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« Dezember 2004 | Start | Februar 2005 »

31. Januar 05

Laboralltag

von Thomas

Heute war mal wieder ein ganz normaler Tag im Labor. Statt des üblichen fs-Lasers habe ich heute mal das ns-System in Betrieb genommen. Funktionierte auch sehr gut (endlich, der erste Versuch vor ein paar Wochen war noch recht verunglückt), aber es braucht noch etwas, bis ich wirklich zufrieden bin. Ich brauche einfach noch etwas mehr Erfahrung mit den Geräten hier. Na ja, wird schon werden.

Ansonsten ist nicht viel passiert. Meinen Monatsbericht für Januar habe ich abgeschickt, aus Frankreich kam eine Bestätigung, dass mein Abstract angekommen ist und Kaneko fragt, wie das jetzt mit meinem Flug ist. Ich hoffe, dass ich das mit dem Heimatbesuch irgendwie hinkriege...

30. Januar 05

Buddhas und Pfannkuchen

von Thomas

Heute sind wir mal mit dem Rad losgefahren. Von hohen Gebäuden oder Brücken in Arakawaoki kann man in der Ferne eine riesige Buddha-Statue sehen. Das ist der Ushiku-Daibutsu. Vor allem Gunda wollte sich die Figur immer schon mal ansehen und da das Wetter gut ist radelten wir los. Laut Karte müsste der Daibutsu gut 10 km weit weg sein, also kein Problem. Als wir uns langsam dem Ziel nähern, kann man die Figur endlich sehen: Es ist einfach nur gewaltig! Ein riesige Steinstatue, die alles in der flachen Landschaft überragt, Felder, Bäume, Häuser, Fabriken, nichts ist auch nur annähernd so hoch.

Schließlich kommen wir an. Das Gelände ist ein riesiger Friedhof und wir müssen noch eine ganze Weile radeln, bis wir den Eingang endlich finden. Dort gibt es ein paar Buden mit Fressalien und Andenken sowie eine Info-Tafel: 120m ist die gesamte Anlage hoch, der Sockel 20m , die Figur alleine 100m (Das ist mehr als doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue mit ihren 40m...).

Ein Problem gibt es jedoch: Wir sind zu spät, man kommt nicht mehr rein. Etwas enttäuscht sind wir schon, sind aber selber schuld, wären wir halt eher losgefahren... Aber so haben wir wenigstens einen Grund, wieder hierher zu fahren. Es lohnt sich!

Zurück fahren wir einen etwas anderen Weg und kommen so kurz vor Arakawaoki an einem Okonomiyaki-Lokal vorbei. Da wir Hunger haben, gehen wir ganz mutig rein... Das Lokal ist ganz nett, es ist jedoch nicht viel los. Eine Frau gibt uns eine Karte, alles Japanisch. Na ja, vielleicht geht es auch so. Da kommt auch schon ein Mann und fragt was wir wollen. Ich sage "Okonomiyaki" und er versteht :) Was Schweinefleisch, Käse und Mayonnaise auf Englisch heißt, weiß er zum Glück und hinter uns hängt ein Poster, mit dem Gewünschten darauf und zur Bestätigung zeigen wir nochmal darauf.

Nach ein paar Minuten kommt die Frau nochmal und bittet uns mit Richtung Küche zu kommen. Dort gibt es eine kleine Bar und dahinter die große Ofenplatte. Das ist toll, so können wir gleich sehen, wie unsere Okonomiyaki gemacht wird.

Ach so, was ist das eigentlich: Nun so eine Art japanischer Omelette. Etwas Teig wird dünn auf der Ofenplatte verstrichen, darauf kommt viel geraspelter Weißkohl und dann noch ein paar Bohnenkeime und noch was, von dem ich gar nicht wissen will, was es ist. Dann noch unsere gewünschten Schweinfleischstreifen und ein paar Gewürze. Oben drauf wieder etwas Teig. Das Ganze wird dann immer wieder gewendet (Wir erleben eine schöne Performance des Meisters) und dabei immer platter. Zum Schluss wird noch ein Ei zerschlagen und verstrichen, der Pfannkuchen kommt darauf. In denselben wurden vorher noch ein paar Nudeln gefüllt, dann noch etwas Soße oben drauf, ein paar Fischflocken und geraspelte Algen und das Okonomiyaki ist fertig zum Servieren. Schön stilecht in einer Gusspfanne auf einem Holzbrett.

Sehr lecker muss ich sagen, obwohl ich wegen der Algen etwas Bedenken hatte. Dazu gibt es noch eine Suppe und ein paar Schmankerl: Für Gunda etwas japanischen Kartoffelsalat, ein paar Fischkekse und zwei Mandarinen.

Alles in allem ein toller Event, mit viel Radebrechen in Japanisch und Englisch auf beiden Seiten und drei älteren Herren als begeisterten Zuschauern. Als wir gehen sind wir ganz begeistert. Hier kommen wir bestimmt wieder her!

29. Januar 05

Unser erster Besuch!

von Thomas

Nachdem Besuch beim Frisoer eilen wir schnell nach Hause. Die ersten Besucher in unserem neuem Heim werden bald eintrudeln. Linda und ihr Mann Peter. Gunda hatte Linda gleich am ersten Tag kennegelernt, als sie beide als Patientinnen im Krankenhaus waren (damals...). Zum Kochen bleibt keine Zeit mehr und so kaufen ich noch schnell ein paar Gebaeckteile beim Kaufhaus-Baecker. Da unsere Wohnung nur schwer zu finden ist, holt Gunda die beiden vom Bahnhof in Arakawaoki ab. Es wird ein schoener Abend. Linda kannte ich ja schon und Peter ist auch ein netter Kerl. Ein Hobbyphotograph mit einer schicken, ganz kleinen Digikamera und einem riesen Stativ, auf dem man die Kamera kaum ausmachen kann... Einen Tick hat er auch: Er photographiert alles Gerichte, die er hier in Japan unterwegs zu sich nimmt!

Der Abend wird sehr lustig. Wir verfuettern noch den Weihnachtsstollen, den wir auf dem Adventsmarkt inTokyo gekauft haben, an die beiden und bringen ihnen "Mensch-aergere-dich-nicht" bei. Linda braucht sich auch nicht zu aergern, sie gewinnt das Spiel :)

Unser photogenes Schwein kommt auch noch zu Ehren. Linda ist ganz begeistert und wir schauen uns schnell noch alle (ja wirklich alle!) Schweinephotos auf meinem Laptop an und dann muessen die beiden auch schon los und wir bringen sie noch schnell zum Bus.

Ein wirklich schoener Tag geht zu Ende...

Einfach nur Haareschneiden

von Thomas

heute wollten wir uns einfach nur die Haare schneiden lassen, doch das ist leichter gesagt als getan... Schon als zwei der Damen uns vor der Tuer stehen sahen, winkten sie ganz eifrig! Auf in den Kampf also...

Diesmal brauchen wir nicht lange zu warten. Gunda kommt gleich dran, ich ein paar Minuten spaeter. Zunaechst das uebliche Haarewaschen und Nacken massieren. Nach einer guten Viertelstunden kann dann das eigentliche Schneiden beginnen. Damit mir nicht so langweilig wird, drueckt mir die junge Dame eine Zeitschrift in die Hand: Interviews mit Filmschaupielern und anderen Groessen des Schowbusines. Allerdings alles in Japanisch...

Da eigentliche Schneiden zieht sich dann etwas ein Dreiviertelstunde hin, dafuer geschieht alles so vorsichtig, dass man kaum mitbekommen, was mit einem geschieht, haette man nicht den grossen Spiegel vor sich. Die Dame kann diesmal sogar etwas Englisch. So werde ich dann nach meinem Lieblingsfilm, meiner Lieblingsschauspielerin, meiner Lieblingsmusik usw. gefragt :)

Das Ergebnis schliesslich ist ganz ansprechend. Zwar liegen die Haare etwas platt auf dem Kopf, aber das kriegt man ja schon wieder hin. Als wir gehen, sind wir die letzten Kunden, so dass die gesamte Belegschaft Zeit hat uns persoenlich zu verabschieden und sich schoen in einer Reihe zwischen Kasse und Tuer aufstellt...

Werden wir jemals einen "normalen" Besuch beim Frisoer erleben...?

27. Januar 05

Deutscher Sprachverein Tsukuba (DSV)

von Gunda

Über die Ausländer-Mailingliste hatte ich erfahren, daß für den Konversationskurs des Deutschen Sprachvereins Tsukuba ein Muttersprachler gesucht wurde, der den Kurs leiten will.
Die Treffen finden zweimal im Monat für jeweils zwei Stunden im Gemeindehaus "Takezono Kominkan" statt. Bisher wurde der Kurs von einem deutschen Ehepaar geleitet, das aus beruflichen Gründen demnächst aber in den Süden Japans umziehen wird.

Ich habe mich also beworben und mir den Kurs heute einmal live angeguckt.
Er besteht aus Japanern ganz unterschiedlichen Alters, die alle schonmal länger in Deutschland oder Österreich waren und fließend Deutsch sprechen. Alle sind sehr interessiert daran, ihre Sprachkenntnisse lebendig zu halten, etwas über deutsche Kultur zu erfahren und ihren Wortschatz zu erweitern.
Da die Atmosphäre sehr locker und die Leute sehr nett waren, habe ich hinterher zugesagt, den Kurs zu übernehmen.
Das ist zwar keine volle Arbeit, aber immerhin ein Anfang...

25. Januar 05

Nix mit ganbatte kudasai!

von Thomas

Langsam gibt es in meinem dienstäglichen Sprachkurs erste Auflösungserscheinungen. Waren schon in der letzten Woche nur weniger als die Hälfte der uerprünglich mal gestarteten Kursteilnehmer anwesend, waren es diese Woche noch weniger. Gerade einmal 11 Leutchen saßen da jetzt noch rum. Für die hat das natürlich nur Vorteile, denn jetzt kommen in den Kleingruppenübungen 3-4 Leute auf eine Lehrerin, statt vorher 6 oder 7. So hat man doch viel mehr Gelegenheit, selber zu sprechen und somit auch mehr zu lernen.

Mal sehen, wie das in den nächsten Wochen weitergeht...

24. Januar 05

Frankreich!

von Thomas

Heute kam eine erfreuliche e-Mail, ich wurde nach Frankreich eingeladen, um einen Vortrag auf einem Workshop zum Thema 'Multiferroics' (das sind im weitesten Sinne gleichzeitig elektrisch polarisierte und magnetische Materialien) zu halten. Das ist doch mal eine wirklich gute Nachricht! Zu verdanken habe ich das Manfred, der eigentlich eingeladen war, aber nicht konnte und daher mich vorgeschlagen hatte. Und, wie es aussieht, hat das tatsächlich geklappt.

Und wenn ich etwas Glück habe, dann kann ich den Abstecher nach Europa auch dazu nutzen, um einmal kurz zu Hause vorbei zuschauen. Der Vortrag ist Ende April, dann werden wir schon über ein halbes Jahr hier in Japan sein... Die Zeit vergeht. Leider kann Gunda nicht mitkommen und ein bisschen traurig ist sie schon, denn ich denke, ihr wäre das noch viel wichtiger als mir, einen Abstecher nach Hause zu machen. Aber es wird wohl leider nicht gehen...

European School

von Gunda

Na gut, ich habe mich ergeben. Wenn mich keiner dafür will, womit ich mich weiterbilden kann, dann muß ich eben das machen, was ich in Deutschland auch schon gemacht habe: Deutschunterricht für Leute geben, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.

Ich habe mich also bei der European School in Tsukuba beworben.
"Ms. Nidayama? - Are you married to a Japanese man?" (Das ließ sich der französische Leiter der "Schule" bis zum Schluß nicht ausreden.) - Klar, der "Nida-yama" ist, gleich neben dem Fuji-yama, der zweithöchste Berg Japans...
Wieder ein Blechcontainer, der zudem noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr schlecht zu erreichen war. Und ein Gehalt, das so ungefähr die Fahrtkosten gedeckt hätte. Ganz zu schweigen von Lehrbüchern aus den 80er Jahren, die der Schulleiter generös mit "Sie können auch ein neues Konzept erarbeiten." kommentierte. - Das wären dann nochmal einige Stunden unbezahlte extra-Arbeit gewesen...
Ich habe also NICHT zugesagt.

07. Januar 05

Der Frühling naht...

von Thomas

Auf meinem täglichen Weg zum AIST mit dem Fahrrad komme ich immer durch einen kleinen Park. Auf einer Wiese spielen immer einige ältere Frauen Croquet. Der 200501070956größte Teil des Parkes besteht jedoch aus einer Anpflanzung von Pflaumenbäumen. Und als ich Heute dort durch fuhr, sah ich trotz der Kälte die ersten Blüten an einem der Bäume und habe gleich mal ein Photo davon gemacht. Die Zeit der Baumblüte spielt in Japan eine große Rolle. Es beginnt im Februar und März mit den Pflaumenblüten-Festen und der Höhepunkt ist die Zeit der Kirschblüte (sakura). Dann kann man hunderte Menschen in den Parks sehen, wie sie unter den Kirschbäumen sitzen und picknicken.

02. Januar 05

Ausruhen

von Gunda

Der folgende Tag war dem Wohlfühlen gewidmet, das wir nach der ganzen Feierei auch sehr nötig hatten. Ein bischen haben wir noch unsere Einrichtung erweitert, aber ansonsten nur gespielt und es uns gutgehen lassen.

01. Januar 05

Frostbeulen am Schrein

von Gunda

Wieder hatten wir Sonne, aber es war in der Nacht noch sehr kalt gewesen und der letzte Schnee schmolz ein bischen vor sich hin.

Zuallererst wollten wir zum Neujahrsempfang des Kaisers gehen. (Der hat in Thomas jetzt einen neuen Fan.) Das haben wir leider verpaßt, weshalb Thomas erstmal Mühe hatte, bei Laune zu bleiben. Das wollten wir durch ein gutes Essen etwas beschleunigen, was gar nicht so einfach war. Denn tatsächlich hatten in Tokyo, wo sonst die Läden auch Samstags und Sonntags immer bis spät am Abend geöffnet sind, auch viele Restaurants an diesem Tag geschlossen. Wir haben es trotzdem geschafft, anständig satt zu werden und sind dann zum Meiji-Schrein, dem wohl bekanntesten Schrein Tokyos, gefahren. Ursprünglich wollten wir uns einfach nur das grandiose Schauspiel ansehen, wie tausende von Tokyotern sich am Schrein versammeln, um ihren Neujahrsbesuch abzustatten. Aber Zaungast zu sein ging nicht; wir wurden einfach in die wartende Menge integriert. Eines muß man den Japanern lassen: Wenn es um große Menschenansammlungen geht, sind sie erstaunlich gelassen und diszipliniert. Da standen wir also mehrere Stunden im Kalten, und der hellgraue Schlamm fing an, sich über meine Schuhe und Hosenbeine zu verteilen. Ich konnte meine Füße und Hände zum Schluß kaum noch spüren und bin mir auch immernoch nicht ganz sicher, ob sich das wirklich gelohnt hat. Jedenfalls kamen wir in Etappen vorne an einem riesigen Tuch an, auf das die Leute über die Köpfe der absperrenden Polizisten hinweg (die deshalb einen Helm mit Visir trugen) ihr Geld warfen, sich schnell verbeugten und in die vorgegebene Richtung weggingen. Und weil wir dann ja sowieso daran vorbeikamen, nahmen wir auch noch einen glückbringenden Zierpfeil (s. Fotos) mit. (Wer weiß; vielleicht hilft der ja…)

Nach nochmaligem Essen wollten wir dann noch eine festlich beleuchtete Straße, das „Millenario“, an seinem letzten Tag bewundern. Also fuhren wir wieder zurück Richtung Kaiserpalast und wurden im Bahnhof Zeugen davon, wie gerade die dazugehörigen Hinweisschilder abmontiert wurden. Wir ließen uns nicht beirren und liefen durch den kalten Abend dort hin, um eine spärlich beleuchtete Straße mit den entsprechenden ausgeschalteten Vorrichtungen anzufinden. – Wieder was verpaßt…

Dann war auch schon der Tag für uns um, und wir fuhren nach Hause.

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