Mal Schreiben malen
von Gunda
Heute war meine erste Kalligraphie-Stunde im kleinen Rahmen.
Da meine bisherigen Erfahrungen mit Kalligraphie-Stunden eher an traumatischen Erinnerungen nicht zu toppen waren, machte ich mich fröhlich auf den Weg, denn schlimmer konnte es nicht kommen, und außerdem war das ja eine private Veranstaltung.
Was war so schlimm an den vergangenen Stunden?
Nun, die fanden in Berlin statt und wurden von Damen gegeben, die versehentlich der sehr großen Gruppe vergessen hatten zu sagen, daß Kalligraphie für die meisten Japaner keine Malstunde und auch keine Schreibübung ist, sondern einen spirituellen Hintergrund hat, der dazu auch noch mit Körperhaltung und Ernsthaftigkeit zu tun hat. Und vorallem hatten sie vergessen, uns zu sagen, daß sie das auch so sehen und daß sie von uns entsprechendes Verhalten erwarten. Deshalb nahm ich, zusammen mit meinen Mitschülern, diese in unseren Augen als "Kulturvermittlung" gedachte Stunde zum Anlaß, neben besserem Verständnis für die Beschaffenheit der Schriftzeichen auch noch einiges aus dem Alltag, aber auch über das, was wir gerade machten, auszutauschen, die neuen Materialien (ungewohnte Pinsel, Tusche, Papier) zu erforschen und deren Reaktion auszuprobieren und nebenbei etwas kreativ zu sein. Das führte dann nach unserer (in den Augen unserer Lehrerinnen und ohne unser Wissen) "zweiten Chance" zur totalen Gereiztheit und schließlich Resignation der Lehrerinnen, wodurch das Schicksal meines Kalligraphie-Meistertums vorerst besiegelt zu sein schien: Keine Kalligraphie mehr!
Das war meine Vorgeschichte, die unschwer erkennen läßt, daß es nur noch besser werden konnte. Schließlich wollen die hiesigen Einheimischen ja gelegentlich, daß Ausländer ihre Kultur auch begreifen lernen können...
So kam es dann auch. Alles war ganz locker und lustig, und jeder bekam nach seinem Können und Tempo Aufgaben gestellt. Dabei wurde natürlich erst die Grund-Körperhaltung erklärt, wie man den Pinsel halten soll und wie viel Tusche man aufnehmen sollte. Dann hat uns die Lehrerin beim ersten Versuch die Hand geführt, wodurch ich sehr gut den entsprechenden Schwung und Druck, der an den einzelnen Stellen nötig war, mitbekommen habe. Es ist gar nicht so einfach, wie es aussieht, ein paar simple Striche richtig auf's Papier zu bringen. Aber letztlich war ich sehr stolz auf mein Lerntempo und daß die Lehrerin mir nach der Stunde gesagt hat, ich sei "amazing good". ;-) Und nebenbei lerne ich ganz kreativ ein paar Kanjis...
Jetzt ist erstmal Sommerpause (beim Ikebana auch); im September geht's weiter.


Hmm, meine ersten (und bisher einzigen) Erfahrungen mit Kalligraphie waren ganz anders. Das Ganze fand damals im Rahmen meines Japanischkurses in Bochum statt:
Das ganze war recht locker und lustig. Ich saß gegenüber dem jetzigen Generalkonsul von Deutschland in Japan und der Mann hatte die ganze Zeit lustige Sprüche drauf, vor allem zu dem meditativen Tusche anrühren zu begin. Dann war da noch das Mädel mit den abgerissenen japanischen In-Sachen im Harajuku-Look, dass ständig in Sorge war, dass ihre durchlöcherten und zerissenen Klamotten Tuschespritzer abbekommen könnten.
Nach dem Tusche anrühren durften wir dann auch Kanjis malen. Na ja, als ich meinen ersten waagerechten Strich nach 10 oder mehr Anläufen endlich einigermaßen hinbekommen hatte, war ich schon stolz wie Oskar...
So schön wie Gundas Erstlingswerke wurde das bei mir leider nicht :(
Aber wie gesagt, es hat Spass gemacht und ich würde
es gerne nochmal versuchen...
Kommentiert von: Thomas | 05. Juli 05 um 20:59