Sechster Tag: Osaka
von Thomas
Das haben wir wirklich genial gemacht! Heute Morgen schien die Sonne und wir haben uns das große Aquarium von Osaka angesehen, am Nachmittag gingen wir zum Schloss von Osaka und es stürmte und regnete...
Aber das war letztlich das einzige Problem des Tages. Der Besuch des Aquariums hat sich jedenfalls voll gelohnt. Pinguine, Biber, Delphine, Schildkröten, Rochen, unzählige kleine und große Fische und oben drauf noch ein mehrere Meter langer Hai... Dieses Aquarium ist wirklich einen Besuch wert! Hauptattraktion ist dabei das zentrale Becken, das sich über mehrere Etagen erstreckt und das in mehreren Windungen umkreisen kann und so die in der jeweiligen Wassertiefe lebenden Tiere optimal beobachten kann.
Optimal beobachten konnte man auch einige Taucher, die die Becken reinigten und das Futterkomando, das die Tiere mit Nahrung versorgte, wobei ich da dann auch immer wieder die Frage stellte, ob nicht die Fische sich auch gegenseitig fressen, denn es waren ja auch viele Raubfische dabei. Offensichtlich macht das ja keine Probleme, aber warum nun der Hai nicht doch mal ein paar seiner Mitbewohner erlegt, ist mir nicht so ganz klar...
Um die Mittagszeit herum waren wir dann einmal mit allem durch und wie schon gesagt, kaum waren wir draußen, fing es an zu regnen :)
Aber egal, wir haben uns dann trotz allem Richtung Schloss aufgemacht. Von der ehemaligen mächtigen Schlossanlage stehen heute nur noch die Mauern und einige Tore. Bei dem Hauptturm handelt es sich um eine Rekonstruktion des Originals. Trotzdem bekommt man noch einen ganz guten Eindruck davon, welch starke Festung dies einmal war. Die tiefen, meist mit Wasser befüllten Graben, die großen Tore und vor allem die steinernen Mauern, deren größte Steine über 100 Tonnen wiegen. Wie diese Steine dorthin kamen, wie sie bewegt wurden, ist wohl heute noch nicht ganz klar.
Der wiederaufgebaute Hauptturm beinhaltet ein Museum, das sich mit der Geschichte des japanischen Bürgerkrieges beschäftigt, vor allem aber mit dem Leben Toyotomi Hideyoshis, der es als erster schaffte, das vom Krieg zerrissene Land zu einen und sich als Regierungssitz das Schloss von Osaka bauen lies. Die Ausstellung war insgesamt sehr interessant und da das Wetter eh nicht zum Spazierengehen einlud, haben wir uns alles schön ausführlich angesehen.
Letztlich mussten wir dann aber doch raus, das Museum schloss halt irgendwann einmal und wir gingen los, um uns mit Yuki, einem Bekannten von Gunda, den sie von ihrer Arbeit im deutsch-japanischen Jugendaustausch her kannte. Yuki ging mit uns Okonomiyaki essen, denn neben Hiroshima ist Osaka die zweite Stadt Japans, die hierfür berühmt ist. Allerdings ist Zubereitung hier eine andere: In Hiroshima besteht das Okonomiyaki im Prinzip aus zwei dünnen mit Weißkohl gefüllten Pfannkuchen, in Osaka wird der Teig jedoch vorher mit dem Kohl gemischt und das Ganze dann gebacken.
Das Lokal, in das Yuki uns führte, war recht groß und jeder Tisch hatte seinen eigenen in die Tischplatte eingelassenen Ofen, so dass das Okonomiyaki direkt vor unserer Nase gebacken wurden.
Welche Variante schmeckt nun besser? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung... Letztlich schmeckte mir beide Arten gleich gut, wobei das Osaka-Okonomiyaki vielleicht den Vorteil hat, dass es etwas mehr Teig enthält, was mir sehr entgegen kommt. Aber am Ende macht das nicht viel Unterschied. Von der Back-Performance her, boten unsere bisherigen Besuche in Okonomiyaki-Lokalen mehr, da wir dann jeweils die volle Aufmerksamkeit des Kochs hatten, hier kam halt alle paar Minuten jemand vorbei, machte routinemäßig den naechsten Arbeitsgang und verschwand wieder. Trotzdem, so ist es ja eigentlich normal und man muss es auch mal mitgemacht haben!
Nach dem Essen sind wir dann noch etwas Bummeln gegangen. Yuki führte uns durch ein sehr belebtes Einkaufsviertel Osakas, mit vielen Geschäften und Lokalen, die wie in Japan üblich mit allen Tricks um Kundschaft buhlen. Vor einem Lokal versuchte ein dicker Sumo-Ringer die Leute herein zu lotsen, andere hatten riesige, sich bewegende Krabben an den Fassaden angebracht und ein Haus hatte gar eine Mischung aus Fahrstuhl und Riesenrad an der Vorderfront angebracht, mit dem man einmal zum Dach und wieder hinunter fahren konnte.
Aber da skurrilste Ereignis des Tages war vielleicht der Besuch in Yukis spanischer Stammkneipe. Der Besitzer war natürlich kein Spanier, sondern ein blond gefärbter Japaner, der aber zumindest eine spanische Ehefrau hatte! Im Gegensatz zu Europa ist es in Japan nämlich nicht gerade üblich, dass der Wirt aus dem Land kommt, dessen Spezialitäten er anbietet... Na jedenfalls war in dem Laden nix los und der Typ hatte viel Zeit für uns und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als Gunda sich einen Tee und ich mir einen Orangensaft bestellte. So hatte er sich Deutsche wohl nicht vorgestellt :)


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