Sprachprobleme der anderen Art
von Gunda
Eine Woche habe ich jetzt schon in dem neuen Job unterrichtet. Bei zweimal in der Woche nicht viel, bei sechs Stunden am Tag aber durchaus intensiv.
Da fällt der Blick dann schonmal ins Notizbuch des Schülers, aus dem er ja auch lernt. So nebenbei wollte ich sehen, was der andere Lehrer denn so mit ihm gemacht hat. Zum einen um nichts doppelt zu machen, zum anderen, um das Können des Schülers besser einschätzen zu können.
Klar, da waren ein paar Fehler drin. Macht so ein Schüler ja manchmal. Schade, daß sie nicht verbessert wurden; das lernt der ja dann falsch... Beim Weiterblättern konnte ich die Fehler, von denen ich dachte, sie kämen vom Schüler, dann aber nicht mehr übersehen. - Das war falsches Deutsch. Wörter wie "Buchkasten", "Stechdose", "Ladenschrank" und "Bettzimmer" konnte sich der Schüler unmöglich einfach so selber ausgedacht haben. Auch Formulierungen wie "Ich mag kein Kaffe. Ich mag dem nicht." riefen ein riesiges Fragezeichen hervor.
Ich mache ja Deutschkenntnisse wirklich nicht ausschließlich an der Nationalität fest. Immerhin war der Lehrer vor mir Rumäne und hat dem Schüler sehr gutes Deutsch beigebracht. Konnte es wirklich sein, daß da jemand als Deutschlehrer arbeitet, der schlecht Deutsch kann? Die von der Lehrervermittlung hatten ja kaum eine Kontrollmöglichkeit. Die konnten kein Deutsch.
Natürlich habe ich meinen Schock erstmal vor dem Schüler verborgen. In der Mittagspause habe ich nachgedacht:
Wenn ich dem Schüler etwas sage, wird er unsicher und verliert den Respekt. Wenn ich der Vermittlung was sage, denken die vielleicht, ich will seinen Job auch noch, weil ich mehr Geld will. Außerdem würde er dann möglicherweise seinen Job verlieren. Wenn der Schüler aber in Deutschland mit solchen Wörtern nicht verstanden oder gar ausgelacht wird und das weitergibt, hänge ich auch mit drin.
Natürlich weiß ich aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, als Ausländer in Japan Arbeit zu finden. Aber deshalb gleich Schaden anrichten?
Was für ein gräßliches Dilemma!


In Japan regeln sich die Dinge im allgemeinen ohne sie direkt anzusprechen am besten.
Wie wäre es z.B., wenn du dem Schüler einfach die richtigen Wörter beibringst ohne den Rumänen dabei schlecht zu machen? Der Schüler kann selbst verstehen, dass jener als Rumäne vielleicht nicht perfekt Deutsch sprechen kann. Als Japaner versteht er aber auch, dass der Rumäne dennoch eine große Hilfe beim Sprachenlernen sein kann.
(Ich hatte mal Schüler, die sich mich als Spanischlehrer wünschten, obwohl ich ihnen sagte, dass ich das nicht könnte. Ich machte es dann, und alle waren damit glücklich.)
Eine sehr schlechte Idee wäre es, wenn du mit der Vermittlung darüber sprechen würdest! Mit so einer Vorgangsweise bist du in Japan völlig unten durch!
Entscheidend ist hier weniger die absolute Wahrheit (die der Deutsche sucht), sondern die angenehme Oberfläche!
Kommentiert von: AttilaWurm | 03. August 05 um 08:59