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01. Januar 05

Frostbeulen am Schrein

von Gunda

Wieder hatten wir Sonne, aber es war in der Nacht noch sehr kalt gewesen und der letzte Schnee schmolz ein bischen vor sich hin.

Zuallererst wollten wir zum Neujahrsempfang des Kaisers gehen. (Der hat in Thomas jetzt einen neuen Fan.) Das haben wir leider verpaßt, weshalb Thomas erstmal Mühe hatte, bei Laune zu bleiben. Das wollten wir durch ein gutes Essen etwas beschleunigen, was gar nicht so einfach war. Denn tatsächlich hatten in Tokyo, wo sonst die Läden auch Samstags und Sonntags immer bis spät am Abend geöffnet sind, auch viele Restaurants an diesem Tag geschlossen. Wir haben es trotzdem geschafft, anständig satt zu werden und sind dann zum Meiji-Schrein, dem wohl bekanntesten Schrein Tokyos, gefahren. Ursprünglich wollten wir uns einfach nur das grandiose Schauspiel ansehen, wie tausende von Tokyotern sich am Schrein versammeln, um ihren Neujahrsbesuch abzustatten. Aber Zaungast zu sein ging nicht; wir wurden einfach in die wartende Menge integriert. Eines muß man den Japanern lassen: Wenn es um große Menschenansammlungen geht, sind sie erstaunlich gelassen und diszipliniert. Da standen wir also mehrere Stunden im Kalten, und der hellgraue Schlamm fing an, sich über meine Schuhe und Hosenbeine zu verteilen. Ich konnte meine Füße und Hände zum Schluß kaum noch spüren und bin mir auch immernoch nicht ganz sicher, ob sich das wirklich gelohnt hat. Jedenfalls kamen wir in Etappen vorne an einem riesigen Tuch an, auf das die Leute über die Köpfe der absperrenden Polizisten hinweg (die deshalb einen Helm mit Visir trugen) ihr Geld warfen, sich schnell verbeugten und in die vorgegebene Richtung weggingen. Und weil wir dann ja sowieso daran vorbeikamen, nahmen wir auch noch einen glückbringenden Zierpfeil (s. Fotos) mit. (Wer weiß; vielleicht hilft der ja…)

Nach nochmaligem Essen wollten wir dann noch eine festlich beleuchtete Straße, das „Millenario“, an seinem letzten Tag bewundern. Also fuhren wir wieder zurück Richtung Kaiserpalast und wurden im Bahnhof Zeugen davon, wie gerade die dazugehörigen Hinweisschilder abmontiert wurden. Wir ließen uns nicht beirren und liefen durch den kalten Abend dort hin, um eine spärlich beleuchtete Straße mit den entsprechenden ausgeschalteten Vorrichtungen anzufinden. – Wieder was verpaßt…

Dann war auch schon der Tag für uns um, und wir fuhren nach Hause.

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