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« April 2005 | Start | Juni 2005 »

30. Mai 05

Abgeschmiert

von Thomas

Seit 10 Tagen bin ich jetzt stolzer Besitzer eines Zaurus-PDAs und ein zufriedener noch dazu. Die Umstellung von Japanisch auf Englisch ist gelungen (ha, da muss ich wieder an den zweifelnden Gesichtsausdruck des Verkäufers bei Yodobashi Kamera denken, als er uns offensichtlich nicht japanisch sprechenden Ausländer dieses Gerät verkaufte...), die Kommunikation mit meinem Laptop funktioniert auch, viel Software, mehr Schriften, Bilder, PDFs, Powerpoint-Präsentationen und Word-Dokumente sind drauf, es läuft prima. Bis..., ja bis heute, da ist das Ding mir abgeschmiert und alle Tips aus der 38 seitigen deutschen Kurzanleitung, die es irgendwo im Netz gab, halfen erstmal nix. Schwarzer Bildschirm, das war alles. Und dann, dann ging es auf einmal doch wieder, nachdem ich ein paar mal auf den Ein-/Ausschalter gedrueckt hatte, leuchtete der Bildschirm auf und das Leben kehrten in den Zaurus zurück. Puh... mal wieder Glück gehabt :)

29. Mai 05

Angeschmiert

von Thomas

Manchmal fällt man doch noch voll rein... Da dachten wir, mit unserem Hollyday-Ticket könnte man erstens von uns aus auch Richtung Norden mindestens bis Mito fahren und zweitens könnte man es sowohl am Samstag und dann auch noch am Sonntag, also 2 Tage, nutzen und haben uns bei beidem voll angeschmiert!  Das man in Richtung  Norden das Ticket nur eine Station bis Tsuchiura nutzen kann, haben wir schon Gestern auf unserem Trip Richtung  Pazifik gemerkt. Als wir dann heute nach Tokyo fuhren und unser Hollyday-Ticket in den Fahrkartenleser steckten, ging erstmal mal die Schranke zu. "Only one day!" erklärte uns der nette Herr am Fahrkartenschalter.

Okay, nächstesmal sind wir (hoffentlich) schlauer, so haben wir jedenfalls statt  insgesamt 4000 Yen zu sparen, noch gut 2000 Yen für die Fahrten gestern und heute draufgezahlt...

28. Mai 05

Ausflug an den Pazifik

von Thomas

Heute sind wir nach Oarai an den Pazifik gefahren, um das schöne Sonnenwetter für einen Strandspaziergang zu nutzen. Dass wir dabei in Oarai gelandet sind, den Namen kannte ich bis gestern gar nicht, war reiner Zufall. Da wir nicht wieder nach Isohara wollten, das doch etwas weit weg ist, habe ich gestern Abend einfach auf unsere große Karte von Ibaraki, die bei uns an der Wand hängt, geschaut und den nächsten Ort an der Küste ausgewählt, den man von uns aus per Bahn erreichen kann. Und das war eben Oarai...Cimg6203_small_2

In eineinhalb Stunden waren wir da, das letzte Stück von Mito aus mit einer urigen Bummelbahn. Oarai stellte sich erwartungsgemäß als verschlafenes Nest heraus, ein kleiner Bahnhof, keine großen Geschäfte oder gar Kaufhäuser, selbst die sonst allgegenwärtigen Convinience Stores findet man nur nach einigem Suchen. Cimg6253_small_1Aber ein paar Attraktionen finden sich schon: Zwei große Strände, einige Museen, ein großes Aquarium, die unvermeidlichen Tempel und Schreine und sogar eine Touri-Info gibt es dort.Cimg6223_small Wir sind aber gleich in Richtung von einem der beiden Strände losgegangen, den Oarai Sun Beach. Dort sind wir, nachdem wir endlich den richtigen Zugang gefunden hatten, wir hatten schon beinahe Eintrittskarten für den Anglersteg gekauft, mitten in einer Hundeausstellung gelandet.
Da gab es dann kleine Hunde, grosse Hunde und vor allem schöne Hunde. Cimg6220_smallUnd damit mit der Schönheit auch alles in Ordnung war, gab es mobile Frisier- und Kosmetikstaende, in denen den armen Vierbeinern der letzte Schliff verpasst wurde. Ganz schön skurril, allerdings waren die Outfits einiger Herrchen und Frauchen nicht minder schräg, wie die ihrer Hunde.

Cimg6265_smallDann kamen wir aber endlich am Strand an. Hm, das japanische Strandleben scheint doch etwas anders zu funktionieren als das deutsche... Trotz wunderbar warmen und sonnigen Wetters war der gut 100m breite und super saubere Sandstrand nicht von in der Sonne schmorenden Strandschönheiten bevölkert, sondern von mit langen Hosen, langärmligen Oberteilen und  Mützen bekleideten Männern, Frauen und Kindern, die entweder einfach herumsaßen oder wie wir den Strand entlang spazierten. Cimg6285_smallEin paar Surfer gab es auch noch und dann gab es noch viele Leute, die mit Hacken, Harken und Schaufeln bewaffnet, den Sand auf der Suche nach Muscheln durchsuchten. Cimg6237_smallWohlgemerkt nicht nach Muschelschalen, sondern eben nach noch gefüllten Muscheln zum Essen. Wir beschränkten uns allerdings aufs Sammeln von Muschelschalen, wobei Gunda geradezu in einen Muschelschalen-Sammel-Rausch verfiel und sich dafür den Rest des Tages mit einer schweren Tüte voller Muschelschalen rumplagte.Cimg6299_small

Gegessen haben wir dann in einem typisch japanischen Bad, in denen es eben nicht nur heiße Quellen und Bäder gibt, sondern eben auch Restaurants, kleine Shops, Spielautomaten, Massage und andere Erholungseinrichtungen. In Tsukuba waren wir schonmal, dort allerdings wirklich zum Baden, in solch einer rundumsorglos Freizeiteinrichtung. Diesmal haben wir nur was gegessen, allerdings nichts von den leckeren Spezialitäten wie frisch gegrillten Fischköpfen, sondern ich ganz profanes Tempura und Gunda ganz frisches Sushi. Gegessen wurde natürlich an den typischen niedrigen japanischen Tischen und gesessen hat man auf Tatamimatten. Allerdings hatten die Leute angesichts meiner von Meerwasser durchnäßten Hose etwas Sorgen um die Tatami und haben mir erstmal ein Handtuch untergelegt. Ansonsten haben wir uns aber recht wenig daneben benommen, unsere Sandalen haben wir brav am Eingang in ein Schliessfach gepackt und uns ganz unauffällig benommen. Cimg6305_smallDass wir trotzdem für etwas Aufregung sorgten, liess sich nicht vermeiden. Oarai wird wohl in keinem Reiseführer erwähnt und wir dürften daher die Ausländerquote für den Monat Mai locker überfüllt haben... Jedenfalls wurden wir erstmal ausgefragt von den Damen vom Personal. Erst auf Japanisch, dann fand sich eine, die gut Englisch konnte und erstmal genau fragte, wo wir herkommen, was wir in Japan machen usw. Am meisten gestaunt hatte sie, als ich ihr sagte, dass wir den weiten Weg, es sind bestimmt 2km vom Bahnhof zum Strand, zu Fuß zurückgelegt hatten. Wohl unfaßbar für die Auto liebenden Japaner, die mit ihren Wagen teilweise bis auf den Strand gefahren sind. Ach, sowas ist immer wieder lustig, wir wundern uns über die Japaner und die sich über uns...

Der Ausflug war jedenfalls ein voller Erfolg, nicht nur was die Muschelausbeute angeht, sondern auch sonst. Wenn es noch etwas wärmer ist, kommen wir bestimmt nochmal mit Badesachen wieder, um uns ganz unjapanisch in der Sonne aalen.

Coffee-Schwalben

von Thomas

200505281904_1Sachen gibt's... Oben auf dem Namenszug aus großen Leuchtbuchstaben vor der Eingangstuer der Starbucks-Filiale im Bahnhof von Toride hat ein Schwalbenpaerchen sich ein Nest gebaut!

27. Mai 05

Verlängerung

von Gunda

Wie sich das für ein Spiel gehört, das bis zum Ende voraussichtlich unentschieden sein wird, werden auch wir in die Verlängerung gehen. Wir bleiben also bis Oktober 2006 hier, wobei keiner von uns 'ne Ahnung hat, wie das aussieht, wenn wer gewinnt und wer eigentlich gegeneinander spielt. Zumindest haben wir nicht das Gefühl, gegen etwas zu sein. Aber gewinnen können wir ganz viel: Erfahrung z.B., ein tieferes Einsteigen in eine völlig andere Kultur und vielleicht doch noch etwas mehr Sprachkenntnisse...  ;-) - Nicht zu vergessen natürlich eine Menge Kontakte, Freunde, Berichte und Fotos...

Wann wir mal zwischendurch nach Deutschland kommen?
Geplant ist das so vier Wochen lang um Weihnachten rum, wobei wir natürlich zwischen Berlin und Herten pendeln werden.

26. Mai 05

Swizerdütsch?

von Gunda

Heute habe ich mich mit einer Familie getroffen, die kürzlich ein Jahr in der Schweiz verbracht hat. Das ältere der beiden Kinder, ein 10-jähriges Mädchen, ist dort zur Schule gegangen, und ihre Eltern möchten, daß sie das dort gelernte Deutsch nicht vergißt, bzw. noch mehr lernt. Deutsch??? Ja, zum Glück war es wirklich einfach nur Deutsch.  :-) Das Mädchen war sehr nett, und die kommenden wöchendlichen Treffen werden uns bestimmt nicht langweilig werden. Notfalls gewinnt sie mal wieder im Memory, wie sie es heute gemacht hat...

25. Mai 05

Sonnenuntergang

von Thomas

Auch bei der Arbeit gibt es manchmal romantische Augenblicke:

Sonnenuntergang am AIST!200505251916

Steinerei

von Gunda

Ich setz ja nicht alles ins Netz; aber Nr. 2 ist (nach einigen frustrierenden Übungsversuchen) fertig. - Mit Stein! (Zum Glück sieht man beim Tragen nicht, wie er innen aussieht...)
O.k., o.k., mit den Folgemodellen gebe ich nicht mehr so viel an... Ist nur die Anfangsbegeisterung.  :-)
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24. Mai 05

Fetter Brummer

von Thomas

Puh!!!! Heute Abend hatten wir unseren ersten richtig fetten Kaefer im Bad. Gunda hat ihn tapfer mit einem Glas gefangen und dann vor die Tuer gesetzt (Leider waren wir zu bloede, von dem guten Stueck noch ein Photo zu machen *seufz*). Langsam geht es also wohl los mit Sommerhitze und Ungeziefer... Wann wohl die ersten Kakerlaken kommen und wie schlimm wird es werden? Bis jetzt schwanken die Prognosen, die wir von verschiedenen Seiten bekommen haben, ja sehr stark. Das Spektrum reicht von "wir hatten letztes Jahr nur 3 Stueck" bis zu "wenn man einen Tag mal den Muell nicht rausbringt, dann ist die ganze Wohnung voll". Na ja, ich hoffe mal, dass erstere Prognose zu trifft ;)

23. Mai 05

No sex, please!

von Gunda

Dem Ausländer-Magazin "Metropolis" (politisch korrekt: "English magazine for Japan's international community") konnte man kürzlich entnehmen, daß es schlecht um den Nachwuchs an Japanern (und von Japanern) bestellt ist:
Der Minister für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt sagte offenbar, daß, soweit das Ministerium das ermitteln konnte, ein Drittel der japanischen Ehen ohne Sex oder nahe daran seien. Sieht man mal davon ab, daß sich natürlich die Frage aufdrängt, wie das Ministerium das herausgefunden haben will, kann man im gleichen Text auch noch lesen, daß der Minister meint, die Japaner seien frigide. Das wiederum findet "Metropolis" verständlicherweise merkwürdig, denn kaum etwas wird hier so sehr konsumiert, wie Sexblättchen und Comics mit gleichem Inhalt. Fast jede Tageszeitung hat mindestens ein Bild von einer fast nackten jungen Dame irgendwo drin, und sei es nur in der Werbung. - Vielleicht spricht das einen ja noch eher an, wenn man sowas von zu Hause nicht kennt?  ;-)Cimg6192_small
Doch weiter im Text: 10% der Japaner (so viel, wie die Einwohnerzahl von Tokyo) lebt allein, was für diese Menschen ein SO großes Problem darzustellen scheint, daß sich ein neuer Geschäftszweig an deren Bedürfnisse angepaßt hat: "Unazuki-ya" ("Nick-Laden") heißen die Firmen, in denen man sich für ca. 100 Euro jemanden mieten kann, der einem zwei Stunden lang zuhört und dabei unablässig nickt. (Vielleicht bräuchte man sowas nicht nur als Single gelegentlich?)
Weiter kann man lesen, daß es auch als Problem empfunden wird, daß sich viele Japaner nicht mit Menschen des anderen Geschlechts wohlfühlen. (In gewisser Weise ja auch ein Hinderungsgrund für die Zeugung von Nachwuchs...) Deshalb gibt es an die 3000 Heiratsvermittlungen in Japan, die nicht die Partner, sondern deren Eltern zusammenbringen und sie sich eine Weile gegenseitig über das jeweilige Kind ausfragen lassen. Anschließend bekommen die Männer eine dreistündige Lektion in Gewinnend-Lächeln und wie man über Dinge spricht, an denen die potentielle Braut interessiert sein könnte. Das, so das Magazin, scheine besser zu wirken als Kontaktanzeigen.
Der Artikel schließt mit dem Zitat eines Heiratsvermittlers in Nagoya: "Lately, we've seen an increase in so-called middle-aged parasites, single men in their 40s who still live with their parents."
Angeblich gehört unsere Generation, die man haufenweise mit Kindern auf der Straße sieht, sodaß wir schon den Eindruck bekommen haben, es gäbe hier keine Paare ohne Kinder, noch zu den "Babyboomern". Aber vielleicht sind da ja auch Klone dabei?

Jedenfalls waren Thomas und ich uns einig, daß alles oben Genannte nicht der Grund dafür sein kann, daß westliche Ausländer bei japanischen Frauen manchmal höher im Kurs zu stehen scheinen als Männer gleicher Nationalität.

Arbeitssuche, oder wie alles anfing.

von Gunda

Ich bin von mehreren Leuten schon über meine Arbeitssuche hier ausgefragt worden. Deshalb gibt es jetzt, anläßlich des einjährigen Jubiläums, die Kategorie (rechts im Bild) "Gundas Arbeitssuche", in der alles zusammengefaßt ist (oder noch wird).

Angefangen hat alles schon im Juni 2004 in Deutschland. Da habe ich begonnen, die ersten 20 Bewerbungen von einer inzwischen unzählbaren Menge abzuschicken. (Die Stellenangebote hatte ich von KOPRA, einer ihres Zeichens "Koordinationsstelle für Praktika", deren Angebote aber manchmal schon veraltet und deshalb schon besetzt sind.)
Ich hatte gehofft, in einem japanischen oder internationalen Betrieb ein bezahltes Praktikum oder einen Job zu bekommen, um meinen Horizont zu erweitern und mein theoretisches Wissen über internationale Zusammenarbeit, bzw. Betriebsklima in japanischen Betrieben um Praxiserfahrung erweitern zu können. Dabei wäre mir so ziemlich jede Art von Büroarbeit recht gewesen, was aber meine Lage auf dem Stellenmarkt nur unwesentlich verbessert hat. (Natürlich wußte ich auch, daß es in japanischen Betrieben in Prinzip sowas wie Praktika nicht gibt.)
Stattdessen mußte ich feststellen, daß es offensichtlich üblich ist, sein Desinteresse an einer Bewerbung durch komplette Ignoranz zu bekunden. Sprich: Ich habe ganze zwei direkte Absagen erhalten. - Und eine Einladung zu einem Vostellungsgespräch.

Hier meine Mails aus der Zeit:

27.7. 2004

"Das Vorstellungsgespräch für ein Praktikum bei "..." in Tokyo war gestern um 14.30h in Düsseldorf.

Ich hatte einen irrsinnig arroganten, gelangweilten Typen vor mir, der mich, wenn's hoch kommt, fünfmal direkt angeguckt hat. Ich hatte nicht das Gefühl, daß er auch nur einen Satz meiner Bewerbung gelesen hatte. Abgesehen davon hat er immerzu aus dem Fenster geguckt und mich mit Zigarillos eingequalmt. Er hat mein "Wirtschaftswissen" abgefragt, das ich nunmal einfach nicht habe. Als er meine Antworten als unzureichend bemängelt hat, habe ich ihn dezent darauf aufmerksam gemacht, daß ich aus einem anderen Bereich komme, aber gerne bereit bin, meinen Horizont zu erweitern. (Was ich mit dem Praktikum ja auch vorhatte.) Danach kam das zweite Gespräch mit einer erheblich netteren Frau, die mich behandelt hat, als hätte ich den Job schon. - Viel unterschiedlicher geht es wohl kaum...

Es ist also noch alles drin. Im Laufe dieser Woche höre ich von denen. Wenn das alles klappt, muß ich im November zu einer einwöchigen Schulung nach Düsseldorf und darf mich dann in Tokyo für ein Taschengeld 10 Stunden am Tag in Anzug oder Kostüm abrackern, um dann hinterher vielleicht noch einen Job bei "..." angeboten zu bekommen.

Naja, aber ich wollte es ja nicht anders; sonst hätte ich mich ja nicht beworben..."
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Ich hätte also Thomas im Oktober alleine nach Japan fliegen lassen müssen.

2.8.2004
"Vom Praktikum habe ich bisher nur noch eine Anfrage nach noch mehr Zeugnissen bekommen. Tja..."

Zwei Monate nach dem Vorstellungsgespräch kam dann die Absage. Die dazugehörige Rundmail:

15.9.2004

"Liebe Leute! Unten könnt Ihr Euch davon überzeugen, was dabei herauskommt, wenn man zwei Monate auf Antwort bzgl. eines Praktikumsplatzes warten muß. Zum Schluß war ich wirklich eher sauer auf die Leute, weil sie mich so hängen lassen haben, was meine Planung wirklich sehr erschwert hat. Deshalb bin ich jetzt sogar erleichtert und lasse mich durch die Absage nicht unterkriegen. - Immerhin fliege ich mit einem Visum nach Japan, zu dem es in Tokyo eine extra Arbeitsvermittlung für Ausländer gibt. Wäre doch gelacht, wenn sich da nichts finden ließe!"

Mittlerweile weiß ich, daß sie dort nur Englisch Muttersprachler wollen und daß fast alle anderen Jobs erfordern, daß man fließend Japanisch spricht.

Wie sich Kommunikation verändert

von Gunda

An Barbara habe ich heute das Folgende geschrieben, was mir schon lange im Kopf herumspukt:

"(...) Aber ich merke trotzdem, daß mir hier ganz viel verloren geht, was Thomas nicht alles ausgleichen kann und auch nicht ausgleichen sollte. Hier funktioniert noch nichtmal Englisch im Alltag richtig. Da muß ein Gemisch aus Japanisch, Englisch, Gesten und elektronischem Wörterbuch ran. (Wären wir in einem europäischen Land; ich könnte mich wohl schon wesentlich flüssiger verständigen.) Ganze Sätze sind hier selten. Meine Kommunikation in der Öffentlichkeit bleibt bei Höflichkeitsfloskeln und bloßer Informationsvermittlung stecken. Da bin ich schon froh, wenn ich mich mit jemandem flüssig auf Englisch unterhalten kann und dabei dann auch noch das Gefühl habe, verstanden zu werden. Da das nicht meine Muttersprache ist, fehlen mir natürlich manchmal die Worte, und mit Umschreibungen rückt wieder eher der Inhalt in den Vordergrund. (...) Sprich, das, was meine Sprache ausmacht, das Wortspiel, der Humor, die Kreativität, das alles kann ich nur mit Thomas teilen, wo ich vorher viele Kommunikationspartner hatte. Das alles auf einmal kann niemand komplett ertragen müssen.
Ich merke das auch an meinen Tagebucheinträgen und an Mails, die ich schreibe, daß mir ein großes Stück meiner sprachlichen Lebendigkeit, die auch einen sehr großen Teil meiner Identität ausmacht, abhanden kommt. Ich weiß, daß das schnell wieder zurückkommen wird, wenn ich wieder in Deutschland bin. Aber trotzdem fühle ich mich manchmal regelrecht 'amputiert' oder 'langweilig'."

20. Mai 05

Happy Birthday Thomas!!!

von Gunda

Ja, wenn man sooo lange in Japan bleibt, kommt unweigerlich auch mal der Punkt, wo man Geburtstag hat und der Tatsache ins Auge sehen muß, daß man auch vor dem Älterwerden nicht ins Ausland fliehen kann.
Thomas hat also heute Geburtstag. Den ganzen Tag lang.
Also habe ich amCimg6105_small Tag vorher den Tisch mit meinen und den Geschenken seiner Eltern schön hergerichtet.
Dann hab ich noch Torte besorgt.Cimg6106_small


Ja, und heute  morgen ging es dann erstmal mit Auspacken und Torte-Essen (natürlich nach dem Ausschlafen) los. Thomas hatte sich extra frei genommen, um mit mir zu feiern.
Mitten im Essen klingelte es an der Haustür. Natürlich dachten wir sofort, daß da jemand aber ein ganz tolles Geburtstagstiming für ein Paket hatte. Es war auch ein Paket. - Allerdings für mich. Das muß dann jetzt wohl noch bis zu meinem Geburtstag warten, und ich schleiche immer neugierig drumrum...

Cimg6112_smallDann sind wir noch nach Tokyo gefahren, was zwei Gründe hatte:
Erstens wollten wir natürlich ein bischen feiern; aber für Thomas war wohl das "erstens" eher, daß er sich noch selber was von seinem Gesparten zum Geburtstag schenken wollte: Einen PDA.
Zum Glück war ich trotz des neuen Spielzeugs nicht ganz "abgemeldet" und der Tag ist mit einem guten Essen beim Inder und einer Partie Scrabble ganz gemütlich geendet.

Also, mein Lieber:
Nochmal alles alles Gute für das neue Lebensjahr! Hoffentlich klappt alles so, wie Du es Dir wünschst. Bleib gesund und munter und laß alle an Deiner Energie und Deinen Ideen teilhaben, die das gebrauchen können und das auch anerkennen.

HAPPY BIRTHDAY!!!
Cimg6100_small

19. Mai 05

Schweinische Bilder...

von Thomas

Nachdem es am Sonntag ja schon einen kleinen schweinischen Vorgeschmack gab, ist die Sau nun endgültig rausgelassen...

Unter http://www.die-sau-mal-rauslassen.de/badeschweinfotoj.html F1000139_1kann man sich nun endlich alle versauten Bilder vom Wasserspritzer-Schwein in Japan (und auch in Europa) ansehen.

Wir hoffen, das die Bilder auf viel Gegenliebe stoßen und es bald sehr viele Stammgäste auf www.die-sau-mal-rauslassen.de gibt, die die Abenteuer der Badeschweine weiterverfolgen. Auch über einen Eintrag ins Gästebuch würde sich unser Schweinchen natürlich saumäßig freuen :)

18. Mai 05

Zu lange in Japan?

von Gunda

Was mit einem passiert, wenn man zu lange in Japan ist?

Das kann man hier nachlesen:

http://www.infojapan.de/kultur/zulange.htm

16. Mai 05

Hausfrau???

von Gunda

"Was machst du eigentlich so den ganzen Tag?"
Die Frage habe ich mittlerweile SO oft gehört, daß ich sie hier jetzt mal für alle beantworten will, die sich noch nicht getraut haben, zu fragen.

Also, im Prinzip suche ich immernoch einen Job.
Am Anfang hatte ich wenig anderes im Kopf und habe mir tierisch viel Streß damit gemacht, daß ich unbedingt Arbeit brauche. Damit dieser Streß aufhört habe ich irgendwann beschlossen, meine Habachtstellung zu verlassen und mir vorgenommen, meine Zeit so zu verbringen, daß ich das Gefühl habe, es geht mir gut und meine Tage sind ausgefüllt. Trotzdem habe ich meine Zeit nicht so vollgepackt, daß ich vor lauter Freizeitstreß nicht mehr arbeiten könnte. Ich bin also noch jederzeit bereit. Ich habe mir die Arbeitssuche in zwei Phasen eingeteilt: Die Phase, in der ich suche und die Regenerationsphase. - Sonst geht mir die Energie aus.

Bin ich jetzt "arbeitssuchend"? Oder "Hausfrau"?
Keine Ahnung. Mit Letzterem kann ich mich zwar nicht identifizieren; aber meine Hauptaufgabe, mein "Job", wenn man so will, besteht tatsächlich im Moment zu einem großen Teil aus Hausarbeit. In Berlin hatten wir uns das geteilt; jetzt habe ich es übernommen. Erstens natürlich, weil ich mehr Zeit habe und zweitens, weil Thomas hier viel länger arbeiten muß als in Berlin. Trotzdem fühlt sich Thomas immernoch für unseren Haushalt mitverantwortlich. Donnerstag und am Wochenende kocht er meistens. Außerdem macht er auch noch alles, was ich nicht kann.

Mein Tag fängt meist damit an, daß wir zusammen abwaschen. Nach dem Frühstück geht Thomas zur Arbeit und ich setze mich an den Computer, um den Vormittag über Mails zu schreiben und zu beantworten, Fotos zu verwalten, Sachen für die Homepage zu schreiben, Infos im Internet zu suchen usw.
Mittags hole ich mir oft etwas zum Essen aus dem Supermarkt, was da frisch zubereitet wird.
Dann geht's an die Hausarbeit. Im Moment ist da viel zu tun, weil wir ein kleines bischen Schimmel in dem Teil der Wohnung haben, den man im Winter nicht heizen kann (Das ist hier völlig normal.), die Kleidung gegen die Sommerschwüle und die Vorräte gegen Ungeziefer gewappnet werden müssen. Ich mache jeden Tag ein bischen was, sodaß ich noch Freizeit danach habe. Am Anfang der Woche putze ich meist. (Manchmal wird es auch Ende der Woche.) Einmal in der Woche wasche ich Wäsche, was fast den ganzen Tag dauert, da man diese Waschmaschine immer nur halb voll machen kann, weil sie sonst beim Schleudern umkippt.
Tja, und am Nachmittag mache ich ganz viele verschiedene Sachen: Lesen (auch für die Uni und natürlich über Japan), Ausflüge in die Umgebung oder nach Tokyo, Schmuck produzieren, Fotografieren (natürlich auch das Schwein
so oft wie möglich), mich mit Leuten treffen, zweimal im Monat den Konversationskurs Deutsch leiten (und das natürlich vorbereiten), versuchen, in Bewegung zu bleiben, seit Neuestem einmal im Monat Ikebana, demnächst wahrscheinlich Kaligraphie ... Eigentlich fällt mir dann auch immer spontan was ein, was ich nochmal unbedingt machen will. Z.B. bummle ich sehr gerne durch die 100-Yen-Shops, die überhaupt nicht so ramschig sind, wie die 99-cent-Läden in Deutschland, sondern viele Sachen von richtig guter Qualität haben. Das regt meine Kreativität sehr an. In Tsukuba oder den anderen Städten um uns herum zu bummeln macht natürlich auch Spaß.
Dienstags habe ich ja dann immer vormittags mit Thomas zusammen Japanisch, was wir Montagabend meist vorbereiten, bzw. von vergangener Stunde nachbereiten. Und einmal im Monat muß ich ins Krankenhaus, um mir ein neues Rezept zu holen. - Das dauert mit Anfahrt und Warten immer fast den ganzen Tag.
Zwischen 17 und 18 h gehe ich meist einkaufen und lasse mich im Supermarkt ein bischen treiben, um herauszufinden, was ich kochen will, wenn Thomas kommt. Eigentlich hat mir Kochen früher nie Spaß gemacht, und in Berlin hat Thomas fast immer gekocht. Aber seit ich hier öfter mal rumprobiere, geht es eigentlich. Und wenn ich absolut keine Idee oder Lust habe, kocht Thomas eben. - Dem macht das einfach mehr Spaß.
Zwischen 20 und 21 h kommt Thomas dann nach Hause. Wir essen, und hinterher spielen wir was, basteln am Computer rum oder jeder läßt den Tag für sich ausklingen.
Manchmal ist es so, manchmal aber auch ganz anders und alles wird über den Haufen geworfen.

Am Wochenende machen wir, wie man unserem Tagebuch entnehmen kann, oft zusammen Ausflüge oder Kurzreisen, treffen Leute, ruhen uns aus oder basteln an den ganzen Homepages.

Wie Ihr seht, wird es mir eigentlich nie langweilig. Im Prinzip kann ich hier ganz viele Dinge tun, für die ich in Deutschland oft keine Zeit oder Gelegenheit hatte. Im Moment habe ich schon das Gefühl, sehr frei zu sein. Klar, manche Dinge müssen einfach gemacht werden; auch, wenn sie keinem Spaß machen. Und natürlich wünsche ich mir auch weiterhin eine Arbeit. Ich habe auch nicht das Gefühl eines "Langzeiturlaubs".
Mal sehen, worunter ich das alles ganz am Ende verbuchen werde...

15. Mai 05

In the Ghetto...

von Thomas

Heute waren wir in Yokohama, etwas genauer gesagt im Norden Yokohamas in der DSTY, der Deutschen Schule Tokyo Yokohama, die dieses Jahr ihr hundertstes Jubiläum feiert. Ein verblueffender Anblick, eine deutsche Schule mitten in Japan und das nicht nur wegen der Schueler und Lehrer dort, nein auch das ganze Gebauede, die Einrichtung, alles dort "typisch deutsch". Ein kleine, kuenstliche Insel mitten in Japan. Etwas merkwuerdig und seltsam finde ich persoenlich das ja schon, warum passt man sich nicht mehr an seine Umgebung an, waere das schlimm fuer die Schueler dort, wenn alles etwas mehr japanisch aussaehe, wuerde das nicht die Integration ins fremde Land foerdern? Aber vielleicht wollen das viele ja auch nicht, man ist ja meist nur kurz hier, ein halbes Jahr, vielleicht noch kuerzer, klar, da will man sich nicht lange umstellen muessen, will im vertrauten Umfeld leben,auch wenn es hier nur kuenstlich sein kann.

Aber bleibt man so nicht einfach nur Dauertourist? Ich weiss nicht, wir persoenlich versuchen uns etwas mehr anzupassen, ohne der Versuchung zu erliegen jetzt betont japanisch zu sein (diese Auslaender gibt es naemlich auch, sie machen sich aber, so denke ich, in den Augen der Japaner eher laecherlich). Aber warum nicht die Sachen annehmen, die hier einfach normal sind? Warum nicht japanisch Essen gehen, warum nicht ein paar japanische Dekosachen kaufen, um die Wohnung zu verschoenern, warum sich nicht bemuehen, die Sprache zu erlernen, kurz, warum nicht einfach sich in den Alltag hier eingliedern, ohne sich gleich anzubiedern und als japanisch kostuemierter Gaijin rumzulaufen, Japaner in ihren Gesten, ihrer Mimik und ihrer Sprechweise zu immitieren.

Genug abgeschweift... Warum waren wir eigentlich in der DSTY? Na ja, heute war doch Pfingsten und dort fand ein oekumaenischer Gottesdienst statt, da wollten wir hin. Es war ganz schoen, mit einem kleinen Theaterstueck, aufgefuehrt von den Schuelern dort. Und danach sind wir dann noch ins Zentrum von Yokohama gefahren, sind ein bischen durch die Kaufhaeuser und Shoppingmeilen rund um den Landmark Tower geschlendert, haben uns beide etwas zum Anziehen gekauft und noch etwas anderen Kleinkram (ich konnte doch einfach nicht der Versuchung widerstehen, mir im Lego-Shop einen Klonkrieger mit einem AT-AT-Läufer zu kaufen *seufz*). Und dann ging's auch schon wieder nach Hause, zurueck nach Arakawaoki ;)

Die Sau ist los!

von Thomas

Jetzt sind wir endlich mal dazu gekommen, die ersten Bilder vom Japan-Schwein auf der Schweine-Homepage von Ortrun und Gunda zu veröffentlichen!

Unter http://www.die-sau-mal-rauslassen.de/badeschweinfotoj.htmlDas_schwein006
findet man unter dem Menüpunkt "Japan-Schwein" Bilder in den Kategorien "Erste
Entdeckungsreise", "Baden", "Japanischer Alltag" und "Paketschwein".

Viel Spass!

14. Mai 05

Puzzles und Wasserspritzer

von Thomas

Gerade beim Einkaufen haben wir zwei Entdeckungen gemacht (es ist doch immer wieder schön, wieviel man hier selbst in seiner unmittelbaren Umgebung nach all der Zeit noch entdeckt...).
200505141604Zuerst sind wir in einem Möbelgeschäft in der Kramabteilung auf einen kleinen Beutel mit kleinen bunten Plastiktieren gestossen. Na und? Klar ist jetzt normalerweise nicht der Brüller, aber diese lustig aussehenden Tierchen waren nicht eben irgendwelche Tierchen, sondern die Brüder und Schwestern unseres so geliebten Badeschweins... Da dachten wir, die gibt's nur in Deutschland und dann, hängen die da einfach so rum! Das Schwein war leider nicht dabei, aber wenn es die hier in Arakawaoki gibt, dann muss es in Tokyo bestimmt auch welche geben. Vielleicht finden wir ja noch mehr...

Wer jetzt nur Bahnhof versteht, dem sei ein Blick auf www.die-sau-mal-rauslassen.de empfohlen, dann wird er verstehen ;)

Und dann noch das: Ein Puzzle-Laden!

Große Puzzle, kleine Puzzle, schwierige, leichte, bunte und schwarzweiße Puzzle, durchsichtige gab's auch, oder welche, die im Dunklen leuchten, dreidimensionale ebenso und Puzzle mit Photos, mit Gemälden, mit Kitsch und Kunst, mit Stars und Sternchen, Kindern, Hunden, Katzen und Vögeln, Denkmälern und Burgen, Tempeln und Schreinen, Kirchen und Klöstern. Ein Puzzle vom Fuji? Kein Problem! Oder eines von Tokyo, Paris oder Wien? Ein da Vinci oder ein Disney? Puzzle mit Mangas oder Cartoons, mit Filmszenen und Szenen aus dem Leben... Hunderte, nein tausende Puzzle! Wahnsinn!

13. Mai 05

"So funktioniert Japan" ... NICHT!

von Gunda

Ortrun bemerkte neulich in einer Mail, daß man sich für deutsche Touristen durchaus schämen könnte, wenn man wollte. (Oder so ähnlich...) Meistens will ich nicht, denn die sind ja nicht ich. Andererseits gibt es dann auch wieder deutsche Touristen, die mir total peinlich sind, weil sie vielleicht die einzigen oder ersten Deutschen sind, die jemand zu Gesicht bekommt. - So ein Eindruck bleibt hängen...

Manchmal würde es mich nicht wundern, wenn alle Japaner anfangen würden, Deutsche zu hassen. Immerhin kommen viele nach einem zweiwöchigen Japanurlaub zurück und meinen, "Japan verstanden" zu haben. Sie schreiben irritierende Reiseführer, altkluge Origamihandbücher, veröffentlichen peinliche Geschichten, treten als "Japan-Experten" auf... und haben eigentlich überhaupt nichts kapiert, weil sie das ihnen Fremde immer nur mit ihrer eigenen kleinen engen Welt vergleichen.

Den allergrößten Mist von zwei solchen Typen, die es echt ganz genau kapiert zu haben meinen, dabei nicht im Entferntesten komisch sind und dazu noch die japanische Kultur in den Dreck ziehen, wobei sie Deutschland bis auf die Knochen blamieren, kann man hier finden: http://www.onemission.com/japan/

Liebe Japaner, bitte denkt daran, daß nicht alle Deutschen derart blöde sind!

Abschneiden, was stört. Oder: Ikebana.

von Gunda

Darf man eine Kultur an seinen traditionellen Künsten messen? - Hm, ich würde mich ungerne an Schuhplattler, Armdrücken und Sticken messen lassen. Also nicht? Cimg6045_smallOder doch?

Jedenfalls habe ich heute beim Ikebana einiges wiedergefunden, was mir in einem anderen Kontext nur hier in Japan schon einmal aufgefallen ist.

Aber ich fange lieber von vorne an. Nämlich mit der interessanten Entstehung meines Beiseins an diesem Treffen:
Ich hatte den Konversationskurs des Deutschen Sprachvereins Tsukuba von einem deutschen Ehepaar übernommen, das eine Deutsche kannte, die sich meinen Namen gemerkt hat und daraufhin unsere Webseite gefunden hat. Dann hat sie mich angerufen und mich zu eben diesem Ikebana-Nachmittag in Tsukuba eingeladen, an dem noch eine andere deutsche Frau teilnehmen sollte. Bei 58 Deutschen in Tsukuba, von denen ich nur eine kurz vom Sehen aus dem Sprachkurs kannte, war ich nicht davon ausgegangen, daß ich diejenige kennen würde. Tja, und dann war es doch die Frau aus dem Sprachkurs...

Interessant und lustig war der Nachmittag. Zwei deutsche, zwei japanische Frauen und ich. Eine der japanischen Frauen war natürlich die Ikebana-Lehrerin, die andere eine Deutschlehrerin. Mit einem Japanisch-Englisch-Deutsch-Sprachgemisch ging es dann auch gleich recht laut und munter zur Sache.
Ich muß gestehen, daß ich den Namen der Ikebana-Schule (Es gibt da verschiedene Richtungen.) vergessen habe; aber es war eine der ältesten Varianten. Natürlich habe ich mich erstmal mit dCimg6026_smaller Anfänger-Version begnügt, was auch schon lehrreich genug war.
Es gibt also den "main branch", das "Subjekt", der doppelt so hoch sein soll, wie die Schale, in der die Blumen arrangiert werden, breit ist. Den steckt man hinten senkrecht auf ein Hamster-Fakir-Bett (kleines Nagelbrett). Dann kommt das "Objekt", das so lang sein soll, wie der Abstand zum Schalenrand. Das wird in 45° Neigung nach vorne ("wie eine Verbeugung") gesteckt. Der Rest der Blumen sollte dann in einer Reihe hintereinander auf verschiedenen Höhen in ungerader Anzahl der gleichen Sorte und möglichst asymmetrisch angeordnet werden. Ach ja, aber nicht irgendwie, sondern so, daß eine Art "Kuppel" entsteht, die so weit über den Rand der Schale hinausragt, wie der Abstand des Schalenrandes zur Mitte ist. Ja, und damit keine Mißverständnisse aufkommen: Jeder hatte dazu zweimal drei Blumen der gleichen Sorte zur Verfügung und drei große Blätter mit dickem Stengel.
Wer mich kennt, weiß, daß ich bei der Längen-Zahlenspielerei mit Vierteln und halben, ganzen und ungeraden Längen, Anzahlen usw. komplett ausgestiegen bin und versucht habe, mich auf eine Art ästhetisches Gefühl zu konzentrieren. Diese Menschen wissen auch, daß meine Kreativität zu einem großen Teil aus unkonventionellen Abwandlungen der Konvention besteht. Sollte ich ...? Oh nein, ich war ganz artig. - Dachte ich...
Natürlich wußte ich, daß in Japan anders mit Naturmaterialien umgegangen wird, als in Deutschland: Unpassendes wird passend gemacht, Vorstehendes abgeschnitten, bis für unsereins eher ein Artefakt aus Naturmaterialien als das Arrangement der Natur selber entstanden ist. Gut, dachte ich, das kann ja auch sehr reizvoll sein. Ich verfremde ja auch gerne Dinge. Aber es war noch ganz anders:
Cimg6044_small"Der hat seinen Kopf abgewandt. Aber er gehört zum Master. Wie die Frau zum Ehemann. Also muß er aufschauen und mit ihm reden." Aha, zu westlich gedacht. Weiter. "Das ist von dieser Seite nicht schön. Das muß man umdrehen." Häh? Bisher dachte ich, "schön" wäre eine subjektive Wahrnehmung... Scheint es aber irgendwie nicht zu sein. Und in kurzer Zeit war mein Arrangement nicht mehr mein Arrangement, sondern eben Ikebana. Tja...
Bedeutet das, ich weiß nicht, was schön ist?
Ich glaube, es immernoch für mich ganz persönlich zu wissen und habe beschlossen, Ikebana dafür als Anregung benutzen zu können. Das ist ganz bestimmt eine sehr "westliche" und in gewisser Weise auch "unerwünschte" Sicht auf eine hohe traditionelle Kunst. Ich werde trotzdem auch in den folgenden Stunden versuchen, alle Regeln einzuhalten.
Vielleicht erschließt sich mir ja dann eines Tages doch noch ein bestimmtes Gefühl hinter den Regeln, das es mir erlaubt, nicht einfach nur Sachen nachzumachen, sondern zu verstehen.

Eines ist jedenfalls jetzt schon klar: Ich werde nie wieder einfach unbekümmert ein paar Blumen in eine Vase stecken können...

And now...

von Thomas

Habe ich da nicht gerade was von Zufallsgenerator geschrieben...

Eben noch Taro Minase und jetzt:

Your Japanese Name Is...
Ryoichi Saionji

So leicht geht das... :)

P.S.: Gefallen tun mir allerdings beide Varianten nicht, daher ist es gut, dass es nur Bloedsinn ist!

My Japanese Name Is...

von Thomas

laut der Webseite http://www.blogthings.com/japanesenamegenerator/ ist es:

Your Japanese Name Is...
Taro Minase

und der von Gunda waere dann

Your Japanese Name Is...
Mamiko Hayashi

Na ja, wenn wenigstens erklaert wuerde, wie dies zustande kaeme, waere es ja noch ganz witzig, so kann es auch per Zufallsgenerator erzeugt worden sein...

Was es nicht alles so gibt...

12. Mai 05

Der Morgen danach...

von Thomas

Jeden Donnerstag kann man bei uns in der Gruppe einen interessanten Effekt beobachten: Kommen die meisten der Jungs eh schon immer sehr spaet, kommen sie am Donnerstag nochmal einige Stunden spaeter, so dass bis zum Mittagessen im Buero, auf den Fluren und in den Laboren immer eine ziemliche Stille herrscht.

Warum ist das so? Eigentlich eine ganz einfache Folge der Arbeitseinstellung der meisten hier, fuer die das AIST der Mittelpunkt ihres Lebens ist, den sie nur in der Nacht mal kurz zum Schlafen verlassen.

Mitten in der Woche wird der eingefahrene Rhythmus aus spaet kommen und spaet gehen aber durcheinander gebracht. Der Boss kommt mit seinem Gefolge aus Professoren aus Tokyo und informiert sich, was den so laeuft. Ankommen tut er immer Dienstagsabends und bleibt dann so bis 11 Uhr im Buero. Natuerlich traut sich dann keiner der japanischen Kollegen nach Hause und so harren sie aus, bis der Chef gegangen ist. Das ist auch kein Problem, denn solange bleiben sie eh immer, das eigentliche Problem ist der Mittwochmorgen, da fangen um 9 Uhr die allgemeinen Besprechungen an, d.h. frueh aufstehen ist angesagt und das nach einem langen Abend. Statt nun aber Mittwochs frueh zu gehen, wenn der Chef um 7-8 Uhr wieder Richtung Tokyo entschwindet, behalten sie ihren normalen Rythmus bei und harren wieder bis spaet abends aus. Am Donnerstag raecht sich das dann und alles schlaeft erstmal aus und man kann himmlisch ruhige Vormittage bei der Arbeit verbringen :)

11. Mai 05

Blutiger Bloedsinn

von Thomas

Man ist ja schnell daran gewoehnt, dass Japaner vieles machen, was einem wie Aberglaube vorkommt, aber eben Teil der shintoistischen/buddhistischen Religion ist. Da gibt es natuerlich Horoskope, das Schicksal bestimmende Sprueche, die man kaufen kann, Glueckssymbole alle Art und wenn man im Schrein oder Tempel eine Muenze in das entsprechende Behaeltnis wirft und in die Haende klatscht, dann hat man gute Chancen, dass das daraufhin gesprochene Gebet erhoerrt wird. Und rein aus Neugierde und weil all diese Gluecksbringer, Amulette usw. so schoen japanisch aussehen, haben wir uns natuerlich auch schon welche gekauft.

Aber einen Aberglauben gibt es, der hat seine Wurzeln nicht in der Religion, sondern in etwas ganz unreligioesem, naemlich in einer Theorie, die vorallem 'Forscher' waehrend der Nazizeit entwickelten, dass naemlich die Blutgruppe den Charakter und die guten/schlechten Eigenschaften eines Menschen bestimmt. Diese Theorie ist in den 20er/30er Jahren nach Japan gekommen und lebt hier immer noch fort. Gut 20% der Japaner sollen laut einem Artikel in der Japan-Times von heute daran glauben, dass sie sich bei der Auswahl des spaeteren Berufes oder eben auch bei der Partnerwahl nach der Blutgruppe richten sollten. Welche Blutgruppe ist fuer welchen Beruf guenstig? AB angeblich fuer Forscher, weil ABler besonders neugierg sind... Und welche Blutgruppe soll meine Zukuenftige haben, was empfiehlt mein Blutgruppen-Horoskop?

Ja, sowas gibt es hier in Zeitschriften, Horoskope nicht nach Geburtstag (nicht das das sinnvoller waere), sondern nach der Blutgruppe ausgerichtet. Auch im Fehrnsehen gibt es Sendungen dazu und, besonders skurril, in dem Artikel stand, eine Schule sortiert Schueler in Gruppen gemaess ihrer Blutgruppe. Das auch der ein oder andere Arbeitgeber an der Blutgruppe seiner Mitarbeiter interessiert ist, braucht man da eigentlich gar nicht extra erwaehnen...

Ich finde das alles sehr merkwuerdig und irreal, vor allem wenn man bedenkt, dass ich zu den Leuten gehoere, die ihre Blutgruppe gar nicht kennen. Habe ich vielleicht den falschen Beruf ergriffen? Passt Gunda wirklich zu mir? Da ergeben sich ganz neue Fragen und Probleme... :)

10. Mai 05

Bekannt wie bunte Hunde...

von Thomas

Das ist jetzt etwas uebertrieben, aber es ist schon komisch, wenn einen jemand, den man nicht kennt, mitten in Japan auf Deutsch mit "Du musst Thomas sein!" oder "Bist Du die Gunda Niedermeyer?" anspricht...

So ist es uns jedenfalls Gestern und Heute ergangen. In der Cafeteria des AIST habe ich einen Leser unseres Weblogs getroffen, der auch am AIST arbeitet und sich kurz vorher mal per e-mail gemeldet hatte und dabei noch meinte, vielleicht trifft man sich ja mal...

Und Gunda wurde heute im Japanischkurs angesprochen, von einer Dame, die wiederum eine Dame kennt, die wiederum die Dame kennt, die Gunda den Konversationskurs mit deutschsprechenden Japanern in Tsukuba vermittelt hat.

So klein ist die Welt... :)

Stellenbörse

von Gunda

Heute habe ich die Zusage erhalten, daß mein Stellengesuch in der Stellenbörse der Juni-Ausgabe des Deutsch-Japanischen Wirtschaftsmagazins der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan erscheinen wird.
Damit hatte ich bis jetzt gewartet, weil ich hoffte, daß es auch ohne gehen würde, weil das kostenpflichtig ist und weil ich mir die Anzeige erst auf Japanisch übersetzen lassen mußte. (Die nehmen nur zweisprachige Einsendungen.) An dieser Stelle ein ganz herzliches DANKESCHÖN an Hidehiko fürs Übersetzen!!!

Diese Anzeige ist mein letzter Joker. Danach bin ich ratlos...

08. Mai 05

Silberschmiede

von Gunda

Cimg6007_smallJuchhu!!!
Von meinem ersten Gehalt habe ich mir eine kleine Schmuckwerkstatt zugelegt. Diese Sorte gibt es nur in den USA und eben in Japan. Nachdem mein erster Versuch während der Nachbearbeitung kaputtgegangen ist (Ich hatte eine Bruchstelle schlecht repariert.), kann sich mein ganz gebliebenes Erstlingswerk durchaus sehen lassen. (Oder?) - 99% Silber und schön matt.
Jetzt habe ich Mut bekommen, weiterzumachen. Und: Übung macht den Meister!
Vielleicht werde ich ja damit bald so gut, wie mit den Ketten...

Abgestumpft

von Thomas

sitze ich gerade vor dem Computer, bebt mal wieder die Erde, Gunda ruft aus dem Schlafzimmer "Es wackelt mal wieder!" und dann war's auch schon wieder vorbei...

07. Mai 05

Radtour

von Thomas

Cimg5978_smallAuf nach Kashiwa ging es heute, nicht gerade eine weite Reise, aber dort wohnen Roland, mein Arbeitskollege aus Frankreich und Petra, seine Freundin, die ebenfalls Physikerin ist. Die beiden hatten uns eingeladen, doch mal vorbeizuschauen und einen Tag dort zu verbringen. Da das Wetter schön war, haben wir dann eine Radtour rund um einen See am Stadtrand von Kashiwa gemacht. Gunda und ich haben uns dazu Fahrräder geliehen, was lächerliche 200 Yen pro Rad für einen Tag kostete!

Cimg5968_smallDer See war ein nettes Ausflugsziel. Rund um den See gab es einen prima ausgebauten Weg für Fussgänger und Radfahrer, unterbrochen nur von einem kurzen unbefestigten Stück, das wegen des Regens am Vortag aber so aufgeweicht war, dass unsere Räder hinterher aussahen wie Sau... Ein paar Skurrilitäten gab es auch noch: Zum einen Angelbecken für Rentner. Rund um den See hatte man kleine Teiche angelegt und mit Fischen gefüllt. Dort konnten man dann Angeln mit Fang-Garantie! Nette Idee, wenn es nicht den See gegeben hätte, der selber voller Fische war...

Cimg5988_smallUnd dann gab es noch echte deutsche Laugenbretzel an einen Backwarenstand irgendwo am Seeufer zu kaufen! Und ich muss sagen, sie schmeckten auch tatsächlich so, zwar waren sie von außen nicht sehr mit Salzkörner bestreut, aber Geschmack und Konsistenz waren einwandfrei. Wie es sie dorthin verschlagen hat, wissen wir nicht, aber vermutlich waren wir die ersten Deutschen, die diese deutschen Laugenbretzel dort gegessen haben. Unseren Vorzeigefranzosen Roland konnte natürlich dieser Einbruch deutscher Bäckereikunst ins japanische Hinterland nicht beeindrucken, aber was kann das schon ;)

Am späten Nachmittag ging es dann zurück nach Kashiwa. Neugierig haben wir uns natürlich angeschaut, wie andere Ausländer hier in der Fremde leben. Na ja, soviel anders als wir dann auch nicht...

Abends sind wir dann zu einem Inder zum Essen gewesen. Unten im Keller des Gebäudes, den man von der Strasse aus einsehen konnte, viel uns ein Schild auf: Eintritt nur in Begleitung eines Einheimischen! Hmmm, deutet man die Gesten der knapp bekleideten Damen, die kurz darauf dort unten erschienen, dann schien der Hinweis allerdings nicht so ernst gemeint gewesen zu sein :)

06. Mai 05

Urlaubsfotos

von Thomas

So, nachdem vor ein paar Tagen unsere Urlaubsberichte fertig geworden sind, gibt es jetzt auch unsere Urlaubsfotos online in unserer Fotogalerie.  Es gibt einige 100 Bilder aus Hiroshima, Miyajima, Kyoto, Osaka, Nara und vom Fuji und seiner Umgebung zu sehen.

Viel Spaß beim Betrachten :)

05. Mai 05

Besuch aus der Heimat

von Thomas

Cimg5962_smallEigentlich ein merkwürdiger Titel, wenn man bedenkt, dass unser Besucher heute Japaner war... Takuya, mein japanischer Kollege aus Berlin war heute zu Besuch und hatte noch einen seiner Freunde, den es inzwischen auch zum CERC in Tsukuba verschlagen hat, mitgebracht. Wurde ein netter Nachmittag, ich habe ein paar Nudeln mit Sahnesoße gekocht, Takuya hat uns ein paar Mitbringsel übereicht (Danke Manfred, für die Tips an Takuya!) und am Ende haben wir noch gelernt, wie Japaner ohen Auto schwere Kisten transportieren. Wir hatten für Takuya ein paar Bücherkisten mit nach Japan genommen, die natürlich viel zu schwer waren, um sie sich unter den Arm zu klemmen. Also was tun? Ab in den nächsten Convenience Store und einen Transportdienst (den uns altbekannten Yamato-Transport) beauftragt und schon ist die Sache erledigt. Gunda und ich haetten uns wahrscheinlich einen abgeschleppt. Ob das in Deutschland auch geht? Wenn wir zurück sind, können wir ja mal in den nächsten Rewe-Laden gehen und fragen... ;)

04. Mai 05

Starbucks Girls

von Thomas

Cimg5960_smallheute waren wir in Tsuchiura etwas Bummeln. Ein Starbucks gibt es da leider nicht, im Kaufhaus sahen wir jedoch diese interessante DVD...

02. Mai 05

Wetterfest

von Gunda

Cimg5943_smallHeute haben wir unsere Wintersachen zusammen mit Trockensäckchen in Plastik vakuumverpackt. Wir wollen ja nicht, dass unsere saugfähigste Kleidung im kommenden feuchten Sommer verschimmelt. Demnächst müssen wir noch unseren Vorratsschrank entsprechend auf die Feuchtigkeit einstellen. Langsam bekommt man wirklich eine Ahnung, wie das sein wird. Der Regen kühlt kaum noch und es wird schwüler. Gut, dass wir ne Klimaanlage mit Lufttrockner haben...

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