Wie sich Kommunikation verändert
von Gunda
An Barbara habe ich heute das Folgende geschrieben, was mir schon lange im Kopf herumspukt:
"(...) Aber ich merke trotzdem, daß mir hier ganz viel verloren geht, was Thomas nicht alles ausgleichen kann und auch nicht ausgleichen sollte. Hier funktioniert noch nichtmal Englisch im Alltag richtig. Da muß ein Gemisch aus Japanisch, Englisch, Gesten und elektronischem Wörterbuch ran. (Wären wir in einem europäischen Land; ich könnte mich wohl schon wesentlich flüssiger verständigen.) Ganze Sätze sind hier selten. Meine Kommunikation in der Öffentlichkeit bleibt bei Höflichkeitsfloskeln und bloßer Informationsvermittlung stecken. Da bin ich schon froh, wenn ich mich mit jemandem flüssig auf Englisch unterhalten kann und dabei dann auch noch das Gefühl habe, verstanden zu werden. Da das nicht meine Muttersprache ist, fehlen mir natürlich manchmal die Worte, und mit Umschreibungen rückt wieder eher der Inhalt in den Vordergrund. (...) Sprich, das, was meine Sprache ausmacht, das Wortspiel, der Humor, die Kreativität, das alles kann ich nur mit Thomas teilen, wo ich vorher viele Kommunikationspartner hatte. Das alles auf einmal kann niemand komplett ertragen müssen.
Ich merke das auch an meinen Tagebucheinträgen und an Mails, die ich schreibe, daß mir ein großes Stück meiner sprachlichen Lebendigkeit, die auch einen sehr großen Teil meiner Identität ausmacht, abhanden kommt. Ich weiß, daß das schnell wieder zurückkommen wird, wenn ich wieder in Deutschland bin. Aber trotzdem fühle ich mich manchmal regelrecht 'amputiert' oder 'langweilig'."


hallo ihr :)
ich weiss nicht so recht ob das nun wirklich passt aber da ich seit einiger zeit verschiedene dtsch.websites bzgl. japan und dem dortigen leben lese,ab und an wenigstens kam mir da dein eintrag ganz recht ;)
woran liegt das das sich soviele, eigentlich sogut wie alles was ich las ;), ueber japan und die japaner so, wie soll ich sagen ?,ja, das man sich so aufregt ?!
"die sind da komisch und das ist schlecht und deren politik hier und deren verhalten gegenueber dem und englisch sprechen die ja auch nicht etc........ !!!!"
woran liegt das ?
wird wer gezwungen hier zu leben ?! huch !
vielleicht bin ich ja nur blauaeugig oder desinteressiert (oder zu doof ), wer weiss aber ich leb seit nun 2 1/2 jahren hier ( und werd wohl noch lange bleiben !), hoer das andauernd wie sch.... das doch alles hier ist und diese rassisten etc.blabla
versteh ich nicht ?!
mir gefaellt das land, ich bin kein "uebergaijin" der sich mehr japanisch auffuehrt als die japaner,neee, sprech auch lang kein gutes japanisch und von wegen ne zeitung lesen,hahaa !
nichtsdestotrotz kenn ich fast nur japaner,hab sehr nette freunde gefunden und mag es hier ;)
sorry, wollt euch hier nicht volllabbern aber ich hab so das gefuehl eure seite wird doch von einigen leuten gelesen ;)
bis dahin
gruss
thomas
Kommentiert von: thomas | 24. Mai 05 um 23:08
Hm, ob es für Dich paßt oder nicht, hast Du ja im Prinzip schon entschieden, indem Du es hingeschrieben hast. :-)
Zu dem, was ich meinte, paßt es nicht so, denn ich habe hier mein eigenes Gefühl, was Kommunikation angeht, beschrieben. Ich glaube, ich gehöre zu den wenigen Leuten, die sich sehr stark über ihre Sprache identifizieren und eben über die Möglichkeit, damit zu spielen. Das geht bei mir nunmal mit meiner Muttersprache am besten. Soweit DAzu.
Zu dem Rest kann ich nur sagen, daß man als Europäer wahrscheinlich immer zuerst darauf eingestellt ist, daß in allen fremden Ländern (außer Frankreich) Englisch verstanden und halbwegs gesprochen wird. Und dann ist man erstmal geschockt, wenn es nicht so ist. Das ist mit allen anderen Sachen genauso: Man geht von etwas aus, man hat eine Erwartung, man vergleicht mit Bekanntem. Über die Unterschiede kann man sich dann ein Urteil bilden oder schreiben, wie man sich in einer Welt fühlt, die so ganz anders als das Altbekannte ist. Man kann Dinge an sich heranlassen und sich verändern lassen und andere Dinge lieber von außen betrachten, weil man sie eben nicht an sich heranlassen will.
Wie man eine fremde Kultur wahrnimmt, hängt letztendlich auch vom Charakter und von der eigenen Lebenssituation ab.
Natürlich kann man auch naiv alles mit großen Augen bestaunen und toll finden und durch Japan laufen, wie durch ein großes lebendiges Bilderbuch. Aber für mich bestünde darin die Gefahr, daß ich mich und meine Sicht auf die Dinge nicht verändern lasse, sondern einfach irgendwas unbesehen zu meinem Leben addiere. Und das will ich nicht. Ich will mich auseinandersetzen. Mit dem, was mich bisher ausgemacht hat und meine Weltsicht war und mit dem, was ich hier sehe und was mich verändert. Nur so, glaube ich, kann hinterher eine neue Sichtweise entstehen, die meine neuen Erfahrungen auch wirklich verinnerlicht hat.
Ich muß gerade an einen Klumpen Ton denken, den man formen kann. Wenn mir das Material neu ist, ich aber eine bestimmte Vorstellung habe, wie das Ergebnis aussehen soll, dann werde ich zuerst mit dem Material "kämpfen" müssen, um zu verstehen, wie es funktioniert und reagiert, wo seine Grenzen sind. Und vielleicht entsteht im Laufe des "Kampfes" eine ganz neue Vorstellung davon, was ich mit Ton machen kann oder will ; ich bekomme neue Ideen.
Du hast schon Recht, wenn Du sagst, daß keiner hier leben muß. (Zumindest, wenn er zu Hause auch Chancen auf Arbeit hat.) Aber ich finde es auch legitim, sich mit dem, was einem fremd und neu ist, auseinanderzusetzen. Wer alles toll und nichts berichtenswert findet, hat vielleicht auch keinen Anlaß, ein Tagebuch darüber zu schreiben...
Kommentiert von: Gunda | 25. Mai 05 um 16:04