Vorstellungsgespräch
von Gunda
Der Mensch von der Sprachenschule für Englisch hatte sich am Freitag dann doch noch gemeldet und mir einen neuen Termin für ein Vorstellungsgespräch gegeben.
Das fing damit an, dass der Filialleiter angesichts meines englischen (!) Curriculum Vitae, das ich ihm per Mail geschickt hatte, meinte: „I could not understand this. Is it perhaps written in german?“
Dann hat er mir einen Arbeitsplatz angeboten, zu dem ich EINE Strecke ZWEI Stunden brauche, um manchmal vier, manchmal aber auch nur zwei Stunden zu unterrichten. Die Leute waren ziemlich unter Zeitdruck und ich war die einzige Bewerberin. Irgendwer war plötzlich abgesprungen. Das mit den zwei Stunden sollte ein paar Monate so gehen. In der Zwischenzeit wollten sie extra meinetwegen eine geschlossene Filiale aufmachen, zu der ich dann 80 Min.brauchen würde. Dann sind wir da hin gefahren, wo ich anfangs arbeiten sollte. Das war ein winziger versiffter Raum in einem durchgerosteten Container, der sich wiederum in einem Dorf befand. In dem Raum saßen fünf völlig übermüdete Kinder mit einer mäßig engagierten Lehrerin rum. Also habe ich mich auf dem Rückweg gegen den Job entschieden. Ausserdem hätte ich dann an den folgenden zwei Tagen, wovon der folgende ein Feiertag (Tag des Dankes an die Arbeiter) war, zur Schulung nach Tokyo gemußt, und wir hatten schon Pläne für den Feiertag. Dann war plötzlich im Zug der Akku meines Handys leer; ich sollte den Herrn von der Sprachschule aber anrufen. Also habe vom Bahnhofs-Telefon in Arakawaoki im letzten Moment da angerufen und abgesagt. Als ich zu Hause ankam, hat der Mensch nochmal angerufen. Er hätte mit der Zentrale telefoniert. Sie würden mir einen Stundenlohn für die Fahrt zahlen und ich könnte vielleicht nur einen Tag zur Schulung und bräuchte auch erst anzufangen, wenn sie die 80-Minuten-Filiale aufgemacht haben. Ich habe trotzdem am nächsten Tag abgesagt. Ich wollte einfach nicht unter diesen Umständen als vorgegaukelte „english native“ unterrichten.
Stattdessen habe ich mich am nächsten Tag bei allen größeren Sprachschulen der Umgebung, die Deutsch anbieten, als Lehrerin beworben.


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