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27. März 07

Nix mit Nichi-Doku

von Gunda

Nachdem unser Reiskocher mutig in der Anleitung völlig unjapanische Rezepte für Gerichte direkt aus dem Reiskocher in der Anleitung präsentierte, packte mich gestern der Mut: Ich wollte Milchreis machen.

Dazu wäre noch zu sagen, daß das für viele Japaner das Ekligste ist, was man so mit Reis anstellen kann. Am liebsten essen ihn die meisten sowieso pur zu irgendwas dazu.

Eigentlich hätte ich mir das schon denken können, daß es mit Milch Probleme geben könnte. Und während ich mich oben ganz entspannt mit der Beantwortung meiner e-Mails beschäftigt habe, ist unten der Reiskocher übergekocht und hat eine wahnsinnige Schweinerei in der Küche veranstaltet.

Ich habe hinterher eine Stunde gebraucht, um das Gerät wieder sauber zu bekommen, und zum Schluß mußte mir Thomas sogar noch beim Wiederzusammenbauen helfen.

SO weit geht die Internationalität dieses Gerätes dann nun wohl doch nicht…  ;-)

26. März 07

In the Ghetto

von Gunda

Nachdem ich neulich den Probe-Arbeitstag erfolgreich absolviert habe und Poolia mich als Praktikantin (im Gegensatz zu der ominösen Firma in Bonn) haben will, konnten wir die ganze Sucherei durch einen schönen Nachmittag mit Yoshi abschließen. Und wirklich war ich viel entspannter als ich es noch in der Bewerbungsphase gewesen wäre.

Zu diesem Zweck haben wir uns in Düsseldorf getroffen, um eine lang vermißte Nudelsuppe (Ramen) und chinesische “Maultaschen” (Gyoza) zu essen. Gekocht von Japanern im japanischen Viertel in Düsseldorf und mit weit über 50% Japanern als Gäste. Wir waren also im NaNiWa, einem Stück Japan, wie es echter in Deutschland nicht sein konnte. Während wir da saßen kam mir der Gedanke auch ganz komisch vor, wieder in Deutschland zu sein, wenn wir das Lokal verlassen. Ich war sogar SO begeistert, daß ich den Rest der Suppe, den ich nicht mehr geschafft hatte, einpacken lassen habe und den ganzen Tag mit mir herumgeschleppt habe bis wir zu Hause waren.

Leider war es Sonntag und die Geschäfte waren geschlossen. Die werden wir bestimmt nochmal genauer unter die Lupe nehmen. Es gibt sogar ein Mitsukoshi-Kaufhaus, was ich wirklich nicht für möglich gehalten hätte. (Das ist in Japan sehr berühmt.)

Alles in Allem war das ein wirklich schöner Tag, und wir waren Yoshi sehr dankbar, daß sie uns alles gezeigt hat. Natürlich wäre es auch woanders nett gewesen. Aber jetzt wissen wir, wo wir uns hinflüchten können, wenn uns mal das Japan-Heimweh packt.

Außerdem haben wir uns zum Stammtisch für junge Leute am 2.4. bei der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Bonn angemeldet und sind schon ganz gespannt.

Und noch was Neues gibt es in Richtung Japan: Samstag hat mich mein Chef von der Sprachenschule in Tsuchiura (TIA) angerufen. Nach einigen Plaudereien hat er mir eröffnet, daß er mich gerne als Online-Lehrerin für Deutsch hätte.  (Darüber hatten wir noch in Japan mal kurz gesprochen.) Zwar wird das bestimmt nicht einfach mit den acht Stunden Zeitverschiebung und den 40 Std./Woche Praktikum; aber einen Versuch ist es wert. Und schließlich ist es auch eine tolle Chance. Und natürlich DIE Gelegenheit, auch beruflich in Kontakt mit Japan zu bleiben.

Komisch fand mein Chef vorallem, daß wir Japan nach unserer Rückkehr nicht völlig abgehakt haben, sondern uns im Gegenteil immer mehr Anknüpfungspunkte in Deutschland suchen. Erstaunt war er auch darüber, daß man Ramen in Deutschland essen kann und vermutete dann gleich, daß die bestimmt nicht echt wären. Als ich dann erklärte, daß alles aus Japan importiert wäre und von Japanern gekocht werden würde, die in Deutschland leben, fand er es wohl NOCH skurriler, daß es Japaner gibt, die dauerhaft in Deutschland leben wollen. Aber das kenne ich auch schon von anderen Japanern. Und Yoshi meinte dazu ganz passend, daß es bestimmt auch viele Deutsche gibt, die sich nicht vorstellen können, daß ihre Landsleute dauerhaft im Ausland leben wollen.

Letztlich haben wir eben doch alle unsere Tellerränder…

19. März 07

Zivilisationsbotschafter

von Gunda

Inzwischen habe ich mich schon daran gewöhnt, eine Art "Botschafterfunktion" zu haben. Auch, daß eher offizielle Gespräche plötzlich zu Aufklärungsplaudereien werden, wenn mein Gegenüber erfährt, daß wir in Japan gewohnt haben, wird schon normal.

So auch neulich beim Arzt. Das Rezept war längst ausgestellt; ich hätte eigentlich gehen können. Da wurde ich plötzlich mit Fragen überhäuft. Dabei sollte man meinen, daß Ärzte ja doch eine gewisse Allgemeinbildung mitbringen. Der Herr mir gegenüber disqualifizierte sich aber mit folgender Bemerkung: "Ich war mit meiner Frau anläßlich einer Konferenz in Kyoto und war doch sehr erstaunt, daß man sich in Japan durchaus so fühlt, wie in einem zivilisierten Land."

Hilfe!!! Was sollte denn DAS???
Lieber Herr Doktor, wegen meines Schocks konnte ich neulich nicht recht antworten, was ich jetzt hiermit nachhole: Japan hatte schon eine zivile Kultur, als wir Deutschen noch quasi auf den Bäumen gehockt, zumindest aber barbarisch übereinander (und über andere) hergefallen sind.

14. März 07

White day und so...

von Thomas

Heute war "White day" in Japan und darum gab es heute weiße Schokolade von mir für Gunda, genauso wie es vor einem Monat am Valentinstag dunkle Schokolade für mich von Gunda gab. So ist das halt, wenn man zwei Jahre dort war, manche Dinge bleiben hängen :)

Jetzt sind White day und Valentinstag natürlich nicht so ganz ernsthafte Sachen für uns (ersteres ist ja schon auch etwas skurril), aber es ist doch ganz nett und einfach eine schöne Erinnerung an die Zeit dort.

25. Januar 07

Vermisse ich Japan?

von Thomas

Ja, natürlich...

Als ich mir dieses Bild (es ist letzten September am Hachiko-Ausgang des JR-Bahnhofs in Shibuya aufgenommen, im Hintergrund sieht man die berühmte große Kreuzung von Shibuya, mit den Hochhäusern und Menschenmassen, die dort jeden Tag herüberströmen) eben anschaute, da war dieses irreale Gefühl wieder da, dass sich so schwer beschreiben lässt.

Was ich auf dem Bild sehe, kommt mir so nah vor, es kann doch gar nicht sein, dass ich mich jetzt nicht in den nächsten Zug setzen kann und dort hinfahre. Reale Entfernungen spielen dann keine Rolle, hier, dort, alles vermischt sich und braucht wieder ein paar Momente, bis im Kopf alles wieder an seinem Platzt ist. Wir sind jetzt hier und nicht dort, auch wenn es vom Gefühl her noch sehr zum greifen nah ist.

Wird das jemals wieder anders werden? Nicht wirklich, fürchte ich. Auch wenn es mir unsere Wohnung hier, meine Arbeit, unser Leben hier, noch so gut gefällt, so ist das auf dem Bild dort doch ein unauslöschlicher Teil von mir geworden, wird es immer bleiben. Und damit auch die Erinnerung an das Leben dort, an das Lebensgefühl dort.

Und das das alles etwas irreal ist, passt eigentlich zu Japan. Denn letztlich war unsere Zeit in Japan schon auch sehr irreal, vor allem eben auch wenn wir in Tokyo. Fast nichts verstehen und gar nicht verstanden werden, löst einen heraus aus der Realität. Wir waren da, aber wir waren nicht wirklich Teil des Geschehens dort, wir waren Zuschauer in einem dreidimensionalen Kinofilm, der um uns herum ablief. Das gibt dem Leben dort etwas unvergleichlich unbeschwertes, befreites, erlaubt einem eine einzigartige selektive Wahrnehmung  des Angenehmen und Schönen.

Wenn man die Menge der vorbeieilenden Menschen auf dem Bild sieht, dann war ich nicht Teil davon, ich hatte mein Tempo, ich stand, machte ein Photo, ganz ruhig, losgelöst, nur ein Beobachter. Insofern  ist das Bild auch ein Sinnbild für unser Leben, für unsere Rolle in Japan.

Und jetzt sind wir wieder zu Hause und von dem Leben in Japan bleiben uns nur noch Bilder, als Erinnerung in unseren Köpfen, oder als Photo auf dem Computermonitor oder auf Papier gedruckt...

06. Januar 07

Japan im Baumarkt

von Gunda

Viel hat sich gar nicht geändert.  ;-)  Vor ein paar Monaten gingen wir noch zu Joyful Honda, jetzt ist Knauber genauso weit weg. Und die hatten heute Familentag mit dem Thema "Japan". Das wollten wir natürlich fachmännisch begutachten.

Dort konnte man lernen, mit Stäbchen zu essen, Kanjis mit Edding oder normalen Pinseln (Meine Kalligraphie-Lehrerin wäre in Ohnmacht gefallen!) "abzumalen", konnte sich im Kimono ohne Obi fotografieren lassen, der vorne wie ein Bademantel verkrampft zusammengehalten werden sollte. Man konnte deutsche ältere Herren fachmännisch auf Getas rumstaken sehen, fand ein Torii aufgebaut und konnte eine komplett deutsche Trommelgruppe (Wadokyo) eher, sagen wir mal, modern interpretiert, "japanisch" (Taiko) trommeln sehen.

Besonders beeindruckt war ich von der Nähe der kostümierten Deutschen zum Stand mit den Karnevalsverkleidungen, der "japanischen" Märchenvorführung mit ausschließlich chinesischen Namen, die auch noch irgendwie "eingedeutscht" klangen, und dem "japanischen Imbiß" der eine Reihe chinesischer Gerichte bot.

Sage und schreibe DREI Asiaten habe ich unter den Veranstaltenden gesichtet. Vielleicht waren es sogar Japaner...

Vielleicht zum Glück war das also keine heimwehauslösende Veranstaltung. Nur ein Beweis, daß es die Deutschen mit dem Asia-Mischmasch auch nicht so genau nehmen, wie die Japaner mit allen westlichen Kulturen. (Aber über eine deutsch-amerikanische Mischveranstaltung als "Deutscher Tag" würde sich ein Deutscher natürlich aufregen...)

(Fotos und Videos kommen noch.)

03. Januar 07

"Willkommen in unserem Land!"

von Gunda

Langsam frage ich mich, ob ich Recht gehabt habe, wenn ich immerwieder Japanern erzählt habe, daß die Deutschen mehr Routine im Umgang mit Ausländern hätten. - Schließlich liegt Deutschland in der Mitte von Europa, und es gibt offenen Grenzverkehr.

Was wir neulich im China-Imbiß beobachten durften, straft mich lügen:

Ein Paar mittleren Alters fragte doch ernsthaft den chinesischen Angestellten, ob er denn in Deutschland geboren sei. Als er das verneinte, sprach der deutsche Mann plötzlich sehr laut und deutlich: "Willkommen in unserem Land!"
Wie peinlich!!! Erstens wohnt der Chinese bestimmt schon seit vielen Jahren in Deutschland, zweitens ist er garantiert nicht plötzlich schwerhörig geworden. - Abgesehen davon, daß er zwar mit Akzent, aber doch fließend Deutsch spricht. Und was ist "unser Land"? Da bekommt man doch gleich als Ausländer das richtige Gefühl, bitte nur Gast zu bleiben. Und plötzlich fühlte ich mich doch sehr stark an Japan erinnert, wo wir oft das Gefühl hatten, daß man nach 20 Jahren wohl immernoch nur als Gast betrachtet werden würde. - Auch mit japanischem Paß...

01. Januar 07

Heimweh nach Japan

von Gunda

Langsam geht es, nach dem Auspacken der Berlin-Sachen, an's Eingemachte, an die Japan-Kisten. Alleine schon die Bücher und Fotos wecken bei mir Heimweh nach Japan. Und dann all die Gegenstände, von denen ich noch genau weiß, wo sie herkommen und unter welchen Umständen sie zu uns gefunden haben...

Wer das nicht selbst mitgemacht hat, wird es kaum glauben, daß man als Ausländer Heimweh nach einem fremden Land haben kann. (Ja, das tut richtig weh!) Tja, jetzt haben wir ZWEI Zuhause. Und jeder von uns muß seine eigene Strategie finden, um damit fertig zu werden.

Manchmal wache ich morgens auf und denke im Halbschlaf, ich bin in unserer Wohnung in Arakawaoki und denke daran, wo ich diesen Tag gerne hingehen möchte. Dann fällt mein Blick auf das Zimmer und das Fenster mit dem grauen Winterwetter, und ich denke an auszupackende Kisten und Orgakram... Das ist nicht leicht. Aber auch hier wird es Frühling werden, und bis dahin haben wir dann auch schon ein schönes Zuhause hier. So haben wir den Winter perfekt mit organisatorischer Ablenkung "verschlafen".

26. Dezember 06

Badekultur international

von Gunda

Wir haben das Baden in Japan immer sehr genossen und beneiden die Japaner auch immernoch um Onsen & Co. Aber schließlich gibt es ja auch europäische Bade- und Entspannungskultur, und die wollten wir dann nach langer Zeit mal wieder genießen, um den Umzugsstreß von uns abfallen zu lassen. Also sind wir im Copa Ca Backum in Herten (bei Thomas' Eltern) in die Saunalandschaft gegangen.

In Japan ist das öffentliche Bad sozusagen die Erweiterung des Zuhauses. (Im ländlichen Bereich sieht man auch schonmal jemanden in Yukata oder Schlafanzug abends vor dem Schlafengehen zum Bad pilgern.) Dort wird intensive Körperpflege schon fast rituell betrieben. Und wer sich nicht mindestens mit einem Peelingschwamm und ordentlich viel Seife vor dem Baden abgeschrubbt hat, gilt als dreckig. Aber auch Rasieren, Nagelpflege und Zähneputzen gehören für viele zum Programm. Wenn Ausländer das Bad betreten, lösen sie sofort Angst aus, daß das Badewasser verschmutzt werden könnte, weil sie sich nicht genug waschen. Gerade bei den Frauen scheint das der Fall zu sein. Ich bin oft genau beobachtet worden, wie sehr ich mich wasche und habe dann auch genau das getan, was die Japanerinnen gemacht haben. Auch, um zu beweisen, daß auch Ausländer die Regeln kennen.

Umso geschockter waren wir natürlich über die Regeln in der deutschen Sauna: Keine Körperpflege außer das Waschen mit Seife war erlaubt. Noch nichtmal Schwämme. Das sei unhygienisch. Sowas solle man doch lieber zu Hause benutzen. Auch Zähneputzen und Fußpflege war verboten (was ich widerum nachvollziehen konnte).

Da haben die Japaner wohl Recht: Ausländer sind dreckig.  ;-)

22. Dezember 06

Frohe Weihnachten

von Thomas

Drei Monate sind wir jetzt wieder im Lande, haben vor zwei Wochen unsere neue Wohnung bezogen, die aber immer noch teilweise so aussieht, als wäre kürzlich eine Bombe eingeschlagen, weil noch so viele Kartons und Kisten herumstehen.

Aber es wird, und je mehr es wird, desto kommen wir auch in Deutschland an. Und desto weiter entfernt sich auch Japan. Ich will ja immer noch etwas darüber schreiben, wie wir das jetzt alles gefühlsmässig überstanden haben, wie wir uns eingelebt haben, was wir vermissen und wie wir rückblickend auf unsere Zeit in Japan schaun. Aber es funktioniert irgendwie nicht, irgendwie bekomme ich es nicht so recht in Worte gefasst, es scheint mir ständig alles im Fluss zu sein, der Alltag gedanklich zu vereinnahmend, als das ich da mal innehalten könnte und etwas vernünftiges sagen könnte.

Aber irgendwann wird das sicher funktionieren, wenn alles sich etwas gesetzt hat, der zeitliche Abstand größer ist und wir mehr Ruhe habe.

Doch jetzt ist erstmal Weihnachten und daher allen, die noch immer hier vorbeischauen, ein frohes Fest und auch schon mal einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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