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« Februar 2005 | Start | April 2005 »

31. März 05

NOVA

von Gunda

Ich hatte mich in meiner Verzweiflung schon bei sämtlichen Sprachenschulen Japans beworben, die Deutsch anbieten.
Wer in Japan als Ausländer Arbeit sucht, wird irgendwann notgedrungen auf NOVA, Japans größte Sprachenschule (mit Filialen wirklich überall) stoßen. Genauso schnell wird er bei der Recherche über diese Schule (im Internet oder der englischsprachigen Presse in Japan) auf vernichtende Kritik stoßen. Sie reicht über Knebelverträge, Wochenend- und Nachtarbeit bis hin zu mangelndem Urlaub, genauen Vorgaben des Unterrichtsstoffs und Rausschmiß bei öffentlicher Kritisierung des Unternehmens. Überhaupt scheint ein Rausschmiß recht schnell bei der Hand zu sein.
Was ist dran? Ich kann's nicht sagen. Ich kann nur einiges aus meinem kurzen Kontakt schließen.
Bewerbung im Dezember, Absage, Anruf am 9.3.'05, daß sie mich unter gewissen Umständen doch wollen. Erstmal sollte ich nach Tokyo umziehen. Das hab ich gleich abgeleht, weil man da auch nicht SO viel verdient, daß man sich sowas leisten könnte. Außerdem will ich mit Thomas zusammenwohnen.
Ich sollte mindestens einen Tag am Wochenende arbeiten und dafür einen Tag in der Woche wenigstens zur Hälfte frei haben. Insgesamt hätte ich immer dann arbeiten müssen, wenn Thomas zu Hause ist und bis nachts in Tokyo bleiben müssen. Ich sollte den Herrn am nächsten Tag nochmal anrufen. Nach langem Ringen mit mir und Ratsuche bei Thomas habe ich mich schweren Herzens dafür entschieden, da zu arbeiten. Ich wollte den Spieß einfach umdrehen: Wenn es mir zu viel wird, feuere ich die als Arbeitgeber, nicht umgekehrt.
Am nächste Tag mußte ich zum Arzt, was länger als erwartet dauerte. Also habe ich etwas zu spät bei NOVA angerufen, wo sie meinten, mein Kontaktmensch sei gerade in einer anderen Filiale und mir die Nummer von da gaben. Als ich dort anrief, kannte den Typen da angeblich keiner. Also wieder bei der ersten Nummer angerufen, wo sich die Leute entschuldigten; es hätte in letzter Zeit Umstrukturierungen gegeben, da würden die Leute einander noch nicht so kennen. (Nach deren Praktiken werden die Leute wahrscheinlich gekündigt, bevor sie jemanden kennenlernen können...) Ich habe also meine Nummer bei der ersten Verbindung gelassen und um einen Rückruf gebeten, der nie erfolgt ist. Stattdessen habe ich zwei Wochen lang zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten versucht, den Typen zu erreichen, der sich aber ganz offensichtlich immer verleugnen ließ. Mal verstand der Mensch am anderen Ende der Leitung plötzlich kein Englisch und es war auch niemand in der Nähe, den er hätte holen können (Toll, so bei 'ner internationalen Sprachenschule...), mal arbeitete der Herr gar nicht da, mal hatte es ihn nie gegeben... usw.
Dann habe ich aufgegeben, und es ist vielleicht, im Nachhinein betrachtet, auch besser so.

Unterrichtsmöglichkeiten (allerdings eher für Englisch Muttersprachler) gibt es ja auch im Internet:

- Gaijinpot
- Jobs in Japan
- Geocities
- Find a Teacher

Da habe ich aber bisher auch nichts gefunden.

Endlich da: Sakura - Die Kirschblüte

von Thomas

200503311236Als ich gerade zum Essen ging, habe ich die ersten Kirschblüten hier auf dem Gelände entdeckt. Jetzt wird es wohl wirklich endlich Frühling!

30. März 05

Verkehrsprobleme

von Thomas

Gestern Nacht brausten mal wieder ein paar Freaks mit ihren Motorraedern über die Hauptstraße bei uns gegenüber, natürlich ohne Schalldämpfer am Auspuff, damit auch niemand sie überhört. Sind aber Japaner nicht eigentlich besonders höfliche und rücksichtsvolle Menschen? Ja eigentlich schon, aber im Straßenverkehr werden sie irgendwie zum Tier... Pseudosportwagen, die jeden Manta-Fahrer blass aussehen lassen, demontierte Schalldämpfer, quietschende Reifen beim Anfahren, Geschwindigkeitsbegrenzung nein Danke, bei Rot über die Ampel, kein Problem und wehe dem Naivling, der glaubt Zebrastreifen hätten irgendeine Bedeutung. Aber noch schlimmer sind die Radfahrer... Man fährt grundsätzlich auf dem Gehweg (wollte man auf der Straße fahren, müsste man auch schon lebensmüde sein), Klingeln und ähnliches sind kaum Vorhanden und da die Gehwege gerade in Tokyo recht schmal sind, grenzt es für mich immer noch an ein Wunder, dass niemand mich bisher um gefahren hat, so schnell und rücksichtslos fährt man hier. Aber die Fußgänger sind oft auch nicht besser, da wird gedraengelt und gerempelt. Schön zu beobachten in den Bahnhöfen. Zwar reiht man sich schön entlang der markierten Linien auf und wartet geduldig, aber wenn es dann rein geht und der Zug voll ist, dann kennt man wenig Gnade, vor allem mit denen, die raus wollen und die die dann ähnlich Handgreiflich werden. Apropos handgreiflich in der Bahn... Besonders beliebt ist es im Gedränge Frauen und Mädchen an den Po zu fassen. Als wir jetzt in Osaka waren, hatte man wohl aus diesem Grund bei manchen U-Bahnen extra Eingänge nur für Frauen eingerichtet!

Wie kann das sein? Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? Wenn man mit einem Japaner persönlich zu tun hat, sind sie höflich bis zum Gehtnichtmehr, fast schon unterwürfig, die Sprache ist voller Höflichkeits- und Entschuldigungsfloskeln, die einem andauernd entgegen schallen. Hilfsbereit und zuvorkommend sein, das sind eigentlich die Erfahrungen, die wir im Alltag gemacht haben. Warum sind sie dann solche Rowdys im Straßenverkehr? Ich weiß es nicht, nur vermuten kann man es. Und ich vermute, dass vielleicht folgendes dahinter steckt: Der Grund für die Höflichkeit ist letztlich Angst, die Angst einen Fehler zu machen, sein Gesicht zu verlieren, also versucht man alles um sein Gegenüber nicht zu verärgern. Aber das ist etwas Zwischenmenschliches, ein persönlicher Kontakt zweier Individuen. Wenn ich aber in meinem Auto sitze und Lärm mache, wenn ich beim Rad fahren den Passanten auf die Straße abdraenge, dann bin ich anonym und mein Gegenüber ist es auch, alles geht schnell, der Kontakt ist nur von kurzer Dauer, dann bin ich auch schon weg und niemand weiß wer ich bin. Ob dieser Gedanke richtig ist oder nicht, weiß ich natürlich nicht, ich vermute das. Was mich darin bestärkt, ist die Beobachtung, die ich machte, wenn die Anonymität wegfaellt, wenn man einen direkten Blickkontakt herstellt, wenn die Begegnung unerwartet doch von längerer Dauer ist, dann ist nämlich sofort wieder das eigentlich erwartete Verhalten da, die Verbeugungen und das mehrmals wiederholte 'gomen nasai'...

Macht es Sinn, was ich da geschrieben habe? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber wir sind ja auch erst kurze Zeit da und vielleicht wird das Bild noch klarer werden und die Widersprüchlichkeiten sich auflösen, die man immer wieder beobachten kann. Hoffentlich...

28. März 05

Bilanz einer Reise

von Thomas

Jetzt ist unser Urlaub vorbei. Neun Tage sind wir quer durch Japan gereist, haben mit Hiroshima, Miyajima, Kyoto, Osaka, Nara und schließlich dem Fuji, ganz unterschiedliche Orte besucht. Haben uns fast ein Dutzend Tempelanlagen und zig kleine Schreine, Tempel und Pagoden angeschaut, haben Stadtbummel gemacht, sind in diversen Lokalen essen gegangen, haben in den typischen japanischen kleinen Hotels, den Ryokans, gewohnt (einige davon ganz modern, komfortabel und frisch renoviert, andere schon etwas angejahrt, dafür aber sehr urig), haben in heißen Quellen gebadet, sind mit Bussen, U-Bahnen und alten Straßenbahnen gefahren und sind Japans ganzem Stolz, dem Shinkansen durch die Lande gebraust. Es hat geregnet, die Sonne schien, es war kalt und warm und zum Schluss konnten wir einen Weg nicht benutzen, weil dort zu viel Schnee lag. Wir sind mit dem größten Riesenrad der Welt gefahren (ok, das haben wir schon mal gemacht *lach*), sind vor zahmen Rehen und Affen geflüchtet, haben Koffer geschleppt und Schließfächer gesucht. Haben über Fahrplänen gebrütet und versucht Schilder und Speisekarten zu entziffern, haben Andenken und Glücksbringer gekauft. Haben gestaunt und den Grund unseres Erstaunens in Bildern festgehalten (fast 1500 dürften es sein, oh Gott...), waren glücklich und enttäuscht, haben gelacht und waren ganz still, müde und durchnässt vom Regen. Viele Menschen haben wir getroffen, Amis, natürlich auch Deutsche und natürlich Japaner, viele davon Touristen wie wir, die rätselnd auf Stadtpläne schauten oder gar nicht wussten wohin. Japaner aus Osaka sollen anders sein, als die aus Tokyo. Sind sie das? Ich kann es nicht sagen, denn wem sieht man an, woher er kommt. Unser letzter Gastgeber hieß David, erst dachten wir, es wäre der kanadische Ehemann der netten Dame, die Gundas Koffer eifrig die Treppe raufschleppte, aber nein, es war der ältere Japaner, der uns vom Bus abholte... Auf nix ist mehr Verlass...

Kennen wir jetzt Japan? Keine Ahnung, vielleicht etwas besser als vorher, aber eigentlich  ist man von den Eindrücken viel zu erschlagen, als das man solch schwierige Fragen jetzt schon beantworten könnte. Auf jeden Fall sind wir reicher (nicht an Geld), reicher an Erfahrungen. Klingt platt, ist aber einfach so. Und wenn etwas Zeit  verstrichen ist,  man sich  nochmal die Bilder anschaut, dann werden wir vielleicht auch mehr verstehen von diesem Land, das so modern aussieht und sich so bemüht dem Westen nachzueifern und doch so ganz anders ist (Oder gibt es bei uns Frauen, die aussehen wie Barbiepuppen und sich im Museum jede Schautafel durchlesen oder coole Jungs mit den neuesten In-Klamotten, die in eine Kirche gehen, eine Kerze anzünden und beten?)

Der Schrank ist weg!

von Thomas

Da ist man mal eine Woche im Urlaub und schon ist bei der Arbeit alles anders... Mein schöner Schrank ist weg! Da hatte man sich vor ein paar Wochen soviel Mühe gegeben, mir einen Schrank aufzudrängen und vor unserem Urlaub hatte ich auch tatsächlich schon wieder ein Anwendung für ihn gefunden (ein leerer Pappkarton, den ich sonst nicht unterbringen konnte) und jetzt ist er weg, dafür steht jetzt ein Schreibtisch dort. Das hat  wohl mit den neuen Leuten zu tun, von denen ich letzten Monat mal gehört hatte. Mal sehen wie das weiter geht. Der Schrank war mir ja letztlich gar nicht so Unrecht, weniger wegen des Stauraums, als vielmehr deswegen, weil mir so niemand im Rücken saß, was ich nicht so mag. Na ja, damals hieß es ja, der Schreibtisch stünde nur 2 Monat dort. Vielleicht bekomme ich danach ja meinen Schrank zurück!

27. März 05

Neunter Tag: Fuji

von Thomas

200503270732_1Das war's, unser letzter Urlaubstag! Zum Abschluss unserer Reise quer über die japanische Hauptinsel Honshu haben wir noch eine kurze Wanderung am Fuße des Fuji gemacht, den schneebedeckten Gipfel des Berges bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein immer im Blick...

Getreu unserem Motto "kein Tag ohne Schrein" haben wir unsere letzte Tour am Fuji Sengen Jinja, dem traditionellen Ausgangspunkt der Pilgerfahrten zum Gipfel des Fuji, begonnen.200503271055_1 Allzu viel weiter sind wir aber nicht mehr gekommen. Nach etwa 2 Stunden waren wir an einem kleinen Rastplatz angekommen. Es schien (jedenfalls auf dieser Seite des Fuji) der äußerste noch mit dem Auto erreichbare Ort zu sein, danach gab es zumindest keine befestigte Straße mehr. Wir ruhten uns dort etwas aus, schauten uns die Japaner an, die (natürlich) mit dem Auto dort hin gefahren waren und aßen ein bisschen was. Viele der Japaner verhielten sich übrigens recht merkwürdig: Sie stiegen aus dem Auto aus, liefen etwas ziellos hin und her, stiegen wieder ein und fuhren weg. Also dafür, dass man von dieser Stelle aus den Fuji gar nicht gut sehen konnte, lohnte sich die Fahrt zu diesem Rastplatz eigentlich nicht. Gut, es gab dort ein paar schöne alte Steintafeln, aber deswegen extra dorthin fahren?

Nach der kurzen Rast ging's dann wieder zurück. Leider wieder die Straße entlang, denn der eigentliche Wanderweg war unpassierbar: Zuviel Schnee!

Tja, und dann war's das auch schon. Von Fujiyoshida nahmen wir dann den Zug Richtung Tokyo. Einmal noch Umsteigen, dann ab nach Tokyo-Station, in die Yamanote-Line bis Ueno, dann in die Joban-Line bis Arakawaoki und zu Fuß ab nach Hause. Zum Glück waren die letzten beiden Tage recht gemütlich, aber wir waren trotzdem erstmal ziemlich geschafft...

Sex auf der Strasse

von Gunda

Da läuft man ahnungslos am Fuße des Fuji-San rum, der Weg führt eine Straße entlang, die Sonne scheint... Nach einer kurzen Rast gehts den gleichen Weg zurück und plötzlich stößt man auf etwas, das auf dem Hinweg noch nicht da war: auf der Straße verstreute Bücher! Da wir Bildung witterten, fingen wir neugierig an, den Fund zu sichten, um festzustellen, dass es sich dabei tatsächlich um ein nicht wegzudenkendes Kulturgut des modernen Japans handelte: Mangas mit pornografischem und gewaltverherrlichendem Inhalt. Sowas wird hier von Herren aller Altersgruppen in der Bahn oder dem Convinience Store gerne gelesen. Wie also kommt eine Tüte voll dieser Bücher an den Straßenrand? Offensichtlich wurden sie aus dem Auto geworfen. Von einer erbosten Partnerin? Einer besorgten Mutter? Einem jungen Mann, der Besuch von der Angebeteten bekommt? Jedenfalls sahen wir diese Bücher (neben Fernsehern und Taschenrechnern) immerwieder mal am Straßenrand.

26. März 05

Achter Tag: Fuji

von Thomas

Cimg5099_small_1Heute haben wir uns bei strahlendem Sonnenschein von Osaka Richtung Fuji aufgemacht. Los ging es zunächst mit dem Shinkansen bis Mishima. Eine Station vorher (die bezeichnenderweise Shin-Fuji heißt) sieht man ihn dann. Es ist schon ein grandioser Anblick, wenn man zum ersten mal vom Zug aus den Fuji in der Ferne aufragen sieht! Wie ein fast perfekter Kegel zieht er sich ganz langsam ansteigend von Meereshöhe bis auf über 4000m hoch. Kein Wunder, dass man ihn in alten Zeiten für göttlich hielt und verehrte...

Von Mishima ging es da 2 Stunden per Bus nach Fujiyoshida an der Nordostseite des Fuji, etwa 1000m über dem Meeresspiegel gelegen. Dort holte uns dann der Besitzer unseres Ryokans ab, ein Japaner namens Dave :)

Cimg5123_smallAber kochen konnte Dave jedenfalls sehr gut, es gab ein üppiges echt japanisches Abendessen, mit Hühnchen und Fisch, vielen kleinen Gemüsebeilagen, Pilzen, Tofu uns natürlich Reis. Nicht alles war so ganz nach meinem Geschmack, aber es war absolut ausreichend.

200503261731_1Und dann war der Tag auch schon vorbei (Die Fahrt hatte doch ziemlich lange  gedauert). Einen kurzen Spaziergang machten wir noch, um schon mal einen ersten Blick auf den Fuji zu werfen, aber mehr war nicht drin. Das Ryokan hatte noch eine heiße Quelle, da nahmen wir noch ein Bad, dann warfen wir uns müde auf die Futons...

 

Kleidung in Japan

von Gunda

In Deutschland zieht man das an, wonach man sich fühlt, dem Anlass entsprechend und einige, was "in" ist. Dort wird man anhand der Kleidung, dem Geschmack und Stil "eingetuetet". In Japan zieht man das an, was der Gruppe entspricht, zu der man sich zugehörig fühlt, und bekannte Marken sind als Zeichen für Wohlstand und Prestige sehr beliebt. Bei all dem geht es nicht darum, wie etwas aussieht (Warum sonst würde jemand diese grässlichen brauen Ungetüme von Louis Vuitton kaufen?), sondern darum, wer das Gleiche trägt und wie bekannt und beliebt es ist. "Wir haben keinen eigenen Geschmack. Deshalb müssen wir uns auf Marken verlassen." erklärte mir eine japanische Freundin, als sie im Kimono neben mir stand und ich mir daneben schon ganz unattraktiv vorkam. Wie sehr ich als Deutsche unterbewusst auf den mir bekannten Einsatz von Kleidung reagiere, ist mir erst so richtig aufgefallen, als ich erstaunt war, dass einige ziemlich billig, auffällig und teenager-maessig gekleidete junge Frauen mit Begeisterung und Interesse eine historische Ausstellung besucht haben. Ich weiß ja; ich habe gelernt, dass man nicht vom Äußerem auf das Innere schließen soll... Aber unterbewusst tut man es ja DOCH. Zumindest als Europäer...

25. März 05

Siebter Tag: Nara

von Thomas

200503251123_1Heute haben wir von Osaka aus einen Abstecher nach Nara, der alten Hauptstadt Japans, gemacht. In diesem Tag war alles drin: Sonne, Regen und Schnee, Tempel, Schreine und heilige Rehe...

Und wir wurden auch schon langsam etwas müde. Sieben Tage sind wir jetzt unterwegs gewesen, haben vieles Neues gesehen, waren in Tempeln und Schreinen, diversen Restaurants, sind hin und her und kreuz und quer durchs Land gefahren, da darf man sich über erste Anzeichen von Müdigkeit nicht wundern.

Aber trotzdem haben wir den Tag auch sehr genossen. Nara ist, ähnlich wie Nikko, fast ein einziges Weltkulturerbe und obwohl viele der Anlagen aus seiner Glanzzeit verloren gegangen sind, kann das verbliebene einem noch einen guten Eindruck von der Größe der Stadt vermitteln.

Wenn man sich vom Bahnhof quer durch den modernen Teil des heutigen Naras Richtung der alten Tempelanlagen aufmacht, stößt man zunächst auf den Kofuku-ji mit seiner 5 stoeckigen, weithin sichtbaren Pagode, die eines der Wahrzeichen Naras ist. Auf dem Gelände des Schreins trifft man dann auch gleich die ersten heiligen Rehe, die einem wie auf Miyajima von da an auf Schritt und Tritt begleiten. Zum Glück sind sie hier etwas friedlicher als auf Miyajima, wo sich die Tierchen ein Vergnügen daraus machten, arglose Touristen zu belästigen und ihnen das Essen quasi aus der Hand zu klauen.

Cimg5039_smallVom Kofuku-ji ging's weiter zum Todai-ji, dem ehemaligen buddhistischen Haupttempel Japans. In einem als "größtes Holzgebaeude der Welt" (mit solchen Behauptungen sollte man in Japan vorsichtig sein, denn in Kyoto soll es angeblich auch das größte Holzgebaeude der Welt geben...) Cimg5040_smallbezeichneten Tempel befindet sich dort ein riesiger, über zehn Meter hoher Daibutsu, eine Buddha-Statue also. Ein absolut beeindruckender Anblick!

Cimg5073_smallWeiter ging's dann an verschiedenen kleineren Schreinen vorbei zum großen Kasuga Schrein, einem weiteren von Naras unzähligen Weltkultuerben. Die Anlage liegt einem bewaldeten Hang und ist umgeben von einem riesigen Garten, der sich fast bis zur Stadt Nara erstreckt. Da Gunda nun endgültig geschafft war von dem stundenlangen herum spazieren, haben wir uns dann kurz getrennt, während sie im National Museum von Nara blieb, ging ich noch zum Gango-ji, dem ersten buddhistischen Tempel Japans, der etwas abseits von den anderen Tempeln, schon mitten in der Stadt Nara selbst steht. 07570018_bearbeitetVon der ursprünglichen Tempelanlage ist nicht mehr viel erhalten und das, was noch dasteht ist in einem ziemlich traurigen Zustand. Ohne Reiseführer würde man nie darauf kommen, welch bedeutender Ort das mal wahr. Es hatte sich auch außer mir kaum jemand dorthin verirrt, während in den Tempeln alles voller Menschen war. Etwas schade ist es ja schon, aber ich denke, dass auch dieser Tempel wieder aufgemöbelt werden wird und dann wieder etwas glanzvoller erstrahlt.

Danach hatte ich dann aber auch langsam genug gesehen und nachdem ich Gunda aus dem Museum abgeholt hatte, sind wir dann wieder zurück nach Osaka, wo wir noch was gegessen haben und, natürlich, noch zu Starbucks gegangen sind. Ein japanisches Bad noch in unserem Ryokan und dann ab ins Bett. Jetzt noch zwei Tage am Fuji und dann geht es wieder nach Hause. So schnell ist eine Woche Urlaub vorbei...

Ich werd' zum Tier...

von Thomas

Cimg50481Langsam sind wir wohl schon zulange hier und haben zu viele Rehe gesehen... Oder wie sonst kann man diese Verwandlung erklären... :)

Religiöse Hasen

von Gunda

Cimg4821Bald ist Ostern, was in diesem Jahr für uns quasi "ausfällt". Wir sind ja bekanntlich unterwegs, wo man schwer eine Kirche findet. Ostersonntag werden wir abends müde nach Hause kommen und Montag muss Thomas wieder arbeiten. Mit den Eiern und Hasen aus Schokolade, die Yoshi uns aus Berlin mitgebracht hat, ist zu Hause schon der Tisch dekoriert, und vielleicht verstecken und suchen wir die Sachen ja noch.

Trotzdem haben wir auch hier Hasen im religiösen Kontext (den sie ja in Deutschland nicht haben) gefunden: als "Stellvertreter" eines Gottes.

24. März 05

Sechster Tag: Osaka

von Thomas

Cimg4883_smallDas haben wir wirklich genial gemacht! Heute Morgen schien die Sonne und wir haben uns das große Aquarium von Osaka angesehen, am Nachmittag gingen wir zum Schloss von Osaka und es stürmte und regnete...

Aber das war letztlich das einzige Problem des Tages. Der Besuch des Aquariums hat sich jedenfalls voll gelohnt. Cimg4964_smallPinguine, Biber, Delphine, Schildkröten, Rochen, unzählige kleine und große Fische und oben drauf noch ein mehrere Meter langer Hai... Dieses Aquarium ist wirklich einen Besuch wert! Hauptattraktion ist dabei das zentrale Becken, das sich über mehrere Etagen erstreckt und das in mehreren Windungen umkreisen kann und so die in der jeweiligen Wassertiefe lebenden Tiere optimal beobachten kann.

Cimg4955_smallOptimal beobachten konnte man auch einige Taucher, die die Becken reinigten und das Futterkomando, das die Tiere mit Nahrung versorgte, wobei ich da dann auch immer wieder die Frage stellte, ob nicht die Fische sich auch gegenseitig fressen, denn es waren ja auch viele Raubfische dabei. Offensichtlich macht das ja keine Probleme, aber warum nun der Hai nicht doch mal ein paar seiner Mitbewohner erlegt, ist mir nicht so ganz klar...

Um die Mittagszeit herum waren wir dann einmal mit allem durch und wie schon gesagt, kaum waren wir draußen, fing es an zu regnen :)

Cimg4997_smallAber egal, wir haben uns dann trotz allem Richtung Schloss aufgemacht. Von der ehemaligen mächtigen Schlossanlage stehen heute nur noch die Mauern und einige Tore. Bei dem Hauptturm handelt es sich um eine Rekonstruktion des Originals. Trotzdem bekommt man noch einen ganz guten Eindruck davon, welch starke Festung dies einmal war. Die tiefen, meist mit Wasser befüllten Graben, die großen Tore und vor allem die steinernen Mauern, deren größte Steine über 100 Tonnen wiegen. Wie diese Steine dorthin kamen, wie sie bewegt wurden, ist wohl heute noch nicht ganz klar.

Der wiederaufgebaute Hauptturm beinhaltet ein Museum, das sich mit der Geschichte des japanischen Bürgerkrieges beschäftigt, vor allem aber mit dem Leben  Toyotomi Hideyoshis, der es als erster schaffte, das vom Krieg zerrissene Land zu einen und sich als Regierungssitz das Schloss von Osaka bauen lies. Die Ausstellung war insgesamt sehr interessant und da das Wetter eh nicht zum Spazierengehen einlud, haben wir uns alles schön ausführlich angesehen.

Cimg5012Letztlich mussten wir dann aber doch raus, das Museum schloss halt irgendwann einmal und wir gingen los, um uns mit Yuki, einem Bekannten von Gunda, den sie von ihrer Arbeit im deutsch-japanischen Jugendaustausch her kannte. Yuki ging mit uns Okonomiyaki essen, denn neben Hiroshima ist Osaka die zweite Stadt Japans, die hierfür berühmt ist. Allerdings ist Zubereitung hier eine andere: In Hiroshima besteht das Okonomiyaki im Prinzip aus  zwei dünnen mit Weißkohl gefüllten Pfannkuchen, in Osaka wird der Teig jedoch vorher mit dem Kohl gemischt und das Ganze dann gebacken.

Das Lokal, in das Yuki uns führte, war recht groß und jeder Tisch hatte seinen eigenen in die Tischplatte eingelassenen Ofen, so dass das Okonomiyaki direkt vor unserer Nase gebacken wurden.

Cimg5011Welche Variante schmeckt nun besser? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung... Letztlich schmeckte mir beide Arten gleich gut, wobei das Osaka-Okonomiyaki vielleicht den Vorteil hat, dass es etwas mehr Teig enthält, was mir sehr entgegen kommt. Aber am Ende macht das nicht viel Unterschied. Von der Back-Performance her, boten unsere bisherigen Besuche in Okonomiyaki-Lokalen mehr, da wir dann jeweils die volle Aufmerksamkeit des Kochs hatten, hier kam halt alle paar Minuten jemand vorbei, machte routinemäßig den naechsten Arbeitsgang und verschwand wieder. Trotzdem, so ist es ja eigentlich normal und man muss es auch mal mitgemacht haben!

Cimg5016_smallNach dem Essen sind wir dann noch etwas Bummeln gegangen. Yuki führte uns durch ein sehr belebtes Einkaufsviertel Osakas, mit vielen Geschäften und Lokalen, die wie in Japan üblich mit allen Tricks um Kundschaft buhlen. Vor einem Lokal versuchte ein dicker Sumo-Ringer die Leute herein zu lotsen, andere hatten riesige, sich bewegende Krabben an den Fassaden angebracht und ein Haus hatte gar eine Mischung aus Fahrstuhl und Riesenrad an der Vorderfront angebracht, mit dem man einmal zum Dach und wieder hinunter fahren konnte.

Aber da skurrilste Ereignis des Tages war vielleicht der Besuch in Yukis spanischer Stammkneipe. Der Besitzer war natürlich kein Spanier, sondern ein blond gefärbter Japaner, der aber zumindest eine spanische Ehefrau hatte! Im Gegensatz zu Europa ist es in Japan nämlich nicht gerade üblich, dass der Wirt aus dem Land kommt, dessen Spezialitäten er anbietet... Na jedenfalls war in dem Laden nix los und der Typ hatte viel Zeit für uns und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als Gunda sich einen Tee und ich mir einen Orangensaft bestellte. So hatte er sich Deutsche wohl nicht vorgestellt :)

23. März 05

Fünfter Tag: Osaka

von Thomas

200503231755_1Gegen Abend sind wir in Osaka angekommen. Da es schon recht spät war und wir auch schon recht müde, konnten wir nicht mehr viel machen, außer uns in der Nähe unseres Hotels etwas umsehen. Ein Riesenrad gab es dort und was Wunder, nachdem wir schon in Yokohama das größte Riesenrad der Welt gesehen hatten und in Tokyo sogar mit dem größten Riesenrad der Welt gefahren sind, gab es auch hier ein größtes Riesenrad der Welt'. Offensichtlich hat jede größere japanische Stadt ein solches Riesenrad. Diese hier hat hatte jedoch noch eine andere Besonderheit (bleibt ihm ja auch nix anderes übrig, um besonders zu sein, gibt es doch in Japan noch mindestens zwei andere 'größte Riesenräder der Welt'),Cimg4842 es war nämlich gleichzeitig eine Art Freiluft-Wetterbericht! Wenn es Dunkel wird, wird das Riesenrad mit Scheinwerfern angestrahlt und die Farbe des Scheinwerferlichtes symbolisiert das Wetter des sechsten Tages. Heute Abend wurde das Riesenrad grün angestrahlt, was laut Ansage in der Kabine, Wolken für den sechsten Tag bedeutete... Na toll!Cimg4839

Ach ja, auch die Kabinen haben unterschiedliche Farbe und wenn das Rad in der Nacht abgeschaltet wird, dann bleiben die Kabinen oben, deren Farbe wiederum dem Wetter des kommenden Tages entsprechen und tatsächlich, als wir uns auf dem Heimweg noch einmal umschauten, stand das Riesenrad still und die grünen Kabinen waren oben!

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten... Kulinarisch verschlug es uns diesmal nach Australien und Gunda nutzte die Gelegenheit, um ein Känguruh-Steak zu essen, das ihr recht gut schmeckte. Kein Wunder, schmeckte es doch in etwas wie Rindfleisch.

Das Ryokan, in dem wir abgestiegen sind, hatte ein echtes japanisches Bad, so dass wir dort noch wie richtig gute Japaner ein entspannendes Bad genommen haben, bevor wir uns dann ziemlich müde ins Bett bzw. auf unsere Futons geworfen haben.

Fünfter Tag: Kyoto

von Thomas

200503231247_1Regen, Regen, Regen... Immer noch! Aber trotzdem haben wir unseren letzten Tag in Kyoto noch für einen weiteren Tempelbesuch genutzt, bevor es dann am Nachmittag weiter nach Osaka ging. Und zwar sind wir zum Kiyomizu-dera gegangen, was vor allem Gunda sehr am Herzen lag, da sie ihn schon von ihrer ersten Japanreise her kannte und ihn mir zeigen wollte. Nochmal zum Ginkaku-ji zu gehen, um noch einen Blick drauf zu werfen, gaben wir allerdings auf, das wäre zu viel des Guten gewesen.

Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt, zwar ist es etwas mühsam, da der Kiyomizu-dera an einem Berghang liegt Cimg4826_smallund man zu Fuss dort hoch muss, aber dafür bekommt man eine sehr schöne, große Tempelanlage mit vielen Interessanten Details zu sehen.  So steht z.B. eine Seite des Haupttempels direkt an einem Steilen Abhang, eine etwa abschüssige Plattform führt direkt zur oberen Kante der Steilwand. Wer sich dorthin traut, der soll anschließend viel Glück haben...Cimg4812

Ein anderes Glück (vor allem in der Liebe...) verheißendes Ritual kann man an einem Shinto-Schrein, dem Jishu-gongen, auf dem Gelände vollziehen. Wer den Weg zwischen zwei markierten Punkten mit geschlossenen Augen zurücklegen kann, auch dem wird viel Glück in der Zukunft beschieden sein.

Cimg4830Aber auch für die Gesundheit kann man dort einiges tun: Aus einer Bergquelle, der Otowa-no-taki, fließt Gesundheit bringendes Wasser, das man mir einer langen Schöpfkelle auffangen kann. Hoffen wir mal, dass es uns was bringt...

Dann ist uns noch was typisch japanisches aufgefallen: Eine Vielzahl Schüler, offensichtlich auf einem Schulausflug, besuchte den Tempel. Und wie ihre deutschen Gegenstücke bei solch einer Gelegenheit, tobten und alberten sie viel herum, schauten oft gelangweilt usw. Teenager halt... Aber wenn sie an einen Tempel kamen, dann warfen sie ihre Münze, klatschten in die Hände und beteten, sie zündeten ihre Rauecherstaebchen an, tranken heiliges Wasser aus der Quelle. Kurz, sie machten all die Rituale mit, die auch die Erwachsenen machten und dabei wurde niemand schief angemacht oder ausgelacht, bei uns zu Hause, wäre so was undenkbar, viel zu uncool wäre es, wenn man da in einer Kirchen beten würde oder eine Kerze anzündete. Irgendwie sind die Religion und ihre Rituale trotz der Modernität des Landes noch viel stärker im Bewusstsein der Menschen verankert und werden auf viel natürlichere und selbstverständlichere Weise praktiziert.

Cimg4831_smallNach dem Tempelbesuch, während wir Essen waren, erwischte Gunda mit der Kamera dann noch etwas, das einmal so typisch für Kyoto war, inzwischen aber so gut wie ausgestorben ist: Eine Maiko, eine Geisha-Schülerin!

22. März 05

Vierter Tag: Kyoto

von Thomas

200503221052_1Tempel, Tempel, Tempel... Und das bei Dauerregen! War aber trotzdem ganz toll...

Soweit die Kurzfassung. Und jetzt noch etwas ausführlicher, für diejenigen, die mehr wissen wollen...

Es regnete also und es war kein Ende des schlechten Wetters in Sicht, also sind wir trotzdem los. Erstmal Frühstücken und da uns nix besseres einfiel, sind wir nach Starbucks gegangen. War allerdings was mich betraf ausnahmsweise mal keine gute Idee, Waffel mit heißer Schokolade war dann doch des Süßen zu viel und mir war recht unwohl danach...

Cimg4660_smallDanach begann dann unser Sightseeing-Programm. Mit der U-Bahn sind rauf in den nördlichen Teil Kyotos und dann weiter mit dem Bus zum Goldenen Pavillon, dem Kinkaku-ji. Der Pavillon liegt in einem wunderschönen japanischen Garten, direkt am Ufer eines Sees, in dem sich der Pavillon spiegelt. Und ganz wie Gunda es gesagt hatte, dass es regnete machte fast gar nichts. Das Gold auf der Fassade leuchtete auch so und das Grün der Pflanzen wirkte noch viel satter, als vielleicht bei Sonnenschein. Es war ein prima Start in den Tag, so konnte es weitergehen.

Erstmal ging es danach mit Essen weiter, ein Inder in der Nähe des Tempels stand auf dem Programm. Nicht schlecht, aber das Curry schmeckte etwas zu japanisch. Der Koch hat sich hier wohl dem Geschmack seines Gastlandes angepasst.

Cimg4695_smallDann weiter zum Ryoan-ji, berühmt für seinen in bester Zen-Tradition angelegten Steingarten. Insgesamt 15 kleine und große Steine sind dort auf einer geharkten Kiesflaeche verteilt und zwar so, dass man mindestens einen von ihnen nie sehen, egal, wo man sich als Betrachter hinstellt. Wer genug Zeit und Muße mitbringt, kann hier zu innerer Ruhe und großen Erkenntnissen kommen. Wir beließen es jedoch bei der schlichten Erkenntnis, dass die Anlage einfach sehr schön ist, auch wenn man sie nur kurz betrachtet.

Cimg4722Ganz in der Nähe des Ryoan-ji befindet sich der Ninna-ji, den wir anschließend besuchten. Er zeichnet sich durch sein großes, sehr eindrucksvolles Eingangstor mit schönen Wächterfiguren aus und bietet die Möglichkeit, sich die ehemaligen Gemächer der Mönche etwas näher anzusehen.Cimg4723

Anschließend wollten wir uns noch den Ginkaku-ji ansehen, das silberne Gegenstück zum Kinkaku-ji (auch wenn er eigentlich gar nicht silbern ist, heißt er so, da es wohl ursprünglich geplant war, ihn silbern zu verkleiden). Jedoch war dort schon alles zu und wir konnten wieder umdrehen.

Da wir am Vortag nicht viel von Gion gesehen hatten, wollten wir unseren letzten Abend in Kyoto dann dazu nutzen, dort einen etwas genaueren Blick drauf zu werfen. Als erstes sind wir jedoch dort Essen gegangen. Ein chinesische Restaurant und das teuerste, in dem wir in Japan bisher waren. Nun gut, war letztlich auch nicht so teuer, etwa 30 Euro für uns beide zusammen, und geschmeckt hat es auch sehr lecker, also was soll's.

Dann ging's ab ins eigentliche Gion, in die kleinen Gässchen abseits der Hauptstraßen, mit ihren kleinen Lokalen, den Lampions vor den Häusern. Gunda war ganz begeistert, hier noch etwas von dem alten Kyoto zu spüren, das, wenn man von den Tempeln und Schreinen absieht, dort kaum noch zu finden ist. Aber hier fühlte man noch etwas von der Atmosphäre, wie sie in A. Goldens Roman "Die Geisha" beschrieben wird.

Ganz unromantisch haben wir den Tag dann jedoch beschlossen, wie wir ihn angefangen haben, mit einem Besuch der Starbucks-Filiale von Gion :)

21. März 05

Dritter Tag: Kyoto

von Thomas

200503211817_1 Da wir in Hiroshima erst noch im Museum waren, sind wir etwas später als geplant in Kyoto angekommen und damit wir unseren Schnitt an täglichen Fotos halten konnten, hat Gunda aus Verzweiflung angesichts der späten Stunde angefangen, Plastikgeishas zu fotografieren :)

Nein, ganz so schlimm war es nicht. Wir waren halt am späten Nachmittag da und dachten, wir könnten uns vielleicht noch was ansehen. Also das Gepäck weggeschlossen (wieder in einem Schließfach auf der falschen Bahnhofsseite... Wird langsam zur Gewohnheit) und los zu Bus. Dank Touri-Info, die im 9. Stock des wirklich riesigen und super modernen Bahnhofskaufhauses versteckt war, hatten wir noch ein Tagesticket für den Bus bekommen und fuhren Richtung Schrein... Nach 10 Minuten sahen wir dann jedoch schon, dass es wohl keinen Zweck hat, Feierabendverkehr der übelsten Sorte. Also wir raus aus dem Bus und zurück zum Bahnhof und unser Gepäck geholt und ab Richtung Ryokan.

Cimg4626_small Diesmal hatten wir Glück, denn unser Zimmer entsprach viel mehr unserer Vorstellung eines "typisch japanischen" Gästezimmers, als das in Hiroshima. Tatamimatten und Futon sind ja klar, aber es gab eine ganze Menge echt japanischer Deko, die Gunda erstmal eifrig fotografiert hat.Cimg4630_small

Da es noch etwas zu früh zum Schlafen gehen war und wir auch noch Hunger hatten, sind wir nochmal los. Was zu Essen fanden wir am Bahnhof, die hier so beliebten Reisomlettes, was einfach mit Rührei umwickelter Reis ist, der noch mit einer Soße oder anderen Dingen, wie Garnelen, Pilzen oder einem Hacksteak etc. bereichert wird. Unterwegs sahen wir noch was kurioses: Das Essen in den Schaukästen vor den Restaurants ist normalerweise aus Plastik, aber ein Lokal hatte 'echtes' Essen ausgestellt. Hm, es stand dort wohl schon länger und sah gar nicht mehr appetitlich aus...Cimg4647_small

Danach sind wir dann noch nach Gion gefahren. Gion ist das alte Vergnügungsviertel Kyotos, wo bis zum Ende des Krieges die Teehäuser standen, in denen sich diejenigen, die es sich leisten konnten, von den Geishas den Tee servieren ließen. Heute sind Geishas auch hier eher eine Seltenheit und der Bezirk ist geprägt von Geschäften und Lokalen aller Art. Leider hatten wir dann doch nicht mehr viel Zeit und außer einmal kurz hinein zu schnuppern, konnten wir nicht mehr machen. Eine genauere Besichtigung mussten wir auf Morgen verschieben.

Dritter Tag: Hiroshima

von Thomas

200503211321_1Bevor es nach Kyoto weiter ging, stand noch ein Pflichtpunkt auf dem Programm: Das Museum über den Atombombenabwurf... Das 'Hiroshima Peace Memorial Museum' dokumentiert den Abwurf der ersten Atombombe am 8. August 1945. Der Besuch des Museums war sehr interessant, es wird sehr schön der Weg bis hin zum Abwurf der Bombe dokumentiert. Angefangen bei dem berühmten Einstein Brief, in dem er den US-Präsidenten Roosevelt aufforderte, die Atomenergie als Waffe zu nutzen, über verschiedene Konferenzprotokolle, auf denen Japan als Ziel ausgewählt wurde (schon 1943, was ich nicht gedacht hätte!), bis zu den konkreten Einsatzbefehlen.

Cimg4458_smallDaneben werden die Folgen des Abwurfes verdeutlicht. Modelle und Bilder zeigen die Abwurfstelle vor und nach der Detonation, Szenen mit verletzten Menschen werden recht drastisch mit Puppen nachgestellt und viele Gegenstände, wie geschmolzene Flaschen und Steine verdeutlichen die Wirkung der Explosion.

Wie der Name des Museums schon sagt, widmet es sich auch dem Frieden und Kampf gegen Atomwaffen. Die Appelle der Bürgermeister von Hiroshima sind dort ausgestellt, die nach jedem Atomwaffentest an die Botschafter der jeweiligen Länder verschickt werden, es wird dokumentiert welches Land, wann, wie viele Tests gemacht und Waffen produziert hat.

Kurz, das Museum ist durchaus in der Lage, einem den Blick für die Atomwaffenproblematik zu schärfen, einem die Gefahren und Folgen bewusst machen und ist von daher in jedem Fall einen Besuch wert.

Aber es gibt auch ein großes Aber... Die für Japan so typische Blindheit wenn es um die eigenen Taten geht. Etwas übertrieben gesagt, kann der unbedarfte Besucher durch die Ausstellung den Eindruck gewinnen, ein zwar Krieg führendes, aber ansonsten nicht weiter auffälliges Land, wurde mehr oder weniger willkürlich dazu ausgewählt, als Ziel für die Demonstration der Wirkung der Atombombe zu werden. Das Japan neben Deutschland der große Aggressor im 2. Weltkrieg war, dass es in Korea und China schlimm gewütet hat und dort abertausende Menschen getötet hat, wird mehr oder weniger unterschlagen, denn es ist ein Tabu in Japan, sich dieser Schuld zu stellen. Gerade bezogen auf dieses doch sehr eindrucksvolle Museum ist der sehr bedauerlich, nimmt es ihm doch viel von seiner Intention, die eigentlich auch Ehrlichkeit bzgl. der eigenen Schuld erfordern würde.

Reisen bildet

von Gunda

Reisen bildet. So habe ich z.B. heute im Museum erfahren können, dass das WC von US-Amerikanern erfunden wurde. Die Frau, die beim Damenklo vor mir stand, erklärte mir nämlich: "You can take the japanese style toilet. I am waiting for the US-toilet." Ob sie die Beschriftung "Western Style" wohl missverstanden hat?

20. März 05

Erdbeben in Nagasaki?

von Gunda

Erdbeben in Nagasaki? Davon haben wir erst durch die besorgten Anrufe unserer Eltern erfahren.

Zweiter Tag: Hiroshima

von Thomas

Nachdem wir von Miyajima zurück nach Hiroshima gefahren sind, wollten wir noch etwas essen und zwar nicht irgendwas, sondern die typische Spezialität Hiroshimas: Okonomiyaki! Neben Osaka gilt Hiroshima nämlich als Heimat dieses japanischen Pfannkuchens oder Pizza (ganz wie man es sehen will). Unser Touristadtplan empfahl auch ein Restaurant, jedoch hatte dieses, wie wir nach langem suchen feststellen mussten, schon zu. Was tun? Der Plan half, er empfahl nämlich noch ein zweites Lokal, dass allerdings als 'funky' beschrieben wurde. Was tun, egal, wird schon gut sein und da morgen keine Zeit bleiben würde, sind wir also dorthin.

Cimg4611_smallDer Laden war klein, aber ansonsten ganz nett. In der Mitte der große Herd, der nur aus einer einzigen Metallplatte besteht und dahinter zwei junge Typen, die wohl die Köche waren. Ansonsten sass hinten in der Ecke noch ein etwas schräges japanisches Pärchen und futterte eifrig und neben uns am Ofen,  an den wir uns gesetzt  hatten, noch ein Typ. Von der Speisekarte gab es tatsächlich eine englische Version und ich nahm was mit Schwein und Gunda mit Garnelen. Cimg4612_small

Es folgte dann eine ähnliche Kochperformance, wie wir sie schon in dem kleinen Lokal in Ami erlebt hatten, allerdings nicht ganz so spektakulär, im Ergebnis jedoch gleich: Sehr lecker! Cimg4613_small_1

Zweiter Tag: Miyajima

von Thomas

200503201132_1Heute sind wir nach Miyajima, einer kleinen Insel in der Bucht vor Hiroshima, gefahren. Die Insel ist voller Tempel und Schreine, deren berühmtester auf Holzpfaehlen über dem Meer ruht. Das Wahrzeichen der Insel aber ist das aus dem Meer ragende rote Torii (nein, das ist kein Schreibfehler, diese Schreintore heißen im Japanischen wirklich so...) des Schreins.

Um nach Miyajima zu kommen, nimmt man von Hiroshima aus zunächst die Straßenbahn und setzt dann mit einer Fähre zur Insel über. Wie so oft in Japan gibt es eine private und staatliche bzw. zu Japan Railways (JR) gehörige Fähre. Wir hatten uns nun, um Geld zu sparen ein Kombiticket für Straßenbahn und Fähre gekauft mit dem wir dann schnurstracks zur JR-Fähre liefen. War auch kein Problem, das Ticket mussten wir nicht vorzeigen. Die Fähre fuhr direkt am roten Torii vorbei und wir konnten schöne Photos machen. Als wir jedoch ankamen und unsere Karte vorzeigen mussten, winkte der Kontrolleure heftig ab und schickte uns zur privaten Konkurrenz. Hm, irgendwie muss er wohl gedacht haben, dass wir gerade losfahren wollten und nicht angekommen sind, denn sonst hätte er uns doch eigentlich Geld abknöpfen müssen, oder?

200503201112 Direkt vor der Faehr-Station sind wir dann auf das große Kuriosum der Insel gestoßen, die heiligen Rehe, die keinerlei Angst haben, dafür aber manchen zu forschen Touristen in die Flucht schlagen! Es ist faszinierend zu sehen, wie diese sonst so sprichwörtlich scheuen Rehe hier jede Hemmungen fallen lassen. Da wird den Menschen das Futter geradezu aus der Hand gerissen und wehe dem, der meint hier mitten unter Rehe selber was essen zu können oder so dumm ist, seine Tasche offen zu lassen! Keine Chance hat man, diesen Tieren zu entkommen :)

Wir haben uns zum Glück etwas abseits gehalten und sind Richtung Itsukushima Schrein weiter gegangen, schließlich wollten wir uns ja das ansehen, was der Insel ihren Namen gab: 'Miyajima' - die Schrein-Insel. Das besondere am Itsukushima Schrein ist, dass er, genau wie sein Torii, vollständig im Wasser steht. Leider war gerade Ebbe und es war kein Wasser unterhalb des Schreins, der auf seinen Pfählen über den Uferschlick herausragte. Na ja, so konnten wir dafür am Strand ein paar Muscheln suchen und fast ganz von der Meerseite an den Schrein herangehen (bis zum Schrein kam man leider nicht, da der Boden etwas zu weich war).

Ganz abgesehen von seiner besondere Lage über dem Meer, ist der sehr verwinkelt angelegte Schrein, auch so sehr schön. Allerdings hatte er erheblich unter den Herbsttaifunen des letzten Jahre gelitten. Das an vielen Stellen die Farbe fehlte war noch das geringste Problem, einige Teile waren eingestürzt, andere notdürftig abgestützt. Allerdings sind die Aufbauarbeiten im vollen Gange und vieles ist schon wieder repariert.

Cimg4509_smallFür unseren Besuch hatten wir einen günstigen Zeitpunkt erwischt: Auf einer Bühne in der Mitte des Schreines fand Tanz statt. Um was es dabei ging, war uns nicht ganz klar, aber es war faszinierend dem bunt gekleideten und maskierten Priester bei seiner Vorführung zu zuschauen.

Cimg4591_small Den Rest des Tages haben wir uns dann weiter auf der Insel umgeschaut, die auch landschaftlich sehr schön und eine Reise Wert ist. Als wir uns genug Schreine und Tempel angeschaut hatten, sind wir dann mit der Seilbahn hoch in die Berge gefahren (auch diese Fahrt wurde durch unser Ticket abgedeckt). Von dort oben hat man einen guten Überblick über die japanische Inlandsee, in der Miyajima liegt und auf Hiroshima und seine Nachbarstaedte. Leider war es etwas bedeckt und trübe, so dass man nicht allzu weit schauen konnte. Aber das Interessanteste war eh etwas ganz anderes: Affen! Kleine Affen, ähnlich wie PavianeCimg4604_small, die wir schon in Chichibu gesehen hatten, aber nicht so scheu, sondern ganz zahm und ähnlich wie bei den Rehen unten, gab es auch hier zahlreiche Hinweisschilder, dass man kein Essen offen herumtragen sollte oder Taschen öffnen sollten, da die Affen doch recht forsch wären. Aber als wir oben waren, waren die Guten wohl schon etwas müde, jedenfalls kam uns keiner zu nahe...

Cimg4608_smallMit der letzten Bahn sind wir dann runter und da wir schon etwas fusslahm waren, sind wir mit dem Bus Richtung Fähre gefahren. Als wir ausstiegen, ging gerade die Sonne unter und da das Torii genau vor der Sonne aus dem Meer ragte, haben wir die Gelegenheit für einige tolle Photos genutzt, bevor dann endgültig mit der Fähre zurück sind.

19. März 05

Erster Tag: Hiroshima

von Thomas

Heute war unser erster Urlaubstag. Mit dem Shinkansen ging es Richtung Hiroshima! Da es meine erste Fahrt mit diesem Zug war, war ich doch erst einmal recht überrascht. Da war zunaechst die Masse an Menschen, die den Zug benutzten wollte. Mindestens alle 20 Minuten fährt ein Shinkansen von Tokyo aus Richtung Hiroshima und alle 16 Wagons des Zuges waren voll. Beim ersten Zug, den wir nehmen wollten, machte es gar keinen Sinn mehr einzusteigen, er war schon voll. Also haben wir uns in die Schlange für den naechsten Zug eingereiht. Als er kam, wurde er sofort gestürmt, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Leute drängelten in den Zug und belegten erstmal reihenweise Plätze mit Taschen und Jacken für ihre Angehörigen, die dann später in Ruhe einsteigen konnten (Das Verfahren würde in Deutschland wohl nicht funktionieren, da die Nachfolgenden die unbewachten Plätze einfach wieder freiräumen würden, hier ist das jedoch kein Problem...). Cimg4375_small Wir selbst hatten Glück und haben noch zwei Plätze in einer Dreierreihe erwischt. Ja genau, es gibt an einer Seite jeweils drei, an der anderen Seite zwei Plätze nebeneinander und der Gang ist auch noch breiter als in einem deutschen ICE. Auch der Abstand zwischen den Reihen ist viel grosszuegiger als bei uns. Leider gibt es kaum Platz für größere Gepäckstücke, da die Japaner nur sehr selten mit unhandlichen Koffern und Taschen reisen. Aber wir hatten auch hier wieder Glück und profitierten von einer weiteren Besonderheit der Shinkansens: Man kann jede Sitzreihe umdrehen, so dass vierer bzw. sechser Sitzgruppen entstehen. Zwischen den Rueckenlehnen entstehen dadurch Stauraeume für das Gepäck. Nette Idee muss ich sagen!

Die Fahrt selbst war angenehm ruhig und schnell. Der Zug hatte keine einzige Minute Verspätung, als wir nach gerade einmal vier Stunden die fast 900 km nach Hiroshima zurückgelegt hatten (Bedauert habe ich nur die Leute, die fast die ganze Strecke stehen mussten...)

In Hiroshima angekommen, haben wir erstmal unser Gepäck verstaut (wie wir später gemerkt haben, auf der falschen Seite, des nicht gerade kleinen Bahnhofs...) und was gegessen.

200503191333_1Dann gings los, das Wetter war prima und laut Karte sah es so aus, dass man alles bequem zu Fuss erreichen konnte. Letztlich wollten wir natürlich zum Friedenspark, der Gedenkstätte zu dem Atombombenabwurf 1945. Aber zunächst sind wir zu einem anderen, viel kleineren Park gegangen. Eigentlich war es eher ein großer japanischer Garten, mit verwinkelten Wegen, die einem nach jedem Knick ein anderes Bild des Parks boten, mit einem großen Teich, voller Zierkarpfen und kleinen japanischen Pavillons.Cimg4395_small In einer Ecke des Parks konnten wir ein paar Gärtner bei der Arbeit beobachten. Das japanische Ideal der Natur, ist ja eines der vom Menschen bearbeiteten, Bäume und Büsche werden nach gewissen Prinzipien und Regeln beschnitten und gestutzt, ihr Wachstum beeinflusst. Auf diese Weise entstehen oft ganz bizarre Gebilde, die zwar für uns Europäer  etwas unnatürlich wirken, aber doch eine eigene Faszination besitzen. Manchmal treibt es aber auch schon sehr skurrile Blüten: Zwei der Gärtner waren damit beschäftigt, Kiefern zu rupfen und zwar so, dass nur an den Spitzen der Zweige Nadeln ueber blieben. Das sieht natürlich nett aus, ist aber auch eine Wahnsinnsarbeit...

Cimg4413_smallVon diesem Park aus ging es dann weiter Richtung des alten Schlosses von Hiroshima, dessen Hauptturm nach 1945 wieder aufgebaut worden war und nun ein Museum zum Thema Burgen beherbergt, was wir uns allerdings nicht angeschaut haben, denn wir wollten gleich weiter zum Friedenspark.

Wenn man vom Schloss zum Friedenspark geht, kommt man zunächst zum 'Atomicbomb Dome', dem ehemaligen Gebäude des japanischen Industrieverbandes in Hiroshima. Es ist das einzige Gebäude, das am Ort der Explosion  nicht vollständig zerstört worden, obwohl es nur 400 m vom Detonationspunkt entfernt stand. Es ist heute ein Mahnmal, das die Wirkung der Bombe demonstrieren soll.

Cimg4436_smallDer Rest des Parks besteht aus diversen Gedenkstätten, Denkmälern und ähnlichem. Zum Beispiel die Friedensglocke, die jenem Mädchen gewidmet ist, das Jahre nach der Explosion an Leukaemie erkrankte und dann in der Hoffnung auf Heilung 1000 Kraniche aus Papier faltete, was nach traditionellem Glauben einem Wunsch erfüllen soll. Noch heute bringen Menschen im Andenken an dieses Mädchen und seine nicht erfüllte Hoffnung Papierkraniche dorthin.

Ein Stück entfernt davon brennt eine Ewigeflamme, die erst erlöschen soll, wenn Frieden auf der Welt herrscht, was wohl leider nie passieren wird...

Das Hauptmahnmal, ein recht protziger Steinkollos in Form eines japanischen Sattels, beherbergt eine Liste aller Menschen, die an den direkten und indirekten Folgen des Atombombenabwurfes gestorben sind. Weit über hunderttausend Namen sind dort aufgeführt und jedes Jahr, am 8. August, wird die Liste um die im jeweils vergangenen Jahr hinzugekommen Opfern erweitert...Cimg4447_small

Dokumentiert sind all diese Dinge in dem Museum, das sich ebenfalls in dem Park befindet. Wir waren jedoch zu spät dran und das Museum hatte schon geschlossen. War nicht so schlimm, wir sind ja noch eine Weile hier.

Mit dem Bus sind wir dann Richtung Bahnhof zurück gefahren, um unser Gepäck zu holen und dann ins Hotel zu gehen. Unterwegs hatte ich dann noch eine Starbucksfiliale entdeckt, in der wir uns dann noch kurz gestärkt haben. Zum Hotel ging es dann mit der guten alten Straßenbahn (Hiroshima ist eine der wenigen Städte in Japan, wo es so was noch gibt). Das Hotel selbst war recht schmucklos und unser Zimmer war ganz einfach im japanischen Stil mit Tatamimatten und Futons eingerichtet. Das einzige, was vielleicht erwähnenswert ist, war das 'free interneto', was uns der Hotelbesitzer eifrig anpries. Wir waren jedoch zu müde, um uns noch vor den Computer zu setzen. Wozu auch, wir hatten doch Urlaub :)

17. März 05

"Who Wants to Be a Millionaire?"

von Thomas

200503171502_kopie_1 "Ich, ich, ich!" Ach was, ich will, ich bin's! Heute geworden! Na ja, eigentlich auch wieder nicht... Nix mit Lottogewinn oder so... Yen-Millionär bin ich, heute, für einen Tag :) Ist zwar nicht ganz so mies, wie früher die Lire-Millionäre, aber bis zum echten Euro-Millionär fehlen noch ein paar Nullen :(

Aber vielleicht eines Tages, wer weiß das schon...

16. März 05

Ich bin baff!

von Thomas

Es passieren hier doch immer wieder Dinge, die mich total verblüffen. Vor ein paar Tagen (oder ist es schon 2 Wochen her?), hatte ich unsere Sekretärin Kikuchi-san darauf angesprochen, ob sie mir vielleicht helfen kann, wenn ich meinen Flug nach Frankreich buchen muss. Ja, das wäre kein Problem, meinte sie und suchte auch gleich schon mal ein paar Flüge raus. Nachdem ich dann Freitag meinen 're-entry permit' geholt hatte, dachte ich eben, dass ich sie vielleicht jetzt nochmal fragen könnte, wie ich denn nun an einen Flug komme. Tja, was soll ich sagen, ich war gerade im Büro angekommen und wollte den Terminplan von der Konferenz ausdrucken, da kam auch schon Kikuchi-san und fragte, ob ich Zeit hätte, der Mann vom Reisebüro wäre da... Puh, das hat mich dann doch etwas umgehauen... Was soll ich weiter sagen? Der Mann vom Reisebüro war tatsächlich wegen mir extra zum Institut gekommen und wartete nun auf mich im Besprechungsraum. Ich habe ihm kurz erläutert, wo ich wann hin will und er meinte (in bestem Englisch übrigens), dass wäre alles kein Problem, schrieb sich die Daten auf und alles war gegessen. Ach ja, da er sah, dass ich von Paris noch einen Zug nehmen müsste, wollte er sich da auch gleich mal um eine Fahrkarte kümmern...

Nach gut 10 Minuten waren also alle meine Reiseprobleme gelöst. Ich fasse es nicht... Wenn ich denke, was für ein Aufwand das immer in Deutschland war. Wenn ich da die Sekretärin gefragt hätte, ob die sich um meinen Flug kümmert, hätte die mir was ganz anderes erzählt. Und das Reisebüro? Also wenn in Deutschland jemand vom Reisebüro zu meiner Arbeit gekommen wehre, um sich meine Reisepläne auf zu schreiben, ich glaube, ich wehre umgefallen vor Schreck.

Oh, oh, es werden harte Zeiten, wenn es wieder zurück in die heimatliche Servicewüste geht. Mir kommt jetzt schon das große Zittern, wenn ich daran denke.

By the way... Habe ich schon mal erwähnt, dass man hier, wenn man den Postboten, der einem ein Paket bringen wollte, verpasst, man eine Karte im Briefkasten hat, auf der man eintragen kann, wann der Postbote wiederkommen soll, um das Paket ein zweites mal auszuliefern... Von wegen Pakete am Postamt abholen... Das nenne ich Service!

15. März 05

Bilanz

von Thomas

私は日本語を勉強しました - わたしはにほんごをべんきょうしました - watashi wa nihongo o benkyou shimashita 

Ich habe Japanisch gelernt. Tja, sagen wir besser, ich habe 5 Monate lang Woche für  Woche einen Sprachkurs für die Japanische Sprache besucht, der heute endete...

Was habe ich gelernt? Weniger als in dem 3 wöchigen Crashkurs in Bochum. Ein paar Vokabeln halt, etwas Grammatik, aber ohne das sie mir auch erklärt wurde und die Hiragana- und Katakana-Schriften. Das war's. 

Was kann ich jetzt? Nicht viel... Das Merken der Vokabeln macht mir noch Schwierigkeiten, das Lesen geht noch nicht sehr flüssig, ebenso das Schreiben.

Was macht mit Spaß? Kanjis... Es macht mir einfach das größte Vergnügen, in Lexika zu wühlen oder mit unserem elektronischen Wörterbuch nach Kanjis zu suchen und mir so dann den Sinn von Aufschriften, Schildern, Namen usw. klar zu machen. Allerdings ist das leider nicht der effektivste Weg, um wirklich Japanisch zu lernen... seufz...

Was ist das Problem? Die Praxis fehlt, so komisch das jetzt klingen mag. Bei der Arbeit spricht man halt Englisch, denn um sinnvolle Fragen zu stellen, kann ich einfach viel zu wenig. Zwar können die anderen manchmal nur schlecht Englisch, aber immer noch viel besser, als ich Japanisch. Und "draußen"? Es geht halt, man bekommt alles was man will, auch wenn man kein Wort Japanisch spricht. Soviel Englisch kann dann immer jemand oder man zeigt halt auf das, was man haben will. Supermarkt, Behörden, Restaurants, usw. alles mehr oder weniger kein Problem.

Wie geht es weiter? Im April werde ich mit dem Fortgeschrittenenkurs starten und da Gunda den Aufnahmetst bestanden hat, werden wir zusammen dort hingehen. Ich denke, das ist besser, denn wenn wir uns beide mit dem selben Stoff beschäftigen, können wir besser zusammen lernen, uns gegenseitig auf die Sprünge helfen und etwas mehr motivieren. Mal sehen, im September werden wir wissen, was es gebracht hat...

Und sonst? Eigentlich bin ich recht optimistisch. Es kommt, vielleicht passt mein Tempo, meine Art und Weise zu lernen, nicht ganz in das Schema des Sprachkurses, aber es wird. Ganz langsam habe ich mehr und mehr das Gefühl, etwas mit zu bekommen, wenn ich was Japanisches höre. Das Kanji-Lernen hilft durchaus immer besser den Sinn von kurzen Texten zu erfassen, das Hiragana- und Katakana-Lesen geht allmählich immer schneller. Es wird, langsam, aber es wird, ich bin mir sicher!

'Lost in Translation'? Nein, absolut nicht!

14. März 05

White Day!

von Thomas

Auch wenn es so klingt und es offiziell ja noch Winter ist, der 'White Day' hat nichts mit Schnee zu tun, sondern mit jener schaumigen Süßigkeit, die man in Amerika 'Marshmallow' nennt und ist eine jener typisch japanischen Skurrilitäten.

Alles begann 1965 als ein japanischer Süßigkeitenhersteller die Idee hatte, dass man noch ein Gegenstück zum Valentinstag benötige. Denn in Japan ist es so, dass am Valentinstag die jungen Mädchen und Frauen ihren Angebeteten Schokolade schenken. Was liegt da näher, als eine Tag zu erfinden, an dem die Angebeteten sich bei ihren Herzdamen mit einem kleinen Präsent bedanken können.

So gab es dann am 14. März 1965 den ersten 'White Day', der zunächst allerdings noch 'Marshmallow Day' hieß, nach der Süßigkeit, die damals als Geschenk beworben wurde... Heute schenkt man nicht mehr nur Marshmallows, sondern auch Weißeschokolade oder andere Süßigkeiten oder macht kleine Geschenke anderer Art.

Nachdem nun Gunda mich am Valentinstag so reich beschenkt hatte (seufz), konnte ich natürlich, bei allem inneren Protest gegen so eine plumpe Kommerzialisierung, nicht anders, als mich zu revanchieren :)

So bin ich dann also in der Mittagspause los geradelt, um meine 'White Day' Geschenke zu besorgen. Hoffentlich gefallen... äh... schmecken sie auch.

200503141233 Unterwegs ist mir dann was über den Weg gelaufen, das einem Zeigt, dass Japan eben nicht nur oberflächliche und skurrile Dinge hervorbringt, sondern ein echtes altes Kulturvolk mit gewachsenen und noch lange nicht aus dem Bewusstsein verschwundenen Traditionen ist. Eine kleine Buddha-Statue, direkt an einer Kreuzung, mit ein paar, nicht mehr so ganz frischen Blumen davor. Ein, wie ich finde, schöner Kontrast, der unter anderem zeigt, worin der Reiz dieses einem immer so widersprüchlich erscheinenden Landes liegt...

13. März 05

Ume no hana - Die Pflaumenblüte

Von Thomas

Die Zeit der Baumblüte ist eine ganz besondere in Japan, jeden Tag in den letzten Winter- und ersten Fruehjahrsmonate berichten die Nachrichten darüber, wo gerade welche Bäume blühen und in den Parks sitzen die Leute und picknicken unter den Bäumen. Der Höhepunkt ist die Zeit der Kirschblüte im April. Im Moment ist die Zeit der Pflaumenbluete, der 'ume no hana'.

Eine der besten Möglichkeiten sich an der Bluetenpracht zu erfreuen, findet sich in Mito, der Hauptstadt der Ibaraki-Prefektur, in der wir wohnen. Der Kairakuen Park ("Park, in dem man sich gemeinsam erfreut") ist einer der berühmtesten in Japan, tausende von Pflaumenbäume der verschiedensten Sorten stehen dort, in dem im 19. Jahrhundert noch von den Tokungawas gegründeten Park. Jetzt im März gibt es dort sogar eine eigens eingerichtete Bahnstation, an der selbst die Expresszuege halten, um die Besucher möglichst bequem dort hin zu bringen.

Wir selbst sind sehr früh los und haben uns dann am Park mit Akapu, der Freundin Gundas, der wir schon den Besuch einer Teezeremonie verdanken, getroffen. Akapu gehört zu den eher traditionsbewussten jungen Japanerinnen und so trug sie auch heute wieder einen Kimono...

12. März 05

Bilder, Bilder, Bilder...

von Thomas

Unter