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« Oktober 2004 | Start | Dezember 2004 »

30. November 04

Gesundes

von Gunda

Unser Gemüse kaufe ich neuerdings in einem kleinen Fahrradladen. Gemüse ist hier unheimlich teuer; seit den Taifunen, die mit ihrem Regen auf den Feldern viel verschimmeln lassen haben, erst recht. (Essen gehen ist viel billiger, als selber zu kochen.) Der Besitzer des Fahrradladens verkauft das so nebenbei, und das Gemüse ist billiger. Bei meinem ersten Einkauf dieser Art wollte er gleich ein längeres Gespräch mit mir anfangen, was an meinen Sprachkenntnissen scheiterte, und mich zu einem Tee einladen.

Hier gibt es im Fernsehen Werbung für „dokta-suisosui“, eine Packung mit kleinen Fels-Stangen aus Deutschland (drei Stück für umgerechnet schlappe 130 Euro). Die soll man ins Wasser legen, um es irgendwie „aufzuladen“. Dann kann das Wasser angeblich heilen. Der Stein stammt von einem Berg, in dem sich eine Heilquelle und nebendran ein Kurhotel befindet, das daran bestimmt ordentlich verdient. Den Beweis für diese „Heilkräfte“ treten wechselweise eine ältere Dame und eine Blume an, die beide angeblich dann langsamer welken. Dazu gibt es noch Interviews mit begeisterten deutschen Kurgästen, die japanische Untertitel haben. – Der Leiter des Kurhotels gibt sich bescheiden bei der Erwähnung des Wortes „Wunder“. Immerhin… Aber: Wenn die Deutschen solche tollen Möglichkeiten haben und die Japaner nicht; warum haben die Japaner dann die durchschnittlich höhere Lebenserwartung und sind im Alter einfach fitter?

Power Rangers

von Thomas

F1000172Nach dem Sprachkurs war der ganze Platz vor dem Gebäude von einem Filmteam
F1000171 besetzt worden und irgendwo liefen Typen in komischen Kostümen rum, die mich irgendwie an diese dämliche "Power Rangers" Serie erinnerten, die vor ein paar Jahren mal im deutschen Fernsehen lief...

29. November 04

Adventsdekoration

von Gunda

Ich habe versucht, unsere Wohnung adventlich zu dekorieren. Ehrlich!

Also bin ich in den nahegelegenen Bastelladen gegangen und habe mir angeguckt, was die so an Weihnachtsschmuck hatten. Dabei habe ich erstmal einen mittleren Kitsch-Anfall bekommen. Das, wovon ich dachte, es ginge noch, stellte sich meist als die Rückseite von etwas besonders Kitschigem heraus. Neidisch habe ich auf die kunstvolle, völlig unkitschige japanische Neujahrsdekoration daneben geguckt und beschlossen, unsere Deko selber zu produzieren. Also habe ich mich mit Silberdraht, Stoffband und einigen erstaunlich unkitschigen silbernen Sternen (Die waren wohl dazu gedacht, um noch verziert zu werden.) wieder auf den Weg nach Hause gemacht und trotzdem eine Menge Geld in dem Laden gelassen. Thomas hat auch noch einen Beitrag geleistet, indem er einen roten Weihnachtsstern im Topf gekauft hat. Na, wenigstens ist die Wohnung jetzt nicht so vollgestopft. Das ist mir sowieso lieber. Und wenn dann noch das Paket mit dem Adventskranz kommt, den wir Mitte Dezember auf unseren dann hoffentlich schon gekauften Eßtisch stellen, weihnachtet es vielleicht schon ein bischen mehr.

28. November 04

Ausflug

von Gunda

Sonne, ca. 14°C.

Eigentlich wollten wir nun endlich nach Nikko fahren, um das rote Laub des japanischen Ahorns zu bewundern. Also sind wir schon um 5 h aufgestanden. (Wir sind ja doch noch lernfähig…) Nur noch schnell zum Bankautomaten, um den Tag finanzieren zu können und dann los. Tja, da hatten wir wohl übersehen, daß alle Bankautomaten (auch der im 24-Stunden-Supermarkt) erst aufmachen, wenn die Bank auch aufmacht, also um 9 h. Nachdem wir ungläubig alle Automaten um den Bahnhof herum ausgetestet hatten, sind wir frustriert nach Hause gegangen, um uns bis 9 h ein Ausflugsziel in unserer Nähe zu suchen. So sind wir dann, später als geplant, aber immernoch früh genug, zu den Fukuroda-Wasserfällen aufgebrochen, zu denen Japans größter Wasserfall gehört.

An unzähligen Buden mit gegrillten Schleimbällen und kleinen Fischen, sowie Souvenirs entlang und durch einen langen Tunnel hindurch sind wir dann am Wasserfall angekommen, der den Brasilien-verwöhnten Thomas nicht so sehr beeindruckt hat, aber trotzdem sehr schön war (s. Fotos). Zum Glück waren auch nicht so viele Leute unterwegs. In Nikko wäre es bestimmt voller gewesen.

Auch hier war das Laub rot. Wir sind über eine lange Hängebrücke zum Rundweg gelangt, der uns über den Gipfel eines Berges und eine kleine Schrein-Anlage wieder zurück zum Bahnhof führen sollte. Der Aufstieg bestand aus schier endlosen Treppen, deren Stufen kaputt, steil und schief waren; das Geländer war an manchen Stellen Attrappe, an anderen gar nicht mehr vorhanden. Leider war ich ziemlich kurzatmig, weil mich Thomas’ Erkältung jetzt auch erwischt hatte. Das Ganze war bis zum Gipfel eine Tortour. Allerdings entschädigen mich die Fotos, die ich unterwegs gemacht habe, immernoch dafür.

Frustrierend war für mich nur, daß wir ab und zu mal von absolut fitten alten Leuten überholt wurden, die keine Anzeichen von Ermüdung zeigten und uns zu allem Überfluß auch noch freundlich grüßten. („Ganbatte kudasai!“)

Unterwegs klingelte dann plötzlich Thomas’ Handy. Seine Tante wollte uns alles Gute für die Adventszeit wünschen. Das war schon etwas schwer zusammen zu bekommen: Sonne auf dem Berg, herbstliche Blätter in Japan und dann Adventsgrüße aus Deutschland. – Wir haben noch eine ganze Weile über die komische Situation gelacht.

Der Schrein war ziemlich neu und doch eher sehr klein, was ich ein bischen schade fand. Dafür war der Weg nach unten ganz in Ordnung und hatte nur wenig Treppen. Buchstäblich in letzter Minute sind wir unten angekommen; auf den letzten Metern war es doch schon ziemlich dunkel…

Auf dem Rückweg hat mich in der Bahn dann die Erkältung so richtig gepackt, und ich hing mit Schüttelfrost und Fieber rum. Um diesem Erkältungskreislauf endlich ein Ende zu bereiten (Ich war hier nur die ersten paar Tage ohne Erkältungssymptome.), habe ich dann gleich auf dem Rückweg ein Medikament dagegen besorgt. Trotzdem war der Tag sehr schön und erfüllt.

27. November 04

Deutsche in Tokyo, Advent und Weihnachten

von Gunda

Sonne, 14-16°C.

Die Adventszeit um uns herum fing schon Anfang November in den Kaufhäusern und Geschäften, an den Bahnhöfen und Plätzen von Tokyo an. Überall hingen grinsende Schneemänner mit der Aufschrift „let it snow“ (In Tokyo schneit es fast nie!), dicke Weihnachtsmänner und bunte blinkende Lämpchen, die an die USA erinnerten, aber an Kitsch noch eins draufsetzten. Dazu durfte natürlich das amerikanische Weihnachts-Pop-Gedudel nicht fehlen. Ich hätte das wohl alles als „kulturelle Eigenheit“ so stehenlassen können, wäre es nicht so offensichtlich kopiert und dazu noch so für mich seelenlos gewesen. In einem Land mit ca. 2% Christen verkommt Weihnachten zum kommerziellen Spektakel. Und die Art von Kommerzialität, über die ich mich in Deutschland schon oft geärgert habe, wird angesichts dieser hier zur Lapalie. Hier ist Weihnachten dazu da, um Parties zu feiern und / oder Winterurlaub im Schnee zu machen, und das „Fest der Liebe“ wird hier so wörtlich genommen, daß Weihnachten ein guter Anlaß zu sein scheint, eine Partnerschaft zu beginnen (oder den Partner zu wechseln). Um nichts anderes geht es auch im diesjährigen Weihnachts-Kinofilm „Lasto Chrismasu“, der begleitet wird von dem bekannten Pop-Song „Last Christmas (… I gave you my heart, but the very next day, you gave it away.)”.

Jedenfalls hat nichts, aber auch gar nichts hier mit dem christlichen Fest zu tun. Weihnachten besteht aus kitschigem Schmuck, dazugehöriger Musik, Plastik-Weihnachtsbäumen, Rentieren und Schneemännern. Zusammen mit dem herbstlichen Wetter hat das bei mir zunächst eher eine Art „Weihnachts-Unmut“ ausgelöst, und ich habe mich eher vor dem näherrückenden Fest gegraust, als mich zu freuen.

Andererseits bin ich ins Grübeln gekommen: Bin ich nicht selbst für mich und meine Weihnachtsstimmung verantwortlich? Warum sollten andere für mich ein Gefühl erzeugen müssen? Und: Es ist eine Chance für Thomas und mich als Paar, herauszufinden, wie wir uns ein gemeinsames Weihnachten (zum ersten Mal ohne Eltern) vorstellen.

So weit zur Vorgeschichte.

Um unseren „Advents-Quotienten“ (AQ) etwas zu erhöhen, sind wir also am Samstag auf den Adventsbasar der deutschen evangelischen Gemeinde Tokyo gefahren. Dort wollten wir einen Adventskranz und Gebäck kaufen, um Sonntag den Advent stilecht beginnen zu können. Am Vorabend hat uns Thomas’ Mutter dann am Telefon durch Winken mit dem ganzen Gartenzaun von den Kranz-Plänen abgebracht; ein Paket sei unterwegs… Natürlich sind wir trotzdem hingefahren und waren dann ganz froh, keinen (ungeschmückten) Kranz (ohne Kerzen) für ca. 20 Euro kaufen zu müssen. Auch von einem Bund (zwei Zweiglein) Tannengrün für ca. 10 Euro haben wir Abstand genommen. Leider gibt es hier kaum Tannen, weshalb man auch nirgends was unauffällig mitgehen lassen kann. Also haben wir uns mit dem Kauf eines nürnberger Christstollens, ebensolchen Lebkuchen und einer Kerze, sowie mit dem Verzehr von Erbsensuppe und einer Waffel begnügt. Aus dem Gemeindehaus klangen Adventslieder live vom Klavier, und eigentlich war alles wie in Deutschland. Da ist mir erst so richtig bewußt geworden, wie sehr ich die regelmäßigen Gottesdienstbesuche, vorallem in der Adventszeit vermisse, und ich habe ziemliches Heimweh bekommen. Thomas hatte zwar immer vorgeschlagen, wir könnten in einen englischsprachigen Gottesdienst bei uns in der Nähe gehen und mal einige der Treffen von ausländischen Wissenschaftlern besuchen; aber das ist eben nicht das Gleiche, und ich möchte mich auch nicht immerzu unter Wissenschaftlern aufhalten.

Trotzdem das für mich kein Ersatz ist, werden wir doch versuchen, im Advent in eine der naheliegenden Gemeinden zu gehen. Eine Fahrt nach Tokyo kostet uns immerhin (hin und zurück) ca. 20 Euro…

Anschließend haben wir dann endlich unseren Luftentfeuchter erstanden und sind sehr zufrieden damit.

25. November 04

Tiere um uns

von Gunda

Also, da wären zunächst erstmal die Tauben unserer Hausbesitzer, die jeden Morgen ihre Runden über dem Haus drehen.

Dann gibt es noch die Nachbars-Hunde. Wir scheinen für Hunde irgendwie sehr anders zu riechen, als Japaner das tun. Jedenfalls rasten Hunde regelmäßig aus, wenn wir auch nur in einiger Entfernung auftauchen. Sowas habe ich in Deutschland noch nie erlebt. Diese Hunde vom Nachbarn sind ziemlich groß (mindestens drei Stück) und könnten ohne Probleme über den Zaun springen, was sie aber aus irgendwelchen Gründen nicht tun. Nur einmal, als die Besitzerin das Gartentor aufgemacht hat, um zum Haus zu gehen, ist ihr einer entwischt und mir hinterhergerannt. Der war so kopflos, daß er noch nichtmal auf das Rufen von Frauchen reagiert hat. Da hatte ich schon ziemliche Angst. Auf den letzten irre lauten Schrei hat er dann zum Glück doch gehört… Wenn ich vorbeigehe, bellen die Hunde auch inzwischen nicht mehr. – Bei Thomas schon.

Es gibt hier auch Hunde, die immer anfangen zu jaulen, wenn ein Auto mit Sirene (Feuerwehr oder Polizei) vorbeifährt. Das passiert ziemlich oft, denn schließlich ist hier eine Feuerwehr-Station in der Nähe.

Wenn es gerade dunkel geworden ist, fangen die Fledermäuse an, zu fliegen. Die sind sehr zutraulich und fliegen einem manchmal (selten) ganz dicht am Kopf vorbei. Ich habe sogar einen Nachbarn dabei gesehen, wie er nach einer geschlagen hat, wie nach einer lästigen Fliege.

Die Spatzen sehen hier aus wie überall, machen aber, zusammen mit mir unbekannten Vögeln, Geräusche, wie meine Wellensittiche, die ich hier sehr vermisse.

Und dann gibt es noch die Tiere in unserer Wohnung: Das Bade-Schwein, das wir zum Abschied von Ortrun und Aleks bekommen haben, Thomas’ Stofftiere und der Griff (mit Schloß) von unserer Toilettentür, der von innen aussieht, wie eine Ente.

23. November 04

Feiertag

von Gunda

Der Feiertag verlief dann doch noch anders als erwartet. Statt nach Nikko zu fahren, wo die Laubfärbung jetzt besonders schön sein sollte, war Thomas krank (eine fette Erkältung mit Fieber usw.). Also blieben wir zu Hause.

22. November 04

Vorstellungsgespräch

von Gunda

Der Mensch von der Sprachenschule für Englisch hatte sich am Freitag dann doch noch gemeldet und mir einen neuen Termin für ein Vorstellungsgespräch gegeben.

Das fing damit an, dass der Filialleiter angesichts meines englischen (!) Curriculum Vitae, das ich ihm per Mail geschickt hatte, meinte: „I could not understand this. Is it perhaps written in german?“

Dann hat er mir einen Arbeitsplatz angeboten, zu dem ich EINE Strecke ZWEI Stunden brauche, um manchmal vier, manchmal aber auch nur zwei Stunden zu unterrichten. Die Leute waren ziemlich unter Zeitdruck und ich war die einzige Bewerberin. Irgendwer war plötzlich abgesprungen. Das mit den zwei Stunden sollte ein paar Monate so gehen. In der Zwischenzeit wollten sie extra meinetwegen eine geschlossene Filiale aufmachen, zu der ich dann 80 Min.brauchen würde. Dann sind wir da hin gefahren, wo ich anfangs arbeiten sollte. Das war ein winziger versiffter Raum in einem durchgerosteten Container, der sich wiederum in einem Dorf befand. In dem Raum saßen fünf völlig übermüdete Kinder mit einer mäßig engagierten Lehrerin rum. Also habe ich mich auf dem Rückweg gegen den Job entschieden. Ausserdem hätte ich dann an den folgenden zwei Tagen, wovon der folgende ein Feiertag (Tag des Dankes an die Arbeiter) war, zur Schulung nach Tokyo gemußt, und wir hatten schon Pläne für den Feiertag. Dann war plötzlich im Zug der Akku meines Handys leer; ich sollte den Herrn von der Sprachschule aber anrufen. Also habe vom Bahnhofs-Telefon in Arakawaoki im letzten Moment da angerufen und abgesagt. Als ich zu Hause ankam, hat der Mensch nochmal angerufen. Er hätte mit der Zentrale telefoniert. Sie würden mir einen Stundenlohn für die Fahrt zahlen und ich könnte vielleicht nur einen Tag zur Schulung und bräuchte auch erst anzufangen, wenn sie die 80-Minuten-Filiale aufgemacht haben. Ich habe trotzdem am nächsten Tag abgesagt. Ich wollte einfach nicht unter diesen Umständen als vorgegaukelte „english native“ unterrichten.

Stattdessen habe ich mich am nächsten Tag bei allen größeren Sprachschulen der Umgebung, die Deutsch anbieten, als Lehrerin beworben.

21. November 04

wieder mal Tokyo

von Gunda

Bei schönem Wetter haben wir uns das Elektronik-Viertel (Akihabara) angesehen und uns, gemeinsam mit vielen anderen Ausländern, durchs dichte Gedränge geschoben. Besonders beeindruckend war das Gewirr von engen Gassen mit kleinen Buden, in denen man alles kaufen kann, was das Bastler-Herz begehrt. (Also eher für die Physiker-Seite von uns beiden…)

Abends haben wir uns mit den Freunden von Madoka nochmal getroffen und hatten einen sehr lustigen Abend.

20. November 04

Aufruhr im Friseur-Salon

von Gunda

Nachdem Thomas’ Baseball-Karriere (Ihm hat immernoch niemand die Regeln erklärt!) wegen Regen am Freitag buchstäblich ins Wasser gefallen ist, weil der Platz schlammig war, haben wir beschlossen, zum Friseur zu gehen. Das war dringend nötig; aber wir hatten es ziemlich hinausgezögert. Wir wußten schon, warum…

Friseure gibt es hier sehr viele. Das Problem ist nur, einen zu finden, der nicht nur Haare schneiden, sondern auch ein bischen Englisch kann. Also wollte Thomas nach Tsukuba, weil es da ja so viele ausländische Wissenschaftler gibt und es nicht so weit weg ist. Thomas hatte sich schon einen total flippigen Laden in der Nähe seiner Arbeit ausgeguckt, den wir dann nach einmal tief Durchatmen mutig betraten. Als ich die Friseurinnen mit ihren skurrilen Frisuren sah, hatte ich doch starke Bedenken, ob ich wohl hinterher genauso aussehen würde und wäre am liebsten wieder unverrichteter Dinge nach Hause gefahren; aber es gab kein Zurück mehr. Ich hatte gerade noch die Gelegenheit, mir aus einem Katalog eine Frisur rauszusuchen, die meiner vorherigen sehr ähnlich war. Denn, wider Thomas’ Erwarten, sprachen die Damen fast gar kein Englisch.

Während Thomas eingehend am Kopf und dem halben Rücken massiert wurde, ging es bei mir schon los. Kaum war meine Brille weg (Irgendwie tragen Japanerinnen kaum Brillen, sondern Kontaktlinsen oder tappen kurzsichtig durch die Gegend.), hopsten mindestens zwei Friseurinnen um mich rum. Was sie dabei untereinander sagten, konnte ich nur zum Teil verstehen. Jedenfalls fiel das Wort „kirei“ (schön) sehr oft. Mit einer hellen Haut und blauen Augen ist man hier natürlich sehr exotisch. Und wo ich in Deutschland immer Sätze wie „Sag mal, wirst du eigentlich nie richtig braun?“ oder „Du bist so blaß heute. Geht’s dir nicht gut?“ gehört habe, ernte ich hier mit den gleichen Merkmalen Begeisterung. (Vielleicht sollte ich hierbleiben?) Später haben sie mir dann noch geradebrecht, ich sähe aus, wie eine Schauspielerin aus der Serie „24“. – Das ist eine amerikanische Serie, die ich mir daraufhin dann mal angeguckt habe. Aber außer dem Schnitt, der Augen- und der Haarfarbe ist eigentlich nichts so richtig ähnlich. Naja, sie ist halt keine Asiatin, diese Schauspielerin. Vielleicht reicht das schon. Manche Deutsche finden ja auch, daß alle Japaner gleich aussehen…

Thomas wurde dann noch mit Hilfe eines Notizblocks gefragt, ob er Musik mag und welche. Ach, und natürlich wurden wir nach unserer Nationalität gefragt, wobei die Antwort hier oft Anerkennung auslöst. (Dabei können wir ja gar nichts dafür.) Deutschland ist bei Japanern nach wie vor sehr beliebt. Und zuerst denken immer alle, man sei Amerikaner. Jedenfalls waren wir hinterher mit dem Frisur-Ergebnis sehr zufrieden und sind erstmal essen gegangen.

19. November 04

endlich ein Bett!

von Gunda

Bei strömendem Regen haben wir im nahegelegenen Kaufhaus ein Futon gekauft und nach Hause transportiert. – Zum Glück sind die Japaner wahre Verpackungskünstler, sodaß das Ganze weder zu unhandlich noch zu naß war.

Unser einziges Problem: Das Schlafzimmer ist feucht. Wenn wir nicht wollen, daß Bett und Kleidung verschimmeln, brauchen wir einen Luftentfeuchter, denn im Sommer wird es erst so richtig feucht.

17. November 04

Job-Hoffnungen

von Gunda

Zitate aus Mails:

23.9.2004
"Ja! Und jetzt hab ich auch noch zwei ungeahnte Asse im Ärmel: 1) ein Kollege aus dem JDZB, der jetzt in der Deutschen Botschaft arbeitet und meint, es gäbe sehr viel zu tun. 2) die Mutter einer Freundin, die in ner Uni inTokyo arbeitet."

13.11.2004
"(Wenn alles klappt, bin ich ab uebernaechster Woche Englischlehrerin fuer Kleinkinder. - Na, besser als gar nichts... ;-) ) "


17.11.2004
"Also, die Leute, mit denen ich bisher da zu tun hatte, konnten alle mehr schlecht als recht Englisch. Als quasi-native-speaker eingestellt zu werden finde ich auch immernoch komisch, was mein Vertrauen in das Konzept nicht gerade stärkt. Ich hab auch nicht genug Sicherheit, weswegen ich das anfangs auch gar nicht machen wollte. Aber es wäre jetzt mal ganz gut, eigenes Geld zu haben, und das steht jetzt im Vordergrund. - Seufz!"

nächtliche Katastrophe

von Gunda

Wir wollten uns gleich nach dem Einzug erkundigen, wo hier das nächste Krankenhaus ist, das nachts offen hat. Die meisten sind nämlich privat und ab abends zu. Egal, ob man einen Notfall hat, oder nicht. Und nen Notarzt, den man rufen kann, gibts offenbar auch nicht.

Ich hatte also einen richtig starken Migräneanfall, der einfach nicht weggegangen ist und war ganz schön verzweifelt. Vorallem, weil ich am folgenden Tag eigentlich einen Termin zum Vorstellungsgespräch hatte. Als wir schon in Jacke und Schuhen rumstanden, um uns vors nächste Taxi zu werfen, fielen mir noch die krassen Schmerztabletten ein, die ich nach der Venen-OP bekommen hatte. Die wollte ich dann doch lieber erst ausprobieren, statt mich dem ganzen Streß auszusetzen, was das Ganze ja noch schlimmer gemacht hätte. Tja, das hat dann auch geholfen, und Thomas hat am nächsten Tag mal bei der Arbeit nach nem Krankenhaus gefragt. Fürs nächste Mal, das hoffentlich nicht so bald sein wird. Na, jedenfalls mußte ich das Vorstellungsgespräch verschieben. Der Typ hat am Telefon unheimlich rumgeeiert und was von "anderen Kandidaten" erzählt, um mir letztlich zu sagen, er würde seinen Zeitplan checken und mir dann ne Mail schreiben. Weil Leute schlechte Nachrichten ungerne am Telefon überbringen und er vorher immer angerufen hatte, sehe ich da wenig Chancen, daß ich noch was kriege.

Dann habe ich mich noch bei einer großen Sprachenschule, die Deutsch anbietet, beworben und warte noch auf eine Antwort.

Inzwischen sind wir, dank der Alien-Mailingliste, bzgl. Krankenhäusern auch etwas schlauer. Fast jedes Krankenhaus hat einen Emergency-Room, der auch nachts offen ist. Es scheint noch mehr Leute zu geben, die öfter mal nachts ins Krankenhaus müssen. Jedenfalls scheint eins hier in relativer Nähe zu uns recht gut für sowas zu sein.

16. November 04

immermehr zu Hause

von Gunda

Zuerst kam der Mann von Yamato Transport mit unseren Seekisten. Thomas stand also wichtig mit der Checkliste im Zimmer, während der Mann ganz vorsichtig zuerst unseren Boden mit Pappe ausgelegt und schließlich die Kisten draufgestellt hat. (Ganz im Gegensatz zu dem deutschen Möbelpacker in Berlin, der unsere mit „Fragile“ bezeichneten Kisten einfach in seinen Laster geschmissen hat.) Thomas durfte jede Kisten-Nummer abhaken, als es auch schon wieder an der Tür klingelte und die Internet-Techniker vor der Tür standen. Die guckten sich kurz das Modem an und fingen gleich an zu lachen, denn die Fernseh-Techniker vom letzten Besuch hatten schlicht und einfach vergessen, das Modem einzuschalten, weshalb bei uns natürlich das Internet nicht zu funktionieren schien. Nach einigem Hin und Her klappte dann alles ganz ohne neues Kabel. Inzwischen war der Transport-Mensch auch schon verschwunden, und so hatten wir nach relativ kurzer Zeit den Rest unseres Orga-Zeugs fertig und damit den Grundstein zu einem halbwegs vollständigen Haushalt gelegt.

Thomas ging zur Arbeit, und ich fing an, einige der Kisten auszupacken. Das heißt, ganz so einfach war das nicht, und ich habe auch nicht sofort damit angefangen.

Da standen also die Kisten, die ich zum letzten Mal in unserem berliner Wohnzimmer gesehen hatte, und wirkten so fremd und unwirklich hier in Japan, in einer Wohnung, in der wir ein ganz anderes Leben führen und doch immernoch die gleichen Menschen sind. – Es wäre wohl leichter gewesen, krassere Schnitte zu machen…

Ich habe nicht gleich angefangen mit dem Auspacken, weil ich Angst hatte, angesichts der ganzen Sachen, die wir von zu Hause mitgenommen hatten, und die mich zum Teil schon sehr lange begleitet haben, Heimweh zu bekommen. Als ich mich dann daran gemacht habe, die Kisten zu öffnen, war es auch ein bischen so: Ich habe mich daran erinnert, welchen Platz die Sachen zu Hause hatten, wo sie hingehörten und was ich vielleicht vergessen hatte, einzupacken. Hier waren unsere Möglichkeiten, Dinge zu verstauen, andere, und ich mußte für alles erst einen Platz suchen. Die vertrauten Dinge wirkten so fremd in einer Wohnung, die aber auch schon ohne diese Dinge vertraut geworden war.

Vielleicht habe ich zu viel darüber nachgedacht; aber am Ende des Tages war ich doch etwas durcheinander.

Inzwischen haben die Sachen fast alle ihren Platz, und ich habe mich daran gewöhnt. Letztlich sind sie doch ein Stück Zuhause, das mit uns hierher gekommen ist.

Lustig war auch das Auspacken am Abend zusammen mit Thomas. Irgendwie hat sich in unserem Gedächtnis der Inhalt der Kisten innerhalb dieser zwei Monate, die sie unterwegs waren, ziemlich verändert. Jedenfalls gebrauchten wir oft Sätze, wie „Wo ist denn … ?“ - „Was? Das hast Du gar nicht eingepackt?“ oder „Huch, das hab ich auch mitgenommen?“ Jedenfalls haben wir jetzt Dinge hier, die wir nicht brauchen werden (z.B. Backblech und Kuchenformen, weil wir keinen Ofen haben) und Dinge, die wir ein bischen vermissen. Aber das wäre wohl immer so gewesen…

Da sich inzwischen schon so einiges eingependelt hat und wir so eine Art Alltag (Thomas mit seiner Arbeit, ich mit dem Haushalt und der Jobsuche) haben, werde ich nicht mehr jeden Tag beschreiben. (Sonst wird es auch einfach zu langweilig…)

15. November 04

Vorbereitung

von Gunda

Regen und ca. 15°C!

Weil am nächsten Tag das Chaos in Form von Technikern und Möbelpackern ausbrechen sollte, habe ich den Tag genutzt, um Platz für die Kisten zu schaffen und etwas sauber zu machen.

Am Morgen kam dann auch der Anruf von der Sprachschule, deren dritte Filiale mich für Mittwoch zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen hat. Ich werde da ca. anderthalb Stunden (eher zwei) hin brauchen und habe mir schon ewig viele Varianten überlegt, was man in der vielen Fahrzeit alles machen könnte, falls ich den Job kriege. Wenn ich Japanerin wäre, würde ich mich wahrscheinlich in der ersten Stunde schminken und in der zweiten Stunde schlafen (oder umgekehrt). Das ist jedenfalls das, was man hier so in der Bahn beobachten kann. Ich könnte auch noch ne halbe Stunde Mails am Handy schreiben, das würde wohl auch noch durchgehen.

14. November 04

Ausflug

von Gunda

Bedeckter Himmel und kühl (ca. 15°C).

Ideal für einen Ausflug, den wir erst spontan morgens im Bett geplant haben und für den es da natürlich schon etwas zu spät war. Irgendwie haben wir uns noch nicht so daran gewöhnt, daß die Züge hier in jedem Kaff halten und man deshalb um einiges länger für die gleiche Strecke braucht, als in Deutschland. Und um 17 h ist es ja hier schon richtig dunkel. Da hat man gar nicht so viel Zeit, was bei Tageslicht anzustellen, wenn man auch noch ausschlafen will. Also sind wir erst am Mittag losgefahren und bei einbrechender Dämmerung am Pazifik angekommen, in Isohara. Ein bischen konnten wir doch noch sehen (und fotografieren) und die Wellen genießen bis es ganz dunkel war. Im Dunkeln fanden wir dann auch noch hübsche Hotels und heiße Quellen, auf denen natürlich immer ein Haus stand, das Eintritt haben wollte. Aber das heben wir uns für den Winter auf. Jedenfalls haben wir beschlossen, nochmal da hin zu fahren, dann aber früher loszukommen und Badezeug mitzunehmen.

Abends haben wir am Bahnhof von Isohara Nudeln bis zum Abwinken gegessen und sind ziemlich spät zu Hause gewesen. – Bei den Nachbarn stellen wir uns dann eben später vor…

13. November 04

Inzwischen...

von Gunda

Inzwischen wird es auch hier merklich kühler. Samstag schien aber die Sonne bei ca. 17°C.

Erstmal ausschlafen.

Der erwartete Anruf kam den ganzen Tag nicht. Eigentlich hatte mich das gar nicht so sehr gewundert, denn der Mann vom Vortag hatte mich erst mit dem falschen Namen angesprochen und dann auch noch einen anderen Wohnort genannt. – Vielleicht war er in der Zeile einer Liste verrutscht und ich war gar nicht gemeint gewesen?

Weil wir ja das, was wir gemeinsam erledigen wollen, immer am Wochenende tun müssen, haben wir uns am Samstag um einen (gebrauchten) Staubsauger bemüht und „deutsche“ Süßigkeiten (Ferrero Rocher) für die Nachbarn gekauft, bei denen wir uns am Sonntag endlich vorstellen wollten. Außerdem haben wir uns noch Schlafgelegenheiten beguckt und uns nun doch für die „japanische Variante“ (Futon, aber nicht im Tatami-Zimmer, wie üblich) entschieden. (Gut ist auch, daß das Ganze nicht gebraucht ist und trotzdem recht preiswert.) Aber das muß bis Donnerstag warten. (Zum Glück ist das Kaufhaus nur 10 Min. Fußweg von uns weg.)

Auf dem Weg haben wir auch noch bei Thomas’ Arbeit vorbeigeguckt, und ich habe gesehen, daß ich ganz viele Mails bekommen habe, die ich dann aber leider auch nicht beantworten konnte, weil wir nicht so viel Zeit hatten. Trotzdem habe ich mich sehr gefreut.

Dann waren wir noch beim Italiener, weil ich schon seit Tagen Pizza essen wollte. Thomas hatte Spaghetti mit Sahnesauce, bei denen zum Schluß auf dem Teller eine riesige Pfütze flüssiges Fett übrig war.

Abends haben wir mit dem Fernseher rumgespielt, und ich habe die Süßigkeiten nett verpackt.

12. November 04

Internet, Fernsehen, Vorstellungsgespräch

von Gunda

Am Vormittag („between 9am and noon“) kamen die Leute von J-com. Erst war es nur einer. Der schloß uns ohne Komplikationen unseren (bilingualen) Fernseher ans Kabelfernsehen an und bescherte uns damit einen Decoder, viele englischsprachige Programme und eine weitere japanische Fernbedienung. (Mit deren Hilfe kann man z.B. deutsche Politiker in der ZDF heute-Sendung wahlweise Deutsch oder Japanisch sprechen lassen.)

Als es dann ans Internet ging, waren es schon zwei, die an der entsprechenden Steckdose rumwerkelten. Irgendwie hatten wir uns das zügiger vorgestellt. Thomas hatte eigentlich nur Probleme mit der Installation der japanischen Zugangssoftware auf unserem deutschen Rechner gesehen. Aber es schien irgendwie schon vorher zu haken. Als sie dann plötzlich zu dritt waren und immer raus und wieder rein rannten, wobei sie bei jedem Betreten der Wohnung ihre Schuhe auszogen und „Shitsulei shimas!“ (wörtlich: „Ich bin unhöflich.“) riefen (besonders beeindruckend bei dem mit den Gummistiefeln), kam uns dann doch schon einiges komisch vor. Zum Schluß kratzten sie ihr letztes gemeinsames Englisch zusammen, malten einige Skizzen und wollten uns schon mit „no energy“ und ohne Internet verlassen, als wir den Englisch sprechenden Kundenberater plötzlich am Firmen-Handy hatten, der sich bei Thomas ganz oft entschuldigt hat und ihm das Ganze auf Englisch erklärte. Vorher war ich aber auch fast dem Nervenzusammenbruch nahe, weil ich mich schon abgeschnitten von Deutschland und vorallem ohne das wichtigste Medium bei der Jobsuche zu Hause sitzen sah. Letztendlich ist dann herausgekommen: Die Kabel im Haus sind zu alt für Internet. Man kann etwas empfangen, aber nichts senden. Am Dienstag wollten sie wiederkommen, um neue Kabel zu legen (nur für unsere Wohnung) und uns endlich anzuschließen. Das Modem haben sie hier gelassen.

Dann wurde die Zeit aber auch schon ganz schön knapp, denn ich mußte ja zum Vorstellungsgespräch. Mir wurde artig die Firmenphilosophie vom Vordruck abgelesen, mir einige Prospekte gezeigt und erklärt, man suche eine Englischlehrerin für Kleinkinder (9 Monate bis 3 Jahre), die nach dem „Muttersprachenkonzept“ (einfach drauflos quatschen, irgendwann werden sie schon was verstehen) mit schuleigenem Material unterrichtet. Im Prinzip handelt es sich dabei wohl eher um eine Beschäftigungstherapie für bildungselitäre gelangweilte Mütter. Die sind nämlich auch anwesend und sollen dem Umgang mit den Materialien lernen, von deren Verkauf die Schule eigentlich zu leben scheint. Der Service „Muttersprachler-Unterricht“ bedeutet also: Sie engagieren im besten Fall einen englischen Muttersprachler (im schlechtesten Fall eine Deutsche mit „Emergency-English“-Kenntnissen), der dem japanischen Lehrer, der auch die ganze Zeit Englisch spricht, assistieren darf. (Ähnliches hatte ich auch schon von Sprachunterricht an Schulen gehört.) Natürlich war ich sofort total „begeistert“, weil das erstmal meine einzige Chance ist. Wechseln kann ich später immernoch. Ich sollte auf einen Anruf am Nachmittag warten, der kam aber nicht. – War wohl nix.

Spät am Abend habe ich dann einen Anruf von einer anderen Filiale (inzwischen schon die dritte, zu der ich weitergereicht wurde) bekommen, sie würden mich Samstag nochmal anrufen, um alles Weitere zu besprechen.

Super Nachricht: Am Dienstag kommen unsere Seekisten! – Gleichzeitig mit den Internet-Technikern.

11. November 04

Alltag

von Gunda

Ja, den gibt es inzwischen auch hier.

10. November 04

suchen

von Gunda

Der Tag war mit Rumtelefonieren, am Telefon Vorstellen und Termine Ausmachen ganz gut gefüllt. Oft war der Anruf eher eine Enttäuschung, weil sie mich nicht wollten. Ich habe aber auch bei den Zusagen versucht zu verbergen, daß dieser Job nicht das ist, was ich machen will. Letztendlich hat es geholfen, daß Thomas meinen Lebenslauf per Mail an die eine Firma geschickt hat, und ich habe für Freitag einen Termin zum Vorstellungsgespräch bekommen. Was genau mich da erwarten würde, wußte ich nicht. Ich wußte nur, daß es sich um eine Sprachenschule handelt.

Achtung Feueralarm

von Thomas

Handy012Es gibt doch auch immer wieder unterhaltsame Ereignisse bei der Arbeit eines Physikers. Heute war es mal wieder soweit. Auf dem Programm stand eine Feuerwehruebung fuer alle Mitarbeiter. Schon vor ein paar Tagen hatte jeder einen weissen Schutzhelm bekommen, den wir im Moment das Alarms aufsetzten sollten.

Handy013_1Als es dann soweit war, schnappten sich alle ihren Helm und dann... dann wurden erstmal Photos gemacht :) Sieht ja auch schon ziemlich daemlich aus, wenn ein dutzend Leute mit 'nem weissen Helm in einem Buero rumstehen. Dann ging's aber doch los. Die Sekretaerinen trieben uns hoefflich aber bestimmt runter auf den Parkplatz vor dem Gebaeude, in dem sich mein Labor befindet. Und dann wurden.. Handy018_1Ja klar, erstmal wieder Photos gemacht. Ansonsten stellten wir uns nach Arbeitsgruppen sortiert alle auf dem Platz hin und lauschten einer fuer mich voellig unverstaendlichen Ansprache eines Sicherheitsmenschen.

Handy021Dann der Hoehepunkt: Es wurde Freiwillige fuer eine praktische Uebung gesucht. Und zwar wurde in einem Metallfass ein Feuer entzuendet, dass dann mit einem Feuerloescher geloescht werden sollte. War ein interessanter Anblick und eine prima Gelegenheit noch mehr Bilder zu machen. Leider hatte ich nur mein Handy dabei, deshalb gibt's keine guten Nahaufnahmen. Nach dem Ende der Action-Einlage ging's dann wieder ab ins Buero. Es standen schlieslich noch ein paar wirklich wichtige Dinge an...

09. November 04

Die erste richtige Messung!

von Thomas

Handy011Heute war es endlich soweit, nach vielen Uebungsmessungen mit Kida-san oder alleine, hab ich heute meine erste 'richtige' Messung gemacht. Das Ergebnis ist zwar noch nicht so berauschend, Nature wird sich kaum dafür interessieren, aber egal, ein Anfang ist gemacht!

Jobsuche

von Gunda

Sonne und immernoch frühlingshaft warm. Wenn die Sonne dann so ab 17 h weg ist, wird’s aber schon etwas kalt. (Also: Immer Jacke mit rumschleppen und abends anziehen.)

Mittags bin ich in Tokyo zum Working Holiday-Büro gegangen, das einen Job-Service für Inhaber eines Working Holiday-Visums anbietet. (Typisch Deutschland: Umgekehrt gibt es sowas nicht. Noch nichtmal eine Anlaufstelle.) Ich habe mich registrieren lassen. Alle waren sehr nett zu mir und ausgesprochene Deutschland-Fans, was das Klima zwar verbesserte, meine Job-Situation aber leider nicht. Da die Arbeitgeber auch immer die Anfahrt zur Arbeit bezahlen müssen, nehmen Anbieter aus Tokyo natürlich ungerne Leute, die so weit außerhalb wohnen, wie ich. Also war bei aller Freundlichkeit, die mir entgegengebracht wurde, der Besuch dort ziemlich ernüchternd. Was ich aber noch ernüchternder finde, ist, daß es wohl über kurz oder lang darauf hinauslaufen wird, daß ich DOCH wieder Deutsch (oder Englisch) unterrichte, was ich ja eben gerade nicht mehr tun wollte. Vielmehr hatte ich gehofft, daß mein Aufenthalt hier eine Wendung mit sich bringen würde und ich etwas tun könnte, das mir neu ist und mich dem mehr entgegenbringt, was ich in Zukunft in Deutschland machen will. Eigentlich hätte ich lieber irgendeine Büroarbeit in einer japanischen oder internationalen Firma gemacht, um dort die Kommunikation der Leute untereinander zu beobachten. Aber erstmal muß ich wohl ans Geldverdienen denken…

Entscheidend ist vorallem, daß ich endlich das Gefühl habe, angekommen zu sein und deshalb auch jetzt erst so richtig mit der Suche beginne. (Wie sagte doch eine gute Freundin ganz richtig: „Die Seele kommt nicht so schnell nach.“) Die Wohnung ist dabei schon ein ganz wichtiger Punkt, denn so haben wir beide einen Ort, den wir selbst gestalten, an den wir immerwieder zurückkehren können, an dem wir leben.

Nachmittags habe ich mich dann noch mit Madoka getroffen. Bis in den Abend hinein haben wir in einem Café intensive Gespräche geführt. Es sollte unser letztes Treffen vor ihrem Rückflug nach Berlin sein.

08. November 04

Leben einrichten

von Gunda

Wolken.

Der Mann von der Telefongesellschaft konnte wirklich NUR Japanisch. (Einen haben sie da, der berät auf Englisch am Telefon, aber nur nachmittags.) Irgendwie ging es trotzdem. Ein Festnetztelefon würde uns Unsummen an Geld kosten, weil wir erst eine Leitung „kaufen“ müßten. Deshalb bleibt es jetzt bei den Handys, obwohl es sehr teuer ist, damit in Deutschland anzurufen. (Umgekehrt kostet es, bei richtiger Vorwahl, nur ca.13 Cent / Min.) Aber dafür wollen wir ja einrichten, über den Windows-Messenger zu telefonieren. Da wir eine Flatrate haben werden, kostet uns das nichts extra und den Partner auf der anderen Seite in Deutschland kostet es nur, was er oder sie eben so für eine Internet-Verbindung bezahlt (also maximal Ortstarif).

Freitag kommt dann hier der Techniker und ab dann haben wir (hoffentlich) Internet und Fernsehen.

Nachmittags gab’s dann noch einen winzigen Erdruck, der in Niigata schon wieder Stärke 5, 5 bedeutete, bei uns aber schon SO schwach war, daß ich erst die Wasserflasche beobachten mußte, um es nicht für eine Illusion zu halten. Inzwischen habe ich mich fast daran gewöhnt und habe mich kaum bei dem, was ich gemacht habe, stören lassen.

07. November 04

Madokas Hilfe ist Gold wert!

von Gunda

Sonne und Wolken, warm.

Nachdem wir uns erst mit Madoka (die im Moment in Berlin lebt) aufgrund eines Mißverständnisses verpaßt hatten, was uns drei Stunden kostete, ging es los zum Handy-Kaufen. Das war wirklich sehr aufregend, und wir mußten, trotzdem wir uns vorher informiert hatten, immer blitzschnell die hoffentlich richtigen Entscheidungen treffen. Wir haben immer eine Frage gestellt, Madoka hat mit dem Verkäufer ein bischen diskutiert, uns was gesagt, usw. Zum Schluß hatten wir zwei Handys mit „Family-Tarif“. Das heißt, wir können uns i-mode-Mails kostenlos schicken, was wir bestimmt schamlos ausnutzen werden. Außerdem hatten wir noch Glück, weil an dem Tag ein tolles Handy für 1 Yen (ca. 1 Cent) bei Vertragsabschluß zu haben war. Das Gerät ist für japanische Verhältnisse natürlich schon veraltet, hat aber eine Kamera, Internet, Mailfunktion und eine Menge skurriler Spielerchen zu bieten. Dazu ist das Handy biligual, läuft bei uns also auf dem Englisch-Modus, womit man prima Nachrichten auf Deutsch schreiben kann. Der einzige Nachteil: Wir haben das stärkste Netz ausgewählt, haben aber, verglichen mit Deutschland, einen ziemlich schlechten Empfang, weil das Radio-Netz genutzt wird. Das Netz ist in Japan auch nicht flächendeckend. D.h., zu Hause lege ich mein Handy ans Fenster, um überhaupt Empfang zu haben, und manchmal ist der Andere mitten im Telefonat einfach weg. Naja, aber immerhin haben wir jetzt überhaupt ein Telefon und die Möglichkeit, tagsüber den Kontakt zu halten. Danach hat uns Madoka noch zu Freunden mitgenommen, wo es Essen aus Sri Lanka gab. Es war überhaupt sehr international dort (s. Fotos), und wir haben uns sehr wohl gefühlt. Vorallem aber mußten wir sehr viel von Deutschland erzählen und viele Vorurteile geraderücken.

Das Fatale war aber natürlich dieses Handy (s. Fotos), das die ganze Zeit in der Tüte wartete. Wir sind doch soooo neugierig! Mit den besten Vorsätzen, „schon“ um 24 h im Bett zu sein, fuhren wir dann abends nach Hause. „Nur kurz mal gucken“ wollten wir ja schon, und dann haben wir bis kurz vor halb vier mit den Geräten rumgespielt, bis wir fast alles kapiert hatten. (Zum Glück gab’s ne englische Anleitung dazu.)

Interessante Entdeckung: In Shinjuku kauft man mangels Supermärkten den Weichspüler in der Apotheke.

06. November 04

Ausflug

von Gunda

Sonne und Wolken.

Nachdem ich mich schon fast zum Regal-zusammenschraubenden Putz-Besorgungs-Monster mutiert gefühlt hatte, tat es ganz gut, mal die vier Wände zu verlassen und was Anderes zu sehen.

Also sind wir in den Naturpark Hakone gefahren, weil Herr Matsuura uns gesagt hatte, am Fuji seien die Bäume schon schön rot. Hakone ist für seine heißen vulkanischen Bade-Quellen (Onsen) bekannt, weshalb wir vorsichtshalber auch Badezeug dabeihatten. Leider konnte der Mann am Bahnschalter lateinische Schriftzeichen schlecht lesen, und so bekamen wir eine falsche Fahrkarte und mußten später nachlösen. Überhaupt war das Ganze ein teurer Spaß, und wir haben eine Menge Lehrgeld bezahlt. Abgesehen davo hatten wir nicht gedacht, daß die Fahrt so lange dauern würde. Wir kamen erst bei Dämmerung in Hakone an und haben dann nur ganz vereinzelt rote Bäume gefunden. Den Fuji konnte man von dem Ort, in dem wir waren, auch nicht sehen. Wir sind dann erstmal urig essen gegangen, denn wir fanden uns nach Betreten des Restaurants in einer Art vollgestopften Wohnzimmer wieder, das eine Durchreiche zur Küche hatte. In dieser Küche werkelten drei Generationen: Eine alte Frau kümmerte sich um die Gäste und ein Mann um die 60 kochte zusammen mit einer Frau unseres Alters die bestellten Gerichte. (Von dem „Wohnzimmer“ gibt es auch ein Foto.) Nachdem wir noch ein bischen rumgelaufen und mit dem „Cable Car“ gefahren waren, war es dann auch schon dunkel und für fast alles zu spät. Dafür haben wir jetzt Infos gesammelt und können den nächsten Anlauf gut vorbereitet starten.

Alles in allem war es trotzdem ein schöner und erholsamer Tag, den wir zusammen sehr genossen haben, und wir sind, nach einem kleinen Abstecher nach Tokyo, doch noch ziemlich spät zu Hause gewesen.

05. November 04

Aliens

von Gunda

Sonne.

Also haben wir uns per Fahrrad auf den Weg nach Ami-machi (Ami-Stadt) gemacht, um mich an- und Thomas umzumelden. Wir wohnen nämlich ein paar Meter hinter der Stadtgrenze. Unsere Vermieter auf der anderen Straßenseite wohnen in Arakawaoki, und wir gehören offiziell zu Ami. Da konnte man sich schon denken, daß das Amt weit weg sein würde. Abgesehen davon, daß die Leute hier in der Gegend eine Vorliebe dafür zu haben scheinen, ihre Verwaltungsgebäude mitten auf’s freie Feld zu setzten. (In Tsukuba ist das wohl genauso.) Ich kam also im doppelten Sinne des Wortes „gerädert“ an.

Wie wir vermutet hatten, löste unser fragender Blick in Kombination mit der Frage „Alien Registration?“ eine ziemliche Hektik in dem Großraumbüro aus. (Thomas: „Wir sind bestimmt die ersten Ausländer, die sich hier registrieren lassen wollen.“) Selbst ein eigens rangeschleppter jüngerer Kollege, der zwei Wörter Englisch konnte, half nicht viel weiter, bis Thomas seine „Alien Registration Card“ (eine Art Personalausweis) zückte, auf der offenbar Erhellendes stand. Immerhin führte man uns zu zwei Kolleginnen, von denen eine hochschwanger war und sich mit uns mit Hilfe eines Wörterbuches verständigen konnte. Der Rest ging dann ziemlich glatt. Jetzt sind wir zwei echte „Amis“ und ich ein „Neu-Alien“ dazu; abgesehen davon sind wir als „verlobt“ registriert und, wie sollte es auch anders sein, Thomas ist, als Mann, der Haushaltsvorstand.

04. November 04

Besorgungen 2

von Gunda

Sonne.

Nochmal zu „Joyful Honda“, wo ich schon fast wohne, mittags zu Thomas nach Tsukuba zum Essen und Fahhrad-Abholen. Ja, jetzt habe ich ein sportliches Trekking-Rad mit verrosteter Kette und zu niedrigem Lenker, auf dem mir nach 15 Min. Fahrt alles weh tut. – Für ca. 10 Euro ists aber schon in Ordnung. Dieses Rad habe ich dann auch am Nachmittag gleich dazu benutzt, um drei Spanplatten-Regale transportieren zu wollen. Zum Glück hatte mich (im gleichen Supermarkt, wo ich das Desinfektionsmittel gekauft habe) eine Verkäuferin von drinnen beobachtet und kam mir mit Schnur hinterhergelaufen. Zu zweit haben wir dann die Regale auf meinem Fahrrad festgebunden. (Klasse, was alles ohne Sprache geht…) Spätestens seit dieser Aktion bin ich im Supermarkt bekannt.

03. November 04

Besorgungen

von Gunda

Sonne.

Da fehlten dann doch noch einige Kleinigkeiten, die man so zum Leben braucht. Die wollten natürlich auch erstmal gefunden werden. Immerhin gibt es nicht allzu viele Läden in der Gegend (naja, mehr als in Rudow) und alles organisiert sich doppelt so schwer, wie in Deutschland.

Am Abend habe ich dann noch billige kleine Regale im Supermarkt entdeckt, die wir in Etappen kaufen wollten.

Training Day!

von Thomas

Heute war Feiertag in Japan (Was für einer eigentlich???) und das nutzten die Leute von meiner Arbeitsgruppe für eine Trainingsrunde Baseball. Da ich ja für das Spiel eingeladen war, aber keine Ahnung habe, wie es geht, war ich natuerlich froh über das Angebot, mitmachen zu dürfen. Ich also zum Büro gefahren und dort gewartet, daß man mich abholt. Hat auch alles geklappt. Der Platz liegt auf dem Nachbargelände, AIST-East.

Irgendjemand drückt mir eine Basball-Handschuh in die Hand und dann folgt Teil 1 des Trainnings: Ballwerfen und fangen. Alles Prima, bis mir ein Ball genau auf der Brille landet. Hab natürlich einen riesen Schreck bekommen. Brille gerade neu, Ersatzbrille noch in der Seekiste... Zum Glück war nur ein Bügel verbogen. Die Sekräterin der Nachbargruppe hat mich dann zum Optiker gefahren (Auch die haben in Japan an Feiertagen geöffnet) und nach 5 Minuten hatte ich meine Brille wieder. Sieht aus, als wäre nix geschehen...

Da Erfahrung klug macht, versuche ich es erstmal ohne Brille, als wir wieder am Ort des geschehens sind. Doch es geht einafch nicht... Ich seh' die Bälle immer erst im letzten Moment und dann ist es zu spät. Zum Glück habe ich meine Sonnenbrille dabei und da das Wetter gut ist, ist es ok... Und es es passiert dann auch nix mehr...

Dann der große Augenblick: Man drückt mir einen Schläger in die Hand und ich darf endlich das tun, was bei diesem Spiel am meisten Spaß macht, nämlich auf arme unschuldige Bälle eindreschen. Ja, wenn das mal so einfach wäre... Nach gut 10 Versuchen streift der Schläger zum ersten Mal den Ball, nach gut 50 Versuchen stehen auf der Positivliste etwa 3 Volltreffer und 10 "ich habe wenigstens den Ball getroffen"- Versuche

Aber egal, eigentlich klappt es ganz gut und ich freu mich schon auf das erste richtige Spiel. Nur etwas macht mir sorgen: Wer erklärt mir endlich die Regeln...

02. November 04

Putzen

von Gunda

Wetter? Ich glaube Sonne.

Es stimmt schon, daß die Wohnung nicht ganz meiner Vorstellung von Sauberkeit entsprach; aber irgendwie mußte ich sie mir auch ein bischen „erputzen“, sie kennenlernen und für mich einnehmen. „Putzen als eine Art Qualitätskontrolle“ hat Thomas das genannt. Wie dem auch sei, jedenfalls war ich am Abend ziemlich fertig. Erst wollte ich noch nichtmal essen gehen. Aber als wir dann an einem Tisch mit Feuerchen in der Mitte saßen und unser Fleisch darauf selbst grillten, war ich doch froh, mal aus der Wohnung gekommen zu sein.

01. November 04

Umzug!

von Gunda

Regen!

War zwar nicht Rosenmontag und auch kein großer Umzug, aber für uns war’s schon ein einschneidendes Erlebnis. Immer hinter dem Assistenten, Herrn Matsuura, her und kaum was verstehend, trafen wir erst den Makler, dann die Hausbesitzerin, die i.ü. genau gegenüber von unserem Schlafzimmerfenster wohnt. (Wir hätten uns auch ohne diese Tatsache Vorhänge angeschafft…) Vor dem Haus standen einge ganze Menge (Haus-) Frauen meines Alters rum, deren Versammlung Herr Matsuura trocken mit „morning meeting“ kommentierte. Er stellte uns kurz vor, was viele „Ooohs“ und Verbeugungen zur Folge hatte. Der Makler (nur Japanisch) und Herr Matsuura (ein bischen Englisch) haben uns dann mit der „Wohnung der 1000 Knöpfe“ vertraut gemacht, als auch schon der Gasmann kam und den Rest übernahm. Vor der Wohnung ist unsere Gasleitung in einem Metallschrank, von Herrn Matsuura mit „do not use“ betitelt (wie so einiges andere in der Wohnung auch). Wenn ein schweres Erdbeben kommt, stellt sich das Gas automatisch ab, und wir müssen nach dem Erdbeben dreimal auf den Knopf drücken, damit wir wieder Gas haben. (Gas brauchen wir hier nur zum Kochen, geheizt wird mit der Klimaanlage.) Eigentlich bin ich ganz froh über diese Sicherheitsmaßnahme. (Trotzdem stellen wir das Gas am Kocher auch immernoch extra nach Gebrauch ab.)

Dann gibt es noch die kleine Klimaanlage im Schlafzimmer und die große (und ganz neue) im Wohnzimmer. Die Anlage im Wohnzimmer hängt über dem Fenster unter der Decke und hat deshalb eine Fernbedienung mit ziemlich vielen Knöpfen, die ausschließlich in Japanisch beschriftet sind. Genauso ist es mit dem Wasserbereiter, bei dem man in Küche oder Bad die Temperatur des warmen Wassers in der Wohnung einstellen kann und ferngesteuert die Badewanne vollaufen lassen kann, bis sie automatisch stoppt.

Ach ja, und dann ist da noch der Briefkasten mit Zahlenschloß, an dem wir auch nach einer Woche immernoch rumprobieren, um dann doch die Post entnervt aus dem Schlitz zu zerren. Nach einer ausgiebigen Inspektion der Wohnung und Erstellung einer Mängelliste sind dann Thomas und Herr Matsuura einen Gaskocher kaufen gegangen. (Einen Ofen haben wir hier nicht. Ist auch nicht vorgesehen. – Kein selbstgebackener Kuchen, keine Aufläufe und Kekse und vorallem keine Muffins…)

Nachdem unsere am Samstag gekauften Möbel und Geräte angekommen waren, mit denen wir immernoch sehr zufrieden sind, ist Thomas zur Arbeit gefahren, und ich habe erstmal Putzmittel im nächsten Supermarkt erstanden, was gar nicht so einfach war. Ist schon klar, daß in einer kleinen Stadt, in der es kaum Ausländer gibt, wenig Leute Englisch können, aber ich dachte „desinfection“ würde man hier vielleicht auch benutzen, wo doch so vieles aus dem Englischen übernommen wurde. Zu allem Überfluß hielt mir die Verkäuferin dann noch mit einem fragenden Blick und „paint?“ ihren Notizblock plus Stift hin. Wie malt man Desinfektionsmittel? Wenn ich kleine böse Tierchen gemalt hätte, die aus unserem Kühlschrank kommen, hätte ich vielleicht ein Insektenvernichtungsmittel bekommen. Ich sah mich schon mit dem Lied „I can’t get no desinfection“ auf den Lippen aus dem Laden fliehen, als plötzlich eine junge Kundin ankam und nett lächelnd fragte: „May I help you?“ – Es gibt sie, die kleinen englischen Hilfen, auch hier!

Danach habe ich mich erstmal auf den Dreck in der Wohnung gestürzt, den die Putzkolonne „übersehen“ hatte. Der Boden klebte allerdings nicht vor Dreck, sondern weil offensichtlich einfach mit fast purem Putzmittel gewischt wurde, das getrocknet war und beim Kontakt mit Wasser wieder aufschäumte. – Es gab also viel zu tun.

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