immerhin glauben die Buddhisten daran, daß die Seele nach dem Tod auf der Erde weiterlebt, und schon zu Lebzeiten werden Tafeln mit dem zukünftigen Namen der Seele im Tempel gekauft. - Je länger, desto bedeutungsvoller, besser ... und teurer.
(Eigentlich glauben die Christen ja auch, daß die Seele der Toten weiterlebt. Warum ist Totensonntag dann so depressiv?)

Zwischen dem 13. und 16. August ist ganz Japan auf den Beinen. Erstens sind Sommerferien und zweitens fährt man zu O-bon in das Haus seiner Ursprungsfamilie, in seine Heimat, weil dahin die Seelen der Ahnen zurückkommen sollen. Vor dem Haus werden Laternen aufgehängt, damit die Seelen den Weg finden.
Für Europäer mag das gruselig klingen, wenn man wirklich daran glaubt, daß in diesen Tagen nicht nur alle Lebenden, sondern auch alle Toten unterwegs durch Japan sind. Für Buddhisten ist es eher eine Art "Familienzusammenführung", die mit fröhlichen Tänzen und dem Lieblingsessen der Ahnen gefeiert werden.
Auch bei uns in Arakawaoki machte sich das Fest bemerkbar:
Lampions hingen vor einigen Türen, es wurde viel geputzt und gewienert, und einige der sonst so verschlossenen Häuser gaben sich plötzlich ganz offen und den Blick auf den Hausaltar frei, der mit Kerzen und Räucherstäbchen bestückt war. Ein längst geschlossener kleiner Laden war plötzlich wie neu, war aber nicht geöffnet, sondern hatte als Auslage Erinnerungsstücke an den verstorbenen Besitzer im Schaufenster. Und heute morgen habe ich gesehen, daß sogar das Hunde-Grab (mit Grabstein und Foto im Garten) in der Nachbarschaft geputzt und mit Leckerli und einem riesigen Gebäckstück versehen war.
Was wir nicht mitbekommen haben, was aber noch traditionell dazugehört: Das Geleit, das die Angehörigen den Seelen ihrer Ahnen geben, damit sie sicher in die Unterwelt zurückfinden. Dazu werden Papierboote mit Kerzen auf einem naheliegenden Fluss schwimmen gelassen. - Das soll jährlich in Hiroshima sehr eindrucksvoll sein, zumal es ja zeitlich so nahe am Gedenktag des Atombombenabwurfes liegt.

Labortiere

von Thomas

Manfred hatte mir mal von einer Kakerlake erzaehlt, die sich in seinem Laser eingenistet hattte, als er damals an der Todai in Tokyo war. Sowas habe ich bisher noch nicht erlebt, dass es aber moeglich ist, kann ich mir jetzt gut vorstellen, denn als ich eben im Labor war, huepfte ein gut 3 cm langes Insekt munter am Boden herum... Bisher hatte ich hoechsten mal was durch die Flure des Laborgebaeudes fliegen sehen, in den Laboren selbst, hatte ich bisher noch nichts entdeckt. Jetzt bin ich natuerlich auch mal gespannt, wann ich was in einem Geraet entdecken werde :)

200508151317Nach dem Essen eben, Gunda war kurz vorbeigekommen, hatten wir uns noch etwas draussen hingesetzt und ein Eis gegessen, haben wir dann eine ganze Kolonie ekliger Kaefer entdeckt, die es sich unter den Blaettern eines Kirschbaumes gemuetlich gemacht hatten. Gut daumengrosse, ziemlich fette, etwas an uebergrosse Maden erinnernde Tierchen, mit halbtranparenter Haut und langen Zangen am Kopf. Vielleicht ein paar noch junge Hirschkaefer, die Lieblingshaustierchen manch japanischer Kinder. Am Wochenende hatte ich zwei Hirschkaefermagazine gesehen. In dem einen ging es um die Kaefer selbst, in dem anderen um Sammelkarten mit Kaeferphotos. Brrrrhhhhhh...

13. August 05

The Island

von Thomas

Heute sind wir nach Tsuchiura gefahren, so ganz fit war ich noch nicht wieder, aber nur in der Bude sitzen wollte ich dann auch nicht,  und so da reichte ein kurzer Ausflug.  Ausserdem hatten wir letztes Wochenende ein kleines Kino entdeckt, von dem wir dachten, dass es nicht so teuer ist (inzwischen sind wir schlauer und um einiges aermer, denn die Billigpreise gelten nur an bestimmten Tagen...). Tsuchiura wirkt zwar wesentlich gewachsener als Tsukuba, mit vielen kleinen Laedchen neben zwei grossen Kaufhaeusern, aber es wirkt auch etwas ramschig, da viele Gebaeude mal ueberholt werden muessten und viele Geschaefte geschlossen sind und jetzt leer stehen. Besonders eine Einkaufspassage namens "Mall 505" wirkt ziemlich trostlos, da dort gut dreiviertel aller Laeden zu waren, obwohl die Idee an sich gar nicht so schlecht ist.  Vielleicht kommt ja mal jemand auf die Idee, wie man da etwas mehr Leben reinbringen kann.

Wir waren dort also erst ewtas bummeln und sind dann ins Kino gegangen. "The Island" wollten wir uns anschauen. Der Film ist ja an den Kinokassen ziemlich geflopt und hat auch keine wirklich guten Kritiken bekommen, aber ich fand die Story, dem Trailer nach zu urteilen, nicht schlecht und so sind wir einfach trotzdem rein.

Im Prinzip ist der Film eine Neuauflage des 70er Jahre Science-Fiction Klassikers  "Logan's run", vor allem der erste Teil des Films ist fast eine 1:1-Kopie. In beiden Filmen leben Menschen in einer kuenstlichen in sich abgeschlossenen unterirdischen Welt, nachdem es an der Erdoberflaeche eine nicht naeher bestimmte Katastrophe gegeben hat, die alles Leben dort ausgeloescht hat. Eiegntlich sind die Zustaende in der kuenstlichen Welt sehr angenehm, jedoch herrschen strenge Regeln, ueber deren Einhaltung die eine Waechterklasse streng wacht. In beiden Faellen wird den Bewohner jeoch eine Erloesung angeboten, ein Uebergang in eine bessere Welt. In "The Island" ist das eben jene Insel, auf die Gewinner einer Lotterie gebracht werden. In beiden Faellen ist das Versprechen der Erloesung jedoch eine Luege, die Auserwaehlten werde schlicht ermordet. Spannend wir das Ganze natuerlich erst dadurch, dass jemand versucht aus dieser Welt zu fliehen. Idealerweise findet sich immer ein fluchtwilliges Paar, so auch hier.

Den beiden Helden gelingt natuerlich die Flucht in die Aussenwelt und hier werden dann die Unterschiede in den Hintergrundstories beider Filme recht deutlich. In "Logans run" gab es natuerlich wirklich ein grosses Unglueck auf der Erde (wie in so vielen Filmen in der damaligen Zeit) und nur ein alter Mann haust noch in den Ruinen des einstigen Washington, was jedoch reicht, um den Bewohnern der unterirdischen Stadt zu beweisen, dass ein Leben auf der Erde moeglich ist usw.

In "The Island" stellt sich jedoch heraus, dass die Bewohner der Stadt nur Klone sind, lebende Ersatzteillager fuer reiche Erdenbuerger, die sterben muessen, wenn ihr Besitzer in Not ist, ein Baby haben moechte oder sich schlicht ein juengeres Outfit durch etwas Hauttransplation geben moechte. Was folgt ist eine wilde Jagd mit viel Knall und Bumm, bis schlieslich die beiden Helden die Klone befreien und ihren fiesen Schoepfer erledigen.

Das alles ist eigentlich recht spannend und actionreich verfilmt und die Story durchaus in sich logisch und ohne groessere Abstrusitaeten erzaehlt. Wenn auch alles noch Science-Fiction ist, so ist die Idee dahinter doch gar nicht so unrealistisch, denn die gezeigten Anwendungszwecke fuers Klonen, sind ja durchaus die, die einem auch heute als Argument dafuer angepriesen werden. Und die Frage, was denn mal mit den ganzen Klonen so pasieren soll, kann sich ja dann durchaus mal stellen. Also wie gesagt, es gibt viel hirnlosere Actionfilme als diesen, aber vielleicht ist er deswegen auch nicht so gut angekommen. Denn der erste Teil ist fuer reine Actionfans schon eine grosse Geduldsprobe und wer anspruchsvolle Science-Fiction erwartet hat, dem war die Action im zweiten Teil vielleicht eins zuviel. So fehlt wohl die breite Zielgruppe und der Film bleibt irgendwo zwischen allen Stuehlen liegen. Uns hat er aber doch ganz gut gefallen.

11. August 05

Tsukuba-Infos im Netz

von Thomas

Momentan leben gut 3.6% Auslaender aus ueber hundert Laendern in Tsukuba. Das ist fuer japanische Verhaeltnisse sehr viel und diese vielen Auslaender in Tsukuba sind auch recht ruehrig und bieten einem Neuling (und auch einem schon laenger heir Weilenden) uebers Internet sehr viele Informationen.

Zunaechst sind da zwei Maillinglisten, die Taira-Liste und eine Yahoo-Group ueber Tsukuba (Tsukuba insight), mit deren Hilfe man sich taeglich mit aktuellen Infos ueber Veranstaltungen, nuetzlichen Hinweisen und vor allem mit Anfragen und Angeboten  ueber den An- und Verkauf von allem Moeglichen, was man so braucht, um hier zu leben, versorgen kann.

Dann gibt es noch die Alien Times, eine regelmaessig erscheinendes Info-Blatt, dass einem mit aktuellen Berichten darueber versorgt, was denn so gerade in Tsukuba los ist.

Die englische Ausgabe der offiziellen Tsukuba-Homepage wird inzwischen auch von einheimischen Aliens betreut, was der Qualitaet und Quantitaet der Beitraege und Informationen doch recht gut getan hat :)

Das neuste Projekt ist eine Webseite ueber Tsukuba im Stil der Wikipedia, Tsukuba Wiki. Da bin ich mal gespannt, wie es damit weitergeht, immerhin gibt es dort schon einige hundert Beitraege...

Alles in allem also ein ziemliche Informationsflut und dabei sind hier die vielen englischsprachigen Webseite diverser Institutionen aus Tsukuba noch gar nicht aufgefuehrt!

10. August 05

Das doppelte Gundchen

von Gunda

Nachdem die Südkoreaner kürzlich erfolgreich einen Hund geklont haben, dachte ich mir, es wäre doch toll, meine schizophrene Ader auszuleben und einen Teil von mir zur Arbeit zu schicken, um den anderen faulenzen zu lassen.
Gesagt, getan. Ich übe aber lieber noch zu Hause und halte mein zweites Ich vorerst versteckt...Cimg8329_small
Cimg8330_smallCimg8335_smallCimg8336_smallCimg8333_small

09. August 05

Neuwahlen

von Thomas

Jetzt hat auch Japan seine Neuwahlen im September und obwohl erst viel spaeter angesetzt, finden sie hier schon am 11. September statt. Neugewaehlt wir das Unterhaus, obwohl der Ausloeser eine Abstimmungsniederlage fuer die Regierung Koizumi gestern im Oberhaus war. Bei der Abstimmung ging es um die Privatisierung der Post, eine Reform, die Koizumi wohl ganz persoenlich sehr wichtig ist (wie ich heute gelesen habe, war er vor 13 Jahren mal Postminster und damals hat er wohl die ersten Plaene dazu entwickelt). Es ist ihm offensichtlich so wichtig, dass er versucht, mit aller Gewalt dieses durchzupeitschen. Im Unterhaus ist das auch gelungen (s. hier). Zwar hat es dort auch Abweichler aus der eigenen Partei gegeben, aber es haben letztlich genug Neinsager sich sich dem Druck gebeugt und dann doch mit Ja gestimmt (einer dieser Abgeordneten hat sich letzte Woche erhaengt, nachdem er in einer Zeitschrift als Verraeter bezeichent worden war).

Die Abgeordneten des Oberhauses kann man wohl nicht so leicht direkt unter Druck setzen und so war das einzige  (indirekte)  Druckmittel die Androhung der  Neuwahl des Unterhauses. Das hat offensichtlich nichts genuetzt, die  Abstimmung ging schief und wenige Stunden spaeter hat Koizumi seine Drohung war gemacht und Neuwahlen angesetzt. Als ein Minister dem seine Zustimmung verweigerte, hat der dann letztlich freiwillig seinen Stuhl geraeumt und Koizumi hat dann einfach stellvertretend fuer ihn unterschrieben.

Wie man sieht, wird hier doch mit viel haerteren Bandagen gekaempft und Koizumi scheint mir wesentlich mehr ein Machtmensch zu sein, als Schroeder, der sich dann doch oft viel eher dem Druck beugt. Ansonsten ist die Situation recht aehnlich, Koizumi ist wie Schroeder der quai einzige Sympathietraeger seiner Partei, die viel Ansehen verloren hat und wuerde wohl, wenn es ginge ohne Probleme direkt gewaehlt, so kann es aber recht leicht zu einem Regierungswechsel kommen.

Aber jetzt geht erstmal das grosse Aufraeumen los. Alle LDP-Abgeordneten, die nicht fuer das Gesetzt sind, werden wohl bei der Neuwahl nicht mehr kandidieren duerfen, aus der Regierung werden Minister und Staatsekretaere entfernt, die nicht auf Koizumis Linie liegen und so hofft dieser, dass er die Wahl gewinnt, das Gesetzt erneut durchs Unterhaus bringt und somit den Druck auf das Oberhaus erhoet, das sich dann vielleicht dem als Volkswillen in Sachen Postreform interpretierten Wahlergebnis beugt. Aber das muss man mal abwarten.

Die Gegener des Postgesetzes sind uebrigens auch keine Engel. Hier geht es einfach darum, dass sich die Staatspost prima fuer Wahlkampfzwecke einsetzten laesst udn so mancher Abgeordnete fuerchte, dies mit einer privaten Post nicht mehr so leicht machen zu koennen. Vorgeschoben werden natuerlich lauter Sorgen ueber die Grundverorgung der Buerger mit den Serviceleistungen der Post...

08. August 05

Die Ruhe nach dem Sturm

von Gunda

Soeben ist das schlimmste Gewitter meines Lebens zuende gegangen.
Ich saß gerade am Computer und war dabei, Schweinefotos für Ortrun hochzuladen, als es mitten am Tag so dunkel wurde, wie es sonst nur nachts ist. Erstmal war ich erstaunlich cool, hab mich nicht weiter beirren lassen und die Schreibtischlampe angeknipst. Auch beim ersten Donner habe ich noch nichtmal daran gedacht, die Wäsche vom Balkon reinzuholen. Als es dann stürmisch wurde und die ersten Regentropfen kamen, habe ich (wie alle Nachbarn auch) schnell die Wäsche reingeholt und mich wieder an den Computer gesetzt. Plötzlich war der Strom weg und der Bildschirm schwarz. Ab dem Moment war mir schon ziemlich mulmig. Inzwischen peitschte draußen der Wind Unmengen an Regen über den Parkplatz, es war unverändert dunkel, und Blitz und Donner tobten sich direkt über unserem Haus aus. - Bei einem Donner wölbte sich sogar direkt vor meinen Augen die Fensterscheibe nach innen. Vor Schreck habe ich meine Misosuppe vergessen und stattdessen versucht, Thomas anzurufen, der im Labor war und dort keinen Empfang hatte. Per Mail haben wir uns dann kurz verständigt, was beim anderen so los ist. Im Labor war wohl auch kurz der Strom weg, es lief aber inzwischen Notstrom. Tja, und dann war nach einer halben Stunde mein Akku leer. Da das mein einziges Telefon ist, war ich entsprechend beunruhigt. Immerhin wußte ich ja nicht, wie lange der Strom weg sein würde. Der kam zum Glück recht bald wieder. Im Fernsehen wurde über das Unwetter bisher nicht berichtet.
Ich habe noch so lange aus dem Fenster gestarrt, bis der ganze Spuk vorüber war. Irgendwo in der Nähe muß der Blitz eingeschlagen haben, und es waren viele Krankenwagen und Feuerwehrautos unterwegs.
Als es heller und klarer wurde, habe ich mir meine Umgebung mal genauer angeguckt. Vorallem unter dem Gesichtspunkt, daß ich eigentlich noch einkaufen gehen wollte. Nichts zu machen; um das ganze Haus herum steht Wasser.

Mal sehen, wann das Ganze abgelaufen ist
und ich einkaufen gehen kann. Ansonsten muß Thomas was für's Abendessen mitbringen und durchs Wasser waten...

Das sind ein Auto auf dem Parkplatz hinter unserem Haus, die Straße vor unserem Eingang und unser Hauseingang. (Für vollen "Genuß" Bilder anklicken)

Cimg8312_small Cimg8316_small Cimg8320_small Cimg8321_small_1 Cimg8322_small

Wieder mal Viehzeugs

von Gunda

Nachdem ich jetzt schon so nette Rückmeldungen zu dem ekligen Insekten-Aufkommen in unserer näheren Umgebung bekommen habe, muß ich die japanischen Insekten jetzt aber auch mal verteidigen.
Gut, die Dinger sind groß und eklig, und die Zikaden rauben einem unter Umständen den letzten Nerv; aber handtellergroße Schmetterlinge und bleistiftgroße Libellen sind ja ganz ungefährlich und wunderschön...
(Im Übrigen haben wir in Kyoto draußen an einem Geschäft einen Käfig voller Zikaden gesehen, die regelmäßig mit Wasser besprüht wurden und einen Höllenlärm veranstaltet haben.)Cimg7859_small
Für ihre Größe haben die Tiere auch erstaunliche Angst vor Menschen und ergreifen lieber die Flucht als daß sie sich neugierig nähern würden. (Abgesehen von Thomas' Schmetterling neulich...) Und kleineres Viehzeugs, wie Bienen und Wespen findet man hier eher selten. Dann schon eine riesige Hornisse, die lieber gleich abhaut.
Von daher ist es hier eigentlich sehr angenehm.
Außer, wenn man in manchen Gegenden geballt auf Mücken trifft. Neulich sind wir z.B. nachts mit dem Fahrrad durch einen nicht enden wollenden Mückenschwarm an einem Reisfeld gefahren, und meine frisch eingecremten Lippen waren "paniert". - Igitt!
Und im Frühling gab es ewig viele Blattläuse.
Aber im Moment bin ich so als Insekten-Hasserin eher zufrieden mit der Situation.

Übrigens: Unser "Balkonfund" war dann doch nicht tot, sondern ist nach einiger Erholungszeit von unserem Balkon gestartet. (Dann konnte ich auch endlich die Wäsche draußen aufhängen...)

07. August 05

Matsuri-Hopping

von Gunda

Wie man schon den vergangenen Berichten entnehmen konnte, sind wir der Vergnügungssucht anheim gefallen und betreiben exzessives Matsuri-Hopping. (Vielleicht gipfelt der ganze Spaß ja eines Tages in Japans einzigem ultimativem Matsuri-Führer...)

Cimg8215_smallDiesmal stand Tsuchiura, neben Tsukuba die nächste größere Stadt in unserer Nähe, auf dem Programm. Ich hatte auf dem Weg zur Arbeit gesehen, daß sich die Stadt ganz schön in Schale geschmissen hatte, und Thomas hat dann die Termine im  Internet rausgesucht.

Cimg8222_smallUnd wie war's denn nu?
Tsuchiura scheint mehr Geld zu haben, als Mito. Immerhin gab es nirgendwo auf den Wagen Werbung zu lesen.
Was in der Stadt los war, bevor wir da ankamen, wissen wir natürlich nicht. Aber diesmal schien das Fest weniger aus einer Straßenparade zu bestehen, als vielmehr aus einzelnen Wagen verschiedener Wohnblöcke, die am Straßenrand  standen und Musik und Tanz so darboten, wie wir es schon kannten. Dazu gab es, wie wir es schon erwartet hatten, die üblichen Buden mit Essen und Spielzeug am Rand des Geschehens.

Cimg8225_smallWas war also anders?
Die Wagen waren mit etwas mehr Leuten bestückt als bei früheren Festen. Auf einem prangte eine riesige Cimg8245_smallSamurai-Puppe, auf anderen saßen Leute, die sangen, brüllten oder mit Laternen oder Leuchtstäben schwenkten. Das war dann sozusagen eine Performance auf zwei Etagen pro Wagen.

An einer Kreuzung wurde irgendwann einer von mindestens  zwei tragbaren Schreinen in der Mitte abgestellt, die Wagen versammelten sich im Kreis darum, ebenso die Zuschauer. Der Schrein wurde zum üblichen Durchschütteln von kräftigen Cimg8248_small Frauen und Männern auf die Schultern gehoben, und plötzlich brach ein ohrenbetäubender Lärm aus: Sämtliche Musiker und Tänzer auf den Wagen zogen ihr Programm gleichzeitig durch. Aber nicht, daß sie sich abgestimmt hätten. Nein, jeder spielte für sich. Das ergab für uns ein unglaublich lautes, Cimg8265_smalldisharmonisches Spektakel. Dazu wurde der Schrein geschüttelt, daß es mir als transporiertem Kami (Gott) ziemlich schlecht geworden wäre. Thomas meinte dazu nur: "Na, der Kami hat bestimmt seinen Spaß."

Danach löste sich alles recht schnell auf, und die Wagen zogen mit Musik und Tanz in ihre beheimateten Wohnblöcke zurück. 

Cimg8284_smallNachdem wir jetzt schon so viele Feste gesehen haben, fehlt  uns nur noch ein ordentliches Feuerwerk, das hier in Japan an die zwei Stunden dauern soll und bei dem allgemein herrschenden Perfektionismus Großes erwarten läßt. Ja, im Gegensatz zu Deutschland ist in Japan die Feuerwerks-Zeit im Sommer. Und in den Läden kann man zu Spottpreisen tolle Feuerwerkskörper-Sets kaufen. Cimg8291_smallIm übrigen scheinen die Japaner auch hierbei eher eine romantische Ader zu haben. Feuerwerk heißt sowas Ähnliches, wie "Feuerblumen schauen" und findet meistens in der Nähe von Flüssen oder Seen statt, um durch die Spiegelung den Effekt noch zu erhöhen. Wenn ich da an die sinnlose Ballerei in Deutschland zu Silvester denke, ist das schon was ganz anderes...

06. August 05

Beach & Party 2

von Thomas

Heute hatten wir ein kleines Deja vu, wie schon letzten Sonntag sind wir nach Oarai gefahren und haben uns anschliessend ein japanisches Strassenfest angesehen. So weit, so gleich... Im Detail war dann aber doch alles etwas anders. In Orai sind wir diesesmal nicht zu dem "Sun Beach" gefahren, sondern wieder zum "Oarai Beach". Und dort war nicht allzuviel los, zwar mehr als vor ein paar Wochen, aber kein Vergleich zu dem, was letztes Wochenende am "Sun Beach" los war. Der grund duerfte wohl die Beschaffenheit des "Oarai Beach" sein, denn der Strand ist an vielen Stellen nicht mit Sand, sondern mit unterschiedlich grossen Kieselsteinen bedeckt, nicht so otimal, um sich dort gemuetlich niederzulassen. Und auch das Wasser ist nicht so optimal. Zwar gab es diesmal keine Algen mehr, aber die Kueste ist dort sehr felsig und der Boden mit Kies bedeckt. Man muss schon sehr aufpassen, wo man hintritt oder wenn man schwimmen will, das einen die Wellen nicht gegen eine der Felsen schleudern.

Trotzdem haben wir es uns recht gemuetlich gemacht und einen ruhigen Tag Tag dort verbracht. Der Himmel war dieses mal viel klarer, aber es war nicht zu heiss, da immer etwas Wind aufkam.

Ganz in der Naehe des Strandes gibt es noch was nettes zu sehen, ein Torii, das auf ein paar Felsen aus dem Meer ragt. Es gehoert wohl zu einem Schrein, der auf einem Huegel etwas weiter weg von der Kueste liegt. Wir waren allerdings zu faul, dort rauf zu laufen und haben uns auf ein paar Photos des Eingangsbereichs zum Gelaende Schreins beschraenkt...

Und dann sind wir nach Mito gefahren. Dort war der 2. Tag des "Mito Komon Matsuri", des lokalen Sommerfestivals. Wir kamen allerdings erst recht spaet dort an und haben dann auch noch Zeit damit verschwendet, auf der falschen Bahnhofsseite nach der Party zu suchen... Ein paar geschmueckte Wagen und etwas Musik und Tanz haben wir zwar noch mitbekommen, aber so recht gefallen hat es uns nicht. Irgendwie wirkte alles sehr kommerziell. Die verscheidenen Gruppen hatten wohl alle Sponsoren, NTT, JR, Post, usw.... und deren Logos prankten von den Wagen und den Kostuemen der Leute, das war irgendwie nict so schoen. Auch war die Stimmung nicht so toll, alles fand auf einer sehr breiten Strasse statt, so dass sich die Leute verteilten. Vieles der tollen Stimung in Narita zum Beispiel, kam auch durch die Enge  der Strasse, durch die die Wagen gezogen wurden, dazu das Geschrei der Leute, die monotone, laute Musik... Selbst das kleine Fest in Arakawaoki letzte Woche, wirkte da viel intensiver und emotonialer, die Leute waren einfach mit mehr Entusiasmus bei der Sache. Aber das ist nur unser Eindruck, vielleicht taeuscht das auch, wir haben ja auch nicht mehr alles mitbekommen.

Interessant war vielleicht noch, dass nicht  Traditionelles aufgefuehrt  wurde, sondern sich auch einige Jugendliche mit modernen Sachen darunter gemischt hatten. Am auffaelligsten waren einige Leute, die nach dem Motto "Elvis war Japaner" im 50er Jahre Look Rock 'n' Roll Einlagen boten.

Kurz nach 9 Uhr war dann das offizielle Ende der Party  erreicht udn wir konnten dann noch ein  wunderbares Beispiel an japanischer Disziplin und Ordnung beobachten. An einem Ende der Starsse setzte sich ein Tross von ein paar dutzend Polizisten zu Fuss in Bewegung, noch gefolgt ein paar Polizeiwagen. Dahinter dann der normale Strassenverkehr, Busse, private PKW, Taxis, alles ganz gemuetlich im Schritttempo. Dort wo noch Leute auf der Strasse waren, wurden sie von den Polizisten freundlich aber bestimmt aufegfordert, an die Seite zu gehen. Das machte natuerlich auch jeder sofort und ohne Diskussion. Selbst dei Jugendlichen in ihren coolen Rockeroutfits, beeilten sich sofort ihren Kram von der Strasse zu raeumen. Wie haetten da wohl Jugendliche in Deutschland reagiert?

Tja, hinter den Polizisten war dann von der Party nichts mehr zu sehen, der Muell war schon in Saecken verstaut und stand ordentlich gestapelt am Strassenrand, der Verkehr rollte fluessig ueber die Strasse. Es war, als waere nichts gewesen... Vieles ist hier doch immer wieder ganz anders als in Deutschland.

05. August 05

Wieder was gelernt

von Thomas

Wenn man in Japan ein normales Gehaltskonto hat, dann bekommt man die Infos ueber die Vorgaenge auf dem Konto nicht in Form von Kontoauszuegen, sondern man hat ein kleines Buechlein, ganz aehnlich zu den Sparbuechern in Deutschalnd, in dass diese Infos gedruckt werden (zumindest ist das bei meiner Bank so). Irgendwann ist das natuerlich voll und man braucht ein neues. Bei mir war es jetzt soweit. Also habe ich mir alle Ausweise geschnapt, meinen Stempel eingesteckt (denn die Banken sind hier immer sehr genau, da woltle ich auf alles vorbereitet sein) und bin in der Mittagspause zur Hauptfiliale nach Tsukuba-Center geradelt. Dort habe ich dann brav meine Nummer gezogen und mich zum warten hingesetzt.

Kaum sass ich eine Minute, kam auch schon jene Dame an, die wohl als Abfabgjaeger fuer Auslaender dient, denn sie quatscht diese immer an, wenn sie etwas hilflos dreinblickend in der Bank herumstehen. Nachdem sie sich erstmal versichert hat, dass ich auch kein Japanisch spreche, hat sie dann nachgefragt, was ich will. Ich zeigte ihr dann main Bankbuch und meinte, ich haette gerne ein neues, weil meines voll waere. Ah, nullo Problemo, die Dame hat mich zu einem Automaten im Eingangsbereich gefuehrt, dessen Funktion sich einem nur bei Kentniss einger dutzend mir unverstaendlicher Kanjis erschliest und mich aufgfordert, mein Buch dort reinzustecken. Gsagt getan, die Maschine fing an zu roedeln und nach einer Weile wurde ich aufgfordert eine von zwei moeglichen mir unleserlich beschrifteten Tasten zu druecken und dann roedelte es noch eine Weile weiter und dann, schwups, spuckte der Automat zwei Bankbuechlein aus, mein altes und ein neues :)

Tja, das ging einfacher als gedacht, nur haette ich mir den Radausflug in der Mittagshitze  sparen koennen, denn an den Automaten waere ich auch bequem am Abend oder am Wochenende herangekommen. Na ja, beim naechstenmal bin ich schlauer...

04. August 05

Endlich da!

von Gunda

Jetzt sind wir endlich angekommen und er ist auch da: Unser eigener Adresstempel (Adressstempel?)! Selber von mir bestellt und ganz auf Japanisch (auch das Bestellen)! (War gar nicht einfach, weil ich keinen Namen drauf haben wollte.) Außerdem mit richtiger Postleit(d?)zahl...
Jetzt müssen wir uns nicht mehr mit lateinischer Schrift behelfen, wenn wir was innerhalb von Japan verschicken wollen. Und die ganzen Kanjis kann ich mir vorerst sowieso nicht alle merken.
Cimg8338_small

Kalligraphie

von Gunda

Ende September geht's mit Kalligraphie weiter...


Quelle: Japan Times

Balkonfund

von Gunda

Unser Schwein hatte heute ein ekliges Erlebnis. (Angeekelt war aber wohl eher ich.)
Ich kann Thomas nur unterstützen, vorallem aber die deutsche Zeitschrift bestätigen, die geschrieben hat, daß in Japan die Insekten eher eine Horrorfilm-Größe hätten.
Gestern habe ich dann noch erfahren, daß man ab Mitte August nicht mehr im Pazifik baden gehen sollte, weil die Küste dann voller Feuerquallen ist. Wir werden sehen...

Balkonfund

03. August 05

Schmetterlinge

von Thomas

200508031455Da wir hier doch um einiges suedlicher als in Deutschland leben und das Klima schon ein wenig tropisch ist, sind die Insekten hier oft um einiges groesser als in unseren Breiten. Das gilt zum Glueck nicht nur fuer so unangenehme Tierchen wie Kakerlaken, Ameisen und diverse Riesenhirschkaefer, sondern auch fuer so etwas huebsches, wie den gut Handteller grossen Schmetterling auf dem Photo, der sich gar nicht davon stoeren liess, dass ich ihn photographiert habe :)

Jubeläum!

von Gunda

Cimg8337_small

02. August 05

Tischrücken

von Thomas

Nicht um irgendwelchen Hokuspokus, sondern um harte Arbeit ging es heute im Labor. Insgesammt sechs optische Tische stehen in dem Labor, das auch ich mitbenutze und einer davon sollte ausgetauscht werden und der Tisch mit meinem Experiment an eine andere Stelle plaziert werden. Da die Tische einige hundert Kilo wiegen, ist das keine leichte Arbeit, selbst wenn man sie auf kleine Rollen stellt. Mit sechs Leute haben wir die Tische hin und her geschoben und einen Tisch musste wir noch ueber eine Tuerleiste hieven, was ein besonderer Spass war...

Jetzt steht mein Tisch an seinem neuen Platz, daneben eine freie Stelle, wo dann naechste Woche der neue Tisch hinkommt. Bis dahin bleibt aber noch viel zu tun, denn den groessten Teil meines Aufbaus muss ich neu aufbauen, Geraete und Optiken verschieben, neue Kabel legen usw. Aber macht ja auch Spass, mal alles von Grund auf neu einzurichten, meistens bekommt man ja auch ein paar Verbesserungen hin und dann hat sich der Aufwand doch gelohnt :)

Immernoch Sprachprobleme

von Gunda

Inzwischen habe ich erstmal dem Schüler die Fehler im Notizbuch verbessert, damit er nicht was Falsches lernt. Der war natürlich sichtlich irritiert. ("Perhaps because he comes from Holland?") Aber ich fand, das ging erstmal vor.
Dann habe ich dem Kollegen eine Mail geschrieben, ihn gebeten, sich besser vorzubereiten und ihm mein Dilemma geschildert. Nach seiner Antwort bin ich mir aber nicht so sicher, ob er überhaupt weiß, wie falsch sein Deutsch eigentlich wirklich ist. Jedenfalls war schon die Mail schlimm, und die Antwort war eher in dem Tenor: "O.k. Ich mache manchmal ein paar kleine Fehler. Ich werde mir einfach mehr Mühe geben." Mittlerweile habe ich aber den Eindruck, daß das ganz und gar nicht reicht.
Und ich finde, unsere Vermittlung sollte das wissen. Schon alleine deshalb, weil der Schüler da öfter mal anruft. Wenn er der Vermittlung das vor mir sagt, dann hänge ich da noch mehr ungünstig drin als jetzt. Denn wie sollte ich mein Schweigen begründen? Und würde mir dann noch jemand glauben, daß ich ja später was sagen wollte?

01. August 05

Krankenhaus

von Thomas

Heute war mein erster Arbeitstag nach dem einwöchigen Urlaub und was habe ich gemacht, ich war im Krankenhaus. Nicht wegen eines akuten Notfalls, sondern mal wieder zum 'health checkup'. Diesmal aber nicht von meiner Arbeit aus, sondern einem Angebot meiner japanischen Krankenkasse folgend, die einmal jährlich eine kostenlose Generaluntersuchung anbietet. Sowas finde ich recht gut und da man direkt von der Krankenkasse angesprochen wird, nimmt man es vielleicht auch eher an (in Deutschland gibt es bestimmt auch sowas, aber ich kann mich nicht dran erinnern, jemals von meiner Kasse darauf hingewiesen worden zu sein). Irgendwie finde ich schon, dass man in Gesundheitsdingen hier in Japan mehr getriezt wird, was zu machen, sei es der Arbeitgeber, der einem zum Arzt schickt, sei es, wie in diesem Fall die Krankenkasse. Dafür zahle ich einen im Vergleich zu Deutschland lächerlich geringen Versicherungsbeitrag, muss aber 30% der Behandlungskosten selbst tragen, was sich bisher aber in jedem Fall für rechnet, denn die Behandlungskosten sind ebenfalls sehr niedrig. Dafür ist das System hier nicht so individuell. Einen Hausarzt in unserem Sinne kennt man hier nicht, man geht halt ins Krankenhaus und bekommt dann in der Regel nach Zufallsprinzip einen der zuständigen Ärzte zugewiesen. Allerdings kann man auch Wünsche äussern, so ist Gunda wegen ihrer Migränemittel immer zu einer ganz bestimmten Ärztin gegangen. Wieviel Einfluß man auf die Arztwahl im Allgemeinen hat, wissen wir allerdings nicht, für den Durchschnittsjapaner stellt sich diese Frage aber auch nicht, weder ist an so etwas gewöhnt und erwartet es daher, noch ist der japanische Patient von der Mentalität her jemand, der viel von seinem Arzt einfordert, sondern man macht halt, was der Doktor sagt, denn der wird es schon wissen.

Daneben hatte der Besuch im Krankenhaus für uns auch noch eine etwas sentimentale Note. Gunda hat mich heute begleitet, um mir die Wartezeiten etwas zu verkürzen und ist mit mir tapfer durch die Sommerhitze geradelt und als wir etwas müde und abgekämpft am Krankenhaus ankamen, mussten wir beide dran denken, wie es war, als wir auf den Tag genau vor 10 Monaten schonmal hier waren. Wir waren gerade in Japan gelandet und in Tsukuba beim AIST angekommen, als Gunda beim ersten Beine vertreten gleich böse mit dem Fuß umgeknickt ist und erstmal in eben dieses Krankenhaus, in dem wir heute wieder waren, gebracht werden musste. Der gute Matsuura-san hatte uns hingefahren und beim Warten hatten wir damals Linda kennengelernt, mit der und ihrem Mann Peter wir uns inzwischen ganz gut angefreundet haben...